An kara: Freut mich, das es dir gefällt. :)
Fast perfekt, dank Padfoot
Langsam strömten die ersten Schüler in die Halle. James und Lily standen am Rand und beobachteten die Reaktionen. Ausnahmslos positiv. Die Halle war mit silbernen Girlanden geschmückt. Überall standen große, reich geschmückte, Weihnachtsbäume und von der Decke rieselte verzauberter Schnee. Auf der einen Seite standen einige kleine Tische, die andere war zur Tanzfläche umfunktioniert worden. Dort, wo normalerweise der Lehrertisch war, befand sich jetzt eine Bühne, für die Band. „Wow, ihr habt ganze Arbeit geleitest", hörten sie Remus Stimme neben sich. Lily lächelte: „Danke, war aber auch Arbeit genug." „Freu dich schon mal auf April und Juni", bemerkte James stöhnend. Lily sah ihn fragend an: „Juni ist der Abschlussball, das weiß ich, aber was, zur Hölle, ist im April für ein Fest?" „Dumbledores Geburtstag… irgendwas Rundes und ich glaube, von uns wird eine Feier erwartet mit Aufführungen von jedem Schüler..." Lily heulte nahezu auf: „Neeeeiiiin!"
Bisher war das Fest ein voller Erfolg gewesen, doch jetzt mussten die beiden Schülersprecher eine kleine Ansprache halten und keiner von beiden hatte wirklich Lust darauf, trotzdem stiegen sie auf das Podest. „Sonorus", murmelte Lily leise und deutete auf ihre Kehle. James tat es ihr nach und wandte sich dann mit magisch verstärkter Stimme an die Schüler: „Dürfte ich euch mal kurz um eure Aufmerksamkeit bitten? Ich hab selber keine Lust hier rauf, also werden wir euch nicht allzu lange belästigen." Vereinzelte Lacher, obwohl James das hier durch aus ernst meinte. Lily ergriff das Wort: „Nun, wieder ein weiteres Weihnachten in Hogwarts. Für einige von uns das letzte hier, aber wir wollen nicht sentimental werden. Nicht jetzt. Naja, alles was ich zu sagen habe ist: Viel Spaß und Frohe Weihnachten schon mal." „Und", fügte James hinzu, „viele Geschenke und treibt eure Familien und Freunde nicht allzu sehr in den Wahnsinn, immerhin ist Weihnachten das Fest der Liebe und so." Die Schüler lachten. Musste er ja grade sagen.
„Tanzen?", fragte James seine Freundin, sobald sie vom Podest herunter getreten waren und die Band zu spielen begann. Die lächelte nur. „Ich nehme das als ‚Ja'", erklärte James und zog sie auf die Tanzfläche. Es wurde ein langsames Stück gespielt und James zog Lily so nah zu sich heran, dass sie fast keine Luft mehr bekam. „Habe ich dir eigentlich schon gesagt, dass du heute Abend einfach nur traumhaft aussiehst?", murmelte er leise in ihr Ohr. Lily lächelte: „Nur ungefähr zweitausend Mal." „Okay, dann muss ich es noch zweitausendneunhundertneunundneunzig Mal sagen, bis du ungefähr weißt, wie hinreißend du aussiehst", wisperte er. „James, du wirst auf deiner Schleimspur ausrutschen, wenn du nicht aufpasst", warnte Lily grinsend. Er verdrehte die Augen und murmelte etwas von „stimmt aber", was Lily wiederum dazu veranlasste seine Lippen mit einem Kuss zu versiegeln.
Wieder wurden sie gestört, diesmal von einem Aufruhr an der Tür. Die Slytherins kamen herein. Angeführt von Malfoy, der seinen Arm Besitz ergreifend um Narzissas Taille gelegt hatte. Dahinter kamen Lestrange und Bellatrix. Es folgten Regulus, Snape und Nott mit irgendeiner Partnerin aus Slytherin und schließlich Crabbe und Goyle, die wohl Keine abbekommen hatten. Es wunderte keinen. „Oh, oh", murmelte Lily und James verstand: „Sirius!" Sie nickte und beide sahen sich suchend um. Sirius tanzte mit Undine. Das heißt, er hatte mit ihr getanzt, jetzt starrte er in Richtung Tür. Es war das erste Mal, dass er Narzissa sah, seit sie mit ihm Schluss gemacht hatte und das dann auch noch in Begleitung von Malfoy und den anderen Slytherins und unter den Augen der gesamten Schule (oder zumindest ab der vierten aufwärts).
Schnell bahnten sich die beiden Schulsprecher einen Weg zu Sirius. James forderte die recht verwirrte Undine zum tanzen auf, um sie aus dem Weg zu schaffen und Lily wandte sich an Sirius: „Sirius, bitte mach jetzt nichts Unüberlegtes…" „Was meinst du damit?", fragte er, ohne den Blick von Narzissa und Malfoy abzuwenden. „Naja", versuchte Lily es weiter, „etwas was du hinterher bereuen würdest." „Glaub mir, Lily, ich werde garantiert nicht bereuen, diesen Bastard ins Grab verfrachtet zu haben", knurrte Sirius. „Sirius… BITTE!", flehte Lily. In dem Moment schien Sirius entschieden zu haben, was zu tun war. Er drehte sich zu Lily um und küsste sie.
Viel zu überrascht um zu reagieren, stand Lily einfach nur da und ließ es geschehen. Sie hörte das Gemurmel um sich herum. Keiner wusste so ganz, was das hier jetzt zu bedeuten hatte. Sollte Evans etwa etwas mit Potter UND Black am Laufen haben? Oder war Potter schon wieder abgemeldet? Nein, ging ja auch nicht, denn mit dem hatte sie ja vor nicht mal zwei Minuten rumgeknutscht. Hier lief etwas sehr, sehr merkwürdiges ab. In Lilys Kopf überschlugen sich die Gedanken. Sie wusste, dass Sirius, falls sie ihn jetzt wegstoßen würde, ziemlich dumm aussah. Nicht nur vor Narzissa, sondern vor der ganzen Schule. Allerdings war sie mit James zusammen, sie liebte ihn, und der stand nicht mal drei Meter von ihnen entfernt. Sie entschloss sich zu der passiven Methode. Sie erwiderte den Kuss nicht, stieß Sirius aber auch nicht weg, sondern wartete, bis er sich von selbst von ihr löste.
Vollkommen verwirrt starrte James auf das Bild, welches sich ihm bot. Er verstand es nicht, doch zu seiner eignen Überraschung fühlte er keinerlei Eifersucht. Er wusste, weshalb Sirius so reagierte. Zum einen wollte er Narzissa anscheinend zeigen, dass er dieses Spielchen ebenfalls gut beherrschte und sie genauso gut verletzten konnte. Denn sie war verletzt, dass erkannte James in ihren Augen. Zum anderen brauchte Sirius anscheinend Bestätigung. Er musste wissen, dass er, trotz ihr, nicht verloren hatte. Und James wusste auch, wieso er ausgerechnet Lily küsste. Zum einen, weil sie sich darauf nichts einbildete oder erhofft, ihn aber auch nicht hängen lassen und blamieren würde und zum anderen, weil sie einfach verfügbar gewesen war. James grinste in sich hinein, als er die Gesichter der anderen Schüler sah. Sie hatten keine Ahnung, wie sie diese Szene jetzt bewerten sollten. Nun gut, er würde sie noch mehr verwirren.
Kaum das Sirius sich wieder von Lily gelöst hatte, trat James hinter sie, legte ihr lose die Arme um die Taille und wandte sich an Sirius: „Ach, Padfoot, meine Eltern haben gefragt, ob wir über Sylvester nach Hause kommen. Ich gehe, glaube ich. Du weißt ja, die berühmten Partys meiner Mutter und ich muss mal wieder den lieben Sohn spielen. Du musst nicht mit, wenn du nicht möchtest, aber ich würde mich freuen. Du bist übrigens auch herzlich eingeladen, Süße." Sirius starrte James eine Sekunde lang nur an, dann grinste er. Er war dankbar, dass James seine Reaktion verstand und keine Eifersuchtsszene hinlegte. Dann nickte Sirius: „Doch, ich glaube, ich komme mit. Diese Partys haben den Vorteil, dass die meistens Freunde deiner Eltern hübsche Töchter im richtigen Alter haben…" „Padfoot!", ermahnte Lily ihn lachend und fuhr dann, an James gewandt fort: „Ich komme auch. Ich habe zwar keine Ahnung, was mich erwartet, aber ich bezweifele stark, dass ich auch nur drei Tage ohne dich auskomme." Sie schenkte ihm ein Lächeln und James küsste sie. „Lass uns rausgehen", murmelte er leise in ihr Ohr.
Ziemlich verwirrte Blicke folgten ihnen auf dem Weg zur Türe. Sirius sah sich nach Undine um und verzog sich mit ihr. Es war nur zu klar, was die beiden machen würden und Narzissa konnte nicht anders, sie musste die Tränen zurückhalten. So schnell hatte er also Ersatz gefunden. Sie wusste, dass es Quatsch war, wusste, dass Undine ihm nichts bedeutete und dass immerhin sie es gewesen war, die Schluss gemacht hatte, aber daran wollte Narzissa vorläufig nicht denken. Es tat einfach nur so weh. Erst zu sehen, wie er Lily küsste und es anscheinend weder ihr, noch ihrem Freund etwas auszumachen schien und jetzt verschwand er mit Undine. Narzissa seufzte lautlos. Es war doch ihr eigenes Verschulden. Sie bereute jetzt schon, dass sie Schluss gemacht hatte, aber tief in ihrem Inneren wusste sie, dass sie es nie durchgehalten hätte. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende…
„James?", fragte Lily, als sie über die Ländereien von Hogwarts wanderten. Sie bekam nur ein „hm?" zur Antwort und fuhr fort: „Danke, dass du eben nichts gesagt hast. Ich wollte ihn wirklich nicht küssen, aber ihn wegschubsen ging nicht und ihm hat es auch nichts bedeutet. Es war…" James unterbrach sie, indem er sie ganz einfach küsste. Wieder war Lily einen kurzen Moment überrascht, bevor sie den Kuss von sich aus vertiefte. Das hier fühlte sich weitaus richtiger an, als der Kuss von Sirius. Als sie sich voneinander lösten, waren beide etwas außer Atem. James hielt Lily nah bei sich. Sie konnte seinen warmen Atem an ihrer Wange spüren und hauchte ihm ein kaum verständliches „ich liebe dich" ins Ohr. Doch James hatte verstanden. „Ich liebe dich auch, Schönheit." Lily lächelte und lehnte ihren Kopf an seine Schulter.
Womit hatte sie das hier eigentlich verdient? Sie war eine Hexe, sie war klug, recht hübsch – und wenn man James glauben wollte, dann war sie das Schönste, was je auf Erden gewandelt war –, hatte liebe Freunde und einen wunderbaren Freund. Das alles entschädigte sie auch fast dafür, dass sie eine Waise war. Lily wusste, dass sie ihre Eltern nie vergessen würde und dass sie immer um die trauen würde, aber gleichzeitig wusste sie auch, dass sie Abschied genommen hatte. Sie hatte die Seelen ihrer Eltern endlich frei gegeben. Und seit dem Tag im Juli, an dem James sie gefunden hatte, hatte sie kein einziges Mal geritzt. Anscheinend war sie da drüber hinweg. Nun, liebe Lily, so ganz richtig liegst du damit allerdings nicht…
