Disclaimer: Keine der Figuren gehört mir, und ich schreibe das hier nur,
weil ich gerade nichts besseres zu tun habe (nicht, um damit Geld zu
verdienen).
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°....° = jemand denkt
"...." = jemand sagt
{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)
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Darth Saturn - The Dark Harvest
Teil 17
Ami staunte nicht schlecht. Als Jacen vor einigen Tagen erklärt hatte, sie würden Makoto schon noch aus dem Gefängnis rausholen, hatte sie gedacht, er habe den Senshi damit nur Mut machen wollen. Heute beim Frühstück jedoch hatte er Ami erklärt, es würde langsam Zeit, Makoto zu befreien. Die dunkelhaarige Senshi hatte ihn nur ungläubig angestarrt und dann gefragt, wie er das machen wolle.
"Vertrau der Macht." hatte er daraufhin gesagt und beruhigend gelächelt.
Natürlich würde Makoto vorerst nicht in ihre Wohnung zurückkehren können, denn nach ihrer Befreiung würden die Imperialen höchstwahrscheinlich zu drastischeren Maßnahmen greifen. Ami hatte dem nur beipflichten können und hatte sich mit einer wegen der frühen Uhrzeit sichtlich mürrischen Nabiki in Verbindung gesetzt, die allerdings sofort putzmunter geworden war, als sie begriff, worum es hier ging. Ein Versteck für eine "entflohene Gefangene" zu organisieren war sehr risikoreich. Und deshalb auch entsprechend teuer. Ami hatte nicht lange gefeilscht, und Nabiki war relativ entgegenkommend gewesen als Ami erwähnt hatte, daß es um eine ihrer besten Freundinnen ging.
Noch während der Lunchpause hatte Ami einen Anruf erhalten, in dem ihr eine Adresse für ein Treffen genannt worden war.
Nach der Schule war sie zusammen mit Jacen losgezogen. Gemeinsam hatten sie sich bis zum zuständigen Staatsanwalt durchgefragt. Einige Leute hatten versucht, sie abzuwimmeln, doch in diesen Fällen hatte Jacen der fraglichen Person höflich aber bestimmt zugeredet, woraufhin sie die fraglichen Informationen erhalten hatten. Nun standen sie im Büro jenes Staatsanwalts, der seine beiden Besucher neugierig musterte.
"Man sagte mir, ihr habt Informationen zum Fall Kino?"
Jacen nickte.
"Makotos Anwalt sagte uns, welche Beweise gegen sie vorliegen."
"Und?"
"Diese Beweise sind gefälscht."
"Ach? Wirklich?" der Staatsanwalt machte ein überraschtes Gesicht, doch jeder konnte erkennen, daß diese Überraschung nur gespielt war.
"Das Überwachungsvideo aus dem Restaurant?"
"Eine Fälschung."
"Verstehe. Und die Einzahlungen auf ihrem Konto?"
"Manipuliert." entgegnete der junge Jedi. Mit einer Kopfbewegung deutete er auf Ami. "Meine Begleiterin hier könnte, wenn sie wollte, jedes beliebige Konto ebenfalls auf diese Art und Weise manipulieren."
"Soso. Und die Verletzungen des Jungen sind dann vermutlich nur Einbildung." erwiderte der Ankläger mit gespieltem Ernst. "Wie konnten wir auch nur so dumm sein, das nicht zu bemerken? Ich werde sofort im Krankenhaus anrufen und veranlassen, daß dieser Simulant entlassen wird."
Jacen seufzte.
"Wir bestreiten nicht, daß der Junge verletzt wurde. Wir bestreiten nur, daß Makoto Kino die Täterin war." Jetzt blickte er den Staatsanwalt durchdringend an. "Makoto Kino ist das Opfer eines Komplotts. Die Beweise gegen sie wurden bewußt platziert. Und da sie unschuldig ist, besteht kein Grund, sie noch weiter festzuhalten. Sie werden sie daher umgehend aus dem Gefängnis entlassen lassen."
Der Staatsanwalt nickte. Jede Spur von gespieltem Humor oder Sarkasmus war aus seinem Gesicht verschwunden.
"Natürlich. Makoto Kino ist unschuldig.", murmelte er, "Ich werde sofort ihre Freilassung veranlassen."
Ami verfolgte fassungslos, wie der Staatsanwalt zum Telefon griff und einige Anrufe tätigte, deren Ziel die Freilassung Makotos waren. Dann ließ er seine Sekretärin ein Schreiben aufsetzen, das die Einstellung des Verfahrens gegen Makoto anordnete, unterschrieb selbiges und setzte seinen Amtsstempel darunter.
"Vielen Dank für ihre Kooperationsbereitschaft und noch einen schönen Tag." wünschte Jacen dem Staatsanwalt. Dann packte er die völlig verdatterte Ami am Arm und zog sie mit sich zur Tür heraus.
"Das kannst du also tun, wenn du jemanden mit der Macht beeinflußt." stellte sie später beeindruckt fest.
Jacen nickte.
"Je willensschwacher eine Person ist, oder je mehr sie daran gewohnt ist, von anderen Befehle zu empfangen, desto leichter ist es." erklärte er ihr. "Diese Technik kann leicht mißbraucht werden, und wenn ich nicht völlig von Makotos Unschuld überzeugt wäre, hätte ich sie nicht auf diese Weise befreit."
Ami lächelte und drückte seine Hand.
"Danke."
"Schon okay. Und jetzt sollten wir gehen und Makoto abholen. Sie muß schnellstmöglich in ein sicheres Versteck."
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"ENTLASSEN WORDEN?"
Der schwarzuniformierte Fähnrich, der ihr die Nachricht überbracht hatte, zuckte unter Ravanas Ausbruch zusammen und zog instinktiv den Kopf ein.
"Es sieht so aus, als wenn außerdem noch das Verfahren gegen sie eingestellt worden wäre." fügte er aus dieser ängstlich geduckten Position hinzu.
"Wie kann diese jämmerliche Justizbehörde es wagen, mir derart ins Handwerk zu pfuschen!" zischte sie außer sich. "Verdammte Versagerbande!"
Zornbebend richtete sie ihre rechte Hand auf den Fähnrich, kanalisierte ihre Wut in eben diese Hand, und ließ sie dann in Form eines gleißendhellen Energiebogens entweichen.
Laute Schreie, die grauenvolle Schmerzen verrieten, drangen aus ihrem Büro und hätten jedem Vorübergehenden sicher das Blut in den Adern gefrieren lassen.
Nach vielleicht einer halben Minute ließ sie ihre Hand sinken und atmete einmal tief durch. Entspannt ließ sie sich in ihren weichen Kontursessel zurücksinken und überdachte die Konsequenzen dieser unangenehmen Entwicklung. Den alles durchdringenden Geruch nach verbranntem Fleisch, der sich in ihrem Büro breitgemacht hatte, ignorierte sie geflissentlich.
"Captain Toran, melden sie sich augenblicklich in meinem Büro." forderte sie den Geheimdienstler nach einiger Zeit über Interkom auf.
Keine zwei Minuten vergingen, bis sich die Tür öffnete.
"Sie haben mich gerufen, Mylady?"
Der Captain stutzte für einen Moment und rümpfte die Nase. Sein Blick wanderte kurz zu jenem verkohlten Haufen, der einen Schritt vor ihm auf dem Boden lag und so entsetzlich stank, daß Toran seine ganze Willenskraft aufwenden mußte, um sich nicht augenblicklich zu übergeben.
°Ich weiß schon, warum ich schlechte Neuigkeiten nach Möglichkeit nicht selbst weitergebe.° dachte er, erleichtert über seine Voraussicht.
"Sailor Jupiter ist wieder auf freiem Fuß. Ihr Verfahren wurde eingestellt." Ravana wirkte kühl wie immer, doch subtile Hinweise in ihrer Körpersprache und ihrem Blick zeigten Toran, daß knapp unter der Oberfläche ein neuer Ausbruch bevorstand. Dies mußte er verhindern, wenn er nicht der nächste verkohlte Haufen in diesem Büro werden wollte.
"Ich hörte davon." erwiderte er knapp. "Ich habe sofort Leute darauf angesetzt, herauszufinden, wie so etwas geschehen konnte. Außerdem habe ich angeordnet ihre Wohnung und die Wohnungen der anderen bekannten Senshi zu überwachen. Wenn die Senshi mit der Befreiung zu tun haben, taucht sie sicher früher oder später bei einer von ihnen auf."
Ravana nickte und wirkte ein wenig besänftigt. Nur ein wenig zwar, aber es mochte ausreichen, um weitere Ausfälle unter dem Personal für heute zu verhindern.
"Und falls sie nicht auftaucht, reden die anderen vielleicht darüber. Dann werden wir schon erfahren, was passiert ist. Aber wir werden uns nicht auf Zufälle verlassen."
"Ihre Befehle?"
"Haben wir ein Straftatszenario für diese Ami Mizuno?"
Toran nickte.
"Computerkriminalität. Einbruch in gesicherte Systeme, Diebstahl von Konzerngeheimnissen und ähnliche Delikte. Weit gestreut und über einen größeren Zeitraum verteilt."
"Kein Computereinbruch bei einer Bank?"
Toran verneinte.
"Diese Mizuno ist ein Streber und Bücherwurm. An Wissen ist sie eher interessiert als an Geld, und deshalb erschien es plausibler, ihre Straftaten auf Informationsdiebstähle zu beschränken."
"Wie sie meinen."
"Aber denken sie nicht, die Youma-Attacken reichen im Moment aus, um die Senshi zu beschäftigen?"
"Wenn sie hinter der Befreiungsaktion stecken, und daran zweifle ich nicht im Geringsten, zeigt das doch wohl, daß die Youma nicht ausreichen, um die Senshi beschäftigt zu halten, oder?"
"Gewiss, Mylady."
"Dann setzen sie sofort alles in Bewegung, um diese Mizuno aus dem Verkehr zu ziehen."
Toran nickte bestätigend. Dann salutierte er zackig und wandte sich um.
"Ach, Captain."
Er drehte sich nochmal um.
"Es ist gut, daß sie meinen Zorn fürchten."
"Mylady?"
"Stellen sie sich nicht dumm, Toran. Und schicken sie jemanden her, der das da", sie deutete auf den Haufen vor seinen Füßen, der bis vor kurzem ein lebendiger, junger Mensch gewesen war, "wegschafft."
"Sehr wohl, Mylady."
Als er draußen war, atmete er erst einmal tief durch. Weiteres Versagen, egal wen er demnächst zu ihr schickte, um die Botschaft zu überbringen, würde direkt auf ihn zurückfallen. In dieser Hinsicht waren Ravanas Andeutungen nicht mißzuverstehen gewesen. Gewillt, von nun an jeglichen Mißerfolg zu vermeiden, orderte er über sein Armbandkomgerät zuerst einen Reinigungstrupp zu Ravanas Büro und gab dann seinem Assistenten die Anweisung, die Aktion gegen Ami Mizuno zu beginnen. Letzteres tat er mit einem bösen Lächeln auf den Lippen.
Die Senshi und ihre Verbündeten würden sehr schnell begreifen, daß es nicht gut war, Leute wie Lady Ravana zum Feind zu haben.
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"In drei Tagen beginnen wir unsere Operation in Europa." berichtete das holographische Abbild von Maurice.
In Zirkonites Augen trat ein triumphierendes Glitzern.
"Unsere Armeen werden sie unvorbereitet treffen, Chaos auslösen und sie vom Antlitz dieser Welt hinwegfegen."
Maurice nickte bestätigend.
"Es ist lange her, daß eine militärische Großmacht Krieg auf ihrem eigenen Boden zu führen gezwungen war. In manchen Fällen anscheinend zu lange, doch Kevin und ich werden da ganz schnell Abhilfe schaffen, und die Europäer werden den Preis für die arrogante und sträfliche Unterschätzung unserer Möglichkeiten zahlen."
"Ich schätze, ich werde unserer neuen Kameradin nachher auch in deinem Namen danken müssen. Dank der von ihr vorgenommenen Planänderungen konnten wir den Zeitplan in Europa deutlich beschleunigen."
"Tu das, Zirkonite." Maurice nickte zustimmend. "Lady Saturn hat sich diesen Dank redlich verdient. Aber nun entschuldige mich. Ich muß dem Kommandostab Beine machen, damit er nicht wieder hinter den neuen Zeitplan zurückfällt."
"Ich werde voraussichtlich in zwei Wochen bei euch auftauchen, um die letzten Details für den Transfer der Gefangenen aus eurem Operationsgebiet mit euch durchzugehen."
Maurice nickte nochmals. "Bis dann."
Sein Hologramm erlosch, und Zirkonite wandte sich wieder den Aufzeichnungen der Schlacht von Basra zu.
°Die Medien mögen es Schlacht nennen, aber es war nicht mehr als ein kleines Scharmützel. Fast ist es schon lächerlich, es überhaupt zu erwähnen. Im Vergleich zu den bevorstehenden Dingen ist Basra etwa so wichtig wie ein umgefallener Reissack in irgendeinem chinesischen Bergdorf.°
Wenig später klopfte es an ihrer Tür und Lady Saturn trat ein. Etwas an ihr hatte sich verändert, und als sie es bemerkte, runzelte Zirkonite erstaunt die Stirn.
"Du hast dein Outfit verändert." stellte sie verblüfft fest.
Saturn lächelte.
"Und? Steht es mir?"
Zirkonite nickte.
"Das Cape unterstreicht irgendwie die Autorität deiner Position." erklärte sie anerkennend. "Aber wie hast du das hinbekommen?"
"Die Kräfte der Senshi, wozu auch die Verwandlung gehört, basieren alle auf der Macht." antwortete Saturn, während sie es sich auf dem Platz vor Zirkonites Schreibtisch gemütlich machte, und dabei ihren knöchellangen, tiefviolett schimmernden Umhang um sich herum drapierte. "Aber wie du weisst, wurde vor mir noch kein Senshi im Umgang mit der Macht trainiert."
"Richtig."
"Wie also können wir die Macht benutzen, ohne Training erhalten zu haben?" Saturn setzte ein listiges Grinsen auf, bevor sie ihre Frage selbst zu beantworten begann. "Die Antwort ist, daß wir die Macht nicht bewußt einsetzen können. In unserem Unterbewußtsein jedoch befinden sich die nötigen Schemata gespeichert, deren Anwendung bestimmte Machteffekte hervorrufen. Und diese Schemata haben jeweils eine eindeutige Aktivierungsformel."
"Du meinst wie ein Programm, das bei Bedarf ausgeführt wird."
"Genau."
Zirkonite begriff plötzlich einige Zusammenhänge.
"Deswegen brüllen die Senshi also die Namen ihrer Attacken immer lauthals durch die Gegend."
"Richtig. Genauso verhält es sich mit der Verwandlungsformel. Sie benutzt die Macht, um Materie zu restrukturieren. Gleichzeitig hebt sie die innere Blockade für die Macht auf."
"Was für eine Blockade?"
"Die Blockade, die dafür sorgt, daß die Senshi mit Ausnahme eines latenten Gefahrensinns - und natürlich der Verwandlungsformel - in ihrer unverwandelten Form keinen Zugriff auf die Macht haben. So ist gewährleistet, daß wir uns nicht durch versehentlichen Einsatz der Macht im normalen Leben verraten." erklärte die Senshi geduldig. "Ich habe jedoch mein Selbst mit der Macht erforscht und bin dabei auf diese Schemata gestossen."
"Und dann hast du sie verändert."
"Nur das Schema für die Verwandlung. Ich habe das Cape hinzugefügt und das Tarnfeld, das die Wiedererkennung meines Aussehens verhindert, abgeschaltet. Für das bisherige Versteckspiel besteht ja kein Bedarf mehr."
"Allerdings." stimmte Zirkonite zu. "Ich soll dir übrigens im Namen von Kevin und Maurice danken. Die von dir gemachten Planänderungen bei dieser Operation hat es ihnen ermöglicht, den Zeitplan für Europa deutlich zu beschleunigen. Meister Traxius ist ebenfalls sehr zufrieden mit dir."
Saturn winkte ab. "Bedankt euch lieber bei den Dummköpfen da draußen, die zu blöd waren, um sich aus unserem Kampf mit den Amerikanern rauszuhalten."
"Die Schlacht von Basra, wie CNN es nennt, hat bereits zu vielen Spekulationen über unsere nächsten Züge geführt. Alle Staaten, deren Truppen neben den Amerikanern im Irak kämpften, haben sich geschlossen auf die Seite Amerikas gestellt. Offenbar ist man der Meinung, daß wir gegen diese Übermacht nicht bestehen können."
"Wenn wir jetzt außerhalb des Iraks losschlagen, werden wir auch tatsächlich Probleme haben."
"Wie kommst du denn auf die Idee?" fragte Zirkonite verblüfft.
"Wenn wir jetzt in die Offensive gehen, werden unsere Gegner die Medien benutzen, um unter der Bevölkerung und den bisher unbeteiligten Regierungen die Angst vor uns zu schüren." erläuterte Lady Saturn. "Das wird die Befriedung der übernommenen Städte zu einem aussichtslosen Unterfangen machen, weil wir es mit Unmengen von Partisanen zu tun bekommen werden. Dadurch werden so viele Truppen gebunden werden, daß wir später drastisch hinter unseren Zeitplan zurückfallen werden. Das gibt den verbliebenen Gegnern Zeit, sich auf uns vorzubereiten, und stärkt den Widerstandswillen unserer Feinde und der fehlgeleiteten Zivilisten."
"Hmm..." die ehemalige Generalin des Dunklen Königreichs nickte nachdenklich und besorgt zugleich. "Du könntest Recht haben. Aber was sollen wir dagegen tun?"
"Ganz einfach." Saturn lächelte zufrieden. "Wir müssen den Menschen die Angst vor unserer Machtübernahme nehmen. Wir müssen mit ihnen reden. Sie davon überzeugen, daß wir nur ihr Bestes wollen, und daß es ihnen unter unserer Regierung besser gehen wird."
"Du klingst, als wenn du bereits einen Plan hättest."
"Ich habe auch einen." bestätigte die Senshi grinsend. "Als wir die Briten bei Basra geschlagen haben, trafen wir auch auf eine Gruppe von Kriegsberichterstattern. Genaugenommen hatte ich meine Truppen angewiesen, bei ihrem Vormarsch speziell nach solchen Leuten Ausschau zu halten."
"Und?"
"Eine von ihnen, eine gewisse Cassandra Stone von BBC, war begeistert, als ich ihr anbot, direkt und exklusiv von unserer Seite aus über den Konflikt berichten zu dürfen."
"Reporter." seufzte Zirkonite kopfschüttelnd. "Wir fallen über ihre Landsleute her, aber sie sind bereit, nur für eine tolle Story für uns zu arbeiten."
"Wir hätten die Briten nicht angegriffen, wenn ihre Flugzeuge uns nicht vorher bombardiert hätten." erklärte Saturn. "Jetzt wird Taichi entscheiden müssen, wie wir weiter vorgehen."
"Nein." widersprach Zirkonite kopfschüttelnd. "Nicht Taichi, sondern du."
"Ich? Aber wieso?"
"Du hast bewiesen, daß du ein Kommando übernehmen kannst. Der Meister hat dich zur Befehlshaberin der vierten Sturmgardedivision ernannt."
"Und was ist mit Taichi?" fragte sie unsicher zurück.
"Er übernimmt den Befehl über die fünfte Sturmgardedivision. Deine Aufgabe ist es, mit den dir zur Verfügung stehenden Truppen die Kontrolle über den Irak und das benachbarte Kuwait zu sichern. Taichis Division wird in zwanzig Stunden über die irakische Südgrenze vorstossen und der arabischen Welt zeigen, daß es keine gute Idee war, die Amerikaner bei diesem Überfall auf den Irak zu unterstützen." Saturn nickte verstehend.
"Meine Truppen werden die Soldaten der Koalitionsarmee gefangensetzen und deinem Gewahrsam übergeben. Auf der Schafswiese sind sie gut aufgehoben."
Zirkonite grinste. Schafswiese war der von Saturn vorgeschlagene Codename für den Planeten in Zirkonites Taschenuniversum.
"Das sind sie allerdings. Hast du übrigens eine Antwort auf die Frage gefunden, wo wir in Afrika ansetzen sollten?"
Saturn nickte.
"Es gibt meiner Meinung nach zwei gute Ansatzpunkte. Somalia und Sierra Leone."
"Erklärung?"
"Die UN sandte Anfang der 90er Jahre Friedenstruppen nach Somalia. Der Widerstand ihrer Opposition war jedoch größer als erwartet, und so entschied man, wobei dieses 'man' sich hauptsächlich auf die USA bezieht, das Land wieder zu verlassen. Diese Entscheidung fiel leicht, da es dort nichts von Bedeutung gibt. Seit zwölf Jahren, seit die UN Somalia im Stich gelassen hat, herrscht dort Anarchie. Das Land hat keine Regierung, Wirtschaft und Infrastruktur sind praktisch nicht mehr existent, und alles wird von kriminellen Banden und Warlords kontrolliert."
"Und Sierra Leone?"
"Das Land wird von starken Unruhen erschüttert. Die Regierung hat die UN und auch die Amerikaner praktisch um die Entsendung von Friedenstruppen angefleht, aber dort hat man nicht reagiert."
"Was wäre dein Favorit?"
"Nun, wenn wir Somalia wählen, gibt es keine Regierung, die gegen unseren Einmarsch protestieren könnte. Genau wie in Sierra Leone haben wir dort die Möglichkeit, den Leuten zu helfen und damit unsere guten Absichten zu demonstrieren, aber unsere Gegner würden unseren Einmarsch trotzdem als Überfall darstellen. Wenn wir aber in Sierra Leone einmarschieren, nachdem die Regierung uns um Truppen gebeten hat, haben wir die nötige Legitimation und wir können Hilfsarbeit leisten, ohne Kritik fürchten zu müssen." erklärte Saturn ihren Standpunkt. "Somalia sollte dann als zweites Ziel auf die Liste. Wenn wir Sierra Leone erfolgreich befriedet haben, und deutlich sichtbar demonstrieren, wie sehr wir der Bevölkerung helfen, wird uns das auch später im Umgang mit Kritikern helfen. Außerdem liegt das Land strategisch günstig an der Zufahrt zum Roten Meer."
"Sehr gut. Sierra Leone liegt an der Grenze zwischen den vorgesehenen Operationsräumen der dreizehnten und vierzehnten Sturmgardedivision. Ich werde Kontakt zur lokalen Regierung aufnehmen und dann einer der beiden Einheiten den Einsatzbefehl übermitteln. Kümmere du dich inzwischen um den Irak und Kuwait."
"Ich könnte da in einer Sache deine Hilfe als Verhandlungsführerin gebrauchen." erwiderte die Senshi ein wenig zurückhaltend.
"Na dann mal raus damit."
"Sobald ich den Irak gesichert habe, würde ich gern weiter nach Norden vorstossen."
"Und was schwebt dir da genau vor?"
Das junge Mädchen betrachtete sinnend die Narbe an seinem Arm, bevor es fortfuhr.
"Ich habe vor in Israel einzumarschieren. Und du sollst für mich mit der syrischen Regierung eine geheime Abmachung aushandeln, die mir erlaubt, syrisches Territorium ungehindert zu passieren. Biete ihnen als Gegenleistung die Rückgabe der Golanhöhen an."
Zirkonite starrte ihr Gegenüber verdutzt und sprachlos an. Dann fing sie an zu lachen.
"Was ist so komisch?" motzte die Senshi beleidigt.
Die ehemalige Youma-Generalin wurde schlagartig wieder ernst.
"Ich wollte dich nicht beleidigen." versicherte sie ihrer Freundin. "Es ist nur so, daß Meister Traxius mich vor zwei Tagen beauftragt hat, genau die Verhandlungen aufzunehmen, um die du mich gerade gebeten hast. Und diese Koinzidenz fand ich irgendwie amüsant."
"Anscheinend denken er und ich manchmal in ähnlichen Bahnen." erwiderte Saturn besänftigt.
Zirkonite grinste breit.
"Vermutlich bist du deshalb ja auch seine Lieblingsschülerin."
"Ich...was?" Saturn war von dieser Bemerkung völlig überrascht.
"Du lernst schneller als jeder andere von uns, du bist entschlossen und zielstrebig, sehr kreativ und engagiert bei der Verwirklichung unserer gemeinsamen Vision und du bist eine loyale Anhängerin unserer Sache." zählte Zirkonite die wichtigsten Punkte zusammen. "Es geht das Gerücht um, daß der Meister dich schon bald zu seiner persönlichen Schülerin machen wird. Fast bin ich ein wenig neidisch."
"Ich bin doch schon längst seine Schülerin." murmelte sie etwas verwirrt. "Und ihr anderen doch auch."
"Schülerin ja. Aber ich sprach von 'persönlicher Schülerin'. Da besteht ein Unterschied."
"Und der wäre?"
"Nun. Letztendlich sind wir alle Schüler von Lord Traxius, doch unsere Fähigkeiten unterscheiden sich natürlich voneinander. Manche von uns beherrschen einige Dinge besser als andere. Lady Ravana ist beispielsweise die Beste von uns, wenn es um den Umgang mit dem Lichtschwert geht." erklärte Zirkonite. "Der Meister hat nun einige von uns zu Paaren zusammengefasst. Jeweils ein Mentor und ein Protegé, könnte man sagen. Ravana, zum Beispiel, ist Midoris Mentorin. Innerhalb unserer Gruppe haben die Mentoren einen unterschiedlich hohen Status, je nach Können, und je höher der Status eines Mentors, desto höher ist auch der Status seines Protegés im Vergleich mit den Protegés anderer Mentoren."
"Und als persönliche Schülerin des Meisters..."
"...ist dein Status sogar noch höher als der der meisten Mentoren."
"Oh. Aber das habe ich nicht verdient, Zirkonite. Andere, die den Meister schon viel länger unterstützen, hätten viel eher einen Anspruch."
"Das entscheidet nur der Meister." widersprach Zirkonite sofort. "Außerdem...egal, wie lange wir schon dabei sind, bei dem Weg, der vor uns liegt, geht es nicht ohne dich. Oder glaubst du, einer von uns könnte die anderen Senshi davon überzeugen, sich auf unsere Seite zu stellen?"
"Warum sollten sie das nicht tun?" fragte Saturn überrascht zurück.
"Weil alles, was sie in nächster Zeit von uns zu sehen kriegen, unsere Truppen sein werden. Das dürfte für deine Freundinnen nicht gerade vertrauenerweckend sein, denke ich. Und wenn der Tag kommt, an dem wir uns ganz offen in Tokyo zeigen, wirst du sie von der Richtigkeit unserer Sache überzeugen müssen."
"Da mach dir mal keine Sorgen." beruhigte Saturn sie. "Einige von ihnen können manchmal unglaublich stur sein, aber wenn es darauf ankommt, das Richtige zu tun, kann man sich auf sie verlassen."
"Darauf werden wir uns dann wohl verlassen müssen."
"Keine Sorge. Ich regle das schon." Sie erhob sich und verabschiedete sich dann. "Wird Zeit zu sehen, welche Fortschritte meine Truppen machen."
Als sie das Lagezentrum betrat, in dem wie üblich hektische Betriebsamkeit herrschte, wandte sie sich sogleich an Commander Staven.
{Commander, bereiten sie die Entsendung einer Besatzungsstreitmacht für Kuwait vor. Versuchen sie, mit höchstens fünfzehntausend Mann auszukommen.}
{Sehr wohl, Mylady.}
{Und wie schlagen wir uns sonst so?}
Staven deutete auf die Hologrammkarte.
{Durch die Zerstörung des GPS-Netzwerks und der Luftaufklärung haben wir den Gegner völlig durcheinandergebracht. Er ist nur sehr beschränkt zu koordinierten Aktionen in der Lage, während wir, wie sie sehen, Bodentruppen in einer weiten Zangenformation rund um die amerikanische dritte Infanteriedivision in Stellung gebracht haben.}
{Sehe ich das richtig, das die Amerikaner ihren Vormarsch gestoppt haben?}
{Das ist korrekt. Die Dritte hat rund hundertachtzig Kilometer vor Bagdad gestoppt. Aus ihrem Funkverkehr geht hervor, daß sie auf Nachschub warten. Sie wissen, daß sie die Belagerung Bagdads nicht anzugehen brauchen, wenn sie nicht genügend Vorräte haben.}
{Schicken sie zwei Staffeln Defender los.} befahl Lady Saturn. {Sie sollen im ersten Anflug feindliche Luftabwehrfahrzeuge vernichten. Dann sollen sie ihre Sensoren benutzen, um die Vorratstransporter in dem Truppenkonvoi zu finden und diese zerstören. Sobald das erledigt ist, können sie wieder zurückkommen. Ich wünsche keine unnötigen Verluste unter den amerikanischen Truppen.}
{Jawohl.}
{Und dann ziehen sie den Kreis um den Verband etwas enger. Geben sie ihnen noch ein paar Tage und bieten sie ihnen dann die Kapitulation an.}
Der Commander nickte bestätigend.
{Die Gefangenen sollen dann vermutlich an Lady Zirkonite weitergeleitet werden, nehme ich an.}
{Korrekt. Und bereiten sie die Luftverlegung von zwanzigtausend Mann unserer besten Truppen zusammen mit einer ausreichenden Zahl von Kampffahrzeugen an die nordirakische Grenze vor.}
{Zu welchem Zweck, Mylady?}
{Nach der Zerschlagung der Nordfront der Koalitionsarmee durch diesen Verband werden wir mit dem Hauptteil unserer Truppen den Irak von Süd nach Nord durchqueren, Commander. Die Truppen, die sich vor uns zurückziehen, sollen uns nicht über die türkische Grenze entkommen. Und ich wünsche auch nicht, daß sie aus dieser Richtung Verstärkung erhalten können.}
{Also sollen sie nach Vernichtung ihrer Opposition eine Zwei-Seiten- Verteidigung etablieren.}
{Genau das.} bestätigte sie. {Ich werde mich nun mit unserer Kriegsberichterstatterin beschäftigen. Rufen sie mich, wenn es unerwartete Entwicklungen geben sollte.}
Mit diesen Worten verschwand sie aus der Zentrale und begab sich in die Gästequartiere.
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Als Ami und Jacen Makoto vor den Toren des Gefängnisses in Empfang nahmen, war diese still und in sich gekehrt. Irgendwas mußte während ihrer Haft geschehen sein, doch Makoto weigerte sich trotz Amis Nachfrage, darüber zu reden, so daß die drei schließlich schweigend in ein Taxi stiegen und sich zu der Adresse in der Nähe des Bahnhofs von Juuban bringen ließen, die Ami von Nabiki erhalten hatte.
Ihr Ziel entpuppte sich als Wohnhaus. Eines dieser Hochhäuser, in denen sich die Leute nicht um ihre Nachbarn scherten, und wo Anonymität praktisch garantiert war.
"Und wie geht´s jetzt weiter?" fragte Makoto mit matter, fast schon apathisch klingender Stimme.
"Wir warten auf Nabiki." antwortete Ami. "Und du bist sicher, daß du nicht über deine Probleme..."
"Ja, verdammt!" fuhr Makoto sie an, nahm sich jedoch sofort zusammen, als sie Amis betroffenen Gesichtsausdruck bemerkte. "Entschuldige, Ami. Ich weiss, daß du es nur gut meinst, aber im Moment möchte ich einfach nur alles hinter mir lassen, und das wird mir nicht gelingen, wenn ich jetzt darüber reden muß. Später vielleicht..."
Ami las in Makotos Blick das stumme Flehen, sie nicht weiter zu bedrängen, und so nahm sie ihre Freundin nur in den Arm und sagte: "Ja, sicher. Ich wollte nur, daß du weißt, daß du jederzeit zu mir kommen kannst, wenn du reden willst, okay?"
Makoto nickte zaghaft.
"Okay." Sie löste sich von Ami und ließ ihren Blick durch die Wohnung wandern. "Ich glaube, ich werde uns in der Zwischenzeit was zu essen machen."
"Brauchst du Hilfe?"
"Nein, nein. Macht ihr Zwei es euch hier gemütlich. Ich komm schon klar."
Und mit diesen Worten verschwand sie mit einem Tempo in der Küche, das ihren Abgang wie eine Flucht wirken ließ.
Ami verfolgte dies mit besorgter Miene und ließ sich dann neben Jacen auf dem Sofa nieder.
"Ich weiß, wie du dich jetzt fühlst." sagte er zu ihr, gerade als sie dazu ansetzte, etwas zu ihm zu sagen. "Aber nach dieser Erfahrung braucht sie Zeit, ihre Gedanken und Gefühle zu ordnen. Das Klügste wird sein, sie unauffällig im Auge zu behalten, sie aber keinesfalls zu bedrängen."
Ami war für einen Moment zu verblüfft, um etwas zu sagen, weil Jacen in ihren Augen nicht den Eindruck gemacht hatte, als ob er sich mit Makotos seltsamem Verhalten auseinandersetzen würde. Dann ließ sie sich seine Worte jedoch durch den Kopf gehen und stimmte ihm schließlich zu.
Kurz bevor das Essen, bestehend aus Reis, Tofu, Misosuppe, Sushi und einer Sauce nach einem von Makotos Geheimrezepten, fertig war, tauchte Nabiki endlich auf. Nach einer knappen Begrüßung begutachtete sie Makotos Essen und nickte dann anerkennend.
"Wenn es so schmeckt wie es riecht und aussieht, könntest du glatt meiner Schwester Konkurrenz machen."
"Ist sie gut?" fragte Makoto.
"Sie ist die Beste." antwortete Nabiki knapp. Dann wandte sie sich wieder an Ami, während Makoto ein Gedeck für Nabiki dazuholte und dann damit begann, das Essen aufzufüllen. "Wie intensiv, glaubst du, wird die Polizei nach ihr suchen lassen?"
Ami reichte ihr das Dokument des Staatsanwalts.
"Dann verstehe ich nicht, warum du deine Freundin verstecken mußt." erklärte Nabiki verwundert. "Oder macht es dir einfach Spaß, bei mir Schulden zu machen?"
Makoto, die für Jacen gerade Suppe auffüllte, erstarrte mitten in der Bewegung.
"Was für Schulden, Ami?"
"N-nichts von Bedeutung." versuchte Ami erfolglos abzuwiegeln.
"Was schuldet Ami dir?" wandte Makoto sich direkt an Nabiki. Diese kostete mit unbeteiligter Miene von der Suppe. Dann nickte sie anerkennend.
"Das ist wirklich gut. Vielleicht solltest du mit meiner Schwester mal Rezepte austauschen." Sie schwieg für einen Moment, während Makoto vor Wut langsam rot anlief. "Was deine Frage betrifft, so kann ich dir nicht mehr dazu sagen als du schon weisst. Alle meine Kunden können sich auf meine Diskretion verlassen, sonst wäre ich nicht lange im Geschäft. Aber wenn wir uns auf einen Preis einigen, kann ich dir gewisse Informationen durchaus verkaufen."
"Du!" Makoto baute sich drohend vor ihr auf.
"Makoto, beruhig dich bitte." verlangte Jacen von ihr. "Du warst in Gefahr und bist es immer noch. Und Nabiki hilft uns dabei, dich vorerst zu verstecken. Im Gegenzug stellt Ami ihr einige ihrer Fähigkeiten kostenfrei zur Verfügung."
"Was für Fähigkeiten?" fragte die temperamentvolle Senshi des Jupiter mißtrauisch.
"Ihre Fähigkeiten am Computer." antwortete Nabiki knapp. "Und mehr brauchst du darüber nicht zu wissen. Es sei denn, du zahlst für die Information."
"Wie kann jemand bloß so versessen auf Geld sein?"
"Falls es dir entgangen ist...man kommt in dieser Welt nicht weit, wenn man kein Geld hat." erwiederte Nabiki kühl. "Aber zurück zu meiner Frage: Vor wem muß sich eure Freundin verstecken, wenn die Polizei sie nicht mehr sucht? Yakuza?"
"Nein." versicherte Ami ihr kopfschüttelnd. "Ein paar sehr mächtige Leute haben die Beweise gegen Makoto platziert, um sie hinter Gitter zu bringen, und jetzt, wo wir sie rausgeholt haben, befürchten wir, daß diese Leute direktere Maßnahmen ergreifen werden."
"Was für Leute?"
Ami und Jacen warfen sich gegenseitig unbehagliche Blicke zu. Beide waren unsicher, wie weit sie Nabiki in ihre Angelegenheiten hineinziehen durften - oder sollten.
"Je mehr ich über die potentielle Gefahr weiß, desto eher kann ich Vorkehrungen dagegen treffen." argumentierte diese.
Jacen suchte mit der Macht nach Spuren von Täuschung oder Unaufrichtigkeit. Als er keine fand, nickte er Ami kaum merklich zu.
"Die Tenchi Corporation." erklärte Ami daraufhin.
"Und was will die Tenchi Corporation von ihr?"
"Würdest du vielleicht in meiner Gegenwart nicht so über mich reden, als wenn ich gar nicht da wäre?" beschwerte Makoto sich.
"Wie auch immer." schnaufte Nabiki leicht genervt. "Was will ein multinationaler Großkonzern von einer unbedeutenden Mittelschülerin, die seit dem siebten Lebensjahr Vollwaise ist?"
Drei Augenpaare warfen ihr verblüffte Blicke zu.
"Woher..."
"...ich das weiß?" Nabiki lächelte knapp. "Natürlich habe ich meine Hausaufgaben gemacht und mich über dich informiert, als Ami mich um Hilfe gefragt hat. Schließlich wollte ich wissen, WEM ich da eigentlich helfen soll. Und falls du es noch nicht wissen solltest: Wissen ist Macht. Und wenn ich weiß, warum dieser Konzern hinter dir her ist, kann ich besser einschätzen, womit wir uns auseinandersetzen werden müssen."
"Das kann ich dir auch so sagen." meinte Jacen. "Die Corporation unterhält mindestens einen straff organisierten, global tätigen Nachrichtendienst, der auch vor Entführung, Mord, Folter und anderen Verbrechen nicht zurückschreckt, um seine Ziele zu erreichen. Die Leute, die hinter Makoto her sind, werden auf alle Ressourcen des Unternehmens zugreifen können. Ich weiss allerdings nicht, wie intensiv sie nach ihr suchen werden."
"Nun, wenn sie Makoto wirklich um jeden Preis haben wollen, stehen ihre Chancen langfristig nicht sehr gut." bemerkte Nabiki besorgt. "Fast bin ich versucht, zu sagen, daß das eine Nummer zu groß für mich ist. Aber ich habe diesen Job übernommen, und deshalb ziehe ich ihn auch durch."
Ami lächelte.
"Danke."
"Wenn du mir danken willst, dann solltest du mit mir nochmal über den Preis für diesen Job reden." bemerkte sie trocken, hob jedoch gleich beschwichtigend die Hände, als sie Makotos finsteren Gesichtsausdruck bemerkte.
"Wie lange wird Makoto wohl hier bleiben..."
Das Piepen ihes Kommunikators unterbrach Amis Frage. "Entschuldigt mich für einen Moment." Sie ging in ein Nebenzimmer, holte das kleine blaue Gerät mit dem Merkur-Symbol darauf hervor und aktivierte es.
"Oh, Rei. Was gibt´s?"
Rei übermittelte ihr einige Neuigkeiten. Neuigkeiten, die sie von Amis Mutter am Telefon erfahren hatte. Neuigkeiten, die für die Senshi, und insbesondere für Ami überaus schlecht waren.
Als sie nach ein paar Minuten zu den anderen zurückkehrte, konnte ihr jeder ansehen, daß sie besorgt war.
"Der Feind hat seinen nächsten Zug gemacht." verkündete sie mit leicht zittriger Stimme. Dann ließ sie sich auf ihren Stuhl fallen und blickte geschockt in die Runde. "Und das nächste Ziel...bin ich."
"Du?" rief Makoto erschreckt.
Nabiki blieb äußerlich gelassen und völlig unbeeindruckt. Innerlich wurde sie jedoch immer nervöser. Irgendetwas verschwieg man ihr hier. Warum ein Großkonzern eine Schülerin verfolgen sollte, war schon rätselhaft genug. Aber warum sollte er, nachdem die eine Schülerin der angeblichen Falle entkommen war, eine andere Schülerin ins Visier nehmen? Welche Verbindung gab es hier, die man ihr verheimlichte?
"Was genau ist passiert?" fragte Jacen mit einem leichten Anflug von Sorge. Wäre nicht seine Jediausbildung gewesen, wäre er vor Sorge jetzt vermutlich gestorben.
"Die Polizei war bei meiner Mutter zu Hause. Sie hat ja heute ihren freien Tag." Ami seufzte schwer. "Jedenfalls wollte man mich festnehmen, weil ich angeblich in mehrere Konzernnetzwerke eingebrochen sein und Daten gestohlen haben soll."
"Das ist doch wohl ein Witz!" rief Makoto erbost.
"Genau so ein Witz wie deine Verhaftung wegen Körperverletzung und versuchter Schutzgelderpressung." stellte Jacen fest. "Es sieht aus, als wüßte unser Gegner sehr gut über euch Bescheid, denn die Taten, die er euch in die Schuhe geschoben hat, passen zumindest oberflächlich gesehen zu eurem persönlichen Hintergrund."
"Du meinst, die Leute von der Tenchi Corporation wissen, daß Ami ein Computerfreak ist?" meinte Nabiki. "Woher könnten sie das wissen?"
"Die Nachforschungen." meinte Ami nachdenklich. "Ich hab im Internet Nachforschungen über die Tenchi Corporation angestellt. Irgendwie müssen sie dahintergekommen sein."
"Glaubst du, sie prüfen nach, wer das Netz nach ihnen durchwühlt?"
"Theoretisch wäre das kein Problem, Nabiki. Aber das würde darauf hindeuten, daß sie grundsätzlich jeden Überprüfen, der Fragen nach ihnen stellt."
"Und demzufolge könnte man annehmen, daß sie etwas zu verbergen haben." folgerte das Tendo-Mädchen.
"Wir müssen nach China", stellte Jacen fest, "und dieses seltsame Projekt überprüfen, das sie dort am Laufen haben."
"Das halte ich für keine gute Idee." warf Nabiki ein.
"Wenn wir uns darauf beschränken, uns zu verstecken, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie uns erwischen." widersprach Jacen.
"So war das nicht gemeint."
"Wie dann?"
"Habt ihr die letzten Tage auf dem Mond verbracht?" fragte Nabiki verwundert. "Habt ihr keine Nachrichten gesehen?"
Jacen und Ami schauten sich an, schüttelten den Kopf und warfen dann Nabiki einen fragenden Blick zu. Nabiki seufzte bedeutungsschwer. "Gott muß unwissende Leute lieben." meinte sie kopfschüttelnd.
"Wieso?" fragte Jacen.
"Weil er so viele davon macht." gab sie zurück, während sie den Fernseher einschaltete und auf einen Nachrichtensender schaltete.
Nachdem die neuesten nationalen Ereignisse und der Wirtschaftsbericht durchgelaufen waren, begannen die internationalen Meldungen. Schnell wurde Jacen, Ami und Makoto klar, worauf Nabiki hinauswollte. Ein Trip nach China schien im Moment wirklich keine gute Idee zu sein.
"...noch immer dringen Nachrichten aus Peking nur spärlich zu uns durch, oftmals unter Lebensgefahr von unseren Mitarbeitern an den Kontrollen des Militärs vorbeigeschmuggelt. Bis jetzt ist die Situation vor Ort noch immer nicht vollständig geklärt. Es scheint jedoch festzustehen, daß vor zwei Tagen Einheiten der Armee in heftige Gefechte mit Truppen des Innenministeriums verwickelt waren. Verschiedene Regierungsgebäude, darunter auch die Parteizentrale und der Sitz des Ministerpräsidenten, sollen unter Beschuß genommen worden sein. Gerüchte sprechen inzwischen von einer landesweiten Mobilmachung sämtlicher Streitkräfte. Im Süden des Landes sollen sich zudem regierungstreue Armeeverbände heftige Gefechte mit den Truppen des an die Macht strebenden Militärrats des bisherigen Oberkommandeurs der Nordprovinzen, General Wang, liefern. Da jedoch von der Armee ein allgemeines Reiseverbot für die Bevölkerung erlassen wurde, und sämtliche Grenzübergänge von der Armee geschlossen wurden, lassen sich diese Meldungen nur sehr bedingt überprüfen." berichtete der Nachrichtensprecher. "Als eines der ersten Länder reagierte Taiwan mit der sofortigen Mobilmachung seiner Truppen auf die veränderte Situation. Ein Regierungssprecher teilte mit, jetzt, wo in China militärische Hardliner an die Macht strebten, befinde sich Taiwan ohne Erhöhung seiner Verteidigungsvorbereitungen in akuter Gefahr. Die Vereinigten Staaten von Amerika, bisheriger Schutzpatron von Taiwans Unabhängigkeit, befinden sich nun in einer prekären Lage. Werden die Amerikaner nach dem Verlust ihres Stützpunktes auf Guam, der Vernichtung des US-Stützpunkts auf Okinawa und der Besetzung mehrerer strategisch wichtiger Inselgruppen im Pazifik durch die Streitkräfte der Föderation von Mikronesien in der Lage sein, ihren Alliierten zu unterstützen? Militärexperten bezweifeln dies, insbesondere weil sich nach der inzwischen bestätigten Vernichtung der amerikanischen Seestreitkräfte im Persischen Golf und dem Auftauchen einer gutausgerüsteten mikronesischen Armee im Irak für die Koalitionsarmee unter amerikanischer Führung ein Debakel abzeichnet. Mehr darüber erfahren sie in einem Sonderbericht gleich im Anschluß an diese Sendung." Der Sprecher machte eine kurze Pause, in der im Hintergrund eine Karte von Korea eingeblendet wurde. "Nach einer heimlich erfolgten und von allen anderen Nationen unbemerkten Generalmobilmachung hat heute morgen ein massiver Angriff der nordkoreanischen Armee auf die zwischen Nord- und Südkorea bestehende Demarkationszone begonnen. Der kilometerbreite Gürtel aus Landmienen und Bunkerstellungen längs dieser innerkoreanischen Grenze scheint die Angreifer in ihrem Vormarsch nur unwesentlich zu behindern. Ein Sprecher der nordkoreanischen Regierung bestätigte vor wenigen Stunden den Angriff und erklärte hierzu, jetzt, wo die imperialistischen Vereinigten Staaten von Amerika nicht mehr in der Lage seien, anderen Nationen ihren Willen mit der Drohung militärischer Gewalt aufzuzwingen, sei es an der Zeit, die Chance für die Wiedervereinigung mit dem so lange von den Imperialisten unterdrückten Süden des Landes einzuleiten..."
"Also fühlen sie sich inzwischen dazu bereit, aus ihren Löchern zu kommen." murmelte Jacen, was ihm von Nabiki einen seltsamen Blick eintrug.
"Unter diesen Umständen wäre eine Reise nach China viel zu gefährlich." stellte Makoto fest.
"Das da ist doch erst der Anfang, Makoto." widersprach Ami. "Wenn wir sie nicht aufhalten, wird es bald überall auf der Welt so zugehen."
"Ähm...das klingt reichlich seltsam, Ami." warf Nabiki stirnrunzelnd ein. "Was habt ihr denn bitteschön mit einem Putsch in China zu tun?"
"Du handelst doch mit Informationen, nicht wahr?" entgegnete Jacen.
Sie nickte.
"Für wie wahrscheinlich hättest du vor ein paar Tagen gehalten, daß es in China zu einem Putsch kommt, und das gleichzeitig Nordkorea in Südkorea einmarschiert?"
"Ich hätte jeden, der mir das erzählt hätte, für verrückt erklärt." antwortete sie. "Aber...willst du mir jetzt erzählen, daß da jemand von außen nachgeholfen hat?"
Jacen nickte.
"Hinter dem Angriff auf die US-Truppen steckt mit Sicherheit die Tenchi Corporation. Und damit haben sie die Voraussetzung dafür geschaffen, daß China und Korea und bald vielleicht auch noch ein paar andere Staaten anfangen werden, alte Rechnungen zu begleichen, an deren Begleichung die amerikanische Dominanz sie bisher gehindert hat."
"Interessante Theorie. Aber was hat ein Großkonzern damit zu tun?"
"Das Unternehmen ist nur eine Fassade für eine fremde Macht, die nach der Weltherrschaft strebt." erklärte Jacen ernst.
Nabiki lächelte sarkastisch.
"Klar. Und zufällig haben ein paar Schülerinnen aus Japan von diesen Plänen erfahren, aber anstatt sie einfach zum Schweigen zu bringen, denkt der Konzern sich komplizierte Intrigen aus, um sie ins Gefgängnis zu bringen. Wirklich sehr glaubwürdig, Leute."
"Um ehrlich zu sein, frage ich mich selbst, warum der Feind zu solch seltsamen Mitteln greift." gab der junge Jedi zu. "Natürlich bin ich froh, daß Makoto, Ami und die Anderen nicht getötet wurden, aber eine Erklärung dafür habe ich nicht."
°Soso. Außer Ami und Makoto gibt es also noch mehr Leute. Das wird ja immer interessanter. Mal sehen, was ich hier noch rauskriegen kann.°
Nabiki lächelte breit.
"Also wenn ihr so dringend nach China müsst, kann ich euch dabei helfen."
"Du? Wie willst du das denn schaffen? Die Chinesen haben schließlich ihre Grenze dichtgemacht." Makoto musterte sie skeptisch, doch Nabikis Lächeln schwand nicht.
"Ich habe nicht gesagt, daß ich die Zwei über die Grenze bringen werde." korrigierte Nabiki sie. "Aber ich kenne ein paar Leute, die das tun könnten. Doch angesichts der Gefahr müßte ich sie erst davon überzeugen, daß es wichtig ist."
"Mit anderen Worten: Du willst Geld sehen." stiess Makoto verächtlich hervor.
Zur allgemeinen Überraschung schüttelte Nabiki jedoch den Kopf.
"Das ist keine Frage des Geldes. Geld ist für die fraglichen Leute keine wirkliche Motivation. Wenn ich sie überzeugen kann, daß ihr unbedingt nach China müsst, werden sie euch auch nach China bringen. Aber damit ich sie überzeugen kann, müsst ihr erstmal mich überzeugen."
Jacen lächelte verstehend.
"Darauf läuft es also hinaus. Du willst in die Hintergründe dieser Angelegenheit eingeweiht werden."
"Wenn ihr in China geschnappt werdet, wird man euch vielleicht fragen, wer euch geholfen hat, und das könnte mich dann in Schwierigkeiten bringen. Ist es dann nicht fair, mir vorher reinen Wein einzuschenken, damit ich weiss, wofür ich überhaupt meinen Hintern riskiere?" argumentierte sie.
"Da ist was dran." gab er ihr Recht. "Andererseits wären Ami und Makoto dir völlig ausgeliefert, wenn wir dich in alles einweihen würden. Wenn man bedenkt, daß du unter anderem vom Handel mit Informationen lebst, ist das ein beträchtliches Risiko."
"Das ganze Leben ist eine Anhäufung von Risiken." erwiderte Nabiki darauf. "Aber vielleicht ist dir schonmal der Gedanke gekommen, daß ich durchaus zu unterscheiden vermag zwischen Informationen, die für den Handel bestimmt sind, und solchen, die ich für mich behalten werde."
"Aber dann müßten wir uns im Voraus darauf verlassen, daß du unser Geheimnis in die zweite Kategorie einordnen wirst." meinte Ami besorgt.
"Das müßtet ihr." stimmte Nabiki ihr gelassen zu.
"Zu riskant." brummte Makoto.
"Ich weiß nicht." meinte Jacen. "Der Feind kennt euer Geheimnis ja auch schon. Mehr Schaden kann also eigentlich nicht entstehen."
Makoto machte ein finsteres Gesicht.
"Deshalb haben sie mir also diese Falle gestellt."
"Genau." Jacen nickte. "Aber jetzt wirst du erstmal für eine Weile untertauchen und..."
"Moment mal." widersprach Makoto hitzig. "Ich werde Bunny und die Anderen nicht im Stich lassen. Ich muß ihnen helfen."
"Und die beste Hilfe leistest du ihnen, indem du für eine Weile von der Bildfläche verschwindest." gab Jacen zurück.
"Ach ja?" schnappte Makoto. "Und was bringt dich auf diesen hirnrissigen Gedanken?"
"Der Feind wird davon ausgehen, daß deine Freunde dich befreit haben. Er wird erwarten, daß du nun wieder Seite an Seite mit ihnen kämpfen wirst." erklärte der junge Jedi. "Wenn du aber nicht wieder auftauchst, tust du etwas, was der Feind nicht erwartet. Das wird ihn verunsichern und seine Analytiker beschäftigt halten. Und je mehr von ihnen mit der Jagd nach Phantomen beschäftigt sind, desto weniger können uns Ärger machen."
"Das leuchtet ein." stimmte Ami zu.
"Du hältst dich im Hintergrund, Makoto, und erst wenn es wirklich hart auf hart kommt, tauchst du wieder auf und greifst ein. Dadurch gewinnen wir auch noch den Überraschungseffekt."
"Na schön." brummte Makoto. Sie war noch nicht völlig überzeugt, würde das Spiel aber erstmal mitspielen. "Und wo soll ich solange bleiben? Hier etwa?"
"Wenn ihr mich überzeugen könnt, euch zu helfen, bin ich sicher, daß die Leute, die Ami und Jacen nach China bringen, auch ein Versteck für dich haben werden." bot Nabiki an. "Das hätte für dich den Vorteil, daß du dir die Wartezeit mit Kochen vertreiben könntest."
Diese Ankündigung schien Makoto die Aussicht auf ihr bevorstehendes Exil etwas zu versüßen.
"Und nun? Was ist dieses große Geheimnis?"
Ami warf Jacen einen letzten fragenden Blick zu. Dieser nickte ihr bestätigend zu. Trotzdem wirkte Ami mehr als nur ein wenig unsicher, als sie sich von ihrem Platz erhob. Kein Wunder. Schließlich war sie im Begriff etwas zu tun, was noch keiner der Senshi vor ihr getan hatte.
"Es dürfte einfacher sein, wenn ich es dir zeige." stellte sie fest.
"Nur zu."
Nabiki beobachtete in gespannter Erwartungshaltung, wie Ami einen dunkelblauen Stift mit einer Verzierung auf der Spitze aus ihrer Tasche holte. Mit leicht verwirrtem Stirnrunzeln verfolgte sie, wie Ami den Stift in die Höhe reckte.
Dann rief diese "Merkur Star Power, Make up!"...und verwandelte sich in einem wahren Lichtspektakel in Sailor Merkur.
Das war der Punkt, an dem Nabikis Unterkiefer den Expresslift ins Kellergeschoß nahm.
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°....° = jemand denkt
"...." = jemand sagt
{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)
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Darth Saturn - The Dark Harvest
Teil 17
Ami staunte nicht schlecht. Als Jacen vor einigen Tagen erklärt hatte, sie würden Makoto schon noch aus dem Gefängnis rausholen, hatte sie gedacht, er habe den Senshi damit nur Mut machen wollen. Heute beim Frühstück jedoch hatte er Ami erklärt, es würde langsam Zeit, Makoto zu befreien. Die dunkelhaarige Senshi hatte ihn nur ungläubig angestarrt und dann gefragt, wie er das machen wolle.
"Vertrau der Macht." hatte er daraufhin gesagt und beruhigend gelächelt.
Natürlich würde Makoto vorerst nicht in ihre Wohnung zurückkehren können, denn nach ihrer Befreiung würden die Imperialen höchstwahrscheinlich zu drastischeren Maßnahmen greifen. Ami hatte dem nur beipflichten können und hatte sich mit einer wegen der frühen Uhrzeit sichtlich mürrischen Nabiki in Verbindung gesetzt, die allerdings sofort putzmunter geworden war, als sie begriff, worum es hier ging. Ein Versteck für eine "entflohene Gefangene" zu organisieren war sehr risikoreich. Und deshalb auch entsprechend teuer. Ami hatte nicht lange gefeilscht, und Nabiki war relativ entgegenkommend gewesen als Ami erwähnt hatte, daß es um eine ihrer besten Freundinnen ging.
Noch während der Lunchpause hatte Ami einen Anruf erhalten, in dem ihr eine Adresse für ein Treffen genannt worden war.
Nach der Schule war sie zusammen mit Jacen losgezogen. Gemeinsam hatten sie sich bis zum zuständigen Staatsanwalt durchgefragt. Einige Leute hatten versucht, sie abzuwimmeln, doch in diesen Fällen hatte Jacen der fraglichen Person höflich aber bestimmt zugeredet, woraufhin sie die fraglichen Informationen erhalten hatten. Nun standen sie im Büro jenes Staatsanwalts, der seine beiden Besucher neugierig musterte.
"Man sagte mir, ihr habt Informationen zum Fall Kino?"
Jacen nickte.
"Makotos Anwalt sagte uns, welche Beweise gegen sie vorliegen."
"Und?"
"Diese Beweise sind gefälscht."
"Ach? Wirklich?" der Staatsanwalt machte ein überraschtes Gesicht, doch jeder konnte erkennen, daß diese Überraschung nur gespielt war.
"Das Überwachungsvideo aus dem Restaurant?"
"Eine Fälschung."
"Verstehe. Und die Einzahlungen auf ihrem Konto?"
"Manipuliert." entgegnete der junge Jedi. Mit einer Kopfbewegung deutete er auf Ami. "Meine Begleiterin hier könnte, wenn sie wollte, jedes beliebige Konto ebenfalls auf diese Art und Weise manipulieren."
"Soso. Und die Verletzungen des Jungen sind dann vermutlich nur Einbildung." erwiderte der Ankläger mit gespieltem Ernst. "Wie konnten wir auch nur so dumm sein, das nicht zu bemerken? Ich werde sofort im Krankenhaus anrufen und veranlassen, daß dieser Simulant entlassen wird."
Jacen seufzte.
"Wir bestreiten nicht, daß der Junge verletzt wurde. Wir bestreiten nur, daß Makoto Kino die Täterin war." Jetzt blickte er den Staatsanwalt durchdringend an. "Makoto Kino ist das Opfer eines Komplotts. Die Beweise gegen sie wurden bewußt platziert. Und da sie unschuldig ist, besteht kein Grund, sie noch weiter festzuhalten. Sie werden sie daher umgehend aus dem Gefängnis entlassen lassen."
Der Staatsanwalt nickte. Jede Spur von gespieltem Humor oder Sarkasmus war aus seinem Gesicht verschwunden.
"Natürlich. Makoto Kino ist unschuldig.", murmelte er, "Ich werde sofort ihre Freilassung veranlassen."
Ami verfolgte fassungslos, wie der Staatsanwalt zum Telefon griff und einige Anrufe tätigte, deren Ziel die Freilassung Makotos waren. Dann ließ er seine Sekretärin ein Schreiben aufsetzen, das die Einstellung des Verfahrens gegen Makoto anordnete, unterschrieb selbiges und setzte seinen Amtsstempel darunter.
"Vielen Dank für ihre Kooperationsbereitschaft und noch einen schönen Tag." wünschte Jacen dem Staatsanwalt. Dann packte er die völlig verdatterte Ami am Arm und zog sie mit sich zur Tür heraus.
"Das kannst du also tun, wenn du jemanden mit der Macht beeinflußt." stellte sie später beeindruckt fest.
Jacen nickte.
"Je willensschwacher eine Person ist, oder je mehr sie daran gewohnt ist, von anderen Befehle zu empfangen, desto leichter ist es." erklärte er ihr. "Diese Technik kann leicht mißbraucht werden, und wenn ich nicht völlig von Makotos Unschuld überzeugt wäre, hätte ich sie nicht auf diese Weise befreit."
Ami lächelte und drückte seine Hand.
"Danke."
"Schon okay. Und jetzt sollten wir gehen und Makoto abholen. Sie muß schnellstmöglich in ein sicheres Versteck."
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"ENTLASSEN WORDEN?"
Der schwarzuniformierte Fähnrich, der ihr die Nachricht überbracht hatte, zuckte unter Ravanas Ausbruch zusammen und zog instinktiv den Kopf ein.
"Es sieht so aus, als wenn außerdem noch das Verfahren gegen sie eingestellt worden wäre." fügte er aus dieser ängstlich geduckten Position hinzu.
"Wie kann diese jämmerliche Justizbehörde es wagen, mir derart ins Handwerk zu pfuschen!" zischte sie außer sich. "Verdammte Versagerbande!"
Zornbebend richtete sie ihre rechte Hand auf den Fähnrich, kanalisierte ihre Wut in eben diese Hand, und ließ sie dann in Form eines gleißendhellen Energiebogens entweichen.
Laute Schreie, die grauenvolle Schmerzen verrieten, drangen aus ihrem Büro und hätten jedem Vorübergehenden sicher das Blut in den Adern gefrieren lassen.
Nach vielleicht einer halben Minute ließ sie ihre Hand sinken und atmete einmal tief durch. Entspannt ließ sie sich in ihren weichen Kontursessel zurücksinken und überdachte die Konsequenzen dieser unangenehmen Entwicklung. Den alles durchdringenden Geruch nach verbranntem Fleisch, der sich in ihrem Büro breitgemacht hatte, ignorierte sie geflissentlich.
"Captain Toran, melden sie sich augenblicklich in meinem Büro." forderte sie den Geheimdienstler nach einiger Zeit über Interkom auf.
Keine zwei Minuten vergingen, bis sich die Tür öffnete.
"Sie haben mich gerufen, Mylady?"
Der Captain stutzte für einen Moment und rümpfte die Nase. Sein Blick wanderte kurz zu jenem verkohlten Haufen, der einen Schritt vor ihm auf dem Boden lag und so entsetzlich stank, daß Toran seine ganze Willenskraft aufwenden mußte, um sich nicht augenblicklich zu übergeben.
°Ich weiß schon, warum ich schlechte Neuigkeiten nach Möglichkeit nicht selbst weitergebe.° dachte er, erleichtert über seine Voraussicht.
"Sailor Jupiter ist wieder auf freiem Fuß. Ihr Verfahren wurde eingestellt." Ravana wirkte kühl wie immer, doch subtile Hinweise in ihrer Körpersprache und ihrem Blick zeigten Toran, daß knapp unter der Oberfläche ein neuer Ausbruch bevorstand. Dies mußte er verhindern, wenn er nicht der nächste verkohlte Haufen in diesem Büro werden wollte.
"Ich hörte davon." erwiderte er knapp. "Ich habe sofort Leute darauf angesetzt, herauszufinden, wie so etwas geschehen konnte. Außerdem habe ich angeordnet ihre Wohnung und die Wohnungen der anderen bekannten Senshi zu überwachen. Wenn die Senshi mit der Befreiung zu tun haben, taucht sie sicher früher oder später bei einer von ihnen auf."
Ravana nickte und wirkte ein wenig besänftigt. Nur ein wenig zwar, aber es mochte ausreichen, um weitere Ausfälle unter dem Personal für heute zu verhindern.
"Und falls sie nicht auftaucht, reden die anderen vielleicht darüber. Dann werden wir schon erfahren, was passiert ist. Aber wir werden uns nicht auf Zufälle verlassen."
"Ihre Befehle?"
"Haben wir ein Straftatszenario für diese Ami Mizuno?"
Toran nickte.
"Computerkriminalität. Einbruch in gesicherte Systeme, Diebstahl von Konzerngeheimnissen und ähnliche Delikte. Weit gestreut und über einen größeren Zeitraum verteilt."
"Kein Computereinbruch bei einer Bank?"
Toran verneinte.
"Diese Mizuno ist ein Streber und Bücherwurm. An Wissen ist sie eher interessiert als an Geld, und deshalb erschien es plausibler, ihre Straftaten auf Informationsdiebstähle zu beschränken."
"Wie sie meinen."
"Aber denken sie nicht, die Youma-Attacken reichen im Moment aus, um die Senshi zu beschäftigen?"
"Wenn sie hinter der Befreiungsaktion stecken, und daran zweifle ich nicht im Geringsten, zeigt das doch wohl, daß die Youma nicht ausreichen, um die Senshi beschäftigt zu halten, oder?"
"Gewiss, Mylady."
"Dann setzen sie sofort alles in Bewegung, um diese Mizuno aus dem Verkehr zu ziehen."
Toran nickte bestätigend. Dann salutierte er zackig und wandte sich um.
"Ach, Captain."
Er drehte sich nochmal um.
"Es ist gut, daß sie meinen Zorn fürchten."
"Mylady?"
"Stellen sie sich nicht dumm, Toran. Und schicken sie jemanden her, der das da", sie deutete auf den Haufen vor seinen Füßen, der bis vor kurzem ein lebendiger, junger Mensch gewesen war, "wegschafft."
"Sehr wohl, Mylady."
Als er draußen war, atmete er erst einmal tief durch. Weiteres Versagen, egal wen er demnächst zu ihr schickte, um die Botschaft zu überbringen, würde direkt auf ihn zurückfallen. In dieser Hinsicht waren Ravanas Andeutungen nicht mißzuverstehen gewesen. Gewillt, von nun an jeglichen Mißerfolg zu vermeiden, orderte er über sein Armbandkomgerät zuerst einen Reinigungstrupp zu Ravanas Büro und gab dann seinem Assistenten die Anweisung, die Aktion gegen Ami Mizuno zu beginnen. Letzteres tat er mit einem bösen Lächeln auf den Lippen.
Die Senshi und ihre Verbündeten würden sehr schnell begreifen, daß es nicht gut war, Leute wie Lady Ravana zum Feind zu haben.
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"In drei Tagen beginnen wir unsere Operation in Europa." berichtete das holographische Abbild von Maurice.
In Zirkonites Augen trat ein triumphierendes Glitzern.
"Unsere Armeen werden sie unvorbereitet treffen, Chaos auslösen und sie vom Antlitz dieser Welt hinwegfegen."
Maurice nickte bestätigend.
"Es ist lange her, daß eine militärische Großmacht Krieg auf ihrem eigenen Boden zu führen gezwungen war. In manchen Fällen anscheinend zu lange, doch Kevin und ich werden da ganz schnell Abhilfe schaffen, und die Europäer werden den Preis für die arrogante und sträfliche Unterschätzung unserer Möglichkeiten zahlen."
"Ich schätze, ich werde unserer neuen Kameradin nachher auch in deinem Namen danken müssen. Dank der von ihr vorgenommenen Planänderungen konnten wir den Zeitplan in Europa deutlich beschleunigen."
"Tu das, Zirkonite." Maurice nickte zustimmend. "Lady Saturn hat sich diesen Dank redlich verdient. Aber nun entschuldige mich. Ich muß dem Kommandostab Beine machen, damit er nicht wieder hinter den neuen Zeitplan zurückfällt."
"Ich werde voraussichtlich in zwei Wochen bei euch auftauchen, um die letzten Details für den Transfer der Gefangenen aus eurem Operationsgebiet mit euch durchzugehen."
Maurice nickte nochmals. "Bis dann."
Sein Hologramm erlosch, und Zirkonite wandte sich wieder den Aufzeichnungen der Schlacht von Basra zu.
°Die Medien mögen es Schlacht nennen, aber es war nicht mehr als ein kleines Scharmützel. Fast ist es schon lächerlich, es überhaupt zu erwähnen. Im Vergleich zu den bevorstehenden Dingen ist Basra etwa so wichtig wie ein umgefallener Reissack in irgendeinem chinesischen Bergdorf.°
Wenig später klopfte es an ihrer Tür und Lady Saturn trat ein. Etwas an ihr hatte sich verändert, und als sie es bemerkte, runzelte Zirkonite erstaunt die Stirn.
"Du hast dein Outfit verändert." stellte sie verblüfft fest.
Saturn lächelte.
"Und? Steht es mir?"
Zirkonite nickte.
"Das Cape unterstreicht irgendwie die Autorität deiner Position." erklärte sie anerkennend. "Aber wie hast du das hinbekommen?"
"Die Kräfte der Senshi, wozu auch die Verwandlung gehört, basieren alle auf der Macht." antwortete Saturn, während sie es sich auf dem Platz vor Zirkonites Schreibtisch gemütlich machte, und dabei ihren knöchellangen, tiefviolett schimmernden Umhang um sich herum drapierte. "Aber wie du weisst, wurde vor mir noch kein Senshi im Umgang mit der Macht trainiert."
"Richtig."
"Wie also können wir die Macht benutzen, ohne Training erhalten zu haben?" Saturn setzte ein listiges Grinsen auf, bevor sie ihre Frage selbst zu beantworten begann. "Die Antwort ist, daß wir die Macht nicht bewußt einsetzen können. In unserem Unterbewußtsein jedoch befinden sich die nötigen Schemata gespeichert, deren Anwendung bestimmte Machteffekte hervorrufen. Und diese Schemata haben jeweils eine eindeutige Aktivierungsformel."
"Du meinst wie ein Programm, das bei Bedarf ausgeführt wird."
"Genau."
Zirkonite begriff plötzlich einige Zusammenhänge.
"Deswegen brüllen die Senshi also die Namen ihrer Attacken immer lauthals durch die Gegend."
"Richtig. Genauso verhält es sich mit der Verwandlungsformel. Sie benutzt die Macht, um Materie zu restrukturieren. Gleichzeitig hebt sie die innere Blockade für die Macht auf."
"Was für eine Blockade?"
"Die Blockade, die dafür sorgt, daß die Senshi mit Ausnahme eines latenten Gefahrensinns - und natürlich der Verwandlungsformel - in ihrer unverwandelten Form keinen Zugriff auf die Macht haben. So ist gewährleistet, daß wir uns nicht durch versehentlichen Einsatz der Macht im normalen Leben verraten." erklärte die Senshi geduldig. "Ich habe jedoch mein Selbst mit der Macht erforscht und bin dabei auf diese Schemata gestossen."
"Und dann hast du sie verändert."
"Nur das Schema für die Verwandlung. Ich habe das Cape hinzugefügt und das Tarnfeld, das die Wiedererkennung meines Aussehens verhindert, abgeschaltet. Für das bisherige Versteckspiel besteht ja kein Bedarf mehr."
"Allerdings." stimmte Zirkonite zu. "Ich soll dir übrigens im Namen von Kevin und Maurice danken. Die von dir gemachten Planänderungen bei dieser Operation hat es ihnen ermöglicht, den Zeitplan für Europa deutlich zu beschleunigen. Meister Traxius ist ebenfalls sehr zufrieden mit dir."
Saturn winkte ab. "Bedankt euch lieber bei den Dummköpfen da draußen, die zu blöd waren, um sich aus unserem Kampf mit den Amerikanern rauszuhalten."
"Die Schlacht von Basra, wie CNN es nennt, hat bereits zu vielen Spekulationen über unsere nächsten Züge geführt. Alle Staaten, deren Truppen neben den Amerikanern im Irak kämpften, haben sich geschlossen auf die Seite Amerikas gestellt. Offenbar ist man der Meinung, daß wir gegen diese Übermacht nicht bestehen können."
"Wenn wir jetzt außerhalb des Iraks losschlagen, werden wir auch tatsächlich Probleme haben."
"Wie kommst du denn auf die Idee?" fragte Zirkonite verblüfft.
"Wenn wir jetzt in die Offensive gehen, werden unsere Gegner die Medien benutzen, um unter der Bevölkerung und den bisher unbeteiligten Regierungen die Angst vor uns zu schüren." erläuterte Lady Saturn. "Das wird die Befriedung der übernommenen Städte zu einem aussichtslosen Unterfangen machen, weil wir es mit Unmengen von Partisanen zu tun bekommen werden. Dadurch werden so viele Truppen gebunden werden, daß wir später drastisch hinter unseren Zeitplan zurückfallen werden. Das gibt den verbliebenen Gegnern Zeit, sich auf uns vorzubereiten, und stärkt den Widerstandswillen unserer Feinde und der fehlgeleiteten Zivilisten."
"Hmm..." die ehemalige Generalin des Dunklen Königreichs nickte nachdenklich und besorgt zugleich. "Du könntest Recht haben. Aber was sollen wir dagegen tun?"
"Ganz einfach." Saturn lächelte zufrieden. "Wir müssen den Menschen die Angst vor unserer Machtübernahme nehmen. Wir müssen mit ihnen reden. Sie davon überzeugen, daß wir nur ihr Bestes wollen, und daß es ihnen unter unserer Regierung besser gehen wird."
"Du klingst, als wenn du bereits einen Plan hättest."
"Ich habe auch einen." bestätigte die Senshi grinsend. "Als wir die Briten bei Basra geschlagen haben, trafen wir auch auf eine Gruppe von Kriegsberichterstattern. Genaugenommen hatte ich meine Truppen angewiesen, bei ihrem Vormarsch speziell nach solchen Leuten Ausschau zu halten."
"Und?"
"Eine von ihnen, eine gewisse Cassandra Stone von BBC, war begeistert, als ich ihr anbot, direkt und exklusiv von unserer Seite aus über den Konflikt berichten zu dürfen."
"Reporter." seufzte Zirkonite kopfschüttelnd. "Wir fallen über ihre Landsleute her, aber sie sind bereit, nur für eine tolle Story für uns zu arbeiten."
"Wir hätten die Briten nicht angegriffen, wenn ihre Flugzeuge uns nicht vorher bombardiert hätten." erklärte Saturn. "Jetzt wird Taichi entscheiden müssen, wie wir weiter vorgehen."
"Nein." widersprach Zirkonite kopfschüttelnd. "Nicht Taichi, sondern du."
"Ich? Aber wieso?"
"Du hast bewiesen, daß du ein Kommando übernehmen kannst. Der Meister hat dich zur Befehlshaberin der vierten Sturmgardedivision ernannt."
"Und was ist mit Taichi?" fragte sie unsicher zurück.
"Er übernimmt den Befehl über die fünfte Sturmgardedivision. Deine Aufgabe ist es, mit den dir zur Verfügung stehenden Truppen die Kontrolle über den Irak und das benachbarte Kuwait zu sichern. Taichis Division wird in zwanzig Stunden über die irakische Südgrenze vorstossen und der arabischen Welt zeigen, daß es keine gute Idee war, die Amerikaner bei diesem Überfall auf den Irak zu unterstützen." Saturn nickte verstehend.
"Meine Truppen werden die Soldaten der Koalitionsarmee gefangensetzen und deinem Gewahrsam übergeben. Auf der Schafswiese sind sie gut aufgehoben."
Zirkonite grinste. Schafswiese war der von Saturn vorgeschlagene Codename für den Planeten in Zirkonites Taschenuniversum.
"Das sind sie allerdings. Hast du übrigens eine Antwort auf die Frage gefunden, wo wir in Afrika ansetzen sollten?"
Saturn nickte.
"Es gibt meiner Meinung nach zwei gute Ansatzpunkte. Somalia und Sierra Leone."
"Erklärung?"
"Die UN sandte Anfang der 90er Jahre Friedenstruppen nach Somalia. Der Widerstand ihrer Opposition war jedoch größer als erwartet, und so entschied man, wobei dieses 'man' sich hauptsächlich auf die USA bezieht, das Land wieder zu verlassen. Diese Entscheidung fiel leicht, da es dort nichts von Bedeutung gibt. Seit zwölf Jahren, seit die UN Somalia im Stich gelassen hat, herrscht dort Anarchie. Das Land hat keine Regierung, Wirtschaft und Infrastruktur sind praktisch nicht mehr existent, und alles wird von kriminellen Banden und Warlords kontrolliert."
"Und Sierra Leone?"
"Das Land wird von starken Unruhen erschüttert. Die Regierung hat die UN und auch die Amerikaner praktisch um die Entsendung von Friedenstruppen angefleht, aber dort hat man nicht reagiert."
"Was wäre dein Favorit?"
"Nun, wenn wir Somalia wählen, gibt es keine Regierung, die gegen unseren Einmarsch protestieren könnte. Genau wie in Sierra Leone haben wir dort die Möglichkeit, den Leuten zu helfen und damit unsere guten Absichten zu demonstrieren, aber unsere Gegner würden unseren Einmarsch trotzdem als Überfall darstellen. Wenn wir aber in Sierra Leone einmarschieren, nachdem die Regierung uns um Truppen gebeten hat, haben wir die nötige Legitimation und wir können Hilfsarbeit leisten, ohne Kritik fürchten zu müssen." erklärte Saturn ihren Standpunkt. "Somalia sollte dann als zweites Ziel auf die Liste. Wenn wir Sierra Leone erfolgreich befriedet haben, und deutlich sichtbar demonstrieren, wie sehr wir der Bevölkerung helfen, wird uns das auch später im Umgang mit Kritikern helfen. Außerdem liegt das Land strategisch günstig an der Zufahrt zum Roten Meer."
"Sehr gut. Sierra Leone liegt an der Grenze zwischen den vorgesehenen Operationsräumen der dreizehnten und vierzehnten Sturmgardedivision. Ich werde Kontakt zur lokalen Regierung aufnehmen und dann einer der beiden Einheiten den Einsatzbefehl übermitteln. Kümmere du dich inzwischen um den Irak und Kuwait."
"Ich könnte da in einer Sache deine Hilfe als Verhandlungsführerin gebrauchen." erwiderte die Senshi ein wenig zurückhaltend.
"Na dann mal raus damit."
"Sobald ich den Irak gesichert habe, würde ich gern weiter nach Norden vorstossen."
"Und was schwebt dir da genau vor?"
Das junge Mädchen betrachtete sinnend die Narbe an seinem Arm, bevor es fortfuhr.
"Ich habe vor in Israel einzumarschieren. Und du sollst für mich mit der syrischen Regierung eine geheime Abmachung aushandeln, die mir erlaubt, syrisches Territorium ungehindert zu passieren. Biete ihnen als Gegenleistung die Rückgabe der Golanhöhen an."
Zirkonite starrte ihr Gegenüber verdutzt und sprachlos an. Dann fing sie an zu lachen.
"Was ist so komisch?" motzte die Senshi beleidigt.
Die ehemalige Youma-Generalin wurde schlagartig wieder ernst.
"Ich wollte dich nicht beleidigen." versicherte sie ihrer Freundin. "Es ist nur so, daß Meister Traxius mich vor zwei Tagen beauftragt hat, genau die Verhandlungen aufzunehmen, um die du mich gerade gebeten hast. Und diese Koinzidenz fand ich irgendwie amüsant."
"Anscheinend denken er und ich manchmal in ähnlichen Bahnen." erwiderte Saturn besänftigt.
Zirkonite grinste breit.
"Vermutlich bist du deshalb ja auch seine Lieblingsschülerin."
"Ich...was?" Saturn war von dieser Bemerkung völlig überrascht.
"Du lernst schneller als jeder andere von uns, du bist entschlossen und zielstrebig, sehr kreativ und engagiert bei der Verwirklichung unserer gemeinsamen Vision und du bist eine loyale Anhängerin unserer Sache." zählte Zirkonite die wichtigsten Punkte zusammen. "Es geht das Gerücht um, daß der Meister dich schon bald zu seiner persönlichen Schülerin machen wird. Fast bin ich ein wenig neidisch."
"Ich bin doch schon längst seine Schülerin." murmelte sie etwas verwirrt. "Und ihr anderen doch auch."
"Schülerin ja. Aber ich sprach von 'persönlicher Schülerin'. Da besteht ein Unterschied."
"Und der wäre?"
"Nun. Letztendlich sind wir alle Schüler von Lord Traxius, doch unsere Fähigkeiten unterscheiden sich natürlich voneinander. Manche von uns beherrschen einige Dinge besser als andere. Lady Ravana ist beispielsweise die Beste von uns, wenn es um den Umgang mit dem Lichtschwert geht." erklärte Zirkonite. "Der Meister hat nun einige von uns zu Paaren zusammengefasst. Jeweils ein Mentor und ein Protegé, könnte man sagen. Ravana, zum Beispiel, ist Midoris Mentorin. Innerhalb unserer Gruppe haben die Mentoren einen unterschiedlich hohen Status, je nach Können, und je höher der Status eines Mentors, desto höher ist auch der Status seines Protegés im Vergleich mit den Protegés anderer Mentoren."
"Und als persönliche Schülerin des Meisters..."
"...ist dein Status sogar noch höher als der der meisten Mentoren."
"Oh. Aber das habe ich nicht verdient, Zirkonite. Andere, die den Meister schon viel länger unterstützen, hätten viel eher einen Anspruch."
"Das entscheidet nur der Meister." widersprach Zirkonite sofort. "Außerdem...egal, wie lange wir schon dabei sind, bei dem Weg, der vor uns liegt, geht es nicht ohne dich. Oder glaubst du, einer von uns könnte die anderen Senshi davon überzeugen, sich auf unsere Seite zu stellen?"
"Warum sollten sie das nicht tun?" fragte Saturn überrascht zurück.
"Weil alles, was sie in nächster Zeit von uns zu sehen kriegen, unsere Truppen sein werden. Das dürfte für deine Freundinnen nicht gerade vertrauenerweckend sein, denke ich. Und wenn der Tag kommt, an dem wir uns ganz offen in Tokyo zeigen, wirst du sie von der Richtigkeit unserer Sache überzeugen müssen."
"Da mach dir mal keine Sorgen." beruhigte Saturn sie. "Einige von ihnen können manchmal unglaublich stur sein, aber wenn es darauf ankommt, das Richtige zu tun, kann man sich auf sie verlassen."
"Darauf werden wir uns dann wohl verlassen müssen."
"Keine Sorge. Ich regle das schon." Sie erhob sich und verabschiedete sich dann. "Wird Zeit zu sehen, welche Fortschritte meine Truppen machen."
Als sie das Lagezentrum betrat, in dem wie üblich hektische Betriebsamkeit herrschte, wandte sie sich sogleich an Commander Staven.
{Commander, bereiten sie die Entsendung einer Besatzungsstreitmacht für Kuwait vor. Versuchen sie, mit höchstens fünfzehntausend Mann auszukommen.}
{Sehr wohl, Mylady.}
{Und wie schlagen wir uns sonst so?}
Staven deutete auf die Hologrammkarte.
{Durch die Zerstörung des GPS-Netzwerks und der Luftaufklärung haben wir den Gegner völlig durcheinandergebracht. Er ist nur sehr beschränkt zu koordinierten Aktionen in der Lage, während wir, wie sie sehen, Bodentruppen in einer weiten Zangenformation rund um die amerikanische dritte Infanteriedivision in Stellung gebracht haben.}
{Sehe ich das richtig, das die Amerikaner ihren Vormarsch gestoppt haben?}
{Das ist korrekt. Die Dritte hat rund hundertachtzig Kilometer vor Bagdad gestoppt. Aus ihrem Funkverkehr geht hervor, daß sie auf Nachschub warten. Sie wissen, daß sie die Belagerung Bagdads nicht anzugehen brauchen, wenn sie nicht genügend Vorräte haben.}
{Schicken sie zwei Staffeln Defender los.} befahl Lady Saturn. {Sie sollen im ersten Anflug feindliche Luftabwehrfahrzeuge vernichten. Dann sollen sie ihre Sensoren benutzen, um die Vorratstransporter in dem Truppenkonvoi zu finden und diese zerstören. Sobald das erledigt ist, können sie wieder zurückkommen. Ich wünsche keine unnötigen Verluste unter den amerikanischen Truppen.}
{Jawohl.}
{Und dann ziehen sie den Kreis um den Verband etwas enger. Geben sie ihnen noch ein paar Tage und bieten sie ihnen dann die Kapitulation an.}
Der Commander nickte bestätigend.
{Die Gefangenen sollen dann vermutlich an Lady Zirkonite weitergeleitet werden, nehme ich an.}
{Korrekt. Und bereiten sie die Luftverlegung von zwanzigtausend Mann unserer besten Truppen zusammen mit einer ausreichenden Zahl von Kampffahrzeugen an die nordirakische Grenze vor.}
{Zu welchem Zweck, Mylady?}
{Nach der Zerschlagung der Nordfront der Koalitionsarmee durch diesen Verband werden wir mit dem Hauptteil unserer Truppen den Irak von Süd nach Nord durchqueren, Commander. Die Truppen, die sich vor uns zurückziehen, sollen uns nicht über die türkische Grenze entkommen. Und ich wünsche auch nicht, daß sie aus dieser Richtung Verstärkung erhalten können.}
{Also sollen sie nach Vernichtung ihrer Opposition eine Zwei-Seiten- Verteidigung etablieren.}
{Genau das.} bestätigte sie. {Ich werde mich nun mit unserer Kriegsberichterstatterin beschäftigen. Rufen sie mich, wenn es unerwartete Entwicklungen geben sollte.}
Mit diesen Worten verschwand sie aus der Zentrale und begab sich in die Gästequartiere.
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Als Ami und Jacen Makoto vor den Toren des Gefängnisses in Empfang nahmen, war diese still und in sich gekehrt. Irgendwas mußte während ihrer Haft geschehen sein, doch Makoto weigerte sich trotz Amis Nachfrage, darüber zu reden, so daß die drei schließlich schweigend in ein Taxi stiegen und sich zu der Adresse in der Nähe des Bahnhofs von Juuban bringen ließen, die Ami von Nabiki erhalten hatte.
Ihr Ziel entpuppte sich als Wohnhaus. Eines dieser Hochhäuser, in denen sich die Leute nicht um ihre Nachbarn scherten, und wo Anonymität praktisch garantiert war.
"Und wie geht´s jetzt weiter?" fragte Makoto mit matter, fast schon apathisch klingender Stimme.
"Wir warten auf Nabiki." antwortete Ami. "Und du bist sicher, daß du nicht über deine Probleme..."
"Ja, verdammt!" fuhr Makoto sie an, nahm sich jedoch sofort zusammen, als sie Amis betroffenen Gesichtsausdruck bemerkte. "Entschuldige, Ami. Ich weiss, daß du es nur gut meinst, aber im Moment möchte ich einfach nur alles hinter mir lassen, und das wird mir nicht gelingen, wenn ich jetzt darüber reden muß. Später vielleicht..."
Ami las in Makotos Blick das stumme Flehen, sie nicht weiter zu bedrängen, und so nahm sie ihre Freundin nur in den Arm und sagte: "Ja, sicher. Ich wollte nur, daß du weißt, daß du jederzeit zu mir kommen kannst, wenn du reden willst, okay?"
Makoto nickte zaghaft.
"Okay." Sie löste sich von Ami und ließ ihren Blick durch die Wohnung wandern. "Ich glaube, ich werde uns in der Zwischenzeit was zu essen machen."
"Brauchst du Hilfe?"
"Nein, nein. Macht ihr Zwei es euch hier gemütlich. Ich komm schon klar."
Und mit diesen Worten verschwand sie mit einem Tempo in der Küche, das ihren Abgang wie eine Flucht wirken ließ.
Ami verfolgte dies mit besorgter Miene und ließ sich dann neben Jacen auf dem Sofa nieder.
"Ich weiß, wie du dich jetzt fühlst." sagte er zu ihr, gerade als sie dazu ansetzte, etwas zu ihm zu sagen. "Aber nach dieser Erfahrung braucht sie Zeit, ihre Gedanken und Gefühle zu ordnen. Das Klügste wird sein, sie unauffällig im Auge zu behalten, sie aber keinesfalls zu bedrängen."
Ami war für einen Moment zu verblüfft, um etwas zu sagen, weil Jacen in ihren Augen nicht den Eindruck gemacht hatte, als ob er sich mit Makotos seltsamem Verhalten auseinandersetzen würde. Dann ließ sie sich seine Worte jedoch durch den Kopf gehen und stimmte ihm schließlich zu.
Kurz bevor das Essen, bestehend aus Reis, Tofu, Misosuppe, Sushi und einer Sauce nach einem von Makotos Geheimrezepten, fertig war, tauchte Nabiki endlich auf. Nach einer knappen Begrüßung begutachtete sie Makotos Essen und nickte dann anerkennend.
"Wenn es so schmeckt wie es riecht und aussieht, könntest du glatt meiner Schwester Konkurrenz machen."
"Ist sie gut?" fragte Makoto.
"Sie ist die Beste." antwortete Nabiki knapp. Dann wandte sie sich wieder an Ami, während Makoto ein Gedeck für Nabiki dazuholte und dann damit begann, das Essen aufzufüllen. "Wie intensiv, glaubst du, wird die Polizei nach ihr suchen lassen?"
Ami reichte ihr das Dokument des Staatsanwalts.
"Dann verstehe ich nicht, warum du deine Freundin verstecken mußt." erklärte Nabiki verwundert. "Oder macht es dir einfach Spaß, bei mir Schulden zu machen?"
Makoto, die für Jacen gerade Suppe auffüllte, erstarrte mitten in der Bewegung.
"Was für Schulden, Ami?"
"N-nichts von Bedeutung." versuchte Ami erfolglos abzuwiegeln.
"Was schuldet Ami dir?" wandte Makoto sich direkt an Nabiki. Diese kostete mit unbeteiligter Miene von der Suppe. Dann nickte sie anerkennend.
"Das ist wirklich gut. Vielleicht solltest du mit meiner Schwester mal Rezepte austauschen." Sie schwieg für einen Moment, während Makoto vor Wut langsam rot anlief. "Was deine Frage betrifft, so kann ich dir nicht mehr dazu sagen als du schon weisst. Alle meine Kunden können sich auf meine Diskretion verlassen, sonst wäre ich nicht lange im Geschäft. Aber wenn wir uns auf einen Preis einigen, kann ich dir gewisse Informationen durchaus verkaufen."
"Du!" Makoto baute sich drohend vor ihr auf.
"Makoto, beruhig dich bitte." verlangte Jacen von ihr. "Du warst in Gefahr und bist es immer noch. Und Nabiki hilft uns dabei, dich vorerst zu verstecken. Im Gegenzug stellt Ami ihr einige ihrer Fähigkeiten kostenfrei zur Verfügung."
"Was für Fähigkeiten?" fragte die temperamentvolle Senshi des Jupiter mißtrauisch.
"Ihre Fähigkeiten am Computer." antwortete Nabiki knapp. "Und mehr brauchst du darüber nicht zu wissen. Es sei denn, du zahlst für die Information."
"Wie kann jemand bloß so versessen auf Geld sein?"
"Falls es dir entgangen ist...man kommt in dieser Welt nicht weit, wenn man kein Geld hat." erwiederte Nabiki kühl. "Aber zurück zu meiner Frage: Vor wem muß sich eure Freundin verstecken, wenn die Polizei sie nicht mehr sucht? Yakuza?"
"Nein." versicherte Ami ihr kopfschüttelnd. "Ein paar sehr mächtige Leute haben die Beweise gegen Makoto platziert, um sie hinter Gitter zu bringen, und jetzt, wo wir sie rausgeholt haben, befürchten wir, daß diese Leute direktere Maßnahmen ergreifen werden."
"Was für Leute?"
Ami und Jacen warfen sich gegenseitig unbehagliche Blicke zu. Beide waren unsicher, wie weit sie Nabiki in ihre Angelegenheiten hineinziehen durften - oder sollten.
"Je mehr ich über die potentielle Gefahr weiß, desto eher kann ich Vorkehrungen dagegen treffen." argumentierte diese.
Jacen suchte mit der Macht nach Spuren von Täuschung oder Unaufrichtigkeit. Als er keine fand, nickte er Ami kaum merklich zu.
"Die Tenchi Corporation." erklärte Ami daraufhin.
"Und was will die Tenchi Corporation von ihr?"
"Würdest du vielleicht in meiner Gegenwart nicht so über mich reden, als wenn ich gar nicht da wäre?" beschwerte Makoto sich.
"Wie auch immer." schnaufte Nabiki leicht genervt. "Was will ein multinationaler Großkonzern von einer unbedeutenden Mittelschülerin, die seit dem siebten Lebensjahr Vollwaise ist?"
Drei Augenpaare warfen ihr verblüffte Blicke zu.
"Woher..."
"...ich das weiß?" Nabiki lächelte knapp. "Natürlich habe ich meine Hausaufgaben gemacht und mich über dich informiert, als Ami mich um Hilfe gefragt hat. Schließlich wollte ich wissen, WEM ich da eigentlich helfen soll. Und falls du es noch nicht wissen solltest: Wissen ist Macht. Und wenn ich weiß, warum dieser Konzern hinter dir her ist, kann ich besser einschätzen, womit wir uns auseinandersetzen werden müssen."
"Das kann ich dir auch so sagen." meinte Jacen. "Die Corporation unterhält mindestens einen straff organisierten, global tätigen Nachrichtendienst, der auch vor Entführung, Mord, Folter und anderen Verbrechen nicht zurückschreckt, um seine Ziele zu erreichen. Die Leute, die hinter Makoto her sind, werden auf alle Ressourcen des Unternehmens zugreifen können. Ich weiss allerdings nicht, wie intensiv sie nach ihr suchen werden."
"Nun, wenn sie Makoto wirklich um jeden Preis haben wollen, stehen ihre Chancen langfristig nicht sehr gut." bemerkte Nabiki besorgt. "Fast bin ich versucht, zu sagen, daß das eine Nummer zu groß für mich ist. Aber ich habe diesen Job übernommen, und deshalb ziehe ich ihn auch durch."
Ami lächelte.
"Danke."
"Wenn du mir danken willst, dann solltest du mit mir nochmal über den Preis für diesen Job reden." bemerkte sie trocken, hob jedoch gleich beschwichtigend die Hände, als sie Makotos finsteren Gesichtsausdruck bemerkte.
"Wie lange wird Makoto wohl hier bleiben..."
Das Piepen ihes Kommunikators unterbrach Amis Frage. "Entschuldigt mich für einen Moment." Sie ging in ein Nebenzimmer, holte das kleine blaue Gerät mit dem Merkur-Symbol darauf hervor und aktivierte es.
"Oh, Rei. Was gibt´s?"
Rei übermittelte ihr einige Neuigkeiten. Neuigkeiten, die sie von Amis Mutter am Telefon erfahren hatte. Neuigkeiten, die für die Senshi, und insbesondere für Ami überaus schlecht waren.
Als sie nach ein paar Minuten zu den anderen zurückkehrte, konnte ihr jeder ansehen, daß sie besorgt war.
"Der Feind hat seinen nächsten Zug gemacht." verkündete sie mit leicht zittriger Stimme. Dann ließ sie sich auf ihren Stuhl fallen und blickte geschockt in die Runde. "Und das nächste Ziel...bin ich."
"Du?" rief Makoto erschreckt.
Nabiki blieb äußerlich gelassen und völlig unbeeindruckt. Innerlich wurde sie jedoch immer nervöser. Irgendetwas verschwieg man ihr hier. Warum ein Großkonzern eine Schülerin verfolgen sollte, war schon rätselhaft genug. Aber warum sollte er, nachdem die eine Schülerin der angeblichen Falle entkommen war, eine andere Schülerin ins Visier nehmen? Welche Verbindung gab es hier, die man ihr verheimlichte?
"Was genau ist passiert?" fragte Jacen mit einem leichten Anflug von Sorge. Wäre nicht seine Jediausbildung gewesen, wäre er vor Sorge jetzt vermutlich gestorben.
"Die Polizei war bei meiner Mutter zu Hause. Sie hat ja heute ihren freien Tag." Ami seufzte schwer. "Jedenfalls wollte man mich festnehmen, weil ich angeblich in mehrere Konzernnetzwerke eingebrochen sein und Daten gestohlen haben soll."
"Das ist doch wohl ein Witz!" rief Makoto erbost.
"Genau so ein Witz wie deine Verhaftung wegen Körperverletzung und versuchter Schutzgelderpressung." stellte Jacen fest. "Es sieht aus, als wüßte unser Gegner sehr gut über euch Bescheid, denn die Taten, die er euch in die Schuhe geschoben hat, passen zumindest oberflächlich gesehen zu eurem persönlichen Hintergrund."
"Du meinst, die Leute von der Tenchi Corporation wissen, daß Ami ein Computerfreak ist?" meinte Nabiki. "Woher könnten sie das wissen?"
"Die Nachforschungen." meinte Ami nachdenklich. "Ich hab im Internet Nachforschungen über die Tenchi Corporation angestellt. Irgendwie müssen sie dahintergekommen sein."
"Glaubst du, sie prüfen nach, wer das Netz nach ihnen durchwühlt?"
"Theoretisch wäre das kein Problem, Nabiki. Aber das würde darauf hindeuten, daß sie grundsätzlich jeden Überprüfen, der Fragen nach ihnen stellt."
"Und demzufolge könnte man annehmen, daß sie etwas zu verbergen haben." folgerte das Tendo-Mädchen.
"Wir müssen nach China", stellte Jacen fest, "und dieses seltsame Projekt überprüfen, das sie dort am Laufen haben."
"Das halte ich für keine gute Idee." warf Nabiki ein.
"Wenn wir uns darauf beschränken, uns zu verstecken, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie uns erwischen." widersprach Jacen.
"So war das nicht gemeint."
"Wie dann?"
"Habt ihr die letzten Tage auf dem Mond verbracht?" fragte Nabiki verwundert. "Habt ihr keine Nachrichten gesehen?"
Jacen und Ami schauten sich an, schüttelten den Kopf und warfen dann Nabiki einen fragenden Blick zu. Nabiki seufzte bedeutungsschwer. "Gott muß unwissende Leute lieben." meinte sie kopfschüttelnd.
"Wieso?" fragte Jacen.
"Weil er so viele davon macht." gab sie zurück, während sie den Fernseher einschaltete und auf einen Nachrichtensender schaltete.
Nachdem die neuesten nationalen Ereignisse und der Wirtschaftsbericht durchgelaufen waren, begannen die internationalen Meldungen. Schnell wurde Jacen, Ami und Makoto klar, worauf Nabiki hinauswollte. Ein Trip nach China schien im Moment wirklich keine gute Idee zu sein.
"...noch immer dringen Nachrichten aus Peking nur spärlich zu uns durch, oftmals unter Lebensgefahr von unseren Mitarbeitern an den Kontrollen des Militärs vorbeigeschmuggelt. Bis jetzt ist die Situation vor Ort noch immer nicht vollständig geklärt. Es scheint jedoch festzustehen, daß vor zwei Tagen Einheiten der Armee in heftige Gefechte mit Truppen des Innenministeriums verwickelt waren. Verschiedene Regierungsgebäude, darunter auch die Parteizentrale und der Sitz des Ministerpräsidenten, sollen unter Beschuß genommen worden sein. Gerüchte sprechen inzwischen von einer landesweiten Mobilmachung sämtlicher Streitkräfte. Im Süden des Landes sollen sich zudem regierungstreue Armeeverbände heftige Gefechte mit den Truppen des an die Macht strebenden Militärrats des bisherigen Oberkommandeurs der Nordprovinzen, General Wang, liefern. Da jedoch von der Armee ein allgemeines Reiseverbot für die Bevölkerung erlassen wurde, und sämtliche Grenzübergänge von der Armee geschlossen wurden, lassen sich diese Meldungen nur sehr bedingt überprüfen." berichtete der Nachrichtensprecher. "Als eines der ersten Länder reagierte Taiwan mit der sofortigen Mobilmachung seiner Truppen auf die veränderte Situation. Ein Regierungssprecher teilte mit, jetzt, wo in China militärische Hardliner an die Macht strebten, befinde sich Taiwan ohne Erhöhung seiner Verteidigungsvorbereitungen in akuter Gefahr. Die Vereinigten Staaten von Amerika, bisheriger Schutzpatron von Taiwans Unabhängigkeit, befinden sich nun in einer prekären Lage. Werden die Amerikaner nach dem Verlust ihres Stützpunktes auf Guam, der Vernichtung des US-Stützpunkts auf Okinawa und der Besetzung mehrerer strategisch wichtiger Inselgruppen im Pazifik durch die Streitkräfte der Föderation von Mikronesien in der Lage sein, ihren Alliierten zu unterstützen? Militärexperten bezweifeln dies, insbesondere weil sich nach der inzwischen bestätigten Vernichtung der amerikanischen Seestreitkräfte im Persischen Golf und dem Auftauchen einer gutausgerüsteten mikronesischen Armee im Irak für die Koalitionsarmee unter amerikanischer Führung ein Debakel abzeichnet. Mehr darüber erfahren sie in einem Sonderbericht gleich im Anschluß an diese Sendung." Der Sprecher machte eine kurze Pause, in der im Hintergrund eine Karte von Korea eingeblendet wurde. "Nach einer heimlich erfolgten und von allen anderen Nationen unbemerkten Generalmobilmachung hat heute morgen ein massiver Angriff der nordkoreanischen Armee auf die zwischen Nord- und Südkorea bestehende Demarkationszone begonnen. Der kilometerbreite Gürtel aus Landmienen und Bunkerstellungen längs dieser innerkoreanischen Grenze scheint die Angreifer in ihrem Vormarsch nur unwesentlich zu behindern. Ein Sprecher der nordkoreanischen Regierung bestätigte vor wenigen Stunden den Angriff und erklärte hierzu, jetzt, wo die imperialistischen Vereinigten Staaten von Amerika nicht mehr in der Lage seien, anderen Nationen ihren Willen mit der Drohung militärischer Gewalt aufzuzwingen, sei es an der Zeit, die Chance für die Wiedervereinigung mit dem so lange von den Imperialisten unterdrückten Süden des Landes einzuleiten..."
"Also fühlen sie sich inzwischen dazu bereit, aus ihren Löchern zu kommen." murmelte Jacen, was ihm von Nabiki einen seltsamen Blick eintrug.
"Unter diesen Umständen wäre eine Reise nach China viel zu gefährlich." stellte Makoto fest.
"Das da ist doch erst der Anfang, Makoto." widersprach Ami. "Wenn wir sie nicht aufhalten, wird es bald überall auf der Welt so zugehen."
"Ähm...das klingt reichlich seltsam, Ami." warf Nabiki stirnrunzelnd ein. "Was habt ihr denn bitteschön mit einem Putsch in China zu tun?"
"Du handelst doch mit Informationen, nicht wahr?" entgegnete Jacen.
Sie nickte.
"Für wie wahrscheinlich hättest du vor ein paar Tagen gehalten, daß es in China zu einem Putsch kommt, und das gleichzeitig Nordkorea in Südkorea einmarschiert?"
"Ich hätte jeden, der mir das erzählt hätte, für verrückt erklärt." antwortete sie. "Aber...willst du mir jetzt erzählen, daß da jemand von außen nachgeholfen hat?"
Jacen nickte.
"Hinter dem Angriff auf die US-Truppen steckt mit Sicherheit die Tenchi Corporation. Und damit haben sie die Voraussetzung dafür geschaffen, daß China und Korea und bald vielleicht auch noch ein paar andere Staaten anfangen werden, alte Rechnungen zu begleichen, an deren Begleichung die amerikanische Dominanz sie bisher gehindert hat."
"Interessante Theorie. Aber was hat ein Großkonzern damit zu tun?"
"Das Unternehmen ist nur eine Fassade für eine fremde Macht, die nach der Weltherrschaft strebt." erklärte Jacen ernst.
Nabiki lächelte sarkastisch.
"Klar. Und zufällig haben ein paar Schülerinnen aus Japan von diesen Plänen erfahren, aber anstatt sie einfach zum Schweigen zu bringen, denkt der Konzern sich komplizierte Intrigen aus, um sie ins Gefgängnis zu bringen. Wirklich sehr glaubwürdig, Leute."
"Um ehrlich zu sein, frage ich mich selbst, warum der Feind zu solch seltsamen Mitteln greift." gab der junge Jedi zu. "Natürlich bin ich froh, daß Makoto, Ami und die Anderen nicht getötet wurden, aber eine Erklärung dafür habe ich nicht."
°Soso. Außer Ami und Makoto gibt es also noch mehr Leute. Das wird ja immer interessanter. Mal sehen, was ich hier noch rauskriegen kann.°
Nabiki lächelte breit.
"Also wenn ihr so dringend nach China müsst, kann ich euch dabei helfen."
"Du? Wie willst du das denn schaffen? Die Chinesen haben schließlich ihre Grenze dichtgemacht." Makoto musterte sie skeptisch, doch Nabikis Lächeln schwand nicht.
"Ich habe nicht gesagt, daß ich die Zwei über die Grenze bringen werde." korrigierte Nabiki sie. "Aber ich kenne ein paar Leute, die das tun könnten. Doch angesichts der Gefahr müßte ich sie erst davon überzeugen, daß es wichtig ist."
"Mit anderen Worten: Du willst Geld sehen." stiess Makoto verächtlich hervor.
Zur allgemeinen Überraschung schüttelte Nabiki jedoch den Kopf.
"Das ist keine Frage des Geldes. Geld ist für die fraglichen Leute keine wirkliche Motivation. Wenn ich sie überzeugen kann, daß ihr unbedingt nach China müsst, werden sie euch auch nach China bringen. Aber damit ich sie überzeugen kann, müsst ihr erstmal mich überzeugen."
Jacen lächelte verstehend.
"Darauf läuft es also hinaus. Du willst in die Hintergründe dieser Angelegenheit eingeweiht werden."
"Wenn ihr in China geschnappt werdet, wird man euch vielleicht fragen, wer euch geholfen hat, und das könnte mich dann in Schwierigkeiten bringen. Ist es dann nicht fair, mir vorher reinen Wein einzuschenken, damit ich weiss, wofür ich überhaupt meinen Hintern riskiere?" argumentierte sie.
"Da ist was dran." gab er ihr Recht. "Andererseits wären Ami und Makoto dir völlig ausgeliefert, wenn wir dich in alles einweihen würden. Wenn man bedenkt, daß du unter anderem vom Handel mit Informationen lebst, ist das ein beträchtliches Risiko."
"Das ganze Leben ist eine Anhäufung von Risiken." erwiderte Nabiki darauf. "Aber vielleicht ist dir schonmal der Gedanke gekommen, daß ich durchaus zu unterscheiden vermag zwischen Informationen, die für den Handel bestimmt sind, und solchen, die ich für mich behalten werde."
"Aber dann müßten wir uns im Voraus darauf verlassen, daß du unser Geheimnis in die zweite Kategorie einordnen wirst." meinte Ami besorgt.
"Das müßtet ihr." stimmte Nabiki ihr gelassen zu.
"Zu riskant." brummte Makoto.
"Ich weiß nicht." meinte Jacen. "Der Feind kennt euer Geheimnis ja auch schon. Mehr Schaden kann also eigentlich nicht entstehen."
Makoto machte ein finsteres Gesicht.
"Deshalb haben sie mir also diese Falle gestellt."
"Genau." Jacen nickte. "Aber jetzt wirst du erstmal für eine Weile untertauchen und..."
"Moment mal." widersprach Makoto hitzig. "Ich werde Bunny und die Anderen nicht im Stich lassen. Ich muß ihnen helfen."
"Und die beste Hilfe leistest du ihnen, indem du für eine Weile von der Bildfläche verschwindest." gab Jacen zurück.
"Ach ja?" schnappte Makoto. "Und was bringt dich auf diesen hirnrissigen Gedanken?"
"Der Feind wird davon ausgehen, daß deine Freunde dich befreit haben. Er wird erwarten, daß du nun wieder Seite an Seite mit ihnen kämpfen wirst." erklärte der junge Jedi. "Wenn du aber nicht wieder auftauchst, tust du etwas, was der Feind nicht erwartet. Das wird ihn verunsichern und seine Analytiker beschäftigt halten. Und je mehr von ihnen mit der Jagd nach Phantomen beschäftigt sind, desto weniger können uns Ärger machen."
"Das leuchtet ein." stimmte Ami zu.
"Du hältst dich im Hintergrund, Makoto, und erst wenn es wirklich hart auf hart kommt, tauchst du wieder auf und greifst ein. Dadurch gewinnen wir auch noch den Überraschungseffekt."
"Na schön." brummte Makoto. Sie war noch nicht völlig überzeugt, würde das Spiel aber erstmal mitspielen. "Und wo soll ich solange bleiben? Hier etwa?"
"Wenn ihr mich überzeugen könnt, euch zu helfen, bin ich sicher, daß die Leute, die Ami und Jacen nach China bringen, auch ein Versteck für dich haben werden." bot Nabiki an. "Das hätte für dich den Vorteil, daß du dir die Wartezeit mit Kochen vertreiben könntest."
Diese Ankündigung schien Makoto die Aussicht auf ihr bevorstehendes Exil etwas zu versüßen.
"Und nun? Was ist dieses große Geheimnis?"
Ami warf Jacen einen letzten fragenden Blick zu. Dieser nickte ihr bestätigend zu. Trotzdem wirkte Ami mehr als nur ein wenig unsicher, als sie sich von ihrem Platz erhob. Kein Wunder. Schließlich war sie im Begriff etwas zu tun, was noch keiner der Senshi vor ihr getan hatte.
"Es dürfte einfacher sein, wenn ich es dir zeige." stellte sie fest.
"Nur zu."
Nabiki beobachtete in gespannter Erwartungshaltung, wie Ami einen dunkelblauen Stift mit einer Verzierung auf der Spitze aus ihrer Tasche holte. Mit leicht verwirrtem Stirnrunzeln verfolgte sie, wie Ami den Stift in die Höhe reckte.
Dann rief diese "Merkur Star Power, Make up!"...und verwandelte sich in einem wahren Lichtspektakel in Sailor Merkur.
Das war der Punkt, an dem Nabikis Unterkiefer den Expresslift ins Kellergeschoß nahm.
