Buffy schlenderte zurück nach Hause. Sie hatte zwei Einkaufstüten in der Hand und ein Lächeln auf ihren Lippen. Das erste richtige Lächeln, seit ihrer Rückkehr unter die Lebenden. Sie summte sogar ein Lied vor sich hin. Noch bevor sie die Tür aufsperren konnte, riss Dawn sie auf und sah Buffy an.
„Wo warst du?!" fragte sie entsetzt.
„Äh, Dawn, ich bin erwachsen, ich war bei Giles und shoppen. Ich sollte dich kontrollieren, nicht du mich." Buffy betrat das Haus.
Neugierig sah Dawn in die Tüten. „Was hast du da Schönes?"
„Ich war einkaufen. Was Neues zum Anziehen."
„Hast du was vor?"
„Ja, ich werde heute Abend ins Bronze gehen."
Dawn lächelte zufrieden. „Na also, das ist meine große Schwester! Wissen die andern, dass du kommst?"
Buffy schüttelte den Kopf. „Überraschung. Sie wollen doch hin, oder?"
Dawn nickte. „Oh ja, und das wird eine absolute Überraschung. Ich hab Willow und Tara heute schon getroffen. Sie haben nach dir gefragt."
„Das ist schön. Ich denke, ich muss mal wieder raus."
Dawn nickte zustimmend. „Das denke ich auch! Und jetzt zeig mir endlich, was du gekauft hast." Die Schwestern gingen zusammen ins Wohnzimmer.
Gegen acht verließ Buffy das Summersche Haus. „Und bleib nicht so lange auf."
Dawn verdrehte die Augen. „Schon in Ordnung, Buffy. Viel Spaß." Buffy winkte Dawn noch einmal zu und machte sich auf den Weg. Sie hatte ein neues schwarzes Kleid an, darunter schwarze Stiefel, einen kurzen dunkelroten Pullover über dem Kleid und ihren schwarzen Mantel. In ihrem Ausschnitt baumelte ein silbernes Kreuz. Ihr Haar fiel offen über ihre Schultern und ihre Lippen waren blutrot. In ihrer kleinen Tasche steckte nur ihr Lippenstift, denn so was sollte eine Frau immer dabei haben, und einen Pflock, denn auch so etwas sollte eine Frau ständig bei sich tragen, vor allem wenn sie nach Sonnenuntergang unterwegs war.
Sie erreichte das Bronze ziemlich schnell, denn diesen Weg kannte sie in und auswendig. Sie lebte nun schon vier Jahre hier und die meiste Zeit hatte sie, neben der Schulbibliothek, im Bronze verbracht.
„Guten Abend." sagte sie mit einem Lächeln zum Türsteher und er ließ sie eintreten.
Das Bronze war an diesem Abend besonders voll. Eine Live-Band spielte. Buffy zog ihren Mantel aus und drängte sich durch die Menge. Die Scooby-Gang hatte so etwas wie einen Stammplatz. Entweder die zwei Tische in der Nähe der Bar, von denen man den besten Ausblick auf die kleine Bühne hatte oder eine der bequemen Couchecken von denen man auch einen guten Ausblick hatte. Buffy sichtete ihre Freunde in der Couchecke. Da saßen sie alle, lachten und redeten. Xander saß auf der Couch und hatte seinen Arm um Anya, seine Verlobte, gelegt. Neben ihm saß Tara und redete gerade mit Anya. Dann kam Willow hinzu. Sie reichte den anderen die Getränke, die sie gerade geholt hatte. Buffy erkannte Willow kaum wieder, denn ihre beste Freundin hatte ihr sonst rotes Haar blond gefärbt. Es stand ihr gut, keine Frage. Willow war auch die erste, die Buffy erblickte.
„Buffy!" Sie stieß einen Freudenschrei aus und stürzte auf Buffy zu. Sie fiel der Freundin um den Hals. „Oh, wie ich dich vermisst habe!"
„Ich dich auch." sagte Buffy leise. Sie umarmte auch Xander, Anya und Tara.
„Hey, warum hast du uns nicht gesagt, dass du kommst, Buff?!" fragte Xander.
„Dann wäre es doch nicht so lustig gewesen." Buffy sah ihn an. „Es tut mir leid, dass ich euch in der letzten Zeit so vernachlässigt habe."
„Brauchst du nicht! Mein Gott, ich weiß nicht, wie's mir gegangen wäre." sagte Willow und sah sie liebevoll an.
„Übrigens, deine blonden Haare gefallen mir wirklich gut!" Willow lächelte verlegen.
„Danke. Ich wollte mal was Neues ausprobieren." Sie sahen einander an. „Wie wär's mit einem Tanz?"
Buffy schüttelte den Kopf. „Nein, ich sitze lieber hier und hör der Band zu."
Willow sah Tara an, dann Xander und Anya. „Hey, ihr könnt ruhig tanzen gehen! Ich seh euch von hier aus zu."
„Nein, ist schon okay..." meinte Tara.
„Los, oder muss ich euch Beine machen?!" fragte Buffy lachend und ihre Freunde gingen zur Tanzfläche. Buffy lehnte sich auf der Couch zurück und sah ihnen zu. Sie winkte Willow zu und diese winkte mit einem breiten Lächeln zurück. Buffy lächelte. Sie fühlte sich gut. Plötzlich hatte sie dieses Gefühl. Sie sah sich um. Als sie sich wieder umwendete, stand Spike vor ihr. Sie sah zu ihm hoch.
„Hi." meinte er. Er trug eine braune Lederjacke, eine schwarze Hose und ein helles Hemd. Er setzte sich neben sie.
„Hi." sagte Buffy. Es klang nicht abweisend.
„Wie geht's dir?" fragte er und sah sie von der Seite an.
„Ganz gut. Ich lebe wieder." Sie spielte an den Ringen rum, die sie trug.
„Wenn dir meine Gegenwart unangenehm ist, dann sag's mir und ich verschwinde."
Sie sah ihn an. „Nein, nein, schon in Ordnung."
Sie war anders, dass fiel Spike sofort auf. Außerdem war sie seltsamerweise nett zu ihm und nicht so bissig wie vor ihrem Tod und vor der Sache mit dem „Ich liebe dich", das er zu ihr gesagt hatte.
Eine etwas peinliche Stille trat zwischen ihnen ein. „Es hat sich nichts geändert, ich mein, zwischen uns?" fragte Spike.
„Nein, ich denke nicht." gab Buffy ihm darauf zur Antwort.
Er seufzte leicht. „Als hätte ich das erwarten können." murmelte er.
Daraufhin sah sie ihn an. „Äh, nichts." meinte er auf ihren Blick hin. Die Band spielte jetzt einen langsamen Song. „Normalerweise würde ich dich jetzt fragen, ob du mit mir tanzen würdest, obwohl das absolut nicht meine Art ist, aber du würdest so und so nein sagen, weil du ja die Jägerin bist und ich dein Erzfeind und..." Spike beendete seinen Redeschwall, als Buffy seine Hand nahm und ihn zur Tanzfläche zog. Sie legte ihre Arme um seinen Hals.
„Kann sein, dass ich die Situation nur noch schlimmer mache, aber dann hältst du wenigstens deine Klappe." Sie sah ihn an und lächelte.
„Wow, Buffy, dass hier ist alles ein bisschen verwirrend: zuerst willst du mich töten, dann gibst du mir zu verstehen, dass du absolut nichts von mir willst und jetzt tanzt du mit mir?!" Er sah sie etwas verständnislos an.
Sie ließ ihn los. „Ach, Spike." Sie kam sich plötzlich vor, wie eine kleine Lügnerin. Sie hatte durch ihren Tod einiges gelernt, zum Beispiel Spike zu schätzen und das, was er für sie tat. Sie wusste, dass er sich um Dawn gekümmert hatte. Vielleicht war es auch ihr schlechtes Gewissen. „Tut mir leid." sagte sie dann, drehte sich um, ging zur Couch, nahm ihre Jacke und ihre Tasche und machte sich auf den Weg Richtung Ausgang.
Er folgte ihr. „Warte, Buffy!"
Buffy winkte Willow kurz zu und diese nickte ihr zu. Buffy zog ihre Jacke über. Sie ging durch die Dunkelheit und blieb stehen. „Spike, warum folgst du mir?"
Er trat neben sie. „Na ja..."
Sie warf ihm einen Seitenblick zu. „Hörst du das?" fragte sie plötzlich.
Er nickte. „Hört sich nach einem Kampf an." Er wies zum Friedhof, nahe beim Bronze.
„Okay, dann mal los. Das hat mir so richtig gefehlt." Zusammen gingen sie zum Friedhof. Dort kämpfte ein kleines blondes Mädchen gegen ein paar Vampire.
„Äh, das ist aber nicht die neue Jägerin, oder?"
Spike schüttelte den Kopf. „Nö."
„Wer dann?"
Spike sah sie genervt an. „Du bist echt noch die Alte. Woher soll ich das denn wissen?!"
Buffy sah zu, wie das Mädchen gegen die fünf Vampire kämpfte. Sie war nur die Hälfte von den Vampiren, kämpfte aber besser als jeder andere es hätte tun können. Sie hatte einen festen Tritt und machte gigantische Sprünge.
„Wow." Buffy sah bewundernd zu. Doch bevor das Mädchen seinen Kampf beenden konnte, griff eine junge Frau ein. Sie hatte kinnlanges schwarzes Haar und war in Begleitung eines Mannes.
„Das ist die neue Jägerin. Ungemütliches Ding. Ich dachte immer du wärst schlimm, aber die ist noch viel schlimmer."
„Wir sollten da mal eingreifen." Buffy wies auf das Handgemenge. Die Vampire waren ziemlich schnell erledigt, aber die Jägerin und ihr Wächter nahmen das Mädchen in die Mangel.
„Okay, du bist die Jägerin."
Buffy stürmte los und Spike folgte ihr. „Hey, loslassen!" rief Buffy.
Die Jägerin und der Wächter wichen von dem Mädchen weg, so dass es sich losreißen konnte. Sie blieb bei Buffy stehen. „Alles in Ordnung?"
Das Mädchen nickte und sah Buffy mit einem seltsam vertrauten Lächeln an. Spike kam ebenfalls zu ihnen.
„William der Blutige!" Der Wächter sah ihn an, dann seine Jägerin.
„Spike." sagte diese.
Spike zuckte mit den Schultern. „Man ist eben bekannt."
Die Jägerin hob ihren Pflock und griff ihn an, doch Buffy war schneller und hielt das Handgelenk der Jägerin fest. „Das hier ist meine Stadt und ohne meine Erlaubnis werden meine Freunde nicht gepfählt, kapiert?!"
„Wie bitte?! Ich bin hier die Jägerin!" meinte das Mädchen und sah ihren Wächter an. Dieser sah Buffy an. „Äh, dürfte ich fragen, wer Sie sind?"
„Buffy Summers."
Er starrte sie an.
"Aber das ist nicht möglich." meinte die Jägerin wieder.
Buffy seufzte. „Ist es doch, sonst wäre ich wohl nicht hier. Und bevor du noch mal in meinem Revier wilderst und Unschuldige angreifst, schließ dich mit meinem Wächter kurz." Sie nahm das Mädchen bei der Hand und gab Spike ein Zeichen. Zusammen verließen die drei den Friedhof.
Das Mädchen warf die Haare zurück. „Vielen Dank."
Buffy lächelte. „Gern geschehen. Wie heißt du? Ich bin Buffy und das ist Spike."
Die Kleine lächelte. „Ich bin Deidre."
„Bist du nicht noch etwas jung für diesen Job?" Spike wies zum Friedhof.
Deidre zuckte mit den Schultern. „Man tut, was man tun muss. Außerdem hatte ich keine andere Wahl." Es klang sehr geheimnisvoll. Sie musterte Buffy und Spike und lächelte.
Spike warf einen Blick auf die Uhr. „Ich muss leider los. Hab einen Termin mit meinem Metzger." Er winkte den beiden zu. „Nacht, Ladys."
Deidre folgte Buffy. „Ist er dein Freund?"
Buffy zog die Brauen hoch. „Nein! Ganz und gar nicht. Nur, na ja, ein Freund und das ist schon zuviel des Guten."
Deidre nickte nur vor sich hin.
„Wo wohnst du? Ich bring dich dann nach Hause." Deidre wurde etwas blass.
„Ich, ähm, ich bin nicht von hier."
Buffy sah sie an. „Und deine Eltern?"
„Wenn sie noch leben, dann nicht hier."
Buffy blieb stehen. „Hey, Kleines, erzähl mir, was los ist!" Sie packte Deidre an den Schultern und Tränen liefen über die Wangen des Mädchens.
„Na ja, ich darf es nicht sagen...mein Dad hat gesagt, ich soll es nicht tun, weil ich den Lauf der Zeit und die Ereignisse vollkommen durcheinander bringe." Dann umarmte sie Buffy fest und schluchzte.
„Hey, ganz ruhig, du kannst mir alles erzählen und ich werde versuchen dir zu helfen." Sie sah dem Mädchen in die Augen.
„Also gut. Ich komme aus der Zukunft."
Jetzt war Buffy doch etwas überrascht, denn damit hatte sie nicht gerechnet. Sie starrte Deidre an. „Wie bitte?!"
Das Mädchen nickte. Buffy musste das zuerst einmal verdauen. „Ähm, okay, wir gehen jetzt zu mir nach Hause und dort kannst du mir alles in Ruhe erzählen." Zehn Minuten später kamen sie an. Sie betraten das Haus.
„Hey, Buffy, wo...?" Dawn sah sie an und dann das kleine Mädchen.
"Hallo." sagte Deidre.
Buffy schob das Mädchen ins Wohnzimmer. „Deidre, das ist meine Schwester Dawn. Dawn, das ist Deidre."
„Hallo." meinte jetzt auch Dawn.
Buffy sah Dawn bittend an. "Machst du unserem kleinen Gast eine heiße Schokolade?"
Dawn nickte und verschwand in der Küche, während Buffy Deidre auf der Couch niederdrückte. Sie setzte sich ihr gegenüber in den Sessel. „Okay, du kommst also aus der Zukunft." stellte Buffy die Tatsache fest. Deidre nickte.
Buffy sah das Mädchen an. Sie hatte dunkelblondes Haar, das zwischen Kinn und Schulter hing. Ihre Augen hatten ein wundervolles strahlendes blau. Sie trug eine schwarze Hose und darüber eine schwarze Jacke, die sie eben geöffnet hatte. Darunter trug sie einen roten Wollpullover. „Und weshalb bist du hier?"
Deidres Blick wurde unendlich traurig. „Die Welt...in der Zukunft...sie geht unter. Wie weiß ich nicht, nur das es plötzlich anfing. Stürme, Flutwellen und vieles mehr." Sie schwieg kurz. „Mein Dad hat mich in einem mit einem Zauber versiegelten Luftschutzkeller gesperrt, bevor es richtig losgegangen ist. Er sagte, er müsse meine Mom suchen. Und er sagte mir, dass sich zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Portal öffnen würde. Ich sollte durchspringen und würde in der Vergangenheit landen. Dort sollte ich bleiben, bis er mich wieder zurückholt. Und das tue ich nun." Tränen liefen über ihre Wangen.
„Hey, Kleines." Buffy kam zu ihr.
„Ich vermisse meine Eltern so schrecklich. Ich will wieder nach Hause."
Buffy umarmte sie. „Scht. Alles wird wieder gut." Deidre beruhigte sich etwas. „Wie alt bist du eigentlich, Kleines?"
Deidre nahm das Taschentuch, das Buffy ihr hingehalten hatte und schnäuzte. „Gerade zwölf geworden."
Buffy lächelte. Sie war schon süß. Dawn kam mit zwei Tassen ins Wohnzimmer. Eine reichte sie Buffy und eine Deidre. „Hier."
Deidre nahm die Tasse. „Vielen Dank." sagte sie höflich.
Wohlerzogenes Mädchen, dachte Buffy. Ihr Englisch klang wie eine schlechte Mischung aus britischem und amerikanischem Englisch. Sie trank einen Schluck von dem Kaffee, den Dawn ihr gemacht hatte und beobachtete wie Deidre ihren Kakao trank.
Dawn sah Buffy an. "Ich geh ins Bett, ich muss morgen früh raus." Buffy nickte.
„Kann ich dir denn irgendwie helfen, Deidre?" fragte sie.
Deidre sah Buffy an. „Kann ich hier bleiben? Ich weiß nicht ob was anderes möglich ist. Das einzige, was mein Daddy noch gesagt hat ist, dass das Übel in dieser Zeit liegen würde und erst in unserer ausbrechen würde."
„Dein Daddy ist wohl sehr schlau, was?"
Auf dem Gesicht des Mädchens breitete sich ein wunderschönes Lächeln aus. Die Kleine nickte. „Er ist der beste Daddy, den man haben kann. Er ist total klug und erzählt mir immer tolle Geschichten." Ihr Blick wurde wieder traurig. „Ich hoffe, dass er noch lebt. Das hier hab ich von ihm." Sie zog eine Kette unter ihrem Pullover hervor. Ein roter Stein hing daran. „Das ist ein Blutstein." erklärte sie.
„Der ist wunderschön." lächelte Buffy.
Deidre trank den Kakao aus und gähnte.
„Du solltest besser etwas schlafen. Komm mit." Zusammen mit Buffy ging sie die Treppe rauf. „Du kannst hier in meinem Bett schlafen." Sie wies auf ihr Bett. „Warte mal." Buffy ging zu ihrem Schrank und nahm ein T-Shirt raus. „Das kannst du zum Schlafen anziehen." Deidre nahm es, zog sich um und kroch in Buffys Bett.
„Gute Nacht, kleine Deidre."
„Gute Nacht, Buffy."
Buffy schloss lächelnd die Zimmertür hinter sich. Sie hatte ihren Schlafanzug mitgenommen, ging kurz ins Badezimmer und dann ins Schlafzimmer ihrer Mutter. Sie legte sich in das große Bett und zog die Decke über sich. Sie dachte noch etwas über das kleine Mädchen nach und was sie über die Zukunft gesagt hatte. Sie musste mehr darüber erfahren.
Deidre kuschelte sich in Buffys Bett. Sie griff nach dem kleinen rosa Plüschschwein, das unter dem Kissen lag. „Mr. Gordo." flüsterte sie, bevor sie einschlief.
Ende Kapitel 1
