Anmerkungen
°....° = jemand denkt
"...." = jemand sagt
{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)
Darth Saturn - The Dark Harvest
Teil 5
Jacen wußte nicht, wie lange er durch die Finsternis der Abwasserkanäle geirrt war. Dort, inmitten der Dunkelheit und mit den furchtbaren Schmerzen, die bei jedem Schritt durch sein Bein zuckten, als einziger Gesellschaft - nebst seiner Last in Form eines bewußtlosen Mädchens - hatte er jegliches Zeitgefühl verloren. Seine Welt bestand nur noch aus Finsternis, Gestank und Schmerzen. Und einer immer größer werdenden Erschöpfung.
Irgendwann ertastete er einen höhergelegenen, trockenen Seitenkanal, in dem er den noch immer bewußtlosen Körper ablegen konnte. Danach kroch er ebenfalls in die Betonröhre hinein und ließ sich völlig ausgelaugt neben seinem Schützling nieder. Vorsichtig kontrollierte er nochmal ihren Puls und ihre Atmung. Beides war schwach aber regelmäßig vorhanden.
Dann griff er mit der Macht hinaus, um seine nähere Umgebung zu überprüfen. Es gab eine Menge Präsenz dort unten, aber es handelte sich ausnahmslos um tierische Lebensformen. Langsam schloß der Erschöpfte seine Augen und begann zu meditieren, um seinen Geist von der Erschöpfung zu befreien. Das leise Plätschern des vorbeifliessenden Abwassers wirkte irgendwie beruhigend.
Er wußte nicht, wie lange er so dagesessen hatte, als ihm eine Veränderung in der Atmung des Mädchens auffiel. Er konzentrierte sich auf seine Jedi- Sinne und bemerkte, daß ihr Geist dabei war, sich zu regen. Offensichtlich war sie dabei aufzuwachen.
"Bist du wach ?" Seine matte Stimme hallte ein wenig unheimlich.
"Wo...wo bin ich ?" Verwirrung und Desorientierung waren ihrer Stimme deutlich anzumerken. Nichtsdestotrotz empfand Jacen sie als angenehm.
"Wir sind irgendwo in den Abwasserkanälen unter der Stadt." antwortete er.
"Was ? Aber wie...?"
"Dieser Kerl mit den Tentakelarmen hat dich zusammengeschlagen." erklärte er ihr. "Ich glaube, ein paar deiner Rippen könnten angebrochen sein, aber ich hatte nicht die Zeit, das genauer zu untersuchen, als wir noch in der Lagerhalle waren."
Das Mädchen schwieg nachdenklich.
"Ich erinnere mich daran, daß der Youma mich gepackt hatte. Aber danach weiss ich nichts mehr."
"Dieser - wie hast du ihn genannt ? Youma ? - mochte dich wohl nicht sonderlich, was ?"
"War das so offensichtlich ?"
Jacen lächelte amüsiert.
"Schön, daß du Witze machen kannst. Das bedeutet, daß du nicht zu schwer verletzt sein kannst. Aber was war der Grund für den Kampf ?"
"Die Youma sind böse Wesen aus einer anderen Dimension, die in unsere Dimension kommen, um Menschen Lebensenergie auszusaugen, um diese dann für ihre Zwecke zu verwenden." erklärte Sailor Merkur. "Und wir bekämpfen sie, wenn sie hier auftauchen."
"Wir ?"
"Die Sailor Senshi." antwortete sie. "Ich bin übrigens Sailor Merkur."
"Wie der Planet ?"
"Ja."
"Mein Name ist Jacen Organa-Solo. Meine Freunde nennen mich Jacen."
"Und wie kommt es, daß wir jetzt hier in der Kanalisation sind, Jacen ?"
"Naja...ich konnte ja schlecht zusehen, wie dieser Youma dich zu Brei prügelt, also habe ich ihn dazu gebracht, damit aufzuhören."
"Das war sehr dumm von dir, dich in einen Kampf mit einem Youma einzumischen, Jacen." entgegnete sie ernst. "Ein Mensch ist einem Youma nicht gewachsen. Nur wir Senshi mit unseren magischen Fähigkeiten können sie besiegen."
Jacen kicherte leise.
"Was findest du daran so komisch ?" fragte sie verärgert.
"Oh, ich dachte nur gerade, daß du diejenige warst, die von dem Youma bewußtlos geprügelt wurde, und nicht ich." erklärte er gelassen. "Möglicherweise hätte ich auch nicht mit dir vor ihm fliehen müssen, wenn nicht eine Kampfgefährtin von dir versucht hätte, mich zu grillen."
"Wie meinst du das ?"
Jacen beschrieb ihr die Situation, in der Sailor Mars ihn angegriffen hatte.
"Mars kann Visionen herbeirufen." erklärte Merkur schließlich. "Und sie hatte gestern eine Vision, die genau diese Situation beschrieb, aber wir dachten, die Gefahr für mich würde von dir ausgehen."
"Oh, verstehe. Naja...jedenfalls machte ich den Fehler, ihren Angriff nach oben ins Dach der Lagerhalle abzulenken, und dann..."
"Moment, Moment. Sagtest du gerade, du hättest Mars Angriff...abgelenkt ?"
"Ja. Das sagte ich. Ich bin nicht so wehrlos, wie du vielleicht gedacht hast, Sailor Merkur."
"Darüber würde ich gern mehr erfahren." bat sie.
"Kein Problem, aber vielleicht sollten wir uns so langsam auf den Weg zurück in die Zivilisation machen."
"Stimmt."
Merkur aktivierte ihren Visor, durch den sie ihre Umgebung problemlos erkennen konnte, und krabbelte dann aus dem Seitenkanal zum Hauptkanal zurück. Jacen folgte ihr langsam.
"Sag mal, wieso habe ich den Eindruck, daß du hier unten sehen kannst ?"
"Keine Ahnung." gab Merkur zurück. "Vielleicht, weil es so ist ? Kannst du hier unten nicht sehen ?"
"Nein, Merkur. Ich habe dich die ganze Zeit blind mit mir herumgetragen. ARGH !"
Merkur wirbelte herum, als sie Jacens Aufschrei hörte, aber das Einzige, was sie sah war, daß er aus irgendeinem Grund umkippte und mit dem Kopf gegen die Betonwand knallte. Bevor er in der stinkenden Brühe gänzlich versinken konnte, war sie schon bei ihm und hatte ihn gepackt.
"Verdammt." murmelte sie. "Sieht so aus, als dürfte ich mich jetzt für´s Tragen bei dir revanchieren, was ?"
Mit diesen Worten, und froh über ihre magisch verbesserte Stärke, legte sie sich den Bewußtlosen auf den Rücken und machte sich auf den Weg zum nächstgelegenen Ausstieg.
==============================
Zirkonite saß in ihrem Büro, einen überaus zufrieden aussehenden Major Rensa Turin vor sich, und nahm seinen Bericht entgegen.
"Das war ein unglaublicher Glückstreffer." erklärte er begeistert. "Unsere Drohnen haben kurz nach dem Youmaalarm gestochen scharfe Aufnahmen von Hotaru Kaiohs Verwandlung in Sailor Saturn machen können."
"Und was ist daran so ein großartiger Glückstreffer, Major ? Es ist doch nur der letzte Beweis für etwas, worüber wir uns ziemlich sicher waren."
"Das stimmt, Ma´am. Aber wir haben nicht damit gerechnet, daß die drei anderen Personen, die mit ihr zusammenleben, ebenfalls Senshi sind."
"Was ?" Zirkonite zog überrascht eine Augenbraue hoch.
Major Turin reichte ihr eine handtellergroße Laserdisc.
"Hierauf finden sie Zusammenschnitte der wichtigsten Aufnahmen unserer Drohnen vom heutigen Ereignis."
Zirkonite legte die silberne Scheibe in das Lesegerät ihres Laptops und ging die einzelnen Sequenzen durch. Schon nach wenigen Minuten lag ein diabolisches Glitzern in ihren Augen.
"Haruka Tenoh ist also Sailor Uranus, Michiru Kaioh ist Sailor Neptun, und Setsuna Meiyoh ist Sailor Pluto. Wer hätte das gedacht ?"
"Es kommt noch besser." warf der Geheimdienstmajor ein.
Zirkonite schaute ihn fragend an.
"Noch besser ?"
"Die Drohnen über dem Kampfgebiet haben die Senshi soweit wie möglich verfolgt. Eine von ihnen ist in einer Lagerhalle verlorengegangen, und anscheinend wird sie vermisst."
"Vermisst ?"
"Die anderen Senshi schienen von der Lagerhalle ausgehend eine Suchaktion zu starten, und das macht nur Sinn, wenn sie etwas suchen. Da aber keine Youma mehr dort waren, und eine von ihnen unauffindbar für unsere Drohnen war, ist es logisch davon auszugehen, daß sie irgendwie verschwunden ist."
"Kann es sein, daß sie die Drohnen entdeckt hat ?"
Turin schüttelte den Kopf.
"In dem Fall hätte sie die anderen sicher versucht zu warnen. Aber zwei Senshi, die sich nicht an der Suche beteiligt haben, haben wir bis zu einem Schrein verfolgt, wo sie ihre Deckidentitäten angenommen haben, also wissen sie nichts von den Drohnen."
Zirkonite scrollte durch den Zusammenschnitt, bis sie die Szene gefunden hatte. "Das wären dann Mars und Jupiter." murmelte sie triumphierend.
Sie konnte ihr Glück kaum fassen. Innerhalb von wenigen Tagen hatte sie genau die Art von Information bekommen, nach denen unter Königin Beryl verzweifelt gesucht worden war.
"Finden sie heraus, was es über diese Mädchen herauszufinden gibt, Major. Und stellen sie mir bis morgen vormittag Dossiers über alle identifizierten Senshi zusammen - angefangen mit unserem Primärziel."
Turin lächelte knapp, als er den Befehl bestätigte, und ihr dann eine weitere Laserdisc aushändigte.
"Ausgehend von der Annahme, daß das Mädchen die gesuchte Person sein würde, hatte ich schon ein Dossier von ihr zusammengestellt."
Nachdem Major Turin sie verlassen hatte, um seine neuen Aufgaben zu erledigen, betrat ein junges Mädchen das Büro, setzte sich auf den nun freien Stuhl vor dem Schreibtisch und wartete darauf, zur Kenntnis genommen zu werden, wobei es Zirkonite gelassen und völlig emotionslos beobachtete.
"Haben wir sie schon gefunden ?" fragte sie schließlich.
Zirkonite nickte, während sie weiter das Dossier von Hotaru studierte.
"Denkst du, du kannst sie herbringen, Midori ?"
Das dreizehnjährige Mädchen warf ihr einen amüsierten Blick aus ihren großen, braunen Augen zu und spielte dabei mit einem ihrer zwei bis zur Mitte des Rückens reichenden blauschwarzen Zöpfe.
"Selbstverständlich kann ich das." antwortete sie grinsend. Dann wurde ihr Blick schlagartig kälter. "Auf die eine oder andere Art."
"Der Meister will sie lebend." entgegnete Zirkonite gepresst. Sie wußte, daß es für das Mädchen auch kein Problem gewesen wäre, Hotaru Kaioh tot abzuliefern. "Und so wie ich ihn verstanden habe, sollen alle Aktionen unterbleiben, die zu einer negativen Voreingenommenheit führen könnten."
"Anders gesagt: Ich soll sie freundlich einladen." bemerkte Midori trocken. "Aber du würdest sie lieber tot sehen, nicht wahr ?"
"Meine Ansichten stehen in diesem Fall nicht zur Debatte." antwortete sie mit sorgfältig neutral gehaltenem Tonfall.
Natürlich entging Midori nicht, daß sie die Frage dadurch keineswegs beantwortet hatte. Zehn Jahre eisernen mentalen Trainings hatten ihren Geist und ihre Sinne für derartige Dinge geschärft.
"Das Dossier ?" Ihr Tonfall war jetzt völlig kühl und geschftsmäßig.
Zirkonite nahm die Disc aus dem Lesegerät und reichte sie dem jüngeren Mädchen. Midori schob die Disc in eine Tasche ihres Hosenanzugs und erhob sich.
"Wenn alles klappt, haben wir morgen um diese Zeit einen Gast." bemerkte sie im Herausgehen. "Besser du läßt schon alles für ihre Unterbringung vorbereiten."
"Gute Jagd." wünschte Zirkonite ihr zum Abschied.
Sie wußte, irgendwann würde ihr Meister die Schonzeit für die Senshi aufheben, und dann gab es noch genug andere Senshi, denen sie die Hölle auf Erden bereiten konnte.
==============================
Als Jacen die Augen aufschlug, verspürte er sofort einen stechenden Schmerz im Kopf und im Bein.
°Ich muß ausgerutscht sein und mir den Kopf angeschlagen haben.°
"Na ? Endlich wach ?"
Jacen drehte den Kopf und sah ein Mädchen etwa in seinem Alter. Sie hatte kurze schwarze Haare, und wunderschöne, blaue Augen. Sie saß auf einem Stuhl neben einem Bett. Als er sich umschaute, kam er zu dem Schluß, daß dies nicht die typische Einrichtung eines Krankenhauses sein konnte.
"Wo bin ich ?"
"Mein Name ist Ami Mizuno." antwortete das Mädchen freundlich. "Ich habe dich draußen vor dem Haus gefunden. Du warst verletzt, also habe ich dich reingeholt und so gut es ging verarztet."
Er lächelte sie dankbar an.
"Wenn ich mich richtig erinnere, war ich vor kurzem in der Kanalisation." bemerkte er trocken. "Daher schätze ich, daß du wahrscheinlich etwas mehr getan hast, als meinen Kopf zu verbinden, hm ?"
Sie errötete leicht und sah zur Seite.
"Meine Mutter ist Ärztin. Sie hat geholfen, dich zu entkleiden und zu säubern."
"Danke, Sailor Merkur."
Ami wurde ein wenig blaß.
"W-wie bitte ?"
"Ich weiss nicht, warum ihr die Macht benutzt, um unerkannt zu bleiben, wenn ihr gegen die Youma kämpft, aber ich bin in der Lage, mehr als das zu sehen, was Menschen normalerweise sehen. Genau wie du."
"Klingt interessant." bemerkte sie mit gespielter Belustigung. "Was hast du denn gesehen, daß dich glauben läßt, ich sei Sailor Merkur, hm ?"
"Jedes Ding, egal ob es ein Stein, eine Pflanze, oder ein Mensch ist, hat eine individuelle Aura."
"Und du kannst diese Aura sehen, und darum bin ich Sailor Merkur ?" Sie schüttelte ungläubig den Kopf. "Ich glaube, du hast dir deinen Kopf ein wenig zu fest gestossen."
Jacen lächelte.
"Die Senshi sind stark in der Macht." entgegnete er. "Auch wenn aus einem mir unbekannten Grund deine Aura jetzt schwächer ist, so besteht für mich kein Zweifel daran, daß du Sailor Merkur bist, Ami Mizuno."
"Aber das stimmt nicht. Wirklich."
"Wovor hast du Angst ? Glaubst du, ich würde euer Geheimnis verraten ?"
Ami schwieg.
"Ihr benutzt die Macht, um die Wahrnehmung der Leute zu manipulieren, die euch als Senshi sehen." stellte er fest. "Ich kenne den Grund nicht, aber ich akzeptiere diese Geheimhaltung. Ich würde euch niemals verraten."
Ami seufzte und warf ihm einen unsicheren Blick zu.
"Aber vielleicht fällt es dir leichter mir zu trauen, wenn ich dir zeige, daß ihr nicht die einzigen Leute seid, die den Umgang mit der Macht beherrschen."
Er schaute sich kurz um, und entdeckte auf Amis Schreibtisch sein Lichtschwert.
"Und was hast du vor ?"
"Schau her."
Er streckte den Arm aus und ließ die Macht fliessen. Im nächsten Moment flog seine Waffe durch die Luft und landete in seiner ausgestreckten Hand.
Ami starrte ihn verblüfft an.
"Wie hast du das gemacht ?"
"Das ist aber eine seltsame Frage für jemanden, der selbst die Macht benutzt."
"Ich verstehe nicht."
"Als du vor der Lagerhalle den Youma angegriffen hast, hast du etwas gerufen."
"Shine Aqua Illusion." murmelte sie leise. Ganz offensichtlich hatte es keinen Zweck ihre Identität zu leugnen, und so kam sie vielleicht dahinter, was es mit Jacen auf sich hatte.
"Genau. Und gleichzeitig hast du die Macht manipuliert und damit einen elementaren Effekt verursacht. Genau wie Sailor Mars mit ihrem Feuerangriff."
"Also ich habe bisher immer geglaubt, das sei Magie."
Jacen schüttelte den Kopf.
"Die Macht ist so etwas wie ein Kraftfeld, das alles durchdringt, umgibt und miteinander verbindet." erklärte er. "Sie ist immer anwesend, und es gibt eine Menge Ausprägungen von Talenten, die mit der unbewußten Nutzung der Macht im Zusammenhang stehen. Aber ich hatte angenommen, da ihr die Macht so zielgerichtet anwendet, wüßtet ihr über ihre Ursprünge und Möglichkeiten bescheid."
Ami schüttelte den Kopf.
"Ich höre heute zum ersten Mal von der Macht."
Dann zeigte sie auf den Gegenstand in seiner Hand.
"Was ist das ?"
"Damit habe ich dich gegen den Youma verteidigt."
Ami runzelte skeptisch die Stirn.
"Hast du nichts besseres gefunden als einen Knüppel ?"
"Beurteilst du immer alles nach dem äußeren Eindruck ?" fragte er grinsend. Dann setzte er sich auf und bedeutete ihr, ein Stück zur Seite zu gehen. Dabei fiel ihm auf, daß er - wie Ami gesagt hatte - völlig unbekleidet war, also zog er mit einem Ausdruck der Verlegenheit die Bettdecke etwas höher.
Sie tat ihm den Gefallen beiseite zu gehen und wurde kurz darauf mit dem Anblick eines aktivierten Lichtschwertes belohnt.
Fasziniert starrte Ami auf die leuchtende, summende Klinge. Neugierig streckte sie eine Hand aus, aber Jacen zog die Waffe sofort zurück und schaltete die Klinge ab.
"Wenn du die Klinge berührst, wirst du anschließend eine neue Hand brauchen, Ami." erklärte er sein Verhalten.
Ami wurde blaß.
"Wie...wie funktioniert das ?"
"Der Energiekern im Innern des Griffs lenkt einen Energiestrahl durch einen fokussierenden Kristall. Dadurch wird ein Energiefeld projiziert."
"Wie gut schneidet dieses Ding ?"
"Abgesehen von Cortosis-Erz kann man mit einem Lichtschwert jedes Material schneiden, als wenn man ein heißes Messer durch Butter bewegt." antwortete er bereitwillig. "Stahl, Beton - einfach alles. Nur Cortosis-Erz absorbiert das Energiefeld des Lichtschwerts, und deshalb kann man es damit nicht schneiden. Glücklicherweise ist dieses Erz sehr selten."
"Wer auf diesem Planeten baut so eine Waffe ?" fragte sie ehrfürchtig.
"Niemand schätze ich."
"Niemand ?" Ami musterte ihn verwirrt.
"Ich stamme aus der Neuen Republik. Geboren wurde ich auf einer Welt namens Coruscant. Meine Mutter ist Mitglied der Regierung, und mein Vater ist ein ehemaliger Schmuggler, der jetzt einer der höchstdekorierten Offiziere der Republik-Streitkräfte ist. Zum Jedi ausgebildet wurde ich in der Jedi- Akademie auf dem Planeten Yavin, die mein Onkel Luke leitet. Aber irgendwie bin ich hier gestrandet."
"Klingt nach einer längeren Geschichte, was ?"
Jacen lächelte, obwohl große Traurigkeit in seinen Augen stand.
"Ich vermisse sie alle so sehr, weisst du."
Ami legte ihm mitfühlend eine Hand auf den Arm und lächelte aufmunternd.
"Irgendwie werden wir dich auch wieder nach Hause schicken können." versprach sie zuversichtlich. "Dabei würde uns helfen, wenn wir wüßten, wie du hergekommen bist."
Jacen nickte und schenkte ihr einen dankbaren Blick.
"Ich habe mich das auch schon gefragt, Ami."
"Und ?"
"Ich erinnere mich an einen Kampf. An ein grelles, blaues Licht. An viele Tote." erklärte er. "Und dann stand ich plötzlich in einem Park in der Nähe des Tokyo Tower. Das war vor ein paar Tagen. Seitdem habe ich Tag für Tag in diesem Park gesessen und überlegt, wie es weitergehen soll."
"Und wo hast du geschlafen ?"
"In irgendwelchen Hinterhöfen."
Amis Mitleid mit Jacen wuchs.
"Und was hast du gegessen ?"
"Ich hatte noch ein paar Nährkonzentratriegel in meiner Gürteltasche."
Ami verzog das Gesicht.
"Und was wolltest du tun, sobald du alle aufgegessen hattest ?"
"Keine Ahnung." gestand er. "Ich hab ja weder gültige Währung noch gültige Papiere."
Sie nickte verstehend.
"Dann hast du sicher nichts gegen eine kleine Mahlzeit, oder ?" Ami lächelte und erhob sich.
"Ich wäre sehr dankbar dafür." antwortete er.
"Kommst du mit in die Küche ?"
Er errötete leicht.
"Ähm...Unbekleidet ?"
"Oh. Ich vergaß." Ami errötete vor Verlegenheit. "Deine Kleidung war nach dem Ausflug unter die Stadt völlig ruiniert."
Sie verschwand kurz und kam dann mit einem Bademantel wieder.
"Ich hoffe, du hast nichts dagegen, einen Mädchenbademantel zu tragen."
Er schüttelte den Kopf.
"Hauptsache, ich bin nicht nackt."
Ami gab ihm den Bademantel und drehte sich dann um, um zu warten, bis er angezogen war.
"Wie hast du dir eigentlich deine Knöchelverletzung zugezogen ?"
"Nachdem ich Mars Angriff in die Decke gelenkt hatte, mußte ich ziemlich schnell mit dir auf dem Arm den runterfallenden Trümmern ausweichen." erzählte er. "Der Youma war dicht hinter uns und wollte dich töten, als ich einen Kanaldeckel entdeckte. Ich hob ihn mit der Macht an und sprang dann runter, aber in der Röhre war es ziemlich rutschig, und so bin ich ausgerutscht."
"Habe ich das richtig verstanden ?" fragte sie überrascht nach. "Du bist mit mir auf dem Arm in einen Schacht unbekannter Tiefe gesprungen, um zu verhindern, daß der Youma mich umbringt ?"
"Natürlich." antwortete er gleichmütig. "Und weil ich nicht wußte, was der Youma sich so alles einfallen läßt, hab ich dich von dort weggetragen."
Trotz deiner Knöchelverletzung hast du mich vier Stunden lang durch die Kanalisation geschleppt." stellte sie überwältigt fest. "Das muß wahnsinnig weh getan haben."
"Hätte ich dich etwa zurücklasen sollen, damit der Youma dich umbringt ?" fragte Jacen nur. "Der Knöchel heilt wieder, aber wenn du tot bist, bist du tot. Außerdem hättest du an meiner Stelle dasselbe getan."
Jacen folgte ihr in die Küche, wo Ami sich die Zutaten für ein kräftiges Nudelgericht zusammensuchte.
"Ich hoffe, du magst Nudeln."
Jacen zuckte nur mit den Schultern.
"Keine Ahnung. Das wird mein erstes einheimisches Gericht sein."
Ami lächelte amüsiert.
"Wenn das so ist, sollte ich vielleicht Makoto anrufen...oh nein !"
Ami raufte sich frustriert die Haare. "Ich bin ja so dumm."
"Was ist los, Ami ?"
"Die anderen Senshi. Sie machen sich sicher Sorgen. Ich muß ihnen sofort Bescheid sagen, daß ich in Sicherheit bin."
Jacen nickte ernst.
"Und sag Mars, daß sie sich wegen mir keine Sorgen machen muß."
Ami nickte und ging dann in ihr Zimmer zurück, um ungestört die anderen informieren zu können. In ihrem Kopf wirbelte alles durcheinander. Sie war diejenige, die immer einen kühlen Kopf bewahrte. Wie hatte sie vergessen können, die anderen Senshi zu informieren ?
Wie zu erwarten, waren Jupiter und Moon ein wenig sauer, weil Ami vergessen hatte, sich sofort zu melden. Dann aber überwog die überwältigende Freude darüber, daß sie noch unter den Lebenden weilte. Als Ami Jacen erwähnte, waren die Inneren Senshi natürlich auf´s Äußerste gespannt. Das logische Ergebnis war, daß die Inneren Senshi sich umgehend für ein Treffen bei Ami ankündigten.
°....° = jemand denkt
"...." = jemand sagt
{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)
Darth Saturn - The Dark Harvest
Teil 5
Jacen wußte nicht, wie lange er durch die Finsternis der Abwasserkanäle geirrt war. Dort, inmitten der Dunkelheit und mit den furchtbaren Schmerzen, die bei jedem Schritt durch sein Bein zuckten, als einziger Gesellschaft - nebst seiner Last in Form eines bewußtlosen Mädchens - hatte er jegliches Zeitgefühl verloren. Seine Welt bestand nur noch aus Finsternis, Gestank und Schmerzen. Und einer immer größer werdenden Erschöpfung.
Irgendwann ertastete er einen höhergelegenen, trockenen Seitenkanal, in dem er den noch immer bewußtlosen Körper ablegen konnte. Danach kroch er ebenfalls in die Betonröhre hinein und ließ sich völlig ausgelaugt neben seinem Schützling nieder. Vorsichtig kontrollierte er nochmal ihren Puls und ihre Atmung. Beides war schwach aber regelmäßig vorhanden.
Dann griff er mit der Macht hinaus, um seine nähere Umgebung zu überprüfen. Es gab eine Menge Präsenz dort unten, aber es handelte sich ausnahmslos um tierische Lebensformen. Langsam schloß der Erschöpfte seine Augen und begann zu meditieren, um seinen Geist von der Erschöpfung zu befreien. Das leise Plätschern des vorbeifliessenden Abwassers wirkte irgendwie beruhigend.
Er wußte nicht, wie lange er so dagesessen hatte, als ihm eine Veränderung in der Atmung des Mädchens auffiel. Er konzentrierte sich auf seine Jedi- Sinne und bemerkte, daß ihr Geist dabei war, sich zu regen. Offensichtlich war sie dabei aufzuwachen.
"Bist du wach ?" Seine matte Stimme hallte ein wenig unheimlich.
"Wo...wo bin ich ?" Verwirrung und Desorientierung waren ihrer Stimme deutlich anzumerken. Nichtsdestotrotz empfand Jacen sie als angenehm.
"Wir sind irgendwo in den Abwasserkanälen unter der Stadt." antwortete er.
"Was ? Aber wie...?"
"Dieser Kerl mit den Tentakelarmen hat dich zusammengeschlagen." erklärte er ihr. "Ich glaube, ein paar deiner Rippen könnten angebrochen sein, aber ich hatte nicht die Zeit, das genauer zu untersuchen, als wir noch in der Lagerhalle waren."
Das Mädchen schwieg nachdenklich.
"Ich erinnere mich daran, daß der Youma mich gepackt hatte. Aber danach weiss ich nichts mehr."
"Dieser - wie hast du ihn genannt ? Youma ? - mochte dich wohl nicht sonderlich, was ?"
"War das so offensichtlich ?"
Jacen lächelte amüsiert.
"Schön, daß du Witze machen kannst. Das bedeutet, daß du nicht zu schwer verletzt sein kannst. Aber was war der Grund für den Kampf ?"
"Die Youma sind böse Wesen aus einer anderen Dimension, die in unsere Dimension kommen, um Menschen Lebensenergie auszusaugen, um diese dann für ihre Zwecke zu verwenden." erklärte Sailor Merkur. "Und wir bekämpfen sie, wenn sie hier auftauchen."
"Wir ?"
"Die Sailor Senshi." antwortete sie. "Ich bin übrigens Sailor Merkur."
"Wie der Planet ?"
"Ja."
"Mein Name ist Jacen Organa-Solo. Meine Freunde nennen mich Jacen."
"Und wie kommt es, daß wir jetzt hier in der Kanalisation sind, Jacen ?"
"Naja...ich konnte ja schlecht zusehen, wie dieser Youma dich zu Brei prügelt, also habe ich ihn dazu gebracht, damit aufzuhören."
"Das war sehr dumm von dir, dich in einen Kampf mit einem Youma einzumischen, Jacen." entgegnete sie ernst. "Ein Mensch ist einem Youma nicht gewachsen. Nur wir Senshi mit unseren magischen Fähigkeiten können sie besiegen."
Jacen kicherte leise.
"Was findest du daran so komisch ?" fragte sie verärgert.
"Oh, ich dachte nur gerade, daß du diejenige warst, die von dem Youma bewußtlos geprügelt wurde, und nicht ich." erklärte er gelassen. "Möglicherweise hätte ich auch nicht mit dir vor ihm fliehen müssen, wenn nicht eine Kampfgefährtin von dir versucht hätte, mich zu grillen."
"Wie meinst du das ?"
Jacen beschrieb ihr die Situation, in der Sailor Mars ihn angegriffen hatte.
"Mars kann Visionen herbeirufen." erklärte Merkur schließlich. "Und sie hatte gestern eine Vision, die genau diese Situation beschrieb, aber wir dachten, die Gefahr für mich würde von dir ausgehen."
"Oh, verstehe. Naja...jedenfalls machte ich den Fehler, ihren Angriff nach oben ins Dach der Lagerhalle abzulenken, und dann..."
"Moment, Moment. Sagtest du gerade, du hättest Mars Angriff...abgelenkt ?"
"Ja. Das sagte ich. Ich bin nicht so wehrlos, wie du vielleicht gedacht hast, Sailor Merkur."
"Darüber würde ich gern mehr erfahren." bat sie.
"Kein Problem, aber vielleicht sollten wir uns so langsam auf den Weg zurück in die Zivilisation machen."
"Stimmt."
Merkur aktivierte ihren Visor, durch den sie ihre Umgebung problemlos erkennen konnte, und krabbelte dann aus dem Seitenkanal zum Hauptkanal zurück. Jacen folgte ihr langsam.
"Sag mal, wieso habe ich den Eindruck, daß du hier unten sehen kannst ?"
"Keine Ahnung." gab Merkur zurück. "Vielleicht, weil es so ist ? Kannst du hier unten nicht sehen ?"
"Nein, Merkur. Ich habe dich die ganze Zeit blind mit mir herumgetragen. ARGH !"
Merkur wirbelte herum, als sie Jacens Aufschrei hörte, aber das Einzige, was sie sah war, daß er aus irgendeinem Grund umkippte und mit dem Kopf gegen die Betonwand knallte. Bevor er in der stinkenden Brühe gänzlich versinken konnte, war sie schon bei ihm und hatte ihn gepackt.
"Verdammt." murmelte sie. "Sieht so aus, als dürfte ich mich jetzt für´s Tragen bei dir revanchieren, was ?"
Mit diesen Worten, und froh über ihre magisch verbesserte Stärke, legte sie sich den Bewußtlosen auf den Rücken und machte sich auf den Weg zum nächstgelegenen Ausstieg.
==============================
Zirkonite saß in ihrem Büro, einen überaus zufrieden aussehenden Major Rensa Turin vor sich, und nahm seinen Bericht entgegen.
"Das war ein unglaublicher Glückstreffer." erklärte er begeistert. "Unsere Drohnen haben kurz nach dem Youmaalarm gestochen scharfe Aufnahmen von Hotaru Kaiohs Verwandlung in Sailor Saturn machen können."
"Und was ist daran so ein großartiger Glückstreffer, Major ? Es ist doch nur der letzte Beweis für etwas, worüber wir uns ziemlich sicher waren."
"Das stimmt, Ma´am. Aber wir haben nicht damit gerechnet, daß die drei anderen Personen, die mit ihr zusammenleben, ebenfalls Senshi sind."
"Was ?" Zirkonite zog überrascht eine Augenbraue hoch.
Major Turin reichte ihr eine handtellergroße Laserdisc.
"Hierauf finden sie Zusammenschnitte der wichtigsten Aufnahmen unserer Drohnen vom heutigen Ereignis."
Zirkonite legte die silberne Scheibe in das Lesegerät ihres Laptops und ging die einzelnen Sequenzen durch. Schon nach wenigen Minuten lag ein diabolisches Glitzern in ihren Augen.
"Haruka Tenoh ist also Sailor Uranus, Michiru Kaioh ist Sailor Neptun, und Setsuna Meiyoh ist Sailor Pluto. Wer hätte das gedacht ?"
"Es kommt noch besser." warf der Geheimdienstmajor ein.
Zirkonite schaute ihn fragend an.
"Noch besser ?"
"Die Drohnen über dem Kampfgebiet haben die Senshi soweit wie möglich verfolgt. Eine von ihnen ist in einer Lagerhalle verlorengegangen, und anscheinend wird sie vermisst."
"Vermisst ?"
"Die anderen Senshi schienen von der Lagerhalle ausgehend eine Suchaktion zu starten, und das macht nur Sinn, wenn sie etwas suchen. Da aber keine Youma mehr dort waren, und eine von ihnen unauffindbar für unsere Drohnen war, ist es logisch davon auszugehen, daß sie irgendwie verschwunden ist."
"Kann es sein, daß sie die Drohnen entdeckt hat ?"
Turin schüttelte den Kopf.
"In dem Fall hätte sie die anderen sicher versucht zu warnen. Aber zwei Senshi, die sich nicht an der Suche beteiligt haben, haben wir bis zu einem Schrein verfolgt, wo sie ihre Deckidentitäten angenommen haben, also wissen sie nichts von den Drohnen."
Zirkonite scrollte durch den Zusammenschnitt, bis sie die Szene gefunden hatte. "Das wären dann Mars und Jupiter." murmelte sie triumphierend.
Sie konnte ihr Glück kaum fassen. Innerhalb von wenigen Tagen hatte sie genau die Art von Information bekommen, nach denen unter Königin Beryl verzweifelt gesucht worden war.
"Finden sie heraus, was es über diese Mädchen herauszufinden gibt, Major. Und stellen sie mir bis morgen vormittag Dossiers über alle identifizierten Senshi zusammen - angefangen mit unserem Primärziel."
Turin lächelte knapp, als er den Befehl bestätigte, und ihr dann eine weitere Laserdisc aushändigte.
"Ausgehend von der Annahme, daß das Mädchen die gesuchte Person sein würde, hatte ich schon ein Dossier von ihr zusammengestellt."
Nachdem Major Turin sie verlassen hatte, um seine neuen Aufgaben zu erledigen, betrat ein junges Mädchen das Büro, setzte sich auf den nun freien Stuhl vor dem Schreibtisch und wartete darauf, zur Kenntnis genommen zu werden, wobei es Zirkonite gelassen und völlig emotionslos beobachtete.
"Haben wir sie schon gefunden ?" fragte sie schließlich.
Zirkonite nickte, während sie weiter das Dossier von Hotaru studierte.
"Denkst du, du kannst sie herbringen, Midori ?"
Das dreizehnjährige Mädchen warf ihr einen amüsierten Blick aus ihren großen, braunen Augen zu und spielte dabei mit einem ihrer zwei bis zur Mitte des Rückens reichenden blauschwarzen Zöpfe.
"Selbstverständlich kann ich das." antwortete sie grinsend. Dann wurde ihr Blick schlagartig kälter. "Auf die eine oder andere Art."
"Der Meister will sie lebend." entgegnete Zirkonite gepresst. Sie wußte, daß es für das Mädchen auch kein Problem gewesen wäre, Hotaru Kaioh tot abzuliefern. "Und so wie ich ihn verstanden habe, sollen alle Aktionen unterbleiben, die zu einer negativen Voreingenommenheit führen könnten."
"Anders gesagt: Ich soll sie freundlich einladen." bemerkte Midori trocken. "Aber du würdest sie lieber tot sehen, nicht wahr ?"
"Meine Ansichten stehen in diesem Fall nicht zur Debatte." antwortete sie mit sorgfältig neutral gehaltenem Tonfall.
Natürlich entging Midori nicht, daß sie die Frage dadurch keineswegs beantwortet hatte. Zehn Jahre eisernen mentalen Trainings hatten ihren Geist und ihre Sinne für derartige Dinge geschärft.
"Das Dossier ?" Ihr Tonfall war jetzt völlig kühl und geschftsmäßig.
Zirkonite nahm die Disc aus dem Lesegerät und reichte sie dem jüngeren Mädchen. Midori schob die Disc in eine Tasche ihres Hosenanzugs und erhob sich.
"Wenn alles klappt, haben wir morgen um diese Zeit einen Gast." bemerkte sie im Herausgehen. "Besser du läßt schon alles für ihre Unterbringung vorbereiten."
"Gute Jagd." wünschte Zirkonite ihr zum Abschied.
Sie wußte, irgendwann würde ihr Meister die Schonzeit für die Senshi aufheben, und dann gab es noch genug andere Senshi, denen sie die Hölle auf Erden bereiten konnte.
==============================
Als Jacen die Augen aufschlug, verspürte er sofort einen stechenden Schmerz im Kopf und im Bein.
°Ich muß ausgerutscht sein und mir den Kopf angeschlagen haben.°
"Na ? Endlich wach ?"
Jacen drehte den Kopf und sah ein Mädchen etwa in seinem Alter. Sie hatte kurze schwarze Haare, und wunderschöne, blaue Augen. Sie saß auf einem Stuhl neben einem Bett. Als er sich umschaute, kam er zu dem Schluß, daß dies nicht die typische Einrichtung eines Krankenhauses sein konnte.
"Wo bin ich ?"
"Mein Name ist Ami Mizuno." antwortete das Mädchen freundlich. "Ich habe dich draußen vor dem Haus gefunden. Du warst verletzt, also habe ich dich reingeholt und so gut es ging verarztet."
Er lächelte sie dankbar an.
"Wenn ich mich richtig erinnere, war ich vor kurzem in der Kanalisation." bemerkte er trocken. "Daher schätze ich, daß du wahrscheinlich etwas mehr getan hast, als meinen Kopf zu verbinden, hm ?"
Sie errötete leicht und sah zur Seite.
"Meine Mutter ist Ärztin. Sie hat geholfen, dich zu entkleiden und zu säubern."
"Danke, Sailor Merkur."
Ami wurde ein wenig blaß.
"W-wie bitte ?"
"Ich weiss nicht, warum ihr die Macht benutzt, um unerkannt zu bleiben, wenn ihr gegen die Youma kämpft, aber ich bin in der Lage, mehr als das zu sehen, was Menschen normalerweise sehen. Genau wie du."
"Klingt interessant." bemerkte sie mit gespielter Belustigung. "Was hast du denn gesehen, daß dich glauben läßt, ich sei Sailor Merkur, hm ?"
"Jedes Ding, egal ob es ein Stein, eine Pflanze, oder ein Mensch ist, hat eine individuelle Aura."
"Und du kannst diese Aura sehen, und darum bin ich Sailor Merkur ?" Sie schüttelte ungläubig den Kopf. "Ich glaube, du hast dir deinen Kopf ein wenig zu fest gestossen."
Jacen lächelte.
"Die Senshi sind stark in der Macht." entgegnete er. "Auch wenn aus einem mir unbekannten Grund deine Aura jetzt schwächer ist, so besteht für mich kein Zweifel daran, daß du Sailor Merkur bist, Ami Mizuno."
"Aber das stimmt nicht. Wirklich."
"Wovor hast du Angst ? Glaubst du, ich würde euer Geheimnis verraten ?"
Ami schwieg.
"Ihr benutzt die Macht, um die Wahrnehmung der Leute zu manipulieren, die euch als Senshi sehen." stellte er fest. "Ich kenne den Grund nicht, aber ich akzeptiere diese Geheimhaltung. Ich würde euch niemals verraten."
Ami seufzte und warf ihm einen unsicheren Blick zu.
"Aber vielleicht fällt es dir leichter mir zu trauen, wenn ich dir zeige, daß ihr nicht die einzigen Leute seid, die den Umgang mit der Macht beherrschen."
Er schaute sich kurz um, und entdeckte auf Amis Schreibtisch sein Lichtschwert.
"Und was hast du vor ?"
"Schau her."
Er streckte den Arm aus und ließ die Macht fliessen. Im nächsten Moment flog seine Waffe durch die Luft und landete in seiner ausgestreckten Hand.
Ami starrte ihn verblüfft an.
"Wie hast du das gemacht ?"
"Das ist aber eine seltsame Frage für jemanden, der selbst die Macht benutzt."
"Ich verstehe nicht."
"Als du vor der Lagerhalle den Youma angegriffen hast, hast du etwas gerufen."
"Shine Aqua Illusion." murmelte sie leise. Ganz offensichtlich hatte es keinen Zweck ihre Identität zu leugnen, und so kam sie vielleicht dahinter, was es mit Jacen auf sich hatte.
"Genau. Und gleichzeitig hast du die Macht manipuliert und damit einen elementaren Effekt verursacht. Genau wie Sailor Mars mit ihrem Feuerangriff."
"Also ich habe bisher immer geglaubt, das sei Magie."
Jacen schüttelte den Kopf.
"Die Macht ist so etwas wie ein Kraftfeld, das alles durchdringt, umgibt und miteinander verbindet." erklärte er. "Sie ist immer anwesend, und es gibt eine Menge Ausprägungen von Talenten, die mit der unbewußten Nutzung der Macht im Zusammenhang stehen. Aber ich hatte angenommen, da ihr die Macht so zielgerichtet anwendet, wüßtet ihr über ihre Ursprünge und Möglichkeiten bescheid."
Ami schüttelte den Kopf.
"Ich höre heute zum ersten Mal von der Macht."
Dann zeigte sie auf den Gegenstand in seiner Hand.
"Was ist das ?"
"Damit habe ich dich gegen den Youma verteidigt."
Ami runzelte skeptisch die Stirn.
"Hast du nichts besseres gefunden als einen Knüppel ?"
"Beurteilst du immer alles nach dem äußeren Eindruck ?" fragte er grinsend. Dann setzte er sich auf und bedeutete ihr, ein Stück zur Seite zu gehen. Dabei fiel ihm auf, daß er - wie Ami gesagt hatte - völlig unbekleidet war, also zog er mit einem Ausdruck der Verlegenheit die Bettdecke etwas höher.
Sie tat ihm den Gefallen beiseite zu gehen und wurde kurz darauf mit dem Anblick eines aktivierten Lichtschwertes belohnt.
Fasziniert starrte Ami auf die leuchtende, summende Klinge. Neugierig streckte sie eine Hand aus, aber Jacen zog die Waffe sofort zurück und schaltete die Klinge ab.
"Wenn du die Klinge berührst, wirst du anschließend eine neue Hand brauchen, Ami." erklärte er sein Verhalten.
Ami wurde blaß.
"Wie...wie funktioniert das ?"
"Der Energiekern im Innern des Griffs lenkt einen Energiestrahl durch einen fokussierenden Kristall. Dadurch wird ein Energiefeld projiziert."
"Wie gut schneidet dieses Ding ?"
"Abgesehen von Cortosis-Erz kann man mit einem Lichtschwert jedes Material schneiden, als wenn man ein heißes Messer durch Butter bewegt." antwortete er bereitwillig. "Stahl, Beton - einfach alles. Nur Cortosis-Erz absorbiert das Energiefeld des Lichtschwerts, und deshalb kann man es damit nicht schneiden. Glücklicherweise ist dieses Erz sehr selten."
"Wer auf diesem Planeten baut so eine Waffe ?" fragte sie ehrfürchtig.
"Niemand schätze ich."
"Niemand ?" Ami musterte ihn verwirrt.
"Ich stamme aus der Neuen Republik. Geboren wurde ich auf einer Welt namens Coruscant. Meine Mutter ist Mitglied der Regierung, und mein Vater ist ein ehemaliger Schmuggler, der jetzt einer der höchstdekorierten Offiziere der Republik-Streitkräfte ist. Zum Jedi ausgebildet wurde ich in der Jedi- Akademie auf dem Planeten Yavin, die mein Onkel Luke leitet. Aber irgendwie bin ich hier gestrandet."
"Klingt nach einer längeren Geschichte, was ?"
Jacen lächelte, obwohl große Traurigkeit in seinen Augen stand.
"Ich vermisse sie alle so sehr, weisst du."
Ami legte ihm mitfühlend eine Hand auf den Arm und lächelte aufmunternd.
"Irgendwie werden wir dich auch wieder nach Hause schicken können." versprach sie zuversichtlich. "Dabei würde uns helfen, wenn wir wüßten, wie du hergekommen bist."
Jacen nickte und schenkte ihr einen dankbaren Blick.
"Ich habe mich das auch schon gefragt, Ami."
"Und ?"
"Ich erinnere mich an einen Kampf. An ein grelles, blaues Licht. An viele Tote." erklärte er. "Und dann stand ich plötzlich in einem Park in der Nähe des Tokyo Tower. Das war vor ein paar Tagen. Seitdem habe ich Tag für Tag in diesem Park gesessen und überlegt, wie es weitergehen soll."
"Und wo hast du geschlafen ?"
"In irgendwelchen Hinterhöfen."
Amis Mitleid mit Jacen wuchs.
"Und was hast du gegessen ?"
"Ich hatte noch ein paar Nährkonzentratriegel in meiner Gürteltasche."
Ami verzog das Gesicht.
"Und was wolltest du tun, sobald du alle aufgegessen hattest ?"
"Keine Ahnung." gestand er. "Ich hab ja weder gültige Währung noch gültige Papiere."
Sie nickte verstehend.
"Dann hast du sicher nichts gegen eine kleine Mahlzeit, oder ?" Ami lächelte und erhob sich.
"Ich wäre sehr dankbar dafür." antwortete er.
"Kommst du mit in die Küche ?"
Er errötete leicht.
"Ähm...Unbekleidet ?"
"Oh. Ich vergaß." Ami errötete vor Verlegenheit. "Deine Kleidung war nach dem Ausflug unter die Stadt völlig ruiniert."
Sie verschwand kurz und kam dann mit einem Bademantel wieder.
"Ich hoffe, du hast nichts dagegen, einen Mädchenbademantel zu tragen."
Er schüttelte den Kopf.
"Hauptsache, ich bin nicht nackt."
Ami gab ihm den Bademantel und drehte sich dann um, um zu warten, bis er angezogen war.
"Wie hast du dir eigentlich deine Knöchelverletzung zugezogen ?"
"Nachdem ich Mars Angriff in die Decke gelenkt hatte, mußte ich ziemlich schnell mit dir auf dem Arm den runterfallenden Trümmern ausweichen." erzählte er. "Der Youma war dicht hinter uns und wollte dich töten, als ich einen Kanaldeckel entdeckte. Ich hob ihn mit der Macht an und sprang dann runter, aber in der Röhre war es ziemlich rutschig, und so bin ich ausgerutscht."
"Habe ich das richtig verstanden ?" fragte sie überrascht nach. "Du bist mit mir auf dem Arm in einen Schacht unbekannter Tiefe gesprungen, um zu verhindern, daß der Youma mich umbringt ?"
"Natürlich." antwortete er gleichmütig. "Und weil ich nicht wußte, was der Youma sich so alles einfallen läßt, hab ich dich von dort weggetragen."
Trotz deiner Knöchelverletzung hast du mich vier Stunden lang durch die Kanalisation geschleppt." stellte sie überwältigt fest. "Das muß wahnsinnig weh getan haben."
"Hätte ich dich etwa zurücklasen sollen, damit der Youma dich umbringt ?" fragte Jacen nur. "Der Knöchel heilt wieder, aber wenn du tot bist, bist du tot. Außerdem hättest du an meiner Stelle dasselbe getan."
Jacen folgte ihr in die Küche, wo Ami sich die Zutaten für ein kräftiges Nudelgericht zusammensuchte.
"Ich hoffe, du magst Nudeln."
Jacen zuckte nur mit den Schultern.
"Keine Ahnung. Das wird mein erstes einheimisches Gericht sein."
Ami lächelte amüsiert.
"Wenn das so ist, sollte ich vielleicht Makoto anrufen...oh nein !"
Ami raufte sich frustriert die Haare. "Ich bin ja so dumm."
"Was ist los, Ami ?"
"Die anderen Senshi. Sie machen sich sicher Sorgen. Ich muß ihnen sofort Bescheid sagen, daß ich in Sicherheit bin."
Jacen nickte ernst.
"Und sag Mars, daß sie sich wegen mir keine Sorgen machen muß."
Ami nickte und ging dann in ihr Zimmer zurück, um ungestört die anderen informieren zu können. In ihrem Kopf wirbelte alles durcheinander. Sie war diejenige, die immer einen kühlen Kopf bewahrte. Wie hatte sie vergessen können, die anderen Senshi zu informieren ?
Wie zu erwarten, waren Jupiter und Moon ein wenig sauer, weil Ami vergessen hatte, sich sofort zu melden. Dann aber überwog die überwältigende Freude darüber, daß sie noch unter den Lebenden weilte. Als Ami Jacen erwähnte, waren die Inneren Senshi natürlich auf´s Äußerste gespannt. Das logische Ergebnis war, daß die Inneren Senshi sich umgehend für ein Treffen bei Ami ankündigten.
