--°''°-- Kapitel. III --°''°--
Hermine saß mit angespannten Gesichtsausdruck in der Bibliothek. Vor ihr lag das Buch Verwandlungen für Fortgeschrittene. Wochen waren vergangen seit ihrem Besuch in Hogsmeade. Neben ihren Hausaufgaben büffelte sie nun auch noch stundenlang für ihre Animagi-Verwandlung. Harry schien langsam ziemlich genervt zu sein, dass sie kaum noch Zeit für ihn hatte. Seufzend klappte sie den schweren Wälzer zu und brachte ihn zum Regal zurück. In den Moment stürmte Padma Patil, ziemlich aus der Puste, in die Bibliothek. „Hermine, Quidditch fängt gleich an!" Hermine betrachtete sie verwundert. Wie kam ein Mädchen, mit dem sie quasi nichts zu tun hatte, auf die Idee, sie abzuholen. Scheinbar schien Padma ihre Gedanken lesen zu können. „Ron hat mich nach dir geschickt. Er sagte, dass du vermutlich vollkommen vergessen würdest, dass heute ein Spiel ist, wenn du in der Bibliothek sitzt", beantwortete sie die unausgesprochene Frage. „Und scheinbar hat er recht gehabt", sagte sie lächelnd, und sah auf die dicken Bücher, die aufgeschlagen vor Hermine lagen. „Na schön. Ich packe zusammen." Damit klappte sie schnell alle Bücher zusammen, ordnete sie in die Regale und dann rannte sie zusammen mit Padma hinunter zum Quidditchfeld. Gerade noch rechtzeitig zum Anpfiff erreichten sie das Spielfeld.
„Ein wunderschöner Tag für ein Quidditchspiel. Heute treten an: Gryffindor gegen Ravenclaw!" Lee Jordan, wie jedes Jahr der Stadionsprecher, wartete, bis der Applaus verhallt war. Harry stand nervös unten auf dem Feld und umklammerte seinen Besen. Er spürte deutlich, wie das Adrenalin durch seine Blutbahnen rauschte. Neben ihm stand Ron, der als Treiber eingesetzt wurde. Er wirkte nicht viel ruhiger als er selbst. Ihm gegenüber stand Cho Chang, immer noch Sucherin der Ravenclaws. Sie war über die letzten Jahre ein ganzes Stück gewachsen, so dass sie nun fast so groß wie Harry war. Sie schien seine Anspannung zu spüren, denn sie lächelte ihm warm und aufmunternd zu. Mist, es war bestimmt taktisch unklug, den Gegner wissen zu lassen, dass man nervös war, dachte sich Harry. Gerade wollte er ihr Lächeln erwidern, als Cho im plötzlich zuzwinkerte. Verwirrt starrte er sie an. Hatte er sich nur verguckt? Doch weiter konnte er diesen Gedanken nicht verfolgen, da Madam Hooch in diesem Moment das Spielfeld betrat. „Okay Leute, ich will ein faires Spiel sehen. Besteigt jetzt eure Besen." Harry schwang sein Bein über den Stiel und auf Madam Hooch's Pfiff stieß er sich kraftvoll vom Boden ab. Der Wind rauschte durch sein sowieso schon verwuscheltes Haar, als er immer höher und höher stieg. Nur spärlich vernahm er Jordans Kommentare. „Und der neue Hüter von Gryffindor, Seamus Finnigan, hält den Quaffel! Weiter so, Gryffindors!" Es folgte McGonagalls übliche Ermahnung an ihn. „Tschuldigung, Professor." Unten tobte ein erbitterter Kampf um den Quaffel. Es war das vorletzte Spiel, und jeder Punkt zählte für den Pokal. Harry ließ seinen Blick über das Spielfeld schweifen, vollkommen auf ein goldenes Aufblitzen des Schnatzes konzentriert. Nachdem er das Spielfeld ein paar Mal umflogen hatte, sah er plötzlich, weit weit unter ihm, etwas Goldenes aufleuchten. Schnell wie ein Blitz riss er seinen Feuerblitz in die Tiefe. Aber auch Cho hatte den Schnatz augenscheinlich entdeckt, denn auch sie ging in einen rasanten Sturzflug über. Sofort hängte sie sich an Harrys Fersen. Sie war dicht hinter ihm, doch um sie machte er sich keine Sorgen. Schließlich war sein Besen um einiges schneller. Was ihn sorgte war der Schnatz. Er schwebte gefährlich nahe über dem Boden. Wenn Harry nicht bald hochziehen würde, würde er mit voller Kraft in den Boden rammen. In dem Moment zischte ein Klatscher nur einige Zentimeter entfernt an seiner Nase vorbei. Er vernahm das erschrockene Aufschreien der Menge, doch dann konzentrierte er sich wieder auf den Schnatz, der in der Zwischenzeit in die Höhe geschossen war. Doch so schnell gab Harry nicht auf. In Windesschnelle riss er seinen Besen nach oben, so schnell, dass Cho ihm nicht mehr folgen konnte. Dann jagte er hinter dem Schnatz her. Als er nur noch wenige Zentimeter vor ihm schwebte, schoss Harrys Hand nach vorne und klammerte sich um den kleinen goldenen Ball. Jubel brach auf den Tribünen aus und er hörte Jordans ekstatische Rufe. „Gryffindor gewinnt!! Gryffindor gewinnt 210 zu 90!!! Was für ein Spiel!"
Harry hielt den Schnatz triumphierend in die Höhe. Dann schenkte er Cho, die weiter hinten in der Luft schwebte, ein freudestrahlendes Lächeln, welches sie nur mit einem Schulterzucken quittierte.
Dann sah er Hermine und Ron auf das Spielfeld rennen, und er setzte zur Landung an, um sich von seinen Freunden feiern zu lassen.
Das Abendbrot erschien Harry wie ein Festessen. All die Anspannung, die ihn immer kurz vor einem Spiel befiel, war von ihm abgefallen. Der ganze Gryffindortisch jubelte ihm zu, als er und der Rest der Mannschaft die Halle betrat. Etwas verlegen setzte er sich auf den Platz neben Hermine. Diese drückte ihm strahlend einen Kuss auf die Wange. „Harry, du warst großartig gewesen. Einfach toll!" Grinsend blickte er ihr in die wundervollen braunen Augen, die ihn immer wieder zum Schmelzen brachten. „Ja Mann, echt klasse!", stimmte auch Ron zu, der Harry gegenüber saß. Glücklich schaufelte er sich Kartoffeln auf den Teller. Dann ging sein Blick an Rons Schulter vorbei, zum Tisch der Ravenclaws. Denn dort saß Cho, und starrte ihn aus ihren dunklen Augen heraus an. Ihr Blick war so zwingend, dass er kaum wegsehen konnte. Harry spürte, wie sich seine Wangen leicht rot färbten. Was sollte dieser Blick? Dann wurde ihm seine Umgebung bewusst, und er schaute besorgt zu Hermine hinüber, doch sie hatte von alledem nichts mitbekommen.
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