Anmerkungen:

Ganz am Anfang der Geschichte hatte ich ja schon darauf hingewiesen, daß auch Charaktere einiger anderer Animes kleinere Gastauftritte haben könnten. Nun, diesen Hinweis wiederhole ich hier nochmal, da ich mir einige gut in den Storyverlauf passende Figuren etwas intensiver ausgeborgt habe.

Disclaimer: Keine der Figuren gehört mir, und ich schreibe das hier nur, weil ich gerade nichts besseres zu tun habe (nicht, um damit Geld zu verdienen).



°....° = jemand denkt

"...." = jemand sagt

{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)



Darth Saturn – The Dark Harvest

Teil 18

Nasiriya. Samawa. Nedjef. Diwaniya. Kerbela. Bagdad.

Rund vierhundert Kilometer. Eine Distanz, die Lady Saturns Truppen in zwei Wochen hinter sich brachten. Es waren anstrengende zwei Wochen für sie gewesen, denn sie hatte den Kampfverband auf dem ganzen Weg in einem AT-PT- Kommandopanzer begleitet. Die Zeit an der Front, wo der Krieg nicht nur aus bunten Symbolen auf einer Hologrammkarte bestand, sondern aus Hitze, Strapazen, dem donnernden Lärm von Bomben und Geschützfeuer, Hunger und Erschöpfung, hatte sie abgehärtet. Die ersten Kolonnen ausgebrannter Panzer- und Fahrzeugwracks, die sie zu Beginn der Jagd gesehen hatte, hatten sie noch erschreckt. In den aufgerissenen Luken einiger dieser Fahrzeuge hatte man noch die verkohlten Überreste menschlicher Körper erkennen können. Beim ersten Mal hatte sie sich noch heftig übergeben müssen.

Inzwischen jedoch nahm sie die sie begleitenden Bilder von Tod und Zerstörung einfach als gegeben hin. Unangenehme Details filterte ihr Unterbewußtsein nun fast schon automatisch für sie heraus.

Nach dem Zusammenbruch der Dritten US-Infanteriedivision, und nachdem General Franks erkannt hatte, daß seine Truppen ohne Luftunterstützung vom Rückzug nach Süden abgeschnitten waren, gab er den außer einer Kapitulation einzig möglichen Befehl: Vorstoß nach Norden und Rückzug über die türkische Grenze.

Und seitdem jagten Saturns Truppen die Soldaten der Koalitionsarmee vor sich her. In befreiten Städten ließ sie jeweils einige hundert Mann mit Panzer- und Droidenunterstützung zurück, um für Ordnung zu sorgen. Nachrückende Pionierverbände begannen dann wenig später mit dem Wiederaufbau beschädigter Infrastrukturelemente. Strom, sauberes Wasser, Medikamente, Schulen, Krankenhäuser. Die Folge dieser Politik war, daß Lady Saturn nur sehr wenige Truppen für den Garnisonsdienst benötigte, da die Leute zu zufrieden mit der Entwicklung waren, um Unruhe zu stiften.

Immer wieder traf ihre Armee bei ihrem scheinbar unaufhaltsamen Vormarsch auf Einheiten, die zurückgefallen waren, entweder absichtlich oder wegen Treibstoff- und/oder Nahrungsmangels, und wurden dabei in heftige Kämpfe verwickelt. Von den Flugzeugträgern im Mittelmeer und den europäischen Luftwaffenstützpunkten aus flogen immer wieder Maschinen in den Irak, um Vorräte für die Flüchtenden abzuwerfen, und entgegen des Ratschlags ihrer direkten Untergebenen hatte sie befohlen, die Frachtflugzeuge passieren zu lassen und jeweils nur den Jagdschutz abzuschiessen.

Augenblicklich befand sich ihr Panzerverband fünf Kilometer nördlich von Mossul, einer der größten und wichtigsten Städte im Nordirak. Um sie herum erstreckte sich fruchtbares Ackerland, ein Geschenk des Tigris an die an seinen Ufern lebenden Menschen.

{Mylady, unsere Spähdroiden haben einen feindlichen Sperrverband in den Hügeln drei Kilometer vor uns ausgemacht.} meldete ihr einer der Kommandooffiziere der Division. {Das HQ meldet außerdem weitere Versorgungsflugzeuge im Anflug auf den Truppenverband fünfzehn Kilometer voraus. Sollen wir sie abschiessen?}

{Beordern sie ein Geschwader TIE-Defender hierher und lassen sie diese Hügel, von denen sie gesprochen haben, mit Protonenbomben einebnen, Commander. Und ignorieren sie ihre Nachschubtransporter.}

{Aber...}

Saturn seufzte und musterte den Commander finster. Inzwischen wußte sie sehr gut, was es hieß, Befehlshaber zu sein. Es bedeutete, daß sie diejenige war, die die Entscheidungen traf, die ihre Untergebenen auszuführen hatten. Außerdem konnte eine Armee nicht wie eine Demokratie geführt werden. Wo sollte das hinführen, wenn die Befehlsempfänger anfingen, mit den Befehlshabern über die Befehle zu diskutieren? Zudem war sie müde, und ihre Geduld mit ihrer Umgebung erschöpfte sich langsam aber sicher.

{Eigentlich müssen sie meine Befehle nur ausführen.} grollte sie. {Sie zu verstehen ist völlig unnötig. Aber ich will es ihnen ausnahmsweise trotzdem erklären. Die feindliche Armee befindet sich auf dem Rückzug, aber sie kann sich nur zurückziehen, wenn sie die dafür nötigen Mittel hat. Hätte sie die nicht, würde sie sich vielleicht in den Städten der Irakis verschanzen und sich dort zu versorgen versuchen.}

{Ich verstehe nicht, wieso sie das nicht trotzdem tun. Sich in den Städten versorgen, meine ich.} erwiderte der Commander nachdenklich.

{Das ist doch offensichtlich. Weil wir so schnell nachrücken, daß sie dafür keine Zeit haben. Sie hoffen immer noch, die Grenze überqueren zu können, wenn sie sich beeilen. Deshalb rennen sie seit Tagen ohne anzuhalten vor uns davon. Mit Ausnahme einiger weniger, die entweder meinten, die Helden spielen zu müssen, oder die von ihren Vorgesetzten geopfert wurden, um dem Rest der Truppe noch mehr Zeit zu erkaufen. Zwanzig Kilometer vor der Grenze, wenn alle Einheiten dieser Armee sich auf einem Haufen befinden, werden wir den Sack zumachen.} erklärte sie. {Und dann dürfen sie auch ihre Nachschubflugzeuge abschiessen lassen.}

{Jawohl, Mylady.}

{Gut. Dann führen sie ihre Befehle aus.} fuhr sie ihr Gegenüber an. {Sie.} Sie deutete auf einen Techniker. {Verbinden sie mich mit Commander Staven.}

Wenig später blickte sie auf das dreißig Zentimeter kleine Hologramm des Commanders, dem sie das Kommando über den Angriff auf Kuwait gegeben hatte.

{Berichten sie. Wie kommen sie voran?}

{Kuwait-City steht seit gestern mittag unter unserer Kontrolle, Mylady. Den Rest des Landes haben wir mit Ausnahme eines kleinen Zipfels im Süden ebenfalls unter Kontrolle, aber wir sind dabei, diese Truppen entweder aus dem Land zu drängen oder gefangenzunehmen.}

{Wie viele Gefangene haben sie bis jetzt?}

{Rund viertausend Soldaten unterschiedlicher Nationalität. Ich habe sie ins Sammellager bei Basra geschickt. In zwei Tagen wird Lady Zirkonite dann mit der Weiterleitung der Gefangenen zur Schafswiese beginnen.}

{Gut. Und wie steht es um Lord Taichis Division?}

{Die Fünfte hat in den vergangenen Tagen die Wüste Nefud durchquert und dabei das gesamte Gebiet nördlich der Linie Medina - Buraida mit Typ II- Droiden abgesichert. Seine Armee hat sich dann in drei Gruppen gespalten. Heeresgruppe 1 erreicht morgen die Städte Mekka und Djidda und wird sich dann entlang der Küste des Roten Meers weiter nach Süden auf die Grenze des Jemen zubewegen. Heeresgruppe 2 hat die Aufgabe, die saudische Hauptstadt zu nehmen und hat zu diesem Zweck die Stadt bereits fast völlig eingekesselt. Bis jetzt vom Feind unbemerkt, stösst Heeresgruppe 3 an der Hauptstadt vorbei nach Süden vor und wird dann einen Schwenk nach Osten vollziehen, um ins benachbarte Katar einzufallen. Der Widerstand der Saudis ist durchaus bemerkenswert, aber ihre Ausrüstung ist unserer Technologie einfach nicht gewachsen.}

{General Franks hat sein Hauptquartier in Katar, nicht wahr?}

{Korrekt. In Doha, um genau zu sein. Lord Taichi wird Gruppe 3 persönlich mit seinen Fähigkeiten unterstützen, um eben dieses HQ einzunehmen. Franks und sein Stab sind Primärziele für die Gefangennahme.}

{Wünschen sie ihm eine gute Jagd von mir, wenn sie das nächste Mal mit ihm sprechen.}

{Sehr wohl, Mylady.}

Das Hologramm verneigte sich knapp und erlosch.

"Was haben sie eben besprochen?"

Lady Saturn drehte sich zu der etwa dreißigjährigen Frau um, die die Frage gestellt hatte, und lächelte knapp.

"Commander Staven hat mir berichtet, daß meine Truppen Kuwait fast völlig unter Kontrolle haben, Miss Stone. Außerdem teilte er mir mit, daß Lord Taichis Truppen inzwischen fast die Hälfte Saudi Arabiens kontrollieren und trotz heftiger Gegenwehr problemlos weiter vorstossen." entgegnete sie.

Dann hörte sie das infernalische Jaulen der Triebwerke näherkommender TIE- Jäger. Der Höllenlärm, den die Triebwerke dieser Maschinen verursachten, war einfach unverwechselbar.

Saturns Lächeln wurde breiter.

"Gleich setzen wir unsere Reise fort. Die Jäger müssen nur ein paar Dummköpfe aus unserem Weg schaffen."

"Ich dachte, sie strebten danach, möglichst viele Leben zu schonen?"

"Was der Grund dafür ist, daß ich meine Bodentruppen nicht in den Hinterhalt vor uns marschieren lasse." antwortete sie darauf. "Wenn diese Soldaten dort vorn in den Hügeln sich ergeben würden, würden wir auch sie schonen, aber sie sind zu dumm oder zu starrköpfig, um zu erkennen, daß sie längst für eine verlorene Sache kämpfen. Zwanzigtausend Mann meiner besten Truppen warten vor der Grenze auf die sich zurückziehende Koalitionsarmee, während wir von hinten nachrücken. Wir müssen den Kontakt zu ihnen aufrechterhalten, damit sie sich der Tatsache bewußt werden, daß sie eingekreist sind. Dann werden sie sich hoffentlich ergeben, und wir verhindern ein Gefecht, bei dem Tausende unnötig sterben würden."

"Und wenn nicht?"

"Das ist ihre Entscheidung. Aber ohne Unterstützung von der anderen Seite der Grenze aus werden sie es nicht schaffen, den Irak zu verlassen."

"Sie spekulieren darauf, daß die fast fünfzigtausend amerikanischen Soldaten, die im Süden der Türkei stationiert sind, eingreifen." vermutete die Reporterin.

"Wenn sie das tun, ziehen sie die Türkei in den Krieg mit hinein." stellte Saturn gleichgültig fest. "Ich hätte kein Problem damit. Ich habe genug Truppen, um auch damit fertig zu werden."

Kurz nach Beginn der Operation hatte die Klonfabrik ihres HQs dreißigtausend neue Soldaten für die Vierte Sturmgardedivision fertiggestellt, und in wenigen Tagen würde die nächste Produktionsserie fertig sein. Sie hatte also absolut Recht mit ihrer Einschätzung, zumal geheime Waffenfabriken der Tenchi Corporation einen beständigen Strom von Waffen in die Kampfzone fliessen ließen.

"Was ist eigentlich das Ziel ihrer Operation?" fragte die Kriegsberichterstatterin von BBC. "Die Kontrolle über die arabischen Ölquellen?"

"Das ihr immer in Wirtschaftsfaktoren denken müßt." tadelte Saturn die Frau sanft. "So seltsam es klingen mag, aber unser Endziel ist der Weltfrieden."

"Das ist ein Scherz, oder?" keuchte die Reporterin ungläubig.

"Nein." bemerkte die Senshi gelassen. Sie hatte mit dieser Reaktion gerechnet. "Hier im Irak verteidigen wir die Bevölkerung gegen einen unrechtmäßigen Krieg. Wir bauen das Land wieder auf und verbessern die Lebensqualität seiner Einwohner. Gleichzeitig entwaffnen wir die irakische Armee."

"Ich dachte, sie wären eure Verbündeten."

"Das sind sie auch, aber da wir jetzt hier sind, um sie zu schützen, brauchen sie keine Waffen mehr. Und das Geld, das der Staat bisher für die Erhaltung seiner Armee ausgegeben hat, kann nun sinnvolleren Zwecken zugeführt werden." erklärte Saturn. "Wir nehmen den Menschen nach und nach die Möglichkeiten der Kriegführung, und es wird bald eine Zeit kommen, in der die Menschen sich an ein friedliches Nebeneinander gewöhnt haben werden. Bis es soweit ist, halten wir unsere schützende Hand über sie und bieten ihnen die nötige Hilfe dabei, den richtigen Weg zu finden."

"Das klingt gerade so, als ob sie die Amerikaner als Weltpolizei ablösen wollten."

"Die Amerikaner waren nie eine Weltpolizei." widersprach Lady Saturn ein wenig bedauernd. "Sie hätten das Potential dazu gehabt, es zu sein, aber sie haben dieses Potential nicht genutzt. Ein Polizist sorgt für Ordnung und dient dem Wohl der Allgemeinheit. Für die Amerikaner standen aber bei all ihren Aktivitäten im Ausland stets die eigenen Interessen im Vordergrund. Korea, Vietnam, Afghanistan, Somalia und all die anderen Länder, in denen die Amerikaner sich eingemischt haben, waren allesamt Spielbälle nationaler Interessen der USA. Sie maßen sich an, fremde Regierungen zu stürzen und bilden sogar Terroristen aus. Ein Polizist handelt in meinen Augen anders." erklärte sie. "Schauen sie mir und meinen Mitstreitern zu, und sie werden den Unterschied bemerken."

Die Reporterin schwieg daraufhin nachdenklich.

Eine Reihe schwerer Explosionen in der Nähe brachte den Boden zum Erbeben, und ließ sie unwillkürlich zusammenzucken.

"Endlich geht es weiter." bemerkte Saturn nach einem zufriedenen Blick auf die Holokarte der Umgebung, auf der gerade mehrere Symbole für feindliche Einheiten in der Nähe erloschen waren. "Wenn alles gut läuft, sind wir übermorgen schon wieder im Stützpunkt."

"Und wenn es nicht gut läuft?"

"Dann sind wir auch übermorgen wieder im Stützpunkt." entgegnete die Senshi trocken. "Nur werden dann achtzigtausend Soldaten der Koalitionsarmee tot sein."



Lord Traxius stand bewundernd vor einem großen holographischen Globus, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, und betrachtete die immer wieder aktualisierten Daten über eroberte und umkämpfte Gebiete. Teilweise, wie zum Beispiel im Osten der ehemaligen Sowjetunion, handelte es sich um Eroberungen, bei denen der Gegner gar nicht wußte, daß er angegriffen wurde. Die beiden Sturmgardedivisionen General Craidens hatten mit Unterstützung abertausender von Kampfdroiden, denen die fürchterliche Kälte Sibiriens nichts anzuhaben vermochte, gewaltige Gebiete in Besitz genommen. Unbewohnte Gebiete zwar, aber auf einen Befehl des Sithlords hin konnten die Dörfer und Städte mühelos eingekreist, von der Außenwelt abgeschnitten und dann nach belieben erobert werden. Genau das sah der Plan auch vor, aber zuerst mußte die Situation in Europa entschieden werden.

"Ist es nicht wundervoll, wie mühelos wir vorankommen?" fragte er in den Raum hinein.

"In der Tat." stimmte Ravana zu, die ihrem Meister gegenüber auf der anderen Seite des Globus stand. "Ken hat mit der Dritten Sturmgardedivision große Erfolge im Pazifikraum. Guam, die Marianen, die Marshallinseln, die Karolinen, die Salomoninseln." Sie kicherte in sich hinein. "Heute morgen sind Truppen auf Borneo, Sumatra und Neuguinea gelandet. Die Gegenwehr war erbärmlich."

"Das dürfte die Australier langsam nervös machen." vermutete Midori, die neben ihrer Mentorin stand. "Erst Recht, wenn in zwei Tagen auch noch Java, die Fidschiinseln und die Neuen Hebriden besetzt werden."

"Die Australier sind frühestens mit der vierten Welle fällig." entgegnete Ravana, womit sie sich auf die Anzahl der jeweils zweiwöchigen Klonproduktionszyklen seit Operationsbeginn in der für Kens Operationsgebiet zuständigen Klonfabrik bezog. Die indonesischen Hauptinseln waren mit der gerade aktuellen zweiten Welle angegriffen worden. Australien würde also frühestens in vier Wochen an der Reihe sein.

"Ken wird die dritte Welle für die Invasion der Philippinen benutzen." brummte Lord Traxius. "Wenn er seine ersten Eroberungen schnell befriedet, kann er dort Truppen abziehen, und Australien vorzeitig angreifen. Aber es ist nicht nötig, ungeduldig zu sein. Bis Ken soweit ist, dürfte der chinesische Griff nach dem asiatischen Festland begonnen haben. Das wird ihm vorerst den Rücken freihalten."

"General Wang ist begierig danach, China zur alleinigen Herrschaftsmacht Asiens zu machen." stellte Ravana leicht besorgt fest. "Hoffentlich entschließt er sich nicht plötzlich dazu, die Abmachung mit uns zu ignorieren, und Japan anzugreifen."

"Das wäre sein letzter Fehler." erwiderte Traxius kühl. "Denn in dem Fall würde ich seinen Tod nicht schnell und schmerzlos sondern überaus langsam und unangenehm gestalten. Abgesehen davon würde ich seine Armeen bis zum letzten Mann ausradieren."

"Ich bin mir sicher, er wird über einen Angriff nachdenken." warf Midori ein. "Aber er wird damit warten, bis er auf dem Festland aufgeräumt hat."

"Sein Pech, daß wir zu dem Zeitpunkt längst soweit sein werden, ihn wie die lästige Wanze zu zertreten, die er in Wirklichkeit auch ist." kommentierte Ravana gehässig. "Und in zwei Wochen steht den arroganten Amerikanern eine Neuauflage einer historischen Niederlage bevor." freute sie sich. "Am Liebsten würde ich es mir aus nächster Nähe betrachten, wenn unsere Angriffsverbände auf den Hawaii-Inseln landen."

"Dann geh und amüsier dich ein wenig." meinte der Sithlord großmütig. "Wir werden es sicher verkraften, wenn du deine Arbeit mal für ein paar Tage vernachlässigst. Außerdem kann Midori sicher einen Teil deiner Aufgaben übernehmen. Zumindest die Beschäftigung der Sailor Senshi sollte kein Problem für sie darstellen."

Midori verneigte sich knapp.

"Ich werde euer Vertrauen nicht enttäuschen, Meister."

"Natürlich nicht." Er lachte trocken. "Keiner von euch wird mich enttäuschen, denn ich bin mir eurer Fähigkeiten bewußt, und fordere von keinem von euch unmögliche Dinge. Doch nun geht."

Seine beiden Schülerinnen verneigten sich respektvoll und verliessen dann den Thronsaal. Als sie gegangen waren, aktivierte Traxius das Holokommsystem und stellte eine Verbindung zu Zirkonite her.

"Welche Fortschritte gibt es auf der Schafswiese?" kam er sofort zur Sache.

"Ich habe die Stasiskammern für die Gefangenen aus dem Irak fast alle fertiggestellt, Meister." antwortete sie. "Übermorgen öffne ich ein Portal und hole die Leute aus dem Zwischenlager bei Basra ab. Die Verteilung auf die Kammern dürfte nochmals etwa zwei Tage dauern, aber mit der mir dann zur Verfügung stehenden Lebenskraft werde ich weitere Stasiszylinder mit hoher Geschwindigkeit erschaffen können."

"Gut. Ken macht gewaltige Fortschritte im Pazifikraum. Taichi hat bereits die Hälfte von Saudi-Arabien erobert und tausende von Kriegsgefangenen gemacht. Meine designierte persönliche Schülerin wird in Kürze ebenfalls tausende von neuen Gefangenen in ihrer Hand haben."

Zirkonite nickte. "Ich verstehe, worauf ihr hinauswollt, Meister. Die Gefangenen kommen in die Stasiskammern. Je mehr Gefangene ich zur Verfügung habe, desto schneller kann ich neue Kammern erschaffen. Das Portalzentrum und all die anderen Dinge, die noch ausgebaut werden müssen, sind dann ebenfalls fällig. Eine Verbindung für den gleichzeitigen Transfer von Millionen von Menschen zu schaffen ist ein logistischer Alptraum, aber die Lebensenergie der Kriegsgefangenen wird mir helfen, die Bauarbeiten zu beschleunigen."

"Ich weiss. Deswegen machen wir ja überhaupt so viele Gefangene." gab er zurück. "Und wie kommen deine Forschungen beim Projekt Onyx voran?"

"Langsam aber stetig. Bis jetzt konnte ich noch nicht sehr viel Kristallmasse für meine Experimente herstellen, aber sobald ich mehr Lebenskraft für den Produktionszyklus zur Verfügung habe, wird sich das ändern." berichtete sie. "Ich habe bereits zwanzigtausend Gefangene für dieses Projekt reserviert. Ihre Energie müßte für meine Zwecke ausreichen."

"Gut. Und was hast du mit dem vorhandenen Material schon erreicht?"

"Ich habe mit dem Material Experimente zur Veränderung der inneren Struktur gemacht, und untersucht, wie sich die Änderungen auf die Eigenschaften des Kristalls in einem konzentrierten Strahl dunkler Energie auswirken."

"Und?"

"Ich stehe noch am Anfang der Auswertungen, aber es scheint so, als wenn bestimmte Netzebenenwinkel im Kristall zur Speicherung oder Verstärkung der Energie führen würden." stellte sie mit einem zufriedenen Lächeln fest. "Aus den befriedeten Gebieten werde ich mir außerdem demnächst ein paar Probanden holen, an denen ich testen werde, wie sich die durch den Kristall unterschiedlich modifizierte Energie auf Menschen auswirkt. Wenn es, wie die Theorie, von der ihr berichtet habt, voraussagt, eine Wechselwirkungsfrequenz gibt, werde ich das feststellen."

"Wie viele Probanden wirst du brauchen?"

"Um eine möglichst hohe statistische Aussagekraft zu erhalten, würde ich gern aus jeder menschlichen Volksgruppe etwa drei bis viertausend Subjekte für die Tests auswählen."

"Genehmigt. Aber sei möglichst diskret. Ich wünsche nicht, daß Berichte über verschwundene Menschen an die Öffentlichkeit dringen."

"Natürlich, Meister. Ich werde mich bei der Auswahl primär an die Kriegsgefangenen halten."

"Diese Forschung ist sehr wichtig für uns."

"Ich weiss."

"Aber momentan hat die Produktion der Stasiskammern Priorität in punkto Lebensenergiezuteilung, denn in wenigen Tagen beginnt unsere Operation in Europa, und das wird nochmal einen drastischen Anstieg an Kriegsgefangenen bedeuten."

"Das ist kein Problem, denn je schneller ich meine Stasiskammern mit Gefangenen füllen kann, desto schneller bekomme ich Energie für die weiteren Arbeiten."

"Gut. Informiere mich, sobald sich bei Projekt Onyx neue Erkenntnisse ergeben."

"Selbstverständlich, Meister."

Zirkonite verneigte sich tief. Dann erlosch ihr Hologramm.

"Bald." murmelte der Dunkle Lord, während er brütend durch seinen düsteren Thronsaal schritt. "Bald gehört die ganze Menschheit mir."



Jacen, Ami und ihre lilahaarige Führerin, die auf den seltsamen Namen Shampoo hörte, und von sich behauptete, eine Amazone zu sein, saßen eingehüllt in warme Decken im Innern eines kleinen Zeltes in einem Wald irgendwo im nordchinesischen Bergland. Aus Angst vor Armeepatrouillen bewegten sie sich nur auf meist schwer begehbaren Schleichwegen voran und mußten Nachts auf die Wärme eines Lagerfeuers verzichten, da man das Feuer aus vielen Kilometern Entfernung hätte sehen können. Seit vier Wochen waren sie nun schon unterwegs, und nach anfänglichen Zweifeln an den Fähigkeiten ihrer Führerin war Jacen inzwischen klar, daß er ohne das Mädchen keine Chance gehabt hätte, mit Ami auch nur in die Nähe ihres Ziels zu gelangen.

"Warum du lächeln?" fragte Shampoo ihn plötzlich.

"Ich habe gerade daran gedacht, wie falsch ich dich anfangs eingeschätzt habe." antwortete er ehrlich.

"Du gedacht, Shampoo nur dumme, kleine Kellnerin mit hübschem Gesicht, was?" erwiderte sie, ohne dabei beleidigt zu klingen.

"Ähm...nun, ich würde vielleicht nicht unbedingt 'dumm' sagen, aber sonst stimmt es."

"Wie es Makoto wohl jetzt geht?" seufzte Ami nachdenklich.

Während Shampoos Abwesenheit hatte Cologne, Shampoos Urgroßmutter, zugestimmt, daß Makoto ihr in der Küche des Nekohanten, ihres Ramen- Restaurants in Nerima, helfen durfte.

"Solange grimmiges Mädchen lassen Airen in Ruhe, alles in Ordnung." warf die Amazone mit leicht drohend klingendem Tonfall ein.

"Hoffentlich." seufzte Ami besorgt.

"Keine Sorge, Ami."

"Keine Sorge? Bei den Nachrichten, die wir über den Kommunikator regelmäßig von Rei zu hören bekommen, soll ich mir keine Sorgen machen?"

Jacen seufzte.

"Immerhin wissen wir, daß die Youma-Angriffe nur eine Finte sind, und das bedeutet, der Feind will euch damit nur beschäftigt halten." bemerkte er. "Das bedeutet, die Anderen sind in relativer Sicherheit, da die Youma sie sicher nicht töten werden."

Zu dieser Erkenntnis war Jacen gekommen, als er sich Gedanken über die häufigen Youma-Attacken der letzten Zeit gemacht hatte. Wenn der Feind dreimal am Tag jeweils ein bis zwei Youma schicken konnte, und das fast täglich, warum wartete er dann nicht ein paar Tage und schickte eine große Zahl von Youma auf einmal los? Der Grund konnte nur sein, daß der Zweck der Angriffe nicht darin lag, die Senshi zu besiegen. Diese Erkenntnis nahm den in Tokyo verbliebenen Senshi zwar nicht die Aufgabe ab, auftauchende Youma zu bekämpfen, aber es war doch eine Erleichterung, daß sie keine unmittelbare Bedrohung für ihr eigenes Leben zu befürchten brauchten.

"Schön und gut." gab Ami ihm Recht. "Zumindest, bis der Feind sich entschließt, seine Pläne zu ändern. Aber was ist mit dem Rest der Welt?"

"Chinesische Armee einmarschiert in Taiwan und Birma." bemerkte Shampoo dazu. "Aber Kampf noch längst nicht entschieden. Armee sehr groß, aber Gelände schwierig und Widerstand sehr stark sein."

"Dafür haben die Mikronesier inzwischen alle größeren Inseln und Inselgruppen im Pazifik besetzt und sind sogar in Australien gelandet." hielt Jacen entgegen. "Auch wenn sie dort auf den bisher stärksten Widerstand zu treffen scheinen, glaube ich nicht, daß die Australier langfristig mehr tun können, als den Feind zu verlangsamen. Sogar auf den Hawaii-Inseln sind sie schon gelandet."

"Mit dieser Neuauflage von Pearl Harbor haben sie den Amerikanern einen Stich versetzt, den sie nicht so einfach wegstecken werden." meinte Ami. "Genau wie damals im Zweiten Weltkrieg wird diese Niederlage, gerade wegen der historischen Bedeutung, den Kampfeswillen der Amerikaner anstacheln. Und zu unserem Glück machen die Mikronesier den Fehler, das amerikanische Festland in Ruhe zu lassen. Das gibt den Amerikanern Zeit, sich vorzubereiten."

"Ich hoffe, daß du Recht hast, Ami." entgegnete Jacen düster. "Die Europäer haben schon einen hohen Preis dafür gezahlt, daß sie die Komplexität der feindlichen Pläne unterschätzt haben."

Ami nickte in betrübter Zustimmung. Die Europäer hatten tatsächlich einen hohen Preis bezahlt. Nachdem die im Irak befindliche Koalitionsarmee kurz vor der türkischen Grenze eingekesselt, und nach heftigen Kämpfen, bei denen tausende von Soldaten getötet worden waren, gefangengenommen worden war, hatten zunehmende Truppenkonzentrationen der Mikronesier unweit der Grenze die NATO davon überzeugt, daß ein Einmarsch in die Türkei unmittelbar bevorstand. Meldungen, daß angeblich bis zu einer Million Soldaten für den Angriff zusammengezogen werden sollten, hatten die NATO dann dazu veranlaßt, gewaltige Truppenverbände für die Verteidigung und die für danach geplante Gegenoffensive im Süden der Türkei zusammenzuziehen.

Die Hauptlast dieser Aktion hatte bei den Europäern gelegen, da die Amerikaner wegen der vielen Niederlagen im Pazifikraum ihre Truppen sowohl dort als auch zu Hause, zur Abwehr möglicher Landungsversuche, benötigten. England, Frankreich, Spanien, Deutschland, und die osteuropäischen NATO- Partner stellten die Hauptmacht der die Türkei unterstützenden Truppen. Insgesamt wurden anderthalb Millionen Mann in Rekordzeit quer durch Europa verlegt, wobei man hoffte, daß die Überzahl dabei helfen würde, die technologische Überlegenheit der Angreifer zu kompensieren. Gleichzeitig stellten die Geheimdienste der NATO-Staaten eine kontinuierliche Zunahme von Truppen auf gegnerischer Seite fest. Truppenbewegungen der syrischen Armee, die angesichts des gewaltigen Aufmarsches von Truppen an der syrischen Nordgrenze ein wenig unruhig wurde, machten die Lage auch nicht gerade übersichtlicher. Trotzdem waren die Europäer nicht darüber beunruhigt, daß die Syrer ihre Nordgrenze befestigten.

Als sich nach zwei Wochen schließlich die Anzeichen dafür mehrten, daß die Mikronesier bald zuschlagen würden, wartete an der Grenze die größte Streitmacht seit Ende des Zweiten Weltkriegs darauf, sie gebührend in Empfang zu nehmen. Als der Schlag schließlich erfolgte, waren die Europäer tödlich überrascht. Lord Maurice ließ die Tore einer Geheimbasis im schottischen Hochland öffnen, woraufhin fünfhunderttausend Soldaten der Siebten Sturmgardedivision hervorkamen und sich binnen kürzester Zeit über das vor Schreck wie gelähmte Großbritannien ausbreiteten. Zeitgleich begann Lord Kevin mit der Achten Sturmgardedivision seinen Angriff auf Polen, das er mit einer Geschwindigkeit eroberte, die an den Blitzkrieg der deutschen Wehrmacht 1939 erinnerte. Wie zu erwarten war, löste diese Aktion unter den NATO-Truppen ein Chaos aus. Wesentliche Kampfverbände der Armeen der angegriffenen Staaten standen operationsbereit in der Türkei, während der Gegner drohte, die Heimatländer eben dieser Truppen zu erobern.

Die politischen und militärischen Führer steckten nun in einer Zwickmühle. Beließen sie ihre Truppen in der Türkei, würde der Feind ihre eigenen Staaten erobern können. Holten sie ihre Truppen aber zur Landesverteidigung zurück, könnte der Feind aus dem Nordirak in die dann geschwächte Türkei einfallen. Hitzige Diskussionen folgten, doch als die Franzosen, die Spanier und die Deutschen entschieden, die Sicherung ihrer eigenen Bürger zu Hause habe Priorität, schien das Schicksal der Türkei besiegelt.

Die Mikronesier sorgten jedoch erneut für Erstaunen, indem sie die Türkei nicht angriffen. Starke Verbände der Siebten Sturmgarde landeten in den Niederlanden und errichteten einen schwer verteidigten Brückenkopf auf dem Festland, der es den britischen Soldaten sehr schwer machen würde, unbehelligt auf ihre Insel zurückverlegt zu werden. Gleichzeitig landeten vierzigtausend Mann der Fünften Sturmgardedivision, die gerade nach Saudi Arabien auch Katar, Bahrain und die Arabischen Emirate erobert hatte, und zur Zeit im Oman, Jemen und der Volksrepublik Jemen kämpfte, überraschend wenige Kilometer nördlich der jordanischen Stadt Akaba, und läuteten damit den Angriff auf Israel ein.

Während die Israelis Truppen mobilisierten, um mit der Bedrohung im Süden fertigzuwerden, wurden binnen kürzester Zeit zehntausende von Soldaten der Vierten Sturmgardedivision inklusive schwerem Kriegsgerät auf dem Luftweg von der türkischen Grenze über Syrien in den Norden Israels verlegt.

Hier wurde den mikronesischen Truppen die erste Niederlage seit Beginn ihrer weltweiten Kriegsoperationen zugefügt. Nicht begeistert von der Aussicht, sich mit einem strategisch und technologisch überlegenen Feind messen zu müssen, befahl die israelische Militärführung den Einsatz von taktischen Nuklearwaffen. Granaten, die von Artilleriegeschützen abgefeuert wurden, und die eine Sprengkraft von einigen Kilotonnen erreichten. Dies reichte, um die im Norden gelandeten Angreifer aufzureiben, was den Angriffsverband im Süden in eine schwierige Lage versetzte, und den Israelis die Zuversicht gab, ihr Land, wie schon damals im Sechs-Tage- Krieg, erfolgreich verteidigen zu können.

"Was mir dabei Sorgen macht ist vor allem, daß jetzt, wo ein Land angefangen hat, Nuklearwaffen einzusetzen, auch wenn es nur relativ kleine Sprengköpfe waren, andere Länder nachziehen könnten." meinte Ami besorgt. "Eine Strategie der 'verbrannten Erde' unter Einsatz von Nuklearwaffen, oder vielleicht sogar der Einsatz von ABC-Waffen gegen die Mikronesier in größerem Stil könnten furchtbare Folgen haben."

"Insbesondere wenn die Mikronesier selbst über solche Waffen verfügen und damit zurückschiessen." stimmte Jacen zu. "Aber das liegt außerhalb unserer Einflußmöglichkeiten. Also sollten wir uns auf das konzentrieren, was wir tatsächlich tun können. Lassen wir uns ablenken, werden wir wahrscheinlich scheitern."

Shampoo nickte.

"Sein weiser Rat. In drei oder vier Tagen wir erreichen Paß, der führen in Tal wo stehen Gebäude, die ihr suchen. Besser dann ausgeruht und frisch im Kopf sein."



Hotaru betrat eine große, dämmrige Halle, die zum unterirdischen Trainingskomplex der Tenchi Corporation im Tokyoter Hauptquartier gehörte. Mit stolz erhobenem Haupt schritt sie mit eleganten und zugleich majestätischen Schritten in die Mitte der Halle, die vom schwachen Lichtschein eines gedämpften Scheinwerfers markiert wurde. Ihr dunkelviolettes Cape flatterte bei jedem Schritt um ihre Knöchel, und bei jedem zweiten Schritt hallte ein dumpfer Knall durch den Raum, wenn das Griffende der Gleve in ihrer Rechten auf den Metallboden traf.

Als sie die Mitte erreicht hatte, blieb sie stehen und setzte mit einem letzten Knall, dessen Echo noch lange durch den Raum hallte, das Ende ihrer Gleve auf den Boden. In ihrer ganzen Körpersprache strahlte sie eine geradezu unheimliche Gelassenheit und Überlegenheit aus, als sie den Kopf einmal langsam nach links und dann nach rechts wandte, um die Figuren zu mustern, die sich langsam aus den Schatten hervorschälten. Ihre Mundwinkel hoben sich um eine Winzigkeit zu einem geringschätzigen Lächeln.

Neun Youma traten hervor und schlossen langsam einen Kreis um sie. Früher wäre sie bei einem Verhältnis von eins zu neun vermutlich vor Angst gestorben.

Früher.

Bevor Meister Traxius sich ihrer angenommen hatte.

Bevor sie stark in der Macht geworden war, und gelernt hatte, mit ihrem Talent richtig umzugehen.

Mit einem mentalen Kommando ließ sie die Silence Glaive in einer Subspace- Tasche verschwinden. Für den zu erwartenden Massennahkampf war die Waffe nicht geeignet, und sie war nicht hier, um eine ihrer beiden alten Attacken einzusetzen. Über die Masse von Armen, Beinen und Tentakeln hinweg fühlte sie die forschenden Blicke von Ravana, Midori und Meister Traxius auf sich ruhen, als sie nach ihrem neuen Lichtschwert griff. Der Griff der Waffe war etwas länger als ihr Unterarm und damit länger als der Griff eines gewöhnlichen Lichtschwerts.

Noch bevor sie ihre Waffe aktivieren konnte, setzten sich ihre Gegner in Bewegung, doch sie hatte den bevorstehenden Angriff fast eine halbe Sekunde im Voraus durch eine Erschütterung in der Macht gespürt, und deshalb war es ihr möglich, auf den Angriff zu reagieren, bevor er überhaupt begonnen hatte. Sie streckte ihre linke Hand nach hinten und kanalisierte die Macht in eine telekinetische Druckwelle, die zwischen den Youma in ihrem Rücken explodierte, und vier der Monster mehrere Meter weit durch die Halle schleuderte. Gleichzeitig bewegte sie sich nach vorn auf einen Youma zu, der wie ein drei Meter großer Felsgolem aussah. Sie ließ die Macht in ihre Nervenbahnen und Muskeln fliessen, und wurde dadurch für einen Moment so schnell, daß sie nur noch verschwommen wahrnehmbar war, während sie unter den aus ihrer Sicht langsamen und unbeholfenen Bewegungen des Stein-Youmas hindurchtauchte. Hinter ihm angekommen, nutzte sie die Gelegenheit und drückte die beiden Knöpfe, die an den beiden Enden des Lichtschwerts angebracht waren. Dunkelviolette Energieklingen fuhren aus jedem Ende der Waffe, wodurch die ungewöhnliche Länge des Griffs erklärt war. Hotarus Lichtschwert war eine relativ selten benutzte Doppelklingenwaffe. Selten vor allem deshalb, weil Lichtschwerter mit zwei Klingen noch schwerer zu handhaben waren, als normale Lichtschwerter.

Kaum waren die Klingen erschienen, da sprang das Mädchen auch schon nach vorn in den Rücken der Kreatur, wirbelte dabei um ihre eigene Achse und traf dreimal in schneller Folge. Dunkelbrauner Schleim spritzte in Fontänen aus den tiefen Wunden im Rücken und in den Beinen des brüllend zu Boden sinkenden Youmas. Hotaru schüttelte den Kopf hin und her und blinzelte heftig, um das Youmablut aus den Augen zu bekommen, während sie mit der Klinge ihrer Waffe gleichzeitig die Angriffe von zwei tentakelbewehrten Youma abwehrte. Immer wenn einer der Tentakel auf die Klinge traf, zogen die Youma sich eine neue Wunde zu, aus der jedesmal ein Sprühregen aus Youmablut auf sie herabregnete. Die Wunden schlossen sich zwar relativ schnell wieder, aber auch die beschleunigte Regeneration kostete Kraft und Lebensenergie, so daß die Youma früher oder später schwächer werden und irgendwann schließlich sterben würden.

Die Youma zischten, mehr aus Frustration als vor Schmerz, und versuchten, Hotaru beschäftigt zu halten, während zwei ihrer Kameraden einen Bogen schlugen und sie erneut einkreisten.

Alle vier Youma griffen gleichzeitig an, doch wieder hatten sie das Mädchen unterschätzt. Hotaru griff mit der Macht hinaus und verlangsamte die Reflexe ihrer Gegner. Dann sprang sie mit einem Salto über einen der Youma hinweg. Als sie sich über dem Kopf ihres Opfers befand, beschrieb ihr Lichtschwert einen leuchtenden Bogen. Im nächsten Moment rollte der Kopf des Youma über den Boden. Der kopflose Rumpf stand noch für einen Moment da und fiel dann um, wie eine Marionette, der man die Fäden durchtrennt hatte. Die drei Anderen, durch ihre verlangsamten Reflexe behindert, trafen sich mit ihren Angriffen gegenseitig. Das allein war völlig unproblematisch für die Gesundheit dieser Wesen, aber nun standen sie bequem nah beieinander. Eine regelrechte Einladung für einen Machtblitz.

Der knisternde Lichtbogen, der von Hotarus linker Hand ausging und die Gruppe ihrer Gegner einhüllte, war Sailor Jupiters Attacke nicht unähnlich. Nur, daß sie ihren Angriff mehrere Sekunden lang aufrechterhalten konnte, und der Schaden dreimal so hoch war wie Jupiters.

Schwer verwundet gingen die Youma zu Boden, doch bevor Hotaru nachsetzen konnte, traf ein baumstammartiger Arm ihre linke Seite.

Mit einem lauten Schmerzensschrei flog Hotaru quer durch die Halle. Gerade noch rechtzeitig schaffte sie es, mit der Macht ihren Aufprall zu dämpfen. Dann schlug sie auf dem Stahlboden auf und überschlug sich noch mehrere Male, bevor sie keuchend liegenblieb. Bunte Lichter tanzten vor ihren Augen und der Schmerz verschleierte ihren Blick. Aber auch so spürte sie durch die Erschütterungen des Bodens das Näherkommen ihrer Gegner.

°Nun ja...ich habe sie durch die Halle geworfen, und jetzt hat einer von ihnen mich durch die Halle geworfen. Schätze also, wir sind quitt.°

Mühsam stemmte sie sich hoch und warf dann ihr Lichtschwert in Richtung der näherkommenden Angreifer. Diese versuchten natürlich, dem Wurfgeschoß auszuweichen, doch da der Flug der Waffe von der Macht gelenkt wurde, war das vergebliche Mühe. Alle vier Youma wurden von der wirbelnden Klinge auf Hüfthöhe getroffen und stürzten zu Boden. Hotaru wartete, bis ihr Lichtschwert seinen Flug beendet hatte, und wieder in ihrer wartenden Hand gelandet war. Dann rappelte sie sich auf und wankte zu der Gruppe der schwer verbruzzelten Youma herüber, die momentan damit beschäftigt waren, sich selbst zu heilen.

Prüfend legte sie eine Hand auf ihre linke Seite und verzog dann vor Schmerz das Gesicht.

°Mist! Das sind mindestens zwei gebrochene Rippen. Vielleicht sogar drei. So wird es ziemlich schwer werden, zu gewinnen. Zumindest, wenn das hier noch länger dauern sollte.°

Für einen Moment erschienen Sorgenfalten auf ihrem Gesicht. Dann jedoch hellte sich ihre Miene wieder auf. Mit ihrer Heilmagie konnte sie ihre Rippen relativ problemlos heilen, aber das würde Zeit brauchen. Zeit, die ihr die Youma kaum geben würden. Aber es gab da einen interessanten Ausweg. Ihre Heilmagie nutzte die Macht in Verbindung mit der Lebenskraft ihres Körpers, um entweder sich selbst oder andere zu heilen. Eine Variante dieses Talents hatte dasselbe Ergebnis, nutzte aber eine Verbindung zum Lebenskraftreservoir eines anderen Lebewesens. Binnen Sekunden hatte sie die Lebenskraftreservoirs ihrer Gegner angezapft, und ließ deren Lebensenergie in ihren eigenen Körper fließen. Erleichtert atmete sie tief durch, als ihre Rippen nach einigen Sekunden verheilt waren. Dann sah sie sich nach ihren Gegnern um.

Die Youma, die zuvor von ihrem Machtblitz getroffen worden waren, waren nach dieser erneuten Attacke nur noch leblose, wie mumifiziert aussehende Hüllen. Die Vier, die sie mit ihrem Lichtschwert zu Fall gebracht hatte, lagen völlig ausgelaugt am Boden, für den Moment unfähig, sich von der Stelle zu rühren.

Aus den Augenwinkeln nahm sie eine Bewegung wahr, ließ sich reflexartig zu Boden fallen und rollte sich zur Seite ab, bevor sie wieder auf die Füße kam. Der Felsgolem, den sie zu Anfang getroffen hatte, hatte sich von seinen Verletzungen erholt, und griff wieder an, doch erneut nutzte Hotaru seine Schwachstelle, die relative Unbeweglichkeit, indem sie mit machterhöhter Geschwindigkeit allen Angriffen auswich und dann dazu überging, ihren Gegner methodisch in Stücke zu hacken. Am Ende war sie über und über mit braunem, stinkendem, schleimigem Youmablut bedeckt, doch immer noch waren vier Gegner übrig.

Plötzlich hatte sie das alles jedoch satt.

Angewidert spuckte sie aus, wurde den fauligen Geschmack des Youmabluts jedoch nicht los. Dann ließ sie ihr Lichtschwert fallen, sehr zur Überraschung der verbliebenen Youma, streckte beide Hände nach vorn, und briet die Youma dann kalt lächelnd mit einem langanhaltenden Machtblitz.



Mit von der dringend notwendigen Dusche noch feuchten Haaren betrat Hotaru den Thronsaal, schritt bis zu den Stufen, die zum Thron hinaufführten, und ließ sich dann auf ein Knie nieder.

"Erheb dich, meine Schülerin." hallte fast augenblicklich Lord Traxius Stimme durch den Saal.

Hotaru erhob sich und nickte dann den wenige Meter neben ihr stehenden Ravana und Midori grüßend zu. Diese nickten zurück und lächelten zufrieden.

"Vortreffliche Leistung. Wahrhaft vortrefflich." lobte Lord Traxius sie.

"Diese Youma waren keine große Herausforderung, Meister."

Sie konnte beinahe spüren, wie Traxius unter der Kapuze seiner Robe grinste.

"Hättest du das auch vor deinem Training gesagt?"

Sie blinzelte verblüfft.

"Nein." gab sie zu. "Wohl nicht."

"Mein Rat, wegen deiner Erfahrung mit der Gleve mit dem Doppelklingenschwert zu kämpfen, hat sich wohl ausgezahlt, hmm?" schaltete Ravana sich ein.

Hotaru nickte zustimmend.

"Es gibt Ähnlichkeiten in den Kampftechniken mit beiden Waffen, aber das war dir als Expertin natürlich klar."

Jetzt war es Ravana, die nickte.

"Abgesehen davon, daß ich mich von deinen Fortschritten überzeugen wollte...kannst du dir da noch einen Grund vorstellen, warum ich dich zurückgerufen habe, obwohl die Vierte Sturmgardedivision gerade mitten in den Vorbereitungen für den zweiten Angriffsversuch auf Israel steht?"

Hotaru zuckte bei dem Wort 'Versuch' leicht zusammen.

"Ich entschuldige mich für mein Versagen, Meister." entgegnete sie zerknirscht. "Ich hatte nicht damit gerechnet, daß die Israelis taktische Nuklearwaffen einsetzen würden. Das war ein Fehler."

"Schon gut.", winkte er ab, "Ich ließ dich nicht rufen, um dich zu bestrafen. Im Gegenteil."

Hotaru schaute überrascht, aber auch erleichtert.

"Hiermit ernenne ich dich zu meiner persönlichen Schülerin." verkündete der Dunkle Lord. "Damit hast du das Recht, den Titel 'Darth' zu führen. Außerdem finde ich, daß das Kommando über eine Einsatzdivision ein ungeeigneter Posten für dich ist."

Hotarus Schultern sackten ein Stück nach unten. Die Strafe für ihre Niederlage war also der Verlust ihres Kommandos.

"Stattdessen wird es deine Aufgabe sein, die Fortschritte aller Divisionen zu überwachen, und überall dort korrigierend einzugreifen, wo deiner Meinung nach etwas nicht so läuft wie gewünscht."

"Ihr meint, ich soll..." Sie war völlig überwältigt.

"Meinen Glückwunsch." Midori gab ihr einen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter. "Dank deiner Beförderung komme ich nun auch endlich zu einem Kommandoposten."

"Du übernimmst also die Vierte Sturmgardedivision." vermutete Hotaru zu Recht.

Midori grinste.

"Ich weiss, daß Israel dein aktuelles Lieblingsprojekt ist. Du kannst also das Kommando gern behalten, bis du dort fertig bist." bot sie Hotaru an.

"Ich schlage vor, wir arbeiten zusammen." erwiderte diese. "Und dann benötige ich von der technischen Abteilung eine mobile Kommandozentrale. Eine Lambdafähre mindestens. Mit Holokartenprojektoren, Gefechtssimulationscomputern und Breitbandkommunikationsmitteln ausgestattet."

"Eine solche Fähre steht bereits zur Verfügung." warf Lord Traxius ein. "Außerdem bekommst du eine persönliche Leibgarde."

"Leibgarde?" Hotaru rümpfte die Nase. "Brauche ich sowas?"

"Nicht unbedingt zum Schutz." gab Traxius zu. "Das hast du ja bei deiner kleinen Demonstration gerade gezeigt. Aber zu Repräsentationszwecken."

"Wie ihr wünscht, Meister." Als Zeichen der Akzeptanz neigte sie kurz den Kopf. "Ich werde morgen früh zum Sammelpunkt der vierten Sturmgarde zurückkehren und die Vorbereitungen für den erneuten Angriff auf Israel abschließen. Und ihr könnt euch darauf verlassen, daß ich sicherstellen werde, daß keine weiteren Versuche mehr nötig sein werden. Und nun entschuldigt mich. Ich muß noch Vorbereitungen für die Reise treffen."

Nach diesen Worten marschierte Hotaru aus dem Thronsaal, gefolgt von Midori, die sich mit ihr über die anstehenden Aktivitäten unterhalten wollte.

"Beeindruckend, was in der kurzen Zeit aus ihr geworden ist." bemerkte Ravana, als sie mit ihrem Meister allein war.

"In der Tat." stimmte er zu. "Das gibt großen Anlaß zur Hoffnung für die anderen Senshi."