Anmerkungen:
Endlich ist es soweit. Der dritte Weltkrieg steht vor der Tür. Und diesmal sind die Deutschen nicht schuld ^^".
Disclaimer: Keine der Figuren gehört mir, und ich schreibe das hier nur, weil ich gerade nichts besseres zu tun habe (nicht, um damit Geld zu verdienen).
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°....° = jemand denkt
"...." = jemand sagt
{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)
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Darth Saturn - The Dark Harvest
Teil 16
Hotaru warf einen nachdenklichen Blick auf die Holokarte des irakischen Schlachtfeldes. Das Wissen, welches sie mit Hilfe der Macht aus dem Verstand ihrer Untergebenen aufgenommen hatte, leistete ihr bei der Beurteilung der Lage gute Dienste.
{Die Amerikaner scheinen inzwischen mit den Irakis keine größeren Schwierigkeiten mehr zu haben.}
{Das stimmt, Mylady.} erwiderte Commander Staven neben ihr.
{Ich frage mich, woran das liegt.}
{Die Amerikaner verwenden ein ausgeklügeltes taktisches Informationssystem, Mylady. Sobald eine ihrer Einheiten Feindstellungen ausmacht, werden diese augenblicklich auf einer exakten Karte vermerkt, was den Truppen in der Nähe ermöglicht, mit maximaler Effizienz zuzuschlagen.} erklärte der Commander. {Ihre Aufklärungs- und Kommunikationssatelliten und ihre Erkundungsflugzeuge sind zusammen mit den GPS-Satelliten die Hauptschlüssel dieser Strategie. Hinzu kommt, daß sie die absolute Luftüberlegenheit haben.}
{Wann wird die nächste Phase unserer Operation beginnen, Commander?}
{Sobald Lord Taichi das Startsignal gibt, Mylady. Das sollte innerhalb der nächsten Stunden geschehen.}
{Nein, Commander.} erklang hinter Hotaru eine neue Stimme. {Das Warten hat ein Ende.}
Die Tür seines Arbeitsraums schloß sich hinter Taichi, der mit entschlossener Miene auf Hotaru und Staven zukam. {Ich habe gerade mit den Kommandanten der anderen Einheiten gesprochen, die an Operation Blackout beteiligt sind.}
{Alle Stationen sind bereit, mein Lord?}
{So ist es, Commander. Als letztes ging vor zwei Stunden die Anlage am Amazonas in Betrieb.}
Staven straffte sich sichtlich in Erwartung weiterer Anweisungen.
{Ihre Befehle, mein Lord?}
{Beginnen sie die Warmlaufsequenz für die Ionenkanone und aktivieren sie die Langstreckensensoren. Ich wünsche, daß sie jeden Partikel im Erdorbit, der größer ist als ein Tennisball, ausfindig machen.}
{Ja, mein Lord.}
{Identifizieren sie dann alle GPS-Satelliten, die für den irakischen Raum von Bedeutung sein könnten und initiieren sie die Abschußsequenzen aller Ionenkanonen in Reichweite.} befahl Taichi knapp. {Die Feuerleitstelle dieser Basis wird die Zielzuweisung und Angriffssynchronisation für alle anderen Stationen übernehmen. Die Operation beginnt in dreißig Minuten.}
{Ja, mein Lord. Wie steht es um Operation Desert Devastation?}
Taichi dachte einen Moment nach.
{Beginnen sie mit der ersten Phase der Luftangriffe fünfzehn Minuten nach Abschuß des ersten GPS-Satelliten. Ach ja, schiessen sie außerdem jeden Spionagesatelliten ab, der in eine Position kommt, aus der er unsere Operationen verfolgen könnte.}
{Was ist mit den Kommunikationssatelliten?} fragte Hotaru.
{Unsere Hacker werden sich Zugriff auf sie verschaffen und die gesamte Kommunikation für uns zugänglich machen.} erwiderte Taichi. {Im Moment reicht es, wenn die Amerikaner blind sind. Sie stumm zu machen, würde uns die Gelegenheit nehmen, ihre Kommunikation zu manipulieren und ihre Verwirrung zu vergrößern.}
Hotaru nickte verstehend.
Wenn im feindlichen Hauptquartier keine Meldungen ankamen, würden die Kommandeure sich Zeit nehmen, um nachzudenken und zu planen. Wenn aber viele womöglich auch noch widersprüchliche Meldungen eintrafen, würde das im feindlichen Hauptquartier zu Chaos führen, was wichtige Planungs- und Entscheidungsprozesse verlangsamen würde und die Wahrscheinlichkeit erhöhte, daß Fehlentscheidungen getroffen wurden.
{Ich habe mir Gedanken zu unserem Primärplan gemacht.} meinte sie schließlich.
{Und?} fragte Taichi. {Irgendwelche Unklarheiten?}
{Nein.} Hotaru schüttelte ein wenig zögerlich den Kopf. {Aber vielleicht ein paar Vorschläge...}
{Kein Grund für Unsicherheit. Du bist meine Stellvertreterin, also sag, was du zu sagen hast.}
Sie lächelte knapp.
{Der ursprüngliche Plan sieht Bombenangriffe auf die südliche Küstenregion vor, um den Nachschub für die gegen Bagdad vorrückende 3. US- Infanteriedivision und die anderen Einheiten im Feld zu vernichten, sobald die Marine- und Luftwaffeneinheiten im Persischen Golf vernichtet worden sind.}
{Aber du hast eine andere Idee.}
Hotaru nickte.
{Wenn wir von dem Angriffsgeschwader für die Region Süd zwei Staffeln TIE- Defender abziehen, und eine die Luftabwehrbatterien und Artilleriestellungen an der kuwaitischen Grenze vernichten lassen, während die andere Staffel als Geleitschutz für einige Lambdafähren und schwere Gerätetransporter dient, können wir mit Sicherheit in kürzester Zeit die Verteidiger von Umm-Kasr ausschalten und den Nachschub erobern.}
{Wozu soll das gut sein?} fragte Taichi skeptisch. {Wir brauchen ihren Nachschub nicht.}
{Das mag für die Munition und den Treibstoff zutreffen, aber nicht für die Nahrungsmittel.} widersprach Hotaru. {Wenn unsere Truppen in der zweiten Angriffsphase gegen die Truppen im Inland vorrücken, werden sie eine Menge Gefangene machen. Dann können wir ihren Nachschub benutzen, um diese Gefangenen zu versorgen.}
Taichis Skepsis wich einem anerkennenden Lächeln.
{Eine gute Idee.} Er wandte sich an Commander Staven. {Ändern sie die Planung entsprechend ab.}
{Jawohl, mein Lord.}
Staven begab sich zu einem seiner Untergebenen und gab Anweisung, die beteiligten Einheitskommandeure entsprechend zu instruieren.
{Mit den Fähren können wir in kürzester Zeit mehrere tausend Mann zu jeder bedrohten Stadt transportieren und die Angreifer neutralisieren.}
{Ja.} stimmte Hotaru zu. {Aber was stellen wir mit den zu erwartenden Gefangenen an? Wo sollen wir sie unterbringen?}
{Das ist Zirkonites Angelegenheit.} antwortete Taichi mit einem geheimnisvollen Lächeln. Aber bevor er mehr sagen konnte, trat ein Kommunikationsoffizier heran.
{Lady Saturn, Lord Traxius wünscht euch über Holokom zu sprechen.}
Hotaru nickte dem Mann knapp zu.
{Ich bin gleich zurück.} verabschiedete sie sich von Taichi.
Dann verschwand sie in einen benachbarten Raum, der ihr persönliches Arbeitszimmer war, und trat in den Übertragungskreis. Als sich vor ihr Traxius Abbild aufbaute, sank sie augenblicklich auf ein Knie.
"Ihr habt mich gerufen, Meister?"
"So ist es, meine Schülerin. Ich wünsche von dir einen Bericht über die Situation vor Ort."
Hotaru räusperte sich und gab ihrem Meister dann alle Informationen, die sie über die laufenden Operationen hatte. Als sie die von ihr vorgeschlagene Planänderung erwähnte, nickte er beifällig.
"Ein guter Einfall." lobte er sie.
"Danke, Meister. Ich frage mich allerdings, wo wir die ganzen Gefangenen unterbringen sollen. Taichi meint, das sei Zirkonites Aufgabe. Wie ist das zu verstehen?"
"Das kann sie dir selbst erklären." antwortete Traxius. "Sie wird im Lauf des Tages mit einem Geschenk für dich in eurem Stützpunkt eintreffen."
"Ein Geschenk?"
"Das Spielzeug, um das du sie neulich gebeten hattest."
"Oh. Ich verstehe."
Traxius nickte ihr zu.
"Wie geht dein Training voran?"
Hotaru berichtete ihm ein wenig stockend von den Ereignissen.
"Im siebten Anlauf erfolgreich, und das auch noch an nur einem Tag." zeigte er sich beeindruckt. "Andere haben dafür Wochen oder gar Monate gebraucht, also geh nicht zu hart mit dir ins Gericht. Außerdem sind diese Puppen leicht ersetzbar. Es besteht also kein Grund für überflüssige Selbstvorwürfe. Selbst tausend oder zehntausend von ihnen hätten dabei kaputtgehen dürfen."
Hotaru machte große Augen.
"Als du die Erschaffung dieses Plasmaballs trainiert hast, hast du eine ganze Übungshalle in Schutt und Asche gelegt. Das hier ist nichts anderes, nur das dein Trainingsfeld der Verstand von ein paar unbedeutenden Klonen war. Und vergiß nicht, daß es für die Zukunft der Senshi von größter Wichtigkeit ist, daß du die Macht meisterst."
Sie nickte bedächtig. Irgendwie ergaben seine Worte Sinn. Und das beruhigte sie. Zerstreute die Zweifel an der Richtigkeit ihres Tuns, die die Ergebnisse ihrer Taten geweckt hatten.
"Ja, Meister."
"Gut." freute er sich über die Einsichtigkeit seiner Schülerin. "Zirkonite wird dir eine Disk mit weiteren Anweisungen übergeben, wenn sie bei euch eintrifft."
"Weitere Anweisungen?"
"Für deine Aufgaben nach Erledigung des Irak-Problems. Das ist schließlich nur der Auftakt für unsere eigentliche Operation. Wenn du Fragen oder Anregungen hast, wende dich an die für den Aufgabenbereich angegebene Kontaktperson."
Hotaru nickte zustimmend.
"Und noch etwas, meine Schülerin. Bis jetzt hast du die Macht als Hotaru eingesetzt. Und du hast gelernt, wie du Körper und Geist stärker machen kannst. Jetzt, wo du die wesentlichen Fragen des Wie verstanden hast, wirst du als Sailor Saturn weitertrainieren." wies er sie an. "In dieser Form ist deine Kraft um ein Vielfaches größer, also sei vorsichtig."
"Ich nehme an, nun soll ich lernen, die Kontrolle über meine Kräfte zu verbessern."
"So ist es. Als Saturn wird das für dich eine große Herausforderung werden, aber ich vertraue auf dein immenses Talent."
"Ich werde euch nicht enttäuschen, Meister." versprach sie mit grimmiger Entschlossenheit.
"Ich weiss."
Mit diesen Worten verblasste das Bild ihres Mentors und der Lichtkegel über ihrem Übertragungskreis erlosch.
°Endlich ist es soweit.° dachte Hotaru zufrieden und holte ihren Verwandlungsfokus hervor.
"Saturn Star Power, Make up!"
Am Ende der Lightshow ließ sie ihre Gleve wieder im Nichts verschwinden und kehrte ins Lagezentrum zurück.
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Lieutenant Tom "Dancer" Higgins war auf einem weiteren Einsatz zur Rettung der Demokratie. Sein Tornado Jagdbomber hatte zu diesem Zweck fast acht Tonnen an Bomben und Raketen geladen. Schräg rechts hinter ihm, in fünf-Uhr- Position, flog sein Flügelmann Lieutenant Jeremy "Striker" Williams mit demselben Auftrag.
Die zwei Flugzeuge der britischen Luftwaffe gehörten zu einem Einsatzverband, der die britischen Bodentruppen vor Basra unterstützen sollte, da es dort noch immer heftigen Widerstand der Republikanischen Garde, Saddam Husseins Elitetruppe, gab.
"Hey, Dancer, ich hab hier ´ne seltsame Radaranzeige auf zehn Uhr." meldete der Waffenleitoffizier von seinem Platz im hinteren Teil des Cockpits.
"Definiere 'seltsam' etwas genauer, wenn´s geht, Bubbles."
Bubbles war der Spitzname seines WLOs und beruhte auf dessen Vorliebe für die Produktion großer Kaugummiblasen.
"Mehrere Objekte, die in extrem niedriger Flughöhe unterwegs sind."
"Die werden zu uns gehören, Bubbles." vermutete Dancer.
"Negativ." widersprach der WLO augenblicklich. "Die Sensorik von diesem Baby hier kennt alle Flugzeugtypen. Sowohl unsere als auch die irakischen, aber das hier ist was neues."
"Vielleicht neue Stealth-Flugzeuge der Amis. Die haben doch ´ne Vorliebe dafür, ihre Verbündeten nur über das zu informieren, was sie unbedingt wissen müssen."
"Möglich." gab Bubbles zu. "Aber die Dinger sind unterwegs auf´s offene Meer raus. Willst du wirklich riskieren, das nicht zu überprüfen?"
"Okay. Hast gewonnen." Lieutenant Higgins aktivierte sein Funkgerät und sendete auf einem offenen Kanal.
"Tornado Hedgehog-1 ruft die Flugzeugformation zwölf Meilen voraus in Richtung Nordwest. Identifizieren sie sich."
Er wartete einen Moment, aber er bekam keine Antwort.
"Tornado Hedgehog-1 ruft die unbekannten Flugzeuge in elf Meilen Entfernung Richtung Nordwest. Sie befinden sich in Kriegsgebiet. Identifizieren sie sich unverzüglich, oder wir sind gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen."
"Das sind zwölf von denen, Dancer, hältst du es für klug, denen zu drohen?"
"Was soll ich machen, wenn die Wichser nicht antworten?"
"Weiss nicht. Ranfliegen und nachsehen, vielleicht?"
"Gute Idee." Er schaltete auf einen anderen Kanal. "Striker, bleib auf Kurs und behalt mich im Auge. Ich seh mir die Burschen da unten mal näher an."
"Hältst du das für eine gute Idee?"
"Nein. Aber wenn die Burschen böse werden, muß ja jemand übrig bleiben, der das HQ informiert, daß die irakische Luftwaffe wieder auferstanden ist."
"Roger."
Higgins ließ seine Tornado über den linken Flügel abkippen und verlor schnell an Höhe, während er sich seinem Ziel näherte.
Er war noch sechs Meilen von der fremden Flugzeugstaffel entfernt, als er eine Antwort auf seine Funkmeldung bekam.
"Hedgehog-1, hier spricht Nemesis-1. Erklären sie unverzüglich ihre Absichten, oder wir leiten Maßnahmen ein, die sie unangenehm finden könnten." Die Stimme klang kalt und unpersönlich, gerade so, als höre man einen Roboter sprechen.
°Was ist denn das für ein Witzbold?° dachte Higgins kopfschüttelnd. °So großkotzig wie der ist, kann es nur ein Amerikaner sein.°
"Hedgehog-1 für Nemesis-1. Meine Absicht ist die Überprüfung ihrer Identität."
"Wir gehören zur mikronesischen Luftwaffe."
Higgins glaubte sich verhört zu haben.
"Nemesis-1, ich habe wohl ein Problem mit meinem Funkgerät. Sagten sie 'mikronesische Luftwaffe'?"
"Positiv, Hedgehog-1. Und jetzt empfehle ich ihnen, abzudrehen und nach Basra weiterzufliegen."
°Arroganter Bastard! Von dir lasse ich mir gar nichts sagen.°
"Und was haben sie vor, Nemesis-1?"
"Es geht sie zwar nichts an, Hedgehog, aber da sie in den Konflikt nicht verwickelt sind, kann ich es ihnen ja ruhig sagen. Wir sind auf dem Weg zu den amerikanischen Trägerverbänden hier im Golf."
"Ich wußte nicht, daß die Mikronesier zusammen mit Amerika kämpfen."
"Tun wir auch nicht."
"Aber dann..."
"Ich mache sie darauf aufmerksam, daß die Weitergabe dieser Information an die Amerikaner Großbritannien in den Konflikt hineinziehen würde, Hedgehog."
"Was denn verdammt nochmal für ein Konflikt?"
"Die Vereinigten Staaten haben mehrere Akte der Aggression gegen die Föderation von Mikronesien begangen, weshalb sich beide Staaten nun im Krieg befinden."
"Das ist doch verrückt!"
"Halten sie sich einfach da raus, Hedgehog. Hiermit ist das Gespräch beendet."
Noch immer geschockt von der Entwicklung zog Higgins seine Maschine in einem weiten Bogen wieder aufwärts. Dabei konnte er einen Blick auf die vorbeifliegende Flugzeugstaffel der Mikronesier werfen. Es waren die seltsamsten Flugzeuge, die er je gesehen hatte. Ein kugelförmiger Rumpf mit zwei Triebwerksöffnungen im Heck, aber ohne erkennbare Luftansaugöffnung im Bug. Und drei seltsam geformte Tragflächen, die rund um das Kugelcockpit angeordnet waren, aber auf eine Art und Weise, die eigentlich praktisch keinen Auftrieb erzeugen konnte. Nach allem, was er auf der Flugschule gelernt hatte, hätten diese Dinger nicht fliegen können dürfen. Aber sie taten es. Und sogar ziemlich schnell. Und ziemlich zielstrebig.
"Und was jetzt?" fragte er, nachdem er wieder mit Strikers Tornado in Formation flog, und seinen Flügelmann aufgeklärt hatte.
"Wir müssen unsere Vorgesetzten informieren." fand Striker.
"Und riskieren, mit den Burschen in einen Krieg zu geraten?"
"Was soll denn ein hinterwäldlerisches Inselkaff schon groß auf die Beine stellen können?" spottete der Flügelmann. "Diese zwölf Dinger da werden wahrscheinlich ihre gesamte Luftwaffe darstellen. Wenn wir die Amis warnen, schicken sie ein paar Jäger rüber und der Spuk ist in ein paar Sekunden vorbei."
"Außerdem sind wir mit den Amis verbündet." warf Bubbles ein.
"Okay." Higgins tastete einen neuen Code in die kleine Tastatur in seinem Cockpit ein und wechselte dadurch auf den Kanal, der ihn mit seinem Staffelkommandeur verband. Dann gab er eine Beschreibung der Situation und der zwölf Flugzeuge durch und setzte seinen Auftrag fort.
Zwanzig Minuten später nahm Captain Hartford an Bord der U.S.S. Constellation die Meldung über den sich nähernden "Besuch" entgegen. Da dieser Träger der letzten bekannten Position der Mikronesier am nächsten lag, machte es Sinn, diese Kampfgruppe als erste zu informieren.
"Jackson, was sagt das Radar? Irgendwelche unbekannten Kontakte im Norden?"
"Negativ, Captain."
"Hmm." brummte er nachdenklich.
"Was ist denn los, Sir?" fragte sein Erster Offizier.
"Zwei Tornados der Tommies haben auf dem Weg nach Basra angeblich Kontakt zu einer Staffel seltsam aussehender Flugzeuge gehabt, die zur Föderation von Mikronesien gehören sollen."
"Sind die nicht etwas weit weg von zu Hause?"
"Das mag sein, Nummer eins. Aber dank der Dummheit ihrer Regierung liegen sie nun im Krieg mit uns. Also sollten wir uns darum kümmern."
"Arme Irre." stimmte der 1-O zu. "Die schicken ihre Piloten doch nur zu ihrer eigenen Beerdigung."
"Fliegerboß."
Ein stämmiger Mann, der aufmerksam das Startdeck beobachtet und ständig Anweisungen in einen Telefonhörer gebrüllt hatte, drehte sich zum Captain um.
"Sir?"
"Wieviele Jäger haben wir in Bereitschaft für einen kleinen Ausflug in den Norden?"
"Eine Staffel Tomcats und zwei Rotten Hornets, Captain."
"Lassen sie die Tomcats und eine Hawkeye starten und den Bereich Nord- Nordwest von uns patroullieren. Angeblich nähern sich tieffliegende Banditen von dort." befahl Hartford. "Die Hornets bleiben in Bereitschaft."
"Aye, Sir."
Vier-Sterne-General Tommy Franks, der Oberbefehlshaber der Koalitionsarmee gegen den Irak, befand sich in einem Lagebesprechungsraum in einem Bunker in seinem Hauptquartier in Doha in Katar und studierte eine große elektronische Wandkarte. Die Sandstürme und einige andere Unwägbarkeiten, insbesondere die zeitweiligen Erfolge der irakischen Armee, hatten seine Truppen zunächst hinter ihren Zeitplan zurückgeworfen. Der Widerstand bei der Eroberung und Sicherung der Städte auf dem Weg von der Golfküste ins Inland hatte die Eröffnung einer zweiten Front im Norden des Landes notwendig gemacht, und nun lief die Invasion wieder. Zäh zwar, aber sie lief. Und nur das zählte. Noch mehr Rückschläge, und Präsident Bush würde ihn womöglich ablösen lassen.
°Aber nicht mit mir.° dachte er kampflustig. °Der alte Zeitplan basierte auf Fehleinschätzungen des Nachrichtendiensts. Mein neuer Plan ist realistischer, aber so oder so, der Ausgang des Konflikts steht ohnehin schon fest. Das war schon so, bevor die erste Bombe gefallen ist.°
Plötzlich lief ein Flackern durch die Karte.
Franks runzelte die Stirn. Diese taktische Operationskarte verzeichnete die Standorte aller Truppen und aller lokalisierten Feindstellungen, und das beinahe in Echtzeit. Es war eines der komplexesten, wichtigsten und daher bestgewarteten Stücke Technologie in dieser Anlage. Theoretisch war es unmöglich, daß es zu einem Ausfall kam, da jedes Bauteil mehrfach redundant vorhanden war.
Nach wenigen Sekunden wiederholte sich das Flackern. Diesmal jedoch war es deutlich stärker als beim ersten Mal.
"Major Kline!"
Einer von Franks Adjutanten reagierte auf den Ruf und begab sich zu ihm.
"Sir?"
Franks deutete auf die Karte.
"Was zum Teufel geht da vor?"
Kline studierte die Karte aufmerksam.
"Tut mir leid, Sir, aber..."
In dem Moment begann das nächste Aktualisierungsintervall, und auf einen Schlag verschwanden alle Symbole für Truppen der Koalitionsarmee von der Karte. Die wenigen irakischen Symbole verschwanden ebenfalls, aber irgendwie trug das nicht zur Beruhigung des Generals bei.
"...das muß ein Defekt sein." beendete Kline seinen Satz.
"Aber doch nicht in einem mehrfach redundanten System, Kline." widersprach Franks. "Das riecht verdammt nach Sabotage."
"Soll ich den Sicherheitsdienst rufen, Sir?"
"Den SD und ein paar Techniker." stimmte Franks zu. "Und lassen sie sich über Funk Lageberichte von allen Kampfgruppenkommandeuren ab Bataillonsebene geben, damit wir wissen, was sich noch so tut."
"Glauben sie, Saddam hat jetzt doch zum großen Schlag ausgeholt?" fragte Kline besorgt.
"Ich glaube gar nichts, Major, aber wenn das hier Sabotage ist, dann doch nur zu dem Zweck, unsere Befehlsstruktur und Truppenkoordination kurzzeitig zu schwächen." antwortete der General. "Und das macht nur dann Sinn, wenn Saddams Truppen gleichzeitig eine größere Operation durchziehen wollen."
"Ja, Sir." stimmte sein Adjutant zu. Dann drehte er sich um und ging, um seine Befehle auszuführen.
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Jacen sah von dem Stapel von Notizzetteln auf, die er gerade durchging, als Ami ins Wohnzimmer schlurfte und sich in einen Sessel fallen ließ. Ihr Gesicht war blaß, und tiefe Ringe unter ihren Augen legten Zeugnis von ihrer Müdigkeit ab. Kein Wunder, wenn man bedachte, daß es früh am Morgen war, und Ami genau wie die anderen Senshi in den letzten Tagen kaum Schlaf bekommen hatte.
Besorgt legte er die Notizen neben einen Stapel mit Ausdrucken von Informationen über die Tenchi Corporation und trat hinter den Sessel, in dem Ami saß. Dann legte er seine Hände auf ihre Schultern und begann damit, sie zu massieren, während er gleichzeitig die Macht benutzte, um Energie von seinem auf ihren Körper zu übertragen.
Das Mädchen stiess einen behaglichen Seufzer aus und entspannte sich sichtlich. Nach ein paar Minuten legte sie den Kopf in den Nacken und sah ihn lächelnd aus halbgeschlossenen Augen an.
"Bloß nicht aufhören." schnurrte sie wie ein zufriedener Kater.
Jacen lächelte zurück.
"Keine Sorge, Ami. Ich tu was ich kann, damit du dich besser fühlst."
Ihr Lächeln verstärkte sich.
"Danke."
"Und? Wie lief´s diesmal?"
Sie seufzte schwer.
"Wir haben wieder gewonnen. Aber ich weiss nicht, wie lange wir das noch durchhalten werden."
"So schlimm?"
"In den letzten drei Nächten mußten wir alle drei Stunden raus, um einen Youma zu bekämpfen. Daß Usagi und Minako in der Schule schlafen, ist ja nicht ungewöhnlich. Aber Rei ist gestern und heute beim Schlafen erwischt worden, und mich hätte man heute auch fast erwischt."
"Vielleicht wäre es leichter, wenn ich euch helfen würde. Ich brauche ja nicht so viel Schlaf."
"Das hatten wir doch schon." widersprach Ami mit leichtem Kopfschütteln. "Du hast kein Tarnfeld, das dein Aussehen verbirgt. Jeder würde dich wiedererkennen können, und das ist zu gefährlich. Außerdem hast du mehr Erfahrung mit imperialen Aktivitäten als wir, und deshalb wird es dir leichter fallen, die nötigen Hinweise in der Struktur der Tenchi Corporation zu finden."
"Ich weiss, Ami. Ich habe nur das Gefühl, kaum etwas zu tun, während ihr die ganze Arbeit auf eure Schultern ladet."
"Erstens täuscht das und zweitens ist es unsere Pflicht, diese Welt zu beschützen. Mach dir also nicht so viele Sorgen um uns." meinte sie beruhigend. "Hast du denn inzwischen was rausgefunden, was uns weiterbringt?"
"Nicht wirklich." seufzte er. "Es ist ziemlich frustrierend, sich durch die Struktur dieses Unternehmens zu wühlen. Ständig landet man in irgendwelchen Sackgassen, weisst du?"
"Und die Idee, nach Großprojekten zu suchen?"
"Das größte Projekt, an dem sogar mehrere Firmen der Tenchi-Gruppe beteiligt waren, ist ein riesiges Produktions- und Energieerzeugungszentrum in Nordchina, das vor zehn Jahren begann." antwortete er. "Im Rahmen der Vorbereitung eines großen Staudammprojekts hat die chinesische Regierung großräumige Umsiedlungsprojekte durchgeführt. Das Gebiet, in dem Tenchi dieses Projekt begonnen hat, gehörte auch dazu."
"Aber man siedelt doch nur Leute aus Gegenden um, die durch die Eröffnung des Dammprojekts unbewohnbar werden würden." wunderte Ami sich.
"Ein Jahr nach Abschluß der Umsiedlungsverfahren wurden die Pläne für das Dammprojekt geändert, so daß der Tenchi-Komplex weitergebaut werden konnte." erklärte Jacen diese Unstimmigkeit. "Möglicherweise haben sie die Regierung bestochen. Das Ergebnis ist jedenfalls, daß sie ihre Anlage mitten in der Einöde bauen konnten."
"Also ein idealer Platz, oder?"
"Theoretisch ja. Auch wenn ich nicht weiss, was sie dort machen könnten." erwiderte der junge Jedi. "Ich hab im Internet Fotos von der Anlage gesehen. Sie ist groß, aber nicht so groß, daß man dort irgendetwas bauen könnte, was in die Kategorie der Superwaffen fällt."
"Tja, und mal eben so vorbeischauen können wir ja auch nicht."
"Leider." stimmte Jacen ihr zu. "Wenn wir mehr Mobilität hätten, wäre das sicher kein Nachteil."
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{Die Constellation, die Abraham Lincoln und die Kitty Hawk wurden mitsamt ihrer Begleiteinheiten wie vorgesehen versenkt, Mylady. Protonentorpedos erwiesen sich gegen die Träger und Kreuzer als sehr effektiv.} erstattete ein junger Offizier in Hotarus Arbeitsraum Bericht.
{Gut. Und die Luftwaffe?}
{Wir haben alle amerikanischen Luftwaffenverbände in der südlichen Operationszone abschiessen können, Mylady. Ich habe noch nicht die endgültigen Zahlen, aber wir haben mindestens zehn F-117-Stealthbomber, vierzig F-18, etwa genausoviele F-16, drei Staffeln F-14-Abfangjäger und mehrere B-52-Bomber abgeschossen. Außerdem alle in der Luft befindlichen Aufklärungsflugzeuge im Operationsgebiet Süd.}
Hotaru nickte bedrückt.
°Allein mit den Angriffen der ersten Phase unseres Plans haben wir wenigstens zwanzigtausend Menschen getötet. Hoffentlich bleiben uns in Zukunft solche Massaker erspart.°
{Wie sieht es bei den Bodeneinheiten aus?}
{Ein Bataillon Bodentruppen wurde nördlich von Umm-Kasr zur Sicherung abgesetzt. Ein weiteres Bataillon geht mit massiver Luftunterstützung gegen die Besatzungstruppen vor. Wir haben noch keinen Bericht von Major Galen, aber die Stadt wird nach Einschätzung unserer Analytiker bis heute Abend in unserer Hand sein.}
{Das ist gut, Lieutenant.} brummte Hotaru. {Aber sagen sie, waren nicht vier Träger im Golf unterwegs? Dann fehlt doch einer in ihrem Bericht.}
Der Lieutenant nickte bestätigend. {Die Ark Royal. Ein britisches Schiff.}
{Verstehe. Irgendwelche Neuigkeiten über das Schiff?}
{Von der Ark Royal ist vor zehn Minuten ein Flugzeugverband gestartet. Vermutetes Ziel ist Basra, aber da die Amerikaner inzwischen wissen müssen, was bei Umm-Kasr passiert, könnte es auch sein, daß sie dort angreifen wollen. Damit würden die Briten allerdings ihre Bereitschaft signalisieren, an der Seite der Amerikaner gegen uns in den Krieg zu ziehen.}
{Major Fels Warnung vor dem Angriff auf die amerikanischen Träger sollte eigentlich hinreichend verdeutlicht haben, was ihnen dann bevorsteht. Schicken sie drei Staffeln Defender in eine günstige Position für einen Hinterhalt. Wenn sie unsere Truppen angreifen, vernichtet erst sie und dann ihren Trägerverband.}
{Jawohl, Mylady.} Der Lieutenant salutierte und verließ dann den Raum, während gleichzeitig eine andere Person eintrat.
"Du scheinst dich ja inzwischen an deine Rolle als stellvertretende Kommandeurin einer Kampfeinheit gewöhnt zu haben."
"Ich hasse es, Zirkonite." antwortete Hotaru matt. "Bei jeder Erfolgsmeldung, die mir überbracht wird, summiert sich dabei in meinem Kopf die Anzahl der Toten auf, die hinter diesen Meldungen steht."
"Aber du erledigst deine Arbeit trotzdem mit bewundernswerter Effizienz, wie ich hörte."
"Weil jede Fehlentscheidung meinerseits noch mehr Opfer fordern wird." schnaubte Hotaru bitter. "Wenn schon Blut an meinen Händen klebt, dann soll es so wenig wie möglich sein."
Zirkonite zuckte nur mit den Schultern.
"So kann man es natürlich auch sehen." meinte sie nüchtern. "Aber ich bin nicht wegen einer philosophischen Diskussion hergekommen."
"Ich weiss. Du hast Anweisungen von Meister Traxius bei dir."
Zirkonite nickte.
"Und ich wollte dich für deine Fortschritte beglückwünschen. Es ist beeindruckend, wie schnell du die Gedankenmanipulation gemeistert hast."
"Ich glaube, ich habe durch Zufall einen Trick entdeckt, der es erleichtert."
"So?"
Hotaru nickte.
"Aus naheliegenden Gründen habe ich nach jedem Mißerfolg meine Emotionen mehr und mehr unterdrückt, bis ich am Ende gar nichts mehr gefühlt habe." erklärte sie. "Ich denke, wenn man seine eigenen Emotionen abschaltet, fällt die gefahrlose Beeinflussung eines anderen Individuums leichter."
"Und warum, glaubst du, ist das so?"
"Wenn ich durch die Macht eine Verbindung zu einem anderen Wesen oder Objekt schaffe, ist das eine Verbindung, die in beide Richtungen offen ist. Einem Stein sind meine Gefühle herzlich egal, aber einen anderen Menschen beeinflussen sie sicherlich, und ich denke, es ist dieses Feedback, das im Verstand meines Ziels diese Schäden verursacht."
Zirkonite dachte für einen Moment schweigend darüber nach. Dann nickte sie langsam.
"Damit könntest du Recht haben. Ich werde mal mit den anderen Schülern darüber reden, wenn ich sie sehe."
"Wie geht es eigentlich Midori?"
"Sitzt in Tokyo und langweilt sich zu Tode, nachdem sie bei der Aufstellung der Angriffspläne für die dritte Sturmgardedivision mitgeholfen hat. Im Augenblick hat sie nichts zu tun und das nervt sie gewaltig."
"Wo operiert die dritte Garde?"
"Ozeanien. Der Angriff findet erst statt, wenn wir absehen können, wie es sich hier im Irak entwickelt, aber dann wird es ziemlich schnell gehen. Die meisten Gebiete dürften innerhalb der ersten beiden Wochen nach Einsatzbeginn fallen. Vielleicht geht es schon innerhalb der nächsten paar Tage los. Die Amerikaner und ihre Verbündeten haben Stützpunkte, die teilweise relativ nah an unseren eigenen Basen liegen."
"Hmm. Und meine Aufgabe?"
Zirkonite legte eine Disk auf Hotarus Schreibtisch.
"Darauf sind Berichte über die Situation in den verschiedenen Regionen Afrikas. Politisch, sozial, wirtschaftlich und militärisch." erklärte die ehemalige Generalin des Dunklen Königreichs. "Ich hätte gern von dir einen Vorschlag für das erste Angriffsziel. Und wenn möglich bis morgen."
"So schnell?"
Zirkonite nickte.
"Tut mir leid, aber ich habe noch sehr viel zu tun und im Augenblick überschlagen sich leider die Ereignisse."
"Verstehe. Aber mal was anderes: Was hast du eigentlich für die zu erwartenden Gefangenen dieser Operation geplant?"
Zirkonite lächelte geheimnisvoll.
"Ich habe vor, aus Wölfen friedliche Schafe zu machen."
"Sprich bitte nicht in Rätseln." verlangte Hotaru ein wenig mürrisch, was Zirkonite jedoch nur ein nachsichtiges Lächeln entlockte.
"Ich habe vor kurzem ein eigenes Taschenuniversum fertiggestellt." erklärte sie.
"Ein...Taschenuniversum?" Hotarus Stirnrunzeln zeigte, daß sie nicht begriff, worum es ging.
"So eine Art Paralleldimension, die wie das Dunkle Königreich über ein Portal mit dieser Welt verbunden werden kann." erläuterte Zirkonite. "Es war ziemlich schwierig für mich, auch wenn dieses Taschenuniversum nur aus einer einzigen Sonne mit einem einzigen Planeten besteht. Der Planet ist nicht sehr groß, dafür aber sehr dicht, damit dort trotzdem Erdschwerkraft herrscht. Und dort ist Leben möglich."
"Ist das deine Vorstellung von einem Gefangenenlager?"
"Nicht ganz. Ich habe einen detaillierten Bericht für Lord Traxius angefertigt. Aber ich denke, du kannst ruhig einen Blick hinein werfen."
Sie reichte Hotaru eine weitere Disk, die diese sofort in ihr Lesegerät schob. Den Bericht überflog sie dann, wobei sie nur ein paar sie besonders interessierende Passagen genauer durcharbeitete. Nach einer Stunde blickte sie mit einem Ausdruck von Bewunderung von ihrem Monitor auf und gab Zirkonite die Disk zurück.
"Das ist genial."
"Danke. Sobald wir hier fertig sind, dürften wir das System weit genug ausgebaut haben, um es für die Bevölkerungen ganzer Städte anzuwenden. Danach wird es keinen Hang zur Gewalt mehr in der Bevölkerung geben."
"Von Wölfen zu Schafen." hauchte Hotaru ergriffen.
"Von Wölfen zu Schafen." bestätigte Zirkonite mit einem triumphierenden Lächeln. "Und wir Machtbegabten werden die Hirten sein."
Endlich ist es soweit. Der dritte Weltkrieg steht vor der Tür. Und diesmal sind die Deutschen nicht schuld ^^".
Disclaimer: Keine der Figuren gehört mir, und ich schreibe das hier nur, weil ich gerade nichts besseres zu tun habe (nicht, um damit Geld zu verdienen).
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°....° = jemand denkt
"...." = jemand sagt
{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)
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Darth Saturn - The Dark Harvest
Teil 16
Hotaru warf einen nachdenklichen Blick auf die Holokarte des irakischen Schlachtfeldes. Das Wissen, welches sie mit Hilfe der Macht aus dem Verstand ihrer Untergebenen aufgenommen hatte, leistete ihr bei der Beurteilung der Lage gute Dienste.
{Die Amerikaner scheinen inzwischen mit den Irakis keine größeren Schwierigkeiten mehr zu haben.}
{Das stimmt, Mylady.} erwiderte Commander Staven neben ihr.
{Ich frage mich, woran das liegt.}
{Die Amerikaner verwenden ein ausgeklügeltes taktisches Informationssystem, Mylady. Sobald eine ihrer Einheiten Feindstellungen ausmacht, werden diese augenblicklich auf einer exakten Karte vermerkt, was den Truppen in der Nähe ermöglicht, mit maximaler Effizienz zuzuschlagen.} erklärte der Commander. {Ihre Aufklärungs- und Kommunikationssatelliten und ihre Erkundungsflugzeuge sind zusammen mit den GPS-Satelliten die Hauptschlüssel dieser Strategie. Hinzu kommt, daß sie die absolute Luftüberlegenheit haben.}
{Wann wird die nächste Phase unserer Operation beginnen, Commander?}
{Sobald Lord Taichi das Startsignal gibt, Mylady. Das sollte innerhalb der nächsten Stunden geschehen.}
{Nein, Commander.} erklang hinter Hotaru eine neue Stimme. {Das Warten hat ein Ende.}
Die Tür seines Arbeitsraums schloß sich hinter Taichi, der mit entschlossener Miene auf Hotaru und Staven zukam. {Ich habe gerade mit den Kommandanten der anderen Einheiten gesprochen, die an Operation Blackout beteiligt sind.}
{Alle Stationen sind bereit, mein Lord?}
{So ist es, Commander. Als letztes ging vor zwei Stunden die Anlage am Amazonas in Betrieb.}
Staven straffte sich sichtlich in Erwartung weiterer Anweisungen.
{Ihre Befehle, mein Lord?}
{Beginnen sie die Warmlaufsequenz für die Ionenkanone und aktivieren sie die Langstreckensensoren. Ich wünsche, daß sie jeden Partikel im Erdorbit, der größer ist als ein Tennisball, ausfindig machen.}
{Ja, mein Lord.}
{Identifizieren sie dann alle GPS-Satelliten, die für den irakischen Raum von Bedeutung sein könnten und initiieren sie die Abschußsequenzen aller Ionenkanonen in Reichweite.} befahl Taichi knapp. {Die Feuerleitstelle dieser Basis wird die Zielzuweisung und Angriffssynchronisation für alle anderen Stationen übernehmen. Die Operation beginnt in dreißig Minuten.}
{Ja, mein Lord. Wie steht es um Operation Desert Devastation?}
Taichi dachte einen Moment nach.
{Beginnen sie mit der ersten Phase der Luftangriffe fünfzehn Minuten nach Abschuß des ersten GPS-Satelliten. Ach ja, schiessen sie außerdem jeden Spionagesatelliten ab, der in eine Position kommt, aus der er unsere Operationen verfolgen könnte.}
{Was ist mit den Kommunikationssatelliten?} fragte Hotaru.
{Unsere Hacker werden sich Zugriff auf sie verschaffen und die gesamte Kommunikation für uns zugänglich machen.} erwiderte Taichi. {Im Moment reicht es, wenn die Amerikaner blind sind. Sie stumm zu machen, würde uns die Gelegenheit nehmen, ihre Kommunikation zu manipulieren und ihre Verwirrung zu vergrößern.}
Hotaru nickte verstehend.
Wenn im feindlichen Hauptquartier keine Meldungen ankamen, würden die Kommandeure sich Zeit nehmen, um nachzudenken und zu planen. Wenn aber viele womöglich auch noch widersprüchliche Meldungen eintrafen, würde das im feindlichen Hauptquartier zu Chaos führen, was wichtige Planungs- und Entscheidungsprozesse verlangsamen würde und die Wahrscheinlichkeit erhöhte, daß Fehlentscheidungen getroffen wurden.
{Ich habe mir Gedanken zu unserem Primärplan gemacht.} meinte sie schließlich.
{Und?} fragte Taichi. {Irgendwelche Unklarheiten?}
{Nein.} Hotaru schüttelte ein wenig zögerlich den Kopf. {Aber vielleicht ein paar Vorschläge...}
{Kein Grund für Unsicherheit. Du bist meine Stellvertreterin, also sag, was du zu sagen hast.}
Sie lächelte knapp.
{Der ursprüngliche Plan sieht Bombenangriffe auf die südliche Küstenregion vor, um den Nachschub für die gegen Bagdad vorrückende 3. US- Infanteriedivision und die anderen Einheiten im Feld zu vernichten, sobald die Marine- und Luftwaffeneinheiten im Persischen Golf vernichtet worden sind.}
{Aber du hast eine andere Idee.}
Hotaru nickte.
{Wenn wir von dem Angriffsgeschwader für die Region Süd zwei Staffeln TIE- Defender abziehen, und eine die Luftabwehrbatterien und Artilleriestellungen an der kuwaitischen Grenze vernichten lassen, während die andere Staffel als Geleitschutz für einige Lambdafähren und schwere Gerätetransporter dient, können wir mit Sicherheit in kürzester Zeit die Verteidiger von Umm-Kasr ausschalten und den Nachschub erobern.}
{Wozu soll das gut sein?} fragte Taichi skeptisch. {Wir brauchen ihren Nachschub nicht.}
{Das mag für die Munition und den Treibstoff zutreffen, aber nicht für die Nahrungsmittel.} widersprach Hotaru. {Wenn unsere Truppen in der zweiten Angriffsphase gegen die Truppen im Inland vorrücken, werden sie eine Menge Gefangene machen. Dann können wir ihren Nachschub benutzen, um diese Gefangenen zu versorgen.}
Taichis Skepsis wich einem anerkennenden Lächeln.
{Eine gute Idee.} Er wandte sich an Commander Staven. {Ändern sie die Planung entsprechend ab.}
{Jawohl, mein Lord.}
Staven begab sich zu einem seiner Untergebenen und gab Anweisung, die beteiligten Einheitskommandeure entsprechend zu instruieren.
{Mit den Fähren können wir in kürzester Zeit mehrere tausend Mann zu jeder bedrohten Stadt transportieren und die Angreifer neutralisieren.}
{Ja.} stimmte Hotaru zu. {Aber was stellen wir mit den zu erwartenden Gefangenen an? Wo sollen wir sie unterbringen?}
{Das ist Zirkonites Angelegenheit.} antwortete Taichi mit einem geheimnisvollen Lächeln. Aber bevor er mehr sagen konnte, trat ein Kommunikationsoffizier heran.
{Lady Saturn, Lord Traxius wünscht euch über Holokom zu sprechen.}
Hotaru nickte dem Mann knapp zu.
{Ich bin gleich zurück.} verabschiedete sie sich von Taichi.
Dann verschwand sie in einen benachbarten Raum, der ihr persönliches Arbeitszimmer war, und trat in den Übertragungskreis. Als sich vor ihr Traxius Abbild aufbaute, sank sie augenblicklich auf ein Knie.
"Ihr habt mich gerufen, Meister?"
"So ist es, meine Schülerin. Ich wünsche von dir einen Bericht über die Situation vor Ort."
Hotaru räusperte sich und gab ihrem Meister dann alle Informationen, die sie über die laufenden Operationen hatte. Als sie die von ihr vorgeschlagene Planänderung erwähnte, nickte er beifällig.
"Ein guter Einfall." lobte er sie.
"Danke, Meister. Ich frage mich allerdings, wo wir die ganzen Gefangenen unterbringen sollen. Taichi meint, das sei Zirkonites Aufgabe. Wie ist das zu verstehen?"
"Das kann sie dir selbst erklären." antwortete Traxius. "Sie wird im Lauf des Tages mit einem Geschenk für dich in eurem Stützpunkt eintreffen."
"Ein Geschenk?"
"Das Spielzeug, um das du sie neulich gebeten hattest."
"Oh. Ich verstehe."
Traxius nickte ihr zu.
"Wie geht dein Training voran?"
Hotaru berichtete ihm ein wenig stockend von den Ereignissen.
"Im siebten Anlauf erfolgreich, und das auch noch an nur einem Tag." zeigte er sich beeindruckt. "Andere haben dafür Wochen oder gar Monate gebraucht, also geh nicht zu hart mit dir ins Gericht. Außerdem sind diese Puppen leicht ersetzbar. Es besteht also kein Grund für überflüssige Selbstvorwürfe. Selbst tausend oder zehntausend von ihnen hätten dabei kaputtgehen dürfen."
Hotaru machte große Augen.
"Als du die Erschaffung dieses Plasmaballs trainiert hast, hast du eine ganze Übungshalle in Schutt und Asche gelegt. Das hier ist nichts anderes, nur das dein Trainingsfeld der Verstand von ein paar unbedeutenden Klonen war. Und vergiß nicht, daß es für die Zukunft der Senshi von größter Wichtigkeit ist, daß du die Macht meisterst."
Sie nickte bedächtig. Irgendwie ergaben seine Worte Sinn. Und das beruhigte sie. Zerstreute die Zweifel an der Richtigkeit ihres Tuns, die die Ergebnisse ihrer Taten geweckt hatten.
"Ja, Meister."
"Gut." freute er sich über die Einsichtigkeit seiner Schülerin. "Zirkonite wird dir eine Disk mit weiteren Anweisungen übergeben, wenn sie bei euch eintrifft."
"Weitere Anweisungen?"
"Für deine Aufgaben nach Erledigung des Irak-Problems. Das ist schließlich nur der Auftakt für unsere eigentliche Operation. Wenn du Fragen oder Anregungen hast, wende dich an die für den Aufgabenbereich angegebene Kontaktperson."
Hotaru nickte zustimmend.
"Und noch etwas, meine Schülerin. Bis jetzt hast du die Macht als Hotaru eingesetzt. Und du hast gelernt, wie du Körper und Geist stärker machen kannst. Jetzt, wo du die wesentlichen Fragen des Wie verstanden hast, wirst du als Sailor Saturn weitertrainieren." wies er sie an. "In dieser Form ist deine Kraft um ein Vielfaches größer, also sei vorsichtig."
"Ich nehme an, nun soll ich lernen, die Kontrolle über meine Kräfte zu verbessern."
"So ist es. Als Saturn wird das für dich eine große Herausforderung werden, aber ich vertraue auf dein immenses Talent."
"Ich werde euch nicht enttäuschen, Meister." versprach sie mit grimmiger Entschlossenheit.
"Ich weiss."
Mit diesen Worten verblasste das Bild ihres Mentors und der Lichtkegel über ihrem Übertragungskreis erlosch.
°Endlich ist es soweit.° dachte Hotaru zufrieden und holte ihren Verwandlungsfokus hervor.
"Saturn Star Power, Make up!"
Am Ende der Lightshow ließ sie ihre Gleve wieder im Nichts verschwinden und kehrte ins Lagezentrum zurück.
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Lieutenant Tom "Dancer" Higgins war auf einem weiteren Einsatz zur Rettung der Demokratie. Sein Tornado Jagdbomber hatte zu diesem Zweck fast acht Tonnen an Bomben und Raketen geladen. Schräg rechts hinter ihm, in fünf-Uhr- Position, flog sein Flügelmann Lieutenant Jeremy "Striker" Williams mit demselben Auftrag.
Die zwei Flugzeuge der britischen Luftwaffe gehörten zu einem Einsatzverband, der die britischen Bodentruppen vor Basra unterstützen sollte, da es dort noch immer heftigen Widerstand der Republikanischen Garde, Saddam Husseins Elitetruppe, gab.
"Hey, Dancer, ich hab hier ´ne seltsame Radaranzeige auf zehn Uhr." meldete der Waffenleitoffizier von seinem Platz im hinteren Teil des Cockpits.
"Definiere 'seltsam' etwas genauer, wenn´s geht, Bubbles."
Bubbles war der Spitzname seines WLOs und beruhte auf dessen Vorliebe für die Produktion großer Kaugummiblasen.
"Mehrere Objekte, die in extrem niedriger Flughöhe unterwegs sind."
"Die werden zu uns gehören, Bubbles." vermutete Dancer.
"Negativ." widersprach der WLO augenblicklich. "Die Sensorik von diesem Baby hier kennt alle Flugzeugtypen. Sowohl unsere als auch die irakischen, aber das hier ist was neues."
"Vielleicht neue Stealth-Flugzeuge der Amis. Die haben doch ´ne Vorliebe dafür, ihre Verbündeten nur über das zu informieren, was sie unbedingt wissen müssen."
"Möglich." gab Bubbles zu. "Aber die Dinger sind unterwegs auf´s offene Meer raus. Willst du wirklich riskieren, das nicht zu überprüfen?"
"Okay. Hast gewonnen." Lieutenant Higgins aktivierte sein Funkgerät und sendete auf einem offenen Kanal.
"Tornado Hedgehog-1 ruft die Flugzeugformation zwölf Meilen voraus in Richtung Nordwest. Identifizieren sie sich."
Er wartete einen Moment, aber er bekam keine Antwort.
"Tornado Hedgehog-1 ruft die unbekannten Flugzeuge in elf Meilen Entfernung Richtung Nordwest. Sie befinden sich in Kriegsgebiet. Identifizieren sie sich unverzüglich, oder wir sind gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen."
"Das sind zwölf von denen, Dancer, hältst du es für klug, denen zu drohen?"
"Was soll ich machen, wenn die Wichser nicht antworten?"
"Weiss nicht. Ranfliegen und nachsehen, vielleicht?"
"Gute Idee." Er schaltete auf einen anderen Kanal. "Striker, bleib auf Kurs und behalt mich im Auge. Ich seh mir die Burschen da unten mal näher an."
"Hältst du das für eine gute Idee?"
"Nein. Aber wenn die Burschen böse werden, muß ja jemand übrig bleiben, der das HQ informiert, daß die irakische Luftwaffe wieder auferstanden ist."
"Roger."
Higgins ließ seine Tornado über den linken Flügel abkippen und verlor schnell an Höhe, während er sich seinem Ziel näherte.
Er war noch sechs Meilen von der fremden Flugzeugstaffel entfernt, als er eine Antwort auf seine Funkmeldung bekam.
"Hedgehog-1, hier spricht Nemesis-1. Erklären sie unverzüglich ihre Absichten, oder wir leiten Maßnahmen ein, die sie unangenehm finden könnten." Die Stimme klang kalt und unpersönlich, gerade so, als höre man einen Roboter sprechen.
°Was ist denn das für ein Witzbold?° dachte Higgins kopfschüttelnd. °So großkotzig wie der ist, kann es nur ein Amerikaner sein.°
"Hedgehog-1 für Nemesis-1. Meine Absicht ist die Überprüfung ihrer Identität."
"Wir gehören zur mikronesischen Luftwaffe."
Higgins glaubte sich verhört zu haben.
"Nemesis-1, ich habe wohl ein Problem mit meinem Funkgerät. Sagten sie 'mikronesische Luftwaffe'?"
"Positiv, Hedgehog-1. Und jetzt empfehle ich ihnen, abzudrehen und nach Basra weiterzufliegen."
°Arroganter Bastard! Von dir lasse ich mir gar nichts sagen.°
"Und was haben sie vor, Nemesis-1?"
"Es geht sie zwar nichts an, Hedgehog, aber da sie in den Konflikt nicht verwickelt sind, kann ich es ihnen ja ruhig sagen. Wir sind auf dem Weg zu den amerikanischen Trägerverbänden hier im Golf."
"Ich wußte nicht, daß die Mikronesier zusammen mit Amerika kämpfen."
"Tun wir auch nicht."
"Aber dann..."
"Ich mache sie darauf aufmerksam, daß die Weitergabe dieser Information an die Amerikaner Großbritannien in den Konflikt hineinziehen würde, Hedgehog."
"Was denn verdammt nochmal für ein Konflikt?"
"Die Vereinigten Staaten haben mehrere Akte der Aggression gegen die Föderation von Mikronesien begangen, weshalb sich beide Staaten nun im Krieg befinden."
"Das ist doch verrückt!"
"Halten sie sich einfach da raus, Hedgehog. Hiermit ist das Gespräch beendet."
Noch immer geschockt von der Entwicklung zog Higgins seine Maschine in einem weiten Bogen wieder aufwärts. Dabei konnte er einen Blick auf die vorbeifliegende Flugzeugstaffel der Mikronesier werfen. Es waren die seltsamsten Flugzeuge, die er je gesehen hatte. Ein kugelförmiger Rumpf mit zwei Triebwerksöffnungen im Heck, aber ohne erkennbare Luftansaugöffnung im Bug. Und drei seltsam geformte Tragflächen, die rund um das Kugelcockpit angeordnet waren, aber auf eine Art und Weise, die eigentlich praktisch keinen Auftrieb erzeugen konnte. Nach allem, was er auf der Flugschule gelernt hatte, hätten diese Dinger nicht fliegen können dürfen. Aber sie taten es. Und sogar ziemlich schnell. Und ziemlich zielstrebig.
"Und was jetzt?" fragte er, nachdem er wieder mit Strikers Tornado in Formation flog, und seinen Flügelmann aufgeklärt hatte.
"Wir müssen unsere Vorgesetzten informieren." fand Striker.
"Und riskieren, mit den Burschen in einen Krieg zu geraten?"
"Was soll denn ein hinterwäldlerisches Inselkaff schon groß auf die Beine stellen können?" spottete der Flügelmann. "Diese zwölf Dinger da werden wahrscheinlich ihre gesamte Luftwaffe darstellen. Wenn wir die Amis warnen, schicken sie ein paar Jäger rüber und der Spuk ist in ein paar Sekunden vorbei."
"Außerdem sind wir mit den Amis verbündet." warf Bubbles ein.
"Okay." Higgins tastete einen neuen Code in die kleine Tastatur in seinem Cockpit ein und wechselte dadurch auf den Kanal, der ihn mit seinem Staffelkommandeur verband. Dann gab er eine Beschreibung der Situation und der zwölf Flugzeuge durch und setzte seinen Auftrag fort.
Zwanzig Minuten später nahm Captain Hartford an Bord der U.S.S. Constellation die Meldung über den sich nähernden "Besuch" entgegen. Da dieser Träger der letzten bekannten Position der Mikronesier am nächsten lag, machte es Sinn, diese Kampfgruppe als erste zu informieren.
"Jackson, was sagt das Radar? Irgendwelche unbekannten Kontakte im Norden?"
"Negativ, Captain."
"Hmm." brummte er nachdenklich.
"Was ist denn los, Sir?" fragte sein Erster Offizier.
"Zwei Tornados der Tommies haben auf dem Weg nach Basra angeblich Kontakt zu einer Staffel seltsam aussehender Flugzeuge gehabt, die zur Föderation von Mikronesien gehören sollen."
"Sind die nicht etwas weit weg von zu Hause?"
"Das mag sein, Nummer eins. Aber dank der Dummheit ihrer Regierung liegen sie nun im Krieg mit uns. Also sollten wir uns darum kümmern."
"Arme Irre." stimmte der 1-O zu. "Die schicken ihre Piloten doch nur zu ihrer eigenen Beerdigung."
"Fliegerboß."
Ein stämmiger Mann, der aufmerksam das Startdeck beobachtet und ständig Anweisungen in einen Telefonhörer gebrüllt hatte, drehte sich zum Captain um.
"Sir?"
"Wieviele Jäger haben wir in Bereitschaft für einen kleinen Ausflug in den Norden?"
"Eine Staffel Tomcats und zwei Rotten Hornets, Captain."
"Lassen sie die Tomcats und eine Hawkeye starten und den Bereich Nord- Nordwest von uns patroullieren. Angeblich nähern sich tieffliegende Banditen von dort." befahl Hartford. "Die Hornets bleiben in Bereitschaft."
"Aye, Sir."
Vier-Sterne-General Tommy Franks, der Oberbefehlshaber der Koalitionsarmee gegen den Irak, befand sich in einem Lagebesprechungsraum in einem Bunker in seinem Hauptquartier in Doha in Katar und studierte eine große elektronische Wandkarte. Die Sandstürme und einige andere Unwägbarkeiten, insbesondere die zeitweiligen Erfolge der irakischen Armee, hatten seine Truppen zunächst hinter ihren Zeitplan zurückgeworfen. Der Widerstand bei der Eroberung und Sicherung der Städte auf dem Weg von der Golfküste ins Inland hatte die Eröffnung einer zweiten Front im Norden des Landes notwendig gemacht, und nun lief die Invasion wieder. Zäh zwar, aber sie lief. Und nur das zählte. Noch mehr Rückschläge, und Präsident Bush würde ihn womöglich ablösen lassen.
°Aber nicht mit mir.° dachte er kampflustig. °Der alte Zeitplan basierte auf Fehleinschätzungen des Nachrichtendiensts. Mein neuer Plan ist realistischer, aber so oder so, der Ausgang des Konflikts steht ohnehin schon fest. Das war schon so, bevor die erste Bombe gefallen ist.°
Plötzlich lief ein Flackern durch die Karte.
Franks runzelte die Stirn. Diese taktische Operationskarte verzeichnete die Standorte aller Truppen und aller lokalisierten Feindstellungen, und das beinahe in Echtzeit. Es war eines der komplexesten, wichtigsten und daher bestgewarteten Stücke Technologie in dieser Anlage. Theoretisch war es unmöglich, daß es zu einem Ausfall kam, da jedes Bauteil mehrfach redundant vorhanden war.
Nach wenigen Sekunden wiederholte sich das Flackern. Diesmal jedoch war es deutlich stärker als beim ersten Mal.
"Major Kline!"
Einer von Franks Adjutanten reagierte auf den Ruf und begab sich zu ihm.
"Sir?"
Franks deutete auf die Karte.
"Was zum Teufel geht da vor?"
Kline studierte die Karte aufmerksam.
"Tut mir leid, Sir, aber..."
In dem Moment begann das nächste Aktualisierungsintervall, und auf einen Schlag verschwanden alle Symbole für Truppen der Koalitionsarmee von der Karte. Die wenigen irakischen Symbole verschwanden ebenfalls, aber irgendwie trug das nicht zur Beruhigung des Generals bei.
"...das muß ein Defekt sein." beendete Kline seinen Satz.
"Aber doch nicht in einem mehrfach redundanten System, Kline." widersprach Franks. "Das riecht verdammt nach Sabotage."
"Soll ich den Sicherheitsdienst rufen, Sir?"
"Den SD und ein paar Techniker." stimmte Franks zu. "Und lassen sie sich über Funk Lageberichte von allen Kampfgruppenkommandeuren ab Bataillonsebene geben, damit wir wissen, was sich noch so tut."
"Glauben sie, Saddam hat jetzt doch zum großen Schlag ausgeholt?" fragte Kline besorgt.
"Ich glaube gar nichts, Major, aber wenn das hier Sabotage ist, dann doch nur zu dem Zweck, unsere Befehlsstruktur und Truppenkoordination kurzzeitig zu schwächen." antwortete der General. "Und das macht nur dann Sinn, wenn Saddams Truppen gleichzeitig eine größere Operation durchziehen wollen."
"Ja, Sir." stimmte sein Adjutant zu. Dann drehte er sich um und ging, um seine Befehle auszuführen.
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Jacen sah von dem Stapel von Notizzetteln auf, die er gerade durchging, als Ami ins Wohnzimmer schlurfte und sich in einen Sessel fallen ließ. Ihr Gesicht war blaß, und tiefe Ringe unter ihren Augen legten Zeugnis von ihrer Müdigkeit ab. Kein Wunder, wenn man bedachte, daß es früh am Morgen war, und Ami genau wie die anderen Senshi in den letzten Tagen kaum Schlaf bekommen hatte.
Besorgt legte er die Notizen neben einen Stapel mit Ausdrucken von Informationen über die Tenchi Corporation und trat hinter den Sessel, in dem Ami saß. Dann legte er seine Hände auf ihre Schultern und begann damit, sie zu massieren, während er gleichzeitig die Macht benutzte, um Energie von seinem auf ihren Körper zu übertragen.
Das Mädchen stiess einen behaglichen Seufzer aus und entspannte sich sichtlich. Nach ein paar Minuten legte sie den Kopf in den Nacken und sah ihn lächelnd aus halbgeschlossenen Augen an.
"Bloß nicht aufhören." schnurrte sie wie ein zufriedener Kater.
Jacen lächelte zurück.
"Keine Sorge, Ami. Ich tu was ich kann, damit du dich besser fühlst."
Ihr Lächeln verstärkte sich.
"Danke."
"Und? Wie lief´s diesmal?"
Sie seufzte schwer.
"Wir haben wieder gewonnen. Aber ich weiss nicht, wie lange wir das noch durchhalten werden."
"So schlimm?"
"In den letzten drei Nächten mußten wir alle drei Stunden raus, um einen Youma zu bekämpfen. Daß Usagi und Minako in der Schule schlafen, ist ja nicht ungewöhnlich. Aber Rei ist gestern und heute beim Schlafen erwischt worden, und mich hätte man heute auch fast erwischt."
"Vielleicht wäre es leichter, wenn ich euch helfen würde. Ich brauche ja nicht so viel Schlaf."
"Das hatten wir doch schon." widersprach Ami mit leichtem Kopfschütteln. "Du hast kein Tarnfeld, das dein Aussehen verbirgt. Jeder würde dich wiedererkennen können, und das ist zu gefährlich. Außerdem hast du mehr Erfahrung mit imperialen Aktivitäten als wir, und deshalb wird es dir leichter fallen, die nötigen Hinweise in der Struktur der Tenchi Corporation zu finden."
"Ich weiss, Ami. Ich habe nur das Gefühl, kaum etwas zu tun, während ihr die ganze Arbeit auf eure Schultern ladet."
"Erstens täuscht das und zweitens ist es unsere Pflicht, diese Welt zu beschützen. Mach dir also nicht so viele Sorgen um uns." meinte sie beruhigend. "Hast du denn inzwischen was rausgefunden, was uns weiterbringt?"
"Nicht wirklich." seufzte er. "Es ist ziemlich frustrierend, sich durch die Struktur dieses Unternehmens zu wühlen. Ständig landet man in irgendwelchen Sackgassen, weisst du?"
"Und die Idee, nach Großprojekten zu suchen?"
"Das größte Projekt, an dem sogar mehrere Firmen der Tenchi-Gruppe beteiligt waren, ist ein riesiges Produktions- und Energieerzeugungszentrum in Nordchina, das vor zehn Jahren begann." antwortete er. "Im Rahmen der Vorbereitung eines großen Staudammprojekts hat die chinesische Regierung großräumige Umsiedlungsprojekte durchgeführt. Das Gebiet, in dem Tenchi dieses Projekt begonnen hat, gehörte auch dazu."
"Aber man siedelt doch nur Leute aus Gegenden um, die durch die Eröffnung des Dammprojekts unbewohnbar werden würden." wunderte Ami sich.
"Ein Jahr nach Abschluß der Umsiedlungsverfahren wurden die Pläne für das Dammprojekt geändert, so daß der Tenchi-Komplex weitergebaut werden konnte." erklärte Jacen diese Unstimmigkeit. "Möglicherweise haben sie die Regierung bestochen. Das Ergebnis ist jedenfalls, daß sie ihre Anlage mitten in der Einöde bauen konnten."
"Also ein idealer Platz, oder?"
"Theoretisch ja. Auch wenn ich nicht weiss, was sie dort machen könnten." erwiderte der junge Jedi. "Ich hab im Internet Fotos von der Anlage gesehen. Sie ist groß, aber nicht so groß, daß man dort irgendetwas bauen könnte, was in die Kategorie der Superwaffen fällt."
"Tja, und mal eben so vorbeischauen können wir ja auch nicht."
"Leider." stimmte Jacen ihr zu. "Wenn wir mehr Mobilität hätten, wäre das sicher kein Nachteil."
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{Die Constellation, die Abraham Lincoln und die Kitty Hawk wurden mitsamt ihrer Begleiteinheiten wie vorgesehen versenkt, Mylady. Protonentorpedos erwiesen sich gegen die Träger und Kreuzer als sehr effektiv.} erstattete ein junger Offizier in Hotarus Arbeitsraum Bericht.
{Gut. Und die Luftwaffe?}
{Wir haben alle amerikanischen Luftwaffenverbände in der südlichen Operationszone abschiessen können, Mylady. Ich habe noch nicht die endgültigen Zahlen, aber wir haben mindestens zehn F-117-Stealthbomber, vierzig F-18, etwa genausoviele F-16, drei Staffeln F-14-Abfangjäger und mehrere B-52-Bomber abgeschossen. Außerdem alle in der Luft befindlichen Aufklärungsflugzeuge im Operationsgebiet Süd.}
Hotaru nickte bedrückt.
°Allein mit den Angriffen der ersten Phase unseres Plans haben wir wenigstens zwanzigtausend Menschen getötet. Hoffentlich bleiben uns in Zukunft solche Massaker erspart.°
{Wie sieht es bei den Bodeneinheiten aus?}
{Ein Bataillon Bodentruppen wurde nördlich von Umm-Kasr zur Sicherung abgesetzt. Ein weiteres Bataillon geht mit massiver Luftunterstützung gegen die Besatzungstruppen vor. Wir haben noch keinen Bericht von Major Galen, aber die Stadt wird nach Einschätzung unserer Analytiker bis heute Abend in unserer Hand sein.}
{Das ist gut, Lieutenant.} brummte Hotaru. {Aber sagen sie, waren nicht vier Träger im Golf unterwegs? Dann fehlt doch einer in ihrem Bericht.}
Der Lieutenant nickte bestätigend. {Die Ark Royal. Ein britisches Schiff.}
{Verstehe. Irgendwelche Neuigkeiten über das Schiff?}
{Von der Ark Royal ist vor zehn Minuten ein Flugzeugverband gestartet. Vermutetes Ziel ist Basra, aber da die Amerikaner inzwischen wissen müssen, was bei Umm-Kasr passiert, könnte es auch sein, daß sie dort angreifen wollen. Damit würden die Briten allerdings ihre Bereitschaft signalisieren, an der Seite der Amerikaner gegen uns in den Krieg zu ziehen.}
{Major Fels Warnung vor dem Angriff auf die amerikanischen Träger sollte eigentlich hinreichend verdeutlicht haben, was ihnen dann bevorsteht. Schicken sie drei Staffeln Defender in eine günstige Position für einen Hinterhalt. Wenn sie unsere Truppen angreifen, vernichtet erst sie und dann ihren Trägerverband.}
{Jawohl, Mylady.} Der Lieutenant salutierte und verließ dann den Raum, während gleichzeitig eine andere Person eintrat.
"Du scheinst dich ja inzwischen an deine Rolle als stellvertretende Kommandeurin einer Kampfeinheit gewöhnt zu haben."
"Ich hasse es, Zirkonite." antwortete Hotaru matt. "Bei jeder Erfolgsmeldung, die mir überbracht wird, summiert sich dabei in meinem Kopf die Anzahl der Toten auf, die hinter diesen Meldungen steht."
"Aber du erledigst deine Arbeit trotzdem mit bewundernswerter Effizienz, wie ich hörte."
"Weil jede Fehlentscheidung meinerseits noch mehr Opfer fordern wird." schnaubte Hotaru bitter. "Wenn schon Blut an meinen Händen klebt, dann soll es so wenig wie möglich sein."
Zirkonite zuckte nur mit den Schultern.
"So kann man es natürlich auch sehen." meinte sie nüchtern. "Aber ich bin nicht wegen einer philosophischen Diskussion hergekommen."
"Ich weiss. Du hast Anweisungen von Meister Traxius bei dir."
Zirkonite nickte.
"Und ich wollte dich für deine Fortschritte beglückwünschen. Es ist beeindruckend, wie schnell du die Gedankenmanipulation gemeistert hast."
"Ich glaube, ich habe durch Zufall einen Trick entdeckt, der es erleichtert."
"So?"
Hotaru nickte.
"Aus naheliegenden Gründen habe ich nach jedem Mißerfolg meine Emotionen mehr und mehr unterdrückt, bis ich am Ende gar nichts mehr gefühlt habe." erklärte sie. "Ich denke, wenn man seine eigenen Emotionen abschaltet, fällt die gefahrlose Beeinflussung eines anderen Individuums leichter."
"Und warum, glaubst du, ist das so?"
"Wenn ich durch die Macht eine Verbindung zu einem anderen Wesen oder Objekt schaffe, ist das eine Verbindung, die in beide Richtungen offen ist. Einem Stein sind meine Gefühle herzlich egal, aber einen anderen Menschen beeinflussen sie sicherlich, und ich denke, es ist dieses Feedback, das im Verstand meines Ziels diese Schäden verursacht."
Zirkonite dachte für einen Moment schweigend darüber nach. Dann nickte sie langsam.
"Damit könntest du Recht haben. Ich werde mal mit den anderen Schülern darüber reden, wenn ich sie sehe."
"Wie geht es eigentlich Midori?"
"Sitzt in Tokyo und langweilt sich zu Tode, nachdem sie bei der Aufstellung der Angriffspläne für die dritte Sturmgardedivision mitgeholfen hat. Im Augenblick hat sie nichts zu tun und das nervt sie gewaltig."
"Wo operiert die dritte Garde?"
"Ozeanien. Der Angriff findet erst statt, wenn wir absehen können, wie es sich hier im Irak entwickelt, aber dann wird es ziemlich schnell gehen. Die meisten Gebiete dürften innerhalb der ersten beiden Wochen nach Einsatzbeginn fallen. Vielleicht geht es schon innerhalb der nächsten paar Tage los. Die Amerikaner und ihre Verbündeten haben Stützpunkte, die teilweise relativ nah an unseren eigenen Basen liegen."
"Hmm. Und meine Aufgabe?"
Zirkonite legte eine Disk auf Hotarus Schreibtisch.
"Darauf sind Berichte über die Situation in den verschiedenen Regionen Afrikas. Politisch, sozial, wirtschaftlich und militärisch." erklärte die ehemalige Generalin des Dunklen Königreichs. "Ich hätte gern von dir einen Vorschlag für das erste Angriffsziel. Und wenn möglich bis morgen."
"So schnell?"
Zirkonite nickte.
"Tut mir leid, aber ich habe noch sehr viel zu tun und im Augenblick überschlagen sich leider die Ereignisse."
"Verstehe. Aber mal was anderes: Was hast du eigentlich für die zu erwartenden Gefangenen dieser Operation geplant?"
Zirkonite lächelte geheimnisvoll.
"Ich habe vor, aus Wölfen friedliche Schafe zu machen."
"Sprich bitte nicht in Rätseln." verlangte Hotaru ein wenig mürrisch, was Zirkonite jedoch nur ein nachsichtiges Lächeln entlockte.
"Ich habe vor kurzem ein eigenes Taschenuniversum fertiggestellt." erklärte sie.
"Ein...Taschenuniversum?" Hotarus Stirnrunzeln zeigte, daß sie nicht begriff, worum es ging.
"So eine Art Paralleldimension, die wie das Dunkle Königreich über ein Portal mit dieser Welt verbunden werden kann." erläuterte Zirkonite. "Es war ziemlich schwierig für mich, auch wenn dieses Taschenuniversum nur aus einer einzigen Sonne mit einem einzigen Planeten besteht. Der Planet ist nicht sehr groß, dafür aber sehr dicht, damit dort trotzdem Erdschwerkraft herrscht. Und dort ist Leben möglich."
"Ist das deine Vorstellung von einem Gefangenenlager?"
"Nicht ganz. Ich habe einen detaillierten Bericht für Lord Traxius angefertigt. Aber ich denke, du kannst ruhig einen Blick hinein werfen."
Sie reichte Hotaru eine weitere Disk, die diese sofort in ihr Lesegerät schob. Den Bericht überflog sie dann, wobei sie nur ein paar sie besonders interessierende Passagen genauer durcharbeitete. Nach einer Stunde blickte sie mit einem Ausdruck von Bewunderung von ihrem Monitor auf und gab Zirkonite die Disk zurück.
"Das ist genial."
"Danke. Sobald wir hier fertig sind, dürften wir das System weit genug ausgebaut haben, um es für die Bevölkerungen ganzer Städte anzuwenden. Danach wird es keinen Hang zur Gewalt mehr in der Bevölkerung geben."
"Von Wölfen zu Schafen." hauchte Hotaru ergriffen.
"Von Wölfen zu Schafen." bestätigte Zirkonite mit einem triumphierenden Lächeln. "Und wir Machtbegabten werden die Hirten sein."
