An charlie: Da, lies selber!

Horror Show, die Zweite

Es war zehn Minuten vor Mitternacht, als Lily sich erhob. Ein auffordernder Blick zu den Jungen und die vier standen ebenfalls auf. Peter verwandelte sich in eine Ratte, Sirius, Lily und James drängten sich unter dessen Tarnumhang zusammen, Remus blieb wie er war. Draußen drückte Sirius dem Werwolf einen kleinen Spiegel in die Hand, der grinste und nickte, dann trennten sie sich. Der Werwolf und die Ratte gingen zurück zum Gemeinschaftsraum, die anderen machten sich leise und immer auf die Karte des Rumtreibers schielend auf den Weg nach draußen. Es klappte problemlos, wie alles an diesem Tag. Im Schatten des Verbotenen Waldes zog James den Umhang von ihnen herunter. Er grinste und setzte sich auf den Boden. Sie hatten noch 5 Minuten bis Mitternacht.

Das Potraitloch klappte auf und Remus und Peter traten ein. Der Gemeinschaftsraum war vollkommen leer. Gut. Remus nahm seinen Zauberstab und schloss die Augen, konzentriert sprach er einen Spruch. Dann grinste er Peter an, zog den Spiegel aus der Tasche und fragte: „Prongs?" James Bild erschien im Spiegel und die Antwort kam klar und deutlich: „Alles geklappt, Moony?" „Ja, alles bestens", antwortete Remus „Sehr gut. Nun dann: Let the show begin!", grinste James und der Kontakt brach ab.

„5…4…3…2…1… Mitternacht", murmelte Lily. In dem Moment hörte sie den Todesschrei der Banshee. Himmel, Remus hatte sich damit selbst übertroffen. Das gesamte Schloss musste wach sein… wenn überhaupt jemand geschlafen hatte! Lily grinste. Das kam ihnen nur zu gute. Sie sah, wie James, oder besser gesagt Prongs, auf der Wiese vor dem Schloss stand und äste. Padfoot, der neben ihr gelegen hatte, erhob sich jetzt und trat aus dem Schatten. Lily konnte die Gesichter sehen, die sich gegen die Fensterscheiben drückten. Im ganzen Schloss war Licht angegangen.

Padfoot hob den Kopf, reckte die Schnauze in Richtung Mond, der immer noch voll aussah, obwohl Vollmond gestern gewesen war, und Lily, die Tierstimmen nahezu perfekt imitieren konnte, heulte auf. Es war das Heulen, was sie jeden Monat bei Moony hörte, das Heulen eines Werwolfes. Denn vom Schloss aus musste Padfoot tatsächlich wie ein Wolf aussehen – wie ein Werwolf. Er stürzte jetzt auf Prongs zu und riss ihn nieder. Es schien so, als würden die Tiere einen kurzen Kampf ausfechten, bis der Hirsch liegen blieb. Lily lächelte wieder. Sie wusste, dass Prongs nichts passiert war, denn die beiden kabbelten sich oft so, dass es aussah, als kämpften sie. Wieder hob Padfoot den Kopf und Lily, die darin ihr Zeichen erkannte, heulte auf.

Sämtliche Schüler in Hogwarts waren wach. Die paar, die bis eben geschlafen hatten, waren durch den Schrei der Banshee geweckt worden. Einige waren zu den Fenstern gelaufen und nachdem sie von draußen das laute Heulen eines Werwolfes gehört hatten, drückten sich auch die Restlichen die Nasen am Fenster platt. Sie sahen, wie der Werwolf sich, im Schein des Vollmonds, auf einen großen, königlichen Hirsch stürzte, der friedlich auf der Wiese vor dem Schloss äste. Er riss ihn nieder, die beiden kämpften kurz, dann brach der Hirsch zusammen. Der Werwolf heulte wieder und kümmerte sich nicht weiter um das tote Tier. Werwölfe töteten an sich keine Tiere, nur Menschen. Gut, dass kein Mensch draußen rum lief.

Doch, was war das da. Eine Gestalt trat aus dem Schatten des Waldes. Ging schnell, aber gebückt. Ein Mensch, eine junge Frau. Es schien, als wollte sie so schnell wie möglich zum Schloss gelangen, ohne vom Werwolf gesehen zu werden. Doch ein Werwolf riecht Menschenfleisch auf mehreren hundert Metern Abstand. Er fuhr herum, still, pirschte sich an das Mädchen heran. Sie bemerkte ihn zu spät, aber als sie ihn sah, schrie sie auf. Das Tier machte einen letzten Sprung und riss sie herunter. Der Schrei verstummte abrupt…

Lily lachte still in sich hinein. Padfoot stand über ihr, sah auf sie hinunter und in seinen Augen glimmte das neckische Funkeln auf, welches sie von Sirius kannte. Er beugte sich herunter und legte ihr durchs Gesicht. Lily ließ es geschehen. Vom Schloss musste es aussehen, als würde er sie beißen. Dann leckte er über ihren Hals, für die anderen Schüler, als würde er ihr die Kehle weg beißen. Dann wandte er sich von ihr ab, hob wieder den Kopf und Lily ließ ein weiteres Mal das Heulen ertönen, dann verschwand Padfoot im Wald. Prongs erhob sich und schleppte sich, scheinbar schwer verletzt ebenfalls dorthin. Lily zog den Tarnumhang unter ihrem eigenen hervor und warf ihn über sich. Dann erhob sie sich, für die Augen der anderen unsichtbar, und lief ebenfalls zum Wald.

Dort wurde Lily schon von den schwarzhaarigen Jungen erwartet. Jetzt, in der Dunkelheit sahen sie sich ähnlicher denn je. Doch Lily wusste, dass sie die beiden sogar blind hätte auseinander halten können. Sie liebte beide, aber auf verschiedene Art und Weiße. Bei Sirius war es eine rein freundschaftliche, rein platonische Liebe. Er war für sie wie ein großer Bruder, jemand mit dem sie rumalbern konnte, der sie aber auch zu beschützen und zu trösten wusste und sie besser kannte, als irgendjemand sonst. Es tatsächlich war so, Sirius kannte Lily besser als James, denn mit ihm redete sie über Dinge, die sie James gegenüber nie zur Sprache hätte bringen können. Andererseits sprach sie mit James über Dinge, die Sirius nichts angingen und mit Remus über wieder Anderes. Wahrscheinlich kannten die drei Jungen sie gleich gut, aber jeder auf eine andere Weiße.

Sie hörten Stimmen, deren Besitzer über die Wiese zu schreiten schienen. „Aber wenn ich es Ihnen doch sage", quietschte Undine Kontagan. Lily grinste. Sie sah ihre ach so hübsche und tolle Zimmerkameradin mit ihrer Freundin Pasana Patil, der Außenseiterin Bertha Huber, Professor Dumbledore, Professor McGonagall und Professor Grippin näher kommen. Sie spürte, wie James von hinten die Arme um sie legte und den Tarnumhang über sie und Sirius zog. Lily schmiegte ihren Rücken an James Brust und musterte die drei Mädchen.

Undine hatte hüftlanges, blondes, leicht gelocktes Haar, große, blaue Augen und eine Modelfigur. Sie war die klassische Blondine, hübsch, beliebt, aber strohdumm, es sei denn, es ging darum andere Mädchen ‚auszuschalten' und Männer zu verführen. Undine war tückisch und gemein, eigentlich gar keine Griffindor. Neben ihr ging ihre beste Freundin und größte Bewunderin Pasana. Pasana hatte schulterlange, glatte, schwarze Haare, graue Augen und war eher klein und ein bisschen pummelig. Tatsächlich war Pasana noch dümmer als Undine – falls das ging - und tat alles, was die Ältere ihr sagte.

Hinter ihnen her schlurfte Bertha Huber. Sie war eigentlich Deutsche, aber ihre Eltern waren vor zwei Jahren nach England gezogen und Bertha hatte mit gemusst. Sie war, mit Ausnahme von Lily, die Einzige Muggelgeborene der Siebtklässler aus Griffindor. Berthas braune Haare waren immer zu einem langen Zopf geflochten, ihre braunen Augen hinter zwei runden Brillengläsern blickten klug um sich. Lily mochte Bertha ganz gerne, aber sie hatte sie bisher wenig zur Kenntnis genommen. Bertha war immer noch ‚die Neue' und ziemlich unbeliebt, weil unscheinbar und strebsam – was Candy ja an sich auch war, aber sie hatte durch Lily Kontakt zu Emmy bekommen und durch die zur ganzen Schule. Lily beschloss für sich, sich mal etwas um Bertha zu kümmern, die Braunhaarige tat ihr nicht nur Leid, nein, Lily hatte auch das Gefühl, dass sie zu einer echten Freundin werden könnte.

„Tut mir Leid, Miss Kontagan", aber ich sehe hier weder einen Hirsch, noch die Leiche eines Mädchens", erklärte Professor McGonagall scharf. Dumbledore gluckste in sich hinein: „Außerdem ist heute nicht Vollmond, der war gestern. Sie sind wohl einem Streich auf den Leim gegangen – einem Marauder-Streich, würde ich sagen. Was meinen Sie, Minerva?" Professor McGonagall kniff die Lippen zusammen. „Aber… aber wie haben sie das gemacht?", fragte Bertha leise. „Nun, Miss Huber, wir können nur raten oder fragen. Ich bin mir fast sicher, dass Miss Evans durch aus weiß, wie man Menschen in Tiere verwandelt, zumindest für einige Minuten und der Rest war einfach ein gut geplantes Schauspiel", erklärte Dumbledore, „lassen Sie uns wieder ins Bett gehen, wir kriegen diese Fünf ja doch nicht."

„Keine Fünf", klang auf einmal eine Stimme vom Waldrand herüber. Lily Evans stand dort und grinste die Anderen an. „Oh, Evans, du Schlampe. Wieso musstest du mich so erschrecken? Das vergesse ich dir nie, du… du… das wirst du büßen!", kreischte Undine. „Soll das eine Drohung werden?", fragte James Potter und stellte sich neben seine Freundin. „Ich hoffe doch mal nicht…", fügte Sirius Black hinzu und trat aus dem Dunkel. Undine verstummte und murmelte etwas Unverständliches. „Ah", schmunzelte Dumbledore, „da haben wir ja schon mal die ersten Drei. Die Anderen sind, denke ich, nicht notwendig. Ich nehme doch mal an, sie können mir alles erklären, Miss Evans?!" Lily nickte und James schaltete sich ein: „Was gibt's jetzt? Punktabzug? Strafarbeiten? Schulverweis?" Dumbledore schüttelte den Kopf: „Nichts der Gleichen. Ich habe mich lange nicht mehr so amüsiert. Ich möchte nur wissen, wie zur Hölle sie das hingekriegt haben. Am besten kommen Sie mit in mein Büro und die Anderen hier legen sich wieder schlafen." Alle taten wie ihnen geheißen.

„So", begann Dumbledore, „erstmal: Wie haben sie die Spukwesen heraufbeschworen?" Lily ergriff das Wort: „Das war eigentlich recht einfach. Wir haben jeweils einen von uns in das jeweilige Wesen verwandelt – mit Magie und anderen Utensilien, wie Klamotten, Schminke und so. Sirius war der Vampir, Peter die Sabberhexe, Remus der Wolfsmensch – wie könnte es auch anders sein? – , James der KOPFLOSE Henker und ich die Banshee. Dann haben wir das Bild sozusagen ‚gespeichert' und abends in der Halle wieder heraufbeschworen. Es war nämlich eigentlich nur eine Vision, ein Abbild. Jedes hat dem ‚gehorcht', den es darstellte. Tut mir Leid, wenn meine Erklärung schlecht ist, aber wir haben zehn vor eins und ich hatte einen anstrengenden Tag." (An: Das war jetzt meine Entschuldigung, denn ich finde die Erklärung schlecht, aber wir haben wirklich zehn vor eins und ich wirklich einen anstrengenden Tag hinter mir) Dumbledore nickte nachdenklich: „Ja, ich glaube zu wissen, wie sie das gemacht haben. Gute Idee und perfekt ausgeführt, muss ich sagen."

„Die kleine ‚Zwischenshow' zu inszenieren war einfach. Sie können sich ja denken, wie das geht. Das einzig knifflige war, die Sabberhexe an Stelle der fetten Dame ins Portrait zu kriegen, aber Remus hat sie einfach bezirzt sich verhexen zu lassen. Sie hat eine Schwäche für ihn", fuhr Lily fort und grinste, „unser kleines Mitternachtsschauspiel war auch verhältnismäßig einfach. Ich habe einen Verwandlungszauber auf Sirius und James angewandt und die beiden somit für eine halbe Stunde in einen Wolf und einen Hirsch verwandelt. Remus hat den Bansheeschrei heraufbeschworen und dann haben wir geschauspielert." „Interessant… wirklich interessant", erklärte Dumbledore leise, dann schmunzelte er, „aber ich wusste gar nicht, dass sie so schreien können, Miss Evans." Alle lachten, dann durften sie gehen. Auf dem Weg zum Griffindorturm sagte Lily irgendwann zu Sirius: „Geh alleine weiter. Kann später werden. Bis morgen." Sie küsste ihn leicht au die Wange und zog James hinter sich her. Sie gingen die Korridore entlang zum Raum der Wünsche. „Was…?", fragte James, als Lily ihn hineinzog. Sie legte ihren Finger auf seine Lippen und murmelte leise: „Schhh, jetzt kommt Teil zwei meines Geschenkes…"