An inlaka: Habe gestern zwei Chaps fertig gestellt, aber ich konnte sie nicht hochladen. War wohl ein Fehler auf der Seite, deshalb gibt es sie erst jetzt.

An Romi: Nein, tut man nicht. Wie gesagt, ich bin darin nicht gut.

Feind – verkannter Freund?

Lily gähnte und rieb sich die Augen. Dann sah sie sich im Raum um. Wo war sie? Langsam kamen die Erinnerungen zurück. Gestern war Helloween gewesen und James Geburtstag. James. Lily drehte sich um und sah ihn neben sich liegen. Sie lächelte, strich ihm über die Wange und sah sich wieder im Raum um. Sie war im Raum der Wünsche, von den Hauselfen Da-und-Fort-Raum genannt. Lily Gedanken schweiften zur letzten Nacht, das Lächeln in ihrem Gesicht wurde breiter. Ja, nun verstand sie, wieso die anderen Mädchen über kaum etwas anderes redeten. Es schien ihr fast, als könnte sie noch immer seine Berührungen auf ihrem Körper spüren und, ehrlich gesagt, das Gefühl gefiel ihr.

Minutenlang saß Lily einfach nur da, in Gedanken versunken und beobachtete ihren Freund beim Schlafen. Nicht unbedingt spannend, aber Lily hätte in dem Moment nichts anderes gewollt. James bewegte sich, öffnete die Augen und sah Lily an. Dann lächelte er. Ohne zu fragen wusste Lily, dass er es vermisst hatte, neben ihr aufzuwachen, ebenso wie sie. Sie küsste ihn und er zog sie wieder zu sich herunter. „Nicht jetzt, James", murmelte Lily. Er schien nicht begeistert, ließ sie aber los. Lily stand auf, suchte ihre Sachen zusammen (die an allen möglichen und unmöglichen Stelle zu sein schienen – ihr BH hing an der Lampe und Lily hatte keine Ahnung, wie er DA hingekommen war) und zog sich an, wohl wissend, das James jede ihrer Bewegungen beobachtete.

„Prongs? Jewel?", hörte sie plötzlich eine Stimme aus dem Nichts. Lily sah sich verwirrt um, dass war doch Sirius… aber wie…? James grinste: „Der Spiegel. Müsste in meiner Hosentasche sein. Remus hat Sirius seinen wohl wiedergegeben und der versucht jetzt uns zu finden." Lily blickte sich um und fand James Hose schließlich. Sie holte den Spiegel aus der Tasche und sah Sirius Bild darin. „Ah, Jewel, endlich. Ich versuche schon seit Stunden Kontakt zu euch zu kriegen", in Sirius Stimme schwang ein Vorwurf mit. Lily lächelte: „Haben geschlafen. Wie viel Uhr ist es denn?" „11.35 Uhr", kam die prompte Amtwort. „In Ordnung, wir kommen gleich. 10 Minuten", mit diesen Worten brach Lily den Kontakt ab. James hatte sich derweil angezogen und Lily fragte sich einmal mehr, wie er das in der Zeit geschafft hatte. Es waren keine zwei Minuten vergangen. „Lass uns gehen", forderte sie auf. Er nickte und fügte hinzu: „Aber das wird wiederholt, ja?" Lily nickte lachend und mit einem Blick auf die Karte des Rumtreibers verließen sie den Raum.

Es war später Nachmittag, als die junge Frau alleine durch die Korridore lief. Die anderen Schüler gingen an ihr vorbei ohne sie zur Kenntnis zu nehmen. Es war wie immer. Sie war Bertha Huber, ‚die Neue', obwohl schon seit zwei Jahren in Hogwarts. Dann hörte sie irgendjemanden rufen: „Diffindo!" Ihre Tasse riss auf und der Inhalt verteilte sich über den Boden – Bücher, Pergamente, Federn, Hausaufgaben und über alles floss blaue Tinte, denn das Tintenfass war zerbrochen. Bertha wollte es einsammeln und hockte sich nieder, dann hörte sie ein Räuspern. Sie sah hoch und erkannt, wer den Zauber gesprochen hatte. Lucius Malfoy stand dort, ein Siebtklässler aus Slytherin, neben ihm seine Klassenkameraden Rodolphus Lestrange und Severus Snape. Dahinter die beiden ungleichen Schwestern Narzissa und Bellatrix Black und deren Cousin Regulus, der zwei Jahre jüngere Bruder von Sirius Black. Bertha riss ängstlich die Augen auf und musterte die sechs Slytherins wie ein Hase eine Schlange musterte, die kurz davor war, den tödlichen Stoss auszuführen.

Malfoy grinste dreckig. Sein weißblondes Haar glänzte leicht im Schein der Fackeln und seine eisgrauen Augen blickten kalt und erbarmungslos. Der braunhaarige Lestrange warf Bertha mit seinen dunkelbraunen Augen einen angeekelten Blick zu und Snape fauchte etwas wie „elendes Schlammblut". Berthas Augen wandten sich Narzissa zu. Die weißblonde Siebtklässlerin war die Einzige, die ihr jetzt vielleicht noch half. Narzissa hasste Grausamkeiten und musterte ihren Freund Lucius nun wenig erfreut. Allerdings schien sie nicht gewillt, der Griffindor zu helfen. Narzissa mochte keine Grausamkeiten und keinen Tod, aber sie mochte auch keine Muggel oder ‚Schlammblüter'. Wenn man sich die junge Frau ansah, kam man nicht auf die Idee, dass sie zur dunklen Seite gehörte. Sie hatte blondes, fast silbernes Haar, helle Haut und azurblaue Augen, in denen eine gewisse Sanftheit lag, dazu die aristokratischen Gesichtszüge der Blacks. Sie sah fast aus wie ein Engel.

Sie war die mittlere der Black-Mädchen. Ihre ältere Schwester Andromeda war bereits seit drei Jahren mit der Schule fertig, hatte einen Muggel geheiratet, eine Tochter zur Welt gebracht – und war verstoßen worden. ‚Andy' sah ihrer jüngsten Schwester Bellatrix sehr ähnlich. Beide waren schwarzhaarig, hatten graue, fast schwarze, Augen und helle Haut. Doch innerlich waren sie so verschieden wie Feuer und Eis. ‚Bella' war die klassische schwarze Magierin. Wenn sie in zweieinhalb Jahren endlich die Schule fertig haben würde, würde sie zu einer Todesserin werden. Ihre Hochzeit mit Lestrange war bereits arrangiert, ebenso wie es klar war, dass ‚Zissa' nächstes Jahr eine Malfoy werden würde. Allerdings wusste Narzissa noch nicht, ob sie den Todessern beitreten wollte, denn sie konnte andere Menschen nicht leiden sehen.

Narzissa war keine typische Black. Vom Aussehen her schon mal gar nicht, denn auch ihre beiden Cousins waren schwarzhaarig und grauäugig, wie der Rest der Familie. Innerlich stand sie irgendwo in der Mitte. Die Ältesten, Andromeda und Sirius, waren die Rebellen. Sie waren aus dem Familienstammbaum ausgelöscht worden, denn beide stellten sich gegen die Überzeugung ihrer Familie. Die Jüngeren, Bellatrix und Regulus, eiferten ihren Eltern nach. Sie konnten es nicht erwarten, endlich zu Todessern zu werden und Voldemort zu dienen. Was Narzissa wollte, wusste sie nicht so ganz und auch wenn ihr das Mädchen da am Boden Leid tat, sie würde sich nicht gegen die anderen Fünf stellen, nicht jetzt.

„Was sollen wir denn jetzt mit dem kleinen Schlammblut machen?", schnarrte Malfoy. „Wie wäre es mit ein bisschen Folter?", fragte Bellatrix eifrig, „Cru-„ Doch bevor sie den Fluch aussprechen konnte, unterbrach eine ruhig, leicht belustigte Stimme ihr Tun: „Bella, Bella. Mitten in der Schule einen der Unverzeihlichen aussprechen… ich hatte dich für intelligenter gehalten. Du bist doch so stolz darauf, eine Black zu sein, also solltest du dich auch wie eine benehmen." Bertha drehte sich um und sah, wer gesprochen hatte. Sirius Black stand dort, neben ihm James Potter und Remus Lupin. Hinter ihnen erkannte man Lily Evans und Peter Pettigrew. „ICH benehme mich wie eine Black, im Gegensatz zu dir, Sirius", kreischte Bellatrix, „du bist es nicht wert, diesen Namen zu tragen, genauso wenig wie meine gestörte Schwester." Es war klar, dass sie nicht von Narzissa, sondern von Andromeda redete.

„Ich würde ihn liebend gerne ändern. Schafft nur Vorurteile und Probleme. Andy ist keine Black mehr, falls ich dich daran erinnern darf. Sie heißt mittlerweile Tonks", Sirius Stimme war immer noch provozierend ruhig. Bellatrix knurrte etwas, schwieg dann aber. „Was willst du", fragte Regulus seinen Bruder unfreundlich. Sirius lachte leise: „Was ich will, fragst du mich, Brüderchen? Ich will, dass ihr sie in Ruhe lasst. Sie hat euch nichts getan." Regulus war so baff über das ‚Brüderchen' das auch er schwieg. „War ja klar, Black", höhnte Malfoy, „das du dich für das Schlammblut einsetzt. Scheint ein Hobby von dir zu sein, immerhin hängst du ja immer mit einem rum." Er meinte Lily und das reichte, um sowohl Sirius, als auch James wütend werden zu lassen. Sie hoben die Zauberstäbe, als eine Stimme von hinten sich einmischte. Lily Evans sprach vollkommen ruhig und gefasst: „Lasst euch nicht provozieren, dass will er doch nur. Meinetwegen können sie mich tausend Mal ‚Schlammblut' nennen, es stört mich nicht." Sie legte jedem Jungen eine Hand auf die Schulter und sie senkten ihre Zauberstäbe wieder.

„Lässt dir auch noch von ihr Befehle erteilen?", schnappte Malfoy. „Lucius, es reicht!" Alle waren still, nachdem Narzissa das gesagt hatte. Malfoy wollte etwas erwidern, schwieg dann aber und nickte. Er ging an Bertha vorbei und passierte die Griffindors. Seine Freunde folgten. Misstrauische und verächtliche Blicke flogen hin und her, aber mehr passierte nicht. Als Narzissa als Letzte an den Löwen vorbei ging, hörte sie, wie jemand sie ansprach. „Narzissa?", fragte Lily freundlich. Alle drehten sich zu ihr um. „Danke", Lily lächelte. Kurz überlegte die Slytherin, was sie tun sollte, dann lächelte sie ebenfalls. „Keine Ursache. Ich habe ebenso wenig Interesse daran, das sie sich die Köpfe einschlagen, wie du." Lily nickte und grinste: „Ja, langsam wird das alt." Narzissa musste lachen: „Du sagst es." Lily streckte ihr die Hand hin und nach kurzem Zögern ergriff Narzissa diese.

Vollkommen baff starrten die Anderen sie anderen. Da standen die wohl ungleichsten Mädchen der Schule nebeneinander und reichten sich die Hand. Schlossen einen unausgesprochenen Frieden. Lily Evans, muggelstämmige Griffindor und Narzissa Black, Slytherin aus einer der reinsten und dunkelsten Zaubererfamilien überhaupt. Die Königinnen von Hogwarts, die ihre Macht im Verborgenen ausübten. Still, unbemerkt, aber wirkungsvoll.

Zudem noch die Freundinnen der beiden größten Feinde in Hogwarts, seit dem Streit von Godric Griffindor und Salazar Slytherin. Denn wen es jemanden gab, den James Potter noch mehr hasst, als Snivellus, dann war es Lucius Malfoy. Es war der Hass der Vater, der sich auf ihre Söhne übertragen sollte, nicht das, was zwischen den Müttern ablief, etwas, was niemand so recht in Worte fassen konnte. Ein kurzes Lächeln, dann gingen beide ihren Weg. Narzissa zu Lucius, Lily hockte sich neben Bertha. Mit einigen Zaubersprüchen waren Tasche und Tintenfass repariert, die Tintenflecken von Büchern und Pergament verschwunden und alles wieder fein säuberlich eingepackt.

„Warum?", fragte Bertha leise. Remus lächelte sie an: „Warum was?" „Warum habt ihr mir geholfen. Wenn ihr nicht gekommen wärt hätten die sonst was mit mir gemacht…", Bertha brach ab und erhob sich. „Frag Lily, die hat uns dazu gebracht", meinte Sirius und deutete auf die Rothaarige. Bertha war verwirrt. Lily Evans. Wieso half die ihr? Lily war alles, was Bertha nicht war. Sie war hübsch, beliebt, gut im Quidditch, bekannt… alles, was Bertha gerne gewesen wäre. Das einzige, was sie gemein hatten war ihre Intelligenz. Lily lächelte: „Ich hasse es, wenn man wehrlose und unterlegene quält und ich hasse schwarze Magie. Bellatrix wollte dir den Cruciatus-Fluch auf den Hals hetzen. Außerdem müssen wir Muggelstämmigen doch zusammen halten." Bei den letzten Worten grinste Lily schelmisch.

Bertha wusste, dass Lily die vier Jungen praktisch kontrollierte. James, Sirius und Remus taten nichts, was ihr irgendwie missfallen könnte und Peter lehnte sich sowieso nicht auf. Die Herrin der Marauder. Ja, in gewisser Weiße war sie das wirklich. Es war das erste Mal, das irgendjemand Bertha zur Kenntnis nahm. Sie allerdings nahm alles um sich herum wahr. Alle Gefühle, alle Blicke, alle Gesten, alle noch so kleinen Dinge. Und sie wusste sie alle zu deuten. Sie wusste, was hier vorging und das Herzen gebrochen werden würden. Nicht zu weit in der Zukunft würde es geschehen, aber es würde zwei Leben für immer verändern. Das eine würde schwarz werden, ins Dunkel stürzen, um erst im Tod wieder rein zu sein. Das andere würde weiß sein, aufsteigen in die Helligkeit, ohne wirklich unbefleckt zu sein. Zwei Menschen, ähnlich und doch viel zu verschieden. Bertha betrachtete Lily und sah den Kummer in ihren Augen. Auch sie sah es kommen, wusste, dass es das Unvermeidbare war und dass es ihren besten Freund innerlich töten sollte.