°....° = jemand denkt
"...." = jemand sagt
{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)
Dart Saturn - The Dark Harvest
Teil 1
Nacheinander trafen Ami Mizuno, Makoto Kino und Minako Aino zusammen mit dem Kater Artemis beim Hikawa-Schrein ein. Es war ein schöner warmer Aprilabend, und dementsprechend gut waren die drei Mädchen gelaunt.
Rei erwartete ihre Gäste bereits am Eingang des Tempels und schüttelte mißbilligend den Kopf.
"Ist Usagi etwa schon wieder zu spät ?"
Minako grinste breit.
"Was erwartest du, Rei ? Unsere glorreiche Anführerin kommt doch immer zu spät."
"Vielleicht solltest du Eiskrem im Haus haben." schlug Ami vor. "Als Belohnung, wenn sie pünktlich kommt."
"Aber dann würde sie immer pünktlich kommen." wandte Rei ein, während sie ihre Freundinnen ins Innere des Gebäudes führte. "Und soviel Eis kann ich mir nicht leisten."
"Eigentlich sollte Luna dafür sorgen, daß Usagi pünktlich ist." fand Minako. "Mein vierfüssiger Berater schafft das ja auch." ergänzte sie mit einem grimmigen Blick zu ihrem Kater.
"Ich fürchte, mit dieser Aufgabe ist ein Berater allein überfordert." versuchte Artemis die andere Katze des Teams zu verteidigen.
Während sie auf Usagis Ankunft warteten, verteilte Makoto ein paar selbstgemachte Leckereien und unterhielt sich mit Minako und Rei über eines ihrer Lieblingsthemen: Welches waren die süßesten Jungs der Juuban Senior Highschool ?
Ami beteiligte sich nicht an solchem Tratsch. Sie holte ein Buch über moderne Quantenphysik heraus und machte es sich in einer Ecke des Raums gemütlich.
Nach einer halben Stunde kam schließlich schnaufend und keuchend Usagi Tsukino beim Tempel an.
"Hallo...miteinander..." Keuch. Keuch. "Ich...ich bin doch hoffentlich..." Schnauf. "...nicht zu spät ?" Das Mädchen mit den zwei langen blonden Zöpfen schaute erwartungsvoll in die Runde.
"Ach was." meinte Rei trocken. "Wir anderen haben uns nur gedacht, daß wir uns ruhig schon ´ne halbe Stunde früher treffen können, ohne dir was davon zu sagen."
Usagi machte große Augen.
"Echt ? Und warum ?"
Makoto und Minako kicherten hinter vorgehaltener Hand, während Ami nur leise seufzend den Kopf schüttelte. Manchmal war Usagi einfach nicht zu helfen.
"Na damit wir in Ruhe über dich lästern können." erwiderte Rei, wobei sie jedes Wort betonte.
Das war ein Fehler, und Rei bemerkte es sofort. Usagis Unterlippe begann zu zittern und ihre Tränendrüsen bekamen gerade den Befehl, alle Schleusen so weit wie möglich zu öffnen.
"Buähhhh ! Du bist immer soooo gemein zu mir, Rei !"
Rei seufzte und rollte genervt mit den Augen.
"Krieg dich wieder ein. Das war nur ein Scherz, du Dummkopf. Wir haben hier auf dich gewartet und echt nichts Schlimmes über dich gesagt." erklärte die junge Shinto-Priesterin ihrer leicht erregbaren Anführerin.
°So eine Heulsuse. Ich hoffe, bis sie in Kristall-Tokyo regiert, hat sie das im Griff. Weitere Tausend Jahre ertrage ich das nämlich nicht.°
Nachdem ihr die anderen Mädchen versichert hatten, daß Rei die Wahrheit sagte, beruhigte sie sich wieder.
"Und warum hast du uns herbestellt, Rei ?"
"Ich habe heute ein Feuerorakel durchgeführt." erklärte Rei. "Und dabei hatte ich eine Zukunftsvision von Tod, Zerstörung, Angst und Hoffnungslosigkeit."
Jetzt waren alle ganz Ohr.
"Weisst du etwas über die Ursache ?" fragte Luna, die schwarzfellige Beraterin der zukünftigen Königin Serenity, besorgt.
Rei schüttelte bedauernd den Kopf. "Ich habe keine Hinweise auf einen konkreten Feind erhalten. Ich weiss aber, daß es eine böse Macht ist."
"Na wunderbar." brummte Makoto. "Gerade haben wir Mistress 9 und diesen Pharao 90 besiegt, da taucht neuer Ärger auf."
"Es könnte schlimmer sein." warf Ami ein.
Alle schauten sie an, als wenn sie verrückt geworden wäre.
"Naja...wenn dieser neue Gegner aufgetaucht wäre, als wir noch mit einem anderen Gegner beschäftigt waren..."
"Genau." stimmte Minako zu. "Und gib´s doch zu, Makoto: Wenn wir niemanden haben, den wir von der Eroberung oder Zerstörung der Welt abhalten können, dann wird dir sehr schnell langweilig."
Die braunhaarige Kampfsportlerin zeigte ihrer blondmähnigen Freundin ein breites Raubtiergrinsen. "Da hast du schon Recht. Aber immer wenn es Ärger gibt, müssen Unschuldige leiden, und das geht mir gewaltig gegen den Strich."
"Vielleicht sollten wir mal Setsuna fragen, ob sie etwas weiss ?" schlug Usagi vor.
"Keine schlechte Idee." meinte Rei. Auch die Anderen waren begeistert. "Aber ich wette mit dir um ein großes Bananensplit, daß die große allwissende Setsuna uns keine Antworten geben wird, mit denen wir wirklich was anfangen können."
Usagi kannte sehr wohl Setsunas Angewohnheit, in unverständlichen Rätseln zu sprechen, und sich im Notfall damit herauszureden, daß sie bestimmte Informationen nicht enthüllen durfte. So war die Wächterin des Tors der Zeit nunmal. Aber Usagi sah auch die Möglichkeit, ein kostenloses Eis einzuheimsen - auch wenn die Wahrscheinlichkeit sehr gering war.
Wenn es um Eis ging, dachte Usagi ausschließlich mit ihrem Magen. Ihre Zustimmung zu Reis Wette war deshalb auch eine reine Reflexhandlung. Im wahrsten Sinne des Wortes eine Entscheidung aus dem Bauch heraus.
==============================
In einem fünfzigstöckigen Geschäftshaus am Westrand Tokyos betrat eine junge Frau mit kurzen blonden Haaren, gekleidet in einen modischen, dunkelblauen Geschäftsanzug, eine Liftkapsel.
Anstatt jedoch ein Stockwerk auf der Tastatur auszuwählen, legte sie ihre rechte Handfläche auf eine unscheinbare Metallplatte neben dem Tastenfeld.
"Theta-grün. Omega-rot. Sigma-blau."
Der Sicherheitscomputer überprüfte Handabdruck, Stimmmuster und Codesequenz. Als feststand, daß alle Drei zueinander passten, setzte der Lift sich in Bewegung und die Frau nahm ihre Hand erleichtert von der Metallplatte.
Hätte sie die Hand zu früh weggenommen, oder hätte eines der drei Sicherheitsmuster nicht gestimmt, wären die Konsequenzen für ihr Wohlbefinden verheerend gewesen. So jedoch fuhr der Lift in die zwanzigste Tiefetage, eine Ebene, die wie die anderen unterirdischen Etagen nicht auf irgendwelchen Bauplänen auftauchte.
Als sie aus dem Lift trat, betrat sie einen Korridor, dessen Boden, Decke und Wände mit dunkelgrauen Metallplatten verkleidet war. Grelle Leuchtflächen unter der Decke leuchteten den gesamten Korridor lückenlos aus.
Unter der Decke hingen mehrere kleine Geschütztürme aus denen bedrohlich die Läufe großkalibriger Waffen ragten, und links neben dem Lift befand sich eine kleine Loge, in der ein Wachmann hinter Panzerglas saß und jeden Besucher einer visuellen Überprüfung unterzog.
Die Frau würdigte den Wächter keines Blickes, sondern bewegte sich selbstbewußt durch das Labyrinth von Korridoren, das sie vorbei an Quartieren, Werkstätten, Trainingsbereichen und Waffenkammern zu einem weiteren Lift brachte.
Jeder Eindringling, der diesen Lift betreten wollte, würde sich vorher durch eine ganze Ebene voller Sicherheitsleute kämpfen müssen, die den ganzen Tag lang nichts anderes taten, als für genau so einen Fall zu trainieren.
Dieser neue Lift konnte fünfzehn weitere Etagen ansteuern, von denen sie die unterste auswählte.
Dort angekommen folgte sie erneut einem langen verwinkelten Korridor voller Fallen, Wachen und Selbtschußanlangen, bis sie vor einem großen Portal stand, welches von vier Männern in dunkelroten Vollkörperrüstungen mit dazu passenden Umhängen bewacht wurde.
Auch diese Wächter wurden von ihr praktisch wie Luft behandelt. Sie war hier, um ihrem Vorgesetzten Bericht zu erstatten. Die Wachen waren unter ihrer Würde.
Fast geräuschlos schwangen die beiden Flügeltüren auf und gewährten Einblick in einen finsteren, domartigen Raum.
Mit hallenden Schritten trat sie ein, und mit einem Gefühl von Endgültigkeit schloß sich das Portal hinter ihr.
Zirkonite wußte, sollte sie ihren neuen Herrn jemals enttäuschen, würde sie diesen Raum wohl nicht mehr lebend verlassen.
Langsam näherte sie sich einer breiten Treppe, die zu einem imposanten Thron aus dunklem Metall hinaufführte, welcher ihr zur Zeit die Rückseite zudrehte.
Als sie drei Viertel der Treppe hinter sich gelassen hatte, schwang der Thron plötzlich herum. Zirkonite stoppte und ließ sich auf ein Knie niedersinken.
Auf dem Thron saß eine Gestalt in einer dunklen Robe, das Gesicht unter einer weiten Kapuze verborgen. Trotzdem konnte sie seinen intensiven Blick regelrecht auf sich ruhen fühlen.
"Erhebe dich, meine Schülerin, und sprich."
Die Stimme war ein Hauch von knisterndem, alten Pergament. Sie klang so unheimlich, als würde sie direkt aus dem Grab kommen. Dennoch konnte man die enorme verborgene Kraft spüren, die in dem Sprecher steckte.
Zirkonite lief jedesmal, wenn sie diese Stimme hörte, ein Schauer über den Rücken. Gehorsam erhob sie sich, hielt jedoch den Kopf respektvoll gesenkt.
"Ich habe mit unseren Partnern in Nordkorea und China gesprochen, und sie dazu bringen können, alles in unserem Sinne in die Wege zu leiten." begann sie. "General Craiden hat mir berichtet, daß unsere geplanten Waffenkontingente aus den geheimen Produktionsanlangen rund um den Globus fast den Sollstand erreicht haben, und von dieser Seite her alles für die nächste Phase der Operation zur Verfügung steht."
Die Gestalt auf dem Thron nickte zufrieden.
"Und die Waffenlieferungen für unsere Partner ?"
"Wir sind dabei einen Lieferungsweg aufzubauen, der sowohl effizient arbeitet, als auch Diskretion garantiert."
"Gut. Falls die Lieferungen entdeckt werden, darf man uns auf keinen Fall damit in Verbindung bringen."
"Das wird nicht geschehen, Meister."
"Besser wäre es sogar, im Notfall die Lieferungen so weit wie möglich zu zerstören."
Der Mann auf dem Thron hob einen bleichen, knochigen Arm und winkte einmal damit. Als Ergebnis dieser Aktion aktivierte sich ein holographisches Display neben dem Thron.
"Was siehst du dort, meine Schülerin ?"
Zirkonite schaute auf das Hologramm. Es zeigte ein Hochhaus, auf das plötzlich ein Hubschrauber stürzte. Dann veränderte sich die Perspektive und zeigte eine Gruppe junger Mädchen, die vor dem Gebäude gegen seltsame Gestalten kämpfte.
"Woher stammen diese Bilder ?"
"General Craiden hat einen eigenen kleinen Geheimdienst in Tokyo etabliert. Die Bilder stammen von einer der kleinen Spionagedrohnen, die er verwendet, um Aktivitäten von Dämonen und ihren Gegnern für spätere Analysen festzuhalten."
"Das sind die Sailor Senshi, Meister." Zirkonites Hände ballten sich vor Wut zu Fäusten, während sie ihren verhassten Feinden dabei zusah, wie sie Horden von Dämonen vernichteten. "Sie sind die Reinkarnationen der Senshi, die vor eintausend Jahren das Mondkönigreich verteidigt haben."
"Es sind dieselben, die deine frühere Herrin besiegt haben, nicht wahr ?"
"Königin Beryl, ja. Es sind dieselben."
"Es sieht so aus, als hätten sie schon wieder über einen Feind triumphiert." erklärte er. "Von diesem Gebäude dort ging eine unheimlich starke Macht aus, doch vor kurzem, zu der Zeit, als diese Senshi in dem Gebäude kämpften, verspürte ich eine starke Erschütterung der Macht. Und danach war diese finstere Energie verschwunden."
Zirkonite nickte verstehend. Dank der Unterweisungen ihres neuen Meisters konnte sie diese Dinge inzwischen auch spüren.
"Die Senshi haben uns einen großen Gefallen getan." erklärte der Mann bestimmt. "Wären sie gescheitert, hätten wir uns dieses Problems annehmen müssen."
"Obwohl diese Macht auch ein Feind der Senshi war ?" fragte sie überrascht.
Ihr Meister lachte leise. "Du mußt verstehen, daß die Feinde unseres Feindes nicht notwendigerweise unsere Freunde sind. Diese Macht war äußerst destruktiv, das weiss ich genau. Wir streben jedoch Kontrolle an. Nicht Zerstörung."
Nach einem weiteren Wink mit der Hand wechselte die Darstellung des Holoprojektors erneut. Diesmal waren Aufnahmen von Sailor Uranus, Neptun und Pluto zu sehen, die in einem großen Saal ihre magischen Attacken auf ein kleines Mädchen richteten, welches von den anderen Senshi offensichtlich beschützt wurde.
"Was hältst du davon ?"
Zirkonite war verwirrt.
"Es sieht aus, als ob die Senshi wegen dieses Kindes gegeneinander kämpfen."
"Und das überrascht dich offensichtlich."
"Ihr müßt verstehen, Meister, daß Sailor Moon die alleinige Anführerin ALLER Senshi ist. Ohne Ausnahme und ohne Diskussion, denn sie ist die Reinkarnation der Mondprinzessin. Es ist völlig undenkbar, daß Senshi sie angreifen würden."
"Was ist mit dem Kind ?"
Ein weiterer Wink brachte den Projektor dazu, das schwarzhaarige Mädchen heranzuzoomen. Zirkonite betrachtete die Aufnahme nachdenklich. Sie nahm sich sehr viel Zeit, bevor sie sprach, denn daß die Senshi wegen eines Kindes gegeneinander kämpfen würden, brachte sie immer noch ein wenig durcheinander.
"Ich bin mir nicht sicher, Meister, aber seht ihr dieses glühende Mal auf der Stirn des Mädchens - kurz bevor die drei Senshi angreifen ?"
"Was ist mit dem Mal ?"
"Ich weiß es nicht genau, aber ich denke, dieses Mal kennzeichnet das Mädchen als Senshi."
"Und warum sollten sie eine der Ihren vernichten wollen ?" fragte der Meister interessiert.
"Wenn man die Namen der bekannten Senshi zusammennimmt, erkennt man schnell, daß noch eine Person fehlt." erklärte sie. "Und zwar Sailor Saturn, die für ihre zerstörerische Kraft während der Zeit des Mondkönigreiches gefürchtet war. Legenden sagen, daß sie die Macht besitzt, einen ganzen Planeten zu zerstören. Möglicherweise waren diese drei Senshi besorgt und wollten verhindern, daß ein Senshi auf dieser Welt herumläuft, der möglicherweise aus Versehen die Erde vernichtet."
"Sehr schön. Sehr schön." Er machte eine kurze Pause, in der er nochmal seine Gedanken sammelte. "Informiere General Craiden, daß sein Geheimdienst versuchen soll, dieses Mädchen aufzuspüren."
"Ja, Gebieter." Zirkonite verneigte sich knapp. "Habt ihr auch neue Anweisungen für mich, Meister ?"
"Du möchtest dich an den Senshi rächen, nicht wahr, meine Schülerin ?"
"Das möchte ich." entgegnete sie finster. "Aber nicht ohne eure Erlaubnis." fügte sie respektvoll hinzu.
"Craidens Leute sollen ihre Informationen an dich weitergeben." bestimmte er. "Du wirst die Jagd auf das Mädchen leiten und alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um den Erfolg sicherzustellen. Achte aber darauf, unsere Geheimhaltung um jeden Preis zu wahren."
"Ja, Meister."
Zirkonite war voller Vorfreude. Nachdem sie monatelang damit beschäftigt gewesen war, andere Menschen in die komplexen Intrigen ihres Meisters einzubinden, hatte sie ein wenig Abwechslung bitter nötig.
Nach einer weiteren Verneigung drehte sie sich um und schritt die Stufen hinab, um den Thronsaal zu verlassen.
"Ach, Zirkonite !" hallte die Stimme ihres Gebieters hinter ihr her. "Fange sie lebend und unverletzt. Und dann bringe Sailor Saturn sofort zu mir."
"...." = jemand sagt
{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)
Dart Saturn - The Dark Harvest
Teil 1
Nacheinander trafen Ami Mizuno, Makoto Kino und Minako Aino zusammen mit dem Kater Artemis beim Hikawa-Schrein ein. Es war ein schöner warmer Aprilabend, und dementsprechend gut waren die drei Mädchen gelaunt.
Rei erwartete ihre Gäste bereits am Eingang des Tempels und schüttelte mißbilligend den Kopf.
"Ist Usagi etwa schon wieder zu spät ?"
Minako grinste breit.
"Was erwartest du, Rei ? Unsere glorreiche Anführerin kommt doch immer zu spät."
"Vielleicht solltest du Eiskrem im Haus haben." schlug Ami vor. "Als Belohnung, wenn sie pünktlich kommt."
"Aber dann würde sie immer pünktlich kommen." wandte Rei ein, während sie ihre Freundinnen ins Innere des Gebäudes führte. "Und soviel Eis kann ich mir nicht leisten."
"Eigentlich sollte Luna dafür sorgen, daß Usagi pünktlich ist." fand Minako. "Mein vierfüssiger Berater schafft das ja auch." ergänzte sie mit einem grimmigen Blick zu ihrem Kater.
"Ich fürchte, mit dieser Aufgabe ist ein Berater allein überfordert." versuchte Artemis die andere Katze des Teams zu verteidigen.
Während sie auf Usagis Ankunft warteten, verteilte Makoto ein paar selbstgemachte Leckereien und unterhielt sich mit Minako und Rei über eines ihrer Lieblingsthemen: Welches waren die süßesten Jungs der Juuban Senior Highschool ?
Ami beteiligte sich nicht an solchem Tratsch. Sie holte ein Buch über moderne Quantenphysik heraus und machte es sich in einer Ecke des Raums gemütlich.
Nach einer halben Stunde kam schließlich schnaufend und keuchend Usagi Tsukino beim Tempel an.
"Hallo...miteinander..." Keuch. Keuch. "Ich...ich bin doch hoffentlich..." Schnauf. "...nicht zu spät ?" Das Mädchen mit den zwei langen blonden Zöpfen schaute erwartungsvoll in die Runde.
"Ach was." meinte Rei trocken. "Wir anderen haben uns nur gedacht, daß wir uns ruhig schon ´ne halbe Stunde früher treffen können, ohne dir was davon zu sagen."
Usagi machte große Augen.
"Echt ? Und warum ?"
Makoto und Minako kicherten hinter vorgehaltener Hand, während Ami nur leise seufzend den Kopf schüttelte. Manchmal war Usagi einfach nicht zu helfen.
"Na damit wir in Ruhe über dich lästern können." erwiderte Rei, wobei sie jedes Wort betonte.
Das war ein Fehler, und Rei bemerkte es sofort. Usagis Unterlippe begann zu zittern und ihre Tränendrüsen bekamen gerade den Befehl, alle Schleusen so weit wie möglich zu öffnen.
"Buähhhh ! Du bist immer soooo gemein zu mir, Rei !"
Rei seufzte und rollte genervt mit den Augen.
"Krieg dich wieder ein. Das war nur ein Scherz, du Dummkopf. Wir haben hier auf dich gewartet und echt nichts Schlimmes über dich gesagt." erklärte die junge Shinto-Priesterin ihrer leicht erregbaren Anführerin.
°So eine Heulsuse. Ich hoffe, bis sie in Kristall-Tokyo regiert, hat sie das im Griff. Weitere Tausend Jahre ertrage ich das nämlich nicht.°
Nachdem ihr die anderen Mädchen versichert hatten, daß Rei die Wahrheit sagte, beruhigte sie sich wieder.
"Und warum hast du uns herbestellt, Rei ?"
"Ich habe heute ein Feuerorakel durchgeführt." erklärte Rei. "Und dabei hatte ich eine Zukunftsvision von Tod, Zerstörung, Angst und Hoffnungslosigkeit."
Jetzt waren alle ganz Ohr.
"Weisst du etwas über die Ursache ?" fragte Luna, die schwarzfellige Beraterin der zukünftigen Königin Serenity, besorgt.
Rei schüttelte bedauernd den Kopf. "Ich habe keine Hinweise auf einen konkreten Feind erhalten. Ich weiss aber, daß es eine böse Macht ist."
"Na wunderbar." brummte Makoto. "Gerade haben wir Mistress 9 und diesen Pharao 90 besiegt, da taucht neuer Ärger auf."
"Es könnte schlimmer sein." warf Ami ein.
Alle schauten sie an, als wenn sie verrückt geworden wäre.
"Naja...wenn dieser neue Gegner aufgetaucht wäre, als wir noch mit einem anderen Gegner beschäftigt waren..."
"Genau." stimmte Minako zu. "Und gib´s doch zu, Makoto: Wenn wir niemanden haben, den wir von der Eroberung oder Zerstörung der Welt abhalten können, dann wird dir sehr schnell langweilig."
Die braunhaarige Kampfsportlerin zeigte ihrer blondmähnigen Freundin ein breites Raubtiergrinsen. "Da hast du schon Recht. Aber immer wenn es Ärger gibt, müssen Unschuldige leiden, und das geht mir gewaltig gegen den Strich."
"Vielleicht sollten wir mal Setsuna fragen, ob sie etwas weiss ?" schlug Usagi vor.
"Keine schlechte Idee." meinte Rei. Auch die Anderen waren begeistert. "Aber ich wette mit dir um ein großes Bananensplit, daß die große allwissende Setsuna uns keine Antworten geben wird, mit denen wir wirklich was anfangen können."
Usagi kannte sehr wohl Setsunas Angewohnheit, in unverständlichen Rätseln zu sprechen, und sich im Notfall damit herauszureden, daß sie bestimmte Informationen nicht enthüllen durfte. So war die Wächterin des Tors der Zeit nunmal. Aber Usagi sah auch die Möglichkeit, ein kostenloses Eis einzuheimsen - auch wenn die Wahrscheinlichkeit sehr gering war.
Wenn es um Eis ging, dachte Usagi ausschließlich mit ihrem Magen. Ihre Zustimmung zu Reis Wette war deshalb auch eine reine Reflexhandlung. Im wahrsten Sinne des Wortes eine Entscheidung aus dem Bauch heraus.
==============================
In einem fünfzigstöckigen Geschäftshaus am Westrand Tokyos betrat eine junge Frau mit kurzen blonden Haaren, gekleidet in einen modischen, dunkelblauen Geschäftsanzug, eine Liftkapsel.
Anstatt jedoch ein Stockwerk auf der Tastatur auszuwählen, legte sie ihre rechte Handfläche auf eine unscheinbare Metallplatte neben dem Tastenfeld.
"Theta-grün. Omega-rot. Sigma-blau."
Der Sicherheitscomputer überprüfte Handabdruck, Stimmmuster und Codesequenz. Als feststand, daß alle Drei zueinander passten, setzte der Lift sich in Bewegung und die Frau nahm ihre Hand erleichtert von der Metallplatte.
Hätte sie die Hand zu früh weggenommen, oder hätte eines der drei Sicherheitsmuster nicht gestimmt, wären die Konsequenzen für ihr Wohlbefinden verheerend gewesen. So jedoch fuhr der Lift in die zwanzigste Tiefetage, eine Ebene, die wie die anderen unterirdischen Etagen nicht auf irgendwelchen Bauplänen auftauchte.
Als sie aus dem Lift trat, betrat sie einen Korridor, dessen Boden, Decke und Wände mit dunkelgrauen Metallplatten verkleidet war. Grelle Leuchtflächen unter der Decke leuchteten den gesamten Korridor lückenlos aus.
Unter der Decke hingen mehrere kleine Geschütztürme aus denen bedrohlich die Läufe großkalibriger Waffen ragten, und links neben dem Lift befand sich eine kleine Loge, in der ein Wachmann hinter Panzerglas saß und jeden Besucher einer visuellen Überprüfung unterzog.
Die Frau würdigte den Wächter keines Blickes, sondern bewegte sich selbstbewußt durch das Labyrinth von Korridoren, das sie vorbei an Quartieren, Werkstätten, Trainingsbereichen und Waffenkammern zu einem weiteren Lift brachte.
Jeder Eindringling, der diesen Lift betreten wollte, würde sich vorher durch eine ganze Ebene voller Sicherheitsleute kämpfen müssen, die den ganzen Tag lang nichts anderes taten, als für genau so einen Fall zu trainieren.
Dieser neue Lift konnte fünfzehn weitere Etagen ansteuern, von denen sie die unterste auswählte.
Dort angekommen folgte sie erneut einem langen verwinkelten Korridor voller Fallen, Wachen und Selbtschußanlangen, bis sie vor einem großen Portal stand, welches von vier Männern in dunkelroten Vollkörperrüstungen mit dazu passenden Umhängen bewacht wurde.
Auch diese Wächter wurden von ihr praktisch wie Luft behandelt. Sie war hier, um ihrem Vorgesetzten Bericht zu erstatten. Die Wachen waren unter ihrer Würde.
Fast geräuschlos schwangen die beiden Flügeltüren auf und gewährten Einblick in einen finsteren, domartigen Raum.
Mit hallenden Schritten trat sie ein, und mit einem Gefühl von Endgültigkeit schloß sich das Portal hinter ihr.
Zirkonite wußte, sollte sie ihren neuen Herrn jemals enttäuschen, würde sie diesen Raum wohl nicht mehr lebend verlassen.
Langsam näherte sie sich einer breiten Treppe, die zu einem imposanten Thron aus dunklem Metall hinaufführte, welcher ihr zur Zeit die Rückseite zudrehte.
Als sie drei Viertel der Treppe hinter sich gelassen hatte, schwang der Thron plötzlich herum. Zirkonite stoppte und ließ sich auf ein Knie niedersinken.
Auf dem Thron saß eine Gestalt in einer dunklen Robe, das Gesicht unter einer weiten Kapuze verborgen. Trotzdem konnte sie seinen intensiven Blick regelrecht auf sich ruhen fühlen.
"Erhebe dich, meine Schülerin, und sprich."
Die Stimme war ein Hauch von knisterndem, alten Pergament. Sie klang so unheimlich, als würde sie direkt aus dem Grab kommen. Dennoch konnte man die enorme verborgene Kraft spüren, die in dem Sprecher steckte.
Zirkonite lief jedesmal, wenn sie diese Stimme hörte, ein Schauer über den Rücken. Gehorsam erhob sie sich, hielt jedoch den Kopf respektvoll gesenkt.
"Ich habe mit unseren Partnern in Nordkorea und China gesprochen, und sie dazu bringen können, alles in unserem Sinne in die Wege zu leiten." begann sie. "General Craiden hat mir berichtet, daß unsere geplanten Waffenkontingente aus den geheimen Produktionsanlangen rund um den Globus fast den Sollstand erreicht haben, und von dieser Seite her alles für die nächste Phase der Operation zur Verfügung steht."
Die Gestalt auf dem Thron nickte zufrieden.
"Und die Waffenlieferungen für unsere Partner ?"
"Wir sind dabei einen Lieferungsweg aufzubauen, der sowohl effizient arbeitet, als auch Diskretion garantiert."
"Gut. Falls die Lieferungen entdeckt werden, darf man uns auf keinen Fall damit in Verbindung bringen."
"Das wird nicht geschehen, Meister."
"Besser wäre es sogar, im Notfall die Lieferungen so weit wie möglich zu zerstören."
Der Mann auf dem Thron hob einen bleichen, knochigen Arm und winkte einmal damit. Als Ergebnis dieser Aktion aktivierte sich ein holographisches Display neben dem Thron.
"Was siehst du dort, meine Schülerin ?"
Zirkonite schaute auf das Hologramm. Es zeigte ein Hochhaus, auf das plötzlich ein Hubschrauber stürzte. Dann veränderte sich die Perspektive und zeigte eine Gruppe junger Mädchen, die vor dem Gebäude gegen seltsame Gestalten kämpfte.
"Woher stammen diese Bilder ?"
"General Craiden hat einen eigenen kleinen Geheimdienst in Tokyo etabliert. Die Bilder stammen von einer der kleinen Spionagedrohnen, die er verwendet, um Aktivitäten von Dämonen und ihren Gegnern für spätere Analysen festzuhalten."
"Das sind die Sailor Senshi, Meister." Zirkonites Hände ballten sich vor Wut zu Fäusten, während sie ihren verhassten Feinden dabei zusah, wie sie Horden von Dämonen vernichteten. "Sie sind die Reinkarnationen der Senshi, die vor eintausend Jahren das Mondkönigreich verteidigt haben."
"Es sind dieselben, die deine frühere Herrin besiegt haben, nicht wahr ?"
"Königin Beryl, ja. Es sind dieselben."
"Es sieht so aus, als hätten sie schon wieder über einen Feind triumphiert." erklärte er. "Von diesem Gebäude dort ging eine unheimlich starke Macht aus, doch vor kurzem, zu der Zeit, als diese Senshi in dem Gebäude kämpften, verspürte ich eine starke Erschütterung der Macht. Und danach war diese finstere Energie verschwunden."
Zirkonite nickte verstehend. Dank der Unterweisungen ihres neuen Meisters konnte sie diese Dinge inzwischen auch spüren.
"Die Senshi haben uns einen großen Gefallen getan." erklärte der Mann bestimmt. "Wären sie gescheitert, hätten wir uns dieses Problems annehmen müssen."
"Obwohl diese Macht auch ein Feind der Senshi war ?" fragte sie überrascht.
Ihr Meister lachte leise. "Du mußt verstehen, daß die Feinde unseres Feindes nicht notwendigerweise unsere Freunde sind. Diese Macht war äußerst destruktiv, das weiss ich genau. Wir streben jedoch Kontrolle an. Nicht Zerstörung."
Nach einem weiteren Wink mit der Hand wechselte die Darstellung des Holoprojektors erneut. Diesmal waren Aufnahmen von Sailor Uranus, Neptun und Pluto zu sehen, die in einem großen Saal ihre magischen Attacken auf ein kleines Mädchen richteten, welches von den anderen Senshi offensichtlich beschützt wurde.
"Was hältst du davon ?"
Zirkonite war verwirrt.
"Es sieht aus, als ob die Senshi wegen dieses Kindes gegeneinander kämpfen."
"Und das überrascht dich offensichtlich."
"Ihr müßt verstehen, Meister, daß Sailor Moon die alleinige Anführerin ALLER Senshi ist. Ohne Ausnahme und ohne Diskussion, denn sie ist die Reinkarnation der Mondprinzessin. Es ist völlig undenkbar, daß Senshi sie angreifen würden."
"Was ist mit dem Kind ?"
Ein weiterer Wink brachte den Projektor dazu, das schwarzhaarige Mädchen heranzuzoomen. Zirkonite betrachtete die Aufnahme nachdenklich. Sie nahm sich sehr viel Zeit, bevor sie sprach, denn daß die Senshi wegen eines Kindes gegeneinander kämpfen würden, brachte sie immer noch ein wenig durcheinander.
"Ich bin mir nicht sicher, Meister, aber seht ihr dieses glühende Mal auf der Stirn des Mädchens - kurz bevor die drei Senshi angreifen ?"
"Was ist mit dem Mal ?"
"Ich weiß es nicht genau, aber ich denke, dieses Mal kennzeichnet das Mädchen als Senshi."
"Und warum sollten sie eine der Ihren vernichten wollen ?" fragte der Meister interessiert.
"Wenn man die Namen der bekannten Senshi zusammennimmt, erkennt man schnell, daß noch eine Person fehlt." erklärte sie. "Und zwar Sailor Saturn, die für ihre zerstörerische Kraft während der Zeit des Mondkönigreiches gefürchtet war. Legenden sagen, daß sie die Macht besitzt, einen ganzen Planeten zu zerstören. Möglicherweise waren diese drei Senshi besorgt und wollten verhindern, daß ein Senshi auf dieser Welt herumläuft, der möglicherweise aus Versehen die Erde vernichtet."
"Sehr schön. Sehr schön." Er machte eine kurze Pause, in der er nochmal seine Gedanken sammelte. "Informiere General Craiden, daß sein Geheimdienst versuchen soll, dieses Mädchen aufzuspüren."
"Ja, Gebieter." Zirkonite verneigte sich knapp. "Habt ihr auch neue Anweisungen für mich, Meister ?"
"Du möchtest dich an den Senshi rächen, nicht wahr, meine Schülerin ?"
"Das möchte ich." entgegnete sie finster. "Aber nicht ohne eure Erlaubnis." fügte sie respektvoll hinzu.
"Craidens Leute sollen ihre Informationen an dich weitergeben." bestimmte er. "Du wirst die Jagd auf das Mädchen leiten und alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um den Erfolg sicherzustellen. Achte aber darauf, unsere Geheimhaltung um jeden Preis zu wahren."
"Ja, Meister."
Zirkonite war voller Vorfreude. Nachdem sie monatelang damit beschäftigt gewesen war, andere Menschen in die komplexen Intrigen ihres Meisters einzubinden, hatte sie ein wenig Abwechslung bitter nötig.
Nach einer weiteren Verneigung drehte sie sich um und schritt die Stufen hinab, um den Thronsaal zu verlassen.
"Ach, Zirkonite !" hallte die Stimme ihres Gebieters hinter ihr her. "Fange sie lebend und unverletzt. Und dann bringe Sailor Saturn sofort zu mir."
