Verfolgungsjagd

James hört, wie Sirius deutlich „Winkelgasse"sagt. Er dreht sich abrupt zum Kamin um. Nur für den Bruchteil einer Sekunde sieht er noch Sirius rasend um sich selbst drehend verschwinden.

„Sirius, was soll das?", ruft er noch, doch zu spät.

Fragend dreht er sich zu Lily um.

Er versucht es mit einem Witz: „Heute ist schon ein komischer Tag. Hat Remus alle meine Bekannten etwa gebissen?"

Der Witz wäre auch so schon lausig, zu dieser Situation jedoch passt er so gut, wie Honig zu Appenzellerkäse. Lily scheint diese blöde Bemerkung aber nicht einmal gehört zu haben. Mit ihren grossen, grünen Augen, an deren Wimpern noch immer winzige, glitzernde Tränen hängen, starrt sie, wie in Trance den Kamin an.

James ist sich auf einmal unsicher, obwohl Lily nicht ansprechbar zu sein scheint, fragt er diese trotzdem: „Es ist doch besser, wenn ich ihm nicht nachreise. Ich meine, er ist Erwachsen, er soll mit seinen Problemen selbst klar kommen."

Ein paar Sekunden starrt Lily noch immer so, als wäre sie in wirklichkeit in einer anderen Welt oder als würde in ihrem Kopf ein besonders spannender Film ablaufen, den Kamin an, dann gibt sie sich einen Ruck.

„James, Sirius....er darf nicht nachhause gehen. Es ist zu schrecklich. James wir müssen ihm folgen, schnell."

Als James nicht gleich reagiert, schreit Lily ihn regelrecht an: „Kannst du nicht einmal das tun, was ich sage, du arroganter Scheisskerl."

Diese wirklich harten Worte, James kann sich nicht mal erinnern, dass sie so was hartes gesagt hat, als sie sich noch hassten – beziehungsweise sie ihn – schmettert sie ihm mit einer Lautstärke und einer Wut entgegen, sitzen so stark, dass James erst recht nicht reagiert. Wütend hebt Lily ihren Zauberstab schreit, ja kreischt, einen Fluch und James stolpert in den Kamin.

„Wirst du jetzt wohl ‚Winkelgasse' sagen?", fragt sie ihn, die Lautstärke variiert nun zwischen einem Gorillaweibchen, dem man sein Kind weggenommen hat und einem Riesen, wenn dieser aus Wut Bäume ausreisst.

Völlig verdattert, sagt er leise, aber zum Glück doch deutlich: „Winkelgasse." Er ist so verstört, dass er sich in dem Kamin benimmt, wie ein Anfänger, als er endlich im Tropfenden Kessel ankommt, ist er vollkommen mit Russ verdreckt und seine Brille ist zwar nicht kaputt, sie ist jedoch etwas verbogen. Bevor er jedoch „Reparo"murmeln oder sich auch nur den Russ wegklopfen kann, packt ihn eine überhaupt nicht verdreckte Lily, für seinen Geschmack, etwas zu grob am Oberarm. Ihn hinter sich herziehend, rennt sie durch die Winkelgasse. Irgendwann dreht sie sich zu ihm um.

„Kannst du vielleicht auch selbst laufen und dich nach Sirius umschauen, oder ist das zu viel verlangt?"

Die Zauberer und Hexen auf der Strasse drehen sie sich wegen Lilys Lautstärke zu ihr um. Einige bekannte Gesichter sehen ihn fragend an. James erklärt ihnen die Situation jedoch nicht – die er selbst auch nicht ganz verstand -, er hatte nun wenigstens begriffen, dass er Sirius finden musste. Irgendetwas, was er in seiner oder vor seiner Wohnung finden würde, sollte er so nicht vorfinden. Dies nahm er zumindest an.

Es gibt viele Zauberer, die nicht wollen, dass man unmittelbar in ihr Haus oder vor ihr Haus apparieren kann. Meistens ist es dann das Haus selbst, welches geschützt ist. Sirius lebt in einem Mietshaus. Bei Zauberermiethäusern ist es abnormal, wenn kein solcher Schutz angebracht ist. Ausserdem ist Sirius ein Auror und Auroren haben meist all möglichen Schutz um sich – manche übertreiben dies auch und machen sich selbst das Leben schwer -, Sirius beispielsweise hat keinen Kaminanschluss, er muss also immerzu in die Winkelgasse reisen – in die man übrigens auch nicht apparieren kann – und dann durch diese hindurch gehen um zu einer naheliegend Wohnsiedlung zu gelangen.

Er lebt in einer eher ärmlichen Muggelwohngegend, der Zaubererblock ist von Aussen ein abbruchreifes Gebäude, von innen ist es jedoch ein recht schönes Gebäude. Die Wohnungen sind nicht sonderlich gross. Meist leben junge Paare, da hatten Lily und James mehr Glück, oder alleinstehende Hexen und Zauber in solchen versteckten Blöcken.

Lily und James bewegen sich so rasch wie möglich vorwärts. Rücksichtslos rempeln sie die Zaubergesellschaft, die gerade ihre Einkäufe erledigt, an. Immer wieder geht ein empörtes Raunen durch die Menge. James entschuldigt sich wenigstens noch kurz beim Vorbeihuschen, Lily geht unbeirrt weiter vorwärts.

Endlich sieht James kurz vor dem Ende der Winkelgasse einen jungen Mann mit schwarzen Haaren rasch auf den Ausgang zu gehen.

„Sirius", schreit James so laut er kann, wobei er trotzdem nicht die Lautstärke einer Lily Potter geborene Evans erreicht.

Sirius dreht sich um und schüttelt den Kopf. Er geht weiter.

„Black, du Idiot", schimpft Lily so laut, dass sich, so scheint es James, die ganze Winkelgasse nach der Rothaarigen umdreht.

Sie rennt auf ihn zu und packt ihn. Dieser will sich trotzig umdrehen. Lily ist jedoch eine gute Hexe. Mit einer blitzschnellen Bewegung zieht sie den Zauberstab hervor und stösst ihn Sirius in die Rippen. Wäre Lily nicht Lily hätte James sich in diesem Moment schon überlegt, ob er vielleicht Bellatrix Black nach einer Verwandlung geheiratet hat. Manchmal, wenn es darauf an kommt, kann Lily nämlich ganz schön wild, aggressiv, wütend und, wie James heute schon ein paar mal bei eigenem Leibe spüren musste, laut werden. In diesem Zustand kann sie ihren Willen durchsetzen, wie niemand anders.

Sirius gibt auf und hebt, mit einem bissigen Anflug eines Lächelns, die Hände hoch. Lily glüht die Menge mit ihren grünen Augen giftig an, diese benimmt sich nach ein paar empörten Gesprächsfetzen wieder normal.

James hört, wie ein uralter Zauber, der auf einen Stock gestützt ist, der verdächtig nach einer versteinerten Schlange aussieht, mit Glatze und Zahnlücke zu einer jungen, brünetten Hexe im Lila Umhang sagt: „Früher, hat es so was noch nicht gegeben, dass auf offener Strasse, private oder nicht private Streitereien ausgetragen werden."

Die junge Frau lacht und antwortet schliesslich kess: „Hat es sehr wohl und die waren noch viel schlimmer gewesen, als das hier. Es gibt in Grossbritannien erst seid 15 Jahren ein Duellierverbot, mein Herr".

Der Mann murmelt daraufhin etwas unverständliches vor sich hin. James glaubt den Fetzen „schon 158 Jahre", herauszuhören.

Durch diesen wirklich interessanten Wortwechsel hätte James fast seine eigenen Probleme, sprich – was sich jetzt etwas fies anhört – Sirius und Lily vergessen. Lily traut Sirius noch immer nicht über den Weg. Noch immer stösst sie ihren Zauberstab in Sirius' Rücken. Sie zeigt auf das erstbeste Restaurant, der Tropfende Kessel wäre zu weit weg. Schweigend geht das merkwürdige Trio zu dem Restaurant „Das Extravagante Magenschmaus – Haus". James hatte dieses winzige Restaurant noch nie bemerkt. Das lag vielleicht auch daran, dass dieses Magenschmaus – Haus wirklich überhaupt nicht extravagant war, zumindest von aussen. Die Fassade ist schmuddelig braun und die Buchstaben waren vor scheinbar vor 3000 Jahren frisch gestrichen worden. Das winzige Restaurant hat ausserdem keine Fenster.

Zu Dritt öffnen sie eine einfache Holztür mit klebrigem Griff und treten in ein überfülltes Restaurant. Die Wände des Restaurants wurden blau angemalt, wahrscheinlich hat dies ein durchschnittlicher Zauberspruch bewirkt, denn es sieht etwas verschmiert aus, darauf hat ein durchschnittlicher Maler Fledermäuse, Kraken, Drachen und ähnliches Getier gemalt. Das eklige daran ist, das diese sich bewegen und sich gegenseitig auffressen. Wenn jedoch eine Fledermaus auf eklige Weise von einer Riesenspinne gefressen wurde, entsteht, wie James schnell bemerkt ein neues Tier. Die Zauberer und Hexen, die dieses Restaurant gut zu kennen scheinen und wahrscheinlich öfters hier sind, wirken alle ebenfalls etwas, wie sollte man es anders nennen, extravagant. James glaubt sogar einen Vampir zu erkennen. Es gibt nur ein paar Tische. Es wirkt als würde die Wirtin, welche aussieht, wie eine Todesfee, einfach sobald jemand kommt irgendwelche Stühle hinstellen, die überhaupt nicht zusammen passen oder sie setzt die Leute auf einen schmuddeligen vom Dreck grauen Teppichboden. In der Mitte des Raums steht ein schmales Buffet. Die Gäste bedienen sich selbst. In dem Buffet befindet sich lauter, ekliges, schleimiges, zum Teil noch lebendes Getier oder Tierteile. James erkennt gerade noch eine sich bewegende Kracke, Riesenschnecken und Augäpfel, da dreht es ihm den Magen um und er kann dieses "Essen" nicht mehr ansehen.

Lily dreht sich schon auf ihrem Absatz rum, da werden die Drei schon von der Wirtin entdeckt. Mit hoher kreischender Stimme säuselt sie: „Ah Gäste ... meine Lieben, setzen Sie sich doch. Aber für solch besondere Gäste habe ich natürlich auch einen Tisch. Moment."

Sie lässt Lily, Sirius und James stehen und geht zu einem Tisch in der linken Ecke. Staunend beobachtet James, die unheimliche Wirtin. Wie sie unfreundlich ein paar komplizierte, unaussprechbare Namen sagt und die Betroffenen von ihren Stühlen um den Tisch reisst und sie auf den Boden schmeisst. Lächelnd kommt sie zurück und weist sie mit einer übertriebenen und hämischen Verbeugung auf den dreckigen grün gepunkteten Tisch hin. Den drei bleibt keine Wahl.

Schüchtern und verängstigt nuschelt James nur noch ein „Danke"und sie gehen zu dem Tisch durch, wo bei sie über einige eklige Körperteile stolpern, von denen sie nicht wissen ob diese vom Essen oder von den Essern stammt....