--°''°-- Kapitel IV --°''°--

Sie hatte es geschafft!

Mit einem aufgeregten Grinsen stellte sich Hermine noch einmal vor den Spiegel. Endlich, nach monatelangem Üben hatte sie eine vollständige Verwandlung zu Stande gebracht. Stolz stand sie da und betrachtete ihr normales Spiegelbild. ‚Endlich ist der Zeitpunkt gekommen, Harry zu zeigen, wieso ich in letzter Zeit so beschäftigt war', dachte sie aufgeregt. Dann packte sie ihren Zauberstab fester und schloss konzentriert die Augen...

Wenige Augenblicke später schlich sich eine braun-golden getigerte Katze aus dem Mädchenschlafsaal.

Sie wusste, dass Harry im Moment allein in seinem Zimmer war. Er hatte es sich angewöhnt, sich nach dem Quidditchtraining für ein Stündchen auszuruhen und einfach nichts zu tun, da das Training unter Kati Bell, der neuen Teamführerin, erheblich härter geworden war. So streifte Hermine zu den Jungenschlafsälen hinauf, ohne Angst, dass sie jemand entdecken würde. Die Tür war verschlossen, doch das stellte kein Problem dar, da ein Animagi in seiner Tiergestalt ohne Zauberstab zaubern konnte. Wie sollte man sich denn auch sonst zurückverwandeln?

Mit ihren Gedanken formte Hermine ‚Alohomora', wodurch die Tür leise klickte und sich einen Zentimeter breit öffnete. Auf sprichwörtlichen Katzenpfoten schlich sie herein. Es dauerte eine Weile, bis sie Harrys Bett ausfindig machen konnte. Die Sicht einer kleinen Katze war doch etwas anders als die eines ausgewachsenen Menschen. Aber ihre Ohren waren dafür um so besser. Deshalb verwunderte es sie sehr zu hören, das Harry offensichtlich nicht alleine war. Sie vernahm ein seltsames Keuchen, welches eindeutig nicht von Harry stammte. Verwirrt und neugierig zugleich schlich Hermine um eines der großen Betten herum. Dann blieb sie wie erstarrt stehen. Selbst aus ihrer niedrigen Perspektive erkannte sie, dass noch jemand auf Harrys Bett saß.

 Jemand mit langen schwarzen Haaren. Ein Mädchen.

Harry hatte sich über sie gebeugt und küsste das Mädchen leidenschaftlich. Sie gab leise Laute von sich. In ihrem Schock bemerkte Hermine zuerst kaum, dass die Arme umeinander geschlungen hatten und sich aneinander pressten.. Doch als sie hörte, wie Harry leise den Namen des Mädchens stöhnte, kam sie langsam wieder zu Bewusstsein.

Cho.

Harry und Cho.

Harry und Cho auf  seinem Bett.

Harry und Cho, die sich leidenschaftlich küssen.

Harry und Cho, die sich in den Armen hielten und sich küssten.

Wie betäubt drehte sich Hermine um und schlich unbemerkt aus dem Raum. Erst als sie draußen war, begann sie zu rennen. Sie bemerkte nicht einmal, wie sie durch die Flure jagte. Ihr Verstand fühlte sich wie leergefegt an, doch in ihrem Kopf schrie alles. Es schien, als hätte sich das Bild von den Beiden in ihr Gehirn eingebrannt. Sie sah es so klar und deutlich vor sich, als stünde sie genau davor.

Immer weiter und weiter rannte sie die Flure hinab, ohne Richtung, ohne Ziel, ohne es überhaupt zu bemerken. Doch irgendwann konnte sie nicht mehr. Als ihre kurzen Katzenbeine sie nicht mehr zu tragen vermochten, verwandelte sie sich zurück, die Hände keuchend auf die Knie gestützt. Dann lehnte sie sich erschöpft mit dem Rücken an die Wand. Ihre Beine gaben nach und sie glitt langsam herunter auf den Boden. Das konnte doch nicht wahr sein. Das konnte nicht wirklich passiert sein.

Ohne es verhindern zu können stiegen ihr die Tränen in die Augen, so dass ihre Sicht vollkommen verschwamm. Schließlich wurde auch ihr Kopf zu schwer. Von unterdrückten Schluchzern geschüttelt zog sie ihre Knie an die Brust und ließ ihren Kopf darauf sinken. Ihre Schultern bebten unaufhörlich. ‚Wieso? Wieso tut er mir das an?', fragte sich Hermine verzweifelt. Gequälte Schluchzer entrangen sich ihr. Die Gedanken schossen ihr förmlich durch den Kopf.

‚Wieso? Genüge ich ihm denn nicht? Was habe ich denn falsch gemacht?'

Und immer wieder dachte sie an sie zurück. ‚Cho. Wieso ausgerechnet Cho? Ich dachte, er wäre über sie hinweg.'  Gepeinigt presste sie ihre tränenden Augen zu, als könnte sie damit die Bilder verdrängen. Der dicke Kloß, der sich in ihrem Hals geformt hatte, schien ihr das Atmen zu erschweren.

Von weit her hörte sie, wie sich Schritte näherten, doch es kümmerte sie nicht weiter. Sollte man sie doch hier heulend sehen, es war ihr egal.

In dem Moment, als sie das dachte, bog ausgerechnet Draco Malfoy um die Ecke. Als er das weinende Mädchen auf dem Boden sitzen sah, blieb er unsicher stehen. Sollte er einfach vorbeigehen? Oder wäre das unhöflich? Aber was interessierte ihn denn schon Höflichkeit? Er war schließlich ein Malfoy;

 er brauchte sich nicht um die Bedürftigen zu kümmern. Entschlossen, das Mädchen nicht weiter zu beachten, wollte er gerade weitergehen. Doch dann hob das Mädchen ihren Kopf und Draco erkannte Hermine Granger. Ein gehässiges Grinsen huschte über sein Gesicht. ‚Was denn, hat sie etwa nicht die volle Punktzahl in einem Test erreicht?' Einen anderen Grund konnte es nach Dracos Vorstellung wohl kaum dafür geben, dass sie hier heulend im Gang rumsaß. Da fiel Hermines Blick plötzlich auf  Draco, wie er grinsend vor ihr stand. ‚Ausgerechnet er muss mich so finden' schoss ihr durch den Kopf. Dann wischte sie sich rasch die Tränen von den Wangen. „Was willst du, Malfoy? Deine bescheuerten Kommentare kann ich im Moment nicht gebrauchen!" Dracos Grinsen schwand. „Hör mal, Granger. Deine Bedürfnisse sind mir vollkommen egal. Es hat mich nur interessiert, wieso du hier auf dem Boden sitzt und den Flur mit deiner Präsenz beschmutzt." Langsam rappelte sich Hermine auf und sah Draco geradewegs in die stahlgrauen Augen. „Seit wann interessiert dich das Verhalten eines Schlammblutes, Malfoy?", fragte sie schneidend und rauschte den Flur hinab. Draco blieb verwirrt stehen. Seit wann benutzte Hermine Granger denn das Wort Schlammblut?

‚Irgendwas hat sie wohl sehr aufgeregt', dachte er und lief in Richtung des Gemeinschaftsraumes der Slytherins.

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Irgendwie tat es mir leid, das zu schreiben, da ich Harry/Hermine eigentlich auch sehr mag. Ääähhh, jetzt mag ich mich selbst nicht mehr. Wie kann ich nur so furchtbar gemein sein?!

Aber Story ist halt Story.