Anmerkungen
°....° = jemand denkt
"...." = jemand sagt
{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)
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Darth Saturn - The Dark Harvest
Teil4
Als Jacen dem Ort näherkam, von dem aus er die Machterschütterungen gespürt hatte, bemerkte er, daß das, was er da spürte, verschiedene Nuancen hatte. Offensichtlich benutzten an diesem Ort mehrere Individuen die Macht.
°Welchen Grund es wohl für diesen massiven Machteinsatz gibt ?° Nachdenklich wurde er langsamer.
Als ihm jedoch kurz darauf eine Reihe kleinerer Explosionen aus der Gegend, in die er wollte, anzeigte, daß dort möglicherweise ein Kampf tobte, beschleunigte er seine Schritte wieder.
Da es früher Abend war, hätten eigentlich viele Menschen in der Innenstadt unterwegs sein sollen, aber die Gegend schien wie ausgestorben. Auch gut. So zog er wenigstens keine unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich.
Der junge Jedi benutzte die Macht, um mit einem gewaltigen Satz auf ein vierstöckiges Gebäude zu springen. Möglicherweise konnte er von dort aus einen größeren Überblick gewinnen.
Auf der Straße unter ihm tauchte plötzlich eine junge Frau auf, die kniehohe blaue Stiefel, einen blauen Minirock, und eine weisse Bluse mit blauem Kragen trug, die Jacen irgendwie an die Schuluniformen erinnerte, die er früher schon gesehen hatte. Als kurz darauf ein tentakelbewehrtes Wesen um die Ecke stürmte und ganz offensichtlich versuchte, das Mädchen damit zu Brei zu prügeln, hatte er zumindest auf eine Frage eine Antwort.
°Okay. Wenn ich nicht ich wäre, würde ich mich auch aus der Innenstadt verkrümeln, wenn gerade ein Krieg im Gange ist.°
Jacen spürte die Aura von Dunkelheit, die das Wesen umgab, führte sie jedoch auf dessen deutlich zur Schau gestellten Zorn zurück.
"Shine Aqua Illusion !"
Jacen runzelte zunächst die Stirn. Dann jedoch klappte sein Unterkiefer herunter, als er die magische Attacke beobachten konnte, die ihr Ziel in vollem Lauf erwischte und zu Fall brachte.
Das Mädchen schien den Erfolg der Attacke zu begutachten, aber das hätte es besser gelassen. Das Tentakelwesen sprang brüllend auf und setzte zu einem gewaltigen Sprung an, der es wenige Meter vor dem Mädchen landen ließ. Es hatte den Boden noch nicht berührt, da wirbelte schon ein Tentakel herum und beförderte das Mädchen durch eine Wand in ein großes, flaches Gebäude.
Zufällig lag diese Gebäude direkt neben Jacens Gebäude, so daß er nur auf das tiefergelegene Dach herunterspringen mußte, um das Geschehen weiterverfolgen zu können. Durch das Oberlicht konnte er sehen, wie das Wesen das benommene Mädchen mit einem Tentakel hochhob, und dann damit begann, mit zwei anderen Tentakeln abwechselnd auf den wehrlosen Körper einzuschlagen.
Jacen schüttelte ärgerlich mit dem Kopf. Klar, er wollte sich nicht in etwas einmischen, wovon er nichts verstand. Er kannte sich mit den örtlichen Gepflogenheiten nicht so gut aus, und möglicherweise hatte das Mädchen den berechtigten Zorn von Jemandem auf sich gezogen. Aber er konnte unmöglich zusehen, wie dieser Tentakeltyp das Mädchen totprügelte.
Einen Fußtritt später hatte der junge Jedi ein bequemes Loch im Oberlicht, durch das er auf den Boden des Gebäudes sprang, und knapp ein Dutzend Meter neben dem Tentakelwesen landete.
Dieses hielt verdutzt inne und beobachtete den Neuankömmling irritiert.
"Einen schönen guten Abend." grüßte Jacen höflich. "Ich bin sicher, ihr Zorn auf dieses Mädchen muß sehr groß sein, wenn sie ihren Körper auf diese Weise behandeln, aber finden sie nicht, daß es sinnvoller wäre, nach einer weniger gewaltvollen Lösung für ihre Probleme zu suchen ?"
Für einen Moment war der Youma so verwirrt, daß er fast seinen Auftrag vergessen hätte. Daß ein Mensch sich erdreistete, ihm derart lächerliche Vorschläge zu machen, war eine völlig neuartige Erfahrung für das dämonische Wesen.
Außerdem schien dieser Mensch überhaupt keine Furcht vor ihm zu empfinden. Das war ein Umstand, der schnellstmöglich geändert werden mußte.
Der Youma lachte dröhnend und hob den Tentakel, in dem er die bewußtlose Sailor Merkur hielt.
"Du willst, daß ich sie freigebe ?" fragte er lauernd.
"Das wäre sehr freundlich von dir." antwortete Jacen lächelnd. Das war ja einfacher gegangen, als er gedacht hatte.
Der Youma schenkte ihm ein boshaftes Grinsen. Dann schleuderte er den Körper des Mädchens mit voller Wucht von sich.
Der Jedi wurde von dieser Aktion zwar etwas überrascht, aber immerhin schaffte er es, durch den Einsatz der Macht ihren Flug zu bremsen, so daß sie beinahe sanft auf einem Schutthaufen landete, der vor dem Loch lag, durch das das Mädchen das Gebäude zuvor unfreiwillig betreten hatte.
Noch während er sich darauf konzentrierte, dem Mädchen zu helfen, spürte er den Angriff des Youmas. Jacen warf sich zur Seite und entging so der ersten Attacke, die stattdessen den Beton an der Stelle pulverisierte, an der er gestanden hatte.
"Schön. Wie du willst." knurrte er, während er mit einem weiteren Hechtsprung einem Tentakel auswich. Jacens rechte Hand verschwand kurz unter seiner Robe und holte einen Metallzylinder hervor.
Der nächste Angriff des Youma kam. Diesmal drangen Tentakel von zwei Seiten gleichzeitig auf ihn ein.
Jacen blieb keine Wahl. Mit einem Druck seines Daumens auf einen kleinen Knopf an jenem Metallzylinder aktivierte er den Energiekern seiner Waffe. Energie floß durch exakt justierte und geschliffene Fokuskristalle. Mit einem aggressiven Zischen schoß die violett-leuchtende Klinge seines Lichtschwerts aus dem Griff hervor und trennte mit einem schnellen Rückhandschlag einen Tentakel vom Rumpf seines Gegners.
Brauner stinkender Schleim spritzte aus der Wunde, während der Youma mit einem infernalischen Kreischen zurücksprang.
Der Jedi rannte zu dem Mädchen. Möglicherweise brauchte sie ja schnelle Hilfe. Wäre nach den Schlägen, die sie kassiert hatte ja auch kein Wunder. Doch zu Jacens Verwunderung schien ihr Zustand nicht lebensbedrohlich zu sein. Ihr Puls ging regelmäßig, und auch ihre Atmung, wenn auch flach und nicht so regelmäßig, wie es wünschenswert gewesen wäre, war vorhanden.
Das Gebrüll des Youma hatte sich unterdessen von Schmerz zu Wut verwandelt. Blind vor Zorn stürmte er auf diesen Menschen mit der seltsamen Waffe zu.
Jacen bemerkte das natürlich und hob seine Waffe, um sich und das Mädchen gegen diesen Irren zu verteidigen, als plötzlich ein Schrei zu hören war.
Jacens Kopf ruckte herum, und er sah durch das Loch, wie ein anderes Mädchen auf das Lagerhaus zugerannt kam. Er wußte sofort, daß sie zu dem Mädchen gehören mußte, dessen Gesundheit er gerade verteidigte. Ersetzte man das Rot in ihrer Kleidung durch Blau, und die Stöckelschuhe durch Stiefel, wäre die Uniform der zwei Mädchen identisch gewesen.
Offenbar wußte sie um die Gefährlichkeit der Lage, denn in ihren Augen stand pures Entsetzen. Jacen wollte sich schon wieder seinem eigentlichen Problem zuwenden, als das Mädchen draußen plötzlich Zugriff auf die Macht nahm.
"Burning Mandala !" rief sie, und plötzlich schoß ein feuriger Angriff auf Jacen zu, der reflexartig eine Abwehrhaltung einnahm.
°Diese Mädchen scheinen die Macht zu verwenden, um elementare Effekte hervorzurufen.° dachte er fasziniert, während er den Angriff auf sich zukommen sah und sich wunderte, wieso sie ihn angriff, obwohl er ihre Freundin verteidigte. °Aber wenn das so ist, kann ich den Angriff auch mit der Macht abwehren.°
Gesagt, getan. Natürlich konnte er den Feuereffekt nicht einfach rückgängig machen. Aber er konnte der Attacke eine neue Richtung geben. Er lenkte den Angriff nach oben, einfach aus purem Reflex, und verfluchte sich im nächsten Augenblick für diese Dummheit.
Es war ziemlich dumm, eine solche Attacke im Innern eines Gebäudes aufwärts zu lenken. Das war seine Erkenntnis, während er bereits damit beschäftigt war, den niedergehenden Trümmern auszuweichen. Dies war gar nicht so einfach, da er den bewußtlosen Körper eines Mädchens mit sich trug, und es gelang ihm nur durch seine Fähigkeiten im Umgang mit der Macht.
Hinter sich hörte er das boshafte Lachen des Youma.
"Jetzt hast du die Wahl, Mensch. Laß sie fallen, und egal ob du kämpfen oder fliehen willst, ich werde sie töten. Oder trag sie mit dir herum und ich werde euch beide töten."
Regel Nummer Eins in solchen Fällen: Wenn der Bösewicht dir die Wahl zwischen zwei Alternativen läßt, wähle die Dritte. Jacen blickte sich nach einer guten Fluchtmöglichkeit um, und fand diese, als er einen Gullideckel in der Halle erblickte. Er fand es zwar merkwürdig, daß es einen Gullideckel inmitten einer Lagerhalle gab, aber im Moment waren ihm die Gründe dafür herzlich egal.
Er griff mit der Macht hinaus und hob den Deckel an, noch während er darauf zurannte. Dann sprang er auf gut Glück in das Loch und ließ den Deckel hinter sich runterfallen.
Der junge Jedi fiel mitsamt seiner Last mehrere Meter tief, und auch der Einsatz der Macht konnte ihn diesmal nicht vor einem umgeknickten Knöchel bewahren, als er auf dem rutschigen Boden des Abwasserschachts ausrutschte.
Bis zu den Knien stand er im Abwasser. Es stank erbärmlich, und die Sicht war fast nicht vorhanden. Vorsichtig hinkend tastete er an der rauhen Betonwand entlang, bis er eine Richtung gefunden hatte, in der der Schacht weiterführte. Ein stechender Schmerz schoß sein rechtes Bein herauf, als er es belastete, aber Jacen wußte, daß sie hier nicht bleiben konnten. Der Youma war zu groß für die Abwasserkanäle, aber er würde sicher nach einer Möglichkeit suchen, ihnen zu schaden. Also biß er tapfer die Zähne zusammen, legte sich das noch immer bewußtlose Mädchen über die Schulter und machte sich auf den Weg.
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Unterdessen saß Lord Traxius auf seinem Thron und lauschte den Worten einer knieenden, holographischen Gestalt, die auf der flachen, zwei Meter durchmessenden Scheibe eines Holokommsystems erschienen war, das sich in der Nähe seines Throns befand.
Der Mann, dessen Abbild dort kniete, kniete auf einer ähnlichen Scheibe, die sich in einem weit entfernten geheimen Stützpunkt befand.
"Alle Berichte und Analysen deuten daraufhin, daß die Amerikaner in den nächsten Wochen mit ihren Aktionen im Irak fertig sein werden. Die dritte Infanteriedivision hat Bagdad so gut wie erreicht, ohne nennenswert dezimiert zu werden, während der irakische Widerstand zusehends erlahmt. Trotzdem empfängt die Bevölkerung der bereits eingenommenen Städte sie nicht gerade wie Befreier, sondern verhält sich eher zurückhaltend und reserviert."
"Endlich. Darauf warten wir ja nun schon lange genug." erwiderte Traxius erfreut. "Die Entscheidung der Amerikaner zum Angriff war die einzige von uns nicht direkt beeinflußbare Variable in diesem Spiel. Und wie es scheint, zahlt es sich aus, daß wir diesen Narren in der Wüste solange unterstützt haben."
"Die Amerikaner und ihre Verbündeten haben versucht, die Irakis in den ersten Tagen des Krieges in Grund und Boden zu bomben, und verlassen sich immer noch sehr auf Luftschläge im Vorfeld ihres Vorrückens am Boden."
"Wie bei all ihren Militäraktionen in den letzten Jahren." bemerkte Traxius trocken. "Aber das haben sie ja bereits vor langer Zeit vorausgesagt, nicht wahr, General ?"
General Craiden nickte bestätigend.
"Das habe ich, mein Lord. Aber das war nicht schwierig, da es sich um eine etablierte Standardstrategie handelt, die in der Regel den Sieg sichert, wenn man die Luftüberlegenheit hat."
"Das mag wohl sein, General." Traxius kicherte amüsiert unter der Kapuze seiner schwarzen Robe. "Wenn man die Luftüberlegenheit hat."
General Craiden lächelte humorlos.
"Durch ihr unsinniges militärisches Muskelspiel am Persischen Golf gerät der gesamte Militärapparat der Amerikaner aus der Balance." bemerkte er. "Die Notwendigkeit, Truppen dort zu massieren, macht die Schwächung ihrer Präsenz in anderen Regionen notwendig. Außerdem reicht die Zahl ihrer Bodentruppen nicht, um effektiv zu kämpfen, wenn die Luftunterstützung wegfallen sollte."
"Sehr richtig." entgegnete Traxius gutgelaunt. "Und gewisse Aktivitäten, zu denen ich verschiedene Leute in den vergangenen zehn Jahren bewegen konnte, tragen jetzt endlich Früchte, General. Das Ganze gleicht einem komplexen Schachspiel mit mehreren Ebenen, mehreren Mitspielern, teilweise nicht einsehbaren Spielfeldern, und sich von Gebiet zu Gebiet ändernden Regeln. Aber im Moment stehen wir kurz davor, einen bedeutenden Schritt vorwärts zu machen."
"Ich muß gestehen, mein Lord, daß ich an ein paar wenigen Aktionen gezweifelt habe, weil ich dahinter keinen Sinn erkennen konnte." gestand der General ein wenig reumütig. "Aber aus der Distanz betrachtet, ergibt tatsächlich alles einen Sinn."
"Natürlich tut es das, General." erwiderte Traxius großmütig. "Und es dürfte ihnen gezeigt haben, daß sie mir vertrauen können, auch wenn sie mein Handeln nicht begreifen." fügte er hinzu. "So wie die Jagd auf Sailor Saturn, nicht wahr ?"
Der General stockte verunsichert. Wie weit durfte er sich in dieser Sache vorwagen ?
"Dieses Mädchen ist für die Durchführung unserer Pläne nicht nur nicht erforderlich, mein Lord." erklärte er schließlich. "Sie könnte auch für unerwünschte Ablenkung und schädliche Einmischung durch die anderen Senshi sorgen. Es heißt, die Senshi haben bisher mehrmals gegen mächtige Feinde die Oberhand behalten. Feinde, die möglicherweise mehr Macht besessen haben könnten als ihr."
Für einen Moment war es totenstill.
Craiden schluckte nervös, während Traxius ihn schweigend musterte.
"Egal wie gut man ist, es kann immer noch irgendwo jemanden geben, der besser ist - oder dem die Macht im richtigen Moment gewogen ist." orakelte Traxius schließlich. "Diese Lehre habe ich aus dem Schicksal des Imperators gezogen, und ich gedenke nicht, seine Fehler zu wiederholen, General. Falls die Senshi ein Problem werden, so habe ich genügend Möglichkeiten, mich mit ihnen auseinanderzusetzen, ohne von unserem Hauptplan abgelenkt zu werden. Sailor Saturn jedoch könnte eine Rolle in meinen zukünftigen Plänen spielen."
"Natürlich, mein Lord." demütig senkte der General sein Haupt. "Vergebt mir meine Zweifel, aber es schien mir klüger, diese Punkte anzusprechen, bevor..."
"Schon gut, schon gut, General." unterbrach ihn Lord Traxius. "Ich verstehe euren Standpunkt ja. Fahrt mit euren Vorbereitungen fort und erstattet mir umgehend Bericht, wenn die Amerikaner die Einkesselung Bagdads abgeschlossen haben."
"Jawohl, mein Lord."
Craidens Hologramm erlosch, doch Traxius starrte noch einige Minuten lang sinnend auf die leere Scheibe des Holokomms
"Kaori-san."
Eine Gestalt löste sich aus den Schatten am Rande des Thronsaals, schritt bis zum Fuß der Treppe, die zum Thron führte, und sank dort auf ein Knie nieder.
"Meister ?"
"Suche General Craiden auf." befahl er. "Sag ihm, ich habe dich geschickt, und er soll dir eine Position in seinem Stab geben, so daß du dich mit dem Ablauf der von ihm geleiteten Operation vertraut machen und alles Wissenswerte darüber lernen kannst."
"Ja, Meister."
"Und wenn du bei ihm wieder Zeichen irgendwelcher Zweifel vorfinden solltest, wird es deine Aufgabe sein, diese Zweifel eindeutig und unmißverständlich zu zerstreuen."
"Ja, Meister."
Traxius lächelte, als er die gut versteckte Befriedigung über diesen Auftrag aus ihrer Stimme heraushörte.
"Bring ihn aber nicht um, Kaori-san. Im Moment brauche ich ihn noch lebend."
Amüsiert registrierte er das kurze Aufflackern von Überraschung und auch ein wenig Enttäuschung, bevor sie antwortete.
"Wie ihr wünscht, Meister."
Mit diesen Worten erhob sie sich mit der geschmeidigen Eleganz einer Raubkatze und schritt aus dem Thronsaal.
Lord Traxius lächelte zufrieden. Kaori gehörte zu seinen ersten Schülern auf dieser Welt. Sie war eines der sechs Kinder gewesen, die er wenige Jahre nach seiner Ankunft begonnen hatte auszubilden. Damals hatte er bei ihr und einer handvoll weiterer Kinder das Potential für den Umgang mit der Macht gespürt. Kaori war damals drei Jahre alt gewesen. Die fünf anderen Kinder, vier Jungen und ein Mädchen, waren im Alter zwischen drei und fünf.
Inzwischen war Kaori achtzehn Jahre alt, und war eine seiner zuverlässigsten Mitarbeiterinnen. Sie hätte auch die Suche nach Sailor Saturn geleitet, wenn nicht seine Schülerin Zirkonite aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen und der erstaunlichen Fähigkeit, aus Lebensenergie diese seltsamen Kampfkreaturen zu formen, die besseren Voraussetzungen für die Jagd mitgebracht hätte.
Aber anders als zu den Zeiten des Imperators zogen bei ihm alle an einem Strang. Seine Untergebenen wußten, daß nur der Gesamterfolg zählte, und daß Erfolge oder Mißerfolge eines Einzelnen immer auf alle zurückfallen würden. Neid, der dazu führen mochte, daß seine ranghohen Untergebenen sich gegenseitig Steine in den Weg legten, oder Eifersucht, waren somit überflüssig.
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In der Zwischenzeit hatten die glorreichen Sailor Senshi alle sechs Youma besiegt. Der letzte von ihnen war in einer vom Kampf gezeichneten Lagerhalle vernichtet worden, zu der die Senshi durch einen verzweifelten Hilferuf von Sailor Mars gerufen worden waren. Stundenlang durchsuchten sie die Lagerhalle und ihre Umgebung, ohne eine Spur von Sailor Merkur zu finden. Auch Versuche, Merkur über ihren Kommunikator zu erreichen, blieben erfolglos.
Als sie nichts fanden, teilten sie sich in vier Gruppen auf und begannen von der Lagerhalle ausgehend in alle Richtungen erneut mit der Suche. Nachdem Mars ihnen von ihrer Realität gewordenen Vision berichtet hatte, fürchteten die Senshi das Schlimmste für das Schicksal ihrer Freundin und Kampfgefährtin.
Noch während ihres Berichts war Sailor Mars weinend zusammengebrochen. Sie gab sich die Schuld an dem, was Merkur passiert war. Sie hatte die Gefahr in ihrer Vision gesehen, und Merkur versprochen, auf sie aufzupassen, aber im entscheidenden Augenblick war sie nicht dagewesen - hatte sie nicht verhindern können, was unbedingt hätte verhindert werden müssen.
Kurz gesagt: Sie war ein seelisches Wrack.
Da sie in diesem Zustand bei der Suche keine Hilfe gewesen wäre, entschied Sailor Moon, daß sie nach Hause gehen sollte. Nach der Suchaktion würden sich alle beim Hikawa-Schrein treffen und, falls die Vermisste nicht gefunden worden war, das weitere Vorgehen planen.
Sailor Jupiter sollte Mars begleiten, und - wie Moon ihr zu verstehen gab - ein Auge auf sie haben.
°....° = jemand denkt
"...." = jemand sagt
{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)
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Darth Saturn - The Dark Harvest
Teil4
Als Jacen dem Ort näherkam, von dem aus er die Machterschütterungen gespürt hatte, bemerkte er, daß das, was er da spürte, verschiedene Nuancen hatte. Offensichtlich benutzten an diesem Ort mehrere Individuen die Macht.
°Welchen Grund es wohl für diesen massiven Machteinsatz gibt ?° Nachdenklich wurde er langsamer.
Als ihm jedoch kurz darauf eine Reihe kleinerer Explosionen aus der Gegend, in die er wollte, anzeigte, daß dort möglicherweise ein Kampf tobte, beschleunigte er seine Schritte wieder.
Da es früher Abend war, hätten eigentlich viele Menschen in der Innenstadt unterwegs sein sollen, aber die Gegend schien wie ausgestorben. Auch gut. So zog er wenigstens keine unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich.
Der junge Jedi benutzte die Macht, um mit einem gewaltigen Satz auf ein vierstöckiges Gebäude zu springen. Möglicherweise konnte er von dort aus einen größeren Überblick gewinnen.
Auf der Straße unter ihm tauchte plötzlich eine junge Frau auf, die kniehohe blaue Stiefel, einen blauen Minirock, und eine weisse Bluse mit blauem Kragen trug, die Jacen irgendwie an die Schuluniformen erinnerte, die er früher schon gesehen hatte. Als kurz darauf ein tentakelbewehrtes Wesen um die Ecke stürmte und ganz offensichtlich versuchte, das Mädchen damit zu Brei zu prügeln, hatte er zumindest auf eine Frage eine Antwort.
°Okay. Wenn ich nicht ich wäre, würde ich mich auch aus der Innenstadt verkrümeln, wenn gerade ein Krieg im Gange ist.°
Jacen spürte die Aura von Dunkelheit, die das Wesen umgab, führte sie jedoch auf dessen deutlich zur Schau gestellten Zorn zurück.
"Shine Aqua Illusion !"
Jacen runzelte zunächst die Stirn. Dann jedoch klappte sein Unterkiefer herunter, als er die magische Attacke beobachten konnte, die ihr Ziel in vollem Lauf erwischte und zu Fall brachte.
Das Mädchen schien den Erfolg der Attacke zu begutachten, aber das hätte es besser gelassen. Das Tentakelwesen sprang brüllend auf und setzte zu einem gewaltigen Sprung an, der es wenige Meter vor dem Mädchen landen ließ. Es hatte den Boden noch nicht berührt, da wirbelte schon ein Tentakel herum und beförderte das Mädchen durch eine Wand in ein großes, flaches Gebäude.
Zufällig lag diese Gebäude direkt neben Jacens Gebäude, so daß er nur auf das tiefergelegene Dach herunterspringen mußte, um das Geschehen weiterverfolgen zu können. Durch das Oberlicht konnte er sehen, wie das Wesen das benommene Mädchen mit einem Tentakel hochhob, und dann damit begann, mit zwei anderen Tentakeln abwechselnd auf den wehrlosen Körper einzuschlagen.
Jacen schüttelte ärgerlich mit dem Kopf. Klar, er wollte sich nicht in etwas einmischen, wovon er nichts verstand. Er kannte sich mit den örtlichen Gepflogenheiten nicht so gut aus, und möglicherweise hatte das Mädchen den berechtigten Zorn von Jemandem auf sich gezogen. Aber er konnte unmöglich zusehen, wie dieser Tentakeltyp das Mädchen totprügelte.
Einen Fußtritt später hatte der junge Jedi ein bequemes Loch im Oberlicht, durch das er auf den Boden des Gebäudes sprang, und knapp ein Dutzend Meter neben dem Tentakelwesen landete.
Dieses hielt verdutzt inne und beobachtete den Neuankömmling irritiert.
"Einen schönen guten Abend." grüßte Jacen höflich. "Ich bin sicher, ihr Zorn auf dieses Mädchen muß sehr groß sein, wenn sie ihren Körper auf diese Weise behandeln, aber finden sie nicht, daß es sinnvoller wäre, nach einer weniger gewaltvollen Lösung für ihre Probleme zu suchen ?"
Für einen Moment war der Youma so verwirrt, daß er fast seinen Auftrag vergessen hätte. Daß ein Mensch sich erdreistete, ihm derart lächerliche Vorschläge zu machen, war eine völlig neuartige Erfahrung für das dämonische Wesen.
Außerdem schien dieser Mensch überhaupt keine Furcht vor ihm zu empfinden. Das war ein Umstand, der schnellstmöglich geändert werden mußte.
Der Youma lachte dröhnend und hob den Tentakel, in dem er die bewußtlose Sailor Merkur hielt.
"Du willst, daß ich sie freigebe ?" fragte er lauernd.
"Das wäre sehr freundlich von dir." antwortete Jacen lächelnd. Das war ja einfacher gegangen, als er gedacht hatte.
Der Youma schenkte ihm ein boshaftes Grinsen. Dann schleuderte er den Körper des Mädchens mit voller Wucht von sich.
Der Jedi wurde von dieser Aktion zwar etwas überrascht, aber immerhin schaffte er es, durch den Einsatz der Macht ihren Flug zu bremsen, so daß sie beinahe sanft auf einem Schutthaufen landete, der vor dem Loch lag, durch das das Mädchen das Gebäude zuvor unfreiwillig betreten hatte.
Noch während er sich darauf konzentrierte, dem Mädchen zu helfen, spürte er den Angriff des Youmas. Jacen warf sich zur Seite und entging so der ersten Attacke, die stattdessen den Beton an der Stelle pulverisierte, an der er gestanden hatte.
"Schön. Wie du willst." knurrte er, während er mit einem weiteren Hechtsprung einem Tentakel auswich. Jacens rechte Hand verschwand kurz unter seiner Robe und holte einen Metallzylinder hervor.
Der nächste Angriff des Youma kam. Diesmal drangen Tentakel von zwei Seiten gleichzeitig auf ihn ein.
Jacen blieb keine Wahl. Mit einem Druck seines Daumens auf einen kleinen Knopf an jenem Metallzylinder aktivierte er den Energiekern seiner Waffe. Energie floß durch exakt justierte und geschliffene Fokuskristalle. Mit einem aggressiven Zischen schoß die violett-leuchtende Klinge seines Lichtschwerts aus dem Griff hervor und trennte mit einem schnellen Rückhandschlag einen Tentakel vom Rumpf seines Gegners.
Brauner stinkender Schleim spritzte aus der Wunde, während der Youma mit einem infernalischen Kreischen zurücksprang.
Der Jedi rannte zu dem Mädchen. Möglicherweise brauchte sie ja schnelle Hilfe. Wäre nach den Schlägen, die sie kassiert hatte ja auch kein Wunder. Doch zu Jacens Verwunderung schien ihr Zustand nicht lebensbedrohlich zu sein. Ihr Puls ging regelmäßig, und auch ihre Atmung, wenn auch flach und nicht so regelmäßig, wie es wünschenswert gewesen wäre, war vorhanden.
Das Gebrüll des Youma hatte sich unterdessen von Schmerz zu Wut verwandelt. Blind vor Zorn stürmte er auf diesen Menschen mit der seltsamen Waffe zu.
Jacen bemerkte das natürlich und hob seine Waffe, um sich und das Mädchen gegen diesen Irren zu verteidigen, als plötzlich ein Schrei zu hören war.
Jacens Kopf ruckte herum, und er sah durch das Loch, wie ein anderes Mädchen auf das Lagerhaus zugerannt kam. Er wußte sofort, daß sie zu dem Mädchen gehören mußte, dessen Gesundheit er gerade verteidigte. Ersetzte man das Rot in ihrer Kleidung durch Blau, und die Stöckelschuhe durch Stiefel, wäre die Uniform der zwei Mädchen identisch gewesen.
Offenbar wußte sie um die Gefährlichkeit der Lage, denn in ihren Augen stand pures Entsetzen. Jacen wollte sich schon wieder seinem eigentlichen Problem zuwenden, als das Mädchen draußen plötzlich Zugriff auf die Macht nahm.
"Burning Mandala !" rief sie, und plötzlich schoß ein feuriger Angriff auf Jacen zu, der reflexartig eine Abwehrhaltung einnahm.
°Diese Mädchen scheinen die Macht zu verwenden, um elementare Effekte hervorzurufen.° dachte er fasziniert, während er den Angriff auf sich zukommen sah und sich wunderte, wieso sie ihn angriff, obwohl er ihre Freundin verteidigte. °Aber wenn das so ist, kann ich den Angriff auch mit der Macht abwehren.°
Gesagt, getan. Natürlich konnte er den Feuereffekt nicht einfach rückgängig machen. Aber er konnte der Attacke eine neue Richtung geben. Er lenkte den Angriff nach oben, einfach aus purem Reflex, und verfluchte sich im nächsten Augenblick für diese Dummheit.
Es war ziemlich dumm, eine solche Attacke im Innern eines Gebäudes aufwärts zu lenken. Das war seine Erkenntnis, während er bereits damit beschäftigt war, den niedergehenden Trümmern auszuweichen. Dies war gar nicht so einfach, da er den bewußtlosen Körper eines Mädchens mit sich trug, und es gelang ihm nur durch seine Fähigkeiten im Umgang mit der Macht.
Hinter sich hörte er das boshafte Lachen des Youma.
"Jetzt hast du die Wahl, Mensch. Laß sie fallen, und egal ob du kämpfen oder fliehen willst, ich werde sie töten. Oder trag sie mit dir herum und ich werde euch beide töten."
Regel Nummer Eins in solchen Fällen: Wenn der Bösewicht dir die Wahl zwischen zwei Alternativen läßt, wähle die Dritte. Jacen blickte sich nach einer guten Fluchtmöglichkeit um, und fand diese, als er einen Gullideckel in der Halle erblickte. Er fand es zwar merkwürdig, daß es einen Gullideckel inmitten einer Lagerhalle gab, aber im Moment waren ihm die Gründe dafür herzlich egal.
Er griff mit der Macht hinaus und hob den Deckel an, noch während er darauf zurannte. Dann sprang er auf gut Glück in das Loch und ließ den Deckel hinter sich runterfallen.
Der junge Jedi fiel mitsamt seiner Last mehrere Meter tief, und auch der Einsatz der Macht konnte ihn diesmal nicht vor einem umgeknickten Knöchel bewahren, als er auf dem rutschigen Boden des Abwasserschachts ausrutschte.
Bis zu den Knien stand er im Abwasser. Es stank erbärmlich, und die Sicht war fast nicht vorhanden. Vorsichtig hinkend tastete er an der rauhen Betonwand entlang, bis er eine Richtung gefunden hatte, in der der Schacht weiterführte. Ein stechender Schmerz schoß sein rechtes Bein herauf, als er es belastete, aber Jacen wußte, daß sie hier nicht bleiben konnten. Der Youma war zu groß für die Abwasserkanäle, aber er würde sicher nach einer Möglichkeit suchen, ihnen zu schaden. Also biß er tapfer die Zähne zusammen, legte sich das noch immer bewußtlose Mädchen über die Schulter und machte sich auf den Weg.
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Unterdessen saß Lord Traxius auf seinem Thron und lauschte den Worten einer knieenden, holographischen Gestalt, die auf der flachen, zwei Meter durchmessenden Scheibe eines Holokommsystems erschienen war, das sich in der Nähe seines Throns befand.
Der Mann, dessen Abbild dort kniete, kniete auf einer ähnlichen Scheibe, die sich in einem weit entfernten geheimen Stützpunkt befand.
"Alle Berichte und Analysen deuten daraufhin, daß die Amerikaner in den nächsten Wochen mit ihren Aktionen im Irak fertig sein werden. Die dritte Infanteriedivision hat Bagdad so gut wie erreicht, ohne nennenswert dezimiert zu werden, während der irakische Widerstand zusehends erlahmt. Trotzdem empfängt die Bevölkerung der bereits eingenommenen Städte sie nicht gerade wie Befreier, sondern verhält sich eher zurückhaltend und reserviert."
"Endlich. Darauf warten wir ja nun schon lange genug." erwiderte Traxius erfreut. "Die Entscheidung der Amerikaner zum Angriff war die einzige von uns nicht direkt beeinflußbare Variable in diesem Spiel. Und wie es scheint, zahlt es sich aus, daß wir diesen Narren in der Wüste solange unterstützt haben."
"Die Amerikaner und ihre Verbündeten haben versucht, die Irakis in den ersten Tagen des Krieges in Grund und Boden zu bomben, und verlassen sich immer noch sehr auf Luftschläge im Vorfeld ihres Vorrückens am Boden."
"Wie bei all ihren Militäraktionen in den letzten Jahren." bemerkte Traxius trocken. "Aber das haben sie ja bereits vor langer Zeit vorausgesagt, nicht wahr, General ?"
General Craiden nickte bestätigend.
"Das habe ich, mein Lord. Aber das war nicht schwierig, da es sich um eine etablierte Standardstrategie handelt, die in der Regel den Sieg sichert, wenn man die Luftüberlegenheit hat."
"Das mag wohl sein, General." Traxius kicherte amüsiert unter der Kapuze seiner schwarzen Robe. "Wenn man die Luftüberlegenheit hat."
General Craiden lächelte humorlos.
"Durch ihr unsinniges militärisches Muskelspiel am Persischen Golf gerät der gesamte Militärapparat der Amerikaner aus der Balance." bemerkte er. "Die Notwendigkeit, Truppen dort zu massieren, macht die Schwächung ihrer Präsenz in anderen Regionen notwendig. Außerdem reicht die Zahl ihrer Bodentruppen nicht, um effektiv zu kämpfen, wenn die Luftunterstützung wegfallen sollte."
"Sehr richtig." entgegnete Traxius gutgelaunt. "Und gewisse Aktivitäten, zu denen ich verschiedene Leute in den vergangenen zehn Jahren bewegen konnte, tragen jetzt endlich Früchte, General. Das Ganze gleicht einem komplexen Schachspiel mit mehreren Ebenen, mehreren Mitspielern, teilweise nicht einsehbaren Spielfeldern, und sich von Gebiet zu Gebiet ändernden Regeln. Aber im Moment stehen wir kurz davor, einen bedeutenden Schritt vorwärts zu machen."
"Ich muß gestehen, mein Lord, daß ich an ein paar wenigen Aktionen gezweifelt habe, weil ich dahinter keinen Sinn erkennen konnte." gestand der General ein wenig reumütig. "Aber aus der Distanz betrachtet, ergibt tatsächlich alles einen Sinn."
"Natürlich tut es das, General." erwiderte Traxius großmütig. "Und es dürfte ihnen gezeigt haben, daß sie mir vertrauen können, auch wenn sie mein Handeln nicht begreifen." fügte er hinzu. "So wie die Jagd auf Sailor Saturn, nicht wahr ?"
Der General stockte verunsichert. Wie weit durfte er sich in dieser Sache vorwagen ?
"Dieses Mädchen ist für die Durchführung unserer Pläne nicht nur nicht erforderlich, mein Lord." erklärte er schließlich. "Sie könnte auch für unerwünschte Ablenkung und schädliche Einmischung durch die anderen Senshi sorgen. Es heißt, die Senshi haben bisher mehrmals gegen mächtige Feinde die Oberhand behalten. Feinde, die möglicherweise mehr Macht besessen haben könnten als ihr."
Für einen Moment war es totenstill.
Craiden schluckte nervös, während Traxius ihn schweigend musterte.
"Egal wie gut man ist, es kann immer noch irgendwo jemanden geben, der besser ist - oder dem die Macht im richtigen Moment gewogen ist." orakelte Traxius schließlich. "Diese Lehre habe ich aus dem Schicksal des Imperators gezogen, und ich gedenke nicht, seine Fehler zu wiederholen, General. Falls die Senshi ein Problem werden, so habe ich genügend Möglichkeiten, mich mit ihnen auseinanderzusetzen, ohne von unserem Hauptplan abgelenkt zu werden. Sailor Saturn jedoch könnte eine Rolle in meinen zukünftigen Plänen spielen."
"Natürlich, mein Lord." demütig senkte der General sein Haupt. "Vergebt mir meine Zweifel, aber es schien mir klüger, diese Punkte anzusprechen, bevor..."
"Schon gut, schon gut, General." unterbrach ihn Lord Traxius. "Ich verstehe euren Standpunkt ja. Fahrt mit euren Vorbereitungen fort und erstattet mir umgehend Bericht, wenn die Amerikaner die Einkesselung Bagdads abgeschlossen haben."
"Jawohl, mein Lord."
Craidens Hologramm erlosch, doch Traxius starrte noch einige Minuten lang sinnend auf die leere Scheibe des Holokomms
"Kaori-san."
Eine Gestalt löste sich aus den Schatten am Rande des Thronsaals, schritt bis zum Fuß der Treppe, die zum Thron führte, und sank dort auf ein Knie nieder.
"Meister ?"
"Suche General Craiden auf." befahl er. "Sag ihm, ich habe dich geschickt, und er soll dir eine Position in seinem Stab geben, so daß du dich mit dem Ablauf der von ihm geleiteten Operation vertraut machen und alles Wissenswerte darüber lernen kannst."
"Ja, Meister."
"Und wenn du bei ihm wieder Zeichen irgendwelcher Zweifel vorfinden solltest, wird es deine Aufgabe sein, diese Zweifel eindeutig und unmißverständlich zu zerstreuen."
"Ja, Meister."
Traxius lächelte, als er die gut versteckte Befriedigung über diesen Auftrag aus ihrer Stimme heraushörte.
"Bring ihn aber nicht um, Kaori-san. Im Moment brauche ich ihn noch lebend."
Amüsiert registrierte er das kurze Aufflackern von Überraschung und auch ein wenig Enttäuschung, bevor sie antwortete.
"Wie ihr wünscht, Meister."
Mit diesen Worten erhob sie sich mit der geschmeidigen Eleganz einer Raubkatze und schritt aus dem Thronsaal.
Lord Traxius lächelte zufrieden. Kaori gehörte zu seinen ersten Schülern auf dieser Welt. Sie war eines der sechs Kinder gewesen, die er wenige Jahre nach seiner Ankunft begonnen hatte auszubilden. Damals hatte er bei ihr und einer handvoll weiterer Kinder das Potential für den Umgang mit der Macht gespürt. Kaori war damals drei Jahre alt gewesen. Die fünf anderen Kinder, vier Jungen und ein Mädchen, waren im Alter zwischen drei und fünf.
Inzwischen war Kaori achtzehn Jahre alt, und war eine seiner zuverlässigsten Mitarbeiterinnen. Sie hätte auch die Suche nach Sailor Saturn geleitet, wenn nicht seine Schülerin Zirkonite aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen und der erstaunlichen Fähigkeit, aus Lebensenergie diese seltsamen Kampfkreaturen zu formen, die besseren Voraussetzungen für die Jagd mitgebracht hätte.
Aber anders als zu den Zeiten des Imperators zogen bei ihm alle an einem Strang. Seine Untergebenen wußten, daß nur der Gesamterfolg zählte, und daß Erfolge oder Mißerfolge eines Einzelnen immer auf alle zurückfallen würden. Neid, der dazu führen mochte, daß seine ranghohen Untergebenen sich gegenseitig Steine in den Weg legten, oder Eifersucht, waren somit überflüssig.
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In der Zwischenzeit hatten die glorreichen Sailor Senshi alle sechs Youma besiegt. Der letzte von ihnen war in einer vom Kampf gezeichneten Lagerhalle vernichtet worden, zu der die Senshi durch einen verzweifelten Hilferuf von Sailor Mars gerufen worden waren. Stundenlang durchsuchten sie die Lagerhalle und ihre Umgebung, ohne eine Spur von Sailor Merkur zu finden. Auch Versuche, Merkur über ihren Kommunikator zu erreichen, blieben erfolglos.
Als sie nichts fanden, teilten sie sich in vier Gruppen auf und begannen von der Lagerhalle ausgehend in alle Richtungen erneut mit der Suche. Nachdem Mars ihnen von ihrer Realität gewordenen Vision berichtet hatte, fürchteten die Senshi das Schlimmste für das Schicksal ihrer Freundin und Kampfgefährtin.
Noch während ihres Berichts war Sailor Mars weinend zusammengebrochen. Sie gab sich die Schuld an dem, was Merkur passiert war. Sie hatte die Gefahr in ihrer Vision gesehen, und Merkur versprochen, auf sie aufzupassen, aber im entscheidenden Augenblick war sie nicht dagewesen - hatte sie nicht verhindern können, was unbedingt hätte verhindert werden müssen.
Kurz gesagt: Sie war ein seelisches Wrack.
Da sie in diesem Zustand bei der Suche keine Hilfe gewesen wäre, entschied Sailor Moon, daß sie nach Hause gehen sollte. Nach der Suchaktion würden sich alle beim Hikawa-Schrein treffen und, falls die Vermisste nicht gefunden worden war, das weitere Vorgehen planen.
Sailor Jupiter sollte Mars begleiten, und - wie Moon ihr zu verstehen gab - ein Auge auf sie haben.
