Kapitel 5: Gefährliches Spiel

Nun gut, alles, was ich möchte, wiederholt der Mann und bringt aus einer Tasche ein schwarzes Tuch hervor, das er mir zeigt. Ich will dich wegbringen hier, doch wohin, das soll dir verborgen bleiben. Bist du bereit, dir die Augen verbinden zu lassen?

Nur der Form halber frage ich ihn, ob er das auch bezahlen kann, und er lächelt mich an, mit einem Blick, der von mitleidig bis herablassend changiert, und ich schweige, natürlich kann er das, es war auch nur eine Frage, um meinen eigenen Preis hochzutreiben. Er soll nicht denken, dass ich billig bin.

Die ganze Nacht, mein Junge, sagt er, und alles, was ich will.

Er greift noch einmal in seine Tasche und wirft mir, fast verächtlich, zehn große Goldmünzen auf den Tisch, das Jahresgehalt eines Handwerkers. Ich starre darauf und frage mich, was er vorhat, wenn er es so gut entlohnt, aber die Neugierde und Abenteuerlust packt mich und ich zeige auf das schwarze Tuch und nicke.

Lächelnd, und ich bin mir nicht sicher, wie er lächelt, ob es kalt ist oder arrogant oder sonst was, aber er lächelt, und das ist das letzte, was ich von ihm sehe, nimmt er das Tuch und verbindet mir die Sicht, und dann packt er mich am Arm und manövriert mich heraus aus dem Gedränge und plötzlich, auf der Gasse, ist es leise.

Seltsam leise, gefährlich leise. Ich höre nur, ich sehe nichts, und er führt mich weiter, ich höre ein Pferd schnauben, und mit seiner Hilfe schaffe ich es auf das Pferd hoch, vermutlich nicht sehr elegant, was für mich schon beschämend ist, da ich ein sehr guter Reiter bin, aber mit verbundenen Augen auf ein Pferd zu steigen ist eine Kunst, die ich nicht erlernte.

Wir reiten.

Er dicht hinter mir, die Zügel in der Hand, ich vor ihm, blind und ihm ausgeliefert, doch einen Arm hat er fest um mich geschlungen, mir kann nichts geschehen, dennoch fühle ich mich sehr unwohl gerade und bin schon dabei, meine Entscheidung zu verfluchen, als er stoppt und mir beim Absteigen hilft.

Ich sehe nicht, wo wir sind. Und ich höre auch nichts, denn alles spielt sich leise ab, vermutlich hinter vorgehaltener Hand, wenn überhaupt jemand redet und nicht alles mit purer Gestik abgehandelt wird.

Irgendwo sind wir auf jeden Fall, denn eine Tür geht, noch eine, und dann sind wir wohl in einem Gemach, denn es zieht nicht mehr, die kalte Luft ist verschwunden und es riecht nach Wärme, nach Feuer, nach verbranntem Holz, anheimelnd und doch unheimlich, denn ich weiß nicht, wo ich bin, irgendwo hier in der Stadt, und ich weiß vor allem nicht, wie ich hier wieder wegkomme.

Siedendheiß fällt mir ein, dass ich auf jeden Fall vor Morgengrauen zurück sein sollte, sonst wird man mich vermissen. Ob die Nacht heißt, bis zum Morgengrauen? Ach, was soll's, irgendwie werde ich schon zurück kommen, es ging bis jetzt immer gut und ich werde mich wegschleichen, und -

Ich verliere das Gleichgewicht.

Er hat mich gestoßen und ich bin gestolpert, gefallen, und liege nun auf dem Rücken, auf einem Bett, offenbar, denn hart fiel ich nicht, und ich spüre sein Gewicht auf mir, er sitzt auf mir, und meine Arme - er biegt sie nach oben und - harte Seile schneiden in meine Handgelenke ein, er fesselt mich. Ich kann nicht mehr weg. Und etwas dagegen sagen kann ich auch nicht, das lässt meine Ehre nicht zu, denn ich sagte ihm zu, was er will, die ganze Nacht, und dafür hat er bezahlt.

Etwas Kaltes an meinem Hals.

Metall.

Ein Dolch.

Er streichelt mich damit, er streichelt mich mit seinem Dolch!!!

Er wird doch nicht...?

Ich spüre, wie mir abwechselnd heiß und kalt wird. Schweiß bricht aus und ich zittere, und er wird das merken, also bleib ruhig, bleib ruhig... gib ihm nicht die Oberhand, er soll denken, du bist abgeklärt und nichts kann dich ängstigen, denn das ist es ja anscheinend, worauf er hinaus will...

Der Dolch gleitet tiefer und zerschneidet mit Ratschen meine Tunika. Ich liege nun bloß vor ihm, mein Brustkorb wird sich heftig heben und senken und mein dummes Herz schlägt aufgeregt an meine Rippen, oh, hätte ich doch nicht - aber es ist zu spät und ich werde das durchstehen...

Wenn ich es überlebe.

Kein Wort von ihm, er sagt keinen Ton, und ich höre ihn auch nicht, das einzige, was ich höre, ist mein aufgeregtes Atmen, das ich nicht kontrollieren kann, so gerne ich es täte. Ich hab mich nicht mehr im Griff.

Meine Beinkleider werden zerschnitten und ich weiß, wenn ich es auch nicht sehe, dass ich nun nackt bin, und was mir gar nicht passt ist, dass ich gegen meinen Willen erregt bin. Ich spüre, dass ich poche, steif und hart aufrage, und das gibt ihm die Genugtuung, dass das, was er veranstaltet, genau das ist, was ich wohl möchte, obwohl mein Verstand sich dagegen sträubt. Ich habe Angst, innerlich, wenn ich es zugebe, ich habe furchtbare Angst, aus dieser Lage nicht mehr herauszukommen, ich weiß nicht, wer er ist, ich weiß nicht, wo ich bin, und ich weiß nicht, was er tun wird, aber ich weiß, ich zittere vor Furcht und Erregung. Was ist nur los mit mir?