--°''°-- Kapitel II --°''°--

Hermine lag entspannt auf ihrem Bett ausgestreckt. Da hörte sie ein Klopfen an der Tür und eine Sekunde später stand Harry im Schlafsaal. Überrascht setzte sie sich auf.

„Harry, was...?" Doch weiter kam sie nicht, denn Harry verschloss ihre Lippen in einem leidenschaftlichen Kuss. Hermine, äußerst verwirrt, reagierte zunächst kaum. Doch dann warf sie ihre Verwirrung über Bord und küsste ihn genauso stürmisch zurück.

Nach einer Weile löste sie sich von Harry und sah ihm fragend in die smaragdgrünen Augen. Er grinste sie nur an und lehnte seine Stirn gegen ihre. „Wofür war das denn?", fragte sie schließlich. „Nicht, dass es mich gestört hätte", setzte sie eilig hinterher. Harrys Lächeln wurde breiter. „Ich wollte dir nur zeigen, dass ich nicht mehr böse bin wegen gestern. Und außerdem hab ich dich vermisst." Hermine lachte laut auf. „Oh ja, schließlich haben wir uns ja schon seit einer halben Stunde nicht mehr gesehen."

Damit legte sie ihre Arme um Harry und zog ihn mit sich aufs Bett. Harry drängte sich eng an sie und strich mit seinem Finger langsam an Hermines Arm auf und ab, was wohlige Schauer in ihr auslöste. Sanft küsste sie ihn auf die Lippen, doch Harry gab sich mit sanft nicht zufrieden. Fast augenblicklich vertiefte er den Kuss. Hermine blieb fast die Luft weg. Harry schaffte es immer wieder, dass sie sich wie schwebend fühlte. Doch als seine Hand unter ihre Bluse schlich, verflog das leichte Gefühl aus ihrem Kopf. Sie machte sich schwer atmend von ihm los. „Harry,.. warte. Ich... Parvati und Lavender könnten jeden Augenblick reinkommen", rauschte es aus ihr hervor. „Das können wir nicht machen." Harry seufzte enttäuscht, zog aber seine Hand zurück. „Schon gut", sagte er ruhig und blickte ihr tief in die Augen. „Ein anderes Mal vielleicht", versuchte sie ihn aufzuheitern und gab ihm einen kleinen Kuss auf die Wange. „Ja, ein anderes Mal", sagte Harry monoton und stand auf. „Ich muss noch Hausaufgaben machen. Wie wär's, du hilfst mir ein bissel?"

Hoffnungsvoll streckte er ihr seine Hand entgegen. Jetzt war es an Hermine, aufzuseufzen. „Na schön", sagte sie schließlich und ergriff seine Hand.

Aufmerksam saß Hermine am nächsten Tag im Verwandlungsunterricht. Da sie sich bereits im 6. Schuljahr befand, war der Unterricht immer anspruchsvoller geworden, was den armen Neville Longbottom schier zum Verzweifeln brachte. Professor McGonagall stand gerade an der Tafel und schrieb in klarer Schrift das Wort „Animagus" an. „Heute werden wir uns noch einmal ausführlicher mit den Animagi beschäftigen. Wie sie sicherlich noch wissen, wurde das Thema Animagus bereits in den niedrigeren Klassenstufen angesprochen." Mit ernster Miene begann Professor McGonagall über die Geschichte der ersten Animagi zu erzählen, mit Unterstützung von Hermine, die sich zwischendurch immer wieder meldete und dafür satte Hauspunkte gewann. Ja, sie hatte sich in letzter Zeit ausführlich mit dem Thema beschäftigt.

Was nicht weiter verwunderlich war, da sie doch schon seit langem plante, selbst ein Animagi zu werden. Sie hatte schon einige Male heimlich geübt und in ein paar Wochen dürfte sie es wohl perfektioniert haben. Natürlich würde sie fürs Erste ein illegaler Animagi bleiben, denn das hatte eindeutig seine Vorteile. ‚Und schließlich kann ich mich später, wenn die Schule aus ist,  immer noch registrieren lassen', dachte Hermine mit einem heimlichen Lächeln auf den Lippen.

Sie hatte Harry noch nichts von ihren Plänen erzählt. Er war oft ziemlich eingeschnappt gewesen, weil sie sich geweigert hatte, ihm zu erzählen, wo sie sich in letzter Zeit immer rumtrieb. Sie hatte ihn immer mit ‚Das wirst du schon bald rauskriegen' oder ‚Das ist ein Geheimnis' vertröstet. Schließlich brauchte sie ihre Ruhe, wenn sie wirklich die komplizierte Verwandlung hinkriegen wollte. Und der Korridor im dritten Stock, welchen Fluffy im ersten Schuljahr bewacht hatte, war seit damals unbenutzt und eignete sich hervorragend für ihre Übungen.

Als es endlich klingelte, schickte Neville einen „Gott-sei-dank-ist-die-Stunde-vorbei"- Blick zur Decke. Hermine räumte eilig ihre Tasche ein und wartete dann am Ausgang auf Harry, der angeregt mit Ron plauderte. Offensichtlich hatte Harry etwas Peinliches zur Sprache gebracht, denn Ron's Wangen und Ohren färbten sich leuchtend rot. Lachend wandte sich Harry ab und schlenderte gut gelaunt auf Hermine zu. Dann gab er ihr einen flüchtigen Kuss und nahm ihre Hand. „Worüber hast du denn mit Ron geredet?", fragte sie neugierig. Da schien Harry plötzlich selbst etwas verlegen zu werden. „Na ja, ich hab ihn gefragt, wie es ihm so geht." „Nur das? Wieso ist Ron denn dann so rot geworden?", fragte Hermine unschuldig. Harry senkte den Kopf um ihrem fragenden Blick auszuweichen. „Naja, ich wollte wissen, gestern nun noch was zwischen Ron und Padma gelaufen ist. Und scheinbar lautet die Antwort ja." Hermine schüttelte nur seufzend den Kopf. „Und wenn schon. Gönnen wir es ihm doch einfach."

Dann sah sie auf ihre Uhr hinab. „Hör zu, ich muss noch mal in die Bibliothek. Wir sehn uns heute Abend, ja?" Damit drückte sie ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange und verschwand.

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Ja, im Moment ist es noch etwas schnulzig, aber es wird noch besser. Versprochen!