Disclaimer: Keine der Figuren gehört mir, und ich schreibe das hier nur,
weil ich gerade nichts besseres zu tun habe (nicht, um damit Geld zu
verdienen).
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°....° = jemand denkt
"...." = jemand sagt
{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)
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Darth Saturn - The Dark Harvest
Teil 14
Es war früher Morgen, und über diesem Teil der südirakischen Wüste herrschte friedliche Stille. Der Ort lag weit von den Städten und Dörfern entfernt, und es gab auch keine irakischen Truppen in der Nähe, wodurch auch für die Amerikaner und ihre Alliierten dieses Stück Sand uninteressant war. Noch.
Eine kleine, mattweiß lackierte Fähre störte den morgendlichen Frieden jedoch, aber nicht für lange. Plötzlich schien sich in einer Düne eine Lücke aufzutun, durch welche das kleine Luftschiff verschwand, als wenn es nie dagewesen wäre.
Zischend öffnete sich die schmale Einstiegsrampe der Fähre, nachdem die Landestützen des Schiffs den kalten Stahlboden des unterirdischen Hangars berührt hatten. Dampf waberte um die kleine Öffnung. Dampf, aus dem sich schon bald zwei Schemen hervorschälten, die gemessenen Schrittes aus dem Transporter traten.
Draußen, in einigem Abstand von der Rampe wartete eine Gruppe von Offizieren in braunen Uniformen. Rechts und links wurden sie von jeweils sechs Soldaten in weissen Vollkörperrüstungen flankiert, die in einer Ehrenformation angetreten waren, um dem Empfang der zwei hochgestellten Persönlichkeiten einen angemessenen Rahmen zu geben. Oder zumindest halbwegs angemessen, wie der Commander des Stützpunkts hoffte. Um ein ganzes Regiment antreten zu lassen, war in dem kleinen Hangar leider nicht genug Platz, und der große Haupthangar würde erst dann von außen zugänglich sein, wenn die Basis aus ihrem jahrzehntelangen Schlummer erwacht war.
Hotaru war sichtlich beeindruckt von dem Empfang, der Taichi bereitet wurde. Sie schritt langsam hinter ihm die Rampe der Fähre herab und nahm sich Zeit, um den unerwarteten und an einen Staatsempfang erinnernden Anblick zu verarbeiten.
"Die haben dir ja einen netten Empfang bereitet, Taichi." murmelte sie ziemlich leise.
Trotzdem hatte ihr Begleiter sie über das Zischen der Hydraulik hinweg gehört und drehte leicht den Kopf in ihre Richtung.
"Dieser Empfang gilt nicht nur mir." erklärte er gerade so laut, daß nur sie ihn verstehen konnte. "Du bist mindestens ebenso bedeutsam wie ich, also achte auf ein angemessenes Auftreten, Lady Saturn." setzte er mit einem schmalen Lächeln hinzu.
"Lady...Saturn?"
Jetzt verstärkte sich Taichis Lächeln.
"Ich werde es später erklären, Hotaru. Eine Überraschung, die der Meister sich überlegt hat, nachdem er von der Geschichte der Senshi erfahren hat."
Hotaru nickte zuversichtlich. Sie mochte keine Ungewißheit, aber wenn es eine Überraschung des Meisters war, dann reichte das als Beruhigung aus. Schließlich konnte sie ihm ja bedingungslos vertrauen.
Auf dem Rest des Weges wurde Taichi etwas langsamer, was Hotaru zuerst ebenfalls langsamer werden ließ. Bis sie begriff, daß er wollte, daß sie neben und nicht hinter ihm ging. Wie eine Gleichgestellte. Nicht wie eine untergebene Mitarbeiterin, die sie aufgrund ihres geringen Fachwissens ja nur war.
{Guten Morgen, Commander Staven.} begrüßte Taichi den Kommandeur der Basis, während er an ihm und seinem Stab vorbeiging.
Der Angesprochene begab sich unaufgefordert an Taichis linke Seite, da auf der Rechten bereits Hotaru ging, während sein Stab mit leichtem Abstand folgte.
{Guten Morgen, Lord Taichi, Lady Saturn.} entgegnete der Offizier ehrerbietig, während sie die Phalanx der Sturmtruppler abschritten. {Ich hoffe, ihre Reise war angenehm.}
Dank einem zweistündigen Crashkurs in Basic, den Hotaru vor ihrem Abflug an einer Hypno-Lernmaschine absolviert hatte, verstand sie diese Sprache inzwischen auch. Andernfalls wäre es ihr schwer gefallen, sich dem Personal des Stützpunkts verständlich zu machen, da kein Grund bestand, der Besatzung eines Stützpunkts am Persischen Golf Japanisch beizubringen.
{Dank der Vorfreude auf den Beginn unserer Operation.} gab Taichi knapp zurück. {Ich benötige einen Raum, in dem ich ungestört mit meiner Begleiterin reden kann. Anschließend wünsche ich einen Bericht über den aktuellen Missionsstand von ihnen.}
{Wie ihr wünscht, mein Lord.}
Für den Rest des Weges hüllte Taichi sich in Schweigen, und Hotaru beschloß, es ihm gleichzutun. Commander Staven führte sie zu einem leeren Konferenzraum in der Nähe der Zentrale des Stützpunkts und verließ sie dann, um sich auf die Berichterstattung vorzubereiten.
"Was willst du mit mir besprechen?" fragte Hotaru sofort.
"Ich habe von Zirkonite und Midori einen Bericht über deine Fortschritte erhalten, und ich bin beeindruckt." begann er.
"Danke." Hotaru errötete leicht. Es kam nicht oft vor, daß sie gelobt wurde, und das war ein schönes Gefühl. "Aber ich habe nur getan, was Midori und Zirkonite gesagt haben."
"Aber um genau das zu tun, was sie dir sagen, mußt du ihnen blindes Vertrauen entgegenbringen." erwiderte er. "Du mußt dich darauf verlassen können, daß sie dir keinen Schaden zufügen wollen. Und um genau das muß ich dich auch für unsere Zusammenarbeit bitten."
"Natürlich." Hotaru nickte bekräftigend.
"Gut. Denn der nächste Teil deiner Ausbildung wird für dich nicht einfach werden."
"Meine bisherige Ausbildung war auch nicht einfach." gab sie zurück.
"Aber auf andere Art." gab Taichi zurück. "Bisher ging es in erster Linie um deine körperlichen Grenzen und um deine Willenskraft. Das ist etwas völlig anderes als daß, was dir bevorsteht. Ich werde dir nämlich die Grundlagen der mentalen Manipulation beibringen, und auch wenn du diese Techniken möglicherweise nicht gerne anwenden wollen wirst, so ist es doch nötig, sie zu lernen."
Hotaru nickte langsam.
"Deine Worte klingen so, als ob es noch einen weiteren Haken gäbe."
Taichi hob anerkennend eine Augenbraue.
"Du bist wirklich klug. Es ist so, daß das Lernen dieser Techniken eine gewisse Rücksichtslosigkeit erfordert."
"Und trotzdem muß ich das lernen?" fragte sie zweifelnd.
"Es ist der nächste Schritt der Ausbildung." erwiderte er. "Aber es kann Situationen geben, in denen du diese Techniken benutzen kannst, um dir oder einer anderen Person das Leben zu retten. Außerdem hat es einen Grund, warum du das gerade hier lernen sollst."
"Und warum?"
"Hier kannst du es lernen, ohne ein menschliches Individuum zu schädigen, wenn dir ein Fehler unterläuft."
Hotaru schien erleichtert.
"Wenn das so ist, werde ich mir alle Mühe dabei geben."
"Gut." Taichi nickte zufrieden. "Wir beginnen, sobald wir uns Commander Stavens Bericht angehört haben."
{Berichten sie, Commander.} schnarrte Taichi kaum daß er die Zentrale betreten hatte.
Hotaru schaute sich unterdessen staunend in dem großen Raum um. Boden, Decke und Wände des mindestens zwanzig mal zwanzig Meter messenden Raums bestanden aus dunkelgrauem Metall, in das in regelmäßigen Abständen Leuchtfelder eingelassen waren. Es gab drei Türen, die von je zwei Sturmtrupplern bewacht wurden. An den Wänden waren Computerterminals angebracht, an denen Personal in brauner, schwarzer oder dunkelgrauer Uniform arbeitete. Zudem waren mehrere Arbeitstische über den Raum verteilt, um die sich Personen scharten, und ihren jeweiligen, Hotaru unbekannten, Tätigkeiten nachgingen. Die Mitte des Raums wurde von zwei großen, flachen Metallblöcken mit leuchtenden Oberflächen dominiert, über denen holographische Projektionen schwebten.
{Vor fünf Stunden haben wir über die Relaisstation der Köderbasis die Aufzeichnung ihrer Botschaft an die Regierungen der Amerikaner und ihrer Verbündeten übermittelt, bisher aber noch keine Antwort erhalten.}
{Was für eine Botschaft?} fragte Hotaru neugierig.
Halb rechnete sie damit, daß der Commander sie für die Unterbrechung zurechtweisen würde. Schließlich war sie ja noch ein Kind. Aber er gab ihr augenblicklich und bereitwillig Auskunft.
{Der Krieg gegen den Irak verstösst gegen das Völkerrecht, und ist demzufolge illegal, Lady Saturn.} erklärte er. {Im Namen der Föderation von Mikronesien haben wir gegen dieses Unrecht protestiert und die Aggressoren aufgefordert, die Kampfhandlungen einzustellen, sich unverzüglich zurückzuziehen und ihre Probleme mit dem Irak auf völkerrechtlich legitime Weise zu regeln. Andernfalls, so gaben wir zu verstehen, würden wir uns gezwungen sehen, den Irak zu unterstützen.}
{Föderation von Mikronesien?} fragte Hotaru zweifelnd. {Ich glaube nicht, daß das Eindruck machen wird.}
{Soll es auch nicht, Mylady.} entgegnete Staven. {Das Recht soll für sich sprechen. Würden wir diese berechtigte Forderung nach Einhaltung internationalen Rechts durch einen einflußreichen Staat durchsetzen wollen, würden manche vielleicht nur aufgrund dieses Einflusses dieser Forderung nachkommen.}
{Ich verstehe. Aber was haben wir mit Mikronesien zu tun?} fragte sie. {Welche Legitimation haben wir, um für Mikronesien zu sprechen?}
{Die Föderation Mikronesien ist ein kleines Inselreich mit etwa hunderttausend Einwohnern, und war bis vor dreizehn Jahren UN-Protektorat unter amerikanischer Verwaltung.} erklärte Taichi. {Vor sieben Jahren haben wir dort die Regierung übernommen.}
{Verstehe.}
{Wie sie an der globalen Holokarte sehen, sind die Stützpunkte für Operation Blackout einsatzbereit und erwarten ihr Kommando für den ersten Schlag, Lord Taichi.} Er deutete auf mehrere grüne Punkte, die auf einem holographischen Globus pulsierten.
{Was ist mit diesen da?} Taichi deutete auf zwei gelbe Punkte.
{Kleinere technische Probleme, die innerhalb der nächsten zehn Stunden behoben sein sollten, mein Lord.}
{Hmm. Hoffentlich. Fahren sie fort.}
{Die Mobilmachung auf unserem Stützpunkt ist zu 94% abgeschlossen. Die Techniker sind rund um die Uhr im Einsatz für die Endüberprüfung des Fahrzeugparks. Bis morgen abend stehen alle zweihunderttausend Mann, die hier stationiert sind, unter Waffen und sind marschbereit. Die drei anderen Stützpunkte haben bereits volle Einsatzbereitschaft für ihre Fahrzeuge erreicht, und werden innerhalb der nächsten fünf Stunden mit der Ausrüstung der Truppen fertig sein.}
{Sie rechnen also nicht damit, daß ihre Forderung nach Rückzug erfüllt werden?} meinte Hotaru skeptisch. {In dem Fall finde ich es ein wenig heuchlerisch, nur der Form halber eine derartige Forderung aufzustellen.}
{Sollten sie sich zurückziehen, Lady Saturn, werden diese Truppen als Friedenstruppen dienen.} erklärte Commander Staven dazu. {Außerdem wollen wir uns bemühen, im Rahmen internationalen Rechts zu agieren. Andernfalls können die Ergebnisse unserer Aktionen unmöglich eine legale Basis erhalten.}
{Commander! Wir orten zwei amerikanische Cruise Missiles mit Kurs auf Köderbasis!} rief plötzlich Jemand von einer der Konsolen.
{Legen sie es auf die Karte.} befahl Staven und trat an den zweiten Projektionstisch, der eine Karte des Iraks und der umgebenden Staaten zeigte. Kleine Symbole in verschiedenen Farben zeigten Positionen von Truppen im ganzen Land an, und Hotaru staunte über die Detailgenauigkeit, mit der dort alles dargestellt wurde.
{Wir haben einige Satelliten in Position, die die Situation im Kampfgebiet im Auge behalten.} erklärte Staven, als er Hotarus Staunen bemerkte. {Die Lage wird alle zwei Minuten aktualisiert.}
Ein Techniker manipulierte die Darstellung, und hob so die zwei Raketen aus dem Gewusel auf dem Schlachtfeld hervor. Stumm verfolgten die Anwesenden, wie die Raketen sich auf den Weg zu einer achtzig Kilometer nördlich des Hauptstützpunkts gelegenen Gebäudegruppe machten.
{Sind dort Leute in Gefahr?} fragte Hotaru besorgt.
{Nein.} erwiderte Taichi beruhigend. {Köderbasis ist völlig automatisiert.}
Wenige Minuten später war Köderbasis nur noch ein Haufen rauchender Ruinen.
{Das war ein Fehler.} bemerkte Taichi mit einem teils amüsierten, teils triumphierenden Lächeln.
{Ja. Anscheinend haben sie die Rückzugsforderung abgelehnt.} meinte Hotaru.
{Außerdem ist Köderbasis ein Gebäude, das zum Generalkonsulat der Föderation von Mikronesien gehört.} setzte Taichi erklärend hinzu. {Das bedeutet, die Amerikaner haben nicht irakischen Boden sondern mikronesisches Territorium bombardiert.}
{Was bedeutet?}
{Dies ist laut Kriegsvölkerrecht eine Kriegshandlung gegen Mikronesien, Mylady.} erklärte Staven. {Als solche ersetzt es eine bisher noch nicht erfolgte Kriegserklärung.}
Verständnis zeigte sich auf ihrem Gesicht.
{Also haben uns die Amerikaner gerade den Krieg erklärt.}
{Korrekt.}
{Und dies soll dann vermutlich militärische Aktionen unserer Truppen gegen die Amerikaner legitimieren, nicht wahr?}
Taichi nickte bestätigend.
{Das ist der Plan. Theoretisch könnten wir versuchen, diese Angelegenheit auf diplomatischem Weg zu regeln, und damit die Vernichtung unseres Konsulats abzugelten. Da wir aber Opfer eines unprovozierten Angriffs geworden sind, haben wir das Recht, zurückzuschlagen.}
{Den Buchstaben des Gesetzes nach vielleicht.} räumte Hotaru ein. {Da kenne ich mich nicht gut aus. Aber was ist mit dem moralischen Recht? Es ist doch ziemlich leicht, diesen Angriff als konstruierte Entschuldigung hinzustellen.}
{Das ist nur eine Frage der Perspektive.} widersprach Taichi. {Viele Nationen beugen sich dem Willen der Amerikaner, selbst wenn diese im Unrecht sind. Wir geben diesen Nationen die Möglichkeit zur freien Entscheidung zurück, indem wir Amerika als Machtfaktor eliminieren. Und dazu ist es notwendig, ihr gewaltiges Militärpotential zu reduzieren.}
Hotaru dachte für einige Minuten schweigend darüber nach.
{In Ordnung. Aus diesem Blickwinkel haben wir auch eine gewisse moralische Rechtsgrundlage.}
{Gut. Und wo das jetzt geklärt ist...unterrichten sie mich, wenn alle Stationen für Operation Blackout bereit sind, und schicken sie mir einen Sturmtruppencaptain in mein Quartier, Commander.} befahl Taichi. {Komm, Hotaru. Es wird nun Zeit für den nächsten Schritt deiner Ausbildung.}
Mit diesen Worten marschierte der junge Mann aus der Zentrale. Hotaru folgte ihm mit eifrigem Gesichtsausdruck. Wenn Taichi ein genauso guter Lehrer war wie Midori, dann würde sie noch heute erste Fortschritte auf ihrem Weg machen.
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Entgegen der üblichen Praxis fand das nächste Treffen der Inneren Senshi nicht im Hikawa-Schrein sondern bei Ami statt. Diese hatte darauf bestanden, weil sie ihren Computer benötigte, und sie eventuell schnellen Zugriff auf Dinge benötigen konnte, die sie nur zu Hause zur Verfügung hatte.
"Nicht zum Aushalten." grummelte Rei, die es sich auf Amis Bett bequem gemacht hatte. "Selbst mitten in einer Krise schafft sie es nicht, pünktlich hier zu sein."
"Reg dich nicht auf." empfahl ihr Minako, die sich mal wieder auf Amis Sofa lümmelte, mit einem breiten Grinsen. "Wenn du willst, daß sie pünktlich ist, mußt du unsere Treffen in ein Eiscafe verlegen."
"Hast du inzwischen etwas über den Verbleib von Makoto herausfinden können, Rei?" warf Artemis ein wenig nervös ein. Es war unübersehbar, daß er sich Sorgen machte.
Rei schüttelte bedauernd und frustriert zugleich den Kopf.
"Tut mir leid, Artemis. Ich habe es gestern stundenlang versucht, aber es scheint, als würden größere Probleme ihre Schatten werfen, wodurch mir der Blick auf Einzelschicksale erschwert wird."
"Was für Probleme?" fragten die Anwesenden unisono.
"Chaos." antwortete Rei. "Die ganze Welt schien im Chaos zu versinken."
"Was...ist mit...Chaos?" japste jemand von Amis Zimmertür aus.
"Auch schon da?" versetzte Rei bissig. "Was ist passiert? Hast du den Weg nicht gefunden, oder war irgendein Sonderangebot im Eiscafe um die Ecke wichtiger als die Rettung der Welt? Das hier ist verdammt noch mal eine Krisensitzung. Kein Kaffeekränzchen."
"Rei!" riefen Ami und Minako tadelnd. Eine Fortsetzung des Streits vom letzten Treffen konnten sie jetzt wirklich nicht gebrauchen.
"Ist doch wahr!" schnaubte Rei und deutete anklagend auf Usagi, die scheinbar wieder kurz vor einem Heulanfall stand. "Wir haben hier ernste Probleme, aber unsere Anführerin schafft es nicht mal, pünktlich zu erscheinen."
"Aber..."
Rei wischte Usagis Versuch einer Verteidigung mit einer Handbewegung zur Seite und fuhr ihr grob ins Wort.
"Alles, was ich verlange, ist, daß unsere Anführerin sich dann, wenn es drauf ankommt, auch wie eine Anführerin verhält. Aber das geht in ihren blöden Dickschädel wohl einfach nicht rein."
In Usagi begann sich Trotz zu regen.
"Besserwisserin." schnaufte sie und streckte Rei die Zunge raus.
Jacen hatte genug von dem Streit und verschwand kopfschüttelnd aus dem Zimmer. Als er zurückkam, war der Streit trotz Amis und Minakos Bemühungen weiter eskaliert. An Stelle von mit Beleidigungen garnierten Argumenten warfen sie nun nur noch mit Beleidigungen um sich.
Bis Jacen die beiden kleinen Eimer, die er in der Küche mit eiskaltem Wasser gefüllt hatte, mit der Macht über die Köpfe der beiden Streithennen schweben ließ, wo er sie gleichzeitig über ihnen entleerte.
Rei und Usagi schnappten geräuschvoll nach Luft, als die Überraschung sie zusammen mit dem Kälteschock erwischte, und warfen wütende Blicke auf den jungen Jedi. Die zwei Mädchen schienen kurz davor zu stehen, auf ihn loszugehen.
Ami und Minako waren ebenfalls von der Aktion überrascht worden, reagierten aber, als sie ihre Verblüffung überwunden hatten, völlig anders als die beiden Opfer. Sie mußten so heftig lachen, daß sie den Halt verloren, und auf das Sofa kippten - ohne allerdings mit dem Lachen aufhören zu können.
"Uneinigkeit.", erklärte Jacen mit ruhiger Stimme, bevor Rei und Usagi wirklich auf ihn losgingen, "Uneinigkeit im Kampf gegen das Böse. Das war es, was den Untergang der Alten Republik ermöglicht hat, und durch die Geburt des Imperiums und den anschließenden Krieg zu dessen Vernichtung Milliarden von Lebewesen auslöschte."
Die beiden nassen Senshi machten daraufhin betretene Gesichter.
"Die Natur der Dunklen Seite ist es, zunächst im Verborgenen zu operieren, bis sie sich stark genug wähnt, dem Licht gegenüberzutreten. Im Moment sind unsere Gegner noch nicht stark genug dazu, sonst hätten sie sich längst gezeigt. Aber mit jedem Augenblick, den ihr durch unsinnige Streitereien verschwendet, wird der Feind stärker werden, denn von einer Tatsache könnt ihr ausgehen: Er ist wohlorganisiert und arbeitet mit aller Kraft auf die Erfüllung seiner Ziele hin."
"Die da wären?" fragte Luna, Usagis schwarzfellige, felline Beraterin mit der für sie typischen Neugier.
"Die Übernahme der absoluten Kontrolle über jedes erreichbare intelligente Lebewesen." entgegnete Jacen schlicht.
Nach dieser Ankündigung schien es im Raum merklich kühler zu werden.
"So. Und nun schlage ich vor, wir widmen uns der Diskussion gewisser Probleme und vertagen etwaige Erziehungsversuche" - er warf Rei einen eindringlichen Blick zu - "auf einen späteren Zeitpunkt."
Rei nickte zögerlich und hielt dann Usagi eine Hand hin.
"Tut mir leid." murmelte sie.
Usagi ergriff lächelnd die Hand und schüttelte sie.
"Mir auch, Rei."
Ami reichte den Beiden Handtücher und drückte Jacen dann einen Eimer und einen Aufnehmer in die Hand. Als Jacen ihr die Sachen abnahm, drückte sie sanft seine Hand. Der junge Jedi schaute sie ein wenig überrascht an, verstand dann aber schnell, als er den stummen Dank in ihren Augen las.
Sein Blick veränderte sich kurz, und ohne daß ein Wort nötig gewesen wäre, verstand auch Ami, was er sagen wollte. Gern geschehen, und jederzeit wieder.
"Also, Rei, was wolltest du über das Feuerorakel berichten?" nahm Ami den Faden wieder auf, wo er durch Usagis verspätetes Erscheinen verlorengegangen war.
"Als ich nach einem Hinweis auf Makoto suchte, fiel mir auf, daß es schwerer als üblich war, mich auf Einzelschicksale zu konzentrieren." begann sie. "Ich sah Bilder von weltweitem Chaos, möglicherweise einem großen Krieg. Blitze fuhren donnernd aus dem Himmel und zerstörten ganze Städte, und ein infernalisches, durch Mark und Bein dringendes Jaulen überlagerte alle anderen Sinneseindrücke."
"Und warum hindert dich das daran, was über Makoto zu erfahren?" fragte Minako verständnislos.
Rei dachte kurz nach, wie sie es am Besten veranschaulichen konnte.
"Stell dir einen Teich vor, in den jemand einen kleinen Kieselstein geworfen hat." versuchte sie eine Erklärung. "Der Kieselstein steht für Makoto und die Wellen, die er auf der Oberfläche des Teichs erzeugt, stehen für Ereignisse, die mit ihr in Verbindung stehen." Sie schaute Minako fragend an, und diese nickte. Bis hierhin war alles klar.
"Wenn nun jemand einen anderen Stein in den Teich wirft, der ja ebenfalls Wellen erzeugt, macht das die Suche nach den Wellen von Makotos Kiesel schwieriger. Vor allem wenn der zweite Stein sehr nah bei Makotos Kiesel ins Wasser fällt, oder er sehr groß ist."
"Und was denkst du, ist hier der Fall?" fragte Luna besorgt.
"Ich hoffe ersteres, aber bei der alles überlagernden Intensität dieser Visionen fürchte ich, daß es letzteres ist."
"Oder beides." warf Jacen ein, der Dank der Macht schneller als erwartet mit der Entfernung der Pfütze fertig geworden war. "Es wäre auch denkbar, daß du diese Visionen erhälst, weil der Verantwortliche für das Chaos auch für Makotos Verschwinden verantwortlich ist."
"Das wäre auch eine Möglichkeit." stimmte Rei langsam zu. Von Sekunde zu Sekunde wurde die junge Priesterin immer besorgter.
"Aber was tun wir dagegen?" fragte Usagi in einem überraschenden Anfall von Initiative und Entschlossenheit. Rei starrte sie verblüfft an, während sie weitersprach. "Ich denke nämlich nicht, daß Makoto freiwillig dort ist, wo auch immer sie gerade sein mag."
"Möglicherweise haben wir eine Spur gefunden." warf Ami hoffnungsvoll ein.
"Zu Makoto?" fragte Usagi aufgeregt.
"Nicht direkt." bremste sie den Enthusiasmus ihrer Anführerin. "Aber möglicherweise zu den Verantwortlichen für die Probleme."
Mit diesen Worten aktivierte sie ihren Computer und rief eine Datei auf. Das erste Bild zeigte ein kreisförmiges Logo mit einem symmetrischen Muster darin, in dessen Mitte die Schriftzeichen für Tenchi standen. Himmel und Erde.
"Das ist das Logo der Tenchi Corporation." staunte Minako. "Was hat denn ein Großunternehmen damit zu tun?"
"Vielleicht wieder eine Tarnung für einen unserer alten Feinde." schlug Usagi vor. "Denkt an die vielen Youma, Daimons und an die Leute vom schwarzen Mond. Die haben doch oft genug irgendwelche Geschäfte als Tarnung benutzt."
"Überraschend gut gedacht." lobte Rei die zukünftige Königin beeindruckt.
"Aber dieses Unternehmen existiert bereits seit kurz nach dem zweiten Weltkrieg." wandte Ami ein. "Es ist unwahrscheinlich, daß tatsächlich alte Bekannte von uns dahinterstecken. Abgesehen davon war es das Firmenlogo, das uns auf die Spur gebracht hat. Keine verdächtigen Aktivitäten."
Die anderen Senshi schauten sie fragend und verständnislos zugleich an.
"Das Logo dieses Unternehmens ist, abgesehen von den Schriftzeichen in der Mitte, identisch mit dem Staatssymbol des Imperiums." erklärte Jacen an Amis Stelle. "Das brachte mich zu der Vermutung, daß das Imperium möglicherweise eine Möglichkeit entwickelt hat, die mit Sicherheit gewaltige Distanz zwischen dem imperialen Raum und der Erde zu überwinden. Vielleicht haben sie hier einen Vorposten errichtet, und ich bin irgendwie ohne Absicht des Verursachers ebenfalls hierher transportiert worden."
"Auch wenn es einen großen Zeitunterschied gibt, wäre das immerhin eine Erklärung für sein auftauchen hier bei uns." fügte Ami hinzu.
"Warum Zeitunterschied?" fragte Usagi.
"Wenn Jacen Recht hat, befinden sich bereits seit fast sechzig Jahren Imperiale hier auf der Erde. Immerhin gibt es den Konzern schon so lange." erklärte Ami. "Aber eine fragwürdige Spur ist besser als gar keine Spur, und deshalb habe ich mir einen Überblick über die Struktur des Unternehmens verschafft."
Spätestens jetzt hatte sie die volle Aufmerksamkeit aller Anwesenden.
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Ravana blickte von dem Bericht auf ihrem Monitor auf, als es an ihrer Bürotür klopfte.
"Herein."
Ein schwarzuniformierter Captain des Geheimdiensts betrat darufhin ihren Arbeitsraum. Auch ohne die Macht konnte sie erkennen, daß er über irgendetwas besorgt war.
"Sie sehen aus, als hätten sie ein Problem, Captain Toran."
Der Offizier nickte knapp. Dann reichte er ihr eine kleine Aktenmappe. Der Deckel war mit einer Standard-ID-Marke versehen, die die Archivverwaltung wesentlich vereinfachte. Anhand einiger Kennbuchstaben, die Teil dieser Marke waren, erkannte die Rotmähnige in dieser Dokumentensammlung einen Bericht aus der Abteilung für Spionageabwehr.
°Interessant.°
Dann fiel ihr Blick auf die Kennung in der Zeile, die die Überschrift 'Status' trug, und sofort beschloß sie, daß 'Interessant' eine Untertreibung war.
"Was hat denn die Leute von der Abwehr so aufgeschreckt, daß sie einem ihrer Berichte die höchstmögliche Dringlichkeitsstufe zuweisen?" fragte sie den Captain interessiert.
"Wie sie vielleicht wissen, unterhält die Tenchi Corporation eine umfangreiche Homepage. Genauso wie die verschiedenen Tochterunternehmen."
"Sicher."
"Was sie möglicherweise nicht wissen, ist, daß die Abwehr ein automatisches Tracerprogramm auf allen unseren Infoseiten abgelegt hat, das sämtliche Anfrageoperationen, die von außerhalb an unsere Server gerichtet werden, bis zu ihrer Ursprungsadresse zurückverfolgt."
"Das wußte ich tatsächlich nicht." gab Ravana mit einem knappen Lächeln zu. "Aber sie sollten langsam zur Sache kommen, Captain."
"Komplexe semi-autonome Wachprogramme haben die Aufgabe, die Spionageabwehr zu alarmieren, wenn ein Zugriff von einer kritischen Adresse aus erfolgt. Kritische Adressen gehören zu Computern einiger Regierungen, nationaler Geheimdienste, Konkurrenzfirmen und einigen anderen Subjekten, die es irgendwie auf die Schwarze Liste der Spionageabwehr geschafft haben. Eine weitere Aufgabe dieser Programme ist die Analyse der Tracerprotokolle auf ungewöhnliche Muster."
"Und was für ein Muster haben sie entdeckt?" fragte Ravana mit wachsender Ungeduld.
"Abfragen zu Tätigkeitsfeldern und Unternehmensstruktur des Mutterkonzerns und einer sehr großen Zahl weiterer Sub- und Tochterfirmen sowie assoziierter Konzerne erfolgte innerhalb weniger Stunden über eine Hochgeschwindigkeitsverbindung, die zur IP-Adresse einer gewissen Ami Mizuno gehört, einer Schülerin der Juuban Senior Highschool hier in Tokyo." ließ der Captain schließlich die Katze aus dem Sack. "Alles deutet darauf hin, daß sie sich bemüht, ein Profil unseres Konzerns zu erstellen."
"Irgendwoher kommt mir der Name bekannt vor." murmelte die dunkle Jedi nachdenklich. Dann hatte sie einen Einfall und rief nochmal die Akte Makoto Kino auf. Dort wählte sie den Unterpunkt 'Klassenliste', und dann hatte sie es.
"Diese Ami Mizuno ist eine Mitschülerin unserer Senshi." staunte sie angesichts der Implikationen. "Anscheinend sind sie uns irgendwie auf die Spur gekommen."
Sie dachte einen Moment lang schweigend nach. Kalkulierte mit kalter Präzision potentielle Nebenwirkungen ihrer Entscheidungen, und kam schließlich nach einigen Minuten zu einem einigermassen sinnvollen Plan.
"Übergeben sie eine Kopie hiervon an Major Ravin." befahl sie. "Seine Abteilung soll ein Straftatszenario für diese Ami Mizuno entwickeln, das sich auf Befehl hin schnell umsetzen läßt und zu ihrem Charakterprofil passt."
"Jawohl."
"Außerdem will ich, daß sie Mizunos Computeraktivitäten von nun an genauestens überwachen."
"Das habe ich bereits veranlaßt."
"Gut." Sie lächelte kühl. "Ich mag Untergebene, die ihren Kopf benutzen können. Und nun erledigen sie ihre Aufgaben. Ich werde Lord Traxius über diese neue Entwicklung informieren."
Captain Toran salutierte zackig und verließ dann den Raum, um seine Befehle auszuführen.
Ravana schrieb eine kurze Erklärung des Problems und schickte diese dann über das Intranet der Firma an Midori, da sie die Meinung ihrer jüngeren Kollegin in Fragen wie diesen zu schätzen wußte. Danach machte sie sich auf den Weg zu Lord Traxius.
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Als Ravana den Thronsaal ihres Herrn und Meisters betrat, platzte sie mitten in eine Besprechung. Über mehreren kreisförmigen Holoprojektoren standen Abbilder hochrangiger Befehlshaber in Lord Traxius Organisation.
"Ah, Ravana." begrüßte der Dunkle Lord sie gutgelaunt und deutete auf einen markierten Bereich am Fuß der Treppe vor seinem Thron. Es war eines von drei für Holokonferenzen vorgesehenen Aufnahmefeldern. Auf einem weiteren Feld stand bereits Zirkonite und nickte ihr grüßend zu.
Als sie diese Zone betrat, reagierte ein Bewegungsmelder darauf, und aktivierte das Holokommsystem für den Bereich, wodurch sie nun auch für die anderen Teilnehmer der Konferenz sichtbar wurde.
"Was führt dich her, meine Schülerin?"
Sie fasste in wenigen Worten zusammen, was Captain Toran ihr so langatmig auseinandergesetzt hatte. Als sie fertig war, stand auf den Gesichtern der meisten Anwesenden eine Mischung aus Sorge und Neugier. Sorge um die Einhaltung des Zeitplans des sehr komplexen Projekts, und Neugier auf Ravanas Lösungsvorschläge.
"Ich denke nicht, daß die Senshi ein Problem für die globale Durchsetzung des Plans bedeuten." bemerkte Maurice, ein gutaussehender, dunkelhaariger Franzose in Ravanas Alter, und ebenfalls Schüler des Sithlords. "Aber wenn sie hinter das Geheimnis kommen - und spätestens wenn unsere militärischen Aktionen beginnen, Wirkung zu zeigen, werden sie anfangen zu begreifen - könnte der Standort des Hauptquartiers in Tokyo gefährdet sein."
"Operation Blackout kann von ihnen nicht beeinflußt werden, und ich bezweifle, daß sie unser Eingreifen im Nahen Osten mitbekommen werden. Jedenfalls nicht, bevor dort alles erledigt ist." wandte Ken ein. "Da vertraue ich Taichi und der neuen Schülerin schon."
Maurice nickte.
"Zugegeben, Ken. Mir und Kevin werden sie in Europa auch kaum in die Quere kommen. Dafür ist die Distanz viel zu groß."
"Korrekt. Und die Stützpunkte, von denen aus wir die Kontrolle über den Pazifikraum und Ozeanien übernehmen, sind gut versteckt und viel zu weit verstreut, als daß sie mehr als nur ein oberflächliches Ärgernis darstellen könnten." stimmte Ken mit einem arroganten Grinsen zu.
"Wie ist die Lage in China?" fragte Ravana.
"Wir haben vor fünfzehn Stunden mit der Reaktivierungssequenz für unsere Truppen begonnen." informierte sie General Craiden. "Zwölftausend Drohnen vom Typ II wurden heimlich über die Grenze in den russischen Raum entsandt, um Geländedaten zu sammeln und Lebensformen und versteckte militärische Einrichtungen in Sibirien und den China benachbarten Gebieten der ehemaligen Sowjetunion aufzuspüren. Aufklärungsdrohnen für Afghanistan stehen ebenfalls in Kürze bereit."
"Unsere Verbündeten in China und Nordkorea stehen auf dem Sprung und warten nur noch auf den großen Knall, mit dem Amerikas militärische Dominanz platzt." fügte Kaori mit einem düsteren Lächeln hinzu.
"Der Staatsstreich steht also kurz bevor?"
"Die Hardliner unter den Militärs haben in den letzten Wochen guten Gebrauch von der abgeschwächten Form des Krytos-Virus gemacht, die wir ihnen überlassen haben, Ravana." erklärte Kaori ungerührt von dem Leid, welches das Virus, dem die Menschen auf der Erde den Namen SARS gegeben hatten, verursacht hatte. "Die Epidemiebekämpfung und die damit einhergehende Panik hat zusammen mit dem offenkundigen Versagen der korrupten Zivilbürokratie dazu geführt, daß das Militär weitreichende Aktionsvollmachten bekommen hat, die unsere Verbündeten als Nebelwand für ihre eigenen Vorbereitungen nutzen konnten."
"Das aus dem Umsturz und den damit einhergehenden weiteren Aktivitäten der Hardliner resultierende Chaos in China wird uns für unsere Operationen in den umliegenden Territorien den Rücken freihalten." ergänzte General Craiden die Erklärung um eine weitere strategische Komponente.
"Außerdem dient uns das Chaos später als vorzügliche Entschuldigung, selbst in China einzugreifen." stellte Lord Traxius fest. "Wenn sie sich ins Chaos stürzen, ist es doch schließlich unsere Pflicht, sie vor sich selbst zu retten, und in geordnete Verhältnisse zurückzuführen."
"Die Frage, wie wir die Gefahr durch die Senshi ausschalten können, ohne dabei gleich die Senshi auszuschalten, ist aber noch immer unbeantwortet." warf Maurice kurz darauf ein.
"Sollten sie uns zu nahe kommen, eröffnen wir eine zweite Front." schlug Zirkonite vor.
"Wie das?" fragte Ravana.
"Ich gebe ihnen was zu tun, damit wir in Ruhe unsere eigentlichen Ziele verfolgen können." erklärte sie. "Dann brauchen wir uns erst mit ihnen befassen, wenn wir es wollen."
Ravana lächelte verstehend.
"Du willst ihnen Youma auf den Hals schicken, nicht wahr?"
"Wenn sie täglich ein paar Youma abschlachten müssen, werden sie gar nicht die Zeit haben, auf dumme Gedanken zu kommen." kicherte Zirkonite. "Außerdem werden sie Tokyo unter keinen Umständen verlassen, solange für die Stadt eine Gefahr durch Youma besteht."
"Dann wäre das also geklärt." stellte der Sithlord zufrieden fest. "Aber vergiß nicht, Zirkonite, daß ich die Senshi für meine späteren Pläne lebend benötige."
"Ja, mein Lord."
"Eine Sache noch." verkündete der Sithlord. "General Craiden, Kaori-san, beginnt unverzüglich mit der Inbetriebnahme von Hades und verlegt euer Hauptquartier dorthin, sobald dort alles bereit ist."
Die zwei Angesprochenen nickten bestätigend.
Dann beendete Traxius die Besprechung mit einem Wink seiner knochigen Hand, und die Hologramme lösten sich nach einer letzten Verneigung eines nach dem anderen in Nichts auf. Zuletzt verneigten sich Zirkonite und Ravana vor ihrem Meister und überließen ihn seiner Meditation, während sie selbst sich auf den Weg machten, um die nächsten Überraschungen für die Senshi vorzubereiteten.
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°....° = jemand denkt
"...." = jemand sagt
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Darth Saturn - The Dark Harvest
Teil 14
Es war früher Morgen, und über diesem Teil der südirakischen Wüste herrschte friedliche Stille. Der Ort lag weit von den Städten und Dörfern entfernt, und es gab auch keine irakischen Truppen in der Nähe, wodurch auch für die Amerikaner und ihre Alliierten dieses Stück Sand uninteressant war. Noch.
Eine kleine, mattweiß lackierte Fähre störte den morgendlichen Frieden jedoch, aber nicht für lange. Plötzlich schien sich in einer Düne eine Lücke aufzutun, durch welche das kleine Luftschiff verschwand, als wenn es nie dagewesen wäre.
Zischend öffnete sich die schmale Einstiegsrampe der Fähre, nachdem die Landestützen des Schiffs den kalten Stahlboden des unterirdischen Hangars berührt hatten. Dampf waberte um die kleine Öffnung. Dampf, aus dem sich schon bald zwei Schemen hervorschälten, die gemessenen Schrittes aus dem Transporter traten.
Draußen, in einigem Abstand von der Rampe wartete eine Gruppe von Offizieren in braunen Uniformen. Rechts und links wurden sie von jeweils sechs Soldaten in weissen Vollkörperrüstungen flankiert, die in einer Ehrenformation angetreten waren, um dem Empfang der zwei hochgestellten Persönlichkeiten einen angemessenen Rahmen zu geben. Oder zumindest halbwegs angemessen, wie der Commander des Stützpunkts hoffte. Um ein ganzes Regiment antreten zu lassen, war in dem kleinen Hangar leider nicht genug Platz, und der große Haupthangar würde erst dann von außen zugänglich sein, wenn die Basis aus ihrem jahrzehntelangen Schlummer erwacht war.
Hotaru war sichtlich beeindruckt von dem Empfang, der Taichi bereitet wurde. Sie schritt langsam hinter ihm die Rampe der Fähre herab und nahm sich Zeit, um den unerwarteten und an einen Staatsempfang erinnernden Anblick zu verarbeiten.
"Die haben dir ja einen netten Empfang bereitet, Taichi." murmelte sie ziemlich leise.
Trotzdem hatte ihr Begleiter sie über das Zischen der Hydraulik hinweg gehört und drehte leicht den Kopf in ihre Richtung.
"Dieser Empfang gilt nicht nur mir." erklärte er gerade so laut, daß nur sie ihn verstehen konnte. "Du bist mindestens ebenso bedeutsam wie ich, also achte auf ein angemessenes Auftreten, Lady Saturn." setzte er mit einem schmalen Lächeln hinzu.
"Lady...Saturn?"
Jetzt verstärkte sich Taichis Lächeln.
"Ich werde es später erklären, Hotaru. Eine Überraschung, die der Meister sich überlegt hat, nachdem er von der Geschichte der Senshi erfahren hat."
Hotaru nickte zuversichtlich. Sie mochte keine Ungewißheit, aber wenn es eine Überraschung des Meisters war, dann reichte das als Beruhigung aus. Schließlich konnte sie ihm ja bedingungslos vertrauen.
Auf dem Rest des Weges wurde Taichi etwas langsamer, was Hotaru zuerst ebenfalls langsamer werden ließ. Bis sie begriff, daß er wollte, daß sie neben und nicht hinter ihm ging. Wie eine Gleichgestellte. Nicht wie eine untergebene Mitarbeiterin, die sie aufgrund ihres geringen Fachwissens ja nur war.
{Guten Morgen, Commander Staven.} begrüßte Taichi den Kommandeur der Basis, während er an ihm und seinem Stab vorbeiging.
Der Angesprochene begab sich unaufgefordert an Taichis linke Seite, da auf der Rechten bereits Hotaru ging, während sein Stab mit leichtem Abstand folgte.
{Guten Morgen, Lord Taichi, Lady Saturn.} entgegnete der Offizier ehrerbietig, während sie die Phalanx der Sturmtruppler abschritten. {Ich hoffe, ihre Reise war angenehm.}
Dank einem zweistündigen Crashkurs in Basic, den Hotaru vor ihrem Abflug an einer Hypno-Lernmaschine absolviert hatte, verstand sie diese Sprache inzwischen auch. Andernfalls wäre es ihr schwer gefallen, sich dem Personal des Stützpunkts verständlich zu machen, da kein Grund bestand, der Besatzung eines Stützpunkts am Persischen Golf Japanisch beizubringen.
{Dank der Vorfreude auf den Beginn unserer Operation.} gab Taichi knapp zurück. {Ich benötige einen Raum, in dem ich ungestört mit meiner Begleiterin reden kann. Anschließend wünsche ich einen Bericht über den aktuellen Missionsstand von ihnen.}
{Wie ihr wünscht, mein Lord.}
Für den Rest des Weges hüllte Taichi sich in Schweigen, und Hotaru beschloß, es ihm gleichzutun. Commander Staven führte sie zu einem leeren Konferenzraum in der Nähe der Zentrale des Stützpunkts und verließ sie dann, um sich auf die Berichterstattung vorzubereiten.
"Was willst du mit mir besprechen?" fragte Hotaru sofort.
"Ich habe von Zirkonite und Midori einen Bericht über deine Fortschritte erhalten, und ich bin beeindruckt." begann er.
"Danke." Hotaru errötete leicht. Es kam nicht oft vor, daß sie gelobt wurde, und das war ein schönes Gefühl. "Aber ich habe nur getan, was Midori und Zirkonite gesagt haben."
"Aber um genau das zu tun, was sie dir sagen, mußt du ihnen blindes Vertrauen entgegenbringen." erwiderte er. "Du mußt dich darauf verlassen können, daß sie dir keinen Schaden zufügen wollen. Und um genau das muß ich dich auch für unsere Zusammenarbeit bitten."
"Natürlich." Hotaru nickte bekräftigend.
"Gut. Denn der nächste Teil deiner Ausbildung wird für dich nicht einfach werden."
"Meine bisherige Ausbildung war auch nicht einfach." gab sie zurück.
"Aber auf andere Art." gab Taichi zurück. "Bisher ging es in erster Linie um deine körperlichen Grenzen und um deine Willenskraft. Das ist etwas völlig anderes als daß, was dir bevorsteht. Ich werde dir nämlich die Grundlagen der mentalen Manipulation beibringen, und auch wenn du diese Techniken möglicherweise nicht gerne anwenden wollen wirst, so ist es doch nötig, sie zu lernen."
Hotaru nickte langsam.
"Deine Worte klingen so, als ob es noch einen weiteren Haken gäbe."
Taichi hob anerkennend eine Augenbraue.
"Du bist wirklich klug. Es ist so, daß das Lernen dieser Techniken eine gewisse Rücksichtslosigkeit erfordert."
"Und trotzdem muß ich das lernen?" fragte sie zweifelnd.
"Es ist der nächste Schritt der Ausbildung." erwiderte er. "Aber es kann Situationen geben, in denen du diese Techniken benutzen kannst, um dir oder einer anderen Person das Leben zu retten. Außerdem hat es einen Grund, warum du das gerade hier lernen sollst."
"Und warum?"
"Hier kannst du es lernen, ohne ein menschliches Individuum zu schädigen, wenn dir ein Fehler unterläuft."
Hotaru schien erleichtert.
"Wenn das so ist, werde ich mir alle Mühe dabei geben."
"Gut." Taichi nickte zufrieden. "Wir beginnen, sobald wir uns Commander Stavens Bericht angehört haben."
{Berichten sie, Commander.} schnarrte Taichi kaum daß er die Zentrale betreten hatte.
Hotaru schaute sich unterdessen staunend in dem großen Raum um. Boden, Decke und Wände des mindestens zwanzig mal zwanzig Meter messenden Raums bestanden aus dunkelgrauem Metall, in das in regelmäßigen Abständen Leuchtfelder eingelassen waren. Es gab drei Türen, die von je zwei Sturmtrupplern bewacht wurden. An den Wänden waren Computerterminals angebracht, an denen Personal in brauner, schwarzer oder dunkelgrauer Uniform arbeitete. Zudem waren mehrere Arbeitstische über den Raum verteilt, um die sich Personen scharten, und ihren jeweiligen, Hotaru unbekannten, Tätigkeiten nachgingen. Die Mitte des Raums wurde von zwei großen, flachen Metallblöcken mit leuchtenden Oberflächen dominiert, über denen holographische Projektionen schwebten.
{Vor fünf Stunden haben wir über die Relaisstation der Köderbasis die Aufzeichnung ihrer Botschaft an die Regierungen der Amerikaner und ihrer Verbündeten übermittelt, bisher aber noch keine Antwort erhalten.}
{Was für eine Botschaft?} fragte Hotaru neugierig.
Halb rechnete sie damit, daß der Commander sie für die Unterbrechung zurechtweisen würde. Schließlich war sie ja noch ein Kind. Aber er gab ihr augenblicklich und bereitwillig Auskunft.
{Der Krieg gegen den Irak verstösst gegen das Völkerrecht, und ist demzufolge illegal, Lady Saturn.} erklärte er. {Im Namen der Föderation von Mikronesien haben wir gegen dieses Unrecht protestiert und die Aggressoren aufgefordert, die Kampfhandlungen einzustellen, sich unverzüglich zurückzuziehen und ihre Probleme mit dem Irak auf völkerrechtlich legitime Weise zu regeln. Andernfalls, so gaben wir zu verstehen, würden wir uns gezwungen sehen, den Irak zu unterstützen.}
{Föderation von Mikronesien?} fragte Hotaru zweifelnd. {Ich glaube nicht, daß das Eindruck machen wird.}
{Soll es auch nicht, Mylady.} entgegnete Staven. {Das Recht soll für sich sprechen. Würden wir diese berechtigte Forderung nach Einhaltung internationalen Rechts durch einen einflußreichen Staat durchsetzen wollen, würden manche vielleicht nur aufgrund dieses Einflusses dieser Forderung nachkommen.}
{Ich verstehe. Aber was haben wir mit Mikronesien zu tun?} fragte sie. {Welche Legitimation haben wir, um für Mikronesien zu sprechen?}
{Die Föderation Mikronesien ist ein kleines Inselreich mit etwa hunderttausend Einwohnern, und war bis vor dreizehn Jahren UN-Protektorat unter amerikanischer Verwaltung.} erklärte Taichi. {Vor sieben Jahren haben wir dort die Regierung übernommen.}
{Verstehe.}
{Wie sie an der globalen Holokarte sehen, sind die Stützpunkte für Operation Blackout einsatzbereit und erwarten ihr Kommando für den ersten Schlag, Lord Taichi.} Er deutete auf mehrere grüne Punkte, die auf einem holographischen Globus pulsierten.
{Was ist mit diesen da?} Taichi deutete auf zwei gelbe Punkte.
{Kleinere technische Probleme, die innerhalb der nächsten zehn Stunden behoben sein sollten, mein Lord.}
{Hmm. Hoffentlich. Fahren sie fort.}
{Die Mobilmachung auf unserem Stützpunkt ist zu 94% abgeschlossen. Die Techniker sind rund um die Uhr im Einsatz für die Endüberprüfung des Fahrzeugparks. Bis morgen abend stehen alle zweihunderttausend Mann, die hier stationiert sind, unter Waffen und sind marschbereit. Die drei anderen Stützpunkte haben bereits volle Einsatzbereitschaft für ihre Fahrzeuge erreicht, und werden innerhalb der nächsten fünf Stunden mit der Ausrüstung der Truppen fertig sein.}
{Sie rechnen also nicht damit, daß ihre Forderung nach Rückzug erfüllt werden?} meinte Hotaru skeptisch. {In dem Fall finde ich es ein wenig heuchlerisch, nur der Form halber eine derartige Forderung aufzustellen.}
{Sollten sie sich zurückziehen, Lady Saturn, werden diese Truppen als Friedenstruppen dienen.} erklärte Commander Staven dazu. {Außerdem wollen wir uns bemühen, im Rahmen internationalen Rechts zu agieren. Andernfalls können die Ergebnisse unserer Aktionen unmöglich eine legale Basis erhalten.}
{Commander! Wir orten zwei amerikanische Cruise Missiles mit Kurs auf Köderbasis!} rief plötzlich Jemand von einer der Konsolen.
{Legen sie es auf die Karte.} befahl Staven und trat an den zweiten Projektionstisch, der eine Karte des Iraks und der umgebenden Staaten zeigte. Kleine Symbole in verschiedenen Farben zeigten Positionen von Truppen im ganzen Land an, und Hotaru staunte über die Detailgenauigkeit, mit der dort alles dargestellt wurde.
{Wir haben einige Satelliten in Position, die die Situation im Kampfgebiet im Auge behalten.} erklärte Staven, als er Hotarus Staunen bemerkte. {Die Lage wird alle zwei Minuten aktualisiert.}
Ein Techniker manipulierte die Darstellung, und hob so die zwei Raketen aus dem Gewusel auf dem Schlachtfeld hervor. Stumm verfolgten die Anwesenden, wie die Raketen sich auf den Weg zu einer achtzig Kilometer nördlich des Hauptstützpunkts gelegenen Gebäudegruppe machten.
{Sind dort Leute in Gefahr?} fragte Hotaru besorgt.
{Nein.} erwiderte Taichi beruhigend. {Köderbasis ist völlig automatisiert.}
Wenige Minuten später war Köderbasis nur noch ein Haufen rauchender Ruinen.
{Das war ein Fehler.} bemerkte Taichi mit einem teils amüsierten, teils triumphierenden Lächeln.
{Ja. Anscheinend haben sie die Rückzugsforderung abgelehnt.} meinte Hotaru.
{Außerdem ist Köderbasis ein Gebäude, das zum Generalkonsulat der Föderation von Mikronesien gehört.} setzte Taichi erklärend hinzu. {Das bedeutet, die Amerikaner haben nicht irakischen Boden sondern mikronesisches Territorium bombardiert.}
{Was bedeutet?}
{Dies ist laut Kriegsvölkerrecht eine Kriegshandlung gegen Mikronesien, Mylady.} erklärte Staven. {Als solche ersetzt es eine bisher noch nicht erfolgte Kriegserklärung.}
Verständnis zeigte sich auf ihrem Gesicht.
{Also haben uns die Amerikaner gerade den Krieg erklärt.}
{Korrekt.}
{Und dies soll dann vermutlich militärische Aktionen unserer Truppen gegen die Amerikaner legitimieren, nicht wahr?}
Taichi nickte bestätigend.
{Das ist der Plan. Theoretisch könnten wir versuchen, diese Angelegenheit auf diplomatischem Weg zu regeln, und damit die Vernichtung unseres Konsulats abzugelten. Da wir aber Opfer eines unprovozierten Angriffs geworden sind, haben wir das Recht, zurückzuschlagen.}
{Den Buchstaben des Gesetzes nach vielleicht.} räumte Hotaru ein. {Da kenne ich mich nicht gut aus. Aber was ist mit dem moralischen Recht? Es ist doch ziemlich leicht, diesen Angriff als konstruierte Entschuldigung hinzustellen.}
{Das ist nur eine Frage der Perspektive.} widersprach Taichi. {Viele Nationen beugen sich dem Willen der Amerikaner, selbst wenn diese im Unrecht sind. Wir geben diesen Nationen die Möglichkeit zur freien Entscheidung zurück, indem wir Amerika als Machtfaktor eliminieren. Und dazu ist es notwendig, ihr gewaltiges Militärpotential zu reduzieren.}
Hotaru dachte für einige Minuten schweigend darüber nach.
{In Ordnung. Aus diesem Blickwinkel haben wir auch eine gewisse moralische Rechtsgrundlage.}
{Gut. Und wo das jetzt geklärt ist...unterrichten sie mich, wenn alle Stationen für Operation Blackout bereit sind, und schicken sie mir einen Sturmtruppencaptain in mein Quartier, Commander.} befahl Taichi. {Komm, Hotaru. Es wird nun Zeit für den nächsten Schritt deiner Ausbildung.}
Mit diesen Worten marschierte der junge Mann aus der Zentrale. Hotaru folgte ihm mit eifrigem Gesichtsausdruck. Wenn Taichi ein genauso guter Lehrer war wie Midori, dann würde sie noch heute erste Fortschritte auf ihrem Weg machen.
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Entgegen der üblichen Praxis fand das nächste Treffen der Inneren Senshi nicht im Hikawa-Schrein sondern bei Ami statt. Diese hatte darauf bestanden, weil sie ihren Computer benötigte, und sie eventuell schnellen Zugriff auf Dinge benötigen konnte, die sie nur zu Hause zur Verfügung hatte.
"Nicht zum Aushalten." grummelte Rei, die es sich auf Amis Bett bequem gemacht hatte. "Selbst mitten in einer Krise schafft sie es nicht, pünktlich hier zu sein."
"Reg dich nicht auf." empfahl ihr Minako, die sich mal wieder auf Amis Sofa lümmelte, mit einem breiten Grinsen. "Wenn du willst, daß sie pünktlich ist, mußt du unsere Treffen in ein Eiscafe verlegen."
"Hast du inzwischen etwas über den Verbleib von Makoto herausfinden können, Rei?" warf Artemis ein wenig nervös ein. Es war unübersehbar, daß er sich Sorgen machte.
Rei schüttelte bedauernd und frustriert zugleich den Kopf.
"Tut mir leid, Artemis. Ich habe es gestern stundenlang versucht, aber es scheint, als würden größere Probleme ihre Schatten werfen, wodurch mir der Blick auf Einzelschicksale erschwert wird."
"Was für Probleme?" fragten die Anwesenden unisono.
"Chaos." antwortete Rei. "Die ganze Welt schien im Chaos zu versinken."
"Was...ist mit...Chaos?" japste jemand von Amis Zimmertür aus.
"Auch schon da?" versetzte Rei bissig. "Was ist passiert? Hast du den Weg nicht gefunden, oder war irgendein Sonderangebot im Eiscafe um die Ecke wichtiger als die Rettung der Welt? Das hier ist verdammt noch mal eine Krisensitzung. Kein Kaffeekränzchen."
"Rei!" riefen Ami und Minako tadelnd. Eine Fortsetzung des Streits vom letzten Treffen konnten sie jetzt wirklich nicht gebrauchen.
"Ist doch wahr!" schnaubte Rei und deutete anklagend auf Usagi, die scheinbar wieder kurz vor einem Heulanfall stand. "Wir haben hier ernste Probleme, aber unsere Anführerin schafft es nicht mal, pünktlich zu erscheinen."
"Aber..."
Rei wischte Usagis Versuch einer Verteidigung mit einer Handbewegung zur Seite und fuhr ihr grob ins Wort.
"Alles, was ich verlange, ist, daß unsere Anführerin sich dann, wenn es drauf ankommt, auch wie eine Anführerin verhält. Aber das geht in ihren blöden Dickschädel wohl einfach nicht rein."
In Usagi begann sich Trotz zu regen.
"Besserwisserin." schnaufte sie und streckte Rei die Zunge raus.
Jacen hatte genug von dem Streit und verschwand kopfschüttelnd aus dem Zimmer. Als er zurückkam, war der Streit trotz Amis und Minakos Bemühungen weiter eskaliert. An Stelle von mit Beleidigungen garnierten Argumenten warfen sie nun nur noch mit Beleidigungen um sich.
Bis Jacen die beiden kleinen Eimer, die er in der Küche mit eiskaltem Wasser gefüllt hatte, mit der Macht über die Köpfe der beiden Streithennen schweben ließ, wo er sie gleichzeitig über ihnen entleerte.
Rei und Usagi schnappten geräuschvoll nach Luft, als die Überraschung sie zusammen mit dem Kälteschock erwischte, und warfen wütende Blicke auf den jungen Jedi. Die zwei Mädchen schienen kurz davor zu stehen, auf ihn loszugehen.
Ami und Minako waren ebenfalls von der Aktion überrascht worden, reagierten aber, als sie ihre Verblüffung überwunden hatten, völlig anders als die beiden Opfer. Sie mußten so heftig lachen, daß sie den Halt verloren, und auf das Sofa kippten - ohne allerdings mit dem Lachen aufhören zu können.
"Uneinigkeit.", erklärte Jacen mit ruhiger Stimme, bevor Rei und Usagi wirklich auf ihn losgingen, "Uneinigkeit im Kampf gegen das Böse. Das war es, was den Untergang der Alten Republik ermöglicht hat, und durch die Geburt des Imperiums und den anschließenden Krieg zu dessen Vernichtung Milliarden von Lebewesen auslöschte."
Die beiden nassen Senshi machten daraufhin betretene Gesichter.
"Die Natur der Dunklen Seite ist es, zunächst im Verborgenen zu operieren, bis sie sich stark genug wähnt, dem Licht gegenüberzutreten. Im Moment sind unsere Gegner noch nicht stark genug dazu, sonst hätten sie sich längst gezeigt. Aber mit jedem Augenblick, den ihr durch unsinnige Streitereien verschwendet, wird der Feind stärker werden, denn von einer Tatsache könnt ihr ausgehen: Er ist wohlorganisiert und arbeitet mit aller Kraft auf die Erfüllung seiner Ziele hin."
"Die da wären?" fragte Luna, Usagis schwarzfellige, felline Beraterin mit der für sie typischen Neugier.
"Die Übernahme der absoluten Kontrolle über jedes erreichbare intelligente Lebewesen." entgegnete Jacen schlicht.
Nach dieser Ankündigung schien es im Raum merklich kühler zu werden.
"So. Und nun schlage ich vor, wir widmen uns der Diskussion gewisser Probleme und vertagen etwaige Erziehungsversuche" - er warf Rei einen eindringlichen Blick zu - "auf einen späteren Zeitpunkt."
Rei nickte zögerlich und hielt dann Usagi eine Hand hin.
"Tut mir leid." murmelte sie.
Usagi ergriff lächelnd die Hand und schüttelte sie.
"Mir auch, Rei."
Ami reichte den Beiden Handtücher und drückte Jacen dann einen Eimer und einen Aufnehmer in die Hand. Als Jacen ihr die Sachen abnahm, drückte sie sanft seine Hand. Der junge Jedi schaute sie ein wenig überrascht an, verstand dann aber schnell, als er den stummen Dank in ihren Augen las.
Sein Blick veränderte sich kurz, und ohne daß ein Wort nötig gewesen wäre, verstand auch Ami, was er sagen wollte. Gern geschehen, und jederzeit wieder.
"Also, Rei, was wolltest du über das Feuerorakel berichten?" nahm Ami den Faden wieder auf, wo er durch Usagis verspätetes Erscheinen verlorengegangen war.
"Als ich nach einem Hinweis auf Makoto suchte, fiel mir auf, daß es schwerer als üblich war, mich auf Einzelschicksale zu konzentrieren." begann sie. "Ich sah Bilder von weltweitem Chaos, möglicherweise einem großen Krieg. Blitze fuhren donnernd aus dem Himmel und zerstörten ganze Städte, und ein infernalisches, durch Mark und Bein dringendes Jaulen überlagerte alle anderen Sinneseindrücke."
"Und warum hindert dich das daran, was über Makoto zu erfahren?" fragte Minako verständnislos.
Rei dachte kurz nach, wie sie es am Besten veranschaulichen konnte.
"Stell dir einen Teich vor, in den jemand einen kleinen Kieselstein geworfen hat." versuchte sie eine Erklärung. "Der Kieselstein steht für Makoto und die Wellen, die er auf der Oberfläche des Teichs erzeugt, stehen für Ereignisse, die mit ihr in Verbindung stehen." Sie schaute Minako fragend an, und diese nickte. Bis hierhin war alles klar.
"Wenn nun jemand einen anderen Stein in den Teich wirft, der ja ebenfalls Wellen erzeugt, macht das die Suche nach den Wellen von Makotos Kiesel schwieriger. Vor allem wenn der zweite Stein sehr nah bei Makotos Kiesel ins Wasser fällt, oder er sehr groß ist."
"Und was denkst du, ist hier der Fall?" fragte Luna besorgt.
"Ich hoffe ersteres, aber bei der alles überlagernden Intensität dieser Visionen fürchte ich, daß es letzteres ist."
"Oder beides." warf Jacen ein, der Dank der Macht schneller als erwartet mit der Entfernung der Pfütze fertig geworden war. "Es wäre auch denkbar, daß du diese Visionen erhälst, weil der Verantwortliche für das Chaos auch für Makotos Verschwinden verantwortlich ist."
"Das wäre auch eine Möglichkeit." stimmte Rei langsam zu. Von Sekunde zu Sekunde wurde die junge Priesterin immer besorgter.
"Aber was tun wir dagegen?" fragte Usagi in einem überraschenden Anfall von Initiative und Entschlossenheit. Rei starrte sie verblüfft an, während sie weitersprach. "Ich denke nämlich nicht, daß Makoto freiwillig dort ist, wo auch immer sie gerade sein mag."
"Möglicherweise haben wir eine Spur gefunden." warf Ami hoffnungsvoll ein.
"Zu Makoto?" fragte Usagi aufgeregt.
"Nicht direkt." bremste sie den Enthusiasmus ihrer Anführerin. "Aber möglicherweise zu den Verantwortlichen für die Probleme."
Mit diesen Worten aktivierte sie ihren Computer und rief eine Datei auf. Das erste Bild zeigte ein kreisförmiges Logo mit einem symmetrischen Muster darin, in dessen Mitte die Schriftzeichen für Tenchi standen. Himmel und Erde.
"Das ist das Logo der Tenchi Corporation." staunte Minako. "Was hat denn ein Großunternehmen damit zu tun?"
"Vielleicht wieder eine Tarnung für einen unserer alten Feinde." schlug Usagi vor. "Denkt an die vielen Youma, Daimons und an die Leute vom schwarzen Mond. Die haben doch oft genug irgendwelche Geschäfte als Tarnung benutzt."
"Überraschend gut gedacht." lobte Rei die zukünftige Königin beeindruckt.
"Aber dieses Unternehmen existiert bereits seit kurz nach dem zweiten Weltkrieg." wandte Ami ein. "Es ist unwahrscheinlich, daß tatsächlich alte Bekannte von uns dahinterstecken. Abgesehen davon war es das Firmenlogo, das uns auf die Spur gebracht hat. Keine verdächtigen Aktivitäten."
Die anderen Senshi schauten sie fragend und verständnislos zugleich an.
"Das Logo dieses Unternehmens ist, abgesehen von den Schriftzeichen in der Mitte, identisch mit dem Staatssymbol des Imperiums." erklärte Jacen an Amis Stelle. "Das brachte mich zu der Vermutung, daß das Imperium möglicherweise eine Möglichkeit entwickelt hat, die mit Sicherheit gewaltige Distanz zwischen dem imperialen Raum und der Erde zu überwinden. Vielleicht haben sie hier einen Vorposten errichtet, und ich bin irgendwie ohne Absicht des Verursachers ebenfalls hierher transportiert worden."
"Auch wenn es einen großen Zeitunterschied gibt, wäre das immerhin eine Erklärung für sein auftauchen hier bei uns." fügte Ami hinzu.
"Warum Zeitunterschied?" fragte Usagi.
"Wenn Jacen Recht hat, befinden sich bereits seit fast sechzig Jahren Imperiale hier auf der Erde. Immerhin gibt es den Konzern schon so lange." erklärte Ami. "Aber eine fragwürdige Spur ist besser als gar keine Spur, und deshalb habe ich mir einen Überblick über die Struktur des Unternehmens verschafft."
Spätestens jetzt hatte sie die volle Aufmerksamkeit aller Anwesenden.
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Ravana blickte von dem Bericht auf ihrem Monitor auf, als es an ihrer Bürotür klopfte.
"Herein."
Ein schwarzuniformierter Captain des Geheimdiensts betrat darufhin ihren Arbeitsraum. Auch ohne die Macht konnte sie erkennen, daß er über irgendetwas besorgt war.
"Sie sehen aus, als hätten sie ein Problem, Captain Toran."
Der Offizier nickte knapp. Dann reichte er ihr eine kleine Aktenmappe. Der Deckel war mit einer Standard-ID-Marke versehen, die die Archivverwaltung wesentlich vereinfachte. Anhand einiger Kennbuchstaben, die Teil dieser Marke waren, erkannte die Rotmähnige in dieser Dokumentensammlung einen Bericht aus der Abteilung für Spionageabwehr.
°Interessant.°
Dann fiel ihr Blick auf die Kennung in der Zeile, die die Überschrift 'Status' trug, und sofort beschloß sie, daß 'Interessant' eine Untertreibung war.
"Was hat denn die Leute von der Abwehr so aufgeschreckt, daß sie einem ihrer Berichte die höchstmögliche Dringlichkeitsstufe zuweisen?" fragte sie den Captain interessiert.
"Wie sie vielleicht wissen, unterhält die Tenchi Corporation eine umfangreiche Homepage. Genauso wie die verschiedenen Tochterunternehmen."
"Sicher."
"Was sie möglicherweise nicht wissen, ist, daß die Abwehr ein automatisches Tracerprogramm auf allen unseren Infoseiten abgelegt hat, das sämtliche Anfrageoperationen, die von außerhalb an unsere Server gerichtet werden, bis zu ihrer Ursprungsadresse zurückverfolgt."
"Das wußte ich tatsächlich nicht." gab Ravana mit einem knappen Lächeln zu. "Aber sie sollten langsam zur Sache kommen, Captain."
"Komplexe semi-autonome Wachprogramme haben die Aufgabe, die Spionageabwehr zu alarmieren, wenn ein Zugriff von einer kritischen Adresse aus erfolgt. Kritische Adressen gehören zu Computern einiger Regierungen, nationaler Geheimdienste, Konkurrenzfirmen und einigen anderen Subjekten, die es irgendwie auf die Schwarze Liste der Spionageabwehr geschafft haben. Eine weitere Aufgabe dieser Programme ist die Analyse der Tracerprotokolle auf ungewöhnliche Muster."
"Und was für ein Muster haben sie entdeckt?" fragte Ravana mit wachsender Ungeduld.
"Abfragen zu Tätigkeitsfeldern und Unternehmensstruktur des Mutterkonzerns und einer sehr großen Zahl weiterer Sub- und Tochterfirmen sowie assoziierter Konzerne erfolgte innerhalb weniger Stunden über eine Hochgeschwindigkeitsverbindung, die zur IP-Adresse einer gewissen Ami Mizuno gehört, einer Schülerin der Juuban Senior Highschool hier in Tokyo." ließ der Captain schließlich die Katze aus dem Sack. "Alles deutet darauf hin, daß sie sich bemüht, ein Profil unseres Konzerns zu erstellen."
"Irgendwoher kommt mir der Name bekannt vor." murmelte die dunkle Jedi nachdenklich. Dann hatte sie einen Einfall und rief nochmal die Akte Makoto Kino auf. Dort wählte sie den Unterpunkt 'Klassenliste', und dann hatte sie es.
"Diese Ami Mizuno ist eine Mitschülerin unserer Senshi." staunte sie angesichts der Implikationen. "Anscheinend sind sie uns irgendwie auf die Spur gekommen."
Sie dachte einen Moment lang schweigend nach. Kalkulierte mit kalter Präzision potentielle Nebenwirkungen ihrer Entscheidungen, und kam schließlich nach einigen Minuten zu einem einigermassen sinnvollen Plan.
"Übergeben sie eine Kopie hiervon an Major Ravin." befahl sie. "Seine Abteilung soll ein Straftatszenario für diese Ami Mizuno entwickeln, das sich auf Befehl hin schnell umsetzen läßt und zu ihrem Charakterprofil passt."
"Jawohl."
"Außerdem will ich, daß sie Mizunos Computeraktivitäten von nun an genauestens überwachen."
"Das habe ich bereits veranlaßt."
"Gut." Sie lächelte kühl. "Ich mag Untergebene, die ihren Kopf benutzen können. Und nun erledigen sie ihre Aufgaben. Ich werde Lord Traxius über diese neue Entwicklung informieren."
Captain Toran salutierte zackig und verließ dann den Raum, um seine Befehle auszuführen.
Ravana schrieb eine kurze Erklärung des Problems und schickte diese dann über das Intranet der Firma an Midori, da sie die Meinung ihrer jüngeren Kollegin in Fragen wie diesen zu schätzen wußte. Danach machte sie sich auf den Weg zu Lord Traxius.
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Als Ravana den Thronsaal ihres Herrn und Meisters betrat, platzte sie mitten in eine Besprechung. Über mehreren kreisförmigen Holoprojektoren standen Abbilder hochrangiger Befehlshaber in Lord Traxius Organisation.
"Ah, Ravana." begrüßte der Dunkle Lord sie gutgelaunt und deutete auf einen markierten Bereich am Fuß der Treppe vor seinem Thron. Es war eines von drei für Holokonferenzen vorgesehenen Aufnahmefeldern. Auf einem weiteren Feld stand bereits Zirkonite und nickte ihr grüßend zu.
Als sie diese Zone betrat, reagierte ein Bewegungsmelder darauf, und aktivierte das Holokommsystem für den Bereich, wodurch sie nun auch für die anderen Teilnehmer der Konferenz sichtbar wurde.
"Was führt dich her, meine Schülerin?"
Sie fasste in wenigen Worten zusammen, was Captain Toran ihr so langatmig auseinandergesetzt hatte. Als sie fertig war, stand auf den Gesichtern der meisten Anwesenden eine Mischung aus Sorge und Neugier. Sorge um die Einhaltung des Zeitplans des sehr komplexen Projekts, und Neugier auf Ravanas Lösungsvorschläge.
"Ich denke nicht, daß die Senshi ein Problem für die globale Durchsetzung des Plans bedeuten." bemerkte Maurice, ein gutaussehender, dunkelhaariger Franzose in Ravanas Alter, und ebenfalls Schüler des Sithlords. "Aber wenn sie hinter das Geheimnis kommen - und spätestens wenn unsere militärischen Aktionen beginnen, Wirkung zu zeigen, werden sie anfangen zu begreifen - könnte der Standort des Hauptquartiers in Tokyo gefährdet sein."
"Operation Blackout kann von ihnen nicht beeinflußt werden, und ich bezweifle, daß sie unser Eingreifen im Nahen Osten mitbekommen werden. Jedenfalls nicht, bevor dort alles erledigt ist." wandte Ken ein. "Da vertraue ich Taichi und der neuen Schülerin schon."
Maurice nickte.
"Zugegeben, Ken. Mir und Kevin werden sie in Europa auch kaum in die Quere kommen. Dafür ist die Distanz viel zu groß."
"Korrekt. Und die Stützpunkte, von denen aus wir die Kontrolle über den Pazifikraum und Ozeanien übernehmen, sind gut versteckt und viel zu weit verstreut, als daß sie mehr als nur ein oberflächliches Ärgernis darstellen könnten." stimmte Ken mit einem arroganten Grinsen zu.
"Wie ist die Lage in China?" fragte Ravana.
"Wir haben vor fünfzehn Stunden mit der Reaktivierungssequenz für unsere Truppen begonnen." informierte sie General Craiden. "Zwölftausend Drohnen vom Typ II wurden heimlich über die Grenze in den russischen Raum entsandt, um Geländedaten zu sammeln und Lebensformen und versteckte militärische Einrichtungen in Sibirien und den China benachbarten Gebieten der ehemaligen Sowjetunion aufzuspüren. Aufklärungsdrohnen für Afghanistan stehen ebenfalls in Kürze bereit."
"Unsere Verbündeten in China und Nordkorea stehen auf dem Sprung und warten nur noch auf den großen Knall, mit dem Amerikas militärische Dominanz platzt." fügte Kaori mit einem düsteren Lächeln hinzu.
"Der Staatsstreich steht also kurz bevor?"
"Die Hardliner unter den Militärs haben in den letzten Wochen guten Gebrauch von der abgeschwächten Form des Krytos-Virus gemacht, die wir ihnen überlassen haben, Ravana." erklärte Kaori ungerührt von dem Leid, welches das Virus, dem die Menschen auf der Erde den Namen SARS gegeben hatten, verursacht hatte. "Die Epidemiebekämpfung und die damit einhergehende Panik hat zusammen mit dem offenkundigen Versagen der korrupten Zivilbürokratie dazu geführt, daß das Militär weitreichende Aktionsvollmachten bekommen hat, die unsere Verbündeten als Nebelwand für ihre eigenen Vorbereitungen nutzen konnten."
"Das aus dem Umsturz und den damit einhergehenden weiteren Aktivitäten der Hardliner resultierende Chaos in China wird uns für unsere Operationen in den umliegenden Territorien den Rücken freihalten." ergänzte General Craiden die Erklärung um eine weitere strategische Komponente.
"Außerdem dient uns das Chaos später als vorzügliche Entschuldigung, selbst in China einzugreifen." stellte Lord Traxius fest. "Wenn sie sich ins Chaos stürzen, ist es doch schließlich unsere Pflicht, sie vor sich selbst zu retten, und in geordnete Verhältnisse zurückzuführen."
"Die Frage, wie wir die Gefahr durch die Senshi ausschalten können, ohne dabei gleich die Senshi auszuschalten, ist aber noch immer unbeantwortet." warf Maurice kurz darauf ein.
"Sollten sie uns zu nahe kommen, eröffnen wir eine zweite Front." schlug Zirkonite vor.
"Wie das?" fragte Ravana.
"Ich gebe ihnen was zu tun, damit wir in Ruhe unsere eigentlichen Ziele verfolgen können." erklärte sie. "Dann brauchen wir uns erst mit ihnen befassen, wenn wir es wollen."
Ravana lächelte verstehend.
"Du willst ihnen Youma auf den Hals schicken, nicht wahr?"
"Wenn sie täglich ein paar Youma abschlachten müssen, werden sie gar nicht die Zeit haben, auf dumme Gedanken zu kommen." kicherte Zirkonite. "Außerdem werden sie Tokyo unter keinen Umständen verlassen, solange für die Stadt eine Gefahr durch Youma besteht."
"Dann wäre das also geklärt." stellte der Sithlord zufrieden fest. "Aber vergiß nicht, Zirkonite, daß ich die Senshi für meine späteren Pläne lebend benötige."
"Ja, mein Lord."
"Eine Sache noch." verkündete der Sithlord. "General Craiden, Kaori-san, beginnt unverzüglich mit der Inbetriebnahme von Hades und verlegt euer Hauptquartier dorthin, sobald dort alles bereit ist."
Die zwei Angesprochenen nickten bestätigend.
Dann beendete Traxius die Besprechung mit einem Wink seiner knochigen Hand, und die Hologramme lösten sich nach einer letzten Verneigung eines nach dem anderen in Nichts auf. Zuletzt verneigten sich Zirkonite und Ravana vor ihrem Meister und überließen ihn seiner Meditation, während sie selbst sich auf den Weg machten, um die nächsten Überraschungen für die Senshi vorzubereiteten.
