Disclaimer: Keine der Figuren gehört mir, und ich schreibe das hier nur,
weil ich gerade nichts besseres zu tun habe (nicht, um damit Geld zu
verdienen).
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°....° = jemand denkt
"...." = jemand sagt
{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)
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Darth Saturn – The Dark Harvest
Teil 19
Am frühen Nachmittag senkte sich langsam eine riesige, strahlendweisse Lambda-Fähre, auf deren Heckflügel in violetter Farbe das astronomische Symbol des Planeten Saturn aufgemalt war, aus dem wolkenlosen Himmel herab, und setzte auf einer der vielen Landeflächen des riesigen Militärstützpunkts knapp vierzig Kilometer südlich von Damaskus auf.
Als die Zugangsrampe ausgefahren worden war, marschierte zunächst eine Phalanx von zwanzig schwerbewaffneten Sturmtrupplern in schwarzen Rüstungen mit violetten Umhängen aus dem Innern der Fähre heraus und nahm rechts- und linksseits der Rampe Aufstellung. Erst danach trat Darth Saturn gefolgt von Lady Midori ins Freie und marschierte zügig, flankiert von ihrer Leibgarde, auf den Kommandobunker zu. Als sie die Tür des Bunkers erreichte, salutierte der Posten davor zackig, was Saturn jedoch nur mit einem knappen Nicken quittierte. Dann betrat sie, begleitet von Midori und zwei ihrer Wachen den Bunker und begab sich sofort zum Einsatzkommandeur.
{Commander Ardias, dies hier ist Lady Midori. Sie übernimmt ab sofort offiziell meinen Posten als Kommandantin der vierten Sturmgarde.} stellte sie ihre Begleiterin dem Kommandeur vor, obwohl davon auszugehen war, daß er sie bereits kannte. {Bis zum Abschluß der Operation gegen Israel werde ich allerdings das Kommando behalten.}
{Jawohl, Mylady. Wünschen sie einen Bericht, oder möchten sie sich erst von der Reise erholen?}
{Berichten sie.}
{Wir haben nun neunzigtausend Mann hier zusammengezogen, dazu kommen zweitausendfünfhundert AT-PTs, zwanzig Lambda-Fähren, fünfzehn schwere Transportfähren und fünfzig AT-STs. Vorräte reichen für einen Dreimonatigen Feldzug ohne Zusatzversorgung aus.}
{Wie steht es mit Luftwaffe?}
{Zwölf Defender, Mylady.}
Ihre Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen.
{Wer trägt die Verantwortung dafür, daß diese Operation mit einer einzigen Staffel Luftunterstützung auskommen muß?} schnappte sie.
{Commander Staven hat die Jäger strategisch günstig über das gesamte von der vierten Sturmgarde kontrollierte Gebiet verteilt.}
{Teilen sie ihm mit, er hat bis morgen früh Zeit, vier weitere Staffeln hierher zu verlegen. Und lassen sie einen vernünftigen Vorrat an Bomben herschaffen.} verlangte sie verärgert. {Ohne vernünftige Luftunterstützung wird die Operation zu einem Massaker werden, und das ist inakzeptabel.}
{In Ordnung.}
{Und was wissen wir über die Maßnahmen der Israelis?}
{Lord Taichi schickt beständig Truppen nach Südisrael und die Israelis halten tapfer dagegen. Im Moment haben wir eine Pattsituation, aber Taichi forciert die Angriffe seiner Truppen auch nicht zu sehr. Im Norden scheinen sie mit einem neuen Versuch unsererseits zu rechnen, denn dort sind massive Verschanzungsarbeiten im Gange. Weite Teile der Grenzzone scheinen von den Israelis außerdem noch vermient zu werden.}
{Fordern sie Droiden für die Räumung der Minenfelder an.}
Commander Ardias nickte bestätigend.
{Und nun werde ich mich mit unserer Kriegsberichterstatterin befassen. Arbeiten sie weiter, Ardias, und du, Midori, komm bitte mit.}
In einem der Arbeitsräume des Bunkers saß Cassandra Stone und sichtete gerade das Bildmaterial, das ihr die Mikronesier von ihren diversen Angriffsoperationen überlassen hatten. Außerdem sah sie Berichte über die Aktivitäten der Aufbaueinheiten durch, die in den von Mikronesien kontrollierten Gebieten sehr schnell mit der Verbesserung der Lebensqualität begonnen hatten.
Plötzlich ging die Tür auf und Hotaru kam zusammen mit einem anderen Mädchen herein.
"Hi, Hotaru. Alles in Ordnung?" begrüßte sie sie.
"Könnte nicht besser sein." gab die Angesprochene zurück. "Das hier ist Midori. Sie übernimmt ab sofort meinen Platz als Kommandantin der vierten Sturmgardedivision, während ich auf den Posten des militärischen Oberkommandierenden befördert worden bin."
"Oh, meinen Glückwunsch."
"Danke. Ich habe auf dem Rückflug mit Midori über eine Art Mischung aus Fernsehansprache und Interview gesprochen, um die Bevölkerung hier im Nahen Osten ein wenig auf den neuesten Stand zu bringen. Wäre nett, wenn du dich darum kümmern könntest, Cassandra."
"Kein Problem."
"Im Anschluß daran hätte ich auch ein Angebot für dich."
"Angebot? Für mich?" fragte die Reporterin überrascht.
"Den Posten unserer offiziellen Repräsentantin gegenüber der Presse." erklärte Saturn lächelnd. "Ich wüßte niemanden, der dafür geeigneter wäre. Außerdem ist der Posten ein Sprungbrett für eine hohe Position in unserem zukünftigen Kommunikations- und Informationsministerium."
Cassandra Stone grinste fröhlich und wäre Hotaru fast um den Hals gefallen.
"Ich werde dafür sorgen, daß ihr die bestmögliche Presse bekommt." versicherte sie ihr eiligst.
"Wichtiger ist, daß die Zuschauer verstehen, daß wir ihnen keine Lügenmärchen auftischen, und sie auch nicht mit schwachsinniger Propaganda füttern wollen." hielt Midori dem entgegen.
Stone nickte verstehend.
"Wenn ich Zugang zum richtigen Informationsmaterial bekomme, sollte das kein Problem sein."
Die beiden Mädchen warfen ihr verständnislose Blicke zu.
"Bisher weiss zum Beispiel niemand etwas über den Verbleib eurer Kriegsgefangenen, und das macht die Öffentlichkeit nervös und wird von euren Gegnern ausgenutzt."
Saturn nickte verstehend.
"Sobald die Sache hier erledigt ist, wirst du die nötigen Vollmachten bekommen, um dich darum zu kümmern."
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"Verdammt, verdammt, verdammt! Wo kann sie bloß stecken? Wo können wir noch suchen, Michiru?"
Haruka tigerte wütend und frustriert durch´s Wohnzimmer, während Michiru traurig in ihrem Lieblingssessel saß.
"Ich weiss es nicht." wisperte Neptuns Senshi, körperlich und seelisch ausgelaugt durch die wochenlange ergebnislose Suche. "Vielleicht haben die Anderen ja einen Hinweis."
"Dann hätten sie uns bestimmt Bescheid gesagt." widersprach Haruka kopfschüttelnd. "Außerdem haben sie genug mit den Youma zu tun. Da haben sie gar keine Zeit, uns bei der Suche nach Hotaru zu helfen."
"Hm-hm." seufzte Michiru zustimmend und zwang sich, mal wieder ihr schlechtes Gewissen zu ignorieren. Als Senshi wäre es ihre Pflicht, an der Seite der anderen Kriegerinnen gegen die Youma zu kämpfen, doch stattdessen beschäftigten sie sich ausschließlich mit der Suche nach ihrer Tochter. Natürlich war sie sich sicher, daß die anderen Verständnis dafür hatten, aber eine Pflichtverletzung blieb es dennoch.
°Setsuna hätte uns das vermutlich nicht so einfach durchgehen lassen.° dachte sie im Stillen, während sie nach der Fernbedienung des Fernsehers griff.
Die zwei Senshi schauten seit einiger Zeit regelmäßig Nachrichten, in der Hoffnung, auf irgendwelche Berichte zu stossen, die einen Hinweis in Richtung der Entführer ihrer Tochter geben konnten. Der Briefkontakt zu Hotaru war etwa zu der Zeit abgerissen, als die Mikronesier ihren Angriff im Irak begonnen hatten, und auch wenn es zu der Zeit noch genug andere Ereignisse gegeben hatte, die man mit etwas Kreativität in eine Verbindung bringen konnte, so tippten beide intuitiv und unabhängig voneinander auf dieses eine Ereignis. Auch wenn sie keine Ahnung hatten, welcher Natur die Verbindung war.
"Schau mal, Haruka, sie bringen eine Sondersendung über den Krieg."
"Yeah. Die wievielte Sondersendung ist das jetzt seit Kriegsbeginn?", schnaubte sie, "Die fünfzigste?"
"So ungefähr. Aber vielleicht erfahren wir ja Neuigkeiten. Sie sagen, es wird erstmals ein mikronesischer Befehlshaber das Wort ergreifen."
Kurz darauf begann die Sendung, in der die Moderatorin, Chihiro Hasegawa, als ersten Gast eine etwa dreißigjährige Frau mit knapp schulterlangen, nußbraunen Haaren, begrüßte. Die Frau, Cassandra Stone, trug einen knielangen, dunkelblauen Rock und ein dazu passendes Jacket über einer weißen Bluse.
"Miß Stone,", begann Hasegawa freundlich, "sie waren zu Beginn des Konflikts als Kriegsberichterstatterin für die BBC tätig, nicht wahr?"
"Das ist richtig." antwortete Stone. "Ich gehörte zu einer Gruppe von Kriegsberichterstattern, die die britische Armee beim Angriff auf Basra begleitet hat. Als die Armee der mikronesischen Föderation auftauchte, geriet ich in Gefangenschaft. Danach wurde mir angeboten, den Konflikt von mikronesischer Seite aus unter die Lupe zu nehmen, was ich sofort angenommen habe."
"Warum?"
"In einem Krieg neigen die beteiligten Parteien dazu, die Berichterstattung so zu manipulieren, daß die eigene Seite möglichst positiv dasteht, während der Gegner möglichst negativ wegkommen soll." antwortete sie gelassen. "Ich sah es als meine Pflicht als Reporterin an, den Konflikt auch von mikronesischer Seite aus zu untersuchen. Ein Konflikt, in dem, wie ich bemerken möchte, die Mikronesier nicht die Aggressoren sind. Die Amerikaner haben Mikronesien den Krieg erklärt und sehen sich jetzt lediglich einem Gegner gegenüber, der sich als zu stark für sie erweist."
"Damit wollen sie aber nicht behaupten, daß die mikronesische Armee unbesiegbar ist, nehme ich an."
"Nein, Miss Hasegawa. Aber dazu fragen sie vielleicht besser ihren nächsten Gast."
Die Moderatorin nickte zustimmend und stellte dann den nächsten Gast vor. Lady Midori Maeda.
Haruka und Michiru fielen vor Überraschung fast aus ihrem Sessel, als ein höchstens vierzehnjähriges Mädchen in einer schwarzen Uniform, auf deren linker Brustseite sich eine zweireihige Anordnung von roten, blauen und orangenen Quadraten befand, das Studio betrat und sich mit einem breiten Lächeln in einem Sessel niederließ, nachdem sie artig die Moderatorin begrüßt hatte.
"Sieh mal, was da an ihrem Gürtel hängt, Michiru." rief Haruka plötzlich aufgeregt und deutete auf den Bildschirm.
"Sieht aus wie eine schmale, silberne Taschenlampe. Warum?"
"Erinnerst du dich nicht mehr? Die zwei Typen, die uns Hotarus ersten Brief gegeben haben." knurrte Haruka. "Der, mit dem ich mich angelegt habe, hatte auch so ein Ding."
"Dann lass uns jetzt genau zuhören. Vielleicht erfahren wir, wo das Mädchen herkommt."
"Um ihre Frage an Miss Stone zu beantworten, Hasegawa-san, nein, unsere Armee ist nicht unbesiegbar. Keine Armee ist das, auch wenn einige Länder das von ihren Armeen gern glauben möchten."
"Wir haben eben schon gehört, warum sie den Krieg begonnen haben, nämlich, weil die Amerikaner ihnen den Krieg erklärt haben."
Midori nickte zustimmend.
"Aber wie kommt es dann, daß sie anscheinend überall auf der Welt Krieg führen, nur nicht in Amerika?"
"Ich verstehe, warum ihnen das seltsam erscheinen muß, Hasegawa-san." stimmte Midori ihr zu. "Einer der Gründe ist, daß es Dringenderes zu erledigen gibt, als die Vereinigten Staaten zu erobern."
"Das müssen sie uns näher erklären." erwiderte die Moderatorin verwirrt.
"Gern. Es ist eine bei unseren Gegnern verleugnete Tatsache, daß wir den Krieg weder um seiner selbst Willen, noch aus reiner Eroberungssucht führen, sondern, um den Menschen in den von uns eroberten Gebieten zu helfen."
"Verzeihung, das kann ich in Somalia und Sierra Leone nachvollziehen, vielleicht sogar im Irak, aber was ist mit den übrigen arabischen Staaten? Was ist mit Europa? Den Menschen dort ging es doch gut."
"Wirklich?" fragte Midori gelassen. "Die Araber haben den unrechtmäßigen Krieg der Amerikaner unterstützt. Sie haben toleriert, daß geltendes Recht sich dem Recht des Stärkeren unterordnen mußte. Und als wir für das geltende Recht eingetreten sind, haben uns nach den Amerikanern auch die Europäer den Krieg erklärt." antwortete sie. "Wo steht geschrieben, daß der Angegriffene den Konflikt nicht auf dem Boden des Angreifers austragen darf? Das sollten sie nicht vergessen. Und was die Situation der Menschen betrifft: Die Sozialsysteme der europäischen Staaten sind dabei, zusammenzubrechen. Die Kriminalität steigt, ebenso die Zahl der Arbeits- und Obdachlosen. Armut nimmt zu, Wohlstand wird in den Händen weniger konzentriert. Wie können sie da behaupten, es ginge den Menschen gut?"
"Und was tun sie dagegen?"
"Zunächst einmal ist es unsere Politik, in den besetzten Gebieten die Sicherheit und Ordnung aufrechtzuerhalten." begann Midori. "Wir helfen Menschen, die keine Bleibe oder keine Arbeit haben durch entsprechende Programme, und wir verbessern massiv die öffentliche Sicherheit."
"Wie das?"
"Durch den Einsatz von Sicherheitsdroiden. Anfangs waren die Menschen irritiert davon, daß ständig irgendwo eine kleine, graue Kugel über ihren Köpfen herumschwirrte, aber das ist Gewöhnungssache."
"Dann etablieren sie also einen Überwachungsstaat an Stelle freier Demokratien."
"Das läßt sich nur mit Einschränkungen bejahen." warf Cassandra Stone ein. "Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen ist heute schon Standard in den meisten dieser freien Demokratien. Die Sicherheitsdroiden vergleichen die Aktivitäten der Menschen in ihrem Patrouillengebiet mit eingespeicherten Schemata für Straftaten und Ordnungswiedrigkeiten. Stellen sie einen Verstoß fest, zeichnen sie die Daten für ein späteres Verfahren als Beweis auf und alarmieren gleichzeitig Polizeikräfte."
"Jetzt können Frauen sich nachts bedenkenlos wieder in dunkle Parks wagen." warf Midori ein. "Die hochentwickelten Sensoren der Droiden würden jeden Überfall sofort bemerken und unsere Polizeikräfte sind überall so verteilt, daß sie binnen weniger Minuten jeden beliebigen Tatort erreichen können."
"Und anders als bei der schon erwähnten Videoüberwachung tauchen bei unserer Methode ausschließlich Übeltäter auf den Überwachungsaufzeichnungen auf, was in punkto Datenschutz ein großer Fortschritt ist." fügte Miss Stone hinzu. "Ein weiterer Aspekt zur Steigerung der öffentlichen Sicherheit ist das absolute Besitzverbot für Waffen jeglicher Art."
"Unsere Statistiken hierzu reichen zwar nicht über einen großen Zeitraum, aber es sieht vielversprechend aus." erklärte Midori. "Wir sind zuversichtlich, daß wir den Menschen mit der Zeit den Hang zu gewaltsamen Auseinandersetzungen abgewöhnen können."
"Ich verstehe. Aber lassen sie mich einen anderen Punkt ansprechen: Die von ihnen besetzten Gebiete werden von Militärgouverneuren kontrolliert. Gibt es Pläne, daran etwas zu ändern?"
"Trotz bestehender nationaler Grenzen betrachten wir Europa als ein zusammenhängendes Gebiet, das auch als solches befriedet werden muß." erwiderte Midori. "Und im arabischen Raum ist die Situation auch noch nicht so stabil, wie wir es gern hätten. Wir verstehen, daß die Menschen sich Sorgen machen, wenn eine fremde Macht ihnen eine neue Regierung aufzwingt. Wir haben jedoch die Hoffnung, den Menschen durch unsere Arbeit zeigen zu können, daß wir ihnen nichts Böses wollen. Die Frage des endgültigen Regierungssystems werden wir angehen, sobald alle anderen Probleme geklärt sind. Aber wir sind der Meinung, daß, wenn die Menschen existenzielle Probleme haben, die Lösung dieser Probleme wichtiger sind."
"Und je weniger Personen in die Entscheidungsprozesse verwickelt sind, desto schneller können diese Entscheidungen getroffen werden." setzte die ehemalige Kriegsberichterstatterin hinzu. "Und desto weniger Lobbyisten mischen sich in die teilweise dringend nötigen Veränderungen ein."
"Dann werden sie also die politische Macht später wieder in die Hände der Menschen legen?"
"Wir arbeiten an mehreren Modellen, die den Menschen ein zufriedenes und friedliches Miteinander ermöglichen sollen." antwortete Miss Stone darauf. "Welches Modell umgesetzt wird, ist eine Frage, die wir in Absprache mit den Menschen klären werden, sobald die sozialen Probleme in Angriff genommen wurden."
"In einem früheren Interview haben sie erklärt, eines ihrer Endziele sei der Weltfrieden." griff Hasegawa ein neues Thema auf. "Wie ist das mit der Führung eines globalen Krieges zu vereinbaren?"
"Es gibt Fälle, in denen die Vereinten Nationen Gewaltanwendung zur Entwaffnung gewalttätiger Mächte autorisiert haben. Wir entwaffnen die Menschheit Nation für Nation. Und mit den Geldern, die dann durch Wegfall der sogenannten Verteidigunsausgaben in den nationalen Etats freiwerden, werden wir die Lösung der anderen Probleme angehen."
"Aber sie haben keine Autorisation durch die Vereinten Nationen."
"Die hatten die Amerikaner für den Irakkrieg auch nicht." gab Midori gelassen zurück.
"Verstehe. Und wie sehen ihre Zukunftspläne aus?" erkundigte sich die Moderatorin. "Werden sie sämtliche Staaten der Erde angreifen?"
Midori lächelte trocken.
"Nein. Aber als Kommandantin der Kampfeinheit, die für die Eroberung Israels zuständig ist, kann ich ihnen und allen Zuschauern versichern, daß wir in Zukunft den Einsatz von Massenvernichtungswaffen gegen uns nicht so ohne weiteres hinnehmen werden." erklärte sie. "Außerdem möchte ich die israelische Militärführung darauf hinweisen, daß die Stationierung von Militäreinheiten in Wohngebieten uns nicht davon abhalten wird, diese Truppen anzugreifen. Menschliche Schutzschilde funktionieren nicht gegen uns, und alle dadurch entstehenden Zivilverluste fallen nicht in unseren Verantwortungsbereich."
"Aber Israel hat ihnen nicht den Krieg erklärt, und die Amerikaner auch nicht im Irakkrieg unterstützt." wandte Hasegawa ein. "Hier sind sie die Aggressoren."
"Das ist korrekt." gab Midori zu. "Aber das liegt daran, daß wir die halbherzigen Friedenspläne der Amerikaner und Europäer und die diesbezügliche israelische Heuchelei satt hatten. Der Nahe Osten ist ein Krisenherd, der ausgeschaltet gehört, und wir verfügen über die Mittel, das zu erledigen. Gegenüber den Menschen, die dort unter dem Konflikt leiden müssen, wäre es verantwortungslos, diese Mittel nicht einzusetzen."
"Auf was genau wollen sie damit hinaus?"
"Nun, zunächst einmal kenne ich nur wenige Länder, in denen die Jagd auf Terroristen nicht von der Polizei sondern von der Armee durchgeführt wird. Außerdem ist diese Politik der Vergeltungsschläge, wie Israel sie betreibt, nichts anderes als staatlich sanktionierter Terrorismus."
"Gehen sie damit nicht etwas zu weit?"
"Wenn ich einen israelischen Grenzposten mit einer Autobombe in die Luft jage, bin ich ein Terrorist. Wenn ich den Befehl gebe, ein Auto, in dem Anführer jener Terroristen sitzen, mitten auf einer belebten Straße durch einen Kampfhubschrauber mit Lenkraketen vernichten zu lassen, anstatt ihn festzunehmen und vor Gericht zu stellen, was bin ich dann?" gab die Kommandeurin der Vierten Sturmgardedivision zur Antwort. "Zu diesen Extremen kommt noch, wie viele Palästinenser von den Israelis im Alltag behandelt werden. Ich will jetzt natürlich keinesfalls die Israelis und die Nazis auf eine Stufe stellen, aber einige der Methoden, mit denen die Israelis die Palästinenser behandeln, ähneln den Nazi-Methoden, und gerade angesichts ihrer bedauerlichen Geschichte finde ich das erschreckend."
"Und was werden sie tun? Sind sie auf Vergeltung für die Palästinenser aus?"
"Nein." entgegnete Midori kopfschüttelnd. "Wenn die Israelis in Zukunft auf den Einsatz von ABC-Waffen gegen uns verzichten, werden wir sie fair behandeln. Vergeltung kann nicht unser Ziel sein, denn auch wenn ich die Gründe für den Kampf der Palästinenser nachvollziehen kann, sind Selbstmordangriffe auf zivile Ziele absolut indiskutabel. Wir wollen die Israelis und, soweit möglich, auch ihre Gegner entwaffnen, und unsere Truppen als Puffer einbringen. Und dann werden wir für einen Zustand größerer Gerechtigkeit sorgen."
"Was bedeutet?"
"Die Israelis müssen aufhören, palästinensisches Tiefengrundwasser abzupumpen. Die Positionierung einiger israelischer Siedlungen muß geklärt werden. Wenn eine Siedlung illegal ist, muß sie geräumt werden. Der israelische Sperrzaun muß weg, denn diese Anlage ist ein schlechter Witz. Wenn ich mich mit einem Zaun vor meinem Nachbarn schützen will, dann kann ich den Zaun doch nicht auf dem Grundstück meines Nachbarn bauen. Und über die Jerusalem-Frage muß eine Einigung erzielt werden, aber das wird wohl erst gelingen, wenn Sicherheit und Ordnung wieder etabliert sind, und wir beiden Seiten demonstriert haben, daß wir unparteiisch sind und nicht nur die Interessen einer Seite vertreten."
"Das wird die Menschen im Land sicherlich beruhigen." stellte die Moderatorin fest. "Aber vielleicht könnten sie die Beruhigungsarbeit auch auf die Angehörigen all jener Soldaten ausdehnen, die während des Krieges nach Einschätzung von Außen in ihre Gefangenschaft geraten sind."
"In zwei Wochen werden wir eine Delegation des Roten Kreuzes und einige Presseleute in unser Gefangenenlager führen." antwortete Stone. "Außerdem arbeiten wir an einer Liste mit Namen von Gefangenen und, nach unseren Erkenntnissen, Gefallenen, die wir demnächst ins Internet stellen werden."
"Warum haben sie internationalen Hilfsorganisationen bisher den Zugang zu den Gefangenen verwehrt?"
"Die Amerikaner halten Kriegsgefangene unter fragwürdigen Bedingungen auf ihrem Stützpunkt Guantanamo Bay fest, und darüber scheint es auch nicht so wahnsinnig viel Aufregung zu geben." bemerkte Stone. "Wenn sie die Gefangenen bei uns gesehen haben, werden sie sehen, daß diese bei uns deutlich angenehmer untergebracht sind. Es war bis jetzt einfach organisatorisch problematisch, Fremdpersonen Zugang zu ermöglichen. Gefangene aus befriedeten Nationen, wie beispielsweise Polen, werden jedoch bald wieder nach Hause zurückkehren können. Wir werden niemanden länger festhalten als nötig."
Im Verlauf der Sendung erörterte Chihiro Hasegawa noch einige andere Dinge mit ihren Gästen, die bereitwillig Auskunft gaben, doch die beiden Senshi hatten genug gehört.
"Das Mädchen leitet also den Angriff auf Israel." stellte Michiru fest. "Wenn sie, wie wir annehmen, wirklich mit dem Verschwinden unserer Tochter zu tun hat, müssen wir wohl in den Nahen Osten reisen."
Haruka nickte entschlossen.
"Ich buche uns einen Flug nach Damaskus und dann werden wir sehen, wo wir diese Midori finden können."
Michiru nickte nun ebenfalls entschlossen. Die Aussicht, bei der Suche endlich einen entscheidenden Schritt weiterzukommen, vertrieb ihre Erschöpfung und Lethargie.
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Jacen, Ami in ihrer Senshiform, und Shampoo hockten zwischen einigen Felsen in Deckung und spähten hinunter in einen mehrere Kilometer breiten Talkessel, in dem sich, hinter einem doppelreihigen Sicherheitszaun geschützt, mehrere unterschiedlich große Gebäude erstreckten. Einige von ihnen waren mit Schornsteinen oder Kühltürmen ausgestattet, doch der überwiegende Teil der Gebäude sah wie eine wild verteilte Anhäufung gewaltiger Hallen aus. Die einzige Zufahrtsstraße war ein schmaler Kiesweg, der an einem kleinen Bunker vorbei führte. Man mußte auf dem Weg auf das Gelände außerdem zwei Schranken und eine im Boden versenkbare Barrikade passieren.
"Das also ist es." murmelte der junge Jedi unbeeindruckt.
"Das Ding ist ja eine Festung." stellte Ami fest. Im Gegensatz zu Jacen war sie überaus beeindruckt von dem sich bietenden Anblick. "Wie sollen wir da bloß reinkommen?"
"Die Imps haben eine Vorliebe für Hochsicherheitsbauten." entgegnete Jacen gelassen. "Aber das hier liegt weit unter ihrem üblichen Standard. Ich bin sicher, wir werden irgendwo einen Weg hinein finden."
"Imps?" fragte Shampoo.
"So nennen wir bei uns die Imperialen." erklärte der Jedi. "Ami, kannst du deinen Visor benutzen, um einen genaueren Blick auf die Zufahrt zu werfen?"
Ami justierte den Visor und übermittelte das Bildsignal an ihren tragbaren Supercomputer.
"Dacht ich´s mir doch." brummte Jacen, als er die weiss-gepanzerten Wachsoldaten auf dem Bildschirm betrachtete. "Imperiale Sturmtruppen."
"Sind die ein großes Problem?" fragte Shampoo.
"Nicht direkt. Aber sie haben Funkgeräte in ihre Helme eingebaut, was bedeutet, daß sie sehr schnell Hilfe anfordern können, wenn sie uns entdecken."
"Dann wir müssen sie schnell erledigen."
"Auch nicht gut." widersprach Jacen kopfschüttelnd. "Wenn sie sich an die Routinen halten, die ich kenne, müssen sie sich alle paar Minuten bei ihren Vorgesetzten melden. Tun sie das nicht, wird eine Patrouille geschickt, um nachzusehen."
"Dann wir uns wohl müssen reinschleichen."
Jacen nickte langsam.
"Ja, das denke ich auch."
"Könntest du bei den Wachen nicht den gleichen Trick wie bei dem Staatsanwalt benutzen?" erkundigte Ami sich.
"Klar könnte ich. Aber es braucht uns nur von irgendwo eine Wache zu sehen, die ich nicht bemerkt habe, oder wir kommen an einer Überwachungskamera vorbei, und dann haben wir mehr Ärger am Hals, als wir uns jemals wünschen würden."
"Verstehe. Ich werde den Zaun mit dem Zoommodus meines Visors absuchen." schlug die Senshi des Merkur vor. "Vielleicht finde ich dabei eine Schwachstelle."
"Und was wir tun, wenn wir sind vorbei an Zaun?"
"Dann sehen wir uns mal diese Hallen genauer an." entschied der junge Jedi. "Ich weiss zwar nicht genau was, aber irgendetwas kommt mir an diesen Gebäuden seltsam vor."
Shampoo nickte zustimmend.
"Bald wir werden wissen."
Die Stunden verstrichen, während Ami nach einem Weg auf das Gelände suchte. Shampoo hatte inzwischen einen Teil der verbliebenen Vorräte genommen und daraus eine trotz der Umstände recht gut schmeckende Mahlzeit gezaubert.
Nach dem Essen lehnte Jacen sich sitzend gegen einen Felsen und begann zu meditieren. Shampoo behielt unterdessen die Umgebung im Auge, immer mit dem Auftauchen von Umgebungspatrouillen rechnend. Zumindest hatte Jacen diese angekündigt, aber hier, inmitten tiefster Einöde, schienen die Imps sich auf das Gelände innerhalb ihres Zauns zu beschränken.
"Ich glaube, ich hab da was." meldete Ami sich nach einiger Zeit zu Wort.
Sofort fanden sich ihre beiden Begleiter bei ihr ein, um zu sehen, was sie entdeckt hatte.
"Dort hinten am Westende des Zauns gibt es ein Ablaufrohr, vermutlich für Regenwasser, das unter dem Zaun hindurchführt. Das äußere Ende führt vermutlich bis zu dem ausgetrockneten Flußbett, das Shampoo uns gestern auf der Karte gezeigt hat."
"Und das Ende innerhalb des Zauns?" fragte Jacen gespannt.
"Ist Teil eines unterirdischen Abflußnetzes, das mit den Regenabläufen an den Gebäudedächern verbunden ist." "Sind diese Rohre auch groß genug?" "Der unterirdische Teil auf jeden Fall." antwortete Ami. "Das hab ich mit Sonar und Infrarot überprüft."
"Und wo ist Ausgang?"
"Es gibt mehrere Gullideckel. Einer davon liegt zwischen diesen beiden Containern im Schatten dieser großen Halle dort." erklärte die Senshi, während sie die entsprechenden Lokalitäten auf einer Grundrißskizze markierte, die sie auf ihrem Computer erstellt hatte.
Shampoo runzelte mißtrauisch die Stirn.
"Sieht sehr nach Einladung für ungebetene Besucher aus." stellte sie fest.
Jacen nickte.
"Aber es ist bis jetzt unsere beste Gelegenheit. Und da die Imps vermutlich nur Vorkehrungen gegen gewöhnliche Einbrecher getroffen haben, sollten unsere Chancen eigentlich ganz gut stehen, oder was meint ihr?"
Ami nickte zuversichtlich, während Shampoos Augen ein unternehmungslustiges Funkeln zeigten.
Die nächsten fünf Stunden verbrachten die Drei damit, sich außer Sicht der Posten in einem weiten Bogen zur Öffnung des Abflußrohrs zu schleichen. Als sie es erreicht hatten, stellten sie fest, daß es von der Größe her ausreichend war, um bequem auf allen Vieren zu kriechen, oder um weniger bequem geduckt zu gehen. Je nachdem, was man bevorzugte.
Sowohl Ami als auch Jacen untersuchten die Rohröffnung gründlich auf Sensoren, wurden jedoch nicht fündig. Also kroch Ami als erste in die Öffnung, da sie mit ihrem Visor die besten Chancen hatte, Fallen und Sensoren zu entdecken. Jacen folgte ihr, da er mit der Macht die besten Chancen hatte, die Gruppe vor auf sie zukommenden Unannehmlichkeiten zu schützen. Shampoo bildete die Nachhut.
Nach dreißig Metern trafen sie auf ein Gitter, dessen Stäbe die doppelte Dicke eines Fingers hatten, und aus einer speziellen Manganstahllegierung gemacht waren, die es unmöglich machten, die Stäbe zu durchtrennen. Es sollte vermutlich sowohl menschliche als auch tierische Besucher von einem weiteren Vordringen abhalten.
"Und was nun?" fragte Ami leicht frustriert. "Das ist eine Legierung, die auch in Gefängnissen für die Gitter benutzt wird. Wenn man an dem Material sägt, wird es davon lediglich härter."
"Dann sollten wir es mal hiermit probieren." erwiderte Jacen. "Mach mal kurz ein wenig Platz."
Vorsichtig schob er sich an Ami vorbei, wobei beide in der Dunkelheit, unbemerkt voneinander, für einen Moment erröteten, als sie dabei in direkten Körperkontakt gerieten. Durch die Berührung von vorn geriet Ami ein wenig aus dem Gleichgewicht und drohte, nach hinten zu fallen, doch Jacen bemerkte das rechtzeitig und hielt sie mit der Macht im Gleichgewicht.
"Ähm...danke." murmelte die Senshi verlegen. Und gleichzeitig verwirrt darüber, daß eine simple Berührung, zumal unter den gegebenen Umständen, sie so aus der Fassung bringen konnte.
"Kein Problem." entgegnete Jacen, nicht weniger verwirrt über den Effekt, den dieser banale Zusammenstoß auf ihn gehabt hatte. Und offenbar auch auf Ami, denn selbstverständlich spürte er als Jedi ihre Verwirrung fast genauso, als wenn es seine eigenen Gefühle wären.
Dann durchtrennte er mit seinem Lichtschwert mühelos zwei der Gitterstäbe und überließ Ami wieder die Führung.
Nach einer Weile erreichten sie den Gullideckel und stellten fest, daß er sich nicht so ohne weiteres öffnen ließ.
"Welcher Psycho sichert Gullideckel mit elektronischem Schloß?" wunderte sich Shampoo fassungslos.
"Das ist für die Imps völlig normal." entgegnete Jacen trocken. "Die sind so paranoid, daß sie ihre Leute von einem speziellen Geheimdienst bespitzeln lassen, und dann noch einen Geheimdienst gründen, der die Aufgabe hat, die anderen Geheimdienstler auszuspionieren."
"Wenn das schon so anfängt, würde es mich nicht wundern, wenn die ihre Toilettentüren mit Netzhautscannern gesichert haben." scherzte Ami. "Aber das hier ist kein Problem für mich."
Ami werkelte ein paar Minuten lang an dem Schloß herum, welches schließlich gegenüber ihren Fähigkeiten kapitulieren mußte.
Wenige Minuten später standen sie zwischen zwei alten Frachtcontainern, auf denen vage der Schriftzug 'Tenchi Global Transports' zu erkennen war, und standen vor der Frage, wie sie am Besten in die Halle gelangen konnten.
"Die Tür ist mit Sicherheit gut gesichert." meinte Ami. "Vielleicht stehen dort sogar Wachen. Ich bin dafür, wir versuchen es über das Dach. Von den Aufnahmen, die wir vorhin gemacht haben, wissen wir schließlich, daß diese Halle über Dachluken verfügt."
Shampoo nickte zustimmend und reichte Jacen ihren Rucksack. Dann legte sie sich ein zusammengerolltes, dünnes Seil über die Schulter und kletterte mit der Gewandtheit einer Katze am Regenablaufrohr hinauf. Oben angekommen, befestigte sie das Seil und warf das andere Ende hinunter.
Ami kletterte hinauf und begann sofort mit der Suche nach versteckten Sensoren. Sie fand eine Reihe von Drucksensoren unter der Dachpappe und Kontaktdrähte an den Dachluken.
Erstere wurden umgangen, letztere von ihr überbrückt. Zehn Minuten nachdem sie den Gullideckel hinter sich gelassen hatten, standen die Drei auf einem schmalen Wartungsgang unter dem Dach der Halle und starrten mit offenen Mündern auf das Konstrukt im Innern des Gebäudes.
Besagtes Konstrukt war annähernd würfelförmig mit einer Kantenlänge von etwa fünfzig Metern und bestand aus hellgrauem Metall. Aus einer Seite des Würfels, etwas oberhalb der Mitte, ragten zwei Rohre mit einem Durchmesser von mehreren Metern in die Halle hinein.
Tief unter ihnen, sechzig Meter tiefer, um genau zu sein, liefen einige Leute, sowohl gepanzerte Sturmtruppler, als auch Männer in schwarzen, grauen und braunen Uniformen hin und her. Die meisten von ihnen waren damit beschäftigt, Dinge auf kleine Karren zu verladen, die dann ins Innere des grauen Würfels gebracht wurden.
"Eigentlich hatte ich erwartet, daß das hier eine Lagerhalle wäre." meinte Ami erstaunt. "Oder ein Fertigungsgebäude. Aber das hier..."
"Stimmt." gab Shampoo ihr Recht. "Wer baut Gebäude im Innern von anderem Gebäude? Diese Imps wirklich mächtig dumme Leute."
"Jacen? Irgendeine Idee, was das hier sein soll?"
"Noch nicht." gestand er ein wenig ratlos. "Ich hatte auch mit einer Fertigungshalle gerechnet. Obwohl mir dieses Ding da bekannt vorkommt."
Während die Drei grübelnd auf dem Wartungsgang standen, ein wenig in eine dunklere Ecke zurückgezogen, damit sie nicht von einer zufällig nach oben sehenden Person bemerkt wurden, ertönte eine Lautsprecheransage.
{Achtung! Achtung! Sämtliches Peripheriepersonal hat innerhalb der nächsten dreißig Minuten die äußeren Bereiche der Anlage zu räumen. Letzte Startvorbereitungen laufen. Start erfolgt in fünfunddreißig Minuten.}
"Was war das für ein Gebrabbel?"
"Imperiales Basic." antwortete Jacen. "Die Hauptsprache meiner Heimat."
"Und was komische Stimme sagen?"
Jacen übersetzte die Ansage ins Japanische.
"Das klingt wie eine Ansage vor einem Raketenstart." überlegte Ami laut. "Vielleicht bauen sie hier irgendwelche Flugkörper, die sie in den Weltraum schicken? Vielleicht ist dieser große Turm in der Mitte, den wir für einen Kühlturm gehalten haben, eine getarnte Abschußbasis."
"Und warum dann laufen Leute da unten in Halle in grauen Kasten?" fragte Shampoo.
"Die Macht steh uns bei." stiess Jacen plötzlich hervor, als er zu begreifen begann, was hier gespielt wurde.
"Was ist? Weisst du, was hier los ist?"
"Ami, wie sind die Abmessungen des inneren Sicherheitsperimeters?"
"Vier mal vier Kilometer. Warum?"
"Wir müssen so schnell wie möglich da rein." erklärte Jacen besorgt und deutete auf das graue Gebäude im Innern der Halle. "Alles weitere erkläre ich später. Jetzt dürfen wir keine Zeit verlieren."
"Aber da unten ist alles voller Leute." widersprach Ami. "Da kommen wir niemals ungesehen durch."
"Deshalb nehmen wir eine der Wartungsluken auf dem Dach." erwiderte der junge Jedi und setzte sich in Bewegung. Er lief den Laufsteg entlang, bis er auf Höhe der Mitte jenes hellgrauen Gebäudes war, dessen Oberseite zehn Meter vom Rand des Stegs und genauso tief darunter lag. Dann nahm er Shampoos Seil und knotete ein Ende an dem Steg fest.
"Was hast du vor, Jacen?" fragte Ami besorgt.
"Ich springe da rüber und mache das andere Ende vom Seil fest. Dann klettert ihr an dem Seil hinterher."
"Aber so weit! Das ist Wahnsinn, Jacen!" protestierte sie und griff nach seiner Hand, um ihn zurückzuhalten.
Jacen las die Angst um ihn in ihrem Blick und lächelte beruhigend.
"Hab keine Angst, Ami. Das ist wirklich kein schwerer Sprung für mich."
Die Senshi ließ ihn los, immer noch mit Sorge im Blick, und brachte schließlich dennoch ein tapferes Lächeln zustande.
"Wenn du meinst..."
Er zwinkerte ihr noch einmal aufmunternd zu, dann ließ er die Macht stärkend durch seinen Körper fließen und sprang.
Die beiden Mädchen folgten seinem Flug mit angehaltenem Atem und waren von der Eleganz seines Manövers gleichermaßen erstaunt wie beeindruckt.
Nachdem er das Seil festgebunden hatte, stellte er sich in Position, um die Mädchen, die sich an dem Seil hinabrutschen ließen, aufzufangen. Dann löste er das Seil und machte sich an der Wartungsluke zu schaffen.
Wenig später fanden sich die Drei auf einem Gittersteg aus dunkelgrauem Metall wieder, der einmal rund um die Wand eines etwa sechs Meter hohen Raumes führte. In mehreren eckigen Kästen an den Wänden, die voller elektronischer Bauteile steckten, flackerten bunte Kontrollleuchten. Durch armdicke Leitungen floß mit einem beständigen Summen Energie. Auf dem Boden, rund vier Meter unter ihnen, wuselten zwei kleine, schwarze, trapezoide Kästen herum und stießen gelegentlich aufgeregt klingende, elektronische Zirplaute aus. Es gab mehrere Konsolen, vor denen Sessel für Bedienpersonal angebracht waren. Zum Glück waren diese Sessel jedoch im Moment leer.
"Und was jetzt?" seufzte Ami, während Shampoo sich mit großen Augen umschaute.
"Wir warten bis die Startsequenz beginnt." erklärte Jacen. "Es wird zwar ein wenig holperig werden, aber zu dem Zeitpunkt dürften auf den Gängen keine Leute unterwegs sein."
"Sicher?"
"Ganz sicher. Die Startprotokolle weisen den Besatzungsmitgliedern feste Positionen zu, und keine dieser Positionen befindet sich auf einem Gang."
"Warum nicht hierbleiben?" fragte die Amazone.
"Weil sich dieser Raum bald mit Leuten füllen wird." entgegnete Jacen geduldig. "Ich habe eine ungefähre Vorstellung davon, wie man zu den Lagerräumen kommt. Und da diese automatisiert sind, sollten wir dort erstmal unsere Ruhe haben. Dann können wir überlegen, wie wir das Ding hier zerstören."
"Okay." stimmte Ami zu. Jacen klang so, als wisse er, was er tat, also würde sie ihm folgen. Abgesehen davon vertraute sie ihm inzwischen nahezu blind. "Aber dann könntest du uns jetzt mal erklären, warum wir unbedingt hier hinein mußten."
"Weil wir außerhalb nicht lange überlebt hätten." antwortete er. "Diese Halle ist nichts weiter als eine Tarnung. Das gleiche gilt auch für die ganze Geschichte mit dem Bau eines Produktionskomplexes."
"Tarnung wofür?"
"Erinnerst du dich, als ich gesagt habe, daß die Imps eine Vorliebe für Superwaffen haben?"
Ami nickte.
"Nun, wir sitzen gerade mittendrin."
Beide Mädchen schauten ihn verständnislos an.
"Du hattest Recht vorhin, Ami. Die Imps werden tatsächlich von hier aus etwas in den Weltraum starten. Aber nicht einfach eine Rakete, sondern diese ganze verdammte Anlage."
"Was? Aber das ist doch unmöglich! Wie soll das gehen? Das ist ein hundertfünfundzwanzigtausend Kubikmeter großer Metallwürfel, von dem wir hier reden!"
"Nein." widersprach Jacen. "Das ist ein siebenundzwanzig Kubikkilometer großer Metallwürfel von dem wir hier reden. Das Ding, in dem wir hier sitzen, ist nur ein Turbolaser-Geschützturm." fuhr Jacen fort. "Ich habe es nicht sofort erkannt, weil ich so ein Ding noch nie aus diesem Blickwinkel gesehen habe. Und ich schätze, in den anderen Hallen befinden sich auch Geschütztürme."
"Und was ist dieser ganze Komplex deiner Meinung nach? Ein Raumschiff?" fragte die Senshi noch immer zweifelnd, nicht etwa, weil sie ihn für einen Lügner hielt, sondern weil ihr der Gedanke einfach zu unfassbar erschien.
"Nein. Kein Raumschiff." antwortete er. "Eine Golan-III- Orbitalwaffenplattform. Die Miniaturausgabe eines Todessterns, wenn du so willst."
Ami wurde bleich, als sie die Konsequenzen dieser Aussage begriff.
"Du...du meinst..."
"Ja. Mit diesem Ding hier können die Imps jedes Ziel auf der Planetenoberfläche binnen kürzester Zeit einäschern. Und ohne Kampfraumschiffe ist dieses Ding von Außen unangreifbar."
Jetzt begriff auch Shampoo den Ernst der Lage. Mit diesem Ding als Trumpfkarte würde sich jede Nation der Erde vor den Imperialen beugen müssen, wenn sie nicht ihrer Auslöschung entgegensehen wollte.
Fünfzehn Minuten später erhob sich der kilometerlange Koloß zitternd und bebend aus dem Talkessel, als die Repulsorgeneratoren auf der Unterseite die Kampfstation langsam anhoben. Sprengladungen hatten kurz zuvor den Boden rund um die Station weggesprengt. Die auf der Oberfläche errichteten Gebäude fielen wie Kartenhäuser in sich zusammen, während das riesige Gebilde langsam höher stieg. Gewaltige Steinlawinen gingen rund um den Talkessel nieder und verursachten gewaltige Verwüstungen in der Landschaft, doch das waffenstarrende Monstrum aus Stahl überstand die verheerenden Verwüstungen, die mit seinem Start einhergingen, vollkommen unbeeindruckt.
Im Verlauf der nächsten zwei Stunden erhob sich das Gebilde immer weiter in den Himmel, stieg aus einer riesigen Wolke aus Schutt und Staub empor, und strebte auf seine geplante Umlaufbahn zu.
Währenddessen führte Jacen seine beiden Begleiterinnen relativ zielstrebig zu einem Vorratslager. Unzählige Reihen hoher Regale boten ausreichend Deckung, und zwischen den Ausrüstungskisten ließ sich sicherlich ein halbwegs gemütliches Versteck einrichten, das als Ausgangsbasis für die Aktionen der Gruppe dienen konnte.
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Darth Saturn saß in einem bequemen Kommandosessel, umgeben von zwei ringförmig darum angeordneten Reihen holographischer Displays, die an das Kommunikationsnetzwerk angeschlossen waren, wie eine Königin auf ihrem Thron. Die Wand im Hintergrund wurde von einer Hologrammkarte eingenommen, die in Beinahe-Echtzeit jede beliebige Darstellung der Erde anzeigen konnte. So konnte Saturn ganz nach Belieben die globalen Fortschritte beobachten oder aber sich die Aktivitäten auf einem Kontinent oder sogar auch nur in einer einzelnen Stadt ansehen.
Der Zugang zu ihrer im Halbdunkeln liegenden Kammer, die tief in den Eingeweiden des geheimen Kommandostützpunkts in der Antarktis lag, wurde von ihrer Leibgarde bewacht. Nicht daß es jemand gewagt hätte, sie ohne Grund zu stören.
Und jeder Angreifer würde sich, bevor er sich mit ihrer Leibwache auseinandersetzen mußte, erst einmal mit den beiden Sturmgardedivisionen anlegen müssen, die den Stützpunkt ihren Heimatstützpunkt nannten.
Im Moment hatte sie ihre Hände vor ihrem Gesicht zusammengelegt und starrte ausdruckslos, ganz im klassischen Gendo Ikari-Stil, auf die Abbilder der Einheitskommandeure, die von ihr zu dieser Holokonferenz bestellt worden waren. Einige von ihnen hatte sie für Erfolge gelobt, andere für Mißerfolge getadelt, und auch einige Beförderungen und Degradierungen ausgesprochen.
"Ich beglückwünsche sie zur vollständigen Sicherung der Beneluxstaaten, Lord Maurice." erwiderte sie auf den Bericht, den sie gerade von einem ihrer Schüler-Kameraden erhalten hatte. "Stellen sie vom nächsten Klonkontingent der siebten Sturmgarde jeweils zehntausend Mann für die Besetzung von Island und Grönland bereit und beginnen sie auf diesen Inseln mit der Errichtung neuer Versorgungsstützpunkte. Sie haben eine Woche, um Grönland zu sichern, und danach drei Monate, um einen Stützpukt für fünfhunderttausend Soldaten inklusive Ausrüstung zu errichten, und die Anlage entsprechend zu bemannen."
"Aber in dieser kurzen Zeit könne meine Klonfabriken unmöglich so viele Klone bereitstellen." wandte der Kommandeur der siebten Sturmgarde ein.
"Requirieren sie Kontingente aus anderen Fabriken. Ich will, daß noch vor Wintereinbruch an der amerikansichen Ostküste dieser Stützpunkt voll operationsbereit ist. Außerdem übertrage ich ihnen mit sofortiger Wirkung den Oberbefehl über die zehnte Sturmgarde. Aktivieren sie den Stützpunkt in den Pyrenäen, besetzen sie Spanien und Portugal und sichern sie die Grenze zu Frankreich."
Maurice nickte bestätigend.
"Lord Kevin, eure Truppen werden sich für einen Vorstoß nach Südosteuropa bereitmachen. Ab sofort wird die achte Sturmgarde bevorzugt mit AT-XT- Gebirgskampfpanzern beliefert, damit sie in dem Gelände leichter operieren kann."
"Gut." entgegnete Kevin. "Aber falls die Russen sich entschließen sollten, doch einzugreifen, wird das unsere Verteidigungslinien an der russischen Grenze schwächen."
"Das habe ich vorausgesehen." erwiderte Saturn. "Deshalb wird die elfte Sturmgarde auch unverzüglich aktiviert und ihrem Kommando unterstellt. Erobern sie mit ihr Sardinien, Sizilien und das italienische Festland bis zu den Alpen. Dann konzentrieren sie sich auf Griechenland und greifen die osteuropäischen Staaten aus dem Süden an. Der Vorstoß mit der achten Sturmgarde von Norden kann sich dann auf die Grenzregion zu Russland konzentrieren, damit wir eine starke Verteidigung gegen eine russische Intervention aufbauen können. Alles weitere wird sich in den folgenden Wochen ergeben, wenn wir die nächsten Klonproduktionszyklen in den Kampf werfen können. Möglicherweise müssen wir dann auch nicht mehr kämpfen, denn wenn sie klug sind, werden sie sich einfach ergeben, und sich unserer Sache anschließen."
"Ich werde tun, was ich kann, aber das bergige Gelände ist ein Vorteil für die Verteidiger. Wir müssen also mit hohen Verlusten rechnen. Und mit einer Verlangsamung unseres Vormarsches."
Darth Saturns Lippen verzogen sich zu einem geringschätzigen Lächeln, das Lord Kevin jedoch wegen ihrer Hände verborgen blieb.
"Haben sie schon einmal gesehen, was ein Teppich von Protonenbomben mit stationären Verteidigungsstellungen anstellen kann?" fragte sie kühl.
"Nein, aber ich kann es mir vorstellen."
"Schön. Verschonen sie die Menschen, soweit es irgendwie möglich ist, aber wer so dumm ist, nach all unseren Appellen in den Medien, nach all den Berichten über die Überlegenheit und Zerstörungskraft unserer Waffen, immer noch Widerstand zu leisten, dem ist ganz offensichtlich nicht zu helfen. Und mich interessiert ansonsten nicht, wie ein Erfolg zustande kommt. Die Hauptsache ist, DASS er zustande kommt. Habe ich mich klar ausgedrückt?"
Lord Kevin nickte.
"Völlig klar."
"Gut." Sie wandte sich dem nächsten Bild zu. "Commander Piett. Wie ist der Status der neunten Sturmgarde?"
"Fünfzigtausend Drohnen des Typs II einsatzbereit. fünfhunderttausend Mann plus Ausrüstung innerhalb der nächsten drei Tage bereit."
Darth Saturn warf einen nachdenklichen Blick auf die Karte des Operationsgebiets der Neunten.
"Lassen sie ihre Droiden ausschwärmen und die unbewohnten Gebiete sichern. Und beginnen sie unverzüglich mit der Ausschleusung ihrer Truppen. Es ist unnötig zu warten, bis alle einsatzbereit sind, da sie sie sowieso nicht alle auf einmal benötigen werden. Etablieren sie starke Verteidigungspositionen längs der finnisch-russischen Grenze, bevor sie nach Westen vorstossen. Die Russen müssen verstehen, daß wir sie auf der vollen Breite ihrer Grenze angreifen können, wenn sie sich in unsere Operationen in Südosteuropa einmischen."
"Jawohl, Mylady."
"Die Sicherung Finnlands sollte nicht allzuviel Zeit beanspruchen, Commander. Für den gesamten skandinavischen Raum sollten sie nicht viel mehr als zwei Monate benötigen."
Commander Piett salutierte zackig zur Bestätigung.
Ein Hologramm dieser relativ niedrigen Auflösung spiegelte zwar Emotionen in den Gesichtsausdrücken nicht sehr deutlich wieder, aber sie war sich sicher, daß der Commander ein Ultimatum erkannte, wenn er eins vor sich hatte.
"Kaori-san, wie ich höre, haben sie ihr Hauptquartier gerade verlegt. Irgendwelche Probleme dabei?"
Kaoris Hologramm schüttelte den Kopf.
"Der Start von Hades, unserer Orbitalwaffenplattform, verlief völlig planmäßig. Wir haben vor fünfzehn Minuten unsere vorgesehene Orbitposition erreicht und befinden uns mitten in der Systemüberprüfungsphase. In voraussichtlich drei Stunden werden wir mit dem Weltraumschrott, der hier oben rumschwirrt, Zielübungen zur Kalibrierung der Feuerleitsysteme durchführen."
"Wie lange werden diese Tests dauern?"
"Wir haben zwei Stunden dafür eingeplant, aber unsere Techniker werden ihr Möglichstes tun, schneller fertig zu werden."
"Wenn die Waffen einsatzbereit sind, beginnen sie mit der Vernichtung aller auffindbaren Kriegsschiffe und Unterseeboote auf den Weltmeeren." befahl Darth Saturn. "Bis es soweit ist, setzen sie das Defender-Geschwader ein, daß dort oben bei ihnen stationiert ist. Marineeinheiten mit Marschflugkörpern und strategischen Raketen an Bord sind ihre Primärziele. Die müssen so schnell wie möglich verschwinden."
Das Hologramm nickte erneut.
Natürlich war auch Kaori klar, daß derartige Einheiten schnellstmöglich verschwinden mußten. Die Raketenladung eines einzigen Lenkwaffenkreuzers oder Raketen-U-Boots konnte ausreichen, um einer der Sturmgardedivisionen massive Verluste zuzufügen.
"General Craiden, wie weit sind ihre Truppen inzwischen gekommen?"
"Wir haben in den unbewohnten Territorien bis zum Ural unsere Truppen strategisch so verteilt, daß im Prinzip innerhalb von vier bis fünf Tagen alle Städte und Dörfer eingekesselt, und im Falle kleinerer Orte auch gleich erobert werden können. Allerdings benötigen wir dringend eine Erweiterung unserer Lufttransportkapazitäten und unserer Luftwaffe, um die nötige Schlagkraft und Flexibilität zu entfalten, die für die reibungslose Durchführung des Plans erforderlich ist."
"Kontaktieren sie den Quartiermeister der zwölften Sturmgarde. Er soll die Verlegung von Transportern und Raumjägern zur ersten und zweiten Sturmgarde veranlassen. Wären damit ihre Probleme gelöst, General?"
"Jawohl, Mylady."
"Gut. Es kann sein, daß die Russen sich entschliessen, uns in Europa die Stirn zu bieten. Wenn das geschieht, müssen sie binnen vierundzwanzig Stunden in der Lage sein, ihren Plan umzusetzen."
"Wir werden vorbereitet sein."
"Sehr schön. Und nun zum unangenehmeren Teil." brummte sie und fixierte das Hologramm von Commander Logan. "Erklären sie mir bitte möglichst überzeugend, warum ihre Truppen in Australien seit Wochen kein Bein auf den Boden bekommen."
Die aufgesetzte Freundlichkeit in ihrem Tonfall drang offensichtlich bis zu ihm durch. Der Commander schluckte nervös und begann dann ein wenig stockend mit seinem Bericht.
"Mylady, der Feind nutzt die Geländebedingungen optimal aus und hat einen bedeutenden Teil seiner Infanterie mit schweren Waffen bestückt. Panzerabwehrwaffen, Granatwerfer, schwere Maschinengewehre. Wir müssen um jeden Meter hart kämpfen, und wenn wir die Frontlinie des Gegners schließlich geknackt haben, läßt er sich einige Kilometer zurückfallen und sammelt sich, während unsere vorrückenden Verbände von weitreichender Artillerie beschossen werden."
"Bombardieren sie die Artilleriestellungen doch einfach aus der Luft."
"Es tut mir leid, aber Lord Ken hat einen großen Teil der Luftwaffe nach Indonesien zurückgezogen. Die verbliebenen Jäger reichen gerade aus, um die Australier daran zu hindern, im Kampfgebiet die Lufthoheit zu erringen."
"Verstehe. Warum operieren deine Verbände in Australien mit unzureichender Luftunterstützung, Ken?"
"Wir rechnen mit der Möglichkeit eines Angriffs von General Wangs Truppen auf unsere Kontrollzone auf dem asiatischen Festland." antwortete er. "Wang ist besessen von der Idee, China zur dominierenden Macht in ganz Asien zu machen, und wir brauchen eine Rückversicherung."
"In Ordnung. Commander Logan, sie werden weiterhin ihr Bestes geben, um ihren Brückenkopf an der Nordküste zu stabilisieren. Ich werde die sechste Sturmgarde von hier aus in Marsch setzen. Sie werden in wenigen Tagen eine zweite Front im Süden eröffnen."
Logan wirkte erleichtert.
"Danke, Mylady."
"Ich habe mir die aktuellen Klimadaten des Kontinents angesehen." erklärte die Oberbefehlshaberin nach einer kurzen Pause. "Es ist ziemlich trocken und heiß bei ihnen, und Regen ist vorerst auch nicht zu erwarten, nicht wahr?"
"Das ist soweit ich weiss korrekt."
"Dann lassen sie einige Brandbomben an günstigen Plätzen hinter der Front abwerfen. Wenn die Australier ein Feuer in ihrem Rücken bekämpfen müssen, können sie nicht mehr so effektiv gegen ihre Truppen vorgehen. Und wenn sie schonmal dabei sind, werfen sie auch ein paar Brandbomben auf das Buschland rund um die großen Küstenstädte im Süden ab."
"Das wird für die Piloten eine Selbstmordmission werden."
"Dafür müssen die Australier dann wählen, ob sie uns bekämpfen, oder lieber ihre Städte vor den Flammen bewahren wollen." gab Saturn unbeeindruckt zurück. "Wenn es sich einrichten läßt, führen sie Störmanöver gegen die Löschkräfte durch. Dann müssen sie wohl oder übel Truppen von der Front abziehen, um das Feuer zu bekämpfen, und um die Feuerwehrleute gegen mögliche Angriffe von uns zu schützen."
Im Laufe der Konferenz gab sie noch weitere Anweisungen an die Truppen, die entweder mit den Vorbereitungen für den in einigen Wochen bevorstehenden Angriff auf die USA, oder aber mit der endgültigen Eroberung Australiens zu tun hatten. Als die Konferenz nach über einer Stunde beendet war, zog sie sich erschöpft in ihr Schlafgemach zurück und ging zu Bett.
Sie schlief schnell und problemlos ein und genoss die verdiente Erholungspause in vollen Zügen.
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°....° = jemand denkt
"...." = jemand sagt
{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)
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Darth Saturn – The Dark Harvest
Teil 19
Am frühen Nachmittag senkte sich langsam eine riesige, strahlendweisse Lambda-Fähre, auf deren Heckflügel in violetter Farbe das astronomische Symbol des Planeten Saturn aufgemalt war, aus dem wolkenlosen Himmel herab, und setzte auf einer der vielen Landeflächen des riesigen Militärstützpunkts knapp vierzig Kilometer südlich von Damaskus auf.
Als die Zugangsrampe ausgefahren worden war, marschierte zunächst eine Phalanx von zwanzig schwerbewaffneten Sturmtrupplern in schwarzen Rüstungen mit violetten Umhängen aus dem Innern der Fähre heraus und nahm rechts- und linksseits der Rampe Aufstellung. Erst danach trat Darth Saturn gefolgt von Lady Midori ins Freie und marschierte zügig, flankiert von ihrer Leibgarde, auf den Kommandobunker zu. Als sie die Tür des Bunkers erreichte, salutierte der Posten davor zackig, was Saturn jedoch nur mit einem knappen Nicken quittierte. Dann betrat sie, begleitet von Midori und zwei ihrer Wachen den Bunker und begab sich sofort zum Einsatzkommandeur.
{Commander Ardias, dies hier ist Lady Midori. Sie übernimmt ab sofort offiziell meinen Posten als Kommandantin der vierten Sturmgarde.} stellte sie ihre Begleiterin dem Kommandeur vor, obwohl davon auszugehen war, daß er sie bereits kannte. {Bis zum Abschluß der Operation gegen Israel werde ich allerdings das Kommando behalten.}
{Jawohl, Mylady. Wünschen sie einen Bericht, oder möchten sie sich erst von der Reise erholen?}
{Berichten sie.}
{Wir haben nun neunzigtausend Mann hier zusammengezogen, dazu kommen zweitausendfünfhundert AT-PTs, zwanzig Lambda-Fähren, fünfzehn schwere Transportfähren und fünfzig AT-STs. Vorräte reichen für einen Dreimonatigen Feldzug ohne Zusatzversorgung aus.}
{Wie steht es mit Luftwaffe?}
{Zwölf Defender, Mylady.}
Ihre Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen.
{Wer trägt die Verantwortung dafür, daß diese Operation mit einer einzigen Staffel Luftunterstützung auskommen muß?} schnappte sie.
{Commander Staven hat die Jäger strategisch günstig über das gesamte von der vierten Sturmgarde kontrollierte Gebiet verteilt.}
{Teilen sie ihm mit, er hat bis morgen früh Zeit, vier weitere Staffeln hierher zu verlegen. Und lassen sie einen vernünftigen Vorrat an Bomben herschaffen.} verlangte sie verärgert. {Ohne vernünftige Luftunterstützung wird die Operation zu einem Massaker werden, und das ist inakzeptabel.}
{In Ordnung.}
{Und was wissen wir über die Maßnahmen der Israelis?}
{Lord Taichi schickt beständig Truppen nach Südisrael und die Israelis halten tapfer dagegen. Im Moment haben wir eine Pattsituation, aber Taichi forciert die Angriffe seiner Truppen auch nicht zu sehr. Im Norden scheinen sie mit einem neuen Versuch unsererseits zu rechnen, denn dort sind massive Verschanzungsarbeiten im Gange. Weite Teile der Grenzzone scheinen von den Israelis außerdem noch vermient zu werden.}
{Fordern sie Droiden für die Räumung der Minenfelder an.}
Commander Ardias nickte bestätigend.
{Und nun werde ich mich mit unserer Kriegsberichterstatterin befassen. Arbeiten sie weiter, Ardias, und du, Midori, komm bitte mit.}
In einem der Arbeitsräume des Bunkers saß Cassandra Stone und sichtete gerade das Bildmaterial, das ihr die Mikronesier von ihren diversen Angriffsoperationen überlassen hatten. Außerdem sah sie Berichte über die Aktivitäten der Aufbaueinheiten durch, die in den von Mikronesien kontrollierten Gebieten sehr schnell mit der Verbesserung der Lebensqualität begonnen hatten.
Plötzlich ging die Tür auf und Hotaru kam zusammen mit einem anderen Mädchen herein.
"Hi, Hotaru. Alles in Ordnung?" begrüßte sie sie.
"Könnte nicht besser sein." gab die Angesprochene zurück. "Das hier ist Midori. Sie übernimmt ab sofort meinen Platz als Kommandantin der vierten Sturmgardedivision, während ich auf den Posten des militärischen Oberkommandierenden befördert worden bin."
"Oh, meinen Glückwunsch."
"Danke. Ich habe auf dem Rückflug mit Midori über eine Art Mischung aus Fernsehansprache und Interview gesprochen, um die Bevölkerung hier im Nahen Osten ein wenig auf den neuesten Stand zu bringen. Wäre nett, wenn du dich darum kümmern könntest, Cassandra."
"Kein Problem."
"Im Anschluß daran hätte ich auch ein Angebot für dich."
"Angebot? Für mich?" fragte die Reporterin überrascht.
"Den Posten unserer offiziellen Repräsentantin gegenüber der Presse." erklärte Saturn lächelnd. "Ich wüßte niemanden, der dafür geeigneter wäre. Außerdem ist der Posten ein Sprungbrett für eine hohe Position in unserem zukünftigen Kommunikations- und Informationsministerium."
Cassandra Stone grinste fröhlich und wäre Hotaru fast um den Hals gefallen.
"Ich werde dafür sorgen, daß ihr die bestmögliche Presse bekommt." versicherte sie ihr eiligst.
"Wichtiger ist, daß die Zuschauer verstehen, daß wir ihnen keine Lügenmärchen auftischen, und sie auch nicht mit schwachsinniger Propaganda füttern wollen." hielt Midori dem entgegen.
Stone nickte verstehend.
"Wenn ich Zugang zum richtigen Informationsmaterial bekomme, sollte das kein Problem sein."
Die beiden Mädchen warfen ihr verständnislose Blicke zu.
"Bisher weiss zum Beispiel niemand etwas über den Verbleib eurer Kriegsgefangenen, und das macht die Öffentlichkeit nervös und wird von euren Gegnern ausgenutzt."
Saturn nickte verstehend.
"Sobald die Sache hier erledigt ist, wirst du die nötigen Vollmachten bekommen, um dich darum zu kümmern."
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"Verdammt, verdammt, verdammt! Wo kann sie bloß stecken? Wo können wir noch suchen, Michiru?"
Haruka tigerte wütend und frustriert durch´s Wohnzimmer, während Michiru traurig in ihrem Lieblingssessel saß.
"Ich weiss es nicht." wisperte Neptuns Senshi, körperlich und seelisch ausgelaugt durch die wochenlange ergebnislose Suche. "Vielleicht haben die Anderen ja einen Hinweis."
"Dann hätten sie uns bestimmt Bescheid gesagt." widersprach Haruka kopfschüttelnd. "Außerdem haben sie genug mit den Youma zu tun. Da haben sie gar keine Zeit, uns bei der Suche nach Hotaru zu helfen."
"Hm-hm." seufzte Michiru zustimmend und zwang sich, mal wieder ihr schlechtes Gewissen zu ignorieren. Als Senshi wäre es ihre Pflicht, an der Seite der anderen Kriegerinnen gegen die Youma zu kämpfen, doch stattdessen beschäftigten sie sich ausschließlich mit der Suche nach ihrer Tochter. Natürlich war sie sich sicher, daß die anderen Verständnis dafür hatten, aber eine Pflichtverletzung blieb es dennoch.
°Setsuna hätte uns das vermutlich nicht so einfach durchgehen lassen.° dachte sie im Stillen, während sie nach der Fernbedienung des Fernsehers griff.
Die zwei Senshi schauten seit einiger Zeit regelmäßig Nachrichten, in der Hoffnung, auf irgendwelche Berichte zu stossen, die einen Hinweis in Richtung der Entführer ihrer Tochter geben konnten. Der Briefkontakt zu Hotaru war etwa zu der Zeit abgerissen, als die Mikronesier ihren Angriff im Irak begonnen hatten, und auch wenn es zu der Zeit noch genug andere Ereignisse gegeben hatte, die man mit etwas Kreativität in eine Verbindung bringen konnte, so tippten beide intuitiv und unabhängig voneinander auf dieses eine Ereignis. Auch wenn sie keine Ahnung hatten, welcher Natur die Verbindung war.
"Schau mal, Haruka, sie bringen eine Sondersendung über den Krieg."
"Yeah. Die wievielte Sondersendung ist das jetzt seit Kriegsbeginn?", schnaubte sie, "Die fünfzigste?"
"So ungefähr. Aber vielleicht erfahren wir ja Neuigkeiten. Sie sagen, es wird erstmals ein mikronesischer Befehlshaber das Wort ergreifen."
Kurz darauf begann die Sendung, in der die Moderatorin, Chihiro Hasegawa, als ersten Gast eine etwa dreißigjährige Frau mit knapp schulterlangen, nußbraunen Haaren, begrüßte. Die Frau, Cassandra Stone, trug einen knielangen, dunkelblauen Rock und ein dazu passendes Jacket über einer weißen Bluse.
"Miß Stone,", begann Hasegawa freundlich, "sie waren zu Beginn des Konflikts als Kriegsberichterstatterin für die BBC tätig, nicht wahr?"
"Das ist richtig." antwortete Stone. "Ich gehörte zu einer Gruppe von Kriegsberichterstattern, die die britische Armee beim Angriff auf Basra begleitet hat. Als die Armee der mikronesischen Föderation auftauchte, geriet ich in Gefangenschaft. Danach wurde mir angeboten, den Konflikt von mikronesischer Seite aus unter die Lupe zu nehmen, was ich sofort angenommen habe."
"Warum?"
"In einem Krieg neigen die beteiligten Parteien dazu, die Berichterstattung so zu manipulieren, daß die eigene Seite möglichst positiv dasteht, während der Gegner möglichst negativ wegkommen soll." antwortete sie gelassen. "Ich sah es als meine Pflicht als Reporterin an, den Konflikt auch von mikronesischer Seite aus zu untersuchen. Ein Konflikt, in dem, wie ich bemerken möchte, die Mikronesier nicht die Aggressoren sind. Die Amerikaner haben Mikronesien den Krieg erklärt und sehen sich jetzt lediglich einem Gegner gegenüber, der sich als zu stark für sie erweist."
"Damit wollen sie aber nicht behaupten, daß die mikronesische Armee unbesiegbar ist, nehme ich an."
"Nein, Miss Hasegawa. Aber dazu fragen sie vielleicht besser ihren nächsten Gast."
Die Moderatorin nickte zustimmend und stellte dann den nächsten Gast vor. Lady Midori Maeda.
Haruka und Michiru fielen vor Überraschung fast aus ihrem Sessel, als ein höchstens vierzehnjähriges Mädchen in einer schwarzen Uniform, auf deren linker Brustseite sich eine zweireihige Anordnung von roten, blauen und orangenen Quadraten befand, das Studio betrat und sich mit einem breiten Lächeln in einem Sessel niederließ, nachdem sie artig die Moderatorin begrüßt hatte.
"Sieh mal, was da an ihrem Gürtel hängt, Michiru." rief Haruka plötzlich aufgeregt und deutete auf den Bildschirm.
"Sieht aus wie eine schmale, silberne Taschenlampe. Warum?"
"Erinnerst du dich nicht mehr? Die zwei Typen, die uns Hotarus ersten Brief gegeben haben." knurrte Haruka. "Der, mit dem ich mich angelegt habe, hatte auch so ein Ding."
"Dann lass uns jetzt genau zuhören. Vielleicht erfahren wir, wo das Mädchen herkommt."
"Um ihre Frage an Miss Stone zu beantworten, Hasegawa-san, nein, unsere Armee ist nicht unbesiegbar. Keine Armee ist das, auch wenn einige Länder das von ihren Armeen gern glauben möchten."
"Wir haben eben schon gehört, warum sie den Krieg begonnen haben, nämlich, weil die Amerikaner ihnen den Krieg erklärt haben."
Midori nickte zustimmend.
"Aber wie kommt es dann, daß sie anscheinend überall auf der Welt Krieg führen, nur nicht in Amerika?"
"Ich verstehe, warum ihnen das seltsam erscheinen muß, Hasegawa-san." stimmte Midori ihr zu. "Einer der Gründe ist, daß es Dringenderes zu erledigen gibt, als die Vereinigten Staaten zu erobern."
"Das müssen sie uns näher erklären." erwiderte die Moderatorin verwirrt.
"Gern. Es ist eine bei unseren Gegnern verleugnete Tatsache, daß wir den Krieg weder um seiner selbst Willen, noch aus reiner Eroberungssucht führen, sondern, um den Menschen in den von uns eroberten Gebieten zu helfen."
"Verzeihung, das kann ich in Somalia und Sierra Leone nachvollziehen, vielleicht sogar im Irak, aber was ist mit den übrigen arabischen Staaten? Was ist mit Europa? Den Menschen dort ging es doch gut."
"Wirklich?" fragte Midori gelassen. "Die Araber haben den unrechtmäßigen Krieg der Amerikaner unterstützt. Sie haben toleriert, daß geltendes Recht sich dem Recht des Stärkeren unterordnen mußte. Und als wir für das geltende Recht eingetreten sind, haben uns nach den Amerikanern auch die Europäer den Krieg erklärt." antwortete sie. "Wo steht geschrieben, daß der Angegriffene den Konflikt nicht auf dem Boden des Angreifers austragen darf? Das sollten sie nicht vergessen. Und was die Situation der Menschen betrifft: Die Sozialsysteme der europäischen Staaten sind dabei, zusammenzubrechen. Die Kriminalität steigt, ebenso die Zahl der Arbeits- und Obdachlosen. Armut nimmt zu, Wohlstand wird in den Händen weniger konzentriert. Wie können sie da behaupten, es ginge den Menschen gut?"
"Und was tun sie dagegen?"
"Zunächst einmal ist es unsere Politik, in den besetzten Gebieten die Sicherheit und Ordnung aufrechtzuerhalten." begann Midori. "Wir helfen Menschen, die keine Bleibe oder keine Arbeit haben durch entsprechende Programme, und wir verbessern massiv die öffentliche Sicherheit."
"Wie das?"
"Durch den Einsatz von Sicherheitsdroiden. Anfangs waren die Menschen irritiert davon, daß ständig irgendwo eine kleine, graue Kugel über ihren Köpfen herumschwirrte, aber das ist Gewöhnungssache."
"Dann etablieren sie also einen Überwachungsstaat an Stelle freier Demokratien."
"Das läßt sich nur mit Einschränkungen bejahen." warf Cassandra Stone ein. "Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen ist heute schon Standard in den meisten dieser freien Demokratien. Die Sicherheitsdroiden vergleichen die Aktivitäten der Menschen in ihrem Patrouillengebiet mit eingespeicherten Schemata für Straftaten und Ordnungswiedrigkeiten. Stellen sie einen Verstoß fest, zeichnen sie die Daten für ein späteres Verfahren als Beweis auf und alarmieren gleichzeitig Polizeikräfte."
"Jetzt können Frauen sich nachts bedenkenlos wieder in dunkle Parks wagen." warf Midori ein. "Die hochentwickelten Sensoren der Droiden würden jeden Überfall sofort bemerken und unsere Polizeikräfte sind überall so verteilt, daß sie binnen weniger Minuten jeden beliebigen Tatort erreichen können."
"Und anders als bei der schon erwähnten Videoüberwachung tauchen bei unserer Methode ausschließlich Übeltäter auf den Überwachungsaufzeichnungen auf, was in punkto Datenschutz ein großer Fortschritt ist." fügte Miss Stone hinzu. "Ein weiterer Aspekt zur Steigerung der öffentlichen Sicherheit ist das absolute Besitzverbot für Waffen jeglicher Art."
"Unsere Statistiken hierzu reichen zwar nicht über einen großen Zeitraum, aber es sieht vielversprechend aus." erklärte Midori. "Wir sind zuversichtlich, daß wir den Menschen mit der Zeit den Hang zu gewaltsamen Auseinandersetzungen abgewöhnen können."
"Ich verstehe. Aber lassen sie mich einen anderen Punkt ansprechen: Die von ihnen besetzten Gebiete werden von Militärgouverneuren kontrolliert. Gibt es Pläne, daran etwas zu ändern?"
"Trotz bestehender nationaler Grenzen betrachten wir Europa als ein zusammenhängendes Gebiet, das auch als solches befriedet werden muß." erwiderte Midori. "Und im arabischen Raum ist die Situation auch noch nicht so stabil, wie wir es gern hätten. Wir verstehen, daß die Menschen sich Sorgen machen, wenn eine fremde Macht ihnen eine neue Regierung aufzwingt. Wir haben jedoch die Hoffnung, den Menschen durch unsere Arbeit zeigen zu können, daß wir ihnen nichts Böses wollen. Die Frage des endgültigen Regierungssystems werden wir angehen, sobald alle anderen Probleme geklärt sind. Aber wir sind der Meinung, daß, wenn die Menschen existenzielle Probleme haben, die Lösung dieser Probleme wichtiger sind."
"Und je weniger Personen in die Entscheidungsprozesse verwickelt sind, desto schneller können diese Entscheidungen getroffen werden." setzte die ehemalige Kriegsberichterstatterin hinzu. "Und desto weniger Lobbyisten mischen sich in die teilweise dringend nötigen Veränderungen ein."
"Dann werden sie also die politische Macht später wieder in die Hände der Menschen legen?"
"Wir arbeiten an mehreren Modellen, die den Menschen ein zufriedenes und friedliches Miteinander ermöglichen sollen." antwortete Miss Stone darauf. "Welches Modell umgesetzt wird, ist eine Frage, die wir in Absprache mit den Menschen klären werden, sobald die sozialen Probleme in Angriff genommen wurden."
"In einem früheren Interview haben sie erklärt, eines ihrer Endziele sei der Weltfrieden." griff Hasegawa ein neues Thema auf. "Wie ist das mit der Führung eines globalen Krieges zu vereinbaren?"
"Es gibt Fälle, in denen die Vereinten Nationen Gewaltanwendung zur Entwaffnung gewalttätiger Mächte autorisiert haben. Wir entwaffnen die Menschheit Nation für Nation. Und mit den Geldern, die dann durch Wegfall der sogenannten Verteidigunsausgaben in den nationalen Etats freiwerden, werden wir die Lösung der anderen Probleme angehen."
"Aber sie haben keine Autorisation durch die Vereinten Nationen."
"Die hatten die Amerikaner für den Irakkrieg auch nicht." gab Midori gelassen zurück.
"Verstehe. Und wie sehen ihre Zukunftspläne aus?" erkundigte sich die Moderatorin. "Werden sie sämtliche Staaten der Erde angreifen?"
Midori lächelte trocken.
"Nein. Aber als Kommandantin der Kampfeinheit, die für die Eroberung Israels zuständig ist, kann ich ihnen und allen Zuschauern versichern, daß wir in Zukunft den Einsatz von Massenvernichtungswaffen gegen uns nicht so ohne weiteres hinnehmen werden." erklärte sie. "Außerdem möchte ich die israelische Militärführung darauf hinweisen, daß die Stationierung von Militäreinheiten in Wohngebieten uns nicht davon abhalten wird, diese Truppen anzugreifen. Menschliche Schutzschilde funktionieren nicht gegen uns, und alle dadurch entstehenden Zivilverluste fallen nicht in unseren Verantwortungsbereich."
"Aber Israel hat ihnen nicht den Krieg erklärt, und die Amerikaner auch nicht im Irakkrieg unterstützt." wandte Hasegawa ein. "Hier sind sie die Aggressoren."
"Das ist korrekt." gab Midori zu. "Aber das liegt daran, daß wir die halbherzigen Friedenspläne der Amerikaner und Europäer und die diesbezügliche israelische Heuchelei satt hatten. Der Nahe Osten ist ein Krisenherd, der ausgeschaltet gehört, und wir verfügen über die Mittel, das zu erledigen. Gegenüber den Menschen, die dort unter dem Konflikt leiden müssen, wäre es verantwortungslos, diese Mittel nicht einzusetzen."
"Auf was genau wollen sie damit hinaus?"
"Nun, zunächst einmal kenne ich nur wenige Länder, in denen die Jagd auf Terroristen nicht von der Polizei sondern von der Armee durchgeführt wird. Außerdem ist diese Politik der Vergeltungsschläge, wie Israel sie betreibt, nichts anderes als staatlich sanktionierter Terrorismus."
"Gehen sie damit nicht etwas zu weit?"
"Wenn ich einen israelischen Grenzposten mit einer Autobombe in die Luft jage, bin ich ein Terrorist. Wenn ich den Befehl gebe, ein Auto, in dem Anführer jener Terroristen sitzen, mitten auf einer belebten Straße durch einen Kampfhubschrauber mit Lenkraketen vernichten zu lassen, anstatt ihn festzunehmen und vor Gericht zu stellen, was bin ich dann?" gab die Kommandeurin der Vierten Sturmgardedivision zur Antwort. "Zu diesen Extremen kommt noch, wie viele Palästinenser von den Israelis im Alltag behandelt werden. Ich will jetzt natürlich keinesfalls die Israelis und die Nazis auf eine Stufe stellen, aber einige der Methoden, mit denen die Israelis die Palästinenser behandeln, ähneln den Nazi-Methoden, und gerade angesichts ihrer bedauerlichen Geschichte finde ich das erschreckend."
"Und was werden sie tun? Sind sie auf Vergeltung für die Palästinenser aus?"
"Nein." entgegnete Midori kopfschüttelnd. "Wenn die Israelis in Zukunft auf den Einsatz von ABC-Waffen gegen uns verzichten, werden wir sie fair behandeln. Vergeltung kann nicht unser Ziel sein, denn auch wenn ich die Gründe für den Kampf der Palästinenser nachvollziehen kann, sind Selbstmordangriffe auf zivile Ziele absolut indiskutabel. Wir wollen die Israelis und, soweit möglich, auch ihre Gegner entwaffnen, und unsere Truppen als Puffer einbringen. Und dann werden wir für einen Zustand größerer Gerechtigkeit sorgen."
"Was bedeutet?"
"Die Israelis müssen aufhören, palästinensisches Tiefengrundwasser abzupumpen. Die Positionierung einiger israelischer Siedlungen muß geklärt werden. Wenn eine Siedlung illegal ist, muß sie geräumt werden. Der israelische Sperrzaun muß weg, denn diese Anlage ist ein schlechter Witz. Wenn ich mich mit einem Zaun vor meinem Nachbarn schützen will, dann kann ich den Zaun doch nicht auf dem Grundstück meines Nachbarn bauen. Und über die Jerusalem-Frage muß eine Einigung erzielt werden, aber das wird wohl erst gelingen, wenn Sicherheit und Ordnung wieder etabliert sind, und wir beiden Seiten demonstriert haben, daß wir unparteiisch sind und nicht nur die Interessen einer Seite vertreten."
"Das wird die Menschen im Land sicherlich beruhigen." stellte die Moderatorin fest. "Aber vielleicht könnten sie die Beruhigungsarbeit auch auf die Angehörigen all jener Soldaten ausdehnen, die während des Krieges nach Einschätzung von Außen in ihre Gefangenschaft geraten sind."
"In zwei Wochen werden wir eine Delegation des Roten Kreuzes und einige Presseleute in unser Gefangenenlager führen." antwortete Stone. "Außerdem arbeiten wir an einer Liste mit Namen von Gefangenen und, nach unseren Erkenntnissen, Gefallenen, die wir demnächst ins Internet stellen werden."
"Warum haben sie internationalen Hilfsorganisationen bisher den Zugang zu den Gefangenen verwehrt?"
"Die Amerikaner halten Kriegsgefangene unter fragwürdigen Bedingungen auf ihrem Stützpunkt Guantanamo Bay fest, und darüber scheint es auch nicht so wahnsinnig viel Aufregung zu geben." bemerkte Stone. "Wenn sie die Gefangenen bei uns gesehen haben, werden sie sehen, daß diese bei uns deutlich angenehmer untergebracht sind. Es war bis jetzt einfach organisatorisch problematisch, Fremdpersonen Zugang zu ermöglichen. Gefangene aus befriedeten Nationen, wie beispielsweise Polen, werden jedoch bald wieder nach Hause zurückkehren können. Wir werden niemanden länger festhalten als nötig."
Im Verlauf der Sendung erörterte Chihiro Hasegawa noch einige andere Dinge mit ihren Gästen, die bereitwillig Auskunft gaben, doch die beiden Senshi hatten genug gehört.
"Das Mädchen leitet also den Angriff auf Israel." stellte Michiru fest. "Wenn sie, wie wir annehmen, wirklich mit dem Verschwinden unserer Tochter zu tun hat, müssen wir wohl in den Nahen Osten reisen."
Haruka nickte entschlossen.
"Ich buche uns einen Flug nach Damaskus und dann werden wir sehen, wo wir diese Midori finden können."
Michiru nickte nun ebenfalls entschlossen. Die Aussicht, bei der Suche endlich einen entscheidenden Schritt weiterzukommen, vertrieb ihre Erschöpfung und Lethargie.
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Jacen, Ami in ihrer Senshiform, und Shampoo hockten zwischen einigen Felsen in Deckung und spähten hinunter in einen mehrere Kilometer breiten Talkessel, in dem sich, hinter einem doppelreihigen Sicherheitszaun geschützt, mehrere unterschiedlich große Gebäude erstreckten. Einige von ihnen waren mit Schornsteinen oder Kühltürmen ausgestattet, doch der überwiegende Teil der Gebäude sah wie eine wild verteilte Anhäufung gewaltiger Hallen aus. Die einzige Zufahrtsstraße war ein schmaler Kiesweg, der an einem kleinen Bunker vorbei führte. Man mußte auf dem Weg auf das Gelände außerdem zwei Schranken und eine im Boden versenkbare Barrikade passieren.
"Das also ist es." murmelte der junge Jedi unbeeindruckt.
"Das Ding ist ja eine Festung." stellte Ami fest. Im Gegensatz zu Jacen war sie überaus beeindruckt von dem sich bietenden Anblick. "Wie sollen wir da bloß reinkommen?"
"Die Imps haben eine Vorliebe für Hochsicherheitsbauten." entgegnete Jacen gelassen. "Aber das hier liegt weit unter ihrem üblichen Standard. Ich bin sicher, wir werden irgendwo einen Weg hinein finden."
"Imps?" fragte Shampoo.
"So nennen wir bei uns die Imperialen." erklärte der Jedi. "Ami, kannst du deinen Visor benutzen, um einen genaueren Blick auf die Zufahrt zu werfen?"
Ami justierte den Visor und übermittelte das Bildsignal an ihren tragbaren Supercomputer.
"Dacht ich´s mir doch." brummte Jacen, als er die weiss-gepanzerten Wachsoldaten auf dem Bildschirm betrachtete. "Imperiale Sturmtruppen."
"Sind die ein großes Problem?" fragte Shampoo.
"Nicht direkt. Aber sie haben Funkgeräte in ihre Helme eingebaut, was bedeutet, daß sie sehr schnell Hilfe anfordern können, wenn sie uns entdecken."
"Dann wir müssen sie schnell erledigen."
"Auch nicht gut." widersprach Jacen kopfschüttelnd. "Wenn sie sich an die Routinen halten, die ich kenne, müssen sie sich alle paar Minuten bei ihren Vorgesetzten melden. Tun sie das nicht, wird eine Patrouille geschickt, um nachzusehen."
"Dann wir uns wohl müssen reinschleichen."
Jacen nickte langsam.
"Ja, das denke ich auch."
"Könntest du bei den Wachen nicht den gleichen Trick wie bei dem Staatsanwalt benutzen?" erkundigte Ami sich.
"Klar könnte ich. Aber es braucht uns nur von irgendwo eine Wache zu sehen, die ich nicht bemerkt habe, oder wir kommen an einer Überwachungskamera vorbei, und dann haben wir mehr Ärger am Hals, als wir uns jemals wünschen würden."
"Verstehe. Ich werde den Zaun mit dem Zoommodus meines Visors absuchen." schlug die Senshi des Merkur vor. "Vielleicht finde ich dabei eine Schwachstelle."
"Und was wir tun, wenn wir sind vorbei an Zaun?"
"Dann sehen wir uns mal diese Hallen genauer an." entschied der junge Jedi. "Ich weiss zwar nicht genau was, aber irgendetwas kommt mir an diesen Gebäuden seltsam vor."
Shampoo nickte zustimmend.
"Bald wir werden wissen."
Die Stunden verstrichen, während Ami nach einem Weg auf das Gelände suchte. Shampoo hatte inzwischen einen Teil der verbliebenen Vorräte genommen und daraus eine trotz der Umstände recht gut schmeckende Mahlzeit gezaubert.
Nach dem Essen lehnte Jacen sich sitzend gegen einen Felsen und begann zu meditieren. Shampoo behielt unterdessen die Umgebung im Auge, immer mit dem Auftauchen von Umgebungspatrouillen rechnend. Zumindest hatte Jacen diese angekündigt, aber hier, inmitten tiefster Einöde, schienen die Imps sich auf das Gelände innerhalb ihres Zauns zu beschränken.
"Ich glaube, ich hab da was." meldete Ami sich nach einiger Zeit zu Wort.
Sofort fanden sich ihre beiden Begleiter bei ihr ein, um zu sehen, was sie entdeckt hatte.
"Dort hinten am Westende des Zauns gibt es ein Ablaufrohr, vermutlich für Regenwasser, das unter dem Zaun hindurchführt. Das äußere Ende führt vermutlich bis zu dem ausgetrockneten Flußbett, das Shampoo uns gestern auf der Karte gezeigt hat."
"Und das Ende innerhalb des Zauns?" fragte Jacen gespannt.
"Ist Teil eines unterirdischen Abflußnetzes, das mit den Regenabläufen an den Gebäudedächern verbunden ist." "Sind diese Rohre auch groß genug?" "Der unterirdische Teil auf jeden Fall." antwortete Ami. "Das hab ich mit Sonar und Infrarot überprüft."
"Und wo ist Ausgang?"
"Es gibt mehrere Gullideckel. Einer davon liegt zwischen diesen beiden Containern im Schatten dieser großen Halle dort." erklärte die Senshi, während sie die entsprechenden Lokalitäten auf einer Grundrißskizze markierte, die sie auf ihrem Computer erstellt hatte.
Shampoo runzelte mißtrauisch die Stirn.
"Sieht sehr nach Einladung für ungebetene Besucher aus." stellte sie fest.
Jacen nickte.
"Aber es ist bis jetzt unsere beste Gelegenheit. Und da die Imps vermutlich nur Vorkehrungen gegen gewöhnliche Einbrecher getroffen haben, sollten unsere Chancen eigentlich ganz gut stehen, oder was meint ihr?"
Ami nickte zuversichtlich, während Shampoos Augen ein unternehmungslustiges Funkeln zeigten.
Die nächsten fünf Stunden verbrachten die Drei damit, sich außer Sicht der Posten in einem weiten Bogen zur Öffnung des Abflußrohrs zu schleichen. Als sie es erreicht hatten, stellten sie fest, daß es von der Größe her ausreichend war, um bequem auf allen Vieren zu kriechen, oder um weniger bequem geduckt zu gehen. Je nachdem, was man bevorzugte.
Sowohl Ami als auch Jacen untersuchten die Rohröffnung gründlich auf Sensoren, wurden jedoch nicht fündig. Also kroch Ami als erste in die Öffnung, da sie mit ihrem Visor die besten Chancen hatte, Fallen und Sensoren zu entdecken. Jacen folgte ihr, da er mit der Macht die besten Chancen hatte, die Gruppe vor auf sie zukommenden Unannehmlichkeiten zu schützen. Shampoo bildete die Nachhut.
Nach dreißig Metern trafen sie auf ein Gitter, dessen Stäbe die doppelte Dicke eines Fingers hatten, und aus einer speziellen Manganstahllegierung gemacht waren, die es unmöglich machten, die Stäbe zu durchtrennen. Es sollte vermutlich sowohl menschliche als auch tierische Besucher von einem weiteren Vordringen abhalten.
"Und was nun?" fragte Ami leicht frustriert. "Das ist eine Legierung, die auch in Gefängnissen für die Gitter benutzt wird. Wenn man an dem Material sägt, wird es davon lediglich härter."
"Dann sollten wir es mal hiermit probieren." erwiderte Jacen. "Mach mal kurz ein wenig Platz."
Vorsichtig schob er sich an Ami vorbei, wobei beide in der Dunkelheit, unbemerkt voneinander, für einen Moment erröteten, als sie dabei in direkten Körperkontakt gerieten. Durch die Berührung von vorn geriet Ami ein wenig aus dem Gleichgewicht und drohte, nach hinten zu fallen, doch Jacen bemerkte das rechtzeitig und hielt sie mit der Macht im Gleichgewicht.
"Ähm...danke." murmelte die Senshi verlegen. Und gleichzeitig verwirrt darüber, daß eine simple Berührung, zumal unter den gegebenen Umständen, sie so aus der Fassung bringen konnte.
"Kein Problem." entgegnete Jacen, nicht weniger verwirrt über den Effekt, den dieser banale Zusammenstoß auf ihn gehabt hatte. Und offenbar auch auf Ami, denn selbstverständlich spürte er als Jedi ihre Verwirrung fast genauso, als wenn es seine eigenen Gefühle wären.
Dann durchtrennte er mit seinem Lichtschwert mühelos zwei der Gitterstäbe und überließ Ami wieder die Führung.
Nach einer Weile erreichten sie den Gullideckel und stellten fest, daß er sich nicht so ohne weiteres öffnen ließ.
"Welcher Psycho sichert Gullideckel mit elektronischem Schloß?" wunderte sich Shampoo fassungslos.
"Das ist für die Imps völlig normal." entgegnete Jacen trocken. "Die sind so paranoid, daß sie ihre Leute von einem speziellen Geheimdienst bespitzeln lassen, und dann noch einen Geheimdienst gründen, der die Aufgabe hat, die anderen Geheimdienstler auszuspionieren."
"Wenn das schon so anfängt, würde es mich nicht wundern, wenn die ihre Toilettentüren mit Netzhautscannern gesichert haben." scherzte Ami. "Aber das hier ist kein Problem für mich."
Ami werkelte ein paar Minuten lang an dem Schloß herum, welches schließlich gegenüber ihren Fähigkeiten kapitulieren mußte.
Wenige Minuten später standen sie zwischen zwei alten Frachtcontainern, auf denen vage der Schriftzug 'Tenchi Global Transports' zu erkennen war, und standen vor der Frage, wie sie am Besten in die Halle gelangen konnten.
"Die Tür ist mit Sicherheit gut gesichert." meinte Ami. "Vielleicht stehen dort sogar Wachen. Ich bin dafür, wir versuchen es über das Dach. Von den Aufnahmen, die wir vorhin gemacht haben, wissen wir schließlich, daß diese Halle über Dachluken verfügt."
Shampoo nickte zustimmend und reichte Jacen ihren Rucksack. Dann legte sie sich ein zusammengerolltes, dünnes Seil über die Schulter und kletterte mit der Gewandtheit einer Katze am Regenablaufrohr hinauf. Oben angekommen, befestigte sie das Seil und warf das andere Ende hinunter.
Ami kletterte hinauf und begann sofort mit der Suche nach versteckten Sensoren. Sie fand eine Reihe von Drucksensoren unter der Dachpappe und Kontaktdrähte an den Dachluken.
Erstere wurden umgangen, letztere von ihr überbrückt. Zehn Minuten nachdem sie den Gullideckel hinter sich gelassen hatten, standen die Drei auf einem schmalen Wartungsgang unter dem Dach der Halle und starrten mit offenen Mündern auf das Konstrukt im Innern des Gebäudes.
Besagtes Konstrukt war annähernd würfelförmig mit einer Kantenlänge von etwa fünfzig Metern und bestand aus hellgrauem Metall. Aus einer Seite des Würfels, etwas oberhalb der Mitte, ragten zwei Rohre mit einem Durchmesser von mehreren Metern in die Halle hinein.
Tief unter ihnen, sechzig Meter tiefer, um genau zu sein, liefen einige Leute, sowohl gepanzerte Sturmtruppler, als auch Männer in schwarzen, grauen und braunen Uniformen hin und her. Die meisten von ihnen waren damit beschäftigt, Dinge auf kleine Karren zu verladen, die dann ins Innere des grauen Würfels gebracht wurden.
"Eigentlich hatte ich erwartet, daß das hier eine Lagerhalle wäre." meinte Ami erstaunt. "Oder ein Fertigungsgebäude. Aber das hier..."
"Stimmt." gab Shampoo ihr Recht. "Wer baut Gebäude im Innern von anderem Gebäude? Diese Imps wirklich mächtig dumme Leute."
"Jacen? Irgendeine Idee, was das hier sein soll?"
"Noch nicht." gestand er ein wenig ratlos. "Ich hatte auch mit einer Fertigungshalle gerechnet. Obwohl mir dieses Ding da bekannt vorkommt."
Während die Drei grübelnd auf dem Wartungsgang standen, ein wenig in eine dunklere Ecke zurückgezogen, damit sie nicht von einer zufällig nach oben sehenden Person bemerkt wurden, ertönte eine Lautsprecheransage.
{Achtung! Achtung! Sämtliches Peripheriepersonal hat innerhalb der nächsten dreißig Minuten die äußeren Bereiche der Anlage zu räumen. Letzte Startvorbereitungen laufen. Start erfolgt in fünfunddreißig Minuten.}
"Was war das für ein Gebrabbel?"
"Imperiales Basic." antwortete Jacen. "Die Hauptsprache meiner Heimat."
"Und was komische Stimme sagen?"
Jacen übersetzte die Ansage ins Japanische.
"Das klingt wie eine Ansage vor einem Raketenstart." überlegte Ami laut. "Vielleicht bauen sie hier irgendwelche Flugkörper, die sie in den Weltraum schicken? Vielleicht ist dieser große Turm in der Mitte, den wir für einen Kühlturm gehalten haben, eine getarnte Abschußbasis."
"Und warum dann laufen Leute da unten in Halle in grauen Kasten?" fragte Shampoo.
"Die Macht steh uns bei." stiess Jacen plötzlich hervor, als er zu begreifen begann, was hier gespielt wurde.
"Was ist? Weisst du, was hier los ist?"
"Ami, wie sind die Abmessungen des inneren Sicherheitsperimeters?"
"Vier mal vier Kilometer. Warum?"
"Wir müssen so schnell wie möglich da rein." erklärte Jacen besorgt und deutete auf das graue Gebäude im Innern der Halle. "Alles weitere erkläre ich später. Jetzt dürfen wir keine Zeit verlieren."
"Aber da unten ist alles voller Leute." widersprach Ami. "Da kommen wir niemals ungesehen durch."
"Deshalb nehmen wir eine der Wartungsluken auf dem Dach." erwiderte der junge Jedi und setzte sich in Bewegung. Er lief den Laufsteg entlang, bis er auf Höhe der Mitte jenes hellgrauen Gebäudes war, dessen Oberseite zehn Meter vom Rand des Stegs und genauso tief darunter lag. Dann nahm er Shampoos Seil und knotete ein Ende an dem Steg fest.
"Was hast du vor, Jacen?" fragte Ami besorgt.
"Ich springe da rüber und mache das andere Ende vom Seil fest. Dann klettert ihr an dem Seil hinterher."
"Aber so weit! Das ist Wahnsinn, Jacen!" protestierte sie und griff nach seiner Hand, um ihn zurückzuhalten.
Jacen las die Angst um ihn in ihrem Blick und lächelte beruhigend.
"Hab keine Angst, Ami. Das ist wirklich kein schwerer Sprung für mich."
Die Senshi ließ ihn los, immer noch mit Sorge im Blick, und brachte schließlich dennoch ein tapferes Lächeln zustande.
"Wenn du meinst..."
Er zwinkerte ihr noch einmal aufmunternd zu, dann ließ er die Macht stärkend durch seinen Körper fließen und sprang.
Die beiden Mädchen folgten seinem Flug mit angehaltenem Atem und waren von der Eleganz seines Manövers gleichermaßen erstaunt wie beeindruckt.
Nachdem er das Seil festgebunden hatte, stellte er sich in Position, um die Mädchen, die sich an dem Seil hinabrutschen ließen, aufzufangen. Dann löste er das Seil und machte sich an der Wartungsluke zu schaffen.
Wenig später fanden sich die Drei auf einem Gittersteg aus dunkelgrauem Metall wieder, der einmal rund um die Wand eines etwa sechs Meter hohen Raumes führte. In mehreren eckigen Kästen an den Wänden, die voller elektronischer Bauteile steckten, flackerten bunte Kontrollleuchten. Durch armdicke Leitungen floß mit einem beständigen Summen Energie. Auf dem Boden, rund vier Meter unter ihnen, wuselten zwei kleine, schwarze, trapezoide Kästen herum und stießen gelegentlich aufgeregt klingende, elektronische Zirplaute aus. Es gab mehrere Konsolen, vor denen Sessel für Bedienpersonal angebracht waren. Zum Glück waren diese Sessel jedoch im Moment leer.
"Und was jetzt?" seufzte Ami, während Shampoo sich mit großen Augen umschaute.
"Wir warten bis die Startsequenz beginnt." erklärte Jacen. "Es wird zwar ein wenig holperig werden, aber zu dem Zeitpunkt dürften auf den Gängen keine Leute unterwegs sein."
"Sicher?"
"Ganz sicher. Die Startprotokolle weisen den Besatzungsmitgliedern feste Positionen zu, und keine dieser Positionen befindet sich auf einem Gang."
"Warum nicht hierbleiben?" fragte die Amazone.
"Weil sich dieser Raum bald mit Leuten füllen wird." entgegnete Jacen geduldig. "Ich habe eine ungefähre Vorstellung davon, wie man zu den Lagerräumen kommt. Und da diese automatisiert sind, sollten wir dort erstmal unsere Ruhe haben. Dann können wir überlegen, wie wir das Ding hier zerstören."
"Okay." stimmte Ami zu. Jacen klang so, als wisse er, was er tat, also würde sie ihm folgen. Abgesehen davon vertraute sie ihm inzwischen nahezu blind. "Aber dann könntest du uns jetzt mal erklären, warum wir unbedingt hier hinein mußten."
"Weil wir außerhalb nicht lange überlebt hätten." antwortete er. "Diese Halle ist nichts weiter als eine Tarnung. Das gleiche gilt auch für die ganze Geschichte mit dem Bau eines Produktionskomplexes."
"Tarnung wofür?"
"Erinnerst du dich, als ich gesagt habe, daß die Imps eine Vorliebe für Superwaffen haben?"
Ami nickte.
"Nun, wir sitzen gerade mittendrin."
Beide Mädchen schauten ihn verständnislos an.
"Du hattest Recht vorhin, Ami. Die Imps werden tatsächlich von hier aus etwas in den Weltraum starten. Aber nicht einfach eine Rakete, sondern diese ganze verdammte Anlage."
"Was? Aber das ist doch unmöglich! Wie soll das gehen? Das ist ein hundertfünfundzwanzigtausend Kubikmeter großer Metallwürfel, von dem wir hier reden!"
"Nein." widersprach Jacen. "Das ist ein siebenundzwanzig Kubikkilometer großer Metallwürfel von dem wir hier reden. Das Ding, in dem wir hier sitzen, ist nur ein Turbolaser-Geschützturm." fuhr Jacen fort. "Ich habe es nicht sofort erkannt, weil ich so ein Ding noch nie aus diesem Blickwinkel gesehen habe. Und ich schätze, in den anderen Hallen befinden sich auch Geschütztürme."
"Und was ist dieser ganze Komplex deiner Meinung nach? Ein Raumschiff?" fragte die Senshi noch immer zweifelnd, nicht etwa, weil sie ihn für einen Lügner hielt, sondern weil ihr der Gedanke einfach zu unfassbar erschien.
"Nein. Kein Raumschiff." antwortete er. "Eine Golan-III- Orbitalwaffenplattform. Die Miniaturausgabe eines Todessterns, wenn du so willst."
Ami wurde bleich, als sie die Konsequenzen dieser Aussage begriff.
"Du...du meinst..."
"Ja. Mit diesem Ding hier können die Imps jedes Ziel auf der Planetenoberfläche binnen kürzester Zeit einäschern. Und ohne Kampfraumschiffe ist dieses Ding von Außen unangreifbar."
Jetzt begriff auch Shampoo den Ernst der Lage. Mit diesem Ding als Trumpfkarte würde sich jede Nation der Erde vor den Imperialen beugen müssen, wenn sie nicht ihrer Auslöschung entgegensehen wollte.
Fünfzehn Minuten später erhob sich der kilometerlange Koloß zitternd und bebend aus dem Talkessel, als die Repulsorgeneratoren auf der Unterseite die Kampfstation langsam anhoben. Sprengladungen hatten kurz zuvor den Boden rund um die Station weggesprengt. Die auf der Oberfläche errichteten Gebäude fielen wie Kartenhäuser in sich zusammen, während das riesige Gebilde langsam höher stieg. Gewaltige Steinlawinen gingen rund um den Talkessel nieder und verursachten gewaltige Verwüstungen in der Landschaft, doch das waffenstarrende Monstrum aus Stahl überstand die verheerenden Verwüstungen, die mit seinem Start einhergingen, vollkommen unbeeindruckt.
Im Verlauf der nächsten zwei Stunden erhob sich das Gebilde immer weiter in den Himmel, stieg aus einer riesigen Wolke aus Schutt und Staub empor, und strebte auf seine geplante Umlaufbahn zu.
Währenddessen führte Jacen seine beiden Begleiterinnen relativ zielstrebig zu einem Vorratslager. Unzählige Reihen hoher Regale boten ausreichend Deckung, und zwischen den Ausrüstungskisten ließ sich sicherlich ein halbwegs gemütliches Versteck einrichten, das als Ausgangsbasis für die Aktionen der Gruppe dienen konnte.
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Darth Saturn saß in einem bequemen Kommandosessel, umgeben von zwei ringförmig darum angeordneten Reihen holographischer Displays, die an das Kommunikationsnetzwerk angeschlossen waren, wie eine Königin auf ihrem Thron. Die Wand im Hintergrund wurde von einer Hologrammkarte eingenommen, die in Beinahe-Echtzeit jede beliebige Darstellung der Erde anzeigen konnte. So konnte Saturn ganz nach Belieben die globalen Fortschritte beobachten oder aber sich die Aktivitäten auf einem Kontinent oder sogar auch nur in einer einzelnen Stadt ansehen.
Der Zugang zu ihrer im Halbdunkeln liegenden Kammer, die tief in den Eingeweiden des geheimen Kommandostützpunkts in der Antarktis lag, wurde von ihrer Leibgarde bewacht. Nicht daß es jemand gewagt hätte, sie ohne Grund zu stören.
Und jeder Angreifer würde sich, bevor er sich mit ihrer Leibwache auseinandersetzen mußte, erst einmal mit den beiden Sturmgardedivisionen anlegen müssen, die den Stützpunkt ihren Heimatstützpunkt nannten.
Im Moment hatte sie ihre Hände vor ihrem Gesicht zusammengelegt und starrte ausdruckslos, ganz im klassischen Gendo Ikari-Stil, auf die Abbilder der Einheitskommandeure, die von ihr zu dieser Holokonferenz bestellt worden waren. Einige von ihnen hatte sie für Erfolge gelobt, andere für Mißerfolge getadelt, und auch einige Beförderungen und Degradierungen ausgesprochen.
"Ich beglückwünsche sie zur vollständigen Sicherung der Beneluxstaaten, Lord Maurice." erwiderte sie auf den Bericht, den sie gerade von einem ihrer Schüler-Kameraden erhalten hatte. "Stellen sie vom nächsten Klonkontingent der siebten Sturmgarde jeweils zehntausend Mann für die Besetzung von Island und Grönland bereit und beginnen sie auf diesen Inseln mit der Errichtung neuer Versorgungsstützpunkte. Sie haben eine Woche, um Grönland zu sichern, und danach drei Monate, um einen Stützpukt für fünfhunderttausend Soldaten inklusive Ausrüstung zu errichten, und die Anlage entsprechend zu bemannen."
"Aber in dieser kurzen Zeit könne meine Klonfabriken unmöglich so viele Klone bereitstellen." wandte der Kommandeur der siebten Sturmgarde ein.
"Requirieren sie Kontingente aus anderen Fabriken. Ich will, daß noch vor Wintereinbruch an der amerikansichen Ostküste dieser Stützpunkt voll operationsbereit ist. Außerdem übertrage ich ihnen mit sofortiger Wirkung den Oberbefehl über die zehnte Sturmgarde. Aktivieren sie den Stützpunkt in den Pyrenäen, besetzen sie Spanien und Portugal und sichern sie die Grenze zu Frankreich."
Maurice nickte bestätigend.
"Lord Kevin, eure Truppen werden sich für einen Vorstoß nach Südosteuropa bereitmachen. Ab sofort wird die achte Sturmgarde bevorzugt mit AT-XT- Gebirgskampfpanzern beliefert, damit sie in dem Gelände leichter operieren kann."
"Gut." entgegnete Kevin. "Aber falls die Russen sich entschließen sollten, doch einzugreifen, wird das unsere Verteidigungslinien an der russischen Grenze schwächen."
"Das habe ich vorausgesehen." erwiderte Saturn. "Deshalb wird die elfte Sturmgarde auch unverzüglich aktiviert und ihrem Kommando unterstellt. Erobern sie mit ihr Sardinien, Sizilien und das italienische Festland bis zu den Alpen. Dann konzentrieren sie sich auf Griechenland und greifen die osteuropäischen Staaten aus dem Süden an. Der Vorstoß mit der achten Sturmgarde von Norden kann sich dann auf die Grenzregion zu Russland konzentrieren, damit wir eine starke Verteidigung gegen eine russische Intervention aufbauen können. Alles weitere wird sich in den folgenden Wochen ergeben, wenn wir die nächsten Klonproduktionszyklen in den Kampf werfen können. Möglicherweise müssen wir dann auch nicht mehr kämpfen, denn wenn sie klug sind, werden sie sich einfach ergeben, und sich unserer Sache anschließen."
"Ich werde tun, was ich kann, aber das bergige Gelände ist ein Vorteil für die Verteidiger. Wir müssen also mit hohen Verlusten rechnen. Und mit einer Verlangsamung unseres Vormarsches."
Darth Saturns Lippen verzogen sich zu einem geringschätzigen Lächeln, das Lord Kevin jedoch wegen ihrer Hände verborgen blieb.
"Haben sie schon einmal gesehen, was ein Teppich von Protonenbomben mit stationären Verteidigungsstellungen anstellen kann?" fragte sie kühl.
"Nein, aber ich kann es mir vorstellen."
"Schön. Verschonen sie die Menschen, soweit es irgendwie möglich ist, aber wer so dumm ist, nach all unseren Appellen in den Medien, nach all den Berichten über die Überlegenheit und Zerstörungskraft unserer Waffen, immer noch Widerstand zu leisten, dem ist ganz offensichtlich nicht zu helfen. Und mich interessiert ansonsten nicht, wie ein Erfolg zustande kommt. Die Hauptsache ist, DASS er zustande kommt. Habe ich mich klar ausgedrückt?"
Lord Kevin nickte.
"Völlig klar."
"Gut." Sie wandte sich dem nächsten Bild zu. "Commander Piett. Wie ist der Status der neunten Sturmgarde?"
"Fünfzigtausend Drohnen des Typs II einsatzbereit. fünfhunderttausend Mann plus Ausrüstung innerhalb der nächsten drei Tage bereit."
Darth Saturn warf einen nachdenklichen Blick auf die Karte des Operationsgebiets der Neunten.
"Lassen sie ihre Droiden ausschwärmen und die unbewohnten Gebiete sichern. Und beginnen sie unverzüglich mit der Ausschleusung ihrer Truppen. Es ist unnötig zu warten, bis alle einsatzbereit sind, da sie sie sowieso nicht alle auf einmal benötigen werden. Etablieren sie starke Verteidigungspositionen längs der finnisch-russischen Grenze, bevor sie nach Westen vorstossen. Die Russen müssen verstehen, daß wir sie auf der vollen Breite ihrer Grenze angreifen können, wenn sie sich in unsere Operationen in Südosteuropa einmischen."
"Jawohl, Mylady."
"Die Sicherung Finnlands sollte nicht allzuviel Zeit beanspruchen, Commander. Für den gesamten skandinavischen Raum sollten sie nicht viel mehr als zwei Monate benötigen."
Commander Piett salutierte zackig zur Bestätigung.
Ein Hologramm dieser relativ niedrigen Auflösung spiegelte zwar Emotionen in den Gesichtsausdrücken nicht sehr deutlich wieder, aber sie war sich sicher, daß der Commander ein Ultimatum erkannte, wenn er eins vor sich hatte.
"Kaori-san, wie ich höre, haben sie ihr Hauptquartier gerade verlegt. Irgendwelche Probleme dabei?"
Kaoris Hologramm schüttelte den Kopf.
"Der Start von Hades, unserer Orbitalwaffenplattform, verlief völlig planmäßig. Wir haben vor fünfzehn Minuten unsere vorgesehene Orbitposition erreicht und befinden uns mitten in der Systemüberprüfungsphase. In voraussichtlich drei Stunden werden wir mit dem Weltraumschrott, der hier oben rumschwirrt, Zielübungen zur Kalibrierung der Feuerleitsysteme durchführen."
"Wie lange werden diese Tests dauern?"
"Wir haben zwei Stunden dafür eingeplant, aber unsere Techniker werden ihr Möglichstes tun, schneller fertig zu werden."
"Wenn die Waffen einsatzbereit sind, beginnen sie mit der Vernichtung aller auffindbaren Kriegsschiffe und Unterseeboote auf den Weltmeeren." befahl Darth Saturn. "Bis es soweit ist, setzen sie das Defender-Geschwader ein, daß dort oben bei ihnen stationiert ist. Marineeinheiten mit Marschflugkörpern und strategischen Raketen an Bord sind ihre Primärziele. Die müssen so schnell wie möglich verschwinden."
Das Hologramm nickte erneut.
Natürlich war auch Kaori klar, daß derartige Einheiten schnellstmöglich verschwinden mußten. Die Raketenladung eines einzigen Lenkwaffenkreuzers oder Raketen-U-Boots konnte ausreichen, um einer der Sturmgardedivisionen massive Verluste zuzufügen.
"General Craiden, wie weit sind ihre Truppen inzwischen gekommen?"
"Wir haben in den unbewohnten Territorien bis zum Ural unsere Truppen strategisch so verteilt, daß im Prinzip innerhalb von vier bis fünf Tagen alle Städte und Dörfer eingekesselt, und im Falle kleinerer Orte auch gleich erobert werden können. Allerdings benötigen wir dringend eine Erweiterung unserer Lufttransportkapazitäten und unserer Luftwaffe, um die nötige Schlagkraft und Flexibilität zu entfalten, die für die reibungslose Durchführung des Plans erforderlich ist."
"Kontaktieren sie den Quartiermeister der zwölften Sturmgarde. Er soll die Verlegung von Transportern und Raumjägern zur ersten und zweiten Sturmgarde veranlassen. Wären damit ihre Probleme gelöst, General?"
"Jawohl, Mylady."
"Gut. Es kann sein, daß die Russen sich entschliessen, uns in Europa die Stirn zu bieten. Wenn das geschieht, müssen sie binnen vierundzwanzig Stunden in der Lage sein, ihren Plan umzusetzen."
"Wir werden vorbereitet sein."
"Sehr schön. Und nun zum unangenehmeren Teil." brummte sie und fixierte das Hologramm von Commander Logan. "Erklären sie mir bitte möglichst überzeugend, warum ihre Truppen in Australien seit Wochen kein Bein auf den Boden bekommen."
Die aufgesetzte Freundlichkeit in ihrem Tonfall drang offensichtlich bis zu ihm durch. Der Commander schluckte nervös und begann dann ein wenig stockend mit seinem Bericht.
"Mylady, der Feind nutzt die Geländebedingungen optimal aus und hat einen bedeutenden Teil seiner Infanterie mit schweren Waffen bestückt. Panzerabwehrwaffen, Granatwerfer, schwere Maschinengewehre. Wir müssen um jeden Meter hart kämpfen, und wenn wir die Frontlinie des Gegners schließlich geknackt haben, läßt er sich einige Kilometer zurückfallen und sammelt sich, während unsere vorrückenden Verbände von weitreichender Artillerie beschossen werden."
"Bombardieren sie die Artilleriestellungen doch einfach aus der Luft."
"Es tut mir leid, aber Lord Ken hat einen großen Teil der Luftwaffe nach Indonesien zurückgezogen. Die verbliebenen Jäger reichen gerade aus, um die Australier daran zu hindern, im Kampfgebiet die Lufthoheit zu erringen."
"Verstehe. Warum operieren deine Verbände in Australien mit unzureichender Luftunterstützung, Ken?"
"Wir rechnen mit der Möglichkeit eines Angriffs von General Wangs Truppen auf unsere Kontrollzone auf dem asiatischen Festland." antwortete er. "Wang ist besessen von der Idee, China zur dominierenden Macht in ganz Asien zu machen, und wir brauchen eine Rückversicherung."
"In Ordnung. Commander Logan, sie werden weiterhin ihr Bestes geben, um ihren Brückenkopf an der Nordküste zu stabilisieren. Ich werde die sechste Sturmgarde von hier aus in Marsch setzen. Sie werden in wenigen Tagen eine zweite Front im Süden eröffnen."
Logan wirkte erleichtert.
"Danke, Mylady."
"Ich habe mir die aktuellen Klimadaten des Kontinents angesehen." erklärte die Oberbefehlshaberin nach einer kurzen Pause. "Es ist ziemlich trocken und heiß bei ihnen, und Regen ist vorerst auch nicht zu erwarten, nicht wahr?"
"Das ist soweit ich weiss korrekt."
"Dann lassen sie einige Brandbomben an günstigen Plätzen hinter der Front abwerfen. Wenn die Australier ein Feuer in ihrem Rücken bekämpfen müssen, können sie nicht mehr so effektiv gegen ihre Truppen vorgehen. Und wenn sie schonmal dabei sind, werfen sie auch ein paar Brandbomben auf das Buschland rund um die großen Küstenstädte im Süden ab."
"Das wird für die Piloten eine Selbstmordmission werden."
"Dafür müssen die Australier dann wählen, ob sie uns bekämpfen, oder lieber ihre Städte vor den Flammen bewahren wollen." gab Saturn unbeeindruckt zurück. "Wenn es sich einrichten läßt, führen sie Störmanöver gegen die Löschkräfte durch. Dann müssen sie wohl oder übel Truppen von der Front abziehen, um das Feuer zu bekämpfen, und um die Feuerwehrleute gegen mögliche Angriffe von uns zu schützen."
Im Laufe der Konferenz gab sie noch weitere Anweisungen an die Truppen, die entweder mit den Vorbereitungen für den in einigen Wochen bevorstehenden Angriff auf die USA, oder aber mit der endgültigen Eroberung Australiens zu tun hatten. Als die Konferenz nach über einer Stunde beendet war, zog sie sich erschöpft in ihr Schlafgemach zurück und ging zu Bett.
Sie schlief schnell und problemlos ein und genoss die verdiente Erholungspause in vollen Zügen.
