--°''°-- Kapitel VII --°''°--

Anmerkung: Seit dem Streit zwischen Harry und Hermine sind bereits ein paar Tage vergangen.

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Draco marschierte gerade festen Schrittes auf die hinteren Regale der Bibliothek zu, als er ein unterdrücktes Schluchzen vernahm. Genervt stöhnte er auf. Wie oft hatte er das jetzt schon erlebt? Immer wieder fand er sie, wie sie sich die Augen ausheulte. Oft saß sie in irgendwelchen Ecken, die Knie an die Brust gezogen und den Kopf darauf gebettet. Konnte sie das nicht mal lassen? Oder wenigstens dazu in ihr Zimmer gehen? Er spähte um die Ecke eines Regal und, ja, da war sie. Ihr Kopf war in ihren Händen vergraben und ihr langes Haar (‚Haar? Wohl eher ein Busch', dachte er gehässig) fiel zu den Seiten hinab. Dann, als ob sie seinen Blick auf sich spüren konnte, fuhr sie hoch. Als sie Draco entdeckte, wischte sie sich hastig über die feuchten Wangen. „Ich glaube, dass kannst du dir sparen. Es nutzt eh nicht viel", sagte er kühl. Dann trat er hinter dem Regal hervor. Hermine gab ein „Tss" von sich und schüttelte dabei ihren Kopf. „Spielst du heute wieder Arschloch, Malfoy?", fragte sie schließlich und sah ihm in die grauen Augen.

„Hey, das ist kein Grund, beleidigend zu werden, Granger", sagte Draco mit gespielt entrüsteter Stimme. „Und seit wann nimmst du solche Wörter in den Mund?" Das brachte sie zum Lächeln. „Nur in deiner Gegenwart", konterte sie.

Als wäre dies eine Aufforderung gewesen ließ er sich auf den Stuhl ihr gegenüber sinken. Hermine hob überrascht eine Augenbraue. ‚Was soll das denn jetzt? Will er mir wieder eine Beleidigung an den Kopf knallen?'

Doch er tat nichts dergleichen. Er starrte sie nur nachdenklich an.

„Deine Noten sind gesunken", war das einzige, was er schließlich sagte. „Und was geht dich das an, Malfoy?", fragte sie mit genervter Stimme. Draco lächelte plötzlich strahlend.

„Gar nichts, natürlich." Hermine runzelte die Stirn. „Mich würde nur interessieren, was so einschneidend gewesen ist, dass du dich kaum noch wie du selbst benimmst. Sinkende Noten, keine Hausaufgaben. Was kommt als nächstes? Gehst du in die Bibliothek und reißt Seiten aus den Büchern? Oder hext du McGonagall einen Fluch auf den Hals?"

Hermine schnaubte empört. Doch dann fingen ihre Mundwinkel an, verdächtig zu zucken. „Ahh, sehe ich da ein Lächeln?", fragte Draco neckend. Doch dann wurde er schlagartig wieder ernst. „Es ist wegen Potter, nicht wahr?", fragte er ruhig. Ihr Lächeln schwand. „Woher...?", fing Hermine an, doch er unterbrach sie mit einem Kopfschütteln. „Neulich im Bad hast du seinen Namen erwähnt." Langsam ließ sie ihren Kopf sinken. „Du merkst wohl alles", sagte sie leise. „Nein, alles vielleicht nicht, aber ich sehe, dass du in letzter Zeit total fertig bist." „Als würde dich das stören", murmelte sie leise vor sich hin. Draco starrte sie lange an. Dann schüttelte er den Kopf.

„Hör mal, Granger. Ich weiß, dass ein Rat von mir sicherlich keine Bedeutung für dich hat. Und trotzdem gebe ich dir jetzt einen, so als gut gemeinten Tipp: Hör auf, dir dein Leben wegen Potter kaputt zu machen! Das ist er nicht wert, niemand ist das. Er verdient dich doch auch gar nicht!" Hermine blickte ihn bei diesen Worten seltsam an, atmete zitternd ein, dann, zu Dracos großer Überraschung, fing sie an zu lachen. Nicht lauthals, aber eindeutig ein Lachen. Verwirrt starrte er sie an. ‚Eben noch ein Häufchen Elend und jetzt schon wieder lustig drauf?'

 „Warum lachst du?", fragte er schließlich verwirrt. Hermine hob ihren Kopf und Draco sah Tränen auf ihren Wangen glitzern, trotzdem lächelte sie vergnügt. „Nun, ich hab soeben erkannt, wie lustig die Situation ist: Draco Malfoy sitzt vor mir, versucht, mich aufzuheitern, und sagt, dass ich zu gut für Harry Potter bin. Also, wenn das nicht zum Lachen ist, dann weiß ich auch nicht weiter." Damit strich sie sich mit leicht zitternden Fingern die Haarsträhnen aus dem Gesicht. Draco setzte eines seiner schleimigsten Grinsen auf. „Wer hat denn gesagt, dass du zu gut für Potter bist? Ich hab lediglich gesagt, er verdient dich nicht. Das könnte auch heißen, dass er was besseres als dich verdient hat." Doch noch während er sprach, verwandelte sich das Grinsen zu einem echten Lächeln. „Ich glaube aber nicht, dass du das so gemeint hast" sagte Hermine schmunzelnd und beide blickten einander lange in die Augen. Dann, als sie sich bewusst wurden, was sie da gerade taten, wandten sie schnell die Augen ab und blickten in verschiedene Richtungen. Nach einigen peinlichen Sekunden Stillschweigens stand Draco schließlich auf. „Ich geh dann mal wieder." Damit drehte er sich um und marschierte zum Ausgang der Bibliothek. Hermine blickte ihm stumm hinterher.

Erst als Draco bereits durch die Tür verschwunden war, fiel ihm auf, dass er ja eigentlich hierher gekommen war, um nach Büchern zu suchen...

„Sag mal, was ist eigentlich mit dir und Harry los? Wieso lässt du zu, dass Cho ihn so befummelt?", fragte Ron, der dabei war, sich dicke Handschuhe überzustreifen. Es war nachmittags und die Gryffindors hatten gerade Kräuterkunde bei Madam Sprout, die für heute das Umtopfen von „Killerkakteen" angeordnet hatte. „Fiese Gewächse", hatte sie erläutert „die ihre Stacheln abschießen, wenn man zu nahe an sie heran kommt. Deshalb sucht euch die dicksten Handschuhe aus und haltet die Kakteen so weit wie nur möglich von eurem Körper entfernt." Auf Rons Frage hin blickte sie zu Harry hinüber, der mit Seamus Finnigan und Dean Thomas an einem Setzkasten arbeitete. In Hermines Gruppe war neben Ron noch Neville, der sich freudig an die Arbeit gemacht hatte, schließlich war Kräuterkunde sein bestes Fach. Dann blickte sie zurück zu Ron, der sie immer noch fragend ansah. „Was soll schon sein?", fragte sie lahm. „Na, zum Beispiel sehe ich euch gar nicht mehr zusammen im Gemeinschaftsraum. Sonst habt ihr immer knutschend in irgend einer Ecke gesessen." Hermine starrte betreten auf ihren Kaktus hinunter, der sich zappelnd in seinem Blumentopf wand. „Wir hatten.... gewisse Unstimmigkeiten", brachte sie schließlich hervor. „Ach, ihr habt euch gestritten?", fragte er naiv, während er seine Pflanze ruckartig aus dem Topf zog. „Na dann mach dir mal keine Sorgen, das vergeht ja schnell wieder. Ich kenn euch doch." Hermine blickte mit Zweifel in den Augen zu Harry hinüber, der mühsam versuchte, sich eine Strähne seiner verwuschelten Haare aus den Augen zu streichen, was sich mit den Handschuhen als recht schwierig erwies. „Das glaube ich kaum, Ron", flüsterte sie leise.

Harry war gerade damit bemüht, eine störende Haarsträhne wegzustreichen, als er bemerkte, dass Hermines Blick auf ihm ruhte. Langsam ließ er seine Hand sinken. Er fühlte sich, als hätte ihr Blick ihn erstarren lassen, als wäre er unfähig, seine Augen abzuwenden. So erwiderte er nur sehnsüchtig ihren Blick. Wie sehr er sie vermisste. Ihr warmes Lächeln, ihre sanften Küsse. Das Gefühl, wenn er sein Gesicht in ihren Haaren vergrub.  Selbst ihre andauernde Rechthaberei fehlte ihm. ‚Wieso musste ich mich denn auch mit Cho einlassen?', dachte er, wütend über seine eigene Dummheit. Hatte er denn nicht gewusst, was er damit riskierte? Was er zu verlieren drohte? Und nur wegen ein paar Augenblicken des Vergnügens war sie nun weg. Hermine, sein Engel. Seine beste Freundin, die immer für ihn da gewesen war. Als plötzlich ein lautes „Aua" von Ron ertönte, den wohl die Stacheln erwischt hatten, wandte Hermine ihren Blick schließlich ab und wendete sich sorgenvoll Ron zu, der mit schmerzverzerrtem Gesicht auf die Stacheln in seinem Arm schaute. Und Harry fühlte sich wie zurückgelassen. Vollkommen alleine, verlassen....

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