Disclaimer: Keine der Figuren gehört mir, und ich schreibe das hier nur,
weil ich gerade nichts besseres zu tun habe (nicht, um damit Geld zu
verdienen).
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°....° = jemand denkt
"...." = jemand sagt
{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)
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Darth Saturn – The Dark Harvest
Teil 20
Lady Ravana stützte ihre Hände auf das Rednerpult und blickte mit einem zufriedenen Lächeln auf die in dem großen Saal versammelte Menge. Alle afrikanischen Staaten waren der Einladung, Repräsentanten zu Gesprächen nach Freetown zu entsenden, gefolgt.
"Geschätzte Repräsentanten der Nationen Afrikas, ich begrüße sie im Namen der Föderation von Mikronesien, den Assoziierten Territorien und auch im Namen unserer gemeinsamen Zukunft zu dieser Zusammenkunft." begrüßte sie ihre Gäste. "Sie alle haben bereits umfangreiches Dokumentationsmaterial über unsere Möglichkeiten und auch über unsere Zukunftspläne erhalten. Bevor wir uns mit Erörterungen der darin angesprochenen Themen befassen, schlage ich jedoch vor, daß wir eventuell offene Fragen besprechen."
Mehrere Hände hoben sich, und Ravana erteilte zunächst dem sudanesischen Botschafter das Wort.
"In ihren Unterlagen tauchen einige Male die Begriffe 'Assoziierte Territorien' und 'kontrollierte Territorien' auf. Was hat es mit diesen Begriffen auf sich?"
"Die Assoziierten Territorien sind unsere Bündnispartner. Im Moment sind das der Irak, Syrien, Jordanien, Libanon und Sierra Leone." antwortete der Rotschopf. "Diese Staaten haben ihre eigene, souveräne Regierung und sind im Wesentlichen selbstbestimmt. Kontrollierte Territorien sind alle eroberten Staaten, die von von uns eingesetzten Militärgouverneuren regiert werden, bis die lokale Situation stabil genug ist, um die Einsetzung einer zivilen Regierung zu erlauben."
"Was bedeutet: 'Im Wesentlichen selbstbestimmt'?"
"Es bedeutet, daß die Regierungen ihre innerstaatlichen Angelegenheiten ohne Einmischung lösen." erklärte Ravana. "Unsere Einmischungen, wenn sie es so nennen wollen, beschränken sich auf Vorgaben in den Bereichen Außen-, Verteidigungs- und Wirtschaftspolitik."
"Das sind aber keine unwesentlichen Einmischungen." warf der Vertreter Kenias ein.
"Unsere Endziele sind Frieden und Wohlstand für alle Menschen. Um das durchzusetzen, ist es notwendig, daß wir Möglichkeiten haben, unsere Vorstellungen, wie das zu erreichen ist, umsetzen zu können."
"Was werden sie tun, wenn wir uns ihrer Vision verweigern sollten?" kam der ägyptische Botschafter direkt auf den Punkt. "Werden sie dann auch gegen uns Krieg führen?"
Das unterschwellige Gemurmel, mit dem sich einige der anderen Repräsentanten unterhalten hatten, erstarb schlagartig. Alle warteten gespannt auf die Antwort.
"Bevor ich ihnen darauf antworte, werfen sie doch mal einen Blick auf das, was sie sich mit der Weigerung, uns zu unterstützen, selbst vorenthalten würden." erwiderte Ravana trocken. "Afrika ist ein rohstoffreicher, aber technologisch weitgehend nicht sehr hochentwickelter Kontinent, was dazu geführt hat, daß die Industrienationen Afrika in jeder nur denkbaren Hinsicht ausbeuten. Wir sind bereit, ihnen die Mittel zu geben, binnen kürzester Zeit den aktuellen Entwicklungsstand der Industrienationen zu überschreiten. Wir haben die Mittel, jegliche Gesundheitsprobleme ihrer Einwohner zu beseitigen - selbst Seuchen wie Aids können wir heilen." verkündete sie, was unter ihren Zuhörern ein ungläubiges Staunen hervorrief.
°Sehr schön. Ihr Interesse - oder sollte ich sagen ihre Gier? - ist geweckt.°
"Die Mittel, die sie bisher für ihre jeweiligen Verteidigungshaushalte aufgewendet haben, können sie anderweitig verwenden, denn wir werden die Unterhaltskosten ihrer Armeen übernehmen. Genauer gesagt: Wir werden alle mit uns verbündeten Staaten gegen jegliche Angriffe von Außen verteidigen."
Nach dieser Ankündigung begann bei einigen der Anwesenden der Unglaube das Staunen zu überwiegen, was diese auch wortreich zum Ausdruck brachten.
"Im Moment machen ihre Armeen große Fortschritte." brachte es der Repräsentant Malis auf den Punkt. "Aber die Geschichte hat uns gezeigt, daß keine Nation es schaffen kann, die Weltherrschaft zu erringen. Früher oder später wird der Krieg ihre Ressourcen überbeanspruchen."
"Sie liegen im Krieg mit den Amerikanern, aber sie haben nach der Eroberung von Pearl Harbor keine weiteren Schritte gegen sie unternommen." setzte der algerische Botschafter hinzu. "Und der Grund dafür ist, daß sie nicht die Mittel dazu haben. Amerika wird sie besiegen und jeder, der mit ihnen verbündet ist, wird die Konsequenzen tragen müssen."
"Wir haben keine Schritte unternommen, weil es für uns im Moment nicht zweckmäßig ist." widersprach Ravana dieser Einschätzung. "Wenn die Zeit reif ist, werden wir sie besiegen."
"Worte." höhnte der Algerier. "Aber sie haben keine Beweise dafür."
"Dann verstehe ich sie also richtig...sie wären bereit, uns zu unterstützen, wenn wir ihnen einen Beweis unserer militärischen Stärke geben?" fragte sie lauernd.
Einige der Botschafter schienen zustimmen zu wollen. Andere blieben mißtrauisch.
"Diese Entscheidung sollten wir treffen, wenn wir ihre Demonstration gesehen haben." entgegnete der Vertreter Tunesiens vorsichtig.
"Also gut." Ravana nickte. "Dann entschuldigen sie mich für einen Moment. Ich werde die Demonstration für sie vorbereiten lassen. Bedienen sie sich doch in der Zwischenzeit am Buffet."
Nach diesen Worten verließ Ravana den Raum und betrat ein benachbartes Arbeitszimmer. Mit einem wütenden Knurren auf den Lippen griff sie mit der Macht nach ihrem Schreibtisch und warf ihn gegen die Wand, wo das teure Tropenholz krachend zersplitterte.
"Arrogante Bande." brummte sie genervt. Dann stellte sie eine Konferenzverbindung zu Darth Saturn und Kaori her.
"Meine Gäste wollen eine Demonstration unserer militärischen Stärke haben, bevor sie sich zu weiteren Entscheidungen herablassen wollen." bemerkte sie säuerlich.
Darth Saturn lächelte humorlos.
"Wir können nicht erwarten, daß die uns kritiklos aus der Hand fressen, nicht wahr?"
"Ich könnte sie mit der Macht manipulieren." schlug Ravana vor.
"Nein, nein." widersprach Saturn. "Wir werden ein wenig entgegenkommend sein und ihnen geben, was sie wollen."
"Haben die Burschen bestimmte Vorstellungen, wie diese Demonstration aussehen soll?" fragte Kaori erwartungsvoll.
"Sie wollen einen Beweis dafür, daß wir es tatsächlich mit Amerika aufnehmen können."
"Dann ist wohl klar, was wir tun sollten, nicht wahr?"
"Absolut." stimmte Kaori Saturn zu. "Ich werde Anweisung geben, die Position von Hades zu verändern. Wir brauchen dann noch etwa eine Stunde für den Abschluß der Waffenleitsystemkalibrierung. Danach können wir beginnen."
Darth Saturn nickte zustimmend.
"Tenchi Communication Systems hat einige Beobachtungssatelliten in einer guten Position." informierte sie Ravana und Kaori. "Nutzt die Zeit, um eine Verbindung zu etablieren. Und dann seht zu, daß ihr den Afrikanern eine gute Show bietet. Wenn dieses Bündnis zustande käme, würde das unseren Zeitplan enorm beschleunigen, und durch die Vermeidung eines weiteren Krieges in Afrika würden unzählige Leben gerettet werden."
"Kann Zirkonite denn mit so viel zusätzlicher Kundschaft fertigwerden, oder warum soll der Plan beschleunigt werden?"
"Ich benötige Truppen aus den afrikanischen Klonfabriken für den Angriff auf die Vereinigten Staaten." erklärte Saturn. "Und wenn wir in Afrika keinen Krieg führen müssen, kommt es nicht zu Verlusten, die aus den Fabriken ersetzt werden müßten. Und was Zirkonite betrifft, die hat keine Probleme damit, den erhöhten Anforderungen gerecht zu werden."
Die beiden Frauen nickten verstehend.
Nach einem letzten grüßenden Nicken erlosch Saturns Bild.
"Welche Vorgehensweise würde dir am Besten helfen, Ravana?" erkundigte Kaori sich.
"Such einige besonders markante militärische Ziele am Boden und beende deren Existenz. Synchronisiere diese Angriffe mit den Aufnahmen der TCS- Satelliten und sende die Daten an unser Übertragungsrelais hier in Freetown."
Kaori nickte.
"Kein Problem. Warte mal kurz, ich muß mal was überprüfen."
Die Dunkelhaarige verschwand für einen Moment aus dem Kommunikationsfenster. Als sie wieder auftauchte grinste sie fröhlich.
"Ich habe gerade eine aktualisierte Sensorkarte der USA angesehen. Laut einer taktischen Hochrechnung können wir sämtliche Kasernen, Luftwaffenstützpunkte, Werften, Waffenfabriken und Depots innerhalb von sechzig Stunden vernichten."
Auf Ravanas Gesicht breitete sich nun ebenfalls ein Grinsen aus.
"Dann werde ich wohl für eine Menge Snacks sorgen müssen, damit mein Publikum während der Vorstellung nicht verhungert." meinte sie. "Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, daß sie auch nur eine einzige Sekunde davon werden verpassen wollen. Vielleicht solltest du den ganzen Angriff als Film aufnehmen." schlug sie vor. "In einigen Ländern dürfte das DER Verkaufshit werden."
"Gute Idee." stimmte Kaori zu. "Das dürfte besser werden als Emmerichs Independence Day. Vor allem wird es diesmal nicht dieses kitschige und unrealistische Happy End für die Amerikaner geben. Teil mir mit, wenn du soweit bist. Dann beginne ich mit der Übermittlung von Bildmaterial."
"Geht klar, Kaori-san. Und grüß Taichi, wenn du ihn das nächste Mal siehst."
Kaori senkte verlegen den Blick und lächelte.
"Wir haben uns vorgestern erst gesehen. Er hat mich nach Abschluß seiner Arabienmission hier besucht, mußte aber leider wieder aufbrechen, weil er die Verhandlungen mit der afghanischen Regierung leitet." erklärte sie ein wenig bedauernd. "Aber wenigstens haben Taichi und ich gelegentlich Zeit, um uns kurz gegenseitig zu besuchen. Nicht so wie du und Maurice."
Ravana lächelte, doch war ihr Blick ein wenig sehnsüchtig.
"Das werden wir alles nachholen, wenn wir unsere Mission erfüllt haben. Wenn Darth Saturn unser Vorgehen weiter so forciert, werden wir in weniger als einem halben Jahr das große Ziel erreicht haben."
Nach diesem kurzen Austausch über ihr strapaziertes Privatleben verabschiedeten die beiden Freundinnen sich voneinander. Dann instruierte Ravana ihre Techniker, ging zurück in den Nebenraum und informierte ihre Gäste über das bevorstehende Spektakel.
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Jacen öffnete eine Kiste, die er mit der Macht von einem der Regale der Lagerhalle geholt hatte, die ihm, Ami und Shampoo als Versteck diente, und holte drei kleine Päckchen aus silberner Folie hervor, die mit für die beiden Mädchen unlesbaren Schriftzeichen bedeckt waren.
"Nahrungskonzentratriegel." erklärte er auf Shampoos fragenden Blick hin. "Schmecken nicht sonderlich gut, enthalten aber alle Nährstoffe, die der Körper braucht."
Die Amazone holte den Riegel aus seiner Verpackung und biß vorsichtig davon ab. Augenblicklich verzog sie ihr Gesicht zu einer angewiderten Grimasse.
"Bah. Wie können Leute sowas essen?"
"Das ist einfach." entgegnete der junge Jedi mit trockenem Humor. "Erstens kennen die Leute hier vermutlich nichts, was wesentlich besser schmeckt und zweitens gehört zu ihrer Ausbildung auch ein Abhärtungstraining."
Ami würgte mißmutig den ersten Bissen ihres Riegels herunter.
"Gib´s zu, Jacen. Du hast uns dieses Zeug nur vorgesetzt, damit wir noch mehr motiviert sind, diese Station schnellstmöglich zu zerstören."
"Wenn du meinst, Ami." Er lächelte amüsiert. "Aber es gibt wirklich leichtere Mittel, um euch zu motivieren."
"So?"
Er nickte. "Früher oder später wird diese Station Ziele auf der Erdoberfläche unter Beschuß nehmen, und wie ich die Imps einschätze, wird das eher früher als später passieren. Außerdem werden wir uns nicht ewig hier drin verstecken können."
"Wie sollen wir es überhaupt anstellen, dieses Ding zu zerstören?" fragte Ami zweifelnd.
"Und wie wir kommen sicher hier weg, wenn wir zerstören Station?" setzte Shampoo hinzu.
Diese Frage war überaus berechtigt, denn auch wenn die Amazone die Meinung teilte, daß diese Kampfstation vernichtet werden mußte, hatte sie nicht viel dafür übrig, dabei das Leben zu verlieren.
"Gute Frage, Shampoo." meinte dann auch Ami zustimmend. "Wie kommen wir überhaupt hier weg?"
"Stationen wie diese hier verfügen normalerweise über Rettungskapseln." erklärte Jacen. "Außerdem kann es sein, daß ein Hangar existiert, in dem wir eine Raumfähre oder ein paar Raumjäger vorfinden werden."
"Hmm...wäre es möglich, die Station mit so einem Raumjäger zu zerstören?"
"Völlig ausgeschlossen. Orbitalwaffenplattformen sind in der Regel dazu da, einen Planeten gegen angreifende Raumschiffe zu verteidigen, Ami." erwiderte Jacen kopfschüttelnd. "Wir würden wenigstens zwei oder drei Großkampfschiffe benötigen, um so eine Station von Außen zu knacken."
"Und wenn wir die Station in einem unkontrollierten Eintrittswinkel in die Atmosphäre lenken?"
"Die Chance, daß du damit Erfolg hast, ist minimal. Wir müßten die Kontrolle über den Hauptcomputer bekommen und für einen Zeitraum von einigen Minuten behalten. Das können wir zu dritt unmöglich schaffen. Da könntest du auch gleich versuchen, die gesamte Station zu erobern. Sind ja nur ein paar Tausend Gegner an Bord. Ganz zu schweigen von den automatischen Sicherheitssystemen."
"Na schön." meinte Ami nun leicht frustriert. "Anstatt mir zu erzählen, was NICHT funktioniert...wie würdest du vorgehen, Jacen?"
"Hmm...also beim zweiten Todesstern haben die Rebellen den Hauptreaktor zum Kollabieren gebracht." überlegte er. "Diese Station hat zwar einen wesentlich kleineren Reaktor, aber dessen Funktionsweise unterscheidet sich nicht von dem Reaktor des Todessterns."
"Was also müssen wir tun?"
Jacen rief sich mit einer Jedi-Erinnerungstechnik die Details einer solchen Anlage wieder ins Gedächtnis.
"Zuerst müssen wir die Sicherheitsvorkehrungen abschalten, die den Reaktor deaktivieren, wenn der Energieregulator ausfällt. Dann müssen wir den Energieregulator zerstören und zuletzt den Energiefluß umkehren und einen massiven Energiestoß in den Reaktor leiten." erklärte er. "Alternativ könnten wir als letzten Schritt auch die Reaktorkammer sprengen, aber ich glaube nicht, daß wir die dazu nötige Feuerkraft haben."
"Und dann fliehen wir in einer Rettungskapsel." vollendete Ami den Plan. "Aber wieviel Zeit haben wir für die Flucht?"
Jacen stellte ein paar Berechnungen an.
"Maximal fünf Minuten, bevor die Station auseinanderbrechen wird, würde ich sagen. Aber eher weniger."
"Und wo wir finden diese Sicherheitsteile und diesen anderen Kram?" erkundigte sich Shampoo.
"Tja, dazu müßten wir einen Computer anzapfen und einen Grundrißplan der Station aufrufen. Dann können wir auch unsere Routen festlegen. Am Besten wäre es, wenn wir Wartungsschächte oder Ventilationsrohre benutzen könnten, denn da wird man uns nicht so schnell entdecken."
"Werden sie da nicht besonders viele automatische Sicherheitssysteme haben?" wandte Ami ein.
"Wir sind auf einer Station voller loyaler Imps. Die sind zwar paranoid, aber sie haben im Moment doch gar keinen Grund, dutzende von Kilometern von Rohrleitung zu überwachen. Das wäre viel zu ressourcenintensiv."
"Aber sobald sie uns entdecken, wir sicher werden Ärger bekommen. Vielleicht wir können stehlen Uniformen und uns verkleiden." schlug Shampoo vor.
Jacen und Ami stimmten begeistert zu. Auf diese Weise mochte es ihnen sogar gelingen, einen Teil ihrer Mission direkt unter den Augen der Imps durchzuführen.
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Kaori stand vor einem großen Aussichtsfenster aus Transparistahl auf der Kommandobrücke der Kampfstation und versuchte, in ihrem Geist eine Leere zu erzeugen, die die Leere des Alls da draußen zum Vorbild hatte, um ihre Ungeduld zu bezähmen. Sie hatte nur mäßigen Erfolg.
"Wie kommen ihre Leute voran, Commander?" fragte sie in den Raum hinein, ohne sich umzudrehen.
Commander Terrik löste sich aus der Gruppe von Untergebenen, die ihm gerade Bericht erstattet hatten und trat respektvoll hinter seine Vorgesetzte.
"Wir werden in zwanzig Minuten in einer Position sein, die uns den Beschuß von Zielen an der amerikanischen Westküste ermöglicht, Mylady. Die Koordination unseres Angriffs mit der Satellitenübertragung nach Freetown ist in zehn Minuten abgeschlossen. Lady Ravanas Gäste werden den kompletten Angriff live miterleben können."
"Schön. Was macht die Leitsystemkalibrierung?"
Wie als Reaktion auf ihre Frage zuckte ein leuchtendgrüner Lichtfaden durch die Schwärze des Alls und verschwand irgendwo in den oberen Atmosphäreschichten der weißblauen Kugel, die sich langsam im unteren Drittel des Aussichtsfensters drehte. Um die Zielsysteme der Turbolaserkanonen zu optimieren, hatten die Kanoniere, sobald die Station einen stabilen Orbit erreicht hatte, damit begonnen, auf Weltraumschrott zu feuern. Zu Beginn waren die Ergebnisse grauenhaft schlecht gewesen. So schlecht, daß Kaori kurz davor gestanden hatte, zur Motivation ein Exempel an irgendeinem der Kanoniere zu statuieren.
"Wir konnten den Abweichungskegel inzwischen von zehn Metern auf fünf Meter pro Kilometer reduzieren." antwortete Terrik.
Kaoris Antwort bestand aus einem unzufriedenen Schnauben.
"Wenn die imperialen Techniker gleich die Software einer Golan-III- Kampfstation mitgebracht hätten, anstatt die Software eines leichten Kreuzers anzuschleppen, müßten wir uns jetzt nicht damit herumärgern." brummte sie.
Damit hatte sie natürlich Recht. Die Feuerleitsoftware eines Raumschiffs unterschied sich in einigen Punkten von der Software einer Raumstation. Um diese Unterschiede zu kompensieren, waren Korrekturparameter erforderlich. Und diese mußten nun in einem zeitraubenden Verfahren ermittelt werden.
"Wir machen große Fortschritte, Mylady." versuchte der Commander sie zu beruhigen.
"Sie mögen mit einer Abweichung von fünf Metern zufrieden sein." gab Kaori jedoch kühl zurück. "Aber ich bin es nicht. Wir befinden uns hier in einer Höhe von fünfunddreißig Kilometern und das bedeutet, daß wir am Boden eine Abweichung von bis zu hundertfünfundsiebzig Metern vom anvisierten Punkt haben werden. Wenn sie mich zufriedenstellen wollen, drücken sie die Abweichung auf ein Maximum von einem Meter pro Kilometer, Commander."
"Jawohl, Mylady."
"Aber sagen sie, wenn ich das Verfahren richtig verstehe, werden die Korrekturparameter durch statistische Auswertung der abgefeuerten Schüsse ermittelt, und das würde doch bedeuten, daß die Ergebnisse besser werden, je mehr Schüsse analysiert werden können, nicht wahr?"
"Das ist zwar etwas vereinfachend ausgedrückt, aber im Wesentlichen korrekt." bestätigte Terrik. "Unglücklicherweise gibt es hier oben nicht so viel Schrott, der für unsere Zielübungen geeignet ist."
"Dann werden wir dafür sorgen, daß ihre Leute mehr Ziele erhalten und zu exakteren Statistiken kommen." Die Andeutung eines Lächelns zeigte sich in ihrem Gesicht. "Sobald wir in Position für den Angriff sind, lassen sie das Feuer eröffnen. Ihre Kanoniere können die Ergebnisse auswerten und dann dabei die Genauigkeit der Korrekturparameter verbessern."
"Wie ihr wünscht, Mylady."
"Und rufen sie zwei unserer Jägerstaffeln von der Schiffs- und U-Bootjagd über dem Atlantik zurück. Lassen sie sie mit Protonenbomben bestücken und setzen sie sie auf die Atomraketensilos der Amerikaner an."
Gehorsam bestätigte Terrik auch diesen Befehl, bevor er sich, da er offensichtlich entlassen war, umwandte, um seine Befehle auszuführen.
Kaori schaute noch für einige Minuten nach draußen, bevor sie die Kommandobrücke verließ, um General Craiden in seiner Kommandozentrale über die Schulter zu schauen. Von Zeit zu Zeit mußte sie sich einfach darüber informieren, welche Fortschritte die Bodentruppen des Generals machten. Schließlich war sie ja von ihrem Meister zu dessen Babysitter gemacht worden.
Als sie die Koordinationsstelle der ersten und zweiten Sturmgardedivision betrat, fand sie den General vor einer der taktischen Holokarten vor, die den Nordosten des asiatischen Festlands und die nur durch einen schmalen Seeweg getrennte Nordwestspitze Alaskas zeigte.
"Die Amerikaner haben mit einem Angriff unsererseits gerechnet, seit wir die Straßen, die diesen Bundesstaat mit dem Rest Amerikas verbinden, durch Luftangriffe an vielen Stellen zerstört haben." erklärte der General, als er Kaoris Ankunft bemerkte. "Sie haben etwa zwei Korps, in erster Linie motorisierte Infanterie und Panzer, mit einer Gesamtstärke von schätzungsweise annähernd achtzigtausend Mann dort stationiert. Hinzu kommt eine ungewöhnlich hohe Zahl von Flugabwehrbatterien und Artilleriestellungen."
"Sie haben aus unserem Kampf mit den Australiern gelernt." mutmaßte Kaori gelassen. "Und zu unserem Pech gibt es in Alaska nichts, was wir anzünden könnten, um ihre Armeen in eine Situation zu drängen, die sie zur Aufgabe zwingt."
"Die ursprünglich geplante Verlegung unserer Truppen auf dem Luftweg wäre nun Selbstmord." schätzte der General verstimmt. "Der Großteil unserer Transporter würde noch über dem Meer abgeschossen werden, und die Truppen, die es bis zur Küste schaffen, würden von Artilleriefeuer vernichtet werden."
"Was also werden sie tun? Den Angriff abblasen?"
Der General lächelte dünn.
"Kaum." bemerkte er trocken. "Das entspricht nicht meinem Stil."
"Freut mich zu hören." erwiderte sie kühl.
°Das sichert dir vorerst dein Überleben, alter Mann.°
"In den letzten Tagen vor unserem Start habe ich tausende von Orbitalabwurfkapseln und Typ-II-Angriffsdroiden an Bord bringen lassen. Und sobald Hades in Position über dem Staat Washington ist, beginnen wir mit dem Abwurf. Die Droiden werden kleinere Gruppen bilden, die sich über den Staat Alaska verteilen werden. Meine Sturmgardedivisionen in Rußland werden den Angriff mit einem vollen Geschwader TIE-Defender unterstützen."
"Und was ist mit den Verlusten, die sie durch die amerikanische Luftabwehr erwarten?"
Craiden zuckte nur mit den Schultern.
"Sollen sie doch die Droiden abschiessen." meinte er gelassen. "Wir haben ihre Nachschubwege abgeschnitten, also wird ihnen die Munition ausgehen, lange bevor uns die Droiden ausgehen. Dann können unsere schweren Transporter ungehindert landen. Wenn sie den Köder schlucken, und sich auf die Droiden stürzen, können unsere Jäger relativ ungehindert Angriffe auf ihre Luftabwehrraketen- und Artilleriestellungen fliegen."
"Und wenn sie ihn nicht schlucken, verlieren wir zwar bis zu zweiundsiebzig Jäger, aber ihre Stellungen werden von den Droiden angegriffen werden, während sie mit unserer Luftwaffe beschäftigt sind."
"Ich sehe, sie haben verstanden."
"Keine Respektlosigkeiten, bitte, Herr General." knurrte Kaori verärgert.
Der General hob entschuldigend die Hände.
"Es war mitnichten meine Absicht, respektlos zu erscheinen, Kaori-san. Sollte ich den Eindruck erweckt haben, entschuldige ich mich dafür."
Die junge Frau gab mit einem knappen Nicken zu verstehen, daß sie seine Entschuldigung akzeptierte.
Kurz darauf trat ein junger Fähnrich an die Zwei heran.
"Commander Terrik lässt mitteilen, daß Hades in Angriffsposition ist." meldete der junge Mann. "Er meinte, sie würden vielleicht gern selbst den Feuerbefehl geben wollen."
"Commander Terrik ist ein sehr aufmerksamer und scharfsinniger Mann." bemerkte Kaori mit einem wohlwollenden Lächeln. "Kommen sie mit, General. Seien sie dabei, wenn wir der amerikanischen Rüstungsmaschinerie das Genick brechen."
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Haruka und Michiru waren mehr als nur ein wenig angespannt, als sie in dem Flugzeug saßen, daß sie nach einem Zwischenstop in Neu-Delhi nach Damaskus bringen würde. Würde es ihnen gelingen, das Mädchen namens Midori Maeda zu finden? Und würde dieses Mädchen Informationen über den Verbleib ihrer geliebten und so lange vermissten Tochter haben? Sie hofften es, vor allem, weil es keine weiteren Anhaltspunkte für die Suche mehr zu geben schien. Die Reise in ein Kriegsgebiet würde sicher nicht ungefährlich sein, doch beide Frauen waren verzweifelt genug, um jedes Wagnis einzugehen, wenn auch nur der Hauch einer Chance dafür bestand, eine Spur ihrer Tochter zu finden.
"Schau mal. Die neuesten Nachrichten." bemerkte Michiru, nachdem sie den kleinen Fernseher in der Rückenlehne des Vordersitzes eingeschaltet hatte.
Haruka schaltete ihren Mini-Fernseher ebenfalls ein und steckte die Stöpsel ihrer Kopfhörer in ihre Ohren.
Bei diesen neuesten Nachrichten handelte es sich um eine Reportage, die unter anderem den Verbleib der gewaltigen Zahl von Kriegsgefangenen erklären sollte. Kriegsgegner der Föderation hatten zuvor bereits massive Verdächtigungen über Greueltaten seitens der Föderation geäußert und nun war die Föderation bereit, den Gegenbeweis anzutreten. Eine Gruppe von Vertretern großer Nachrichtenagenturen, Zeitungen und Fernsehsender und Mitarbeiter des Roten Kreuzes waren mit der Presserepräsentantin der Föderation und der Kommandantin der vierten Sturmgardedivision in Damaskus zusammengekommen.
Nach einer kurzen Begrüßung und gegenseitigen Vorstellung schwenkte die Kamera auf ein schwarzes Oval von zehn Metern Breite und etwa acht Metern Höhe, dessen Randbereiche von violetten Blitzen umspielt wurden.
"Das ist doch..."
Die beiden Senshi waren mehr als nur schockiert. Sie waren mühelos in der Lage, ein Portal des Dunklen Königreichs zu erkennen, wenn sie eins sahen, und dieses Oval war ein wahres Musterbeispiel für ein solches Portal.
"Dieses mysteriöse Gebilde hier ist eine Art von Portal." erklärte Midori Maeda dann auch der staunenden Gruppe. "Es funktioniert zwar etwas komplizierter, aber stellen sie sich das Ding einfach wie eine Tür vor. Nur daß sie nicht sehen können, was auf der anderen Seite ist."
Cassandra Stone lächelte beruhigend und machte eine einladende Geste in Richtung des Portals.
"Gehen sie einfach hinein, meine Damen und Herren. Die Erfahrung ist zwar beim ersten Mal etwas desorientierend, aber ich versichere ihnen, es ist völlig ungefährlich."
Nachdem die Leute offensichtlich zögerten, zuckte Midori einfach nur mit den Schultern und ging vor. Überzeugt davon, daß das Mädchen sich gewiß nicht selbst in Gefahr begeben würde, wagten nun einige Mutige ebenfalls den Schritt in die unheimliche Schwärze. Es dauerte nicht lange, und alle Personen der dreißigköpfigen Gruppe hatten das Tor passiert, zuletzt gefolgt von Cassandra Stone.
Ein aufgeregtes Gemurmel erklang unter den Reportern, als sie feststellten, daß ihre Liveverbindung zu ihren jeweiligen Studios abgebrochen war. Die Leute beruhigten sich jedoch, als Midori ihnen erklärte, daß es sich um ein normales Phänomen handeln würde. Man müsse sich damit zufriedengeben, Aufnahmen auf Band zu speichern und diese später wiederzugeben.
Kameras richteten sich daraufhin auf Berichterstatter, die größtenteils schon Erfahrungen in den meisten Krisengebieten der Erde gesammellt hatten, und die nun mit völlig unzureichenden Worten zu beschreiben versuchten, was es für ein Gefühl gewesen war, dieses mysteriöse Portal zu benutzen.
Nach einigen Minunten tauchte eine weitere uniformierte Person auf.
"Hi, Midori. Entschuldige bitte die Verspätung, aber ich hatte noch ein paar unerwartete Dinge zu erledigen."
"Schon gut." Midori lächelte und wandte sich dann an die Gruppe. "Ich möchte ihnen Lady Zirkonite vorstellen. Sie hat dieses kleine Paralleluniversum, in dem wir uns hier befinden, geschaffen, und ist für sämtliche Anlagen an diesem Ort verantwortlich."
Gespenstische Stille herrschte, als die Gruppe diese Neuigkeit zu verdauen begann.
Paralleldimension? Einfach unglaublich.
"Ich kann mir vorstellen, was sie jetzt denken werden." begann Zirkonite. "Der Gedanke an parallele Universen ist Unsinn. Aber dasselbe hat der Mensch vor einiger Zeit auch über die Idee des Fliegens gedacht. Dieses Universum hier besteht nur aus einer einzigen Sonne und einem einzigen Planeten, eine Zusammenstellung, die aufgrund ihrer Einfachheit leicht zu erschaffen ist, wenn man sich mit der Materie auskennt. Schwer wird es erst, wenn man versucht, ein Universum mit mehr als einem Sonnensystem zu erschaffen. Eine Galaxis zu konstruieren, ist dann sehr kompliziert, während alles, was darüber hinausgeht, so gut wie unmöglich ist. Aber wir sind ja eigentlich hier, um andere Dinge zu besprechen als interdimensionale Physik, also sollten wir uns vorerst darauf beschränken." erklärte sie freundlich.
"Vielleicht beginnen wir mit einem Überblick über diese Einrichtung." schlug Repräsentantin Stone vor.
Zirkonite nickte.
"Ich habe dafür gesorgt, daß das Portal sie auf dem Dach des Zentralkomplexes abliefert, damit sie einen guten Überblick bekommen." Die ehemalige Youma-Generalin zeigte einladend zur Dachbegrenzung, und sofort postierten sich Kameraleute und Berichterstatter, um einen möglichst guten Blick zu erhaschen.
Die Aussicht von dem etwas über einen Kilometer über dem Boden gelegenen Dach war in der Tat atemberaubend. In der Ferne erstreckten sich gewaltige kegelförmige Bauten, deren Basis einen Durchmesser von mindestens vier bis fünf Kilometern haben mußte, und die wenigstens drei Kilometer hoch waren. Gewaltige Gewächshauskuppeln wechselten sich ab mit kompliziert anmutenden Fabrikanlagen.
Der bei weitem überwiegende Teil der Gebäude war jedoch flach, höchstens drei Stockwerke hoch und wies einen quadratischen Grundriß mit einer Kantenlänge von zwei Kilometern auf. Jedes dieser Gebäude hatte Türen auf einer Seite, und vor jedem dieser Gebäude befand sich ein Torbogen aus dunklem Kristall. Umzäunungen machten klar, daß, wer immer diese Torbogen verwendete, nur die Wahl hatte, von da aus das jeweils zugeordnete Gebäude zu betreten. In vielen Torbögen, die vom Dach des Zentralkomplexes aus zu erkennen waren, konnten Kameraleute die schwarzen Ovale von Portalen erkennen. Portale, durch die ein beständiger Strom von Menschen in die Gebäude floß.
"Nachdem sie alle einen Blick riskiert haben, werde ich ihnen die Funktion der Gebäude dort unten erklären." bot Zirkonite an. Sofort hatte sie die gewünschte Aufmerksamkeit ihrer Gäste.
"Über die Gewächshauskuppeln brauche ich sicher kein Wort verlieren. Sie produzieren offensichtlich Nahrungsmittel. Die großen Kegelbauten sind Atmosphäreprozessoren. Sie stellen die Luft her, die wir hier zum Atmen benötigen, und sind notwendig, da bei der Herstellung des Planeten auf die Etablierung einheimischer Lebensformen verzichtet wurde. Es gibt hier also keine Pflanzen, die Sauerstoff erzeugen, aber meine Fabriken erledigen diese Aufgabe ohnehin effizienter." Der Stolz über ihre Leistungen war ihr deutlich anzumerken. "Die Fabriken stellen alle Dinge her, die hier benötigt werden. Unter anderem auch ein hochwirksames Medikament, das wir Neo-Bacta nennen."
Einer der Reporter meldete sich und wurde von Zirkonite mit einem Fingerzeig zum Sprechen aufgefordert.
"Michael Dietz, Reuters." stellte er sich vor. "Worum handelt es sich bei diesem Neo-Bacta?"
"Das ist einfacher zu zeigen, als zu erklären." antwortete Zirkonite. "Im Verlauf der Führung werden derartige Fragen beantwortet werden."
"Was geschieht mit den Menschen dort unten?" fragte ein anderer Reporter.
"Folgen sie mir, und sie werden es sehen." entgegnete die Frau lächelnd und machte sich auf den Weg zu einem Aufzug.
Die Halle, in die Zirkonite ihre Gäste schließlich geführt hatte, eines jener rechteckigen, dreistöckigen Gebäude, wirkte von Innen geradezu furchteinflößend. Über drei Etagen verteilt standen die Stasisröhren dicht an dicht. Nebeneinander und aufeinander, nur gelegentlich von zwei Meter breiten Gängen unterbrochen. Und in jedem der Behälter, deren Frontseiten mit einem fünfzehnstelligen Kode bedruckt waren, lag ein Mensch.
"In dieser Kammer, und in einigen anderen gleicher Bauart, befinden sich unsere Kriegsgefangenen." erklärte Zirkonite lächelnd.
"Sind sie..." stammelte ein bleicher Journalist.
"Aber nein. Sie sind nicht tot." versicherte die ehemalige Youma-Generalin. "Diese Menschen befinden sich in Stasiszylindern. Sie werden künstlich ernährt und ihre Lebenszeichen werden von einem Computersystem überwacht, so daß gewährleistet ist, daß alle physischen Bedürfnisse befriedigt werden."
"Warum haben sie diese Menschen in diese Dinger eingesperrt?" erkundigte sich ein Arzt des Rot Kreuz-Teams. Eine Mischung aus Wut und Empörung war aus seiner Stimme herauszuhören.
"Wir haben nicht den Wunsch, diese tapferen Soldaten der Erfahrung einer möglicherweise Jahre dauernden Gefangenschaft auszusetzen." entgegnete Zirkonite. "Während sie in diesen Kammern liegen, altern sie nicht, und erfahren subjektiv keine vergehende Zeit. Es mag auf sie ein wenig abstossend wirken, aber glauben sie mir ruhig, wenn ich ihnen sage, daß diese Art der Behandlung langfristig gesehen menschlicher ist, als hunderttausende von diesen Menschen in irgendwelchen engen Lagern zusammenzupferchen. Werfen sie einen Blick auf die Käfige, in denen die Amerikaner ihre Gefangenen in Guantanamo Bay festhalten, und sagen sie mir dann, welche Methode unmenschlicher ist."
"Besteht die Möglichkeit, mit einem der Gefangenen zu sprechen?"
"Im Moment nicht, Doktor. Aber sobald wir beginnen, die ersten Gefangenen aufzuwecken und nach Hause zu schicken, was wohl in ein paar Monaten der Fall sein wird, werden wir sie gern informieren, so daß sie dabei sein können."
Diese Antwort schien den Arzt vorerst zufriedenzustellen.
Nach einer Weile kamen sie an einigen Stasiszylindern vorbei, in denen Gefangene in einer trüben Brühe trieben. Ein schockiertes Aufkeuchen ging durch die Menge. Was wurde diesen Menschen bloß angetan?
"Dies hier beantwortet eine Frage, die vorhin auf dem Dach gestellt wurde." stellte Zirkonite gelassen fest. "Das hier sind Patienten, die mit Neo- Bacta behandelt werden."
"Aber...sie schwimmen doch nur in dieser Brühe." meinte eine Ärztin skeptisch.
"So erstaunlich es klingen mag, aber mehr ist auch nicht notwendig, um Neo- Bacta anzuwenden." Sie gab den Kode auf einem der Zylinder in ihren elektronischen Notizblock ein und studierte kurz den erscheinenden Text. "Dieser Mann hier wurde kurz vor der türkischen Grenze im Irak gefangengenommen. Er wurde von unseren Truppen aus einem in Brand geschossenen Panzer geborgen, zur Stabilisierung in ein Feldlazarett bei Mossul gebracht, und später mit den anderen Gefangenen hierher überführt." berichtete sie. "Er hatte großflächige Verbrennungen dritten Grades auf dem gesamten Körper. Ihre medizinischen Kenntnisse hätten ihn nicht retten können, aber mit Neo-Bacta ist es möglich, eine Menge theoretisch tödlich endender Verletzungen zu behandeln. Natürlich immer unter der Voraussetzung, daß der Patient zum Zeitpunkt der Behandlung noch am Leben ist."
"Und was genau ist dieses Neo-Bacta?"
"Das kann ich ihnen selbst nicht genau erklären." gestand Zirkonite. "Bacta wird in einem sehr komplexen Verfahren aus einer Vielzahl von pflanzlichen und tierischen Ingredenzien hergestellt. Da jedoch ein Teil der Zutaten sehr schwer zu beschaffen ist, hat ein Wissenschaftlerteam das Verfahren modifiziert und eine in größeren Mengen verfügbare, dafür aber nicht ganz so wirksame Variante synthetisiert, die sie schlicht Neo-Bacta genannt haben. Mehr kann ich ihnen leider nicht darüber verraten."
"Welcher Zusammenhang besteht zwischen diesen Gefangenenlagern hier und den vielen Gebäuden, in die wir vorhin Menschen haben gehen sehen?" fragte einer der Reporter unvermittelt.
"Der Zentralkomplex dieser Einrichtung hat unter anderem die Aufgabe, unser Territorium und die mit uns verbündeten oder von uns kontrollierten Gebiete bei Verwaltungsaufgaben zu unterstützen." begann Zirkonite ihre Erklärung. "Dazu gehört natürlich auch eine genaue Erfassung der in diesen Gebieten lebenden Bevölkerung."
"Und dazu bringen sie die Menschen hierher? Warum benutzen sie nicht einfach schon vorhandene Verwaltungsdaten?"
"In sehr vielen Ländern sind diese Daten lückenhaft, um es mal vorsichtig auszudrücken. Aber sie haben natürlich Recht, wenn sie sagen, daß es noch einen anderen Grund geben muß." Sie machte eine kurze Pause, in der sie ihre Besucher kurz musterte. "Viele Menschen leiden an sogenannten Zivilisationskrankheiten, Folgen von Mangelernährung, Schäden durch Drogenkonsum, Umweltgifte oder irgendwelche anderen Probleme. Glücklicherweise ist fast jedes dieser Probleme lösbar, wenn man Zugang zu einer Neo-Bacta-Behandlungseinheit hat. Die Infrastruktur für eine flächendeckende Behandlung aufzubauen, wäre zu aufwendig und unwirtschaftlich gewesen. Daher bringen wir die Menschen für eine Kotrolluntersuchung und gegebenenfalls für einen Kurzurlaub in einem Behandlungstank hierher."
"Aber verursacht das nicht enorme Kosten?"
"Wieso das?" fragte Zirkonite den Reporter verwundert zurück. "Gesunde Menschen sind zufriedene Menschen, und belasten außerdem nicht das Gesundheitswesen in der Region, in der sie leben. Wenn sie diese Einsparungen berücksichtigen, werden sie feststellen, daß wir langfristig Gewinn machen. Es ist schließlich nicht sehr aufwendig, einen Menschen für einen Tag, oder meinetwegen auch für ein paar Tage, in so einen Tank zu stecken, und das benutzte Neo-Bacta kann später aufbereitet und zu einem gewissen Teil wiederverwendet werden."
"Aber wird die Einführung dieser Behandlung nicht die pharmazeutische Industrie und das Arzt- und Krankenhauswesen in den Ruin stürzen?"
"Wir haben nicht vor, Neo-Bacta auf dem Markt zu verbreiten." beruhigte sie den Journalisten. "Eben um derartige Effekte zu vermeiden. Sehen sie diese Behandlung als einmaliges Geschenk an, mit dem wir den Menschen eine Freude machen wollen."
°Daß wir jedem Menschen während seines Aufenthalts in der Stasiskammer auch einen Splitter von unserem speziellen Kristall implantieren, tut ja nichts weiter zur Sache.° Setzte die ehemalige Youma-Generalin in Gedanken hinzu. Projekt Onyx war zwar noch nicht bis ins Anwenderstadium vorgedrungen, aber früher oder später würde sie die nötigen Daten beisammen haben. Und in der Zwischenzeit musste sie sich halt darauf beschränken, die Saat auszubringen.
Sobald Projekt Onyx abgeschlossen war, und sobald Darth Saturn mit Hilfe der Klonarmee und der anderen Schüler diesen Planeten vollständig erobert hatte, würde sie zusammen mit dem Meister die dunkle Ernte einbringen können. Nach mehr als einem halben Jahrhundert der Vorbereitung würde das Projekt Dark Harvest zum Abschluß gebracht werden, und die Menschheit würde ihnen gehören.
Und ironischerweise waren die Sailor Senshi, die so sehr von ihrer Vision von Kristall-Tokyo getrieben waren, auf dem besten Weg, bei der endgültigen Verwirklichung des Plans zu helfen.
°Was gäbe ich darum, wenn Beryll und die anderen hier sein und das mit ansehen könnten.° dachte Zirkonite ein wenig melancholisch. °Aber andererseits...wenn sie hier wären, würden sie todsicher einen Weg finden, um alles zu verpfuschen.°
Nachdem sie ihre Besucher auch noch durch einige andere Gebäude geführt hatte, brachte Zirkonite sie wieder zum Portal auf dem Dach des Zentralkomplexes zurück, und verabschiedete sich. Sobald die Reporter ihr Material veröffentlicht hatten, würde das die Menschen, die noch nicht hier gewesen waren, aber Gerüchte über Verschleppungen gehört hatten, mit Sicherheit beruhigen.
Die Lämmer würden sich brav und ohne Komplikationen zur Schlachtbank führen lassen.
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°....° = jemand denkt
"...." = jemand sagt
{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)
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Darth Saturn – The Dark Harvest
Teil 20
Lady Ravana stützte ihre Hände auf das Rednerpult und blickte mit einem zufriedenen Lächeln auf die in dem großen Saal versammelte Menge. Alle afrikanischen Staaten waren der Einladung, Repräsentanten zu Gesprächen nach Freetown zu entsenden, gefolgt.
"Geschätzte Repräsentanten der Nationen Afrikas, ich begrüße sie im Namen der Föderation von Mikronesien, den Assoziierten Territorien und auch im Namen unserer gemeinsamen Zukunft zu dieser Zusammenkunft." begrüßte sie ihre Gäste. "Sie alle haben bereits umfangreiches Dokumentationsmaterial über unsere Möglichkeiten und auch über unsere Zukunftspläne erhalten. Bevor wir uns mit Erörterungen der darin angesprochenen Themen befassen, schlage ich jedoch vor, daß wir eventuell offene Fragen besprechen."
Mehrere Hände hoben sich, und Ravana erteilte zunächst dem sudanesischen Botschafter das Wort.
"In ihren Unterlagen tauchen einige Male die Begriffe 'Assoziierte Territorien' und 'kontrollierte Territorien' auf. Was hat es mit diesen Begriffen auf sich?"
"Die Assoziierten Territorien sind unsere Bündnispartner. Im Moment sind das der Irak, Syrien, Jordanien, Libanon und Sierra Leone." antwortete der Rotschopf. "Diese Staaten haben ihre eigene, souveräne Regierung und sind im Wesentlichen selbstbestimmt. Kontrollierte Territorien sind alle eroberten Staaten, die von von uns eingesetzten Militärgouverneuren regiert werden, bis die lokale Situation stabil genug ist, um die Einsetzung einer zivilen Regierung zu erlauben."
"Was bedeutet: 'Im Wesentlichen selbstbestimmt'?"
"Es bedeutet, daß die Regierungen ihre innerstaatlichen Angelegenheiten ohne Einmischung lösen." erklärte Ravana. "Unsere Einmischungen, wenn sie es so nennen wollen, beschränken sich auf Vorgaben in den Bereichen Außen-, Verteidigungs- und Wirtschaftspolitik."
"Das sind aber keine unwesentlichen Einmischungen." warf der Vertreter Kenias ein.
"Unsere Endziele sind Frieden und Wohlstand für alle Menschen. Um das durchzusetzen, ist es notwendig, daß wir Möglichkeiten haben, unsere Vorstellungen, wie das zu erreichen ist, umsetzen zu können."
"Was werden sie tun, wenn wir uns ihrer Vision verweigern sollten?" kam der ägyptische Botschafter direkt auf den Punkt. "Werden sie dann auch gegen uns Krieg führen?"
Das unterschwellige Gemurmel, mit dem sich einige der anderen Repräsentanten unterhalten hatten, erstarb schlagartig. Alle warteten gespannt auf die Antwort.
"Bevor ich ihnen darauf antworte, werfen sie doch mal einen Blick auf das, was sie sich mit der Weigerung, uns zu unterstützen, selbst vorenthalten würden." erwiderte Ravana trocken. "Afrika ist ein rohstoffreicher, aber technologisch weitgehend nicht sehr hochentwickelter Kontinent, was dazu geführt hat, daß die Industrienationen Afrika in jeder nur denkbaren Hinsicht ausbeuten. Wir sind bereit, ihnen die Mittel zu geben, binnen kürzester Zeit den aktuellen Entwicklungsstand der Industrienationen zu überschreiten. Wir haben die Mittel, jegliche Gesundheitsprobleme ihrer Einwohner zu beseitigen - selbst Seuchen wie Aids können wir heilen." verkündete sie, was unter ihren Zuhörern ein ungläubiges Staunen hervorrief.
°Sehr schön. Ihr Interesse - oder sollte ich sagen ihre Gier? - ist geweckt.°
"Die Mittel, die sie bisher für ihre jeweiligen Verteidigungshaushalte aufgewendet haben, können sie anderweitig verwenden, denn wir werden die Unterhaltskosten ihrer Armeen übernehmen. Genauer gesagt: Wir werden alle mit uns verbündeten Staaten gegen jegliche Angriffe von Außen verteidigen."
Nach dieser Ankündigung begann bei einigen der Anwesenden der Unglaube das Staunen zu überwiegen, was diese auch wortreich zum Ausdruck brachten.
"Im Moment machen ihre Armeen große Fortschritte." brachte es der Repräsentant Malis auf den Punkt. "Aber die Geschichte hat uns gezeigt, daß keine Nation es schaffen kann, die Weltherrschaft zu erringen. Früher oder später wird der Krieg ihre Ressourcen überbeanspruchen."
"Sie liegen im Krieg mit den Amerikanern, aber sie haben nach der Eroberung von Pearl Harbor keine weiteren Schritte gegen sie unternommen." setzte der algerische Botschafter hinzu. "Und der Grund dafür ist, daß sie nicht die Mittel dazu haben. Amerika wird sie besiegen und jeder, der mit ihnen verbündet ist, wird die Konsequenzen tragen müssen."
"Wir haben keine Schritte unternommen, weil es für uns im Moment nicht zweckmäßig ist." widersprach Ravana dieser Einschätzung. "Wenn die Zeit reif ist, werden wir sie besiegen."
"Worte." höhnte der Algerier. "Aber sie haben keine Beweise dafür."
"Dann verstehe ich sie also richtig...sie wären bereit, uns zu unterstützen, wenn wir ihnen einen Beweis unserer militärischen Stärke geben?" fragte sie lauernd.
Einige der Botschafter schienen zustimmen zu wollen. Andere blieben mißtrauisch.
"Diese Entscheidung sollten wir treffen, wenn wir ihre Demonstration gesehen haben." entgegnete der Vertreter Tunesiens vorsichtig.
"Also gut." Ravana nickte. "Dann entschuldigen sie mich für einen Moment. Ich werde die Demonstration für sie vorbereiten lassen. Bedienen sie sich doch in der Zwischenzeit am Buffet."
Nach diesen Worten verließ Ravana den Raum und betrat ein benachbartes Arbeitszimmer. Mit einem wütenden Knurren auf den Lippen griff sie mit der Macht nach ihrem Schreibtisch und warf ihn gegen die Wand, wo das teure Tropenholz krachend zersplitterte.
"Arrogante Bande." brummte sie genervt. Dann stellte sie eine Konferenzverbindung zu Darth Saturn und Kaori her.
"Meine Gäste wollen eine Demonstration unserer militärischen Stärke haben, bevor sie sich zu weiteren Entscheidungen herablassen wollen." bemerkte sie säuerlich.
Darth Saturn lächelte humorlos.
"Wir können nicht erwarten, daß die uns kritiklos aus der Hand fressen, nicht wahr?"
"Ich könnte sie mit der Macht manipulieren." schlug Ravana vor.
"Nein, nein." widersprach Saturn. "Wir werden ein wenig entgegenkommend sein und ihnen geben, was sie wollen."
"Haben die Burschen bestimmte Vorstellungen, wie diese Demonstration aussehen soll?" fragte Kaori erwartungsvoll.
"Sie wollen einen Beweis dafür, daß wir es tatsächlich mit Amerika aufnehmen können."
"Dann ist wohl klar, was wir tun sollten, nicht wahr?"
"Absolut." stimmte Kaori Saturn zu. "Ich werde Anweisung geben, die Position von Hades zu verändern. Wir brauchen dann noch etwa eine Stunde für den Abschluß der Waffenleitsystemkalibrierung. Danach können wir beginnen."
Darth Saturn nickte zustimmend.
"Tenchi Communication Systems hat einige Beobachtungssatelliten in einer guten Position." informierte sie Ravana und Kaori. "Nutzt die Zeit, um eine Verbindung zu etablieren. Und dann seht zu, daß ihr den Afrikanern eine gute Show bietet. Wenn dieses Bündnis zustande käme, würde das unseren Zeitplan enorm beschleunigen, und durch die Vermeidung eines weiteren Krieges in Afrika würden unzählige Leben gerettet werden."
"Kann Zirkonite denn mit so viel zusätzlicher Kundschaft fertigwerden, oder warum soll der Plan beschleunigt werden?"
"Ich benötige Truppen aus den afrikanischen Klonfabriken für den Angriff auf die Vereinigten Staaten." erklärte Saturn. "Und wenn wir in Afrika keinen Krieg führen müssen, kommt es nicht zu Verlusten, die aus den Fabriken ersetzt werden müßten. Und was Zirkonite betrifft, die hat keine Probleme damit, den erhöhten Anforderungen gerecht zu werden."
Die beiden Frauen nickten verstehend.
Nach einem letzten grüßenden Nicken erlosch Saturns Bild.
"Welche Vorgehensweise würde dir am Besten helfen, Ravana?" erkundigte Kaori sich.
"Such einige besonders markante militärische Ziele am Boden und beende deren Existenz. Synchronisiere diese Angriffe mit den Aufnahmen der TCS- Satelliten und sende die Daten an unser Übertragungsrelais hier in Freetown."
Kaori nickte.
"Kein Problem. Warte mal kurz, ich muß mal was überprüfen."
Die Dunkelhaarige verschwand für einen Moment aus dem Kommunikationsfenster. Als sie wieder auftauchte grinste sie fröhlich.
"Ich habe gerade eine aktualisierte Sensorkarte der USA angesehen. Laut einer taktischen Hochrechnung können wir sämtliche Kasernen, Luftwaffenstützpunkte, Werften, Waffenfabriken und Depots innerhalb von sechzig Stunden vernichten."
Auf Ravanas Gesicht breitete sich nun ebenfalls ein Grinsen aus.
"Dann werde ich wohl für eine Menge Snacks sorgen müssen, damit mein Publikum während der Vorstellung nicht verhungert." meinte sie. "Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, daß sie auch nur eine einzige Sekunde davon werden verpassen wollen. Vielleicht solltest du den ganzen Angriff als Film aufnehmen." schlug sie vor. "In einigen Ländern dürfte das DER Verkaufshit werden."
"Gute Idee." stimmte Kaori zu. "Das dürfte besser werden als Emmerichs Independence Day. Vor allem wird es diesmal nicht dieses kitschige und unrealistische Happy End für die Amerikaner geben. Teil mir mit, wenn du soweit bist. Dann beginne ich mit der Übermittlung von Bildmaterial."
"Geht klar, Kaori-san. Und grüß Taichi, wenn du ihn das nächste Mal siehst."
Kaori senkte verlegen den Blick und lächelte.
"Wir haben uns vorgestern erst gesehen. Er hat mich nach Abschluß seiner Arabienmission hier besucht, mußte aber leider wieder aufbrechen, weil er die Verhandlungen mit der afghanischen Regierung leitet." erklärte sie ein wenig bedauernd. "Aber wenigstens haben Taichi und ich gelegentlich Zeit, um uns kurz gegenseitig zu besuchen. Nicht so wie du und Maurice."
Ravana lächelte, doch war ihr Blick ein wenig sehnsüchtig.
"Das werden wir alles nachholen, wenn wir unsere Mission erfüllt haben. Wenn Darth Saturn unser Vorgehen weiter so forciert, werden wir in weniger als einem halben Jahr das große Ziel erreicht haben."
Nach diesem kurzen Austausch über ihr strapaziertes Privatleben verabschiedeten die beiden Freundinnen sich voneinander. Dann instruierte Ravana ihre Techniker, ging zurück in den Nebenraum und informierte ihre Gäste über das bevorstehende Spektakel.
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Jacen öffnete eine Kiste, die er mit der Macht von einem der Regale der Lagerhalle geholt hatte, die ihm, Ami und Shampoo als Versteck diente, und holte drei kleine Päckchen aus silberner Folie hervor, die mit für die beiden Mädchen unlesbaren Schriftzeichen bedeckt waren.
"Nahrungskonzentratriegel." erklärte er auf Shampoos fragenden Blick hin. "Schmecken nicht sonderlich gut, enthalten aber alle Nährstoffe, die der Körper braucht."
Die Amazone holte den Riegel aus seiner Verpackung und biß vorsichtig davon ab. Augenblicklich verzog sie ihr Gesicht zu einer angewiderten Grimasse.
"Bah. Wie können Leute sowas essen?"
"Das ist einfach." entgegnete der junge Jedi mit trockenem Humor. "Erstens kennen die Leute hier vermutlich nichts, was wesentlich besser schmeckt und zweitens gehört zu ihrer Ausbildung auch ein Abhärtungstraining."
Ami würgte mißmutig den ersten Bissen ihres Riegels herunter.
"Gib´s zu, Jacen. Du hast uns dieses Zeug nur vorgesetzt, damit wir noch mehr motiviert sind, diese Station schnellstmöglich zu zerstören."
"Wenn du meinst, Ami." Er lächelte amüsiert. "Aber es gibt wirklich leichtere Mittel, um euch zu motivieren."
"So?"
Er nickte. "Früher oder später wird diese Station Ziele auf der Erdoberfläche unter Beschuß nehmen, und wie ich die Imps einschätze, wird das eher früher als später passieren. Außerdem werden wir uns nicht ewig hier drin verstecken können."
"Wie sollen wir es überhaupt anstellen, dieses Ding zu zerstören?" fragte Ami zweifelnd.
"Und wie wir kommen sicher hier weg, wenn wir zerstören Station?" setzte Shampoo hinzu.
Diese Frage war überaus berechtigt, denn auch wenn die Amazone die Meinung teilte, daß diese Kampfstation vernichtet werden mußte, hatte sie nicht viel dafür übrig, dabei das Leben zu verlieren.
"Gute Frage, Shampoo." meinte dann auch Ami zustimmend. "Wie kommen wir überhaupt hier weg?"
"Stationen wie diese hier verfügen normalerweise über Rettungskapseln." erklärte Jacen. "Außerdem kann es sein, daß ein Hangar existiert, in dem wir eine Raumfähre oder ein paar Raumjäger vorfinden werden."
"Hmm...wäre es möglich, die Station mit so einem Raumjäger zu zerstören?"
"Völlig ausgeschlossen. Orbitalwaffenplattformen sind in der Regel dazu da, einen Planeten gegen angreifende Raumschiffe zu verteidigen, Ami." erwiderte Jacen kopfschüttelnd. "Wir würden wenigstens zwei oder drei Großkampfschiffe benötigen, um so eine Station von Außen zu knacken."
"Und wenn wir die Station in einem unkontrollierten Eintrittswinkel in die Atmosphäre lenken?"
"Die Chance, daß du damit Erfolg hast, ist minimal. Wir müßten die Kontrolle über den Hauptcomputer bekommen und für einen Zeitraum von einigen Minuten behalten. Das können wir zu dritt unmöglich schaffen. Da könntest du auch gleich versuchen, die gesamte Station zu erobern. Sind ja nur ein paar Tausend Gegner an Bord. Ganz zu schweigen von den automatischen Sicherheitssystemen."
"Na schön." meinte Ami nun leicht frustriert. "Anstatt mir zu erzählen, was NICHT funktioniert...wie würdest du vorgehen, Jacen?"
"Hmm...also beim zweiten Todesstern haben die Rebellen den Hauptreaktor zum Kollabieren gebracht." überlegte er. "Diese Station hat zwar einen wesentlich kleineren Reaktor, aber dessen Funktionsweise unterscheidet sich nicht von dem Reaktor des Todessterns."
"Was also müssen wir tun?"
Jacen rief sich mit einer Jedi-Erinnerungstechnik die Details einer solchen Anlage wieder ins Gedächtnis.
"Zuerst müssen wir die Sicherheitsvorkehrungen abschalten, die den Reaktor deaktivieren, wenn der Energieregulator ausfällt. Dann müssen wir den Energieregulator zerstören und zuletzt den Energiefluß umkehren und einen massiven Energiestoß in den Reaktor leiten." erklärte er. "Alternativ könnten wir als letzten Schritt auch die Reaktorkammer sprengen, aber ich glaube nicht, daß wir die dazu nötige Feuerkraft haben."
"Und dann fliehen wir in einer Rettungskapsel." vollendete Ami den Plan. "Aber wieviel Zeit haben wir für die Flucht?"
Jacen stellte ein paar Berechnungen an.
"Maximal fünf Minuten, bevor die Station auseinanderbrechen wird, würde ich sagen. Aber eher weniger."
"Und wo wir finden diese Sicherheitsteile und diesen anderen Kram?" erkundigte sich Shampoo.
"Tja, dazu müßten wir einen Computer anzapfen und einen Grundrißplan der Station aufrufen. Dann können wir auch unsere Routen festlegen. Am Besten wäre es, wenn wir Wartungsschächte oder Ventilationsrohre benutzen könnten, denn da wird man uns nicht so schnell entdecken."
"Werden sie da nicht besonders viele automatische Sicherheitssysteme haben?" wandte Ami ein.
"Wir sind auf einer Station voller loyaler Imps. Die sind zwar paranoid, aber sie haben im Moment doch gar keinen Grund, dutzende von Kilometern von Rohrleitung zu überwachen. Das wäre viel zu ressourcenintensiv."
"Aber sobald sie uns entdecken, wir sicher werden Ärger bekommen. Vielleicht wir können stehlen Uniformen und uns verkleiden." schlug Shampoo vor.
Jacen und Ami stimmten begeistert zu. Auf diese Weise mochte es ihnen sogar gelingen, einen Teil ihrer Mission direkt unter den Augen der Imps durchzuführen.
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Kaori stand vor einem großen Aussichtsfenster aus Transparistahl auf der Kommandobrücke der Kampfstation und versuchte, in ihrem Geist eine Leere zu erzeugen, die die Leere des Alls da draußen zum Vorbild hatte, um ihre Ungeduld zu bezähmen. Sie hatte nur mäßigen Erfolg.
"Wie kommen ihre Leute voran, Commander?" fragte sie in den Raum hinein, ohne sich umzudrehen.
Commander Terrik löste sich aus der Gruppe von Untergebenen, die ihm gerade Bericht erstattet hatten und trat respektvoll hinter seine Vorgesetzte.
"Wir werden in zwanzig Minuten in einer Position sein, die uns den Beschuß von Zielen an der amerikanischen Westküste ermöglicht, Mylady. Die Koordination unseres Angriffs mit der Satellitenübertragung nach Freetown ist in zehn Minuten abgeschlossen. Lady Ravanas Gäste werden den kompletten Angriff live miterleben können."
"Schön. Was macht die Leitsystemkalibrierung?"
Wie als Reaktion auf ihre Frage zuckte ein leuchtendgrüner Lichtfaden durch die Schwärze des Alls und verschwand irgendwo in den oberen Atmosphäreschichten der weißblauen Kugel, die sich langsam im unteren Drittel des Aussichtsfensters drehte. Um die Zielsysteme der Turbolaserkanonen zu optimieren, hatten die Kanoniere, sobald die Station einen stabilen Orbit erreicht hatte, damit begonnen, auf Weltraumschrott zu feuern. Zu Beginn waren die Ergebnisse grauenhaft schlecht gewesen. So schlecht, daß Kaori kurz davor gestanden hatte, zur Motivation ein Exempel an irgendeinem der Kanoniere zu statuieren.
"Wir konnten den Abweichungskegel inzwischen von zehn Metern auf fünf Meter pro Kilometer reduzieren." antwortete Terrik.
Kaoris Antwort bestand aus einem unzufriedenen Schnauben.
"Wenn die imperialen Techniker gleich die Software einer Golan-III- Kampfstation mitgebracht hätten, anstatt die Software eines leichten Kreuzers anzuschleppen, müßten wir uns jetzt nicht damit herumärgern." brummte sie.
Damit hatte sie natürlich Recht. Die Feuerleitsoftware eines Raumschiffs unterschied sich in einigen Punkten von der Software einer Raumstation. Um diese Unterschiede zu kompensieren, waren Korrekturparameter erforderlich. Und diese mußten nun in einem zeitraubenden Verfahren ermittelt werden.
"Wir machen große Fortschritte, Mylady." versuchte der Commander sie zu beruhigen.
"Sie mögen mit einer Abweichung von fünf Metern zufrieden sein." gab Kaori jedoch kühl zurück. "Aber ich bin es nicht. Wir befinden uns hier in einer Höhe von fünfunddreißig Kilometern und das bedeutet, daß wir am Boden eine Abweichung von bis zu hundertfünfundsiebzig Metern vom anvisierten Punkt haben werden. Wenn sie mich zufriedenstellen wollen, drücken sie die Abweichung auf ein Maximum von einem Meter pro Kilometer, Commander."
"Jawohl, Mylady."
"Aber sagen sie, wenn ich das Verfahren richtig verstehe, werden die Korrekturparameter durch statistische Auswertung der abgefeuerten Schüsse ermittelt, und das würde doch bedeuten, daß die Ergebnisse besser werden, je mehr Schüsse analysiert werden können, nicht wahr?"
"Das ist zwar etwas vereinfachend ausgedrückt, aber im Wesentlichen korrekt." bestätigte Terrik. "Unglücklicherweise gibt es hier oben nicht so viel Schrott, der für unsere Zielübungen geeignet ist."
"Dann werden wir dafür sorgen, daß ihre Leute mehr Ziele erhalten und zu exakteren Statistiken kommen." Die Andeutung eines Lächelns zeigte sich in ihrem Gesicht. "Sobald wir in Position für den Angriff sind, lassen sie das Feuer eröffnen. Ihre Kanoniere können die Ergebnisse auswerten und dann dabei die Genauigkeit der Korrekturparameter verbessern."
"Wie ihr wünscht, Mylady."
"Und rufen sie zwei unserer Jägerstaffeln von der Schiffs- und U-Bootjagd über dem Atlantik zurück. Lassen sie sie mit Protonenbomben bestücken und setzen sie sie auf die Atomraketensilos der Amerikaner an."
Gehorsam bestätigte Terrik auch diesen Befehl, bevor er sich, da er offensichtlich entlassen war, umwandte, um seine Befehle auszuführen.
Kaori schaute noch für einige Minuten nach draußen, bevor sie die Kommandobrücke verließ, um General Craiden in seiner Kommandozentrale über die Schulter zu schauen. Von Zeit zu Zeit mußte sie sich einfach darüber informieren, welche Fortschritte die Bodentruppen des Generals machten. Schließlich war sie ja von ihrem Meister zu dessen Babysitter gemacht worden.
Als sie die Koordinationsstelle der ersten und zweiten Sturmgardedivision betrat, fand sie den General vor einer der taktischen Holokarten vor, die den Nordosten des asiatischen Festlands und die nur durch einen schmalen Seeweg getrennte Nordwestspitze Alaskas zeigte.
"Die Amerikaner haben mit einem Angriff unsererseits gerechnet, seit wir die Straßen, die diesen Bundesstaat mit dem Rest Amerikas verbinden, durch Luftangriffe an vielen Stellen zerstört haben." erklärte der General, als er Kaoris Ankunft bemerkte. "Sie haben etwa zwei Korps, in erster Linie motorisierte Infanterie und Panzer, mit einer Gesamtstärke von schätzungsweise annähernd achtzigtausend Mann dort stationiert. Hinzu kommt eine ungewöhnlich hohe Zahl von Flugabwehrbatterien und Artilleriestellungen."
"Sie haben aus unserem Kampf mit den Australiern gelernt." mutmaßte Kaori gelassen. "Und zu unserem Pech gibt es in Alaska nichts, was wir anzünden könnten, um ihre Armeen in eine Situation zu drängen, die sie zur Aufgabe zwingt."
"Die ursprünglich geplante Verlegung unserer Truppen auf dem Luftweg wäre nun Selbstmord." schätzte der General verstimmt. "Der Großteil unserer Transporter würde noch über dem Meer abgeschossen werden, und die Truppen, die es bis zur Küste schaffen, würden von Artilleriefeuer vernichtet werden."
"Was also werden sie tun? Den Angriff abblasen?"
Der General lächelte dünn.
"Kaum." bemerkte er trocken. "Das entspricht nicht meinem Stil."
"Freut mich zu hören." erwiderte sie kühl.
°Das sichert dir vorerst dein Überleben, alter Mann.°
"In den letzten Tagen vor unserem Start habe ich tausende von Orbitalabwurfkapseln und Typ-II-Angriffsdroiden an Bord bringen lassen. Und sobald Hades in Position über dem Staat Washington ist, beginnen wir mit dem Abwurf. Die Droiden werden kleinere Gruppen bilden, die sich über den Staat Alaska verteilen werden. Meine Sturmgardedivisionen in Rußland werden den Angriff mit einem vollen Geschwader TIE-Defender unterstützen."
"Und was ist mit den Verlusten, die sie durch die amerikanische Luftabwehr erwarten?"
Craiden zuckte nur mit den Schultern.
"Sollen sie doch die Droiden abschiessen." meinte er gelassen. "Wir haben ihre Nachschubwege abgeschnitten, also wird ihnen die Munition ausgehen, lange bevor uns die Droiden ausgehen. Dann können unsere schweren Transporter ungehindert landen. Wenn sie den Köder schlucken, und sich auf die Droiden stürzen, können unsere Jäger relativ ungehindert Angriffe auf ihre Luftabwehrraketen- und Artilleriestellungen fliegen."
"Und wenn sie ihn nicht schlucken, verlieren wir zwar bis zu zweiundsiebzig Jäger, aber ihre Stellungen werden von den Droiden angegriffen werden, während sie mit unserer Luftwaffe beschäftigt sind."
"Ich sehe, sie haben verstanden."
"Keine Respektlosigkeiten, bitte, Herr General." knurrte Kaori verärgert.
Der General hob entschuldigend die Hände.
"Es war mitnichten meine Absicht, respektlos zu erscheinen, Kaori-san. Sollte ich den Eindruck erweckt haben, entschuldige ich mich dafür."
Die junge Frau gab mit einem knappen Nicken zu verstehen, daß sie seine Entschuldigung akzeptierte.
Kurz darauf trat ein junger Fähnrich an die Zwei heran.
"Commander Terrik lässt mitteilen, daß Hades in Angriffsposition ist." meldete der junge Mann. "Er meinte, sie würden vielleicht gern selbst den Feuerbefehl geben wollen."
"Commander Terrik ist ein sehr aufmerksamer und scharfsinniger Mann." bemerkte Kaori mit einem wohlwollenden Lächeln. "Kommen sie mit, General. Seien sie dabei, wenn wir der amerikanischen Rüstungsmaschinerie das Genick brechen."
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Haruka und Michiru waren mehr als nur ein wenig angespannt, als sie in dem Flugzeug saßen, daß sie nach einem Zwischenstop in Neu-Delhi nach Damaskus bringen würde. Würde es ihnen gelingen, das Mädchen namens Midori Maeda zu finden? Und würde dieses Mädchen Informationen über den Verbleib ihrer geliebten und so lange vermissten Tochter haben? Sie hofften es, vor allem, weil es keine weiteren Anhaltspunkte für die Suche mehr zu geben schien. Die Reise in ein Kriegsgebiet würde sicher nicht ungefährlich sein, doch beide Frauen waren verzweifelt genug, um jedes Wagnis einzugehen, wenn auch nur der Hauch einer Chance dafür bestand, eine Spur ihrer Tochter zu finden.
"Schau mal. Die neuesten Nachrichten." bemerkte Michiru, nachdem sie den kleinen Fernseher in der Rückenlehne des Vordersitzes eingeschaltet hatte.
Haruka schaltete ihren Mini-Fernseher ebenfalls ein und steckte die Stöpsel ihrer Kopfhörer in ihre Ohren.
Bei diesen neuesten Nachrichten handelte es sich um eine Reportage, die unter anderem den Verbleib der gewaltigen Zahl von Kriegsgefangenen erklären sollte. Kriegsgegner der Föderation hatten zuvor bereits massive Verdächtigungen über Greueltaten seitens der Föderation geäußert und nun war die Föderation bereit, den Gegenbeweis anzutreten. Eine Gruppe von Vertretern großer Nachrichtenagenturen, Zeitungen und Fernsehsender und Mitarbeiter des Roten Kreuzes waren mit der Presserepräsentantin der Föderation und der Kommandantin der vierten Sturmgardedivision in Damaskus zusammengekommen.
Nach einer kurzen Begrüßung und gegenseitigen Vorstellung schwenkte die Kamera auf ein schwarzes Oval von zehn Metern Breite und etwa acht Metern Höhe, dessen Randbereiche von violetten Blitzen umspielt wurden.
"Das ist doch..."
Die beiden Senshi waren mehr als nur schockiert. Sie waren mühelos in der Lage, ein Portal des Dunklen Königreichs zu erkennen, wenn sie eins sahen, und dieses Oval war ein wahres Musterbeispiel für ein solches Portal.
"Dieses mysteriöse Gebilde hier ist eine Art von Portal." erklärte Midori Maeda dann auch der staunenden Gruppe. "Es funktioniert zwar etwas komplizierter, aber stellen sie sich das Ding einfach wie eine Tür vor. Nur daß sie nicht sehen können, was auf der anderen Seite ist."
Cassandra Stone lächelte beruhigend und machte eine einladende Geste in Richtung des Portals.
"Gehen sie einfach hinein, meine Damen und Herren. Die Erfahrung ist zwar beim ersten Mal etwas desorientierend, aber ich versichere ihnen, es ist völlig ungefährlich."
Nachdem die Leute offensichtlich zögerten, zuckte Midori einfach nur mit den Schultern und ging vor. Überzeugt davon, daß das Mädchen sich gewiß nicht selbst in Gefahr begeben würde, wagten nun einige Mutige ebenfalls den Schritt in die unheimliche Schwärze. Es dauerte nicht lange, und alle Personen der dreißigköpfigen Gruppe hatten das Tor passiert, zuletzt gefolgt von Cassandra Stone.
Ein aufgeregtes Gemurmel erklang unter den Reportern, als sie feststellten, daß ihre Liveverbindung zu ihren jeweiligen Studios abgebrochen war. Die Leute beruhigten sich jedoch, als Midori ihnen erklärte, daß es sich um ein normales Phänomen handeln würde. Man müsse sich damit zufriedengeben, Aufnahmen auf Band zu speichern und diese später wiederzugeben.
Kameras richteten sich daraufhin auf Berichterstatter, die größtenteils schon Erfahrungen in den meisten Krisengebieten der Erde gesammellt hatten, und die nun mit völlig unzureichenden Worten zu beschreiben versuchten, was es für ein Gefühl gewesen war, dieses mysteriöse Portal zu benutzen.
Nach einigen Minunten tauchte eine weitere uniformierte Person auf.
"Hi, Midori. Entschuldige bitte die Verspätung, aber ich hatte noch ein paar unerwartete Dinge zu erledigen."
"Schon gut." Midori lächelte und wandte sich dann an die Gruppe. "Ich möchte ihnen Lady Zirkonite vorstellen. Sie hat dieses kleine Paralleluniversum, in dem wir uns hier befinden, geschaffen, und ist für sämtliche Anlagen an diesem Ort verantwortlich."
Gespenstische Stille herrschte, als die Gruppe diese Neuigkeit zu verdauen begann.
Paralleldimension? Einfach unglaublich.
"Ich kann mir vorstellen, was sie jetzt denken werden." begann Zirkonite. "Der Gedanke an parallele Universen ist Unsinn. Aber dasselbe hat der Mensch vor einiger Zeit auch über die Idee des Fliegens gedacht. Dieses Universum hier besteht nur aus einer einzigen Sonne und einem einzigen Planeten, eine Zusammenstellung, die aufgrund ihrer Einfachheit leicht zu erschaffen ist, wenn man sich mit der Materie auskennt. Schwer wird es erst, wenn man versucht, ein Universum mit mehr als einem Sonnensystem zu erschaffen. Eine Galaxis zu konstruieren, ist dann sehr kompliziert, während alles, was darüber hinausgeht, so gut wie unmöglich ist. Aber wir sind ja eigentlich hier, um andere Dinge zu besprechen als interdimensionale Physik, also sollten wir uns vorerst darauf beschränken." erklärte sie freundlich.
"Vielleicht beginnen wir mit einem Überblick über diese Einrichtung." schlug Repräsentantin Stone vor.
Zirkonite nickte.
"Ich habe dafür gesorgt, daß das Portal sie auf dem Dach des Zentralkomplexes abliefert, damit sie einen guten Überblick bekommen." Die ehemalige Youma-Generalin zeigte einladend zur Dachbegrenzung, und sofort postierten sich Kameraleute und Berichterstatter, um einen möglichst guten Blick zu erhaschen.
Die Aussicht von dem etwas über einen Kilometer über dem Boden gelegenen Dach war in der Tat atemberaubend. In der Ferne erstreckten sich gewaltige kegelförmige Bauten, deren Basis einen Durchmesser von mindestens vier bis fünf Kilometern haben mußte, und die wenigstens drei Kilometer hoch waren. Gewaltige Gewächshauskuppeln wechselten sich ab mit kompliziert anmutenden Fabrikanlagen.
Der bei weitem überwiegende Teil der Gebäude war jedoch flach, höchstens drei Stockwerke hoch und wies einen quadratischen Grundriß mit einer Kantenlänge von zwei Kilometern auf. Jedes dieser Gebäude hatte Türen auf einer Seite, und vor jedem dieser Gebäude befand sich ein Torbogen aus dunklem Kristall. Umzäunungen machten klar, daß, wer immer diese Torbogen verwendete, nur die Wahl hatte, von da aus das jeweils zugeordnete Gebäude zu betreten. In vielen Torbögen, die vom Dach des Zentralkomplexes aus zu erkennen waren, konnten Kameraleute die schwarzen Ovale von Portalen erkennen. Portale, durch die ein beständiger Strom von Menschen in die Gebäude floß.
"Nachdem sie alle einen Blick riskiert haben, werde ich ihnen die Funktion der Gebäude dort unten erklären." bot Zirkonite an. Sofort hatte sie die gewünschte Aufmerksamkeit ihrer Gäste.
"Über die Gewächshauskuppeln brauche ich sicher kein Wort verlieren. Sie produzieren offensichtlich Nahrungsmittel. Die großen Kegelbauten sind Atmosphäreprozessoren. Sie stellen die Luft her, die wir hier zum Atmen benötigen, und sind notwendig, da bei der Herstellung des Planeten auf die Etablierung einheimischer Lebensformen verzichtet wurde. Es gibt hier also keine Pflanzen, die Sauerstoff erzeugen, aber meine Fabriken erledigen diese Aufgabe ohnehin effizienter." Der Stolz über ihre Leistungen war ihr deutlich anzumerken. "Die Fabriken stellen alle Dinge her, die hier benötigt werden. Unter anderem auch ein hochwirksames Medikament, das wir Neo-Bacta nennen."
Einer der Reporter meldete sich und wurde von Zirkonite mit einem Fingerzeig zum Sprechen aufgefordert.
"Michael Dietz, Reuters." stellte er sich vor. "Worum handelt es sich bei diesem Neo-Bacta?"
"Das ist einfacher zu zeigen, als zu erklären." antwortete Zirkonite. "Im Verlauf der Führung werden derartige Fragen beantwortet werden."
"Was geschieht mit den Menschen dort unten?" fragte ein anderer Reporter.
"Folgen sie mir, und sie werden es sehen." entgegnete die Frau lächelnd und machte sich auf den Weg zu einem Aufzug.
Die Halle, in die Zirkonite ihre Gäste schließlich geführt hatte, eines jener rechteckigen, dreistöckigen Gebäude, wirkte von Innen geradezu furchteinflößend. Über drei Etagen verteilt standen die Stasisröhren dicht an dicht. Nebeneinander und aufeinander, nur gelegentlich von zwei Meter breiten Gängen unterbrochen. Und in jedem der Behälter, deren Frontseiten mit einem fünfzehnstelligen Kode bedruckt waren, lag ein Mensch.
"In dieser Kammer, und in einigen anderen gleicher Bauart, befinden sich unsere Kriegsgefangenen." erklärte Zirkonite lächelnd.
"Sind sie..." stammelte ein bleicher Journalist.
"Aber nein. Sie sind nicht tot." versicherte die ehemalige Youma-Generalin. "Diese Menschen befinden sich in Stasiszylindern. Sie werden künstlich ernährt und ihre Lebenszeichen werden von einem Computersystem überwacht, so daß gewährleistet ist, daß alle physischen Bedürfnisse befriedigt werden."
"Warum haben sie diese Menschen in diese Dinger eingesperrt?" erkundigte sich ein Arzt des Rot Kreuz-Teams. Eine Mischung aus Wut und Empörung war aus seiner Stimme herauszuhören.
"Wir haben nicht den Wunsch, diese tapferen Soldaten der Erfahrung einer möglicherweise Jahre dauernden Gefangenschaft auszusetzen." entgegnete Zirkonite. "Während sie in diesen Kammern liegen, altern sie nicht, und erfahren subjektiv keine vergehende Zeit. Es mag auf sie ein wenig abstossend wirken, aber glauben sie mir ruhig, wenn ich ihnen sage, daß diese Art der Behandlung langfristig gesehen menschlicher ist, als hunderttausende von diesen Menschen in irgendwelchen engen Lagern zusammenzupferchen. Werfen sie einen Blick auf die Käfige, in denen die Amerikaner ihre Gefangenen in Guantanamo Bay festhalten, und sagen sie mir dann, welche Methode unmenschlicher ist."
"Besteht die Möglichkeit, mit einem der Gefangenen zu sprechen?"
"Im Moment nicht, Doktor. Aber sobald wir beginnen, die ersten Gefangenen aufzuwecken und nach Hause zu schicken, was wohl in ein paar Monaten der Fall sein wird, werden wir sie gern informieren, so daß sie dabei sein können."
Diese Antwort schien den Arzt vorerst zufriedenzustellen.
Nach einer Weile kamen sie an einigen Stasiszylindern vorbei, in denen Gefangene in einer trüben Brühe trieben. Ein schockiertes Aufkeuchen ging durch die Menge. Was wurde diesen Menschen bloß angetan?
"Dies hier beantwortet eine Frage, die vorhin auf dem Dach gestellt wurde." stellte Zirkonite gelassen fest. "Das hier sind Patienten, die mit Neo- Bacta behandelt werden."
"Aber...sie schwimmen doch nur in dieser Brühe." meinte eine Ärztin skeptisch.
"So erstaunlich es klingen mag, aber mehr ist auch nicht notwendig, um Neo- Bacta anzuwenden." Sie gab den Kode auf einem der Zylinder in ihren elektronischen Notizblock ein und studierte kurz den erscheinenden Text. "Dieser Mann hier wurde kurz vor der türkischen Grenze im Irak gefangengenommen. Er wurde von unseren Truppen aus einem in Brand geschossenen Panzer geborgen, zur Stabilisierung in ein Feldlazarett bei Mossul gebracht, und später mit den anderen Gefangenen hierher überführt." berichtete sie. "Er hatte großflächige Verbrennungen dritten Grades auf dem gesamten Körper. Ihre medizinischen Kenntnisse hätten ihn nicht retten können, aber mit Neo-Bacta ist es möglich, eine Menge theoretisch tödlich endender Verletzungen zu behandeln. Natürlich immer unter der Voraussetzung, daß der Patient zum Zeitpunkt der Behandlung noch am Leben ist."
"Und was genau ist dieses Neo-Bacta?"
"Das kann ich ihnen selbst nicht genau erklären." gestand Zirkonite. "Bacta wird in einem sehr komplexen Verfahren aus einer Vielzahl von pflanzlichen und tierischen Ingredenzien hergestellt. Da jedoch ein Teil der Zutaten sehr schwer zu beschaffen ist, hat ein Wissenschaftlerteam das Verfahren modifiziert und eine in größeren Mengen verfügbare, dafür aber nicht ganz so wirksame Variante synthetisiert, die sie schlicht Neo-Bacta genannt haben. Mehr kann ich ihnen leider nicht darüber verraten."
"Welcher Zusammenhang besteht zwischen diesen Gefangenenlagern hier und den vielen Gebäuden, in die wir vorhin Menschen haben gehen sehen?" fragte einer der Reporter unvermittelt.
"Der Zentralkomplex dieser Einrichtung hat unter anderem die Aufgabe, unser Territorium und die mit uns verbündeten oder von uns kontrollierten Gebiete bei Verwaltungsaufgaben zu unterstützen." begann Zirkonite ihre Erklärung. "Dazu gehört natürlich auch eine genaue Erfassung der in diesen Gebieten lebenden Bevölkerung."
"Und dazu bringen sie die Menschen hierher? Warum benutzen sie nicht einfach schon vorhandene Verwaltungsdaten?"
"In sehr vielen Ländern sind diese Daten lückenhaft, um es mal vorsichtig auszudrücken. Aber sie haben natürlich Recht, wenn sie sagen, daß es noch einen anderen Grund geben muß." Sie machte eine kurze Pause, in der sie ihre Besucher kurz musterte. "Viele Menschen leiden an sogenannten Zivilisationskrankheiten, Folgen von Mangelernährung, Schäden durch Drogenkonsum, Umweltgifte oder irgendwelche anderen Probleme. Glücklicherweise ist fast jedes dieser Probleme lösbar, wenn man Zugang zu einer Neo-Bacta-Behandlungseinheit hat. Die Infrastruktur für eine flächendeckende Behandlung aufzubauen, wäre zu aufwendig und unwirtschaftlich gewesen. Daher bringen wir die Menschen für eine Kotrolluntersuchung und gegebenenfalls für einen Kurzurlaub in einem Behandlungstank hierher."
"Aber verursacht das nicht enorme Kosten?"
"Wieso das?" fragte Zirkonite den Reporter verwundert zurück. "Gesunde Menschen sind zufriedene Menschen, und belasten außerdem nicht das Gesundheitswesen in der Region, in der sie leben. Wenn sie diese Einsparungen berücksichtigen, werden sie feststellen, daß wir langfristig Gewinn machen. Es ist schließlich nicht sehr aufwendig, einen Menschen für einen Tag, oder meinetwegen auch für ein paar Tage, in so einen Tank zu stecken, und das benutzte Neo-Bacta kann später aufbereitet und zu einem gewissen Teil wiederverwendet werden."
"Aber wird die Einführung dieser Behandlung nicht die pharmazeutische Industrie und das Arzt- und Krankenhauswesen in den Ruin stürzen?"
"Wir haben nicht vor, Neo-Bacta auf dem Markt zu verbreiten." beruhigte sie den Journalisten. "Eben um derartige Effekte zu vermeiden. Sehen sie diese Behandlung als einmaliges Geschenk an, mit dem wir den Menschen eine Freude machen wollen."
°Daß wir jedem Menschen während seines Aufenthalts in der Stasiskammer auch einen Splitter von unserem speziellen Kristall implantieren, tut ja nichts weiter zur Sache.° Setzte die ehemalige Youma-Generalin in Gedanken hinzu. Projekt Onyx war zwar noch nicht bis ins Anwenderstadium vorgedrungen, aber früher oder später würde sie die nötigen Daten beisammen haben. Und in der Zwischenzeit musste sie sich halt darauf beschränken, die Saat auszubringen.
Sobald Projekt Onyx abgeschlossen war, und sobald Darth Saturn mit Hilfe der Klonarmee und der anderen Schüler diesen Planeten vollständig erobert hatte, würde sie zusammen mit dem Meister die dunkle Ernte einbringen können. Nach mehr als einem halben Jahrhundert der Vorbereitung würde das Projekt Dark Harvest zum Abschluß gebracht werden, und die Menschheit würde ihnen gehören.
Und ironischerweise waren die Sailor Senshi, die so sehr von ihrer Vision von Kristall-Tokyo getrieben waren, auf dem besten Weg, bei der endgültigen Verwirklichung des Plans zu helfen.
°Was gäbe ich darum, wenn Beryll und die anderen hier sein und das mit ansehen könnten.° dachte Zirkonite ein wenig melancholisch. °Aber andererseits...wenn sie hier wären, würden sie todsicher einen Weg finden, um alles zu verpfuschen.°
Nachdem sie ihre Besucher auch noch durch einige andere Gebäude geführt hatte, brachte Zirkonite sie wieder zum Portal auf dem Dach des Zentralkomplexes zurück, und verabschiedete sich. Sobald die Reporter ihr Material veröffentlicht hatten, würde das die Menschen, die noch nicht hier gewesen waren, aber Gerüchte über Verschleppungen gehört hatten, mit Sicherheit beruhigen.
Die Lämmer würden sich brav und ohne Komplikationen zur Schlachtbank führen lassen.
