Kapitel 6: Sorge
Ich ahne, dass du
möglicherweise noch an einer anderen Stelle verletzt bist, Elb... sagte er und
sah ihn ernst an. Aber ich wage nicht, dich dort zu berühren oder zu
untersuchen, wenn du Bedarf an Heilsalbe hast, so benutze sie, großzügig, ich
schenke sie dir, du brauchst nichts zurückzubehalten, es ist nur wichtig, dass
du gesundest.
Elben konnten rot werden, das sah der Mensch nun, und ohne ein Wort zu sagen
griff der Elb nach der Salbe und verneigte sich kurz, blieb aber vor dem
Menschen stehen.
Komm mit mir mit in die große Kleiderkammer, wir werden dich nun kleiden,
danach werden wir sehen, ob wir in der Küche etwas zu essen für uns beide
finden, denn ich habe großen Hunger und nehme an, dass es sich bei dir ähnlich
verhält, und dann werden wir ruhen, schon lange ist es dunkel hier in unserem
Lande und wir brauchen beide Schlaf, denn bald wird Kampf und Krieg ausbrechen,
wie du sicherlich besser als ich weißt, und wir werden beide in die Schlacht
ziehen müssen, um zu verteidigen, was uns lieb und wert ist.
Lieb und wert... was war ihm lieb und wert? fragte sich der Mann, und die
nassen blonden Haare begannen bereits wieder in Locken aufzuspringen und
endlich konnte er sehen, welch helles und einfach schlichtweg ergreifend
anderes Wesen der Elb war. Er selbst benötigte ein Bad, stellte er in einem
Nebengedanken fest, und vielleicht sollte er dies jetzt hinter sich bringen,
anstatt sich verschmutzt mit dem Elben zu Tische zu setzen.
Lass dir die Kleidung geben und dir beim Ankleiden helfen, sagte der Mann und
rief nach der Magd, die zuvor schon im Badezimmer hatte dienen wollen, aber
weggeschickt worden war.
Der Mensch zog sich die dreckstarrende Ledertunika über den Kopf und gewährte
dem Elben einen Blick auf seinen breiten, muskulösen Brustkorb, der ebenfalls
einige Narben aufwies, doch anders erworben als die seinen.
Bring ihn in die Kleiderkammer und kleide ihn, wie es für ihn angemessen, ist,
königlich! befahl der Mann mit einer Kopfbewegung Richtung Elb, als die Magd in
das Badezimmer eintrat, Ich wünsche Purpur an ihm zu sehen und Silber, ich bin
sicher, in unseren Kleidungsvorräten ist passendes vorhanden. Wenn irgendjemand
daran Anstoß nimmt, so sage ihm, es war mein Wille, und nun geh, kümmere dich
um unseren Gast, und vergiss nicht: Nur das Beste.
Später saßen sie an einem großen Tisch in der Küche zusammen, vor ihnen waren
Nahrungsmittel und Speisen aufgehäuft, doch keiner aß etwas. Der Mensch, der
selbst in ein schlichtes dunkelgrünes Hemd und dunkelbraune Wildlederhosen
gekleidet war, sah den Elben an, der eine wunderschön verzierte Tunika in Grau
und Purpur trug sowie passende dunkelrote Beinlinge, gegürtet war er mit einer
silbernen Schnalle, die mit einem Pferdekopf versehen war.
Gut haben sie ausgewählt für dich, sagte der Mensch und lächelte den Elben an.
Nun möchte ich weiter für dich auswählen, wenn du mich lässt. Denkst du, das
hier könnte dir schmecken?
Und der Mensch legte Brot auf einen Teller, eingemachtes Gemüse, schob ein Glas
Honig hinzu und dickflüssige rote eingekochte Früchte sowie ein Stück Butter,
das in einer Model geformt wurde und so mit einer großen Sonne verziert war.
Dazu stellte er eine Karaffe mit fast violettrotem Wein und ein Glas.
Der Elb sah auf all die Speisen und stellte fest, dass der Mensch ihm kein
Fleisch vorgelegt hatte.
Wie aufmerksam, dachte er, und er lächelte, als er zum Brot griff und ein Stück
davon abbrach.
Nachdem sie miteinander
gegessen hatten, brachte der Mensch den Elben in eine Kammer, in der ein großes
Bett stand, in dem eine dicke Decke lag und ein großes Kissen.
