An Vami: Lies selbst
An Jenny: Ja, sie
übertreibt. Aber ich dachte eigentlich, dass in dem einen Abschnitt (nach dem
Mittagessen) ausgedrückt zu haben, dass sie selber findet, dass sie übertreibt,
aber nicht weiß wieso. Naja…
Danke. Spaß werde ich haben, denke ich. Stress mache ich mir keinen, aber ich
will ja auch wissen, wie es weitergeht. Ich selbst weiß nämlich auch immer nur
so halb, was in den Kapiteln vorkommen soll. Ich setzte mich einfach hin und
schreibe und lese es hinterher noch mal (und bin dann manchmal überrascht, was
ich da geschrieben habe) Ja, teilweiße warm (z.B. in Alice Springs) und dann
wieder fast kalt (z.B. in Sydney), ziemlich ätzend…
An Vamp: Ich kann :p. Aber es geht ja schon weiter
An Romi: Du darfst raten.
An Brchen: Schreibe ja schon weiter…
An Valerie: Darum ;)
An kara: Ist auch die zeitraubenste, die anderen entstammen alle nur so kurzen Ideen von mir, die ich schreiben wollte.
An vero: Du darfst sie genießen, ich schreibe weiter.
An inlaka: Wie ihr befielt, großer Meister.
Was ist schon Begehren?
Lily war minutenlang vollkommen in Gedanken versunken herum gelaufen. Ohne es zu merken, stieß sie mit dem Fuß eine Ritterrüstung an, die scheppernd umfiel. Erschrocken schrie Lily kurz auf, beruhigte sich aber, als sie den Ursprung des Geräuschs sah. Sie murmelte einen Spruch und die Rüstung richtete sich wieder auf. Lily sah sich um. In diesem Teil des Schlosses war sie noch nie gewesen. Komisch, denn immerhin war sie jetzt schon sieben Jahre hier, sie war Schulsprecherin und Marauder. Eigentlich hatte sie gedacht, das ganze Schloss in und auswendig zu kennen. Nun, so konnte man sich täuschen. Sie war in eine Sackgasse gelaufen. Vor ihr war lediglich eine einzige Tür. Lily ging darauf zu und zu ihrer Überraschung war die Tür nur angelehnt. Ihre Neugier war geweckt und sie betrat den Raum dahinter.
Sie erinnerte sich, dass dieser Korridor auf der Karte des Rumtreibers eingezeichnet war, allerdings war nichts Besonderes daran gewesen. Sirius hatte gesagt, es wäre nur ein Abstellraum. Aber was, bitteschön, machte ein Spiegel in einem Abstellraum? Denn dort stand ein Spiegel, auf Klauenfüßen und so hoch wie der Raum. Oben drüber war in goldenen Lettern geschrieben: NERHEGEB Z REH NIE DREBAZ TILT NANIEDTH CIN. Lily runzelte die Stirn. Was war das? Sah auf den ersten Blick aus wie Kaudawelsch, wie eine sinnlose Ansammlung von Buchstaben, aber das konnte nicht sein. Wenn der Spiegel so versteckt wurde, dann war er entweder mächtig oder gefährlich oder sogar beides. Zumindest aber war er magisch. Vielleicht war es ein Zauberspruch oder etwas in der Art. Aber ein Zauberspruch den man nicht aussprechen konnte, es sei denn man war scharf darauf sich die Zunge zu verknoten? Irgendwie auch nicht.
„Nerhegeb", murmelte Lily leise, „Nerhegeb… Ner heg eb. Eb heg ner. Ren geh be. Be geh ren… Moment mal! Begehren!" Das Letzte rief sie beinahe heraus. Natürlich, das war eine ganz normale Inschrift, nur eben falsch herum. Sie musste es von rechts lesen. „NIC HTDEINAN TLIT ZABERD EIN HER Z BEGEHREN. Nicht dein Antlitz, aber dein Herzbegehren", las Lily. Komisches Ding. Gut, vielleicht sollte sie mal einen Blick hinein werfen. Sie trat vor den Spiegel und was sie sah, ließ sie nach Luft schnappen. Der Spiegel zeigte tatsächlich nicht ihr Antlitz – oder zumindest nicht nur ihr eigenes. Er zeigte sie selber, einige Jahre älter, ein Baby im Arm und neben sich ein Mann. Schwarze, verstrubbelte Haare, haselnussbraune Augen und eine Brille. James. Er hatte denselben Ring am Finger, wie sie. War das ihr Herzbegehren, was der Spiegel ja angeblich zeigte? War es das, was sie wollte? James heiraten und sein Kind zu Welt bringen?
Vollkommen verwirrt starrte Lily immer noch das Bild an, welches der Spiegel ihr zeigte. „Nun, was sehen Sie, Miss Evans", fragte eine leise Stimme hinter ihr. Erschrocken fuhr Lily herum. „Was? Professor? Wie?", fragte sie verwirrt. Professor Dumbledore lächelte und wiederholte seine Frage. „Ich", begann Lily, brach ab und setzte erneut an, „ich sehe mich selber, aber älter als jetzt, zwei oder drei Jahre. Ich habe ein Baby im Arm und einen Ring am Finger. Neben mir steht ein Mann. Er hat denselben Ring und das Baby sieht ihm ähnlich…" Sie verstummte. Sollte sie sagen, welchen Mann sie sah? Dumbledore nahm ihr die Entscheidung ab, indem er fragte: „Nur irgendein Mann? Ich kann mir nicht so ganz vorstellen, dass Sie sich schlicht wünschen, einfach nur zu heiraten und Mutter zu werden. Kennen Sie diesen Mann, den Nerhegeb Ihnen zeigt?" „Nerhegeb? Heißt der Spiegel so?", Lily versuchte Zeit zu schinden. Dumbledore nickte und sah sie erwartungsvoll an. Lily seufzte und antwortete leise: „James."
„Das habe ich mir gedacht, Miss Evans, und seien Sie sicher, wenn Mr. Potter vor diesem Spiegel stehen würde, er würde exakt dasselbe sehen, wie sie", Dumbledore wirkte zufrieden. „Wer's glaubt…" knurrte Lily. „Ich", kam die simple Antwort. Still trat Lily wieder vor den Spiegel. Sie sah immer noch dasselbe wie eben. Sich selber, das Baby und James. Er beugte sich zu ihr herunter und küsste sie auf die Wange. Ihr Spiegelbild begann zu lächeln und ohne dass sie es merkte, hatte sich auch über Lilys Lippen ein Lächeln geschlichen. „Was sehen Sie?", fragte Dumbledore wieder. Er wiederholte sich. „Er küsst mich auf die Wange… also mein Spiegelbild… ach, Sie wissen, was ich meine", antwortete Lily etwas unwillig. Dumbledore nickte und sprach weiter: „Sie wünschen sich nicht nur, später einmal seine Frau und Mutter seines Kindes zu sein, Sie wünschen sich auch, von ihm geliebt zu werden, kann das sein, Miss Evans?"
Konnte es sein? Ja, zum Teufel, es konnte nicht nur sein, es war so. Sie liebte ihn, trotz allem. Und sie wollte von ihm geliebt werden. Deshalb traf es sie doch auch so, dass er mit Undine geschlafen hatte. Nicht der Seitensprung oder der Vertrauensbruch an sich war es, was sie so hatte durchdrehen lassen, es war die simple Angst, seine Liebe zu verlieren. Die Angst, dass er sie zurückweißen könnte. Und bevor er die Möglichkeit bekommen hatte, es zu tun, hatte sie ihn zurückgewiesen. Typisch. So handelte sie immer. Sobald etwas dir wehtun kann, stoß es lieber von dir, bevor es dir auch wirklich weh tut. So lebte sie. Lieber verletzte sie andere, als selber verletzt zu werden. Sie hatte mit den Jahren eine Mauer um ihr Herz gebaut, die schwer zu überwinden gewesen war. Nahezu unmöglich. James hatte es geschafft und was hatte sie jetzt davon? Sie war verletzt, traurig, wütend. James hatte seine Chance gehabt. Die erste und die letzte. Auch er würde der Erste und Letzte sein, der sie verletzten konnte. Denn sie würde nicht zulassen, dass irgendjemand ihr das noch mal an tat. Von jetzt an würde sie vorsichtig sein, sehr vorsichtig und misstrauisch. Und er hatte Schuld.
„Möglich, aber das geht vorbei", erklärte sie mit kalter Stimme, „es wird der Tag kommen, an dem ich ihm ins Gesicht sehen kann und ihn hassen kann, für das, was er mir angetan hat." Wieso tat es so weh, dass zu sagen? Wieso würde sie ihre Worte am liebsten zurück nehmen? Nun, was auch immer es war, es würde vergehen. „Wenn Sie das sagen…", Dumbledores Stimme war dermaßen ironisch, dass Lily ihn gerne angeschrieen hätte, aber sie schwieg. Minutenlang sagte keiner etwas, beide hingen ihren Gedanken nach. Und keiner dieser Gedanken war wirklich erfreulich.
„Was heißt denn schon Begehren?", knurrte Lily verstimmt in die Stille. Vom Dumbledore kam keine Reaktion und sie fuhr fort, mehr zu sich, als zu dem Professor: „Begehren. Eigentlich ja nichts weiter als eine Sehnsucht nach Dingen, die man nicht kriegt." „Mit dem ersten Teil stimme ich überein, aber ansonsten nicht. Man kann die Dinge, die man begehrt durchaus bekommen. Sie, zum Beispiel, müssten nur ein Wort sagen, um zu bekommen, was sie wollen. Es ist Ihr eigener Stolz, der Ihnen da im Weg steht", wandte Dumbledore ein. Lily grummelte etwas von „und wenn schon" und verfiel in Schweigen.
„Nicht nur einen Tod gibt es. Der uns dahinrafft, ist nur der Letzte", murmelte Lily. „Was?", fragte ihr Direktor verwirrt. Lily antwortete zögerlich: „Ein Spruch den ich mal gehört habe. Ich habe ihn früher nie verstanden, aber jetzt glaube ich, weiß ich, was damit gemeint ist." Dumbledore nickte und fragte weiter: „Sind Sie denn schon mal ‚gestorben', Miss Evans?" Lily nickte langsam. Es dauerte einige Sekunden, bevor sie erklärte: „Als meine Eltern starben, da hatte ich monatelang das Gefühl, nicht mehr zu leben. Ich dachte damals, dass die Welt aufhören müsste, sich zu drehen. Ich hatte das Gefühl schon öfter. In der ganzen letzten Woche zum Beispiel, aber so schlimm wie damals war es nie." „Aber dann haben Sie gesehen, dass es doch weitergeht?", fragte der Schulleiter. Lily nickte und sah wieder in den Spiegel.
„Viele sind verrückt geworden, wegen Nerhegeb. Sie konnten nicht mehr ablassen, von dem, was der Spiegel ihnen zeigte", bemerkte Dumbledore. „Kann ich mir vorstellen. Man kriegt gerne das gezeigt, was man möchte, „murmelte Lily und hob ihre Stimme dann, „Professor, darf ich Sie fragen, was Sie sehen, wenn sie in den Spiegel schauen?" Dumbledore überlegte kurz. Lily Evans war eine intelligente und verständige junge Frau. Sie würde nicht falsch verstehen, was er ihr sagen würde. Und anders als ihrem Sohn einige Jahre später, erzählte Dumbledore ihr nun von dem Wunsch, den er schon seit Jahren hatte und noch Jahre in der Zukunft haben würde: „Ich sehe mich selber, wie ich Tom die Hand reiche." „Riddle?", fragte Lily und der Schulleiter war überrascht. „Sie wissen, wer Tom Vorlost Riddle ist?" „Voldemort", erklärte Lily schlicht.
Lily ließ eine Hand in ihre Hosentasche gleiten. Sie spürte etwas Kleines, Hartes und zog es heraus. Es war der Stein, dessen Gegenstück sie James zum Geburtstag geschenkt hatte. Er war grau-blau verfärbt. Traurig, verzweifelt, einsam. Das drückten die Farben aus. Aber wieso? Nur weil sie nicht da war? Irgendwie merkwürdig, denn dann müsste der Stein auch rot sein. „Professor, was ist mit James?", fragte Lily und ihre Stimme klang nicht ganz so ruhig, wie sie es gerne gehabt hätte. „Was soll mit ihm sein?", kam die Gegenfrage, doch Lily wusste, dass Dumbledore sie nur austestete. Sie antwortete: „Es geht ihm nicht gut." „Nein, tut es nicht. Er braucht Sie, aus mehr als einem Grund", erklärte der Schulleiter und verschwand ins Nichts. Lily starrte nur einen Moment auf die Stelle, wo er eben noch gestanden hatte. Sie konnte sich später den Kopf darüber zerbrechen. James brauchte sie? Nun gut, sie würde da sein. Irgendetwas in ihr sagte ihr, dass jetzt keine Zeit für ihr Gefühle ihm und seinen Taten gegenüber war. Wieso sie so handelte, wusste Lily nicht. Rasch lief sie zum Büro, welches ihr und James gehörte. Es schien sie nahezu anzuziehen.
