Destructive and forbidden Love

Acht Tage vergingen, seit dem Aufeinandertreffen der Marauder mit den Slytherins. Es war Montagnachmittag und Lily ging unruhig in ihrem Büro auf und ab. Sie teilte es sich mit James, ebenso wie das Badezimmer. Kleiner Service für die Schülersprecher. Sirius hockte auf dem Schreibtisch, James lag ausgestreckt auf dem Sofa vor dem Kamin, Remus saß im Sessel und Peter war im Gemeinschaftsraum und machte irgendwelche Hausaufgaben.

„Was ist los, Süße?", fragte James schläfrig. Lily blieb stehen, starrte ihn an und gab die Antwort, die James erwartete hatte: „Nichts." „Für ‚Nichts' bist du aber ziemlich unruhig", kommentierte Remus. Lily schüttelte den Kopf, wie um ihre Gedanken zu vertreiben: „Ich mache mir nur Sorgen." Sirius spielte den Überraschten: „Sie macht sich SORGEN… ganz was Neues…" „Um dich, falls es dich interessiert", fügte Lily hinzu. Alle drei Jungen starrten sie an. „Wieso um mich?", fragte Sirius irritiert. Lily seufzte und schüttelte den Kopf:  „Kann ich dir nicht sagen. Tut mir Leid." Einige Sekunden Stille, dann – „Ich muss hier raus", Lily schrie es beinahe, rannte zur Tür, riss sie auf und hinaus. Ohne Worte sprachen sie sich ab. Sirius und James würden sie suchen gehen, Remus würde warten, falls sie zurückkam.

Lily rannte die Korridore entlang. Kümmerte sich nicht um die verwirrten Gesichter der Anderen. Noch nie hatte jemand sie so aufgelöst gesehen. Sonst bewegte sie sich ruhig mit einer fast königlichen Eleganz, wie nur wenige Mädchen es fertig brachten. Lily, die Lilie, die Reinheit und der Tod. In diesem Moment, wie sie durch das Schloss rannte, vollkommen bleich, die grünen Augen bedeckt von einem Schleier aus Tränen, die blutroten Haare und die schwarze Robe hinter sich her wehend, sah sie eher aus wie der Tod. Ein Gedanke, den man eigentlich nicht mit Lily Evans in Verbindung brachte.

Sie wusste nicht, warum sie weinte, warum sie so durchgedreht war. Das Problem war immer das Gleiche. Ihre Träume, meistens nur wirr, wie die Anderer auch, aber manchmal hatten sie eine Botschaft. Es waren keine Zukunftsträume, es war nur etwas darin, was sie warnen sollte. Meistens erkannte sie die Warnung früh genug, so auch jetzt, aber oft konnte sie nichts tun. Sie wusste, was passieren würde. Wusste, in was sich die zwei stürzen würden. Nur einen Monat lang, dann würde es zu Ende sein und doch ihr Leben und das Anderer verändern. Denn es würde beide kalt werden lassen.

Er würde nie wieder derselbe sein, nie wieder der Unbeschwerte, denn irgendwann brach jeder Mensch zusammen, auch ein Mensch wie er. Er würde immer weiter gegen den Strom schwimmen, mit einer Kraft, die alles überstieg, würde er sich wehren. Sie dagegen würde ihren Weg gehen, der vorbestimmt war, seit ihrer Geburt. Würde sich dem Helfer des Teufels verschreiben und der Hass zu ihm würde sie nur noch kälter machen. Ihr Fleisch und Blut würde die Welt in eine schlimmere Dunkelheit stürzen, als Voldemort je fähig wäre es zu tun. Und Lily konnte es nicht verhindern, denn sie hätten ihr nicht geglaubt.

Lily blieb stehen, schwer atmend sah sie sich um. Sie war gradewegs in den Verbotenen Wald gerannt. Was sie jetzt brauchte, war Freiheit. Sie hörte Stimmen. „Lily? Wo bist du?", rief James, dann Sirius: „Jeeweeel! Komm her, bitte!" Sie kam, in der Gestalt des Jaguars. James lächelte, als er sie sah, streckte die Hand aus und streichelte sie. „Keine schlecht Idee, Jewel", murmelte er und verwandelte sich in den Hirsch. Er sah sich um und sah Padfoot auf sich zukommen. Der Hund sah in herausfordernd an. ‚Wettrennen?' schienen seine Augen zu fragen und der Hirsch senkte sein Geweih. Eine Zustimmung. Die Raubkatze neben ihnen fauchte kurz auf. Sie würde sich das angucken und am Ende entscheiden, wer denn schneller gewesen war, wie immer.

Jewel fuhr herum. Sie hatte ein Knacken gehört und ein leises Schluchzen. Mit raschen, geschmeidigen Sprüngen war sie bei dem Menschen. Die Pfoten gegen die Schultern des blonden Mädchen gedrückt, presste sie sie zu Boden. Fauchte einmal auf und hörte, dass Padfoot und Prongs hinter sie getreten waren. Jewel ließ von dem, zu Tode erschrockenen Mädchen ab. Die starrte aus großen, blauen Augen auf die drei Tiere. Eine Raubkatze, die ihr Opfer nicht riss und ein Hund, der mit einem Hirsch um die Wette lief. Da war was krumm und sie wusste auch was. Die drei Tiere vor ihr waren Animagi. Nur, wer verbarg sich dahinter?

„Wer seid ihr?", fragte Narzissa Black, nachdem sie sich von Lilys Angriff erholt hatte. Die drei Tiere sahen sich an, dann verwandelten sie sich. Der Hirsch wurde zu einem Jungen mit schwarzem, wirrem Haar und Brille. Der Hund war in menschlicher Gestalt auch schwarzhaarig, hatte aber Schulterlange Haare. Der Jaguar war ein Mädchen, rothaarig und mit grünen Augen. James Potter, Sirius Black und Lily Evans. Narzissa konnte nichts als starren. Wie hatten sie das hingekriegt? Animagi. Verboten. Dann seufzte sie. Eigentlich waren die drei die Letzten, die sie sehen wollte.

Besonders Sirius, ihr Cousin. Der, der die Familie betrogen hatte. Nicht wie Andromeda, die einen Muggelstämmigen heiratete und mit ihm wegzog. Aus Angst? Ziemlich sicher. Andy war stark und mutig gewesen, aber sie hatte, außer Ted, niemanden gehabt, der ihr den Rücken freigehalten hätte. Sirius brauchte keine Angst zu haben, noch nicht. Er hatte seine Freunde. Vier Stück, die fest hinter ihm standen, die für ihn gestorben wären. Narzissa wusste, dass sie ihn hätte hassen müssen. Er war ausgestoßen und doch… Blut ist dicker als Wasser. Er war ihr Cousin. Wie konnte sie ihn hassen? Komisch war nur, dass sie Andromeda durchaus hasste, obwohl sie ihre Schwester war. Narzissa hasste Andromeda, weil sie gegangen war, weil sie sie alleine gelassen hatte unter diesen wahnsinnigen Schlangen. Denn das ganze Reinblüter-Gequatsche war Wahnsinn, war nicht Voldemort selbst ein Halbblut?

Doch was sie dachte, war nicht von Belang. Sie würde Lucius heiraten, dass sie ihn hasste war egal. Es war ihm egal, seinen und ihren Eltern. Denn sie, Narzissa, war nichts weiter als ‚etwas'. Sie wurde verheiratet, wegen ihrem Blut. Sie wurde in eine Schublade gesteckt, wegen ihrem Blut. Sie wurde gehasst, wegen ihrem Blut. Sie hasste, wegen ihrem Blut. Wie sollte sie da noch stolz auf ihr Blut sein? Narzissa beneidete Sirius dafür, dass er ‚nein' sagen könnte. Das er stark genug war, sich gegen seine Familie zu stellen, ohne davonzulaufen. Das er Blut Blut sein ließ und seinem Bruder trotzdem ins Gesicht grinsen konnte. Und wenn sie ehrlich war, dann beneidete Narzissa den älteren Cousin nicht nur, nein da war mehr… viel mehr. Doch es war verboten und es würde Folgen haben… schlimme Folgen!

Narzissa hatte, ohne es zu merken, angefangen zu weinen. Sirius kam näher, setzte sich neben sie und nahm sie in den Arm. Okay, ja, sie war Narzissa Black, eine Slytherin, Verlobte von Lucius Malfoy, aber sie war auch seine Cousine, mit der er früher gespielt hatte, vor Hogwarts. Er hielt sie fest, wiegte sie leicht hin und her, wie ein kleines Kind und murmelte leise: „Schhh, Zissa. Nicht weinen. Was ist denn los? Alles ist gut, Zissa." Sie weinte weiter an seiner Schulter und irgendetwas in ihr genoss es. Sie weinte wegen ihm, doch das konnte er nicht wissen. Sie weinte, weil sie keinen Ausweg mehr wusste. Sie wusste nicht mehr, wen sie hassen sollte. Ihn oder sich oder sonst jemanden. Sirius hob den Kopf und sah seine Freunde an. Auf James Gesicht lag totale Verwirrung, auf dem von Lily jedoch wissende Bekümmertheit. Wieso war sie so bekümmert, so traurig? Lily griff nach James Arm und zog ihn wortlos weg, dann drehte sie sich noch einmal um, sah Sirius fest an und wischte sich eine Träne aus den Augenwinkeln. Dann ging sie.

„Was. War. Das.?", fragte James und betonte jedes Wort unnötig. Lily schüttelte müde den Kopf: „Was das war? Nun, vielleicht der Anfang vom Ende." „Wieso?", fragte James verwirrt. Lily lachte bitter: „Siehst du es nicht, James? Verbotene Liebe, zerstörerische Liebe. Das kann nicht gut gehen. Sie ist seine Cousine, eine Slytherin und verlobt mit einem Malfoy. Er ist verstoßen, ein Griffindor und hasst seine Familie mit Ausnahme von ihr. Einen Monat werden sie auf Wolke Sieben schweben, heimlich, aber glücklich. Vielleicht zwei. Aber Narzissa ist nicht stark genug. Nicht stark genug, mit ihrer Familie zu brechen, nur für ihn. Sie wird ihn verlassen, verletzten, und zurückkehren in das Leben, was geplant war, bevor sie geboren wurde. Sie werden kalt werden, hassen und das wird eines Tages eine Menge zerstören, wenn nicht sogar alles." James starrte sie einen Moment an: „Sirius liebt Narzissa." Es war eine Feststellung und trotzdem nickte Lily, bevor sie hinzufügte: „Leider…"