Anmerkungen

°....° = jemand denkt

"...." = jemand sagt

{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)

Darth Saturn - The Dark Harvest

Teil 6

"Die anderen Senshi werden gleich vorbeikommen." teilte Ami Jacen mit, der es sich inzwischen in der Küche bequem gemacht hatte.

"Schön. Ich schlage vor, ich warte während eures Treffens in einem anderen Zimmer."

"Warum ?" Ami musterte ihn verwundert. "Mars wird dir schon nichts tun."

Jacen lächelte.

"Das ist mir klar, Ami. Aber du weisst, daß eure Tarnung mir gegenüber nicht funktioniert. Und wenn ich anwesend bin, bedeutet daß, ich werde auch erfahren, wer die anderen Senshi sind." erklärte er. "Und diese Entscheidung sollten sie selbst treffen."

"Ein gutes Argument." stimmte sie zu. "Du kannst in meinem Zimmer warten, und wenn die anderen einverstanden sind, werden wir dir dort Gesellschaft leisten. Andernfalls sehen wir uns nach dem Treffen wieder."

Jacen humpelte in Amis Zimmer zurück und legte sich wieder ins Bett, als er die Türklingel hörte.

Wenig später hörte er schon mehrere ziemlich laute Mädchenstimmen.

"Geht es dir gut, Ami ?"

"Bist du verletzt ?"

"Ich hab mir ja solche Sorgen gemacht. Ich dachte schon du wärst..."

"Buäh ! Ich bin ja so froh, daß du noch lebst, Ami !"

Der junge Jedi lehnte sich schmunzelnd zurück, und wartete ab, was passieren würde. Während der nächsten zehn Minuten drang nur ein leises Stimmengemurmel durch die geschlossene Tür zu ihm vor. Dann jedoch:

"ER KANN WAS ?"

Das Brüllen im Chor beherrschten die Senshi offensichtlich gut.

Weitere zehn Minuten erregter Diskussion vergingen. Dann öffnete sich die Tür und Ami betrat das Zimmer.

Jacen wollte gerade fragen, wie das Treffen gelaufen war, als auch schon die anderen Senshi in den Raum stürmten.

"Es erübrigt sich wohl zu fragen, wie ihr euch entschieden habt." bemerkte er trocken.

"Jacen, das sind Usagi Tsukino, Makoto Kino, Minako Aino und Rei Hino." stellte Ami ihre Freundinnen vor.

Jacen betrachtete die Mädchen mit einem freundlichen Lächeln. Als er bei Rei angelangt war, hatte er einen kurzen Moment der Erkenntnis.

"Du bist Sailor Mars, stimmts ?"

Rei nickte nur stumm, während die anderen Mädchen auf die eine oder andere Art ihr Erstaunen zeigten.

"Ich hab doch gesagt, daß er es kann." bemerkte Ami amüsiert.

Die Senshi hatten sich inzwischen auf diverse Möbelstücke im Raum verteilt, wobei Ami verblüfft registrierte, daß Rei und Makoto sich am Fußende ihres Bettes niedergelassen hatten. Makoto hatte wohl schon wieder der Jagdinstinkt gepackt, und selbst Rei war nicht gänzlich davon verschont geblieben, wenn sie die Blicke, mit denen die Zwei Jacen bedachten, richtig deutete.

"Weisst du auch, wer ich bin ?" fragte Usagi enthusiastisch.

Jacen schüttelte den Kopf.

"Bis jetzt habe ich nur Merkur und Mars in Aktion gesehen."

"Rei sagt, du hast ihren Angriff abgelenkt." warf Minako ein, während sie versuchte, auf dem Sofa eine möglichst lässige Pose einzunehmen.

"Ja."

"Wie hast du das gemacht ?"

"Ich habe die Macht benutzt, wie ich schon Ami erklärt habe." antwortete er.

"Wie wäre es mit einer Demonstration ?" bat Makoto ihn neugierig.

"Au ja !" rief Usagi begeistert. "Eine Demonstration !"

Jacen nickte.

"Okay. Warum nicht ?"

Er schaute sich im Raum nach passenden Dingen um, und entschloß sich, mit was einfachem zu beginnen. Er griff mit der Macht hinaus und brachte die Gegenstände auf Amis Schreibtisch zum Schweben.

Rufe der Begeisterung machten die Runde.

Minako und Usagi quietschten vor Schreck, als sich plötzlich das Sofa, auf dem sie saßen, wie von Geisterhand hob. Als sie jedoch erkannten, was passierte, quiekten sie weiterhin, diesmal jedoch aus Vergnügen.

Kurz darauf schlossen sich Rei und Makoto an, als auch das Bett zu schweben begann. Lächelnd öffnete er die Augen.

"Wahnsinn !" Makotos Blick klebte regelrecht an Jacen, um auch ja keine seiner Aktionen zu verpassen. Vielleicht konnte sie ja rausbekommen, wie er das machte. Gleichzeitig suchte sie bereits nach der besten Vorgehensweise, um sich einen neuen Freund zu angeln.

Rei dachte genau zur gleichen Zeit über genau die gleiche Angelegenheit nach. Glücklicherweise hatte sie ja gegenüber Makoto einen Vorteil. Ein Feuerorakel würde ihr sicher Aufschluß über die Lösung des Problems geben.

"Wie es scheint, fehlt jetzt nur noch ein Passagier bei Jacen Airways." stellte er gutgelaunt fest.

Im nächsten Moment verlor die völlig überraschte Ami jegliche Bodenhaftung und begann, getragen von der Macht, durch ihr Zimmer zu schweben.

Als Jacen Leute und Gegenstände nach ein paar Minuten wieder absetzte, waren die Mädchen noch für lange Minuten sprachlos. So sehr hatte sie diese Erfahrung berührt. Ami tastete mit zittrigen Händen und wackeligen Knien nach ihrem Schreibtischstuhl und mußte sich erstmal setzen.

"Jetzt verstehe ich, wieso du meine Attacke ablenken konntest." murmelte Rei. "Bei einer derartigen Macht muß man sicher schwerere Geschütze auffahren, um dir zu schaden, was ?"

"Das gerade waren nur ganz simple Manipulationen, Rei." wiegelte er bescheiden ab. "Und ich bin alles andere als unsterblich."

"Mir fällt gerad ein, ich hab mich ja noch gar nicht bei dir für Amis Rettung bedankt, Jacen." rief Usagi.

"Warum solltest du dich dafür bedanken ?" fragte Jacen erstaunt. "Außerdem hätte ich das für jeden Anderen in dieser Lage auch getan."

"Weil Usagi unsere Anführerin ist." erklärte Minako.

"Ja." warf Rei ein. "Manchmal wird sogar ihr klar, was Verantwortung bedeutet. Wenn sie nur nicht so eine Heulsuse wäre."

Usagi warf ein Sofakissen nach ihr. Rei fing es mühelos auf, legte sich quer auf das Bett, und schob sich das Kissen unter den Kopf.

"Danke. Genau das hab ich jetzt gebraucht."

"Rei, du bist ja immer so gemein zu mir !" jammerte Usagi sofort drauflos.

Ami und Minako fingen sofort an, beruhigend auf sie einzureden.

Als Rei Jacens verwirrten Blick bemerkte, grinste sie belustigt.

"Keine Sorge, Jacen. Das geht bei uns immer so zu."

"Na dann bin ich ja beruhigt." entgegnete er immer noch nicht ganz überzeugt.

Plötzlich fiel Rei etwas auf.

"Sag mal, Jacen, wieso hast du eigentlich einen Mädchenbademantel an ?"

"Tja, also...wie soll ich sagen...?"

"Nachdem er mich vier Stunden lang durch die Kanalisation geschleppt hat, waren seine Sachen nicht mehr zu gebrauchen." erklärte Ami an seiner Stelle.

"Ach so." Rei nickte verstehend. Dann stutzte sie. "Moment mal, Ami ! Das bedeutet ja, daß du ihn nackt gesehen hast !"

"Nackt ?" stiess Makoto errötend hervor. Ihr Blick ging in weite Ferne, während sie sich wohl versuchte, die Szene vorzustellen.

Amis Kopf wechselte schlagartig die Farbe nach Tomatenrot, während sie verlegen zu Boden schaute und nach Worten suchte.

"Also Ami !" schnaufte Usagi empört.

Minako hingegen sagte als Einzige nichts. Sie hing halb vom Sofa herunter und kämpfte mit einem Lachanfall.

"Aber ihr tut Ami Unrecht !" rief Jacen, als ihm das Ganze zu bunt wurde. "Ich war bewußtlos und brauchte medizinische Versorgung. Es ist nicht fair, ihr irgendwelche anderen Motive zu unterstellen."

Ami warf ihm einen dankbaren Blick zu.

"Ja klar." entgegnete Rei spöttisch. "Medizinische Versorgung nennt man das also jetzt."

"Genau." meinte Makoto grinsend. "So kann man das natürlich auch sagen."

Jacen schüttelte nur resignierend den Kopf, während die sonst so ruhige Ami überlegte, ob sie die Kommentare einfach überhören, oder Rei und Makoto irgendetwas massives über den Schädel ziehen sollte.

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Am Nachmittag des gleichen Tages war Hotaru auf dem Heimweg von der Schule. Wie üblich war sie allein unterwegs, denn Freunde hatte sie kaum. Fast schien es, als liefe sie mit einem Schild herum, auf dem stand 'Bitte von mir fernhalten !'. Dennoch fühlte sie sich einsam. Kürzlich hatte sie eine Freundin gehabt. Aber Chibi-Usa befand sich inzwischen wieder in der Zukunft.

Sie war so versunken in ihre melancholischen Tagträume, daß sie zuerst gar nicht bemerkte, daß sie angesprochen wurde.

"Hey, Hotaru ! Hörst du schwer ?"

Verwundert blieb sie stehen und schaute sich um. Noch nie war sie auf dem Heimweg von jemandem angesprochen worden. Schließlich entdeckte sie eine dunkelblaue Limousine, die langsam am Straßenrand entlangrollte. Durch die getönten Fenster konnte sie nicht ins Innere des Fahrzeugs sehen, aber das hintere Seitenfenster war heruntergekurbelt worden, und ein Mädchen schaute heraus und winkte ihr zu.

Hotaru blieb stehen und wartete. Der Wagen hielt an, als das hintere Fenster auf einer Höhe mit ihr war. Das Mädchen im Innern lächelte sie freundlich an.

"Hast...hast du gerade nach mir gerufen ?" fragte Hotaru mit leiser unsicherer Stimme.

"Heißt denn hier noch jemand Hotaru ?" fragte das Mädchen amüsiert.

"Woher kennst du meinen Namen ?" fragte Hotaru. "Und wer bist du ?"

"Oh, ich kenne noch weitaus mehr als nur deinen Namen. Und mein Name ist Midori." lautete die Antwort. "Hüpf mal kurz rein. Ich möchte dir was zeigen."

Hotaru schüttelte den Kopf.

"Tut mir leid, aber ich steige nicht zu fremden Leuten ins Auto."

Midori nickte verstehend.

"Schon okay. Wir können auch vor allen Leuten über das sprechen, was ich weiss."

Hotaru schaute sie abwartend und zugleich verunsichert an.

"Ich habe etwas herausgefunden, wovon viele Leute nur träumen können." erklärte Midori geheimnisvoll.

"Und warum willst du dieses Geheimnis mit mir teilen ?"

"Ich dachte, vielleicht möchtest du wissen, daß jemand die Identität eines Sailor Senshi aufgedeckt hat."

Hotaru versuchte ihren Schock zu verbergen.

"Weisst du, Midori, ich interessiere mich nicht so sehr für die Senshi."

"Du willst dann vermutlich keinen Blick auf die Aufnahmen werfen, die ich hier auf meinem Laptop habe, oder ?"

"Aufnahmen ?"

Midori nickte.

"Wirklich gute Aufnahmen. Man kann alles bis ins kleinste Detail erkennen." antwortete sie mit einem wahren Pokerface. Dann beugte sie sich vor und flüsterte Hotaru im besten Verschwörerton zu: "In der einen Sekunde, in der man dich während der Transformationssequenz nackt sehen kann, will man gar nicht glauben, daß Sailor Saturn identisch ist mit einem Mädchen, daß sich immer so unscheinbar gibt."

"W-wie meinst du das denn ?"

Midori grinste frech.

"Ein wenig krass ausgedrückt: Der Anblick ist der Wunschtraum eines Pädophilen."

Hotaru errötete und schaute verlegen zu Boden. Sie hätte ganz sicher nicht erwartet, daß ein gleichaltriges Mädchen ihr mal Komplimente bezüglich ihres Körpers machen würde - zumindest nicht in ihrem jetzigen Alter.

"Also wenn du die Aufnahmen sehen willst, solltest du vielleicht einsteigen." schlug Midori freundlich aber mit einem leicht ungeduldigen Unterton vor.

Hotaru traf eine Entscheidung. Sie mußte mit Midori zu einer Einigung kommen, die gewährleistete, daß nicht auch noch die anderen Senshi Bekanntschaft mit ihr machen würden.

"Ich werde sie mir ansehen."

"Wunderbar." Midori öffnete die Tür und Hotaru stieg ein. Die Limousine entpuppte sich von Innen als genauso geräumig und luxuriös wie der äußere Eindruck bereits angedeutet hatte. Holzvertäfelung, bequeme Ledersessel, Stereoanlage, Computer, Minibar und Klimaanlage waren nur die offensichtlichen Ausprägungen des Luxus. Nachdem Hotaru eingestiegen war, fuhr Midori die Scheibe hoch und das Fahrzeug setzte sich in Bewegung.

"Wohin fahren wir ?" fragte Hotaru sofort.

"Du weisst, daß ich deinen Namen kenne." antwortete Midori grinsend. "Denkst du nicht, daß ich dann auch weiss, wo du wohnst ?"

°Oh, nein ! Jetzt werden wir wohl umziehen müssen.°

Midori schaltete ihren Computer ein und öffnete dann den Kühlschrank.

"Willst du auch was trinken, während wir darauf warten, daß der Rechner hochfährt ? Einen Orangensaft vielleicht ?"

Hotaru nickte mechanisch, während sie damit beschäftigt war, nach einer Lösung für ihr Geheimhaltungsproblem zu suchen.

Midori nahm zwei Gläser und schenkte Saft ein. Dann gab sie eines der Gläser an Hotaru weiter.

"Du fragst dich sicher, wie ich es herausgefunden habe, oder ?"

Hotaru nickte und nippte an ihrem Saft.

"Ich habe ein mobiles Aufnahmegerät getestet, und du bist zufällig gefilmt worden, als du dich verwandelt hast." erklärte Midori. "Pass auf. Ich zeige es dir."

Sie drehte sich zu ihrem Laptop um und rief eine Videodatei auf.

Hotaru beugte sich interessiert vor, und konnte wenig später sich selbst bei der Verwandlung in Sailor Saturn zusehen. Von außen betrachtet ein recht eindrucksvolles Bild. Glücklicherweise war sie die Einzige, die zu sehen war, auch wenn ihr das seltsam vorkam. In der letzten Zeit war sie immer in Begleitung ihrer Zieheltern gewesen, wenn sie sich verwandelt hatte. Aber diese tauchten auf den Bildern nicht auf, und Hotaru war ganz sicher nicht so dumm, zu fragen, ob sie auch noch Bilder von anderen Senshi hatte.

Und Midori würde ihr ganz sicher nicht verraten, daß die Originalaufnahmen nachbearbeitet worden waren, um genau diesen Eindruck zu erwecken - nämlich den, daß bis jetzt nur sie allein entlarvt war.

"Tja." Midori klopfte ihr freundschaftlich auf die Schulter. "Einwandfrei erwischt, was ?"

Hotaru nickte resignierend.

"Was hast du damit vor ?" fragte sie und deutete auf den Bildschirm.

"Weiss nicht. Vielleicht ans Fernsehen schicken ?"

Hotaru wurde bleich.

Daraufhin lachte Midori nur.

"Keine Angst, Hotaru. War nur ein Witz." Sie zwinkerte ihr belustigt zu. "Los ! Trink was, um den Kloß aus dem Hals zu spülen."

Hotaru kippte den Rest ihres Orangensaftes herunter und stellte das leere Glas dann zur Seite.

"Jetzt mal ernsthaft, Midori." brummte sie. "Diese Information kann mein ganzes Leben auf den Kopf stellen, wenn sie in die falschen Hände gerät."

"Was schlägst du also vor ?"

°Ah...endlich nähern wir uns dem Kern ihrer Absichten.°

"Wir sollten eine Einigung treffen, die dafür sorgt, daß mein Geheimnis weiter gewahrt bleibt."

Midori grinste breit.

"Ich bin sicher, das läßt sich einrichten, Hotaru."

Sie hob ihren rechten Arm und warf einen prüfenden Blick auf ihre Armbanduhr.

"Noch andere...Termine...heute...?" fragte Hotaru ein wenig belustigt und schüttelte leicht den Kopf hin und her.

"Später habe ich noch ein bis zwei wichtige Termine." antwortete sie. Dann begann sie, von fünf abwärts zu zählen.

Hotaru fragte sich noch, was das sollte, als Midori bei null ankam. Dann gingen bei ihr sämtliche Lichter aus.

Midori überprüfte kurz Hotarus Puls, bevor sie sich ein zufriedenes Lächeln gestattete. Wie immer hatte sie das Betäubungsmittel perfekt dosiert.

Sie schaltete kurz die Gegensprechanlage ein.

"Fahrer. Zurück zum Hauptquartier."

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Michiru stand fröhlich summend in der Küche und bereitete das Abendessen zu, als Haruka hereinkam. Das blonde, jungenhaft gekleidete Mädchen hauchte seiner dunkelhaarigen Lebensgefährtin einen Kuss auf die Wange.

"Das riecht mal wieder ausgezeichnet."

Michiru lächelte.

"Das Rezept habe ich von Makoto."

"Dann muß es gut sein." Vorfreude lag in Harukas Augen. "Aber sag mal, weisst du, wo unser kleiner Engel gerade steckt ?"

Michiru schüttelte den Kopf.

"Ist sie nicht in ihrem Zimmer ?"

"Nein."

"Ich war heute erst sehr spät zu Hause. Aber Setsuna war da. Vielleicht weiss sie etwas."

Haruka drehte sich um und ging zu Setsuna, die im Wohnzimmer auf einem Sofa saß und in der neuesten Ausgabe der Vogue blätterte.

"Hast du Hotaru heute nach der Schule schon gesehen, Setsuna ?"

Die Wächterin der Zeit hob verwundert den Kopf.

"Nein. Ich habe sie das letzte mal heute morgen gesehen. Bevor sie zur Schule gegangen ist." antwortete sie. "Ich dachte, sie wäre in ihrem Zimmer."

"Aber dort ist sie nicht."

Beide warfen sich gegenseitig besorgte Blicke zu.

"Und du weisst auch nicht, wo sie gerade steckt, oder ?"

Angesichts Setsunas Fähigkeit sowohl in die Zukunft als auch in die Vergangenheit sehen zu können, war das eine durchaus berechtigte Frage.

"Nein."

"Hm...falls Chibi-Usa aus der Zukunft wieder hier sein sollte, könnte es sein, daß Hotaru bei ihr ist." überlegte Haruka laut. "Aber sie wäre nicht weggegangen, ohne vorher Bescheid zu sagen."

Michiru, die die Unterhaltung mit wachsender Sorge verfolgt hatte, ging zum Telefon. Dann suchte sie die Telefonliste von Hotarus Klasse und rief den Klassenlehrer an. Dieser bestätigte ihr, daß ihre Tochter in der Schule gewesen war, und riet ihr, die Polizei einzuschalten, als er hörte, daß Hotaru nach der Schule nicht zu Hause erschienen war. Michiru trottete zu einem Sessel und ließ sich einfach hieinfallen. Die Sorge um Hotaru stand ihr in großen Buchstaben ins Gesicht geschrieben.

"Was auch immer passiert ist, es muß nach der Schule passiert sein." seufzte sie, kaum fähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Verschiedenste Szenarien des möglichen Schicksals ihrer Tochter geisterten durch ihren Kopf und raubten ihr fast den Verstand.

"Du könntest doch das Tor der Zeit benutzen, um nachzusehen, was passiert ist." wandte sich Haruka mit einer Idee an Setsuna.

Anstatt zuzustimmen setzte diese jedoch nur ihr Pokerface auf und schüttelte bedauernd den Kopf.

"Heisst das, du kannst nicht, oder du willst nicht ?" fuhr Haruka sie an.

"Ich darf nicht." antwortete ihr Gegenüber in neutralem Tonfall.

"Was heißt hier 'Ich darf nicht' ? Es geht immerhin um Hotaru !"

"Das ist mir bewußt." Setsunas Tonfall spiegelte keinerlei Emotionen wieder. "Aber das ändert nichts an meiner Antwort."

"Wenn ich nicht genau wüßte, daß es keinen Zweck hat," stiess Haruka zornbebend hervor, "dann würde ich mich jetzt verwandeln, und dich zwingen, uns zu helfen."

Ein Ausdruck schmerzhaften Bedauerns trat nun in Setsunas Augen. Selbst sie konnte trotz jahrhundertelanger Erfahrung ihre wahren Gefühle nicht in jeder Situation völlig verbergen.

"Ich sagte nicht, daß ich nicht bereit wäre zu helfen, Haruka." entgegnete sie ruhig. "Ich sagte nur, daß ich das Tor nicht benutzen darf."

"Und was willst du stattdessen tun ?" fragte Michiru hoffnungsvoll.

"Andere Menschen sind auch schon verschwunden und wurden ohne die Hilfe des Tors der Zeit wiedergefunden."

"Du meinst..."

Setsuna nickte Michiru aufmunternd zu.

"Genau. Ich werde die Krankenhäuser anrufen und hier warten. Vielleicht kommt sie ja doch noch nach Hause." erklärte sie. "Und ihr Zwei geht zur Polizei und gebt eine Vermisstenanzeige auf. Und die anderen Senshi werden sicher auch bereit sein, bei der Suche zu helfen."

"Bist du sicher, daß wir sie da mit reinziehen sollen ?" fragte Haruka skeptisch. Sie meinte, jetzt schon Usagis Zetern und Heulen hören zu können.

"Was heißt reinziehen ?" fragte Setsuna zurück. "Sie sind Hotarus Freunde ebenso wie unsere, und sie würden ziemlich wütend werden, wenn sie von der Suche ausgeschlossen würden. Außerdem muß die Prinzessin erfahren, daß eine ihrer Kriegerinnen verschwunden ist."

"Du hast Recht." brummte Haruka widerwillig. Michiru nickte zustimmend.

"Wenn ihr wollt, werde ich Sailor Moon informieren." bot Setsuna an. "Dann braucht sich von euch keiner ihr Gejammere anzuhören."

Trotz ihrer Sorgen konnte Haruka sich ein schiefes Grinsen nicht verkneifen, als sie sich mit Michiru auf den Weg machte. Setsuna hatte sie mal wieder durchschaut.

°Aber wieso darf sie das Tor der Zeit nicht benutzen ? Irgendwas geht doch da wieder vor. Aber was ?°