Neue Probleme
Der Muggel redet auf James ein. Sirius hört nicht zu. Gelangweilt und etwas nervös spielt er mit einer von Lilys Haarklammern.
Als diese zerbricht, steht er auf und sagt zu James: „Kann ich dich mal allein sprechen?"
Der Mann setzt ein schleimiges lächeln auf: „Nur zu Mr. Potter lassen Sie sich durch mich nicht stören".
James lächelt – Sirius weiss gar nicht, dass James so breit und falsch lächeln kann – und geht mit Sirius mit. Sie gehen in den Garten. Die Sonne scheint nun nicht mehr so stark, dicke Gewitterwolken haben sich über dem Himmel zusammengebraut. Die beiden Männer schauen sich an. Dann können sie sich nicht mehr halten, sie gleichzeitig gedämpft, aber so, dass ihnen Tränen runterringen. Nur James kann Sirius dazu bringen an einem solchen Tag so zu lachen, als seien sie Schuljungen, die gerade einem Lehrer – oder in Sirius' und James' Fall auch Snifelus - einen ziemlich witzigen – und in James' und Sirius' Fall ein ekliger und gefährlicher – Streich gespielt. Eigentlich lacht er nur noch mit oder wegen James oder Harry.
„Pssst...", zischt James, den Finger warnend auf den Mund gelegt und den Blick zur Küche gerichtet.
Davon müssen die beiden, jedoch nur noch mehr lachen.
Als sie sich endlich wieder beruhigt haben, sagt James, mit angestrengt ernsten Tonfall: „Und was sollen wir tun?"
Also ist auch James klar geworden, was für ein Mensch dieser Muggel ist. Manchmal denkt Sirius, dass ihr alter Wahrsagelehrerer, der ziemlich senil und tatterig war, doch recht hatte und man, wenn man das innere Auge besitzt, sogar Gedanken lesen und Nachrichten übermitteln kann. Na ja die Schüler waren sich früher nie sicher, ob Professor Senex Wahrsagen nicht missverstanden hatte und ausserdem hatte Mr. Senex ihnen gesagt, dass sie seinen Unterricht aufgeben sollten und einen Benimm – Kurs belegen sollten. Ersteres haben sie dann auch getan.
„Hast du Muggelgeld?", fragt Sirius, wie in Trance, während er sich weiterhin an ihre gemeinsamen Erlebnisse erinnert.
„Tatze, wir wohnen in einer Muggelgegend, ein wenig schon", er nickt ernst, was ihm immer noch nicht recht gelingen wollte.
„Wie viel?"
„Keine Ahnung, ich kenn mich mit so was nicht aus?"
„Wir hätte Muggelkunde belegen sollen?", murrt Sirius.
„Du willst also mit lauter Huffelpuffs zusammen Börsen – Dings da und Namen von berühmten Muggel auswendig lernen", fragt James, dem das Ernst bleiben immer weniger gelingt.
Auch Sirius kann sich nicht mehr lange beherrschen, obwohl dieser Witz, für James Verhältnisse, ziemlich karg war.
„Idiot, hör mal auf, das hier ist ein Problem. Wahrscheinlich hat er eine Feuerwaffe dabei und vielleicht sucht er jetzt gerade Dinge, die er mitnehmen kann und wenn er noch mehr durchröntget mit seinem ewigen rumschauen, wenn er sogar, was mit seinen Händen durchwühlt, auf was könnte er da stossen?"
„Auf alles mögliche", sagt James.
Sirius spürt, dass er gewonnen hat. Nun wird James alles tun, was er verlangt.
„James, gib ihm doch einfach alles, was ihr habt. Ich meine so viel wird es nun einfach nicht sein."
„Na ja, und was ist, wenn das Geld ihm zu wenig ist, dann wird er Ärger machen und mehr haben wir nicht."
Sirius grinst sein arrogantestes Lächeln, welches er gerne benutzten, als sie noch gemeinsam auf die beste Schule für Zauberei und Hexerei im ganzen Vereinigten Königreich – sie wussten und wissen zwar gar nicht, wie ihre Königin heisst und dass ihr Land überhaupt eine Königin hat – gingen. James lacht laut auf. Genau das Selbe Lachen, welches er gerne von sich gab, als sie Schüler geringer Beliebtheit für ihren Spass quälten.
„Werden wir dann etwas, was illegal ist, tun?", fragt James nur noch rhetorisch. Ein fieses Grinsen umspielt James' Lippen.
Sirius lacht nur und geht, gefolgt von James, zurück in die Küche. Als der Muggel die beiden zurückkommen sieht steht er auf.
James schien sich dazu entschieden haben, dass sie, wenn dieser Muggel sie schon nerven musste, wenigsten er und Sirius etwas Spass haben könnten. James geht nun so, wie ein Boss zu seinem Angestellten geht, wenn er glaubt, dass er diesem einen Gefallen tut, indem er ihn erpresst. Nur fehlten James dazu noch Krawatte, Hosenträger und Bierbauch, stellt Sirius fest, als James anfängt seine Rolle zu spielen. Sirius stellte sich extra hinter den Muggel, damit dieser keinen Verdacht schöpfen würde, denn jetzt, jetzt könnte es, nein, jetzt wird es lustig werden, zumindest für die beiden Rumtreiber.
„Jake, ich darf Sie doch Jake nennen?", James wartet keine Antwort ab, anstatt dessen spricht er mit einer hohen, hochgestochenen Männerstimme weiter „Sie haben mein Weib gerettet, dass ist sehr löblich."
James holt tief Luft und räuspert sich: „Hem...hem Sie haben sich dafür natürlich eine Entschädigung verdient, schliesslich haben Sie sich für mein Weib eingesetzt."
Das Gesicht des Muggels, welches zuvor wegen des merkwürdigen Gebärden James' noch skeptisch ausgesehen hat, erhellt sich. J
ames erhebt seinen Zeigefinger und sagt langsam und sehr laut: „Aaaaaaaber", Sirius hinter Jake kann sich bald vor unterdrücktem Lachen nicht mehr einkriegen „Sie müssen über diesem etwas unangenehmem Sachverhalt Stillschweigen bewaren."
Der Muggel nickt übereifrig „Aber natürlich, natürlich", schleimt er.
Mit seinem deutschen Akzent hört der Muggel sich bei diesen übereifrigen Worten noch schleimiger an.
„Setzen Sie sich doch, mein Herr", James betont das „Setzen"noch mit einer ziemlich überflüssigen Gestik auf den Roten Stuhl mit dem Schriftzug „James Potter"darauf, den seine Mutter darauf gepinselt hatte „ich hole Ihnen nur ihre wohlverdiente Belohnung für die Rettung meines Weibes aus dem Salon".
Dann spaziert er, während er seine unsichtbaren Hosenträger festhält in den „Salon". Sirius hat sich auf den Stuhl gegenüber dem Muggel hingesetzt und mustert diesen nun interessiert und sehr aufdringlich. Er hat den Spiess umgedreht.
Dem Muggel ist dieses neue Interesse sichtlich unangenehm. Verschmitzt lächelnd sagt er zu Sirius: „Ein vornehmer Herr Ihr Freund Mr...ähm..?", zuvor hat er ihn noch Sirius oder sogar Tatze, wenn auch nur wegen eines Missverständnis, genannt, nun nennt er ihn Mr, was für ein Schleimer.
Sirius lächelt falsch „Black. Ja, ja das ist er. Er ist ziemlich reich wissen Sie."
„Aha", der Mann schien nun sehr interessiert zu sein.
Sirius lächelt noch falscher, als zuvor „und heute scheint er gut gesinnt zu sein, aber sollten Sie es wagen nochmals hier her zu kommen, dann werden Sie es für immer bereuen, falls Sie es dann noch bereuen können.", sagt er kalt.
„Was?", fragt der Muggel verwirrt.
„Was glauben Sie wohl, was das dumme Weib dieses Herrn im April in einem eiskalten Fluss zu suchen hatte", Sirius grinst bösartig.
Lügen kann ja so interessant und vor allem unterhaltsam sein. Die Gesichtsfarbe des Mannes wird nun kreidebleich. Er scheint jegliche Logik vergessen zu haben. Zum Beispiel, dass James seine Frau hoch getragen hat, dass es hier nicht nach Mafia oder Ähnlichem aussieht und noch vieles mehr.
Bevor Jake antworten kann, ist der „Boss"James wieder zurück. Sirius hat die Lust an James Witzen, für Heute, jedoch verloren. Er schaut nur noch mit Gelangweiltem Gangsterblick um sich. James kann auch nicht mehr viel sagen. Der Mann nimmt das Geld, ohne es auch nur anzusehen, und rennt dann mehr, als dass er läuft zur Tür und hinaus.
„Was hast du denn mit dem gemacht?", fragt James erstaunt.
Sirius antwortet nicht. Im Nachhinein findet er, dass, was er gesagt hat nun doch nicht mehr witzig. Es kommen ihm auf einmal die Worte Andromedas ein, die sie einmal gesagt hatte, als sie von einem Typ enttäuscht geworden ist, weil sein Charakter zehntausend mal schlechter war, als sein Küssen: „Männern scheint es spass zu machen ein Arschloch zu sein".
Ein gewöhnlicher Satz, den man in dieser Weise oder etwas anders als Mann öfters zu hören bekommt, trotzdem manchmal war er ein Arschloch und meistens macht es ihm auch spass.
Etwas später stösst auch Lily zu den beiden Männern. Sie ist zwar immer noch etwas blass um die Nase, trotzdem es scheint ihr gut zu gehen. Sie seufzt und setzt sich auf einen Stuhl um den runden Tisch aus Holz, der einst Lilys Grossvater gehörte.
Sirius scherzt unbeholfen: „Wegen dir konnten wir einen Tagedieb aushalten."
„Und wie seid ihr in los geworden?", fragt Lily, die sehr müde wirkt.
„Wir haben ihm das Geld in deiner Blechbüchse gegeben."Schlagartig wird Lily wach. „Du hast was?", schreit sie. „Ohoh", murmelt Sirius.
„Ja, ohoh, ihr habt ja keine Ahnung, was ihr da dem Tagedieb gegeben habt."
„Lily das war doch nur Papiergeld, ich meine so was kann doch nicht viel wert haben", sagt James ziemlich kleinlaut. Lily lacht auf.
Triefend vor Sarkasmus sagt sie: „Nein, nein nur Papiergeld, das hat nicht mehr Wert als 5000 Pfund. Ich weiss gar nicht, weshalb ich mich so aufrege."
„Wie viel sind 5000 Pfund?", fragt James leise.
Lily stöhnt auf und sagt: „Ich denke, dieser Tag scheint der schlimmste in meinem ganzen Leben zu sein. Es ist einfach zu viel auf einmal."
Und dann geschieht etwas, was weder Sirius noch James erwartet hätten. Sie weint. Sie vergräbt ihren Kopf in ihren Händen. James rückt mit seinem Stuhl zu Lily und tätschelt ihr den Rücken. Lily lehnt sich an die Schulter James' und schluchzt leise.
Sirius und James schweigen. Sirius spürt jedoch, dass irgendetwas passiert sein muss, noch etwas, vielleicht sogar etwas schlimmeres, als schon passiert ist. Sirius spürt einen schmerzhaften Stich in seinem Herzen. Was konnte schlimmer sein, als dass er seine Cousine verliert? Was konnte schlimmer sein, als der tote Körper Andromeda Tonks? Er will nicht, dass Lily etwas schlimmeres gesehen oder erlebt hat, er will nicht, dass Andromeda vergessen wird. Sirius weiss, dass das, was er jetzt tut taktlos ist, trotzdem er will gehen. Wohin weiss Sirius nicht, aber er kann nicht mehr länger in diesem Haus bleiben. Sirius sagt nicht, weshalb er geht. Er sagt auch nicht, dass er geht. Langsam steht der junge Mann auf und blickt noch einmal auf Harry, den er bevor er mit James in den Garten gegangen ist, um die Sache mit dem Muggel zu besprechen in seinen Laufstall getan hat, der in der linken Ecke der Küche steht, dann geht er ohne auch nur noch ein Wort zu sagen zu dem Kamin schnappt sich Flohpulver, steigt in den Kamin und sagt deutlich: "Winkelgasse".
