Anmerkungen
°....° = jemand denkt
"...." = jemand sagt
{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)
Darth Saturn - The Dark Harvest
Teil 7
Als Hotaru langsam die Augen aufschlug, fand sie sich in einem dämmrigen Raum mit dunkelgrauen Metallwänden wieder. Sie lag auf einer gepolsterten Liege. Und sie war gefesselt.
"Ah, sehr gut. Du bist wieder wach." begrüßte sie Midoris seidenweiche Stimme.
"Wo bin ich ? Warum bin ich hier ? Und warum bin ich gefesselt ?" Hotaru bemühte sich, keine Angst zu zeigen. Sie machte ihre Sache gut, aber da ihr Gegenüber über Sinne verfügte, die durch eine zehnjährige Ausbildung im Umgang mit der Macht geschärft waren, half ihr das nichts.
"Du fürchtest dich." stellte Midori fest.
Hotaru schüttelte den Kopf, schwieg jedoch, da sie befürchtete, ihre Stimme könnte sie verraten.
"Doch, du fürchtest dich." wiederholte das Mädchen freundlich. "Aber es besteht kein Grund dazu. Wenn ich dich hätte tot sehen wollen, wärst du es längst, meinst du nicht ?"
Hotaru drehte den Kopf etwas und betrachtete sie, versuchte sie einzuschätzen, und dachte über ihre Worte nach. Midoris Argument hatte etwas für sich. Dennoch war Hotaru keineswegs beruhigt.
"Es tut mir leid, daß ich dich betäubt habe, um dich herzubringen. Ich hätte gern darauf verzichtet, aber ich war mir nicht sicher, ob du freiwillig herkommen würdest."
"Wie hast du mich überhaupt betäubt ? Wir haben doch beide von dem Saft getrunken." fragte Hotaru verwirrt. Erst entführte Midori sie kaltblütig, und dann entschuldigte sie sich dafür. Wo lag da der Sinn ?
"Die Innenwand deines Glases war mit dem Mittel bestrichen." antwortete Midori lächelnd.
"Das war sehr hinterhältig."
"Wärst du denn sonst hergekommen ?"
"Ich glaube nicht." entgegnete Hotaru nachdenklich.
"Ich auch nicht." Midori seufzte schwer. "Trotzdem tut es mir leid." fuhr sie fort. "Und gefesselt habe ich dich, damit ich mit dir reden und dir alles erklären kann, bevor du etwas Dummes tun kannst."
"Etwas Dummes ?"
"Ja. Dich beispielsweise in Sailor Saturn verwandeln und hier alles in Schutt und Asche legen." entgegnete Midori mit gespieltem Humor.
Hotaru wollte darauf etwas antworten, als sie plötzlich eine Veränderung in ihrer Umgebung spürte. Ein eisiger Hauch streifte ihre Seele und ließ sie frösteln.
"Midori..." hauchte sie. "Mach mich los. Schnell."
"Warum denn ?" fragte sie verwundert. "Was ist los mit dir ?"
"Ich spüre eine böse Präsenz, die sich uns nähert."
"Böse Präsenz ?"
Hotaru nickte stumm.
"Damit meinst du sicher mich."
Hotaru drehte den Kopf zur anderen Seite und sah, wie eine blonde Frau in einem dunkelblauen Geschäftsanzug den Raum betrat.
Plötzlich erkannte sie die Herkunft der Präsenz. Die Art der bösen Energie. Diese Frau stammte aus dem Dunklen Königreich.
Mit einem Ausdruck purer Panik in den Augen fuhr sie zu Midori herum und wollte sie erneut bitten, sie zu befreien, doch das Gefühl des Grauens wurde noch größer, als Midori sich plötzlich vor der Frau verneigte.
"Ich sehe jetzt, daß es weise von Midori war, dich zu fesseln." bemerkte Zirkonite mit einem höflichen Lächeln, das keineswegs ihren tatsächlichen Gemütszustand widergab - geschweige denn ihre wahre Meinung über diesen speziellen Gast. "Andernfalls hättest du wohl schon versucht, mich zu töten, vermute ich."
Hotaru starrte die Frau in einer Mischung aus Wut und Angst an. Sie hätte sich ihr gern zum Kampf gestellt, aber im Augenblick war sie ihr hilflos ausgeliefert. Ihre Augen weiteten sich, als die Frau in die Innentasche ihres Jackets griff und einen schmalen Dolch mit leicht gebogener Klinge hervorholte.
Sie lächelte kalt und strich sanft mit der Spitze der Klinge über Hotarus entblößten linken Unterarm und ihre Handfläche.
Hotaru ergab sich in ihr Schicksal und schloß die Augen.
"Mein Name ist Zirkonite, und wie du ganz richtig bemerkt hast, stamme ich aus dem Dunklen Königreich." hörte sie die Frau sagen. "Früher hätte ich dich mit Freuden getötet. Aber mir wurden die Augen geöffnet und die Fehler unserer Führer und unserer Lebensweise vor Augen geführt. Jetzt bin ich auf einem neuen Weg."
Hotaru hörte, wie Stoff zerschnitten wurde. Dann konnte sie plötzlich ihren linken Arm bewegen. Sie wagte es, die Augen wieder zu öffnen, und wurde Zeuge, wie Zirkonite ihre übrigen Fesseln durchtrennte.
Zirkonite lächelte spöttisch über Hotarus überraschtes Gesicht.
"Wenn wir dich hätten tot sehen wollen, wärst du bereits tot." erklärte sie amüsiert. "Hat dir Midori das nicht gesagt ?"
Hotaru nickte ungläubig. Wie konnte es sein, daß ein Mitglied des Dunklen Königreichs ihr Leben verschonte, in dem vollen Bewußtsein, daß sie zu den Senshi gehörte ?
"Ich gehöre nicht mehr zum Dunlen Königreich." gab Zirkonite ihr die Antwort auf ihre unausgesprochene Frage. "Ich habe meine Fehler eingesehen und bin dabei mich zu ändern."
"Aber wie...?"
Zirkonite lächelte warmherzig.
"Ich traf einen sehr weisen Mann, der mein Lehrer wurde." erklärte sie. "Aufgrund meiner Herkunft wird die böse Aura vermutlich nicht von mir weichen, aber laß dich davon nicht beeinflussen. Ich bin nicht dein Feind, Hotaru. Niemand hier ist das."
Hotaru blickte unschlüssig zwischen Midori und Zirkonite hin und her.
"Aber was wollt ihr von mir ?"
"Unser Lehrmeister hat von den Senshi gehört, und er wollte dich gern kennenlernen."
"Wieso mich ?"
"Das mußt du ihn selbst fragen." entgegnete Zirkonite. "Komm. Ich bringe dich zu ihm."
Midori und Zirkonite eskortierten Hotaru zum Thronsaal von Lord Traxius. Am Fuß der Treppe blieben sie stehen. Die Zwei sanken augenblicklich auf ein Knie nieder, eine völlig verwirrte Hotaru zwischen sich stehen lassend.
Der Mann in der dunklen Robe erhob sich von seinem Thron und stieg gemessenen Schrittes die Treppe hinab. Als er unten angekommen war, legte er Hotaru eine Hand auf den Kopf und tätschelte sie so wie es ein Großvater mit seiner Enkelin machen würde.
"Erhebt euch, meine Schüler."
Hotaru erschauerte angesichts der Grabesstimme, mit der der Mann sprach. Sein Gesicht verbarg er unter der weiten Kapuze seiner Robe, aber von der runzeligen Haut auf seiner Hand ausgehend, mußte der Mann schon sehr alt sein.
Prüfend blickte er auf sie hinab.
"Du bist also die legendäre Sailor Saturn." stellte er fest.
Hotaru nickte stumm. Im Moment fühlte sie sich unfähig zu sprechen, denn das Gefühl, der Blick des alten Mannes würde selbst die tiefsten Winkel ihrer Seele ausleuchten, war einfach zu überwältigend.
"Wurdest du auf dem Weg hierher gut behandelt ?"
Die Frage war in einem ruhigen, freundlichen Tonfall gestellt worden, aber Hotaru hatte das Gefühl, daß es für Midori und Zirkonite zu Unannehmlichkeiten führen konnte, wenn sie die Frage mit 'Nein' beantwortete. Und im Grunde war ihr ja auch wirklich nichts Unangenehmes passiert.
"Ja. Midori hat sich sehr um mich bemüht, und auch Zirkonite war sehr...hilfsbereit."
"Das freut mich zu hören." entgegnete er. "Haben die Zwei dir auch gesagt, warum du hier bist ?"
"Sie sagten, das solle ich sie fragen."
Traxius kicherte leise.
"Ich habe die Senshi und auch ihre Feinde sehr genau beobachtet." begann er seine Erklärung.
Hotaru wurde blaß. Hatte er etwa auch die Identitäten der anderen Senshi aufgedeckt ?
"Bis jetzt bist du die erste, deren Identität wir aufgedeckt haben."
Sie seufzte erleichtert.
"Aber wir wissen, daß du mit Abstand die Jüngste bist. Oder liegen wir damit falsch ?"
Hotaru schüttelte den Kopf. Das war keine wirklich kritische Information, also konnte sie sie ruhig preisgeben.
"Und von allen Senshi kannst du den größten Nutzen aus meinem Angebot ziehen."
Hotaru schaute überrascht zu dem alten Mann auf.
"Was für ein Angebot ?"
"Oh, ich vermute, wenn ich es dir einfach nur sagen würde, würdest du ablehnen." antwortete er. "Ich spüre, daß es dir im Augenblick eher darum geht, daß die Identitäten deiner Freunde geschützt bleiben. Aber keine Sorge, Hotaru. Deine Identität wurde nur zufällig aufgedeckt, und auch wenn ich auf die anderen Senshi neugierig war, verspreche ich dir, daß wir ab heute keine Nachforschungen mehr in dieser Richtung anstellen werden."
Hotaru war erleichtert das zu hören.
"Aber sie erwarten doch nicht, daß ich eine Entscheidung treffe, ohne ihr Angebot zu kennen, oder ?"
"Sicher nicht. Aber eine Demonstration ist viel sinnvoller, denke ich."
"Demonstration ?" fragte sie verwirrt.
"Sehr richtig." schaltete sich Zirkonite ein. "Zu diesem Zweck ist es nötig, daß du dich verwandelst."
Hotaru überlegte nicht lange und holte einen stiftähnlichen Gegenstand hervor. Sie streckte ihn in die Luft und rief:
"Saturn Planet Power ! Make up !"
In einem Wirbel aus Licht hob das Mädchen vom Boden ab, wobei sie durch die Luft wirbelte wie auf einer unsichtbaren Achterbahn. Dabei schälte sich ihre Kleidung vom Körper ab, bis sie nackt war. Anschließend baute sich nach und nach ihre Senshi-"Uniform" auf: weiße Handschuhe, weiße Bluse mit violettem Kragen, ein violetter Minirock und ebenfalls violette Stiefel. Dazu ein goldfarbener Stirnreif mit einem glitzernden Juwel darin.
Und als ob dies nicht schon spektakulär genug wäre, erschien plötzlich aus dem Nichts eine riesige Stangenwaffe mit einer exotisch geformten Doppelklinge an der Spitze. Sailor Saturns gefürchtete und legendäre Silence Glaive.
Am Ende der Verwandlungssequenz landete sie in einer dramatischen Pose wieder am Boden. Die ganze Aktion hatte vielleicht fünf Sekunden gedauert.
"So aus der Nähe ist das ein sehr viel beeindruckenderer Anblick." bemerkte Lord Traxius mit zufriedener Stimme.
Sailor Saturn lächelte und dankte ihm für das Lob.
"Und was nun ?" fragte sie Zirkonite, die genau wie Lord Traxius zurückgetreten war.
Midori trat auf sie zu und blieb fünf Meter vor ihr stehen. Dann verneigte sie sich förmlich.
"Jetzt kämpfen wir." erklärte sie Saturn mit einem aufmunternden Lächeln.
Saturns Lächeln war schlagartig wie weggewischt.
"Das...das kannst du nicht ernst meinen, Midori."
"Und warum nicht ?"
"Du hättest in einem Kampf keine Chance gegen mich."
"Wegen dem Zahnstocher da ?" fragte Midori amüsiert. "Mach dir darüber keine Sorgen."
Sie löste einen dünnen Metallzylinder von ihrem Gürtel. Mit einem bösartigen Zischen erschien die rotleuchtende Energieklinge ihres Lichtschwertes.
"Was ist das ?" erkundigte Saturn sich neugierig.
"Ein Lichtschwert." antwortete Midori. "Ich an deiner Stelle würde aufpassen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß deine Waffe beim ersten Kontakt zerstört werden wird."
Um den Wahrheitsgehalt ihrer Worte zu demonstrieren, warf sie das Lichtschwert nach einem Stahlträger, der einen Laufgang auf halber Höhe des Raumes abstützte. Krachend fielen Trümmer zu Boden, während das Lichtschwert wie von Geisterhand gelenkt seinen Weg zurück in Midoris Hand fand.
Als Saturn sah, mit welcher Leichtigkeit die Lichtklinge den Stahl durchtrennte, begann sie sich ernsthafte Sorgen um ihre Waffe zu machen.
"Ich darf nicht riskieren, daß meine Waffe nur für eine Demonstration zerstört wird."
Midori nickte verstehend.
"Dann verzichte ich auf das Lichtschwert. Aber du brauchst dir trotzdem keine Sorgen zu machen."
Saturn war immer noch nicht überzeugt, also zuckte Midori nur mit den Schultern und griff an. Sie verwendete simple Nahkampftechniken. Schläge, Tritte und Stösse. Ihre Gegnerin versuchte sich zu verteidigen, aber ihre Waffe war nicht gerade für den direkten Nahkampf geeignet. Sie steckte eine Reihe von Treffern ein, ohne selbst wirklichen Schaden anzurichten.
Schließlich löste sich Midori mit einer Reihe von Rückwärtssalti von ihr und musterte sie verwundert.
"Also wenn du so gegen echte Gegner gekämpft hast, ist es mir ein Rätsel, wie du bis heute überleben konntest."
Saturn rieb sich ihre linke Seite und suchte nach einer Antwort auf Midoris indirekte Frage.
"Ihr Senshi kämpft doch sonst immer mit Magie." warf Zirkonite ein.
"Genau." Midori ging in eine Abwehrhaltung. "Setz deine Magie ein."
Saturn schüttelte den Kopf und sah hilflos zu Traxius.
"Wo ist das Problem ?" fragte er.
"Mein Angriffszauber ist so stark, daß er hier enormen Schaden anrichten würde." erklärte sie. "Die Attacken der anderen Senshi kann man gut gegen einzelne Ziele anwenden, aber meine Attacke zieht eine große Fläche in Mitleidenschaft."
"Mit anderen Worten: Deine Kampfmagie ist in den meisten Situationen nutzlos." brachte es Midori auf den Punkt.
"Wenn du ein wirklicher Feind wärst, würde ich die Attacke trotzdem einsetzen." erklärte Saturn bestimmt. "Aber ich kann dich ja kaum zu Demonstrationszwecken umbringen, oder ?"
"Danke für die Rücksichtnahme." Midori lächelte amüsiert.
Dann streckte sie die Hand aus und griff mit der Macht nach Saturns Waffe. Diese keuchte überrascht, als ihre Silence Glaive sich selbständig machte und in Midoris wartender Hand landete.
"Aber wie...?" Vor Überraschung fehlten ihr die Worte.
"Das war Teil eins der Demonstration." erklärte sie. "Und jetzt zum zweiten Teil."
Sie streckte die andere Hand aus, so als wenn sie nach jemandes Kehle greifen wollte. Plötzlich spürte Saturn einen kräftigen Griff am Hals, der ihr die Luft abdrückte. Dann spürte sie, wie eine unsichtbare Hand sie ein Stück vom Boden hob. Erfolglos schnappte sie nach Luft und spürte bereits die nahende Bewußtlosigkeit, als sie heruntergelassen wurde und der Druck verschwand. Mit wackeligen Knien brach sie zusammen und schnappte verzweifelt nach Luft.
Midori trat zu ihr und reichte ihr eine Hand. Saturn ergriff sie dankbar und ließ sich aufhelfen. Dann gab Midori ihr ihre Waffe zurück.
"Wie hast du das gemacht ?" fragte sie mit immer noch ungläubigem Staunen, während sie sich zurückverwandelte.
"Ich bin stark in der Macht." antwortete Midori stolz. "Dank meinem Meister."
"Du könntest das auch lernen." erklärte Traxius und legte ihr fürsorglich eine Hand auf die Schulter. Sie spürte, wie von dort Energie in ihren Körper floß und sie kräftigte.
"Ich ?"
"Ja. Deswegen ließ ich dich herholen."
"Mit diesen Fähigkeiten wäre ich den Senshi eine viel größere Hilfe."
"Zweifellos."bemerkte der alte Mann trocken. "Aber meine Unterweisungen sind an ein paar Bedingungen geknüpft."
"Bedingungen ?"
"Genau wie ihr Senshi legen auch wir Wert auf Geheimhaltung, und das bedeutet, daß niemand hiervon erfahren darf."
"Auch die anderen Senshi nicht ?"
"Sie sind zwar deine Freunde, aber ich kenne sie zu wenig." antwortete Traxius. "Im Augenblick muß es auch vor ihnen ein Geheimnis bleiben. Später mag sich das ändern, aber das wird die Zeit zeigen."
Hotaru nickte betrübt.
"Würdet ihr vielleicht in Betracht ziehen, die Anderen auch zu unterrichten ?"
"Später vielleicht. Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, nicht zu viele neue Schüler zur gleichen Zeit aufzunehmen. Gerade der Beginn der Ausbildung ist schwierig und es bedarf intensiver Unterweisungen. Außerdem kann nicht jeder den Umgang mit der Macht lernen, und mein Unterricht ist immer genau auf den Schüler zugeschnitten. Bevor ich nicht einige Dinge über einen möglichen Schüler weiss, kann ich ihn unter keinen Umständen unterrichten."
"Ich verstehe. Aber was soll ich jetzt tun ? Meine Eltern werden sich sicher Sorgen machen."
"Wissen deine Eltern um dein Geheimnis ?"
Hotaru nickte zögerlich.
"Schreib ihnen einen Brief, in dem du ihnen erklärst, daß du Jemanden getroffen hast, der dir einige neue Attacken beibringen wird."
"Sie werden sich trotzdem Sorgen machen, wenn ich ihnen nicht sage, wo ich bin."
"Und wenn du es ihnen sagst, werden sie herkommen." merkte Zirkonite an.
"Dann füge hinzu, daß dieser Unterricht Teil einer Abmachung ist, die die Identitäten der anderen Senshi schützt, und daß du dich regelmäßig melden wirst." schlug Midori vor. "Das sollte sie doch wohl ein wenig beruhigen."
Hotaru machte ein nachdenkliches Gesicht.
"Und füge hinzu, daß sie dir selbstverständlich auch schreiben können." ergänzte Traxius freundlich.
Hotaru nickte langsam.
"Einverstanden."
"Sehr gut." Lord Traxius gab sich keine Mühe, seinen Triumph zu verbergen. "Und da du jetzt zu meinen Schülern gehörst, erwarte ich, daß du mir als deinem Lehrer denselben Respekt erweist, den mir auch die anderen Schüler erweisen."
Sie nickte. Respekt gegenüber Lehrern war ein logisches Konzept.
"Was muß ich tun ?"
"Halte dich an Midori. Sie wird dir alles Notwendige erklären." entgegnete Traxius. Dann wandte er sich an Midori. "Sie wird einen Schlafraum mit dir teilen, und du wirst dich zusammen mit Zirkonite um ihre geistige Vorbereitung auf die Ausbildung kümmern. Beantworte ihre Fragen soweit es dir möglich ist und kümmere dich um ihren Briefverkehr mit ihren Eltern. Und nun geht."
"Ja, Meister." entgegneten Midori und Zirkonite gleichzeitig und neigten respektvoll den Kopf, bevor sie gingen.
Hotaru beobachtete Midoris Verhalten und neigte mit kurzer Verzögerung ebenfalls den Kopf.
"Ja, Meister."
Dann folgte sie Midori aus dem Thronsaal.
Der Sithlord schaute ihr mit zufriedenem Lächeln hinterher.
°....° = jemand denkt
"...." = jemand sagt
{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)
Darth Saturn - The Dark Harvest
Teil 7
Als Hotaru langsam die Augen aufschlug, fand sie sich in einem dämmrigen Raum mit dunkelgrauen Metallwänden wieder. Sie lag auf einer gepolsterten Liege. Und sie war gefesselt.
"Ah, sehr gut. Du bist wieder wach." begrüßte sie Midoris seidenweiche Stimme.
"Wo bin ich ? Warum bin ich hier ? Und warum bin ich gefesselt ?" Hotaru bemühte sich, keine Angst zu zeigen. Sie machte ihre Sache gut, aber da ihr Gegenüber über Sinne verfügte, die durch eine zehnjährige Ausbildung im Umgang mit der Macht geschärft waren, half ihr das nichts.
"Du fürchtest dich." stellte Midori fest.
Hotaru schüttelte den Kopf, schwieg jedoch, da sie befürchtete, ihre Stimme könnte sie verraten.
"Doch, du fürchtest dich." wiederholte das Mädchen freundlich. "Aber es besteht kein Grund dazu. Wenn ich dich hätte tot sehen wollen, wärst du es längst, meinst du nicht ?"
Hotaru drehte den Kopf etwas und betrachtete sie, versuchte sie einzuschätzen, und dachte über ihre Worte nach. Midoris Argument hatte etwas für sich. Dennoch war Hotaru keineswegs beruhigt.
"Es tut mir leid, daß ich dich betäubt habe, um dich herzubringen. Ich hätte gern darauf verzichtet, aber ich war mir nicht sicher, ob du freiwillig herkommen würdest."
"Wie hast du mich überhaupt betäubt ? Wir haben doch beide von dem Saft getrunken." fragte Hotaru verwirrt. Erst entführte Midori sie kaltblütig, und dann entschuldigte sie sich dafür. Wo lag da der Sinn ?
"Die Innenwand deines Glases war mit dem Mittel bestrichen." antwortete Midori lächelnd.
"Das war sehr hinterhältig."
"Wärst du denn sonst hergekommen ?"
"Ich glaube nicht." entgegnete Hotaru nachdenklich.
"Ich auch nicht." Midori seufzte schwer. "Trotzdem tut es mir leid." fuhr sie fort. "Und gefesselt habe ich dich, damit ich mit dir reden und dir alles erklären kann, bevor du etwas Dummes tun kannst."
"Etwas Dummes ?"
"Ja. Dich beispielsweise in Sailor Saturn verwandeln und hier alles in Schutt und Asche legen." entgegnete Midori mit gespieltem Humor.
Hotaru wollte darauf etwas antworten, als sie plötzlich eine Veränderung in ihrer Umgebung spürte. Ein eisiger Hauch streifte ihre Seele und ließ sie frösteln.
"Midori..." hauchte sie. "Mach mich los. Schnell."
"Warum denn ?" fragte sie verwundert. "Was ist los mit dir ?"
"Ich spüre eine böse Präsenz, die sich uns nähert."
"Böse Präsenz ?"
Hotaru nickte stumm.
"Damit meinst du sicher mich."
Hotaru drehte den Kopf zur anderen Seite und sah, wie eine blonde Frau in einem dunkelblauen Geschäftsanzug den Raum betrat.
Plötzlich erkannte sie die Herkunft der Präsenz. Die Art der bösen Energie. Diese Frau stammte aus dem Dunklen Königreich.
Mit einem Ausdruck purer Panik in den Augen fuhr sie zu Midori herum und wollte sie erneut bitten, sie zu befreien, doch das Gefühl des Grauens wurde noch größer, als Midori sich plötzlich vor der Frau verneigte.
"Ich sehe jetzt, daß es weise von Midori war, dich zu fesseln." bemerkte Zirkonite mit einem höflichen Lächeln, das keineswegs ihren tatsächlichen Gemütszustand widergab - geschweige denn ihre wahre Meinung über diesen speziellen Gast. "Andernfalls hättest du wohl schon versucht, mich zu töten, vermute ich."
Hotaru starrte die Frau in einer Mischung aus Wut und Angst an. Sie hätte sich ihr gern zum Kampf gestellt, aber im Augenblick war sie ihr hilflos ausgeliefert. Ihre Augen weiteten sich, als die Frau in die Innentasche ihres Jackets griff und einen schmalen Dolch mit leicht gebogener Klinge hervorholte.
Sie lächelte kalt und strich sanft mit der Spitze der Klinge über Hotarus entblößten linken Unterarm und ihre Handfläche.
Hotaru ergab sich in ihr Schicksal und schloß die Augen.
"Mein Name ist Zirkonite, und wie du ganz richtig bemerkt hast, stamme ich aus dem Dunklen Königreich." hörte sie die Frau sagen. "Früher hätte ich dich mit Freuden getötet. Aber mir wurden die Augen geöffnet und die Fehler unserer Führer und unserer Lebensweise vor Augen geführt. Jetzt bin ich auf einem neuen Weg."
Hotaru hörte, wie Stoff zerschnitten wurde. Dann konnte sie plötzlich ihren linken Arm bewegen. Sie wagte es, die Augen wieder zu öffnen, und wurde Zeuge, wie Zirkonite ihre übrigen Fesseln durchtrennte.
Zirkonite lächelte spöttisch über Hotarus überraschtes Gesicht.
"Wenn wir dich hätten tot sehen wollen, wärst du bereits tot." erklärte sie amüsiert. "Hat dir Midori das nicht gesagt ?"
Hotaru nickte ungläubig. Wie konnte es sein, daß ein Mitglied des Dunklen Königreichs ihr Leben verschonte, in dem vollen Bewußtsein, daß sie zu den Senshi gehörte ?
"Ich gehöre nicht mehr zum Dunlen Königreich." gab Zirkonite ihr die Antwort auf ihre unausgesprochene Frage. "Ich habe meine Fehler eingesehen und bin dabei mich zu ändern."
"Aber wie...?"
Zirkonite lächelte warmherzig.
"Ich traf einen sehr weisen Mann, der mein Lehrer wurde." erklärte sie. "Aufgrund meiner Herkunft wird die böse Aura vermutlich nicht von mir weichen, aber laß dich davon nicht beeinflussen. Ich bin nicht dein Feind, Hotaru. Niemand hier ist das."
Hotaru blickte unschlüssig zwischen Midori und Zirkonite hin und her.
"Aber was wollt ihr von mir ?"
"Unser Lehrmeister hat von den Senshi gehört, und er wollte dich gern kennenlernen."
"Wieso mich ?"
"Das mußt du ihn selbst fragen." entgegnete Zirkonite. "Komm. Ich bringe dich zu ihm."
Midori und Zirkonite eskortierten Hotaru zum Thronsaal von Lord Traxius. Am Fuß der Treppe blieben sie stehen. Die Zwei sanken augenblicklich auf ein Knie nieder, eine völlig verwirrte Hotaru zwischen sich stehen lassend.
Der Mann in der dunklen Robe erhob sich von seinem Thron und stieg gemessenen Schrittes die Treppe hinab. Als er unten angekommen war, legte er Hotaru eine Hand auf den Kopf und tätschelte sie so wie es ein Großvater mit seiner Enkelin machen würde.
"Erhebt euch, meine Schüler."
Hotaru erschauerte angesichts der Grabesstimme, mit der der Mann sprach. Sein Gesicht verbarg er unter der weiten Kapuze seiner Robe, aber von der runzeligen Haut auf seiner Hand ausgehend, mußte der Mann schon sehr alt sein.
Prüfend blickte er auf sie hinab.
"Du bist also die legendäre Sailor Saturn." stellte er fest.
Hotaru nickte stumm. Im Moment fühlte sie sich unfähig zu sprechen, denn das Gefühl, der Blick des alten Mannes würde selbst die tiefsten Winkel ihrer Seele ausleuchten, war einfach zu überwältigend.
"Wurdest du auf dem Weg hierher gut behandelt ?"
Die Frage war in einem ruhigen, freundlichen Tonfall gestellt worden, aber Hotaru hatte das Gefühl, daß es für Midori und Zirkonite zu Unannehmlichkeiten führen konnte, wenn sie die Frage mit 'Nein' beantwortete. Und im Grunde war ihr ja auch wirklich nichts Unangenehmes passiert.
"Ja. Midori hat sich sehr um mich bemüht, und auch Zirkonite war sehr...hilfsbereit."
"Das freut mich zu hören." entgegnete er. "Haben die Zwei dir auch gesagt, warum du hier bist ?"
"Sie sagten, das solle ich sie fragen."
Traxius kicherte leise.
"Ich habe die Senshi und auch ihre Feinde sehr genau beobachtet." begann er seine Erklärung.
Hotaru wurde blaß. Hatte er etwa auch die Identitäten der anderen Senshi aufgedeckt ?
"Bis jetzt bist du die erste, deren Identität wir aufgedeckt haben."
Sie seufzte erleichtert.
"Aber wir wissen, daß du mit Abstand die Jüngste bist. Oder liegen wir damit falsch ?"
Hotaru schüttelte den Kopf. Das war keine wirklich kritische Information, also konnte sie sie ruhig preisgeben.
"Und von allen Senshi kannst du den größten Nutzen aus meinem Angebot ziehen."
Hotaru schaute überrascht zu dem alten Mann auf.
"Was für ein Angebot ?"
"Oh, ich vermute, wenn ich es dir einfach nur sagen würde, würdest du ablehnen." antwortete er. "Ich spüre, daß es dir im Augenblick eher darum geht, daß die Identitäten deiner Freunde geschützt bleiben. Aber keine Sorge, Hotaru. Deine Identität wurde nur zufällig aufgedeckt, und auch wenn ich auf die anderen Senshi neugierig war, verspreche ich dir, daß wir ab heute keine Nachforschungen mehr in dieser Richtung anstellen werden."
Hotaru war erleichtert das zu hören.
"Aber sie erwarten doch nicht, daß ich eine Entscheidung treffe, ohne ihr Angebot zu kennen, oder ?"
"Sicher nicht. Aber eine Demonstration ist viel sinnvoller, denke ich."
"Demonstration ?" fragte sie verwirrt.
"Sehr richtig." schaltete sich Zirkonite ein. "Zu diesem Zweck ist es nötig, daß du dich verwandelst."
Hotaru überlegte nicht lange und holte einen stiftähnlichen Gegenstand hervor. Sie streckte ihn in die Luft und rief:
"Saturn Planet Power ! Make up !"
In einem Wirbel aus Licht hob das Mädchen vom Boden ab, wobei sie durch die Luft wirbelte wie auf einer unsichtbaren Achterbahn. Dabei schälte sich ihre Kleidung vom Körper ab, bis sie nackt war. Anschließend baute sich nach und nach ihre Senshi-"Uniform" auf: weiße Handschuhe, weiße Bluse mit violettem Kragen, ein violetter Minirock und ebenfalls violette Stiefel. Dazu ein goldfarbener Stirnreif mit einem glitzernden Juwel darin.
Und als ob dies nicht schon spektakulär genug wäre, erschien plötzlich aus dem Nichts eine riesige Stangenwaffe mit einer exotisch geformten Doppelklinge an der Spitze. Sailor Saturns gefürchtete und legendäre Silence Glaive.
Am Ende der Verwandlungssequenz landete sie in einer dramatischen Pose wieder am Boden. Die ganze Aktion hatte vielleicht fünf Sekunden gedauert.
"So aus der Nähe ist das ein sehr viel beeindruckenderer Anblick." bemerkte Lord Traxius mit zufriedener Stimme.
Sailor Saturn lächelte und dankte ihm für das Lob.
"Und was nun ?" fragte sie Zirkonite, die genau wie Lord Traxius zurückgetreten war.
Midori trat auf sie zu und blieb fünf Meter vor ihr stehen. Dann verneigte sie sich förmlich.
"Jetzt kämpfen wir." erklärte sie Saturn mit einem aufmunternden Lächeln.
Saturns Lächeln war schlagartig wie weggewischt.
"Das...das kannst du nicht ernst meinen, Midori."
"Und warum nicht ?"
"Du hättest in einem Kampf keine Chance gegen mich."
"Wegen dem Zahnstocher da ?" fragte Midori amüsiert. "Mach dir darüber keine Sorgen."
Sie löste einen dünnen Metallzylinder von ihrem Gürtel. Mit einem bösartigen Zischen erschien die rotleuchtende Energieklinge ihres Lichtschwertes.
"Was ist das ?" erkundigte Saturn sich neugierig.
"Ein Lichtschwert." antwortete Midori. "Ich an deiner Stelle würde aufpassen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß deine Waffe beim ersten Kontakt zerstört werden wird."
Um den Wahrheitsgehalt ihrer Worte zu demonstrieren, warf sie das Lichtschwert nach einem Stahlträger, der einen Laufgang auf halber Höhe des Raumes abstützte. Krachend fielen Trümmer zu Boden, während das Lichtschwert wie von Geisterhand gelenkt seinen Weg zurück in Midoris Hand fand.
Als Saturn sah, mit welcher Leichtigkeit die Lichtklinge den Stahl durchtrennte, begann sie sich ernsthafte Sorgen um ihre Waffe zu machen.
"Ich darf nicht riskieren, daß meine Waffe nur für eine Demonstration zerstört wird."
Midori nickte verstehend.
"Dann verzichte ich auf das Lichtschwert. Aber du brauchst dir trotzdem keine Sorgen zu machen."
Saturn war immer noch nicht überzeugt, also zuckte Midori nur mit den Schultern und griff an. Sie verwendete simple Nahkampftechniken. Schläge, Tritte und Stösse. Ihre Gegnerin versuchte sich zu verteidigen, aber ihre Waffe war nicht gerade für den direkten Nahkampf geeignet. Sie steckte eine Reihe von Treffern ein, ohne selbst wirklichen Schaden anzurichten.
Schließlich löste sich Midori mit einer Reihe von Rückwärtssalti von ihr und musterte sie verwundert.
"Also wenn du so gegen echte Gegner gekämpft hast, ist es mir ein Rätsel, wie du bis heute überleben konntest."
Saturn rieb sich ihre linke Seite und suchte nach einer Antwort auf Midoris indirekte Frage.
"Ihr Senshi kämpft doch sonst immer mit Magie." warf Zirkonite ein.
"Genau." Midori ging in eine Abwehrhaltung. "Setz deine Magie ein."
Saturn schüttelte den Kopf und sah hilflos zu Traxius.
"Wo ist das Problem ?" fragte er.
"Mein Angriffszauber ist so stark, daß er hier enormen Schaden anrichten würde." erklärte sie. "Die Attacken der anderen Senshi kann man gut gegen einzelne Ziele anwenden, aber meine Attacke zieht eine große Fläche in Mitleidenschaft."
"Mit anderen Worten: Deine Kampfmagie ist in den meisten Situationen nutzlos." brachte es Midori auf den Punkt.
"Wenn du ein wirklicher Feind wärst, würde ich die Attacke trotzdem einsetzen." erklärte Saturn bestimmt. "Aber ich kann dich ja kaum zu Demonstrationszwecken umbringen, oder ?"
"Danke für die Rücksichtnahme." Midori lächelte amüsiert.
Dann streckte sie die Hand aus und griff mit der Macht nach Saturns Waffe. Diese keuchte überrascht, als ihre Silence Glaive sich selbständig machte und in Midoris wartender Hand landete.
"Aber wie...?" Vor Überraschung fehlten ihr die Worte.
"Das war Teil eins der Demonstration." erklärte sie. "Und jetzt zum zweiten Teil."
Sie streckte die andere Hand aus, so als wenn sie nach jemandes Kehle greifen wollte. Plötzlich spürte Saturn einen kräftigen Griff am Hals, der ihr die Luft abdrückte. Dann spürte sie, wie eine unsichtbare Hand sie ein Stück vom Boden hob. Erfolglos schnappte sie nach Luft und spürte bereits die nahende Bewußtlosigkeit, als sie heruntergelassen wurde und der Druck verschwand. Mit wackeligen Knien brach sie zusammen und schnappte verzweifelt nach Luft.
Midori trat zu ihr und reichte ihr eine Hand. Saturn ergriff sie dankbar und ließ sich aufhelfen. Dann gab Midori ihr ihre Waffe zurück.
"Wie hast du das gemacht ?" fragte sie mit immer noch ungläubigem Staunen, während sie sich zurückverwandelte.
"Ich bin stark in der Macht." antwortete Midori stolz. "Dank meinem Meister."
"Du könntest das auch lernen." erklärte Traxius und legte ihr fürsorglich eine Hand auf die Schulter. Sie spürte, wie von dort Energie in ihren Körper floß und sie kräftigte.
"Ich ?"
"Ja. Deswegen ließ ich dich herholen."
"Mit diesen Fähigkeiten wäre ich den Senshi eine viel größere Hilfe."
"Zweifellos."bemerkte der alte Mann trocken. "Aber meine Unterweisungen sind an ein paar Bedingungen geknüpft."
"Bedingungen ?"
"Genau wie ihr Senshi legen auch wir Wert auf Geheimhaltung, und das bedeutet, daß niemand hiervon erfahren darf."
"Auch die anderen Senshi nicht ?"
"Sie sind zwar deine Freunde, aber ich kenne sie zu wenig." antwortete Traxius. "Im Augenblick muß es auch vor ihnen ein Geheimnis bleiben. Später mag sich das ändern, aber das wird die Zeit zeigen."
Hotaru nickte betrübt.
"Würdet ihr vielleicht in Betracht ziehen, die Anderen auch zu unterrichten ?"
"Später vielleicht. Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, nicht zu viele neue Schüler zur gleichen Zeit aufzunehmen. Gerade der Beginn der Ausbildung ist schwierig und es bedarf intensiver Unterweisungen. Außerdem kann nicht jeder den Umgang mit der Macht lernen, und mein Unterricht ist immer genau auf den Schüler zugeschnitten. Bevor ich nicht einige Dinge über einen möglichen Schüler weiss, kann ich ihn unter keinen Umständen unterrichten."
"Ich verstehe. Aber was soll ich jetzt tun ? Meine Eltern werden sich sicher Sorgen machen."
"Wissen deine Eltern um dein Geheimnis ?"
Hotaru nickte zögerlich.
"Schreib ihnen einen Brief, in dem du ihnen erklärst, daß du Jemanden getroffen hast, der dir einige neue Attacken beibringen wird."
"Sie werden sich trotzdem Sorgen machen, wenn ich ihnen nicht sage, wo ich bin."
"Und wenn du es ihnen sagst, werden sie herkommen." merkte Zirkonite an.
"Dann füge hinzu, daß dieser Unterricht Teil einer Abmachung ist, die die Identitäten der anderen Senshi schützt, und daß du dich regelmäßig melden wirst." schlug Midori vor. "Das sollte sie doch wohl ein wenig beruhigen."
Hotaru machte ein nachdenkliches Gesicht.
"Und füge hinzu, daß sie dir selbstverständlich auch schreiben können." ergänzte Traxius freundlich.
Hotaru nickte langsam.
"Einverstanden."
"Sehr gut." Lord Traxius gab sich keine Mühe, seinen Triumph zu verbergen. "Und da du jetzt zu meinen Schülern gehörst, erwarte ich, daß du mir als deinem Lehrer denselben Respekt erweist, den mir auch die anderen Schüler erweisen."
Sie nickte. Respekt gegenüber Lehrern war ein logisches Konzept.
"Was muß ich tun ?"
"Halte dich an Midori. Sie wird dir alles Notwendige erklären." entgegnete Traxius. Dann wandte er sich an Midori. "Sie wird einen Schlafraum mit dir teilen, und du wirst dich zusammen mit Zirkonite um ihre geistige Vorbereitung auf die Ausbildung kümmern. Beantworte ihre Fragen soweit es dir möglich ist und kümmere dich um ihren Briefverkehr mit ihren Eltern. Und nun geht."
"Ja, Meister." entgegneten Midori und Zirkonite gleichzeitig und neigten respektvoll den Kopf, bevor sie gingen.
Hotaru beobachtete Midoris Verhalten und neigte mit kurzer Verzögerung ebenfalls den Kopf.
"Ja, Meister."
Dann folgte sie Midori aus dem Thronsaal.
Der Sithlord schaute ihr mit zufriedenem Lächeln hinterher.
