Disclaimer: Keine der Figuren gehört mir, und ich schreibe das hier nur,
weil ich gerade nichts besseres zu tun habe (nicht, um damit Geld zu
verdienen).
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°....° = jemand denkt
"...." = jemand sagt
{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)
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Darth Saturn – The Dark Harvest
Teil 21
Ami, Shampoo und Jacen hatten es sich in ihrem Versteck gemütlich gemacht und schliefen, um Kraft für das bevorstehende Abenteuer zu sammeln. Es war kaum anzunehmen, daß sie Ruhe finden würden, wenn sie erst einmal damit begonnen hatten, auf die Zerstörung der Raumstation hinzuarbeiten, also war es nur vernünftig, sich vorher ein wenig auszuruhen.
Jacen träumte.
Er trug die traditionelle braune Robe seines Ordens und schlich sich verstohlen aber dennoch mit großer Eile durch verwinkelte Gassen zwischen hoch aufragenden Gebäuden. Über ihm erklang das Jaulen von Sternenjägertriebwerken, gepaart mit dem typischen Geräusch von Laserbeschuß. Gelegentlich war auch Explosionsdonner zu hören.
Plötzlich tauchte eine kleine Gestalt, die ebenfalls in eine braune Robe gekleidet war, an seiner Seite auf.
Ein Jawa?
Was für eine absurde Idee. Was machte ein Jawa hier in...ja, wo war er eigentlich?
"Crackens Kommandos haben den Schildgenerator erreicht."
Die Stimme der kleinen Gestalt, deren Kopf unter einer Kapuze verborgen war, war ein raues Miauen.
An der Stimme erkannte Jacen, das er es nicht mit einem Jawa, sondern mit einem Noghri zu tun hatte.
Früher waren die grauhäutigen Katzenmenschen, die begnadete Assassinen, Infiltratoren und Leibwächter waren, durch einen Trick Darth Vaders in die Dienste des Imperiums gelockt worden, doch Jacens Mutter hatte ihnen die Täuschung offenbart und hatte sie Dank ihrer Autorität als Tochter Vaders, der von den Noghri trotz allem immer noch sehr verehrt wurde, auf die Seite der neuen Republik gezogen. Seitdem wurde sie ständig von einer Ehrenwache aus Noghri begleitet, die ihre Sicherheit zu einer Frage ihrer persönlichen Ehre gemacht hatten.
°Genau wie die Sicherheit ihrer Kinder, was erklärt, warum ich von Noghri begleitet werde.°
"Wir haben den Zugang zur Relaisstation fast erreicht." berichtete der Noghri. "Vier von uns sind vorausgeeilt, um die Wachen am Zugang auszuschalten."
"Gut. Beeilen wir uns und schalten das Ding aus, damit die Sonderstaffel das Kraftwerk erledigen kann, sobald der städtische Schutzschild unten ist." entgegnete der Jacen in seinem Traum, während er weiter durch die Gassen hastete.
Sobald das Kraftwerk ausgeschaltet war, würden die Abwehrgeschütze der Stadt keine Energie mehr haben. Und wenn die Relaisstation ausgeschaltet war, würden die Verteidigungseinrichtungen in der Umgebung des Kraftwerks keine Energie mehr haben, was der Sonderstaffel unter dem Kommando von General Wedge Antilles die Ausschaltung des Kraftwerks erleichtern würde. Die imperialen Verteidiger würden dann auf fahrzeuggestützte Waffensysteme angewiesen sein, deren Durchschlagskraft und Leistungsfähigkeit deutlich geringer war als die der festmontierten Systeme. General Salms B-Flüglergeschwader würde sich problemlos mit dieser Art des Widerstands befassen können, während die Landefähren weitere Bodentruppen in die Stadt brachten.
Zwei A-Flüglerstaffeln waren dazu abgestellt, die planetaren Raumjägerverbände in den Griff zu bekommen, und es sah so aus, als würde ihnen das auch problemlos gelingen. Für die veralteten TIE-Jäger waren die A-Flügler einfach zu wendig, und die TIE-Abfangjäger, die es in dieser Schlacht vielleicht mit den A-Flüglern hätten aufnehmen können, waren im planetennahen Raum in das Gefecht zwischen der Angriffsflotte der Neuen Republik und der imperialen Verteidigungsflotte, bestehend aus zwei Sternzerstörern der Imperial-II-Klasse, einem Sternzerstörer der Victory- Klasse und mehreren kleineren Kriegsschiffen, hauptsächlich Dreadnoughts, leichte Kreuzer der Carrack-Klasse und Fregatten der Lanzen-Klasse, verwickelt.
Aber warum befand Jacen sich auf dem Planeten?
Er war kein Soldat der Neuen Republik, sondern ein Jedi.
Und er war nicht der einzige Jedi hier, fiel ihm plötzlich ein.
Sein Onkel Luke, dessen Frau Mara, Meister Katarn und Meisterin Korr, die Frau, der Jacen seit einem Jahr als Schüler zugeteilt war, waren irgendwo auf dieser Welt...Garm hieß sie wohl...unterwegs.
Der Planet war eine Industriewelt, die nebst einer Reihe von Reparaturdocks im Orbit besonders durch die Produktionseinrichtungen für Panzer und Infanterieausrüstung, sowie ausgedehnte Kasernenkomplexe zur Ausbildung von Sturmtruppen auffiel. Normalerweise wäre das nicht bedenklich gewesen, da seit einigen Jahren Frieden zwischen der Neuen Republik und dem Imperium herrschte. Aber hier lagen die Dinge anders. Die Imperialen auf Garm hatten ganz plötzlich den Frieden gebrochen und hatten anschließend einen Kleinkrieg vom Zaun gebrochen.
Plötzlich erreichten sie einen freien Platz vor einem einstmals schwer bewachten Bunker.
Jetzt wurde der Platz von zwei brennenden Schwebepanzern flankiert, während annähernd zwei Dutzend tote Sturmtruppler vor dem Eingang herumlagen.
Und das war das Werk von lediglich vier Noghri.
°Kein Wunder, daß Vader sie unbedingt für das Imperium gewinnen wollte.° dachte er schaudernd. Die Katzenwesen waren ihm unheimlich, doch gleichwohl wußte er, daß er jedem von ihnen uneingeschränkt vertrauen konnte.
Die Noghri-Clans hatten seine Sicherheit schon gewährleistet, als er noch gar nicht geboren worden war, und obwohl es gelegentlich knapp geworden war, hatten sie doch im Allgemeinen hervorragende Arbeit geleistet.
Außerdem hatten sie allen Grund, sich ins Zeug zu legen, dachte er, als ihm plötzlich entsetzt einfiel, weshalb sie hier auf Garm waren.
Die Imps hatten die Staatschefin der Neuen Republik während einer diplomatischen Mission entführt und nach Erkenntnissen des Republik- Geheimdiensts nach Garm verschleppt.
Seine Mutter.
"Vergebung, Jacen Clan Organa-Solo." miaute einer der Noghri des Vorauskommandos. "Wir waren nicht schnell genug, um zu verhindern, daß das Tor geschlossen wurde."
"Macht euch deswegen keine unnötigen Sorgen." erwiderte er unbekümmert und musterte prüfend die massive, zweiflügelige Panzertür.
°Vielleicht könnte ich das Ding einfach kurzschließen.° überlegte er, als sein Blick auf die Schalttafel links neben dem Tor fiel.
Der Gedanke ließ ihn kurz grinsen, als er an eine ähnliche Situation denken mußte, von der ihm sein Vater erzählt hatte. Dessen Versuch damals auf Endor war gründlich in die Hose gegangen.
"Ein Wookie und ein AT-ST wären jetzt genau richtig." brummte er. "Aber da wir keins von beiden hier haben, muß es das hier tun."
Mit diesen Worten zog er sein Lichtschwert, aktivierte es, und schob die Energieklinge langsam in den zentimeterdicken Stahl des Tores hinein. Die Klinge durchdrang den Stahl wie ein heißes Messer durch Butter schneidet, und innerhalb weniger Minuten hatte er eine rechteckigen Öffnung in den Stahl geschnitten, die groß genug war, um ihn und seine Begleiter hineinzulassen.
Sie stiessen den ausgeschnittenen Stahlblock nach Innen. Dann stürmten die Noghri sofort mit großer Professionalität in den Bunker. Jeder von ihnen wußte, was er zu tun hatte, denn derartige Aktionen waren während ihrer Ausbildung tausendfach geübt worden, und ihnen inzwischen völlig in Fleisch und Blut übergegangen. Ihre Eleganz und Präzision übertraf jede andere Elite-Kommandoabteilung bei Weitem. In ihren besonderen Fachgebieten konnte es kein Soldat der Galaxis mit einem Noghri aufnehmen. Wie auch, wenn selbst ein Jedi Probleme haben konnte, mit ihnen fertigzuwerden?
Jacen folgte den Noghri dichtauf, nur um festzustellen, daß sie einen braununiformierten Offizier und vier weitere Sturmtruppler ausgeschaltet hatten.
°Und in den höchstens anderthalb Sekunden, die die Noghri dafür gebraucht haben, haben die Imps es nicht mal geschafft, auch nur einen Schuß abzugeben, obwohl sie auf unser Eindringen vorbereitet waren.°
Der Gedanke daran, wie leicht und schnell die Noghri töten konnten, ließ ihn schaudern.
Die 'Operation Relaisstation' erschien ihm inzwischen fast zu leicht.
Einer der Noghri nahm dem Offizier eine Schlüsselkarte ab und entriegelte den Aufzug.
"Wenn wir unten sind, folgen wir einem Wartungsgang, der sich nach etwa einhundert Metern gabelt. Auf der einen Seite haben wir die Kontrollterminals und auf der anderen Seite die Kammer mit dem Energieverteiler." wiederholte Jacen, was er über die Anlage wußte. "Wir werden uns aufteilen. Ihr Vier", er deutete auf das Vorauskommando, "kümmert euch um den Kontrollraum, während wir anderen uns um den Verteiler kümmern. Wenn alles glattgeht sind wir in fünf Minuten wieder draußen."
Die vier Noghri machten sich augenblicklich auf den Weg.
Von den sechs Katzenmenschen, die Jacen begleitet hatten, blieben zwei bei ihm, während vier vorauseilten, um den Weg zum Verteiler auf unschöne Überraschungen zu untersuchen.
Jacen erwartete nicht, daß irgendjemand für ihn Risiken einging, aber die Noghri bestanden darauf. Nachdem es ihnen schon nicht gelungen war, seine Mutter zu schützen, würden sie sich von nichts im Universum davon abhalten lassen, auch auf Kosten des eigenen Lebens seine Sicherheit zu gewährleisten - selbst gegen seinen Willen. Und da er wußte, daß er sie nicht daran hindern konnte, versuchte der junge Jedi es gar nicht erst.
Er und seine zwei Begleiter ließen den anderen einen Vorsprung von zwanzig Metern, was ein genügend großer Abstand war, um das Ehrgefühl der Noghri zu befriedigen, und gleichzeitig nah genug war, um dem Jedi im Notfall ein schnelles Eingreifen zu erlauben.
Die Vierergruppe erreichte die Gabelung und bog in Richtung des Verteilers ab, verschwand somit aus Jacens Sichtfeld.
Plötzlich erklang das charakteristische Summen eines Lichtschwerts. Dann verspürte Jacen dreimal in Folge eine Erschütterung in der Macht, die vom Ende eines Lebens kündete.
Als Jacen zusammen mit seinen Begleitern um die Ecke bog, flog ihnen der vierte Noghri, geschleudert von der Macht, entgegen. Reflexartig langte Jacen selbst hinaus, und bremste den Flug des Noghri, so daß er unbeschadet landen konnte. Die anderen beiden Noghri hatten bereits auf den Feind angelegt, der jedoch darauf nur mit einem geringschätzigen Lachen reagierte.
Der junge Jedi musterte seinen Gegner, der im Halbdunkel des Wartungsgangs von der roten Klinge seines Lichtschwerts in einem unheimlichen Licht erschien, genauer.
Es war eine Twi´lekfrau mit sehr heller Haut. Auf ihre Stirn waren verschlungene geometrische Muster tätowiert, und ihre Lekku, wie die Kopftentakel genannt wurden, waren mit dünnen, schwarzen Lederschnüren geschmückt, die in einem kunstvollen Muster geschnürt waren. Ihre Füsse steckten in schwarzen Halbstiefeln. Wohlgeformte Beine schlossen sich an, die unter einer eng anliegenden Hose von dunkelgrauer Farbe, bestickt mit roten Mustern, die von der Art an die Stirntätowierung erinnerten, nur in dem Sinne verborgen waren, daß sie keinen Blick auf die Haut erlaubten. Um ihre Hüften hing eine als Gürtel dienende Silberkette, an der die Halterung für ein Lichtschwert auf der rechten Seite erkennbar war, während auf der linken Seite ein weiteres Lichtschwert hing. Ihr Oberkörper steckte in einem bauchfreien Top, ebenfalls in schwarz. Vermutlich um sich in belebteren Gegenden vor Gaffern zu schützen, trug sie darüber einen bis zum Boden reichenden Umhang, der vorn über ihrem Schlüsselbein von einer silbernen Spange zusammengehalten wurde. Außerdem trug sie blutrote, fingerlose Lederhandschuhe.
Hinter ihr blockierte ein Kraftfeld den weiteren Weg. Ein Kraftfeld, das nicht in den ursprünglichen Plänen enthalten gewesen war, die bei der Planung des Einsatzes benutzt worden waren.
Sie grinste, als sie Jacen entdeckte.
"Deine Mutter wirst du hier unten nicht finden, Frischling."
"Deswegen bin ich auch nicht hier." gab er ruhig zurück.
Ein Jedi sollte, wann immer möglich, auf seine Selbstbeherrschung achten.
"Nicht? Dann scheint sie dir ja nicht allzu wichtig zu sein."
Mühsam unterdrückte er ein verärgertes Schnauben. Er spürte, daß diese Frau in Reizen wollte, und war entschlossen, ihr in dieser Hinsicht widerstand zu leisten.
"Ich liebe meine Mutter, aber ich muß sie nicht persönlich retten." antwortete er. "Mir reicht es zu wissen, daß ich hier meinen Teil dazu beitrage."
"Du willst den Energieverteiler hier sabotieren, nehme ich an." entgegnete die Twi´lek darauf. "Das bedeutet wohl, daß ihr es auf das Kraftwerk abgesehen habt."
"Und wenn?"
Sie kicherte und hob demonstrativ ihr Lichtschwert.
"Was aus dieser Stadt wird, kümmert mich nicht. Und wenn das Kraftwerk noch zehn Minuten arbeitet, ist eure Mission ohnehin gescheitert."
"Was soll das heißen?" warf Jacen ein.
"Es soll heißen, daß ihr jetzt genausogut nach Hause gehen könnt." gab sie zurück. "Oder könnt ihr mich in der kurzen Zeit besiegen, das Kraftfeld hinter mir deaktivieren und den Verteiler sprengen?"
"Ich glaube, du willst uns nur hinhalten und durcheinanderbringen." antwortete Jacen darauf. "Wir werden jedenfalls versuchen, unseren Auftrag zu erledigen."
Die Frau lachte trocken.
"Versuchen?", fragte sie spöttisch. "Ich dachte, dieses Wort gibt es im Wortschatz eines Jedis nicht."
"Was willst du eigentlich?" gab er zurück.
"Wir beide werden durch das Kraftfeld gehen, und dann werden wir ausprobieren, wer von uns beiden der bessere Kämpfer ist, Frischling. Sobald wir hinter dem Kraftfeld sind, verbinde ich den Öffnungsmechanismus mit einem Vitalmonitor, der meine Lebenszeichen überwacht, und wenn ich getötet werde, wird das Feld abgeschaltet, so daß deine Miezekätzchen ihren Auftrag erledigen können."
"Gibt es keine Lösung, bei der es nicht zur Vernichtung von Leben kommt?" fragte er ein wenig traurig. "Es kommt mir so sinnlos vor, daß ich jemanden töten soll, nur um ein Kradtfeld abzuschalten."
Sie zuckte gleichgültig mit den Schultern.
"Vielleicht gibt es eine solche Lösung. Aber ganz sicher erlaubt sie euch nicht die Zerstörung des Kraftwerks innerhalb der nächsten zehn Minuten."
Jacen seufzte traurig und hob dann in stummem Einverständnis mit der Herausforderung sein Lichtschwert.
"Gehen wir."
Jacen wurde plötzlich aus seinem Traum gerissen, als sein durch jahrelanges Training geschultes Unterbewußtsein die Anwesenheit einer neuen Präsenz in seiner Nähe spürte.
Er öffnete die Augen und langte gleichzeitig nach seinem Lichtschwert. Dann entdeckte er eine halbtransparente Gestalt in wenigen Metern Entfernung, die in einem hellblauen Lichtschein schimmerte.
Er entspannte sich wieder und setzte sich aufrecht hin.
Die Gestalt, die eine traditionelle Jedirobe trug, lächelte zufrieden.
"Du machst dem Orden Ehre, junger Mann. Deine Selbstkontrolle ist lobenswert."
"Wer sind sie?" murmelte der junge Jedi, wegen der Plötzlichkeit des Wechsels zwischen jenem Traum und der Realität ein wenig verwirrt.
Die Gestalt betrachtete ihn, prüfend, wie es schien.
"Erforsche deine Gefühle. Dann findest du die Antwort."
Jacen schloß seine Augen und konzentrierte sich auf seine Emotionen. Da war tatsächlich eine Verbindung zu jener Gestalt. Eine Art durch das Universum, durch Raum und Zeit, reichendes Band, welches sie miteinander verband.
"Großvater." sagte er schließlich, und öffnete die Augen wieder.
"Du hast großes Talent, Enkelsohn, und wie ich sehe, wurdest du gut ausgebildet."
Er errötete leicht bei diesem unerwarteten Lob.
"Danke. Aber ich sehe meine Ausbildung nicht als beendet an. Man lernt schließlich sein Leben lang neue Dinge."
"Viele deiner Vorgänger hatten nicht die Weisheit, das zu erkennen. Irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem sie aufhörten, dazuzulernen, weil ihnen ihr Stolz sagte, daß sie mit dem Lernen fertig wären."
"So wie du, Großvater?" fragte Jacen mit neutraler Miene.
Sein Gegenüber lachte leise.
"Bei mir lag es nicht am Stolz, mein Junge. Ich war schon immer ein sehr neugieriger Mensch, musst du wissen."
"Was ist dann passiert?"
"Was soll ich sagen? Es gab da einige emotionale Konflikte, die ich nicht lösen konnte. Das führte zu Frustration. Frustration führte zu Verbitterung. Und Verbitterung wurde zu Haß. Mit der manipulativen Hilfe des späteren Imperators zwar, aber das soll keine Entschuldigung für meinen eigenen Anteil an der Katastrophe sein." Die Gestalt seufzte bedauernd. "Es kam der Zeitpunkt, an dem ich so sehr mit meinem eigenen Leiden beschäftigt war, daß mich der Rest des Universums nicht mehr kümmerte. Palpatine hat meine Emotionen nicht verursacht. Er hat sie nur für seine eigenen Zwecke ausgenutzt."
"Und was war der Grund für diese Konflikte?"
"Nun, ich wollte ein guter Jedi sein. Aber gleichzeitig liebte ich eine Frau."
"Und was hat das Eine mit dem Anderen zu tun?" fragte der junge Jedi verwundert.
"Deine Frage zeigt, daß du von den Regeln des alten Jedi-Ordens nicht sehr viel weisst."
"Nun ja...während du der Dunklen Seite gedient hast, warst du bei der Beseitigung des Ordens und seiner Hinterlassenschaften sehr gründlich."
"Ich weiss. Dadurch war mein Sohn bei der Neugründung des Ordens sehr auf Improvisation angewiesen. So gesehen hatten meine Taten doch ein gutes Nebenergebnis - auch wenn das damals natürlich nicht in meiner Absicht lag."
"Wie kannst du so über die gnadenlose Auslöschung von so vielen Leben sprechen?"
"Ich bedaure die Vernichtung dieser Leben, Jacen, aber ich bedaure NICHT die Vernichtung des Systems."
"Könntest du mir das genauer erklären?"
Die Gestalt nickte.
"Deswegen bin ich hier."
"Da bin ich aber mal gespannt."
Die Gestalt schmunzelte amüsiert.
"Früher war es so, daß Jedi, die auf Reisen waren, und kleine Kinder entdeckt haben, die in der Macht talentiert waren, diese Kinder für den Orden rekrutiert haben.", begann er. "Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren wurden auf diese Weise von ihren Familien getrennt und vom Orden aufgezogen. Der Hauptgrund dafür war, daß emotionale Bindungen zu anderen Menschen vermhindert werden sollten."
"Warum denn das?"
"Früher hielt der Orden nicht nur negative Emotionen für einen Weg zur Dunklen Seite, sondern ALLE Emotionen."
"Du meinst...auch Liebe?" fragte Jacen überrascht.
"Natürlich. Ein Jedi soll Ordnung und Frieden im ganzen Universum dienen. Er soll das große Ganze im Auge haben. Eine Beziehung wäre da nur hinderlich. Sie stört den Fokus des Jedi auf das Gesamtbild und schafft eine Situation, in der ein Jedi möglicherweise in Versuchung geraten würde, die Macht zu mißbrauchen, um seinem Partner zu helfen, oder eine Entscheidung zu treffen, die nicht das Wohl der Mehrheit, sondern in erster Linie das Wohl des Partners im Blick hat."
"Aber Menschen haben nunmal Gefühle." wandte Jacen ein. "Wie kann ein Jedi einen Zustand des Friedens und der Harmonie erreichen, wenn er einen Teil seines Selbst ablehnt?"
"Indem er sich von der bloßen Möglichkeit, einem anderen Menschen so nahe zu kommen, daß Liebe entstehen könnte, isoliert." antwortete der Mann, der früher unter dem Namen Darth Vader eine ganze Galaxis in Angst und Schrecken versetzt hatte, gleichmütig. "Aber das war etwas, was ich nie tun konnte. Schon zu Beginn meiner Ausbildung gab es eine starke emotionale Bindung sowohl zu meiner Mutter als auch zu meiner späteren Frau, Padme Amidala."
"Das wird dem Orden nicht gefallen haben." vermutete Jacen.
"Natürlich nicht. Aber ich war von Anfang an stark in der Macht, und wenn sie sich geweigert hätten, mich auszubilden, wäre ich eine viel zu große Gefahr für mich und meine Umwelt gewesen. Daher hatten sie keine Wahl. Sie mußten mich weiter ausbilden und hoffen, daß sich der Konflikt zwischen dem Kodex und meinen Emotionen irgendwann lösen würde."
"Offensichtlich vergeblich." bemerkte der junge Jedi.
"Leider. Aber glücklicherweise handhabt der neue Jedi-Orden diese Angelegenheiten nicht so restriktiv. Du wirst dich nicht mit einem Konflikt zwischen Regeln und Gefühl auseinandersetzen müssen."
"Aber mit einem anderen Konflikt?"
"Sehr gut. Du liest zwischen den Zeilen, und du hast Recht. Es wird die Zeit kommen, wo du zwischen zwei widerstreitenden Emotionen wirst entscheiden müssen."
"Und hat diese Entscheidung etwas mit der augenblicklichen Lage zu tun?"
"Das wirst du selbst herausfinden müssen. Ich kann dir nur soviel sagen: Bevor du diese Entscheidung triffst, sei dir über deine Gefühle völlig im Klaren. Und denke auch über die weitreichenden Konsequenzen deiner Entscheidungen nach."
"Das klingt so, als ob das Schicksal der Welt von mir abhinge." bemerkte er wenig begeistert.
"Von dir und deinen Freunden." bestätigte Anakin Skywalker ernst. "Aber wenn du ehrlich zu dir selbst bist, hast du das längst erkannt, nicht wahr?"
Jacen nickte langsam.
"Gut. Ein letzter Rat noch, bevor ich dich verlasse: Pass gut auf deine Freunde auf, denn deine Gegner sind zahlreich und stark in der Macht. Aber genau wie damals, als mein Sohn die Rebellion gegen das Imperium unterstützt hat, gibt es auch heute einen Funken des Lichts in der Dunkelheit. Du wirst diesen Funken sehen, wenn du gut aufpasst."
"Ich werde aufpassen, Großvater." versprach er.
"Gut. Dann lebe wohl, und möge die Macht mit dir sein, Enkelsohn."
Nach diesen Worten verlor die Gestalt rasch an Substanz und war binnen weniger Sekunden verschwunden.
"Das war ja mal ein Erlebnis." murmelte Jacen. Dann schaute er sich um und blickte in die ruhigen, blauen Augen von Ami.
Sie lächelte.
"Ich wußte nicht, daß dein Großvater dich hier besuchen kann."
"Jedi, die zu Lebzeiten stark in der Macht waren, können manchmal auch nach ihrem Tod in Erscheinung treten." antwortete er darauf. "Mein Onkel hat mir davon erzählt. Es ist für den Jedi nicht einfach, und deshalb sind solche Erscheinungen sehr, sehr selten."
"Seine letzten Worte klangen wie eine Warnung, meinst du nicht auch?"
"Ja. Aber wir können nicht mehr tun als aufpassen und auf die Macht vertrauen." meinte er dazu. "Schließlich können wir nicht wieder auf diese Station zurück, wenn wir einfach so verschwinden."
Von der anderen Seite erklang ein herzhaftes Gähnen.
"Vielleicht wir sollten dann einfach sehen, daß wir vernichten diese Station hier." warf Shampoo ein, während sie sich genüßlich räkelte.
"Gute Idee." Jacen stand auf und hielt Ami seine Hand hin, um ihr aufzuhelfen.
Die Senshi des Merkur schenkte ihm ein dankbares Lächeln und nahm seine Hand.
Nun würden sie den Imperialen zeigen, was eine Senshi, eine Amazone und ein Jedi zu tun in der Lage waren.
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Burt Hanson war ein in Ehren ergrauter Seebär, ein Mann, der sich in den Gewässern, die er seit nun fast dreißig Jahren befuhr, auskannte, wie kein zweiter.
Was vielleicht daran lag, daß es wegen der schlechten Wirtschaftslage nicht mehr viele Leute gab, die mit Ausflugsschiffen Touristen durch den Hafen von San Francisco schipperten.
Auch an diesem frühen Vormittag war er wieder unterwegs. Etwas mehr als die Hälfte der Plätze auf seinem Schiff waren besetzt, so daß er gerade so eben mit dieser Fahrt in der Gewinnzone landen würde.
Trotzdem erklärte er den Leuten enthusiastisch, was sie dort draußen zu sehen bekamen, gab dabei ein paar Anekdoten zum Besten, und hoffte, daß seine Passagiere sich so gut amüsieren würden, daß sie ihn weiterempfehlen würden. Sein Geschäft lebte schließlich von der Mundpropaganda.
Plötzlich, im wahrsten Sinne des Wortes, donnerte ein giftgrüner Lichtblitz keine dreißig Meter von Burt Hansons Ausflugsschiff entfernt ins Wasser.
"Was zum Teufel war DAS?" stiess er erschrocken hervor, und starrte entsetzt auf die meterhohe Wolke aus verdampftem Wasser, die über der Einschlagstelle stand.
Schreie vom Aussichtsdeck ließen ihn fluchend herumfahren. Das Letzte, was er jetzt brauchte, waren verletzte Touristen. Aber es gab keine Verletzten. Die Leute zeigten aufgeregt auf etwas, was sich weiter westlich abspielte.
°Mein Gott, die Brücke!° erkannte er, ebenso entsetzt wie seine Passagiere.
Ein ganzer Abschnitt der Golden Gate Bridge existierte nicht mehr.
Hanson griff mit zittrigen Fingern zu seinem Fernglas, um die knapp vierhundert Meter entfernte Brücke genauer zu betrachten. Zuerst dachte er, es sei ein Stück aus der Brücke herausgebrochen, aber dann sah er sich die Überreste der Trägerstruktur genauer an und bemerkte, daß sie in einem schwachen Rotton glühten.
°Das sieht aus, als wenn die Brücke weggeschmolzen worden wäre.°
Dann fuhr ein neuer Lichtblitz in einen anderen Teil der Brücke, und bestätigte seine Vermutung.
"Das ist genug Aufregung für heute." murmelte er zu sich selbst und griff zum Steuer. Er würde das Schiff zurück zum Anleger bringen und sich dann so schnell wie möglich in Sicherheit bringen.
Als er zurückblickte, sah er eine ganze Serie dieser Lichtblitze auf ein Gelände in der Nähe der Brücke niedergehen.
Das Presidio.
Eine der ältesten Militäreinrichtungen in San Francisco.
Hanson griff zum Funkgerät und rief den Hafenkommandanten an. Er wollte wissen, was überhaupt los war, aber in der Hafenmeisterei wußte man auch nicht mehr.
Das nächste Blitzgewitter traf die Marinewerft und verwandelte die Kräne, Dockanlagen und Schiffe dort in eine Anhäufung von modernem Stahlschrott.
Auf der Fahrt zu seinem Anleger bemerkte Hanson, daß über dem militärischen Teil des Hafens dichte Rauchwolken hingen.
Später sollte er erfahren, daß diese Lichtbolzen alle Schiffe im Hafen und den Hafen selbst zerstört hatten.
Zerstörer, Kreuzer, Fregatten, Minensucher, U-Boote. Alles zerstört.
Genau wie jede andere militärische oder rüstungsindustrielle Einrichtung in der Stadt. Und er erfuhr aus den Nachrichten, daß kurz zuvor San Diego, Los Angeles und Fresno ebenfalls getroffen worden waren. Auch hier waren, von ein paar Ausnahmen abgesehen, fast nur militärisch relevante Ziele getroffen worden.
Niemand wußte zunächst, was diese Angriffe verursacht hatte. Es gab Spekulationen, die bis hin zu einem Angriff durch Außerirdische reichten.
Die amerikanische Bevölkerung hing gebannt an den Fernsehgeräten und wartete auf Aufklärung.
Der Präsident sprach zur Nation, forderte die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren und zuversichtlich zu bleiben, und versicherte, das amerikanische Militär sei der Lage gewachsen und würde Maßnahmen vorbereiten.
Fünf Minuten nach Ende der Ansprache unterbrachen CNN und CBS ihr Programm mit einer Sondermeldung. Über einen Satelliten von Tenchi Communication Systems wurde ein Signal direkt an die zentralen Empfangsstationen dieser Sender ausgestrahlt.
Eine junge Frau mit rotblonder Mähne, gekleidet in eine dunkle Robe, teilte dem amerikanischen Volk mit, es werde nun über die Hintergründe der Angriffe an seiner Westküste informiert werden.
Das Podium, von dem aus sie ihre Ansprache hielt, war mit der mikronesischen Flagge geschmückt.
"Volk der Vereinigten Staaten von Amerika." begann sie ihre Rede. "Als wir vor Monaten gegen den von ihrer Regierung unrechtmäßig begonnenen Krieg im Irak protestierten, erklärte ihre Regierung uns, der Föderation von Mikronesien, den Krieg. Seitdem hat ihre Regierung unzählige andere Nationen gegen uns aufgehetzt, aber ohne Erfolg. Trotz allen Widerstands haben unsere Truppen Sieg über Sieg errungen, und einen Feind nach dem anderen in seine Schranken verwiesen. Aber haben wir die Bevölkerung, der mit uns verfeindeten Staaten für die Fehler ihrer Regierungen büßen lassen, wie uns von ihrer Regierung unterstellt wird? Nein. Wir haben erhebliche Ressourcen aufgewandt, um das Leben der Menschen, die neu in unseren Verantwortungsbereich geraten sind, zu verbessern." Sie machte eine kurze Pause, in der sie bekümmert in die Kamera blickte. "Um ihrer Regierung zu demonstrieren, wozu wir in der Lage sind, haben wir die Hawaii-Inseln erobert. Danach haben wir die Vereinigten Staaten in Ruhe gelassen, in der Hoffnung, ihre Regierung möge ihren Fehler einsehen, und im Interesse des Weltfriedens das Gespräch mit uns suchen. Aber unser Verzicht auf weitere Angriffe auf amerikanisches Territorium wurde uns als Schwäche ausgelegt. Unsinnige Propaganda behauptete, wir wären gar nicht in der Lage, die Armee der Vereinigten Staaten zu besiegen, obwohl wir auf Hawaii und im Irak das Gegenteil bewiesen haben. Die schlichte Wahrheit, nämlich, daß wir gar nicht den Wunsch haben, einen menschenvernichtenden Krieg gegen die USA zu führen, wurde dabei bewußt ignoriert, so daß wir uns nun gezwungen sehen, trotz tiefsten Bedauerns unsere Fähigkeiten zu demonstrieren." Sie machte eine erneute Effekt-Pause, bevor sie weitersprach. "Wir werden ihnen über die Sender CNN und CBS Bildaufnahmen aus dem Erdorbit zugänglich machen, wo sich eine unserer mächtigsten Waffen befindet: Eine Orbitalwaffenplattform, die selbst die kühnsten Vorstellungen der fanatischen amerikanischen Militärführer übersteigt. Sie haben gesehen, was diese Waffe zu tun vermag. In San Diego, Los Angeles, Fresno und San Francisco. Weitere Orte werden folgen, bis die Rüstungs- und Militärkapazität der Vereinigten Staaten von Amerika nicht mehr existent ist. Wir bedauern diesen drastischen Schritt zutiefst, aber da ihre große Nation von einer Gruppe von imperialistischen, fanatischen Kriegstreibern regiert wird, die aus falschem Stolz eine diplomatische Lösung unseres Konflikts ablehnt, haben wir mit Rücksicht auf den Rest der Welt keine andere Wahl, als diesen Kurs weiterzuverfolgen. Machen sie der Föderation von Mikronesien deswegen keinen Vorwurf, sondern ihren eigenen fehlgeleiteten Führern, die aus der Sicherheit ihrer Kommandobunker heraus brave Bürger in den Tod schicken, um ihre kranken Machtansprüche zu befriedigen."
Nach dieser Ansprache wechselte das Bild zu einer Ansicht eines gewaltigen hellgrauen Stahlwürfels, der im Erdorbit über der amerikanischen Westküste hing und pausenlos giftgrüne Lichtblitze auf Ziele auf der Erdoberfläche niederregnen ließ.
Zwei kleinere Bildausschnitte zeigten zum Einen eine Zoomansicht der Zielregion, die es erlaubte, live die Explosion von Gebäuden, Schiffen, Flugplätzen und anderen Dingen zu verfolgen, und zum Anderen eine stilisierte Karte der USA, auf der die gerade angegriffene Stadt und die bereits heimgesuchten Städte hervorgehoben wurden.
Jeder Dummkopf konnte sich ausrechnen, wann sein eigener Wohnort in Reichweite dieser Waffe sein würde, und das zu erwartende Ergebnis war eine landesweite Massenpanik, die dazu führte, daß in allen Staaten der Notstand ausgerufen werden mußte. Armee und Nationalgarde wurden auf diese Weise noch stärkeren Belastungen ausgesetzt, was sich für die Gegenseite zweifellos bezahlt machen würde, sobald der Angriff am Boden begann. Falls ein solcher Angriff überhaupt noch notwendig sein würde. Fiel das Land ins Chaos, mochte es vielleicht sogar gelingen, ohne aufreibende Gefechte einzumarschieren und das Land zu besetzen.
Als Hades mit dem Beschuß von Seattle und Portland begann, lösten sich gleichzeitig tausende von schwarzen, eiförmigen Kapseln, jede etwa vier Meter hoch und an der dicksten Stelle etwa zwei Meter breit, von der Waffenplattform, und tauchten in genau berechneten Bahnen, die sie über ganz Alaska verteilt herunterbringen würden, in die Atmosphäre ein.
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Drei Stunden nach dem Angriff auf Seattle wurde Darth Saturn von einem Adjutanten geweckt. Über Holokomm war eine Nachricht für sie eingetroffen.
Nachdem Saturn sich angekleidet hatte, betrat sie ihren Kommandoraum und rief die Nachricht ab.
Es handelte sich um eine kurze Meldung von Ravana, in der sie meldete, daß alle afrikanischen Staaten sich noch während der laufenden Machtdemonstration darauf verständigt hatten, die Föderation um Bündnismitgliedschaft zu ersuchen.
Saturn lächelte zufrieden, als sie die Bestätigung dafür bekam, daß ihre Strategie aufging.
Noch während sie darüber nachdachte, welche Schritte sie nun, da die Kriegsgefahr in Afrika gebannt war, verwirklichen konnte, erschien eine kurze Meldung auf einem der vielen Displays, die rund um ihren Platz angeordnet waren.
Sie betätigte mit der Macht einen Knopf, und sofort baute sich vor ihr das holographische Abbild von Lord Maurice auf.
"Maurice. Was kann ich für dich tun?" fragte sie lächelnd. "Wir hatten doch erst vor ein paar Stunden das Vergnügen einer Unterhaltung."
"Ich habe Neuigkeiten, Lady Saturn." verkündete der junge Franzose grinsend.
"Deiner Miene entnehme ich, daß es gute Neuigkeiten sind."
"In der Tat. Drei Stunden nach unserer Konferenz liefen meine Truppentransporter unter schwerem Geleitschutz Häfen auf Island und Grönland an. Praktisch direkt nachdem unsere Truppen an Land gegangen waren, haben die Verteidiger beider Inseln unter der Bedingung, daß wir die Besetzung so gewaltfrei wie möglich gestalten, kapituliert, und da wir ja ohnehin den Befehl haben, Zivilisten soweit wie möglich zu schonen, habe ich das selbstverständlich akzeptiert."
"Mit anderen Worten: Island und Grönland sind ohne Kampfhandlungen in unsere Hand gefallen."
Maurice nickte bestätigend.
"Sehr gut."
"Unsere Pioniere haben auf Grönland bereits mit dem Bau der für die Unterbringung einer halben Million Soldaten plus Ausrüstung und Verpflegung notwendigen Einrichtungen begonnen."
"Ausgezeichnet, Lord Maurice." lobte Darth Saturn ihn erneut. "Ich frage mich angesichts ihrer Erfolge, ob wir unsere Planung möglicherweise leicht modifizieren sollten."
"Inwiefern?"
"Ihr schafft in Grönland Kapazitäten für zweihunderttausend Mann, zwei Stützpunkte für je drei Geschwader TIE-Defender und Lager- und Wartungskapazitäten für eine halbe Million Typ II-Drohnen."
"Dann wollen sie den Krieg an der amerikanischen Ostküste primär mit Drohnen und Luftwaffe führen?"
"Diese Einheiten werden sich zunächst nicht mit den USA befassen, sondern in Kanada einfallen." erklärte Saturn. "Das Land ist größtenteils sehr dünn besiedelt, und ich gehe davon aus, daß die Kanadier sehr schnell kapitulieren werden, so daß zweihunderttausend Soldaten als Sicherheitsgarnison ausreichen sollten."
"Klingt gut."
"Außerdem werden sie so schnell wie möglich eine Besatzungsarmee nach Neufundland entsenden." befahl sie. "Wenn wir nämlich diese Insel als Ausgangspunkt für den Angriff auf die Ostküste wählen, haben wir wesentlich kürzere Wege für den Nachschub zurückzulegen. Dort werden sie Stützpunkte für die übrigen dreihunderttausend Mann anlegen. Außerdem werden wir auf dieser Insel mindestens sechs Geschwader TIE-Defender stationieren."
"Die Amerikaner werden alles in ihrer Macht stehende tun, um uns von der Eroberung Neufundlands abzuhalten." wandte Maurice ein. "Und die Kanadier werden da auch nicht einfach so zusehen."
"Sicher nicht." stimmte sie zu. "Aber die Amerikaner werden es viel schwerer haben, Truppen auf Neufundland mit Nachschub zu versorgen, als Truppen auf dem Festland, und jeder Soldat, der auf Neufundland fällt oder gefangengenommen wird, ist ein Soldat weniger, der uns später bei der Landung in den USA Ärger machen kann. Außerdem können wir unsere Verluste leichter ersetzen als die Amerikaner." Maurice nickte zustimmend.
"Es wird etwa vier Tage dauern, ausreichend Truppen auf dem Luftweg aus Europa nach Grönland zu verlegen. Danach entsende ich meine Truppen von dort nach Neufundland."
Sie nickte beifällig.
"Informieren sie mich, sobald sie die Insel eingenommen haben. Früher, falls die Amerikaner etwas Unerwartetes tun."
Nach dieser Anweisung berührte sie mit der Macht einen Knopf auf der Kommkonsole und unterbrach damit die Verbindung zu Maurice.
In dem Wissen, nun sowieso nicht mehr schlafen zu können, warf sie einen Blick auf eine der Operationskarten an der Wand. Die Karte zeigte den nordamerikanischen Kontinent. Ein breites Gebiet von der mexikanischen Grenze bis zur kanadischen Grenze entlang der Westküste war blaßgrün unterlegt. Ein weiterer, mehrere hundert Kilometer breiter Streifen östlich daneben von der kanadischen Grenze, entlang der Rocky Mountains bis hinunter nach Denver leuchtete ebenfalls grün. Die Region rund um Pueblo, knapp zweihundert Kilometer südlich von Denver, blinkte grün, während der Rest der USA in blasses Rot getaucht war.
Noch.
Hades würde sich südwärts bis zum Golf von Mexiko vorarbeiten, dann nach Osten schwenken, bis zu einem Punkt irgendwo zwischen Houston und New Orleans, und von dort wieder nach Norden wandern. Danach entlang des Oberen Sees und des Michigan Sees und dann knapp östlich des Mississippi wieder zurück bis zum Golf. Dann wieder nordwärts, um die anderen amerikanischen Städte rund um die großen Seen heimzusuchen, und am Ende längs der Appalachen wieder zurück bis nach Miami. In etwas mehr als zwei Tagen würden die Amerikaner nur noch rudimentäre Reste ihrer einstigen militärischen Macht besitzen.
°Und in etwa drei bis vier Wochen beginnen wir mit den ersten Schritten unserer Landung im Westen. Sobald General Craiden den Brückenkopf im Nordwesten gesichert hat und wir weitere Klone samt Ausrüstung in Position gebracht haben.°
Zufrieden beobachtete sie die sich ausbreitende Anhäufung stecknadelkopfgroßer hellgrüner Tupfer auf dem blassen Rot, das Alaska bedeckte.
Der Einsatz der Kampfdrohnen begann bereits sich bezahlt zu machen.
Erneut berührte sie mit der Macht einen Knopf am Kommdisplay. Wenig später war sie mit General Craiden direkt verbunden.
"Mylady, wir machen große Fortschritte." berichtete er stolz.
"Ich weiss." entgegnete sie. "Schließlich verfolge ich alle Truppenbewegungen von hier aus sehr genau."
"Wie kann ich ihnen dann zu Diensten sein?" erkundigte der General sich vorsichtig.
"Glauben sie, sie könnten bereits im aktuellen Stadium des Gefechts mit dem Transfer von Bodentruppen nach Alaska beginnen?"
"Momentan würden wir durch die amerikanische Langstreckenluftabwehr Verluste von geschätzten fünfzig Prozent erleiden." antwortete er sofort, was ihr zeigte, daß der General sich bereits vorher mit dieser Frage beschäftigt haben mußte. "Aber ich behalte die Situation im Auge, und wenn wir genügend Abwehrstellungen ausgeschaltet haben, werde ich umgehend Befehl zur Landung geben."
"Wieviele Soldaten nehmen an dieser Operation Teil, General?"
"Sechzigtausend."
"Sobald ihre Simulationen von einer Verlustrate von nur noch einem Drittel ausgehen, starten sie die Invasion. Und falls die Amerikaner versuchen, in irgendeiner Form Unterstützung nach Alaska zu schicken, gehen sie unverzüglich dagegen vor."
"Ein Drittel?" stiess Craiden überrascht hervor. "Aber das..."
"Ich kann sie auch gern ablösen lassen, wenn sie sich nicht dazu in der Lage fühlen, einen simplen Befehl zu befolgen." unterbrach Saturn ihn ruhig, und sah ihn dann abwartend an. Der General straffte sich schließlich, um Wahrung einer gewissen Haltung bemüht, und salutierte dann förmlich.
"Jawohl, Mylady. Selbstverständlich werde ich den Befehl befolgen."
"Gut." Sie lächelte freundlich. "Natürlich können sie immer gern mit mir reden, wenn sie wegen irgendetwas Bedenken haben."
"Vielen Dank, Mylady. Das weiss ich zu schätzen."
Ihr Gesichtsausdruck wurde merklich kühler, genau wie ihre Stimme, als sie weitersprach.
"Aber stellen sie NIE WIEDER einen direkten Befehl von mir in Frage, General."
Nach einem letzten drohenden Blick unterbrach Darth Saturn auch hier die Verbindung und seufzte tief.
"Nerviger Trottel." murmelte sie kopfschüttelnd. "Jetzt brauch ich erstmal ein heißes Bad und ein ordentliches Frühstück, um meine Stimmung zu heben."
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°....° = jemand denkt
"...." = jemand sagt
{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)
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Darth Saturn – The Dark Harvest
Teil 21
Ami, Shampoo und Jacen hatten es sich in ihrem Versteck gemütlich gemacht und schliefen, um Kraft für das bevorstehende Abenteuer zu sammeln. Es war kaum anzunehmen, daß sie Ruhe finden würden, wenn sie erst einmal damit begonnen hatten, auf die Zerstörung der Raumstation hinzuarbeiten, also war es nur vernünftig, sich vorher ein wenig auszuruhen.
Jacen träumte.
Er trug die traditionelle braune Robe seines Ordens und schlich sich verstohlen aber dennoch mit großer Eile durch verwinkelte Gassen zwischen hoch aufragenden Gebäuden. Über ihm erklang das Jaulen von Sternenjägertriebwerken, gepaart mit dem typischen Geräusch von Laserbeschuß. Gelegentlich war auch Explosionsdonner zu hören.
Plötzlich tauchte eine kleine Gestalt, die ebenfalls in eine braune Robe gekleidet war, an seiner Seite auf.
Ein Jawa?
Was für eine absurde Idee. Was machte ein Jawa hier in...ja, wo war er eigentlich?
"Crackens Kommandos haben den Schildgenerator erreicht."
Die Stimme der kleinen Gestalt, deren Kopf unter einer Kapuze verborgen war, war ein raues Miauen.
An der Stimme erkannte Jacen, das er es nicht mit einem Jawa, sondern mit einem Noghri zu tun hatte.
Früher waren die grauhäutigen Katzenmenschen, die begnadete Assassinen, Infiltratoren und Leibwächter waren, durch einen Trick Darth Vaders in die Dienste des Imperiums gelockt worden, doch Jacens Mutter hatte ihnen die Täuschung offenbart und hatte sie Dank ihrer Autorität als Tochter Vaders, der von den Noghri trotz allem immer noch sehr verehrt wurde, auf die Seite der neuen Republik gezogen. Seitdem wurde sie ständig von einer Ehrenwache aus Noghri begleitet, die ihre Sicherheit zu einer Frage ihrer persönlichen Ehre gemacht hatten.
°Genau wie die Sicherheit ihrer Kinder, was erklärt, warum ich von Noghri begleitet werde.°
"Wir haben den Zugang zur Relaisstation fast erreicht." berichtete der Noghri. "Vier von uns sind vorausgeeilt, um die Wachen am Zugang auszuschalten."
"Gut. Beeilen wir uns und schalten das Ding aus, damit die Sonderstaffel das Kraftwerk erledigen kann, sobald der städtische Schutzschild unten ist." entgegnete der Jacen in seinem Traum, während er weiter durch die Gassen hastete.
Sobald das Kraftwerk ausgeschaltet war, würden die Abwehrgeschütze der Stadt keine Energie mehr haben. Und wenn die Relaisstation ausgeschaltet war, würden die Verteidigungseinrichtungen in der Umgebung des Kraftwerks keine Energie mehr haben, was der Sonderstaffel unter dem Kommando von General Wedge Antilles die Ausschaltung des Kraftwerks erleichtern würde. Die imperialen Verteidiger würden dann auf fahrzeuggestützte Waffensysteme angewiesen sein, deren Durchschlagskraft und Leistungsfähigkeit deutlich geringer war als die der festmontierten Systeme. General Salms B-Flüglergeschwader würde sich problemlos mit dieser Art des Widerstands befassen können, während die Landefähren weitere Bodentruppen in die Stadt brachten.
Zwei A-Flüglerstaffeln waren dazu abgestellt, die planetaren Raumjägerverbände in den Griff zu bekommen, und es sah so aus, als würde ihnen das auch problemlos gelingen. Für die veralteten TIE-Jäger waren die A-Flügler einfach zu wendig, und die TIE-Abfangjäger, die es in dieser Schlacht vielleicht mit den A-Flüglern hätten aufnehmen können, waren im planetennahen Raum in das Gefecht zwischen der Angriffsflotte der Neuen Republik und der imperialen Verteidigungsflotte, bestehend aus zwei Sternzerstörern der Imperial-II-Klasse, einem Sternzerstörer der Victory- Klasse und mehreren kleineren Kriegsschiffen, hauptsächlich Dreadnoughts, leichte Kreuzer der Carrack-Klasse und Fregatten der Lanzen-Klasse, verwickelt.
Aber warum befand Jacen sich auf dem Planeten?
Er war kein Soldat der Neuen Republik, sondern ein Jedi.
Und er war nicht der einzige Jedi hier, fiel ihm plötzlich ein.
Sein Onkel Luke, dessen Frau Mara, Meister Katarn und Meisterin Korr, die Frau, der Jacen seit einem Jahr als Schüler zugeteilt war, waren irgendwo auf dieser Welt...Garm hieß sie wohl...unterwegs.
Der Planet war eine Industriewelt, die nebst einer Reihe von Reparaturdocks im Orbit besonders durch die Produktionseinrichtungen für Panzer und Infanterieausrüstung, sowie ausgedehnte Kasernenkomplexe zur Ausbildung von Sturmtruppen auffiel. Normalerweise wäre das nicht bedenklich gewesen, da seit einigen Jahren Frieden zwischen der Neuen Republik und dem Imperium herrschte. Aber hier lagen die Dinge anders. Die Imperialen auf Garm hatten ganz plötzlich den Frieden gebrochen und hatten anschließend einen Kleinkrieg vom Zaun gebrochen.
Plötzlich erreichten sie einen freien Platz vor einem einstmals schwer bewachten Bunker.
Jetzt wurde der Platz von zwei brennenden Schwebepanzern flankiert, während annähernd zwei Dutzend tote Sturmtruppler vor dem Eingang herumlagen.
Und das war das Werk von lediglich vier Noghri.
°Kein Wunder, daß Vader sie unbedingt für das Imperium gewinnen wollte.° dachte er schaudernd. Die Katzenwesen waren ihm unheimlich, doch gleichwohl wußte er, daß er jedem von ihnen uneingeschränkt vertrauen konnte.
Die Noghri-Clans hatten seine Sicherheit schon gewährleistet, als er noch gar nicht geboren worden war, und obwohl es gelegentlich knapp geworden war, hatten sie doch im Allgemeinen hervorragende Arbeit geleistet.
Außerdem hatten sie allen Grund, sich ins Zeug zu legen, dachte er, als ihm plötzlich entsetzt einfiel, weshalb sie hier auf Garm waren.
Die Imps hatten die Staatschefin der Neuen Republik während einer diplomatischen Mission entführt und nach Erkenntnissen des Republik- Geheimdiensts nach Garm verschleppt.
Seine Mutter.
"Vergebung, Jacen Clan Organa-Solo." miaute einer der Noghri des Vorauskommandos. "Wir waren nicht schnell genug, um zu verhindern, daß das Tor geschlossen wurde."
"Macht euch deswegen keine unnötigen Sorgen." erwiderte er unbekümmert und musterte prüfend die massive, zweiflügelige Panzertür.
°Vielleicht könnte ich das Ding einfach kurzschließen.° überlegte er, als sein Blick auf die Schalttafel links neben dem Tor fiel.
Der Gedanke ließ ihn kurz grinsen, als er an eine ähnliche Situation denken mußte, von der ihm sein Vater erzählt hatte. Dessen Versuch damals auf Endor war gründlich in die Hose gegangen.
"Ein Wookie und ein AT-ST wären jetzt genau richtig." brummte er. "Aber da wir keins von beiden hier haben, muß es das hier tun."
Mit diesen Worten zog er sein Lichtschwert, aktivierte es, und schob die Energieklinge langsam in den zentimeterdicken Stahl des Tores hinein. Die Klinge durchdrang den Stahl wie ein heißes Messer durch Butter schneidet, und innerhalb weniger Minuten hatte er eine rechteckigen Öffnung in den Stahl geschnitten, die groß genug war, um ihn und seine Begleiter hineinzulassen.
Sie stiessen den ausgeschnittenen Stahlblock nach Innen. Dann stürmten die Noghri sofort mit großer Professionalität in den Bunker. Jeder von ihnen wußte, was er zu tun hatte, denn derartige Aktionen waren während ihrer Ausbildung tausendfach geübt worden, und ihnen inzwischen völlig in Fleisch und Blut übergegangen. Ihre Eleganz und Präzision übertraf jede andere Elite-Kommandoabteilung bei Weitem. In ihren besonderen Fachgebieten konnte es kein Soldat der Galaxis mit einem Noghri aufnehmen. Wie auch, wenn selbst ein Jedi Probleme haben konnte, mit ihnen fertigzuwerden?
Jacen folgte den Noghri dichtauf, nur um festzustellen, daß sie einen braununiformierten Offizier und vier weitere Sturmtruppler ausgeschaltet hatten.
°Und in den höchstens anderthalb Sekunden, die die Noghri dafür gebraucht haben, haben die Imps es nicht mal geschafft, auch nur einen Schuß abzugeben, obwohl sie auf unser Eindringen vorbereitet waren.°
Der Gedanke daran, wie leicht und schnell die Noghri töten konnten, ließ ihn schaudern.
Die 'Operation Relaisstation' erschien ihm inzwischen fast zu leicht.
Einer der Noghri nahm dem Offizier eine Schlüsselkarte ab und entriegelte den Aufzug.
"Wenn wir unten sind, folgen wir einem Wartungsgang, der sich nach etwa einhundert Metern gabelt. Auf der einen Seite haben wir die Kontrollterminals und auf der anderen Seite die Kammer mit dem Energieverteiler." wiederholte Jacen, was er über die Anlage wußte. "Wir werden uns aufteilen. Ihr Vier", er deutete auf das Vorauskommando, "kümmert euch um den Kontrollraum, während wir anderen uns um den Verteiler kümmern. Wenn alles glattgeht sind wir in fünf Minuten wieder draußen."
Die vier Noghri machten sich augenblicklich auf den Weg.
Von den sechs Katzenmenschen, die Jacen begleitet hatten, blieben zwei bei ihm, während vier vorauseilten, um den Weg zum Verteiler auf unschöne Überraschungen zu untersuchen.
Jacen erwartete nicht, daß irgendjemand für ihn Risiken einging, aber die Noghri bestanden darauf. Nachdem es ihnen schon nicht gelungen war, seine Mutter zu schützen, würden sie sich von nichts im Universum davon abhalten lassen, auch auf Kosten des eigenen Lebens seine Sicherheit zu gewährleisten - selbst gegen seinen Willen. Und da er wußte, daß er sie nicht daran hindern konnte, versuchte der junge Jedi es gar nicht erst.
Er und seine zwei Begleiter ließen den anderen einen Vorsprung von zwanzig Metern, was ein genügend großer Abstand war, um das Ehrgefühl der Noghri zu befriedigen, und gleichzeitig nah genug war, um dem Jedi im Notfall ein schnelles Eingreifen zu erlauben.
Die Vierergruppe erreichte die Gabelung und bog in Richtung des Verteilers ab, verschwand somit aus Jacens Sichtfeld.
Plötzlich erklang das charakteristische Summen eines Lichtschwerts. Dann verspürte Jacen dreimal in Folge eine Erschütterung in der Macht, die vom Ende eines Lebens kündete.
Als Jacen zusammen mit seinen Begleitern um die Ecke bog, flog ihnen der vierte Noghri, geschleudert von der Macht, entgegen. Reflexartig langte Jacen selbst hinaus, und bremste den Flug des Noghri, so daß er unbeschadet landen konnte. Die anderen beiden Noghri hatten bereits auf den Feind angelegt, der jedoch darauf nur mit einem geringschätzigen Lachen reagierte.
Der junge Jedi musterte seinen Gegner, der im Halbdunkel des Wartungsgangs von der roten Klinge seines Lichtschwerts in einem unheimlichen Licht erschien, genauer.
Es war eine Twi´lekfrau mit sehr heller Haut. Auf ihre Stirn waren verschlungene geometrische Muster tätowiert, und ihre Lekku, wie die Kopftentakel genannt wurden, waren mit dünnen, schwarzen Lederschnüren geschmückt, die in einem kunstvollen Muster geschnürt waren. Ihre Füsse steckten in schwarzen Halbstiefeln. Wohlgeformte Beine schlossen sich an, die unter einer eng anliegenden Hose von dunkelgrauer Farbe, bestickt mit roten Mustern, die von der Art an die Stirntätowierung erinnerten, nur in dem Sinne verborgen waren, daß sie keinen Blick auf die Haut erlaubten. Um ihre Hüften hing eine als Gürtel dienende Silberkette, an der die Halterung für ein Lichtschwert auf der rechten Seite erkennbar war, während auf der linken Seite ein weiteres Lichtschwert hing. Ihr Oberkörper steckte in einem bauchfreien Top, ebenfalls in schwarz. Vermutlich um sich in belebteren Gegenden vor Gaffern zu schützen, trug sie darüber einen bis zum Boden reichenden Umhang, der vorn über ihrem Schlüsselbein von einer silbernen Spange zusammengehalten wurde. Außerdem trug sie blutrote, fingerlose Lederhandschuhe.
Hinter ihr blockierte ein Kraftfeld den weiteren Weg. Ein Kraftfeld, das nicht in den ursprünglichen Plänen enthalten gewesen war, die bei der Planung des Einsatzes benutzt worden waren.
Sie grinste, als sie Jacen entdeckte.
"Deine Mutter wirst du hier unten nicht finden, Frischling."
"Deswegen bin ich auch nicht hier." gab er ruhig zurück.
Ein Jedi sollte, wann immer möglich, auf seine Selbstbeherrschung achten.
"Nicht? Dann scheint sie dir ja nicht allzu wichtig zu sein."
Mühsam unterdrückte er ein verärgertes Schnauben. Er spürte, daß diese Frau in Reizen wollte, und war entschlossen, ihr in dieser Hinsicht widerstand zu leisten.
"Ich liebe meine Mutter, aber ich muß sie nicht persönlich retten." antwortete er. "Mir reicht es zu wissen, daß ich hier meinen Teil dazu beitrage."
"Du willst den Energieverteiler hier sabotieren, nehme ich an." entgegnete die Twi´lek darauf. "Das bedeutet wohl, daß ihr es auf das Kraftwerk abgesehen habt."
"Und wenn?"
Sie kicherte und hob demonstrativ ihr Lichtschwert.
"Was aus dieser Stadt wird, kümmert mich nicht. Und wenn das Kraftwerk noch zehn Minuten arbeitet, ist eure Mission ohnehin gescheitert."
"Was soll das heißen?" warf Jacen ein.
"Es soll heißen, daß ihr jetzt genausogut nach Hause gehen könnt." gab sie zurück. "Oder könnt ihr mich in der kurzen Zeit besiegen, das Kraftfeld hinter mir deaktivieren und den Verteiler sprengen?"
"Ich glaube, du willst uns nur hinhalten und durcheinanderbringen." antwortete Jacen darauf. "Wir werden jedenfalls versuchen, unseren Auftrag zu erledigen."
Die Frau lachte trocken.
"Versuchen?", fragte sie spöttisch. "Ich dachte, dieses Wort gibt es im Wortschatz eines Jedis nicht."
"Was willst du eigentlich?" gab er zurück.
"Wir beide werden durch das Kraftfeld gehen, und dann werden wir ausprobieren, wer von uns beiden der bessere Kämpfer ist, Frischling. Sobald wir hinter dem Kraftfeld sind, verbinde ich den Öffnungsmechanismus mit einem Vitalmonitor, der meine Lebenszeichen überwacht, und wenn ich getötet werde, wird das Feld abgeschaltet, so daß deine Miezekätzchen ihren Auftrag erledigen können."
"Gibt es keine Lösung, bei der es nicht zur Vernichtung von Leben kommt?" fragte er ein wenig traurig. "Es kommt mir so sinnlos vor, daß ich jemanden töten soll, nur um ein Kradtfeld abzuschalten."
Sie zuckte gleichgültig mit den Schultern.
"Vielleicht gibt es eine solche Lösung. Aber ganz sicher erlaubt sie euch nicht die Zerstörung des Kraftwerks innerhalb der nächsten zehn Minuten."
Jacen seufzte traurig und hob dann in stummem Einverständnis mit der Herausforderung sein Lichtschwert.
"Gehen wir."
Jacen wurde plötzlich aus seinem Traum gerissen, als sein durch jahrelanges Training geschultes Unterbewußtsein die Anwesenheit einer neuen Präsenz in seiner Nähe spürte.
Er öffnete die Augen und langte gleichzeitig nach seinem Lichtschwert. Dann entdeckte er eine halbtransparente Gestalt in wenigen Metern Entfernung, die in einem hellblauen Lichtschein schimmerte.
Er entspannte sich wieder und setzte sich aufrecht hin.
Die Gestalt, die eine traditionelle Jedirobe trug, lächelte zufrieden.
"Du machst dem Orden Ehre, junger Mann. Deine Selbstkontrolle ist lobenswert."
"Wer sind sie?" murmelte der junge Jedi, wegen der Plötzlichkeit des Wechsels zwischen jenem Traum und der Realität ein wenig verwirrt.
Die Gestalt betrachtete ihn, prüfend, wie es schien.
"Erforsche deine Gefühle. Dann findest du die Antwort."
Jacen schloß seine Augen und konzentrierte sich auf seine Emotionen. Da war tatsächlich eine Verbindung zu jener Gestalt. Eine Art durch das Universum, durch Raum und Zeit, reichendes Band, welches sie miteinander verband.
"Großvater." sagte er schließlich, und öffnete die Augen wieder.
"Du hast großes Talent, Enkelsohn, und wie ich sehe, wurdest du gut ausgebildet."
Er errötete leicht bei diesem unerwarteten Lob.
"Danke. Aber ich sehe meine Ausbildung nicht als beendet an. Man lernt schließlich sein Leben lang neue Dinge."
"Viele deiner Vorgänger hatten nicht die Weisheit, das zu erkennen. Irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem sie aufhörten, dazuzulernen, weil ihnen ihr Stolz sagte, daß sie mit dem Lernen fertig wären."
"So wie du, Großvater?" fragte Jacen mit neutraler Miene.
Sein Gegenüber lachte leise.
"Bei mir lag es nicht am Stolz, mein Junge. Ich war schon immer ein sehr neugieriger Mensch, musst du wissen."
"Was ist dann passiert?"
"Was soll ich sagen? Es gab da einige emotionale Konflikte, die ich nicht lösen konnte. Das führte zu Frustration. Frustration führte zu Verbitterung. Und Verbitterung wurde zu Haß. Mit der manipulativen Hilfe des späteren Imperators zwar, aber das soll keine Entschuldigung für meinen eigenen Anteil an der Katastrophe sein." Die Gestalt seufzte bedauernd. "Es kam der Zeitpunkt, an dem ich so sehr mit meinem eigenen Leiden beschäftigt war, daß mich der Rest des Universums nicht mehr kümmerte. Palpatine hat meine Emotionen nicht verursacht. Er hat sie nur für seine eigenen Zwecke ausgenutzt."
"Und was war der Grund für diese Konflikte?"
"Nun, ich wollte ein guter Jedi sein. Aber gleichzeitig liebte ich eine Frau."
"Und was hat das Eine mit dem Anderen zu tun?" fragte der junge Jedi verwundert.
"Deine Frage zeigt, daß du von den Regeln des alten Jedi-Ordens nicht sehr viel weisst."
"Nun ja...während du der Dunklen Seite gedient hast, warst du bei der Beseitigung des Ordens und seiner Hinterlassenschaften sehr gründlich."
"Ich weiss. Dadurch war mein Sohn bei der Neugründung des Ordens sehr auf Improvisation angewiesen. So gesehen hatten meine Taten doch ein gutes Nebenergebnis - auch wenn das damals natürlich nicht in meiner Absicht lag."
"Wie kannst du so über die gnadenlose Auslöschung von so vielen Leben sprechen?"
"Ich bedaure die Vernichtung dieser Leben, Jacen, aber ich bedaure NICHT die Vernichtung des Systems."
"Könntest du mir das genauer erklären?"
Die Gestalt nickte.
"Deswegen bin ich hier."
"Da bin ich aber mal gespannt."
Die Gestalt schmunzelte amüsiert.
"Früher war es so, daß Jedi, die auf Reisen waren, und kleine Kinder entdeckt haben, die in der Macht talentiert waren, diese Kinder für den Orden rekrutiert haben.", begann er. "Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren wurden auf diese Weise von ihren Familien getrennt und vom Orden aufgezogen. Der Hauptgrund dafür war, daß emotionale Bindungen zu anderen Menschen vermhindert werden sollten."
"Warum denn das?"
"Früher hielt der Orden nicht nur negative Emotionen für einen Weg zur Dunklen Seite, sondern ALLE Emotionen."
"Du meinst...auch Liebe?" fragte Jacen überrascht.
"Natürlich. Ein Jedi soll Ordnung und Frieden im ganzen Universum dienen. Er soll das große Ganze im Auge haben. Eine Beziehung wäre da nur hinderlich. Sie stört den Fokus des Jedi auf das Gesamtbild und schafft eine Situation, in der ein Jedi möglicherweise in Versuchung geraten würde, die Macht zu mißbrauchen, um seinem Partner zu helfen, oder eine Entscheidung zu treffen, die nicht das Wohl der Mehrheit, sondern in erster Linie das Wohl des Partners im Blick hat."
"Aber Menschen haben nunmal Gefühle." wandte Jacen ein. "Wie kann ein Jedi einen Zustand des Friedens und der Harmonie erreichen, wenn er einen Teil seines Selbst ablehnt?"
"Indem er sich von der bloßen Möglichkeit, einem anderen Menschen so nahe zu kommen, daß Liebe entstehen könnte, isoliert." antwortete der Mann, der früher unter dem Namen Darth Vader eine ganze Galaxis in Angst und Schrecken versetzt hatte, gleichmütig. "Aber das war etwas, was ich nie tun konnte. Schon zu Beginn meiner Ausbildung gab es eine starke emotionale Bindung sowohl zu meiner Mutter als auch zu meiner späteren Frau, Padme Amidala."
"Das wird dem Orden nicht gefallen haben." vermutete Jacen.
"Natürlich nicht. Aber ich war von Anfang an stark in der Macht, und wenn sie sich geweigert hätten, mich auszubilden, wäre ich eine viel zu große Gefahr für mich und meine Umwelt gewesen. Daher hatten sie keine Wahl. Sie mußten mich weiter ausbilden und hoffen, daß sich der Konflikt zwischen dem Kodex und meinen Emotionen irgendwann lösen würde."
"Offensichtlich vergeblich." bemerkte der junge Jedi.
"Leider. Aber glücklicherweise handhabt der neue Jedi-Orden diese Angelegenheiten nicht so restriktiv. Du wirst dich nicht mit einem Konflikt zwischen Regeln und Gefühl auseinandersetzen müssen."
"Aber mit einem anderen Konflikt?"
"Sehr gut. Du liest zwischen den Zeilen, und du hast Recht. Es wird die Zeit kommen, wo du zwischen zwei widerstreitenden Emotionen wirst entscheiden müssen."
"Und hat diese Entscheidung etwas mit der augenblicklichen Lage zu tun?"
"Das wirst du selbst herausfinden müssen. Ich kann dir nur soviel sagen: Bevor du diese Entscheidung triffst, sei dir über deine Gefühle völlig im Klaren. Und denke auch über die weitreichenden Konsequenzen deiner Entscheidungen nach."
"Das klingt so, als ob das Schicksal der Welt von mir abhinge." bemerkte er wenig begeistert.
"Von dir und deinen Freunden." bestätigte Anakin Skywalker ernst. "Aber wenn du ehrlich zu dir selbst bist, hast du das längst erkannt, nicht wahr?"
Jacen nickte langsam.
"Gut. Ein letzter Rat noch, bevor ich dich verlasse: Pass gut auf deine Freunde auf, denn deine Gegner sind zahlreich und stark in der Macht. Aber genau wie damals, als mein Sohn die Rebellion gegen das Imperium unterstützt hat, gibt es auch heute einen Funken des Lichts in der Dunkelheit. Du wirst diesen Funken sehen, wenn du gut aufpasst."
"Ich werde aufpassen, Großvater." versprach er.
"Gut. Dann lebe wohl, und möge die Macht mit dir sein, Enkelsohn."
Nach diesen Worten verlor die Gestalt rasch an Substanz und war binnen weniger Sekunden verschwunden.
"Das war ja mal ein Erlebnis." murmelte Jacen. Dann schaute er sich um und blickte in die ruhigen, blauen Augen von Ami.
Sie lächelte.
"Ich wußte nicht, daß dein Großvater dich hier besuchen kann."
"Jedi, die zu Lebzeiten stark in der Macht waren, können manchmal auch nach ihrem Tod in Erscheinung treten." antwortete er darauf. "Mein Onkel hat mir davon erzählt. Es ist für den Jedi nicht einfach, und deshalb sind solche Erscheinungen sehr, sehr selten."
"Seine letzten Worte klangen wie eine Warnung, meinst du nicht auch?"
"Ja. Aber wir können nicht mehr tun als aufpassen und auf die Macht vertrauen." meinte er dazu. "Schließlich können wir nicht wieder auf diese Station zurück, wenn wir einfach so verschwinden."
Von der anderen Seite erklang ein herzhaftes Gähnen.
"Vielleicht wir sollten dann einfach sehen, daß wir vernichten diese Station hier." warf Shampoo ein, während sie sich genüßlich räkelte.
"Gute Idee." Jacen stand auf und hielt Ami seine Hand hin, um ihr aufzuhelfen.
Die Senshi des Merkur schenkte ihm ein dankbares Lächeln und nahm seine Hand.
Nun würden sie den Imperialen zeigen, was eine Senshi, eine Amazone und ein Jedi zu tun in der Lage waren.
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Burt Hanson war ein in Ehren ergrauter Seebär, ein Mann, der sich in den Gewässern, die er seit nun fast dreißig Jahren befuhr, auskannte, wie kein zweiter.
Was vielleicht daran lag, daß es wegen der schlechten Wirtschaftslage nicht mehr viele Leute gab, die mit Ausflugsschiffen Touristen durch den Hafen von San Francisco schipperten.
Auch an diesem frühen Vormittag war er wieder unterwegs. Etwas mehr als die Hälfte der Plätze auf seinem Schiff waren besetzt, so daß er gerade so eben mit dieser Fahrt in der Gewinnzone landen würde.
Trotzdem erklärte er den Leuten enthusiastisch, was sie dort draußen zu sehen bekamen, gab dabei ein paar Anekdoten zum Besten, und hoffte, daß seine Passagiere sich so gut amüsieren würden, daß sie ihn weiterempfehlen würden. Sein Geschäft lebte schließlich von der Mundpropaganda.
Plötzlich, im wahrsten Sinne des Wortes, donnerte ein giftgrüner Lichtblitz keine dreißig Meter von Burt Hansons Ausflugsschiff entfernt ins Wasser.
"Was zum Teufel war DAS?" stiess er erschrocken hervor, und starrte entsetzt auf die meterhohe Wolke aus verdampftem Wasser, die über der Einschlagstelle stand.
Schreie vom Aussichtsdeck ließen ihn fluchend herumfahren. Das Letzte, was er jetzt brauchte, waren verletzte Touristen. Aber es gab keine Verletzten. Die Leute zeigten aufgeregt auf etwas, was sich weiter westlich abspielte.
°Mein Gott, die Brücke!° erkannte er, ebenso entsetzt wie seine Passagiere.
Ein ganzer Abschnitt der Golden Gate Bridge existierte nicht mehr.
Hanson griff mit zittrigen Fingern zu seinem Fernglas, um die knapp vierhundert Meter entfernte Brücke genauer zu betrachten. Zuerst dachte er, es sei ein Stück aus der Brücke herausgebrochen, aber dann sah er sich die Überreste der Trägerstruktur genauer an und bemerkte, daß sie in einem schwachen Rotton glühten.
°Das sieht aus, als wenn die Brücke weggeschmolzen worden wäre.°
Dann fuhr ein neuer Lichtblitz in einen anderen Teil der Brücke, und bestätigte seine Vermutung.
"Das ist genug Aufregung für heute." murmelte er zu sich selbst und griff zum Steuer. Er würde das Schiff zurück zum Anleger bringen und sich dann so schnell wie möglich in Sicherheit bringen.
Als er zurückblickte, sah er eine ganze Serie dieser Lichtblitze auf ein Gelände in der Nähe der Brücke niedergehen.
Das Presidio.
Eine der ältesten Militäreinrichtungen in San Francisco.
Hanson griff zum Funkgerät und rief den Hafenkommandanten an. Er wollte wissen, was überhaupt los war, aber in der Hafenmeisterei wußte man auch nicht mehr.
Das nächste Blitzgewitter traf die Marinewerft und verwandelte die Kräne, Dockanlagen und Schiffe dort in eine Anhäufung von modernem Stahlschrott.
Auf der Fahrt zu seinem Anleger bemerkte Hanson, daß über dem militärischen Teil des Hafens dichte Rauchwolken hingen.
Später sollte er erfahren, daß diese Lichtbolzen alle Schiffe im Hafen und den Hafen selbst zerstört hatten.
Zerstörer, Kreuzer, Fregatten, Minensucher, U-Boote. Alles zerstört.
Genau wie jede andere militärische oder rüstungsindustrielle Einrichtung in der Stadt. Und er erfuhr aus den Nachrichten, daß kurz zuvor San Diego, Los Angeles und Fresno ebenfalls getroffen worden waren. Auch hier waren, von ein paar Ausnahmen abgesehen, fast nur militärisch relevante Ziele getroffen worden.
Niemand wußte zunächst, was diese Angriffe verursacht hatte. Es gab Spekulationen, die bis hin zu einem Angriff durch Außerirdische reichten.
Die amerikanische Bevölkerung hing gebannt an den Fernsehgeräten und wartete auf Aufklärung.
Der Präsident sprach zur Nation, forderte die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren und zuversichtlich zu bleiben, und versicherte, das amerikanische Militär sei der Lage gewachsen und würde Maßnahmen vorbereiten.
Fünf Minuten nach Ende der Ansprache unterbrachen CNN und CBS ihr Programm mit einer Sondermeldung. Über einen Satelliten von Tenchi Communication Systems wurde ein Signal direkt an die zentralen Empfangsstationen dieser Sender ausgestrahlt.
Eine junge Frau mit rotblonder Mähne, gekleidet in eine dunkle Robe, teilte dem amerikanischen Volk mit, es werde nun über die Hintergründe der Angriffe an seiner Westküste informiert werden.
Das Podium, von dem aus sie ihre Ansprache hielt, war mit der mikronesischen Flagge geschmückt.
"Volk der Vereinigten Staaten von Amerika." begann sie ihre Rede. "Als wir vor Monaten gegen den von ihrer Regierung unrechtmäßig begonnenen Krieg im Irak protestierten, erklärte ihre Regierung uns, der Föderation von Mikronesien, den Krieg. Seitdem hat ihre Regierung unzählige andere Nationen gegen uns aufgehetzt, aber ohne Erfolg. Trotz allen Widerstands haben unsere Truppen Sieg über Sieg errungen, und einen Feind nach dem anderen in seine Schranken verwiesen. Aber haben wir die Bevölkerung, der mit uns verfeindeten Staaten für die Fehler ihrer Regierungen büßen lassen, wie uns von ihrer Regierung unterstellt wird? Nein. Wir haben erhebliche Ressourcen aufgewandt, um das Leben der Menschen, die neu in unseren Verantwortungsbereich geraten sind, zu verbessern." Sie machte eine kurze Pause, in der sie bekümmert in die Kamera blickte. "Um ihrer Regierung zu demonstrieren, wozu wir in der Lage sind, haben wir die Hawaii-Inseln erobert. Danach haben wir die Vereinigten Staaten in Ruhe gelassen, in der Hoffnung, ihre Regierung möge ihren Fehler einsehen, und im Interesse des Weltfriedens das Gespräch mit uns suchen. Aber unser Verzicht auf weitere Angriffe auf amerikanisches Territorium wurde uns als Schwäche ausgelegt. Unsinnige Propaganda behauptete, wir wären gar nicht in der Lage, die Armee der Vereinigten Staaten zu besiegen, obwohl wir auf Hawaii und im Irak das Gegenteil bewiesen haben. Die schlichte Wahrheit, nämlich, daß wir gar nicht den Wunsch haben, einen menschenvernichtenden Krieg gegen die USA zu führen, wurde dabei bewußt ignoriert, so daß wir uns nun gezwungen sehen, trotz tiefsten Bedauerns unsere Fähigkeiten zu demonstrieren." Sie machte eine erneute Effekt-Pause, bevor sie weitersprach. "Wir werden ihnen über die Sender CNN und CBS Bildaufnahmen aus dem Erdorbit zugänglich machen, wo sich eine unserer mächtigsten Waffen befindet: Eine Orbitalwaffenplattform, die selbst die kühnsten Vorstellungen der fanatischen amerikanischen Militärführer übersteigt. Sie haben gesehen, was diese Waffe zu tun vermag. In San Diego, Los Angeles, Fresno und San Francisco. Weitere Orte werden folgen, bis die Rüstungs- und Militärkapazität der Vereinigten Staaten von Amerika nicht mehr existent ist. Wir bedauern diesen drastischen Schritt zutiefst, aber da ihre große Nation von einer Gruppe von imperialistischen, fanatischen Kriegstreibern regiert wird, die aus falschem Stolz eine diplomatische Lösung unseres Konflikts ablehnt, haben wir mit Rücksicht auf den Rest der Welt keine andere Wahl, als diesen Kurs weiterzuverfolgen. Machen sie der Föderation von Mikronesien deswegen keinen Vorwurf, sondern ihren eigenen fehlgeleiteten Führern, die aus der Sicherheit ihrer Kommandobunker heraus brave Bürger in den Tod schicken, um ihre kranken Machtansprüche zu befriedigen."
Nach dieser Ansprache wechselte das Bild zu einer Ansicht eines gewaltigen hellgrauen Stahlwürfels, der im Erdorbit über der amerikanischen Westküste hing und pausenlos giftgrüne Lichtblitze auf Ziele auf der Erdoberfläche niederregnen ließ.
Zwei kleinere Bildausschnitte zeigten zum Einen eine Zoomansicht der Zielregion, die es erlaubte, live die Explosion von Gebäuden, Schiffen, Flugplätzen und anderen Dingen zu verfolgen, und zum Anderen eine stilisierte Karte der USA, auf der die gerade angegriffene Stadt und die bereits heimgesuchten Städte hervorgehoben wurden.
Jeder Dummkopf konnte sich ausrechnen, wann sein eigener Wohnort in Reichweite dieser Waffe sein würde, und das zu erwartende Ergebnis war eine landesweite Massenpanik, die dazu führte, daß in allen Staaten der Notstand ausgerufen werden mußte. Armee und Nationalgarde wurden auf diese Weise noch stärkeren Belastungen ausgesetzt, was sich für die Gegenseite zweifellos bezahlt machen würde, sobald der Angriff am Boden begann. Falls ein solcher Angriff überhaupt noch notwendig sein würde. Fiel das Land ins Chaos, mochte es vielleicht sogar gelingen, ohne aufreibende Gefechte einzumarschieren und das Land zu besetzen.
Als Hades mit dem Beschuß von Seattle und Portland begann, lösten sich gleichzeitig tausende von schwarzen, eiförmigen Kapseln, jede etwa vier Meter hoch und an der dicksten Stelle etwa zwei Meter breit, von der Waffenplattform, und tauchten in genau berechneten Bahnen, die sie über ganz Alaska verteilt herunterbringen würden, in die Atmosphäre ein.
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Drei Stunden nach dem Angriff auf Seattle wurde Darth Saturn von einem Adjutanten geweckt. Über Holokomm war eine Nachricht für sie eingetroffen.
Nachdem Saturn sich angekleidet hatte, betrat sie ihren Kommandoraum und rief die Nachricht ab.
Es handelte sich um eine kurze Meldung von Ravana, in der sie meldete, daß alle afrikanischen Staaten sich noch während der laufenden Machtdemonstration darauf verständigt hatten, die Föderation um Bündnismitgliedschaft zu ersuchen.
Saturn lächelte zufrieden, als sie die Bestätigung dafür bekam, daß ihre Strategie aufging.
Noch während sie darüber nachdachte, welche Schritte sie nun, da die Kriegsgefahr in Afrika gebannt war, verwirklichen konnte, erschien eine kurze Meldung auf einem der vielen Displays, die rund um ihren Platz angeordnet waren.
Sie betätigte mit der Macht einen Knopf, und sofort baute sich vor ihr das holographische Abbild von Lord Maurice auf.
"Maurice. Was kann ich für dich tun?" fragte sie lächelnd. "Wir hatten doch erst vor ein paar Stunden das Vergnügen einer Unterhaltung."
"Ich habe Neuigkeiten, Lady Saturn." verkündete der junge Franzose grinsend.
"Deiner Miene entnehme ich, daß es gute Neuigkeiten sind."
"In der Tat. Drei Stunden nach unserer Konferenz liefen meine Truppentransporter unter schwerem Geleitschutz Häfen auf Island und Grönland an. Praktisch direkt nachdem unsere Truppen an Land gegangen waren, haben die Verteidiger beider Inseln unter der Bedingung, daß wir die Besetzung so gewaltfrei wie möglich gestalten, kapituliert, und da wir ja ohnehin den Befehl haben, Zivilisten soweit wie möglich zu schonen, habe ich das selbstverständlich akzeptiert."
"Mit anderen Worten: Island und Grönland sind ohne Kampfhandlungen in unsere Hand gefallen."
Maurice nickte bestätigend.
"Sehr gut."
"Unsere Pioniere haben auf Grönland bereits mit dem Bau der für die Unterbringung einer halben Million Soldaten plus Ausrüstung und Verpflegung notwendigen Einrichtungen begonnen."
"Ausgezeichnet, Lord Maurice." lobte Darth Saturn ihn erneut. "Ich frage mich angesichts ihrer Erfolge, ob wir unsere Planung möglicherweise leicht modifizieren sollten."
"Inwiefern?"
"Ihr schafft in Grönland Kapazitäten für zweihunderttausend Mann, zwei Stützpunkte für je drei Geschwader TIE-Defender und Lager- und Wartungskapazitäten für eine halbe Million Typ II-Drohnen."
"Dann wollen sie den Krieg an der amerikanischen Ostküste primär mit Drohnen und Luftwaffe führen?"
"Diese Einheiten werden sich zunächst nicht mit den USA befassen, sondern in Kanada einfallen." erklärte Saturn. "Das Land ist größtenteils sehr dünn besiedelt, und ich gehe davon aus, daß die Kanadier sehr schnell kapitulieren werden, so daß zweihunderttausend Soldaten als Sicherheitsgarnison ausreichen sollten."
"Klingt gut."
"Außerdem werden sie so schnell wie möglich eine Besatzungsarmee nach Neufundland entsenden." befahl sie. "Wenn wir nämlich diese Insel als Ausgangspunkt für den Angriff auf die Ostküste wählen, haben wir wesentlich kürzere Wege für den Nachschub zurückzulegen. Dort werden sie Stützpunkte für die übrigen dreihunderttausend Mann anlegen. Außerdem werden wir auf dieser Insel mindestens sechs Geschwader TIE-Defender stationieren."
"Die Amerikaner werden alles in ihrer Macht stehende tun, um uns von der Eroberung Neufundlands abzuhalten." wandte Maurice ein. "Und die Kanadier werden da auch nicht einfach so zusehen."
"Sicher nicht." stimmte sie zu. "Aber die Amerikaner werden es viel schwerer haben, Truppen auf Neufundland mit Nachschub zu versorgen, als Truppen auf dem Festland, und jeder Soldat, der auf Neufundland fällt oder gefangengenommen wird, ist ein Soldat weniger, der uns später bei der Landung in den USA Ärger machen kann. Außerdem können wir unsere Verluste leichter ersetzen als die Amerikaner." Maurice nickte zustimmend.
"Es wird etwa vier Tage dauern, ausreichend Truppen auf dem Luftweg aus Europa nach Grönland zu verlegen. Danach entsende ich meine Truppen von dort nach Neufundland."
Sie nickte beifällig.
"Informieren sie mich, sobald sie die Insel eingenommen haben. Früher, falls die Amerikaner etwas Unerwartetes tun."
Nach dieser Anweisung berührte sie mit der Macht einen Knopf auf der Kommkonsole und unterbrach damit die Verbindung zu Maurice.
In dem Wissen, nun sowieso nicht mehr schlafen zu können, warf sie einen Blick auf eine der Operationskarten an der Wand. Die Karte zeigte den nordamerikanischen Kontinent. Ein breites Gebiet von der mexikanischen Grenze bis zur kanadischen Grenze entlang der Westküste war blaßgrün unterlegt. Ein weiterer, mehrere hundert Kilometer breiter Streifen östlich daneben von der kanadischen Grenze, entlang der Rocky Mountains bis hinunter nach Denver leuchtete ebenfalls grün. Die Region rund um Pueblo, knapp zweihundert Kilometer südlich von Denver, blinkte grün, während der Rest der USA in blasses Rot getaucht war.
Noch.
Hades würde sich südwärts bis zum Golf von Mexiko vorarbeiten, dann nach Osten schwenken, bis zu einem Punkt irgendwo zwischen Houston und New Orleans, und von dort wieder nach Norden wandern. Danach entlang des Oberen Sees und des Michigan Sees und dann knapp östlich des Mississippi wieder zurück bis zum Golf. Dann wieder nordwärts, um die anderen amerikanischen Städte rund um die großen Seen heimzusuchen, und am Ende längs der Appalachen wieder zurück bis nach Miami. In etwas mehr als zwei Tagen würden die Amerikaner nur noch rudimentäre Reste ihrer einstigen militärischen Macht besitzen.
°Und in etwa drei bis vier Wochen beginnen wir mit den ersten Schritten unserer Landung im Westen. Sobald General Craiden den Brückenkopf im Nordwesten gesichert hat und wir weitere Klone samt Ausrüstung in Position gebracht haben.°
Zufrieden beobachtete sie die sich ausbreitende Anhäufung stecknadelkopfgroßer hellgrüner Tupfer auf dem blassen Rot, das Alaska bedeckte.
Der Einsatz der Kampfdrohnen begann bereits sich bezahlt zu machen.
Erneut berührte sie mit der Macht einen Knopf am Kommdisplay. Wenig später war sie mit General Craiden direkt verbunden.
"Mylady, wir machen große Fortschritte." berichtete er stolz.
"Ich weiss." entgegnete sie. "Schließlich verfolge ich alle Truppenbewegungen von hier aus sehr genau."
"Wie kann ich ihnen dann zu Diensten sein?" erkundigte der General sich vorsichtig.
"Glauben sie, sie könnten bereits im aktuellen Stadium des Gefechts mit dem Transfer von Bodentruppen nach Alaska beginnen?"
"Momentan würden wir durch die amerikanische Langstreckenluftabwehr Verluste von geschätzten fünfzig Prozent erleiden." antwortete er sofort, was ihr zeigte, daß der General sich bereits vorher mit dieser Frage beschäftigt haben mußte. "Aber ich behalte die Situation im Auge, und wenn wir genügend Abwehrstellungen ausgeschaltet haben, werde ich umgehend Befehl zur Landung geben."
"Wieviele Soldaten nehmen an dieser Operation Teil, General?"
"Sechzigtausend."
"Sobald ihre Simulationen von einer Verlustrate von nur noch einem Drittel ausgehen, starten sie die Invasion. Und falls die Amerikaner versuchen, in irgendeiner Form Unterstützung nach Alaska zu schicken, gehen sie unverzüglich dagegen vor."
"Ein Drittel?" stiess Craiden überrascht hervor. "Aber das..."
"Ich kann sie auch gern ablösen lassen, wenn sie sich nicht dazu in der Lage fühlen, einen simplen Befehl zu befolgen." unterbrach Saturn ihn ruhig, und sah ihn dann abwartend an. Der General straffte sich schließlich, um Wahrung einer gewissen Haltung bemüht, und salutierte dann förmlich.
"Jawohl, Mylady. Selbstverständlich werde ich den Befehl befolgen."
"Gut." Sie lächelte freundlich. "Natürlich können sie immer gern mit mir reden, wenn sie wegen irgendetwas Bedenken haben."
"Vielen Dank, Mylady. Das weiss ich zu schätzen."
Ihr Gesichtsausdruck wurde merklich kühler, genau wie ihre Stimme, als sie weitersprach.
"Aber stellen sie NIE WIEDER einen direkten Befehl von mir in Frage, General."
Nach einem letzten drohenden Blick unterbrach Darth Saturn auch hier die Verbindung und seufzte tief.
"Nerviger Trottel." murmelte sie kopfschüttelnd. "Jetzt brauch ich erstmal ein heißes Bad und ein ordentliches Frühstück, um meine Stimmung zu heben."
