Anmerkungen

Fast wäre mir eine wichtige Fähigkeit von Sailor Saturn entgangen, deren Vorhandensein mir im Rahmen des vorgesehenen Plots überhaupt nicht in den Kram passt: Saturn kann genauso wie Sailor Moon Plutos Tod spüren (danke nochmal für den Hinweis, Spidey). Da es nicht meine Art ist, wissentlich Fähigkeiten gegebener Charaktere zu ignorieren, mußte eine andere Erklärung her: Während ihrer Ausbildung unterliegt Saturn/Hotaru einer strengen und intensiven geistigen Kontrolle/Manipulation/Überwachung. Deshalb, und weil das Training ihre geistigen Kapazitäten voll beansprucht, ist ihr Plutos Tod schlicht und einfach entgangen (falls ich irgendwo eine passende Gelegenheit finde, erfolgt hierzu auch die Erklärung innerhalb der Story selbst - dies hier dient nur als Hinweis für die, die sich ansonsten wundern würden, warum sie nicht von selbst von Plutos Tod wußte).

In diesem Kapitel beginnt übrigens Hotarus "Wandel". Sag mir mal bitte jemand, ob ich die Beschreibung ihres "Wegs" halbwegs nachvollziehbar hinbekommen habe. ^_^

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°....° = jemand denkt

"...." = jemand sagt

{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)

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Darth Saturn - The Dark Harvest

Teil 12

Usagis Versuch, dem Unterricht zu folgen, war ebenso gutgemeint wie zum Scheitern verurteilt. Was sie auch anstellte, ihr Kopf schien nicht für das Verständnis von Algebra geschaffen zu sein. Und so saß sie trotz ihrer guten Absichten einfach nur da und ließ sich vom Lehrer berieseln. 'Nur nicht auffallen' war die Devise, und ein kurzer Seitenblick bestätigte ihr, daß Minako es genauso zu halten schien. Soweit nichts ungewöhnliches, aber dann fiel ihr Blick auf Jacen, und als Expertin auf dem Gebiet des Trotz- Langeweile-Aufmerksamkeit-Heuchelns bemerkte sie, daß auch er mit den Gedanken nicht wirklich beim Unterricht war.

"Und die Antwort kann uns sicher Fräulein Tsukino geben." hörte sie plötzlich die Stimme der Lehrerin.

Usagi wurde rot und erhob sich, um eine Antwort zu geben, die ihr sicher den Unmut der Lehrerin eingebracht hätte, doch in diesem Moment klingelte es zur Lunchpause, und Usagi verspürte nur noch tiefe Erleichterung, daß die Klingel sie gerettet hatte.

Ihre Mitschüler holten bereits ihre Lunchboxen hervor und begannen, die Klasse zu verlassen, als sie sich ebenfalls nach ihrer Tasche bückte, um ihr Mittagessen herauszunehmen.

Plötzlich erschütterten jedoch Gefühle von Schmerz und Verlust ihren Seelenfrieden, und Usagi mußte sich an ihrem Tisch festklammern, um nicht hinzufallen. Ein Gefühl der Leere machte sich in ihr breit, und als sie erkannte, woher dieses Gefühl kam, erbleichte sie. Ihre Hände fingen an zu zittern, und vor ihren Augen verschwamm alles, als ein paar Tränen zu fliessen begannen.

"Pluto." wisperte sie geschockt.

Als sie ein paar Minuten später nach draußen trottete, und schließlich unter dem Baum ankam, der der inoffizielle Pausentreffpunkt der Mädchen war, konnte jeder sehen, daß mit ihr etwas nicht stimmte.

"Sag mal, was ist denn mit dir los?" fragte Rei besorgt.

"Du hast doch nicht etwa doch noch Ärger mit Frau Haruna gekriegt, oder?" erkundigte sich Minako.

Usagi schüttelte den Kopf, während die anderen sie erwartungsvoll ansahen.

"Ich habe gerade etwas gespürt." flüsterte sie, erneut den Tränen nahe.

"Eine Erschütterung der Macht." murmelte Jacen, wofür er einen seltsamen Blick von Ami erntete, die seine Worte als Einzige gehört hatte.

"Und was?" fragte Makoto.

"Genau. Spann uns nicht auf die Folter." schnaufte Rei ungeduldig.

"Pluto ist tot." wisperte sie. Dann gab sie ihren Tränen nach, während die anderen Senshi sie fassungslos und um Worte ringend ansahen.

Bevor jedoch jemand etwas dazu sagen konnte, machte Amis Sailor-Computer mit einem leisen Piepen auf sich aufmerksam.

Ami holte ihn aus ihrer Tasche und klappte ihn auf. Als sie auf das Display blickte, sprang sie wie von der Tarantel gestochen auf.

"Leute, wir haben Ärger." verkündete sie. "Mein Computer hat ein Portal und drei Youma entdeckt."

Diese Mitteilung riß die anderen Senshi fast sofort aus dem Schock, in den sie Usagis Mitteilung versetzt hatte.

"Dann sollten wir sie erledigen, bevor sie zu viel Schaden anrichten können." knurrte Makoto. Später konnte sie noch klären, was mit Pluto geschehen war. Aber drei Youma versprachen eine Möglichkeit sich abzureagieren.

"Ami, zeig uns, wo es lang geht." bestimmte Usagi.

Dann machte sich die Gruppe auf den Weg.

Kaum hatten die Mädchen das Schulgelände verlassen, und eine ruhige Ecke gefunden, da verwandelten sie sich auch schon, und rannten mit ihrer nun verbesserten Geschwindigkeit und Sprungkraft über die Dächer Tokyos, bis sie das Wohnhaus erreicht hatten, in dem die Youma tobten.

"Aber in dem Haus wohnen doch..."

"Genau." gab Makoto Minako grimmig Recht. "Und jetzt wissen wir auch, wer für Plutos Tod verantwortlich ist."

"Was stehen wir hier noch rum." fauchte Rei zornbebend. "Diese Youma müssen für ihre Taten bestraft werden."

Usagi nickte grimmig.

"Im Namen des Mondes...für den Mord an Sailor Pluto werde ich euch bestrafen." presste sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. "Und zwar nicht zu knapp."

Dann stürmte sie los, dicht gefolgt von ihren Freundinnen.

Gerade als sie das Haus betreten wollten, gesellten sich auch Neptun und Uranus zu ihnen. Die Gesichtsausdrücke der beiden Mädchen sprachen Bände. Selbst wenn einer der Youma sich ergeben würde, würde das sein Leben nicht retten können, denn die aufgebrachten Senshi wollten im wörtlichen Sinne Blut sehen - oder welche Flüssigkeiten sich auch immer in einem Youma befinden mochten...

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Für Hotaru war eine Welt zusammengebrochen. Sie hatte sich so bemüht, alles richtig zu machen, aber sie hatte versagt. Und ihr Versagen hatte viele Menschen das Leben gekostet.

Jetzt lag sie auf ihrem Bett und starrte mit tränennassen Augen an die Decke. Ihr Blick war leer, ein Spiegel ihrer Seele, die heute etwas Wichtiges verloren hatte.

Ihre Unschuld.

Hotaru hätte ihre Augen gern geschlossen. Aber wenn sie das tat, erschienen jedesmal die Bilder des Schreckens auf der Innenseite ihrer Lider.

Flirrende Hitze stand über den Hausdächern am Stadtrand von Hebron. Auf einem dieser flachen Dächer weißgetünchter Häuser stand Hotaru zusammen mit Midori. Beide waren in Kapuzenumhänge gehüllt und schauten sich neugierig um.

"Ich kann kaum glauben, daß ich gerade aus dem Stand auf ein dreistöckiges Haus gesprungen bin." bemerkte Hotaru ausgelassen.

"Wie kommst du mit der Hitze klar?" fragte Midori ohne darauf einzugehen zurück.

"Könnte besser sein." antwortete ihre Mitschülerin deutlich matter als zuvor.

"Dann werde ich dir jetzt erklären, wie du die Macht einsetzen kannst, um auch unter solchen ungünstigen Bedingungen deinem Körper derartige Probleme zu ersparen."

Midori erklärte ihr die Technik, und nach wenigen Minuten machte Hotaru ein sehr zufriedenes Gesicht.

"Also eine Klimaanlage könnte keine bessere Arbeit leisten."

Midori nickte zustimmend.

Bevor sie jedoch weitersprechen konnte, erklangen an einem Ende der Straße, an der das Haus lag, Rufe und Schüsse.

Midori und Hotaru warfen sofort einen Blick auf die Szenerie, und erblickten einen Trupp Soldaten, der langsam im Schutz eines Schützenpanzers die Straße entlangkam. Trupp und Panzer waren noch vielleicht zweihundert Meter vom Haus, auf dem die Zwei standen, entfernt und kamen langsam näher.

"Das sieht nach Ärger aus." murmelte Midori grimmig. "Komm, wir müssen hier weg."

Gerade als sie sich umwenden wollte, erblickte Hotaru auf der gegenüberliegenden Straßenseite den reglosen Körper eines Kindes, das etwa in ihrem Alter sein mochte.

"Midori, sieh nur."

"Entweder haben sie gezielt geschossen, oder ein Querschläger hat ihn getroffen." mutmaßte diese. "So oder so, ihn wird schon jemand in ein Krankenhaus bringen."

Als hätte er nur auf Midoris Worte gewartet, tauchte in der Haustür unter ihnen plötzlich ein Mann auf, der beim Anblick des Kindes auf der anderen Straßenseite laut lamentierte. Vermutlich ein Angehöriger des Kindes.

"Siehst du." meinte Midori beruhigend. "Problem gelöst."

Als der Mann jedoch die Straße überqueren wollte, hallte erneut das Feuer automatischer Waffen durch die ansonsten menschenleere Straße und trieb den Mann zurück.

Hotaru sah deutlich, wie ein oder zwei Schüsse nur haarscharf das Kind verfehlten, neben dem inzwischen eine kleine Blutlache zu sehen war.

Zum vielleicht ersten Mal in ihrem Leben verspürte sie rasende Wut.

"Wieso tun die das?" fragte sie ihre Begleiterin aufgebracht.

"Ich vermute, das sind israelische Soldaten auf einer weiteren Terroristensäuberungsaktion."

"Und was hat das mit dem Kind zu tun?"

"Was schon? Das Kind ist Palästinenser."

Hotaru warf Midori einen verständnislosen Blick zu.

"Hast du die Daten schon vergessen, die Zirkonite in ihrem Büro studiert?"

"Du meinst..." Hotaru war fassungslos.

"Ja. Das Schicksal des Kindes kümmert diese Soldaten nicht, weil es ein palästinensisches Kind ist." sprach Midori den unfassbaren Gedanken aus. "Andererseits würde dieses Kind in ein paar Jahren möglicherweise mit Freuden sein Leben wegwerfen, um ein paar Israelis zu töten. Die Soldaten wissen das, und vielleicht erklärt das ja ihre Haltung in dieser Sache."

"Man kann einen Menschen nicht für etwas verurteilen, was er 'möglicherweise' einmal tun könnte." protestierte Hotaru. "Wir müssen diesem Kind helfen, Midori." setzte sie entschlossen hinzu.

Midori nickte knapp.

"Wie du willst."

Die zwei Mädchen sprangen vom Dach und landeten neben dem verwundeten Kind. Diese Aktion brachte die Soldaten so sehr außer Fassung, daß sie vergassen zu feuern. Der Mann nutzte diese Gelegenheit und rannte ebenfalls zu dem Kind, das er unter lautem Wehklagen vorsichtig auf den Rücken drehte.

Hotaru hielt sich erschrocken eine Hand vor den Mund. An zwei Stellen war die Kleidung des Jungen blutdurchtränkt. Als er umgedreht wurde, öffneten sich flatternd seine Augenlider. Sein glasiger Blick fand den Mann, und eine kleine, blutige Hand hob sich, und wurde sogleich von ihm ergriffen. Der Mann weinte vor Verzweiflung und stammelte Worte in einer Hotaru unbekannten Sprache.

Der Junge röchelte etwas, wobei ihm Blut aus dem Mund lief.

"Wenn du etwas tun willst, tu es schnell." drängte Midori ihre Begleiterin. "Die Soldaten kommen näher."

Hotaru kniete sich auf der anderen Seite neben den Jungen und warf dem Mann einen aufmunternden Blick zu. Dann legte sie vorsichtig ihre Hände auf die Ein- und Austrittswunde und konzentrierte sich auf ihre heilenden Kräfte.

Midori spürte eine leichte Bewegung in der Macht und warf aus den Augenwinkeln einen Blick auf Hotaru. Diese kniete auf dem Boden und ließ durch ihre violett-leuchtenden Hände die heilenden Aspekte der Macht wirken. Der Mann starrte mit offenem Mund auf Hotaru und suchte nach Worten, die er jedoch nicht fand.

Inzwischen waren die Soldaten nur noch achtzig Meter entfernt und hatten ihre Waffen bedrohlich auf die Gruppe gerichtet. Der Anführer der Soldaten rief etwas, was Midori jedoch nicht verstand, dem Sinn nach jedoch als 'Keine Bewegung, oder wir schiessen!' deutete.

°Unter keinen Umständen werde ich unsere Verhaftung zulassen.° dachte sie grimmig.

"Hotaru, hast du´s bald?"

"Noch ein paar Minuten." erwiderte diese abwesend. "Wenn ich jetzt aufhöre, war alles umsonst."

"Die paar Minuten haben wir aber nur, wenn ich ein wenig unangenehmer werde." entgegnete Midori ernst. "Andernfalls werden wir gleich wohl verhaftet werden."

"Wenn es nicht anders geht. Aber übertreib es nicht, ja? Keine Toten."

"Ich tu was ich kann."

Mit diesen Worten zog Midori ihr Lichtschwert und aktivierte es. Im gleichen Moment eröffneten die Soldaten das Feuer.

Das Mädchen setzte jedoch Lichtschwert und die Macht ein, um die Kugeln entweder abzuwehren oder abzulenken, was der Mann hinter ihr mit ebensogroßer Fassungslosigkeit verfolgte wie Hotarus Heilungsaktion. Als der Mann bemerkte, daß die Wunde des Jungen geheilt war, weinte er vor Glück und stammelte wieder und wieder Worte des Dankes.

Als Hotaru fertig war, hatten die Soldaten sich in vierzig Metern Entfernung zusammen mit ihrem Schützenpanzer verschanzt und deckten die Hausecke konstant mit Feuer ein. Midori wehrte den Beschuß mühelos ab.

"Wir können hier nicht weg." stellte Hotaru plötzlich fest.

"Warum nicht?"

"Wenn wir auf´s Dach springen...wer beschützt dann den Jungen und den Mann?"

"Sollen wir hier weitermachen, bis denen die Munition ausgeht?" fragte Midori sarkastisch zurück.

"Ich weiss nicht, aber...oh verdammt."

"Was?"

"Wir kriegen Besuch von hinten." erklärte Hotaru. "Zwei Panzer und Soldaten."

"Dann wirst du wohl heute zu einer Praxislektion in der Anwendung der Macht im Kampf kommen, wie es aussieht."

Hotaru nickte ernst, entschlossen, die unschuldigen Leute zu verteidigen, und holte ihr Lichtschwert hervor.

"Als Sailor Saturn wäre ich effektiver."

"Du willst nicht ernsthaft riskieren, daß jemand Aufnahmen davon macht, wie eine der Senshi sich mit israelischen Soldaten fetzt, oder?"

Hotaru ersparte sich eine Antwort und konzentrierte sich stattdessen auf die Abwehr des ankommenden Beschusses.

Der Lärm in der Gasse war inzwischen ohrenbetäubend. Das plötzliche Donnern eines Panzergeschützes machte es auch nicht besser.

Hotaru bewegte den linken Arm in einer ablenkenden Geste, als sie die Macht einsetzte, und das schwere Projektil verfehlte die Gruppe und zerlegte stattdessen ein Auto in kleine Fetzen.

Der Gedanke daran, was dieses Geschoß mit ihr und ihren Schützlingen angestellt hätte, ließ Hotaru innerlich erzittern.

Ein plötzlicher scharfer Stich in ihrem linken Arm lenkte sie von ihrer Angst ab. Blut lief an ihrem Arm hinab. Während sie das Panzergeschoß abgewehrt hatte, war eine der Gewehrkugeln durchgekommen und hatte ihren Arm gestreift.

"Was soll ich bloß tun?" jammerte sie. Der Schmerz begann langsam, ihre Konzentration zu beeinträchtigen. "Irgendwann werden sie uns erwischen."

"Du mußt wählen." erwiderte Midori, ohne in ihre Richtung zu sehen. Sie spürte den Schmerz und die sich langsam ausbreitende Verzweiflung bei ihrer Freundin. Es war Zeit für eine Entscheidung.

"Wählen?" fragte Hotaru verständnislos. Sie hätte darüber nachdenken können, und dann hätte sie vermutlich verstanden, was Midori meinte, aber im Augenblick konnte sie es sich nicht leisten, in ihrer ohnehin schon gefährdeten Konzentration bei der Geschoßabwehr nachzulassen. Sie hatte keine Zeit zu denken, sondern nur zum Handeln.

"Du mußt eine Entscheidung treffen, Hotaru." erklärte Midori. Die mentale Anstrengung zur Aufrechterhaltung ihrer Verteidigung ließ ihre Stimme bissig und gereizt klingen, während sie von einem wahren Kugelgewitter umschwirrt wurde. "Die Soldaten haben eine Entscheidung getroffen, die uns in diese Situation gezwungen hat. Jetzt bist du an der Reihe."

"Du meinst, ich soll...aber das kann ich nicht!"

"Wer eine Wahl trifft, muß mit den Konsequenzen leben, Hotaru." rief Midori ihr ungeduldig ins Gedächtnis. "Diese Leute haben ihre Wahl getroffen. Als Soldaten müssen sie damit rechnen, auf Widerstand zu stossen."

"Aber..." Hotaru war verunsichert. Sie spürte, daß es schwer werden würde, diese Situation zu lösen, ohne daß jemand dabei zu Schaden kam. Ihr größter Wunsch war es, Doktor zu werden. Sie wollte Menschen helfen, sie heilen. Und sie nicht verletzen oder gar töten.

"Wenn ihr Senshi von einem Feind angegriffen wurdet, habt ihr da auch zuerst überlegt, ob ihr euch wehren sollt?"

°Haben wir das? Nein. Wir haben unsere Feinde angegriffen, wo immer sie sich gezeigt haben. - Aber wir haben auch Gnade gezeigt, wenn der Feind aufgegeben hat.°

"Ich hab´s!" rief sie erleichtert.

"Dann tu was!"

Schockiert sah Hotaru, wie einer der Panzer sich erneut feuerbereit machte. Jetzt mußte sie schnell handeln.

°Die Größe spielt keine Rolle, wenn man etwas mit der Macht bewegen will.° rief sie sich erneut ins Gedächtnis.

Dann griff sie mit der Macht hinaus und kippte zuerst den einen und dann den anderen Panzer auf die Seite, als ob es sich um kleine Spielzeuge handeln würde.

Für einen Moment schwiegen die Waffen. Offenbar brauchten die Israelis Zeit, um das Geschehene zu verarbeiten.

"Was sollte denn das?" fragte Midori verblüfft.

"Abschreckung." antwortete Hotaru schlicht. "Ich will versuchen, sie zur Aufgabe zu bewegen."

Einen Moment später gingen die Israelis von beiden Seiten zum Sturmangriff über.

Hotaru schob den Soldaten auf ihrer Seite mit der Macht einige Autos in den Weg, die am Straßenrand gestanden hatten, aber sie erkannte, daß sie sie so nicht würde aufhalten können.

Sie erzeugte eine Druckwelle mit der Macht, die die Soldaten zu Boden warf. Dann griff sie erneut nach den Panzern und ließ diese genau über dem sich gerade aufrappelnden Infanterietrupp schweben.

Einige Infanteristen starrten geschockt auf die Panzer. Ein paar schienen die Drohung zu verstehen und zogen sich zurück. Die meisten jedoch blieben an Ort und Stelle und schienen jeden Augenblick wieder angreifen zu wollen.

"Geht weg! Verschwindet!" rief Hotaru verzweifelt. "Bitte! Nicht näherkommen!" Sie gestikulierte, den Tränen nahe, mit den Händen, um ihre Forderung zu unterstreichen.

Es war sinnlos.

Midori hatte recht. Sie mußte eine Wahl treffen.

Hotaru schloß ihre Augen. Sie wollte nicht sehen, was gleich passieren würde.

Dann ließ sie die beiden tonnenschweren Kampffahrzeuge auf die Soldaten herabfallen.

Der Aufprallschock brachte die ganze Straße zum Erbeben. Der Trupp auf Midoris Seite bewies trotzdem den hohen Ausbildungsgrad - oder vielleicht nur das hohe Maß an Abstumpfung - der israelischen Armee, indem er einfach weiterstürmte.

Nachdem Hotaru die erwartete Wahl getroffen hatte, sah auch Midori keinen Grund mehr, sich zurückzuhalten.

Ein boshaftes Lächeln umspielte ihre Mundwinkel, als sie ihre linke Hand nach vorn streckte. Zuckende Blitze strömten aus ihren gespreizten Fingern und massakrierten den Trupp in weniger als zwei Sekunden.

Dann setzte sie eine traurige Miene auf und wandte sich zu Hotaru um, die weinend zusammengebrochen war. Liebevoll strich sie ihr durch´s Haar und zog sie hoch. Dann nahm sie sie tröstend in die Arme.

"Warum nur?" presste Hotaru zwischen einzelnen Schluchzern hervor. "Warum haben sie sich nicht zurückgezogen? Sie müssen es doch gewusst haben."

"Das haben sie, Hotaru." entgegnete Midori sanft.

Hotaru schaute ihr verwirrt und auf der Suche nach Antworten in die Augen und begegnete einem zutiefst besorgten Blick.

"Sie haben ihre Wahl getroffen." erklärte sie schlicht. "Und sie haben die Konsequenzen akzeptiert. Komm. Wir verschwinden von hier. Du hast heute genug Einblicke in die Realität des Lebens erhalten."

Über diese Worte Midoris dachte Hotaru während des gesamten Rückflugs in stiller Kontemplation nach, kam jedoch zu keinem Ergebnis. Was sie erlebt hatte, ging einfach über ihr Begriffsvermögen hinaus.

Nach ihrer Rückkehr hatte sie sich sofort in ihr Zimmer zurückgezogen. Im Moment konnte und wollte sie sich mit nichts anderem befassen. Sie hatte heute Menschen getötet, und das mit einer Einfachheit, die sie erschreckte.

Sie mußte an ihre Zeit im Kindergarten und in der Grundschule denken. Schon damals hatten die anderen Kinder sie gemieden, weil sie irgendwie anders war.

Hexe. Monster. Dämonenkind. Das waren nur drei der häufigeren Bezeichnungen, die die Anderen für sie gehabt hatten.

Hotaru war deswegen schon immer in sich gekehrt und unglücklich gewesen. Aber nie hatte sie ihre Andersartigkeit in Frage gestellt, ihre besonderen Fähigkeiten, die die anderen Menschen um sie herum immer so beunruhigt hatten. Bis heute.

Sicher, es war ihr nicht leicht gefallen, die Entscheidung zu treffen, die den Tod dieser Menschen bedeutet hatte. Aber die Ausführung der Tat hatte in nichts weiter als einer einfachen Konzentrationsübung und einigen Handbewegungen bestanden.

"Hatten die Anderen Recht? Bin ich ein Monster?" murmelte sie traurig vor sich hin.

"Was für ein Blödsinn."

Hotaru blickte auf und sah Midori an der Tür stehen.

"Du bist kein Monster, Hotaru."

"Woher willst du das wissen?" schniefte Hotaru traurig.

"Du hast getan, was du tun mußtest, um den Jungen und den Mann zu retten." antwortete Midori ernst. "Du hättest dich jederzeit in Sicherheit bringen können, aber du bist dort geblieben. Außerdem hast du getan, was in deiner Macht stand, um die Soldaten zum Rückzug zu bewegen. Daß sie nicht auf dich gehört haben, ist nicht deine Schuld."

"Aber...es war so verdammt einfach." rief Hotaru mit einem Anflug von Hysterie in der Stimme. "Das Töten eines Menschen sollte doch nicht so einfach sein...oder?" schluchzte sie.

"Ach Hotaru."

Midori setzte sich zu ihr auf´s Bett und blickte ihr mitfühlend in die Augen.

"Der Mensch ist ein so zerbrechliches Wesen. Es ist nicht schwer, einen Menschen zu töten, wenn man die Entscheidung dazu getroffen hat. Die Hürde ist nicht die Tat an sich, sondern die Entscheidung, die Tat auszuführen, weisst du?"

Hotaru dachte einen Moment über diese Worte nach und nickte dann zaghaft.

"Und jetzt komm mit zum Meister." forderte Midori sie auf. "Ich habe ihm erzählt, was geschehen ist, und er möchte sofort mit dir reden."

"Meinst du, er wird wütend auf mich sein?" fragte Hotaru erschrocken.

"Mach dir keine Sorgen, Hotaru. Ich glaube, er ist besorgt um dich und will sich vergewissern, daß es dir gut geht."

Einige Minuten später stand sie im Thronsaal neben ihrem Lehrmeister und beschrieb ihm ihre Empfindungen, sowohl während des Zwischenfalls als auch später auf dem Rückflug und in ihrem Zimmer.

Lord Traxius unterbrach sie kein einziges Mal. Am Ende nickte er verstehend.

"Genau wie Midori könnte ich dir sagen, daß du keinen Fehler gemacht hast, und dir deshalb nichts vorzuwerfen hast, meine Schülerin." Er musterte sie für einen Moment schweigend bevor er fortfuhr. "Aber das wäre Zeitverschwendung."

Sie hob den Kopf und sah ihn fragend an.

"Du selbst mußt zu der Erkenntnis kommen, daß du keine andere Wahl hattest, wenn du das Leben dieser Leute retten wolltest."

"Aber es ist so schwierig, Meister. Ich...ich habe heute Menschen getötet."

"Du hast früher schon getötet, oder?"

"Aber das waren Youma."

"Aber Youma sind doch auch Lebewesen, oder hat Zirkonite mich da falsch informiert?"

"Doch, aber sie tun böse Dinge." erklärte Hotaru. "Sie stehlen Lebensenergie von Menschen, sie..."

"Dadurch sterben die Leute, nicht wahr?"

Hotaru nickte.

"Macht es denn einen Unterschied, ob ein Mensch durch eine Gewehrkugel oder durch den Verlust seiner Lebensenergie stirbt?" fragte der Meister nachdenklich.

Hotaru runzelte nachdenklich die Stirn.

Lord Traxius lächelte, für sie unsichtbar, zufrieden unter seiner weiten Kapuze. "Du mußt nicht sofort antworten, meine Schülerin. Denk in Ruhe über deine Antwort auf diese Frage nach."

"Danke, Meister. Das ist alles etwas zuviel auf einmal für mich, fürchte ich."

"Ich werde dir immer mit meinem Rat zur Seite stehen, meine Schülerin, denn wisse, manchmal genügt es, die richtigen Fragen gestellt zu bekommen, um den Weg zu größerer Klarheit zu finden."

Hotaru nickte dankbar.

"Ich...als Midori mich zu euch bestellt hat, hatte ich Angst, ihr würdet wütend auf mich sein." sprach sie mit leiser, fast schon furchtsamer Stimme eine ihrer Befürchtungen aus.

"Wie gesagt...ich denke nicht, daß du einen Fehler gemacht hast. Und selbst wenn dem so wäre...als dein Lehrmeister ist es meine Pflicht, dich auf deinem Pfad zu geleiten, nicht, dich für Fehler zu bestrafen."

Hotarus Erleichterung war nun fast schon fühlbar.

"Aber deinen Worten entnehme ich, daß du die gesamte Handlungsweise der Soldaten nicht begreifst."

Hotaru nickte zustimmend.

"Ich finde es unbegreiflich, wie sie ein wehrloses Kind verletzen konnten. Sie haben sogar mit Panzern auf uns geschossen."

"Aber du warst stark in der Macht und hast ihnen widerstanden." warf ihr Lehrmeister lobend ein.

Hotaru zeigte auf die blutige Schramme auf ihrem linken Arm.

"Nicht ganz."

"Warum hast du deine Wunde nicht geheilt?" fragte er überrascht.

"Ich...trage diese Verletzung als sichtbaren Beweis für das, was mir zugestossen ist." antwortete sie zögerlich. "Sollte ich demnächst den anderen Senshi gegenübertreten, sollen sie sehen können, was dort draußen in der Welt mit Unschuldigen geschehen kann."

"Lobenswert. Solange es dich nicht behindert."

"Das tut es nicht, Meister."

"Gut. Aber sag, du weisst doch sicher, daß zur Zeit an vielen Orten auf der Erde Kriege oder bewaffnete Auseinandersetzungen toben, nicht wahr?"

"Ja, Meister. Aber das war doch schon immer so - zumindest seit dem Untergang des Mondkönigreichs."

"Ach richtig. Deine Vorliebe für Weltgeschichte." bemerkte er verstehend. "Das sollte dir das Verständnis des Problems eigentlich erleichtern."

"Das verstehe ich nicht."

"Wenn du einen einfachen Menschen in einem beliebigen Land fragst, ob er Krieg will, was wird er wohl sagen?"

"Er wird vermutlich sagen, daß er sich Frieden wünscht."

"Und Freiheit und Unabhängigkeit und Wohlstand. Man könnte die Liste endlos fortsetzen. Wenn aber niemand Krieg will, warum werden dann so viele Kriege geführt?"

Hotaru dachte nach und schüttelte dann ein wenig hilflos den Kopf.

"Kriege werden geführt nicht weil die Bewohner eines Landes es so wollen, sondern weil die Regierungen es so entschieden haben." erklärte er mit großer Bestimmtheit. "Regierungen und Gruppen, die in einem Land gerne an die Macht wollen, oder Gruppen, die aus dem Hintergrund Druck auf Regierungen ausüben, leiden alle unter einer Krankheit namens Geltungssucht, genauso wie die vielen fanatischen Terroristengruppen auf dieser Welt. Und zu den Symptomen dieser Krankheit zählen Gier und Gewalt."

Der Sithlord sah einen Funken des Begreifens in ihren Augen aufglimmen und fuhr fort, um ihn noch weiter anzufachen. "Fragt man in einem Krieg Kämpfer beider Seiten, sind alle davon überzeugt, für eine gerechte Sache zu kämpfen. Und warum? Weil ihre Anführer ihnen genau das eingeredet haben, da sonst keiner kämpfen würde - außer unter Zwang natürlich, wie es gegenwärtig beispielsweise im Kongo geschieht."

"Wie meint ihr das?"

"Nun, die Anführer der Konfliktparteien geben Kindern Waffen in die Hand und zwingen sie, für sie in den Krieg zu ziehen und andere Menschen für sie umzubringen."

"WAS?" Hotaru war völlig fassungslos. "Das...das ist widerwärtig!"

"So ist es." stimmte er ihr zu. "Natürlich könnten die westlichen Industrienationen genügend Druck ausüben, um solche Konflikte drastisch einzudämmen."

"Und warum tun sie es dann nicht?"

"Was denkst du, in welchen Nationen die Waffen und die Munition hergestellt werden, mit denen sich die Menschen in den ärmeren Ländern gegenseitig umbringen?" fragte er in einem fast schon unschuldigen Tonfall. "Und die Profite der Rüstungskonzerne reichen aus, damit auch für die Politiker was übrig bleibt. Außerdem hat es keinen Einfluß auf die Situation in den Industriestaaten, ob sich irgendwo in Afrika die Leute gegenseitig umbringen, und was keinen Einfluß auf die Lage im eigenen Land hat, ist für die Politiker des Landes unwichtig. Hilfsmaßnahme gibt es meistens nur, wenn das Chaos zu groß wird, und weil es gut für das Image einer Nation ist, wenn sie humanitäre Aktionen startet. Du siehst, dabei geht es im Grunde nicht um die Notleidenden, sondern nur um den Effekt der Hilfeleistung auf die eigene Bevölkerung oder wichtige politische Partner."

Der Gedanke trieb Hotaru die Zornesröte ins Gesicht.

"Ich bin froh, daß dich das genauso wütend macht wie mich und die anderen Schüler. Vielleicht werden wir uns eines Tages mit diesem Problem befassen können. Man sollte doch annehmen, daß diese Mißstände beseitigt werden müssen, damit die friedliche Ära, in der eure Prinzessin in Kristall-Tokyo regiert, anbrechen kann, oder?"

Hotaru nickte entschlossen.

"Diese Probleme MÜSSEN beseitigt werden."

Noch während sie überlegte, was sie in dieser Sache unternehmen konnte, betrat einer ihrer älteren Mitschüler den Thronsaal und überbrachte dem Meister eine Nachricht. Er schaute daraufhin kurz zu Hotaru rüber. Diese konnte zwar sein Gesicht nicht erkennen, erkannte aber an der Änderung der Körpersprache, daß er über irgendetwas besorgt war.

Als der Schüler den Saal wieder verließ, wandte er sich Hotaru zu und legte ihr fürsorglich die Hände auf die Schultern.

"Ich fürchte, heute ist nicht dein Tag, meine Schülerin." begann er mit großer Bestürzung in der Stimme. "Ein großes Unglück ist geschehen."

"Was denn?" fragte das Mädchen erschrocken.

Traxius deutete zu den Stufen am Fuß der Treppe, die zu seinem Thron führte.

"Setz dich." verlangte er.

Hotaru gehorchte verwirrt, und ihr Meister aktivierte einen Holoprojektor.

"Wie du ja weisst, verfolgen meine Mitarbeiter die Aktivitäten von Youma und anderen bösen Mächten. Das hier hat sich ereignet, während du mit Midori unterwegs warst, und erst gerade eben fiel einem Mitarbeiter im Archiv auf, daß es sich bei dem Gebäude dort um das Haus handelt, in dem du wohnst."

Hotaru verfolgte zunächst verwirrt, dann jedoch geschockt, die Situation aus dem Blickwinkel einer Überwachungsdrohne. Sie erkannte ihr Haus wieder. In einer der oberen Etagen blitzte plötzlich ein helles Licht auf, und die Kamera zoomte näher heran und mitten in ihre eigene Wohnung hinein. Mit vor Schreck weit aufgerissenen Augen mußte Hotaru mit ansehen, wie der reglose Leib ihrer Tante Setsuna von drei Youma regelrecht in Stücke gerissen wurde. Mitten in der Szene begann sich plötzlich alles um sie herum zu drehen. Würgend sank sie nach vorn und erbrach sich dann auf die Stufen am Fuß des Throns.

Ihr Lehrmeister schaltete die Aufnahme ab.

"Es...tut mir leid, daß ich dir das nicht ersparen konnte. Aber die Drohne hat später Aufnahmen der Senshi in der Nähe des Gebäudes gemacht, nachdem sie diese Youma vernichtet hatten, die bis dahin das ganze Gebäude verwüstet hatten. Anscheinend machen einige deiner Freunde in ihrem Kummer uns für diesen Angriff verantwortlich."

Hotaru hob zitternd ihren Kopf. Ihr Gesicht war bleich und tränennass. Sie bemühte sich, ihre Gefühle wenigstens für einen Augenblick unter Kontrolle zu bekommen. Eine fast übermenschliche Willensanstrengung.

"Entschuldigt mich, Meister, ich...ich möchte jetzt gern allein sein."

"Natürlich." Traxius entließ sie mit einer Handbewegung. "Wenn du reden willst, komm ruhig wieder her."

Hotaru nickte, tapfer weitere Tränen zurückhaltend. Dann floh sie regelrecht aus dem Thronsaal und zurück in ihr Zimmer, wo sie sich schließlich ihren Tränen überließ.

Ihr Meister rümpfte unterdessen ein wenig die Nase und orderte einen Reinigungstrupp in den Thronsaal.

Stundenlang lag sie auf ihrem Bett, weinte und schluchzte bitterlich. Und dann begannen die Gefühle der Trauer langsam Schuldgefühlen zu weichen. Eine Frage war in ihrem Bewußtsein aufgetaucht und nagte seitdem unablässig an ihr.

°Hätte ich sie retten können, wenn ich zu Hause gewesen wäre?°

Nachdem sie diese Frage so lange in ihrem Verstand hin und her geschoben hatte, daß sie schon glaubte, jeden Moment müsse ihr Kopf platzen, begann sie schließlich, über die Antwort nachzugrübeln.

Das Ergebnis war nicht sehr erbauend.

Als Sailor Saturn hätte sie die Youma vernichten können, aber nur, wenn sie dabei das gesamte Gebäude dem Erdboden gleich gemacht hätte. Da das unannehmbar war, hätte sie in der Situation wohl nicht viel ausrichten können. Und ihr Wissen um die Macht war noch nicht so weit fortgeschritten, daß sie sich den Einsatz der Macht in einem ernsthaften Kampf zugetraut hätte.

°Wenn ich doch nur stärker wäre. Dann könnte ich verhindern, daß so etwas noch einmal geschieht.°

Augenblicke später erhob sie sich von ihrem Bett und wischte sich trotzig die Tränen aus dem Gesicht.

°Ich WERDE stärker in der Macht werden. Und dann wird es keine solchen Probleme mehr geben.°

Mit einem Gesichtsausdruck, der eine Mischung aus Wut und Entschlossenheit war, machte sie sich auf den Weg in die Trainingshalle.

Sie mühte sich mehrere Stunden lang mit den vertrauten Übungen. Dann wurde ihr jedoch bewußt, daß Aktionen wie das machtgestützte Werfen von Steinen einen Youma nur geringfügig beeindrucken würden. Frustriert setzte sie sich in einer Meditationshaltung auf den Boden und begann darüber nachzudenken, was sie besser machen konnte.

Als Midori zwei Stunden später die Halle betrat, riß sie erschrocken die Augen auf und brachte sich mit einem machtunterstützten Sprung in Sicherheit.

"Was war denn das?" rief sie geschockt, nachdem sie gerade so einem Feuerball ausgewichen war.

Erst dann registrierte sie, daß das Innere der Halle aussah, als ob dort ein Panzerbataillon eine Woche lang mit scharfer Munition geübt hätte. Dann erblickte sie inmitten der Verwüstung Hotaru, die gerade auf der ausgestreckten Rechten einen weiteren Feuerball entstehen ließ und damit einen Stahlträger zu Schlacke zerschmolz.

"Hey, Hotaru! Was machst du da?"

Eine erschöpfte und verschwitzte Hotaru schaute auf und erblickte Midori fünfzehn Meter über dem Boden halb hinter einem Stahlträger der Dachkonstruktion verborgen hockend.

"Warum versteckst du dich?" fragte sie matt.

Midori sprang herunter und gesellte sich zu ihrer Mitschülerin. Als sie ihr aus der Nähe in die Augen sah, bemerkte sie das brennende Feuer fanatischen Eifers in ihnen.

"Ich bin gerade einem Feuerball ausgewichen. Du weisst nicht zufällig, wo der herkam, oder?" fragte sie halb bewundernd, halb scherzend.

"Oh." Hotaru schaute betreten zu Boden. "Vergib mir bitte. Ich wollte dich nicht verletzen."

"Schon in Ordnung. Aber wie machst du das?"

"Die Feuerbälle?"

Midori nickte.

"Was sonst?"

"Hitze entsteht durch Reibung. Also presse ich einfach eine Hand voll Luftmoleküle zusammen und versetze sie in so schnelle Bewegung, daß sie sich durch die Reibung aufheizen." erklärte sie der staunenden Midori. "Dabei entsteht eine Plasmakugel, und die kann ich werfen."

"Das habe ich gesehen." erwiderte Midori trocken. "Aber wie presst du die Luftmoleküle so leicht zusammen?"

"Na mit der Macht natürlich." antwortete Hotaru ein wenig verwirrt. "Du hast mir doch selbst gesagt, wenn ich ein Objekt bewegen will, spielt seine Größe keine Rolle. Du bezogst dich auf sehr große Dinge, aber ich dachte mir, es könnte ja auch für sehr kleine Dinge funktionieren."

"Genial." hauchte Midori bewundernd. "Auf die Idee ist meines Wissens noch niemand gekommen."

"Nicht? Aber ist das nicht naheliegend?"

"Schon, aber wenn du die Macht beherrscht, gibt es viel effektivere Methoden, um Schaden anzurichten."

Zum Beweis streckte Midori eine Hand von sich und demonstrierte Hotaru den Machtblitz.

"Nicht schlecht." fand Hotaru. "Das will ich auch lernen." Ein seltsames Glitzern trat in ihre Augen. Midori überlegte, was es sein könnte, daß diesen Blick verursachte, und kam zu dem Schluß, daß es ein Ausdruck von geradezu fanatischem Verlangen nach mächtigen Kampftechniken war.

"Für reine Kampftechniken brauchst du erst die Erlaubnis des Meisters."

"Verstehe." Hotaru nickte entschlossen. "Ich muß sowieso mit ihm sprechen. Und mit Zirkonite auch."

"Warum?"

"Ich brauche ihre Hilfe." erwiderte sie in einem Ton, der klarmachte, daß sie es nicht akzeptieren würde, wenn ihr diese Hilfe verweigert würde.