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Wie lange mache ich das schon?
Wann trieb es mich des Nachts zum ersten Mal auf die Straßen, unerkannt, verhüllt?
Was bewegte mich dazu, mich vollkommen aufzugeben, auf die Jagd zu gehen, um selbst Gejagter zu werden?
Sicherlich hätten verständnisvolle Freunde und vor allem Freundinnen mir da guten Rat geben können, auf mich einreden, es doch sein zu lassen, wie könnte ich denn nur, und was, wenn jemand herausfände, wer ich sei?
Vielleicht war es das, dieser Nervenkitzel, der mich dazu bewog, in einer dunklen mondlosen Nacht zum ersten Mal mich zu verändern, meinen Bart abzunehmen, ein anderes Gesicht aufzusetzen, mir die Haare ganz zurückzubinden, einen Überwurf mit Kapuze zu wählen und mich dann wegzuschleichen... einfach sehen, was geschieht, wenn ich mich unters Volk mische und in eindeutiger Art und Weise zur Verfügung stehe. Ich habe sie beobachtet, die Jungs und jungen Männer, wie sie das machen, und die Zahl derer, die gerne einmal einen Ausflug in dieses Reich machen, ist groß, erstaunlich groß, vermutlich sind sie zu Hause genau wie ich jemand anderer, aber hier werfen sie mir Blicke zu, zahlen für kurze, heftige Lust, und fühlen sich gut dabei - denn sie bezahlen mich ja, den armen Straßenjungen, und sie ahnen nicht, dass sie genau das tun, was ich möchte.
Frauen haben mich noch nie gereizt und einen Mann, der mir das geben könnte, was ich gerne möchte, den müsste ich neu erschaffen, denn so jemanden gibt es nicht, einen, der mir auch nur annähernd gewachsen wäre an Geisteskraft, Willen, Durchsetzungsvermögen und Kreativität.
Da ich also eh nicht bekomme, was ich möchte, nehme ich mir, was ich kriegen kann, und das in möglichst hoher Zahl. Vielleicht summieren sie sich ja, die Kräfte all dieser Männer, und je mehr ich von ihnen habe, benutze, denn ICH bin es, der SIE benutzt, nicht umgekehrt, oh, wenn sie wüssten, wer ich bin, sie würden fliehen, ja fliehen, also bin ich derjenige, der sie hintergeht, ausnutzt, gebraucht, desto stärker fühle ich mich, desto überlegener, desto mächtiger. Ich sauge sie alle aus, so oder so, und ihre Lebenskraft lassen sie in mir, und jedes Mal, wenn einer kommt, dann gehört er mir.
Sie tun, was ich will, gehorsam sind sie mir zu Diensten und bezahlen mich auch noch dafür. Es ist so einfach.
Ich lache heimlich, als der nächste sich nach mir umsieht, mehrfach, und ich weiß, dieser Mann in der Blüte seiner Manneskraft wird mich gleich ansprechen, mal sehen, was der will, er sieht anders aus als diejenigen, die ich heute Nacht schon hatte.
