Und alles findet sich
„Ehm..."Hermine verschränkte ihre Arme und starrte auf den Boden. „Tja..."Fred hatte seine Hände in den Taschen seines Umhanges vergraben und schien die Zuschauertribünen um das Quidditchfeld herum plötzlich sehr interessant zu finden. Beide wussten nicht wirklich, was sie sagen sollten. Während sie sich geküsst hatten, war es, als ob eine riesige Welle über ihnen zusammenbrach und alles, was sie noch wahrgenommen hatten war der andere und dieses wunderbare Gefühl gewesen, das sich in ihrem Inneren ausbreitete. Nun jedoch, nachdem sie sich voneinander gelöst hatten, wurde ihnen nur allzu klar, was sie gerade getan hatten. Hermine kämpfte nun ihrerseits damit, dass sie es wirklich getan und Fred knabberte daran, dass er nichts dagegen gehabt hatte. Im Gegenteil.
Hermine Granger und Fred Weasley küssend auf dem Quidditchfeld.
Währen beide nicht so damit beschäftigt gewesen, sich nicht anzusehen, hätten sie über diese doch recht absurde Situation vielleicht sogar gelacht.
„Also ich hätte niemals, in meinen kühnsten Träumen nicht, gedacht, dass so etwas mal passieren würde,"sagte Fred nun, sah jedoch immer noch über sie hinweg zu den Zuschauerreihen.
„Na ja, ich auch nicht..."
„Also..."Fred gab sich einen Ruck und sprach das aus, was ihm in den letzten Augenblicken durch den Kopf gegangen war: „Irgendwie... wär Ron nicht begeistert, wenn er das eben gesehen hätte."
Hermine stutzte. Ron?! Wie kam er ausgerechnet jetzt auf Ron? Sie vergaß ihre Verlegenheit und sah nun fragend zu ihm auf. Nach einigen Sekunden sah auch er sie an und lächelte gequält: „Na ja, er, hm... mag dich halt sehr. Das musst du doch bemerkt haben."
„Eigentlich... nicht."Sie schien wirklich überrascht. Oder eher geschockt, dachte Fred.
„Na hör mal. So wie er Krum letztes Jahr bei jeder Gelegenheit schlecht gemacht hat und es sogar heute noch gerne tut. Ich dachte, du würdest... für ihn genauso fühlen... oder?"
„Eigentlich... nicht."Wiederholte Hermine mit ausdrucksloser Stimme. Warum war ihr das nie aufgefallen?!
„Und was ist mit dir und Angelina?" OH GOTT!"Hermine schien plötzlich klar zu werden, was sie da wohl angerichtet hatte. Da hätte sie ruhig früher dran denken können, verdammt!
„Angelina? Oh, ja, richtig."Fred grinste schief.
„ "Oh, ja, richtig"?? Was soll das denn jetzt? Ihr seid doch ein Paar, oder?"
„Na ja, "er hörte auf zu grinsen und zog eine Grimasse: „Da haben wir eigentlich nie so drüber geredet."
„Aber da ist etwas und ich hab dich geküsst – OH GOTT!"
„Sagtest du schon,"schmunzelte Fred, während Hermine den Kopf zu verlieren schien.
„Was grinst du bitte? Das ist alles andere als zum Grinsen, ich hab etwas Schreckliches getan!"
Fred bemühte sich, wieder ein ernstes Gesicht zu machen, auch wenn ihm nicht wirklich danach war. Er wusste zwar nicht warum, aber irgendwie war ihm eher nach Fröhlichkeit zumute. Ob das an dem Kuss lag? „Hör mal, du musst kein schlechtes Gewissen haben. Zwischen mir und Angelina ist nichts. Ja, ok, wir waren zusammen auf dem Ball letztes Jahr und wir sind uns etwas... näher gekommen, aber da läuft nichts mehr. Hat nicht gefunkt."Er hoffte, dass Hermine sich jetzt beruhigen würde, sie allerdings schien noch lange nicht sorgenfrei.
„Schön und gut, aber..."
„Aber?"
„Das mit Ron..." „Oh."Würde sie sich jetzt etwa doch Ron zuwenden? Hatte sie vielleicht schon immer Gefühle gehabt, es nur nie zugegeben und würde jetzt, wo sie wusste, was er fühlte, zu ihm gehen? Ach, Mist. Fred spürte plötzlich den Drang, seinem kleinen Bruder eins überzubraten.
„Ich muss das erst mal verarbeiten."Hermine sah wieder zu Boden. Diesmal allerdings nicht aus Scham. Dieser „Test"hatte Klarheit bringen sollen und statt dessen war sie noch verwirrter als vorher.
„Hey, Hermine! Du hast Post! Komm runter!"
Das war doch Harry... Post?
„Die Eule hier ist gerade angekommen, ist für dich."Harry setzte sich wieder zu Ron, der gerade gegen George Schach spielte. Fred und Lee Jordan saßen etwas abseits. Hermine ging auf die Schleiereule zu, die neben dem Schachbrett hockte und nahm das Pergament von ihrem Bein. Die Eule flatterte wieder davon.
„Von wem?"Fragte Harry und löste seinen Blick vom Schachbrett.
„Viktor."
„Ooooh!"
Hermine sah verwirrt von dem Brief auf. Dieses „oh"war sicherlich nicht von Harry gekommen.
Fred und Ron sahen sich wütend an; „Was „oh"?!"Fragten sie sich gleichzeitig.
Hermine ignorierte die beiden und ließ sich an einem Tisch auf der anderen Seite des Raumes nieder, an dem Ginny saß und die Szene über ihr Buch hinweg beobachtet hatte. Einige Minuten saßen die beiden schweigend da und Hermine war in den Brief vertieft.
„Was schreibt er?"
„Was?"Hermine sah wieder auf: „Ach, nichts Besonderes. Wie es mit dem Training läuft, so was halt."
„Dann hat er dich also nicht wieder zu sich eingeladen?"
Sie kam nicht sofort dazu, auf Ginnys Frage zu antworten, da Fred sich in dem Sessel neben Ginny niederließ und sie genauso fragend anblickte wie seine Schwester.
„Ehm... nein. Natürlich sagt er, es würde ihn freuen, aber er weiss ja auch, dass die Situation in unserer Welt momentan sehr kompliziert ist."
Ginny lächelte: „Wenn er dich unbedingt sehen will, kann er ja nach London kommen. Das wär sowieso besser so herum... meinst du nicht, Fred?" Sie sah ihren älteren Bruder erwartungsvoll an und Hermine hätte schwören können, dass sie sah, wie Ginny ein Grinsen unterdrückte.
„Klar,"antwortete Fred. Dann kann ich ihm einen Klatscher an den Kopf ballern.
„Und er könnte sein Englisch verbessern,"fuhr Ginny fröhlich fort.
„Vielleicht lernt er dann auch, Hermines Namen auszusprechen,"kam es sarkastisch von Ron, während seine Königin gerade Georges König lynchte.
„Sehr lustig, Ron. Bulgarisch ist ganz anders als Englisch (Deutsch drop), natürlich hat er da Probleme mit einigen Wörtern und Namen."
„Haben seine Probleme beim Laufen auch etwas damit zu tun, dass der Boden in England so anders ist, als der in Bulgarien oder liegt es einfach an der Erdanziehungskraft in den verschiedenen Teilen der Erde?"Schoss er zurück und funkelte Hermine an.
„Erdanziehungskraft? Neues Wort gelernt?"Fragte sie aufgebracht. Warum musste er sich nur immer wie ein kompletter Vollidiot benehmen? Selbst wenn er Gefühle für sie hatte, war das kein Grund, gleich Streit anzufangen!
„Willst du sagen ich sei dumm?!"
„Nein, ich will sagen, dass das Kind in dir sich verdammte Mühe dabei gibt, zu verhindern, dass du anfängst, dich reifer zu benehmen!"
Alle anderen im Raum starrten die beiden gebannt an. Sie hatten zwar schon öfter miterlebt, wie die beiden sich stritten, aber diesmal schien etwas anders zu sein.
„Ihr werdet euch doch jetzt wohl nicht wegen Krum gegenseitig die Schädel einschlagen?"Versuchte Harry seine beiden besten Freunde zu beruhigen.
„Er hat angefangen!"Schrie Hermine.
Gerade als Ron seinen Mund öffnete, um etwas zu erwidern, kam ihm Harry zuvor: „Du weißt doch, dass er Krum nicht sonderlich mag."
„Dann soll er nicht zuhören, wenn ich mit ANDEREN über ihn rede! Verdammt, musst du immer auf seiner Seite sein, Harry?"
„Er ist auf meiner Seite, weil ich Recht habe! Krum ist ein entenfüßiger Idiot!"Zischte Ron.
„Ich bin auf gar keiner Seite,"murmelte Harry resignierend und entschied, sich besser heraus zu halten.
Hermine sah Ron geschockt an. Er schien von einer Sekunde auf die andere aggressiver geworden zu sein, als er je bei einem ihrer Streits vorher war. Wie er sie anstarrte...
„Ich glaube, das reicht jetzt,"meldete sich Fred zu Wort: „Hört lieber auf, ehe ihr noch etwas bereut."
Ron löste seinen wütenden Blick von Hermine und schaute statt dessen seinen älteren Bruder an: „Was geht dich das an?"
„Du bist mein Bruder und ich bin mit Hermine befreundet, also-„
„BEFREUNDET? Das ich nicht lache! Du hast es doch genauso auf sie abgesehen wie Krum!"
„Sei still Ron,"kam es von Ginny, die sich bis jetzt zurückgehalten hatte. Doch zu spät. Hermine war schon aufgesprungen und in Richtung Schlafräume verschwunden. „Lasst mich in Ruhe! Ich hab doch gesagt, ihr könnt später wieder rein! Macht lieber eure Hausaufgaben!"Rief Hermine genervt, da sie dachte, ihre Zimmergenossinnen stünden wieder vor der Tür und würden versuchen, aus ihr herauszubekommen, was passiert war. Sie hatten die Szene im Gemeinschaftsraum ja nicht mitbekommen. Doch als sich die Tür öffnete, stand nicht etwa Lavender vor ihr, sondern Fred.
„Ich hab meine Hausaufgaben aber schon gemacht,"witzelte er und schloss die Tür hinter sich.
„Ha ha,"kam es trocken von Hermine, die wieder auf ihrem Bett hockte.
Er ließ sich auf dem Bett gegenüber von Hermines nieder und schaute sie besorgt an: „Lavender tobt gerade durch den Gemeinschaftsraum, weil sie nicht weiss, was los ist." „Ihr Pech... Moment mal!"Sie starrte ihn an, als sei er ein Geist: „Jungs können nicht zu uns hochkomme, wie... Die Treppe wird doch zur Rutschbahn, wenn ein Junge sie betritt."
„Etwas Klettern, Hangeln und ein paar blaue Flecken,"erklärte er; „Und als ich dann endlich oben war, ist mir eingefallen, dass ich nicht wusste, in welchem Zimmer du bist. Ich hab ein paar Erstklässlerinnen den Schock ihres Lebens versetzt, glaub ich."
Hermine lachte. Die Wut, die sie eben noch gespürt hatte, schien verflogen.
„Geht's dir besser?"
„Ja... Ron hat mich einfach zur Weißglut gebracht... mal wieder. Was sollte überhaupt diese Bemerkung mit dir?"
„Ginny. Sie hat ihm wohl vor einigen Tagen gesteckt, du würdest auf mich stehen."
„Oh..."Hermine wurde rot. Notiz an mich: Ginny den Marsch blasen.
„Ich wird ihr morgen etwas Juckpulver in den Umhang schütten,"sagte Fred, als hätte er ihre Gedanken gelesen.
Sie lächelte gequält und holte tief Luft: „Wegen vorhin, das mit dem Kuss... tut mir lei-"
„Halt!"Fuhr er dazwischen und hob eine Hand: „Entschuldige dich nicht. Für so etwas schönes entschuldigt man sich nicht, das is nich richtig."
Sie sah ihn ungläubig an. Was...?
Hatte es ihm gefallen und er sah vielleicht doch mehr in ihr als die beste Freundin seines kleinen Bruders? Aber... Ron würde sicher wieder auf ihn losgehen ...
Wie gerne würde sie jetzt einfach zu ihm herüber gehen und...
Aber wenn Ron sich deswegen mit seinem Bruder zerstritt und das nur wegen ihr?
In diesem Moment kam Hedwig durch das geöffnete Fenster geflattert und landete auf Hermines Schoß. Sie hatte ein Stück Pergament um ihr Bein gebunden. Fred sah Hedwig neugierig an und setzte sich neben Hermine, die gerade die Nachricht entrollte.
Es ist ok.
„Rons Handschrift..."Murmelte Hermine.
„Als ich den anderen verkündet habe, dass ich zu dir gehe, ist er aus dem Gemeinschaftsraum. Ich dachte, er wär wütend, aber er ist wohl in die Eulerei..."Er sah stirnrunzelnd auf die Nachricht herunter.
Hedwig knabberte kurz an Hermines Umhang und flog dann wieder davon.
„Ist es okay?"Fragte Fred und drehte Hermines Kopf so, dass er ihr in die Augen sehen konnte.
Sie sah ihn einen Augenblick ernst an, als würde sie nachdenken. Dann jedoch erhellte ein Lächeln ihr Gesicht. Er nahm das als ein Ja und zog sie zu sich heran...
Ihre Lippen sind so weich. Dieses Gefühl...
„AAAAAAH! HERMINE! Und... ein Weasley-Zwilling?!"
Die beiden fuhren erschrocken auseinander, brachen jedoch sofort in Gelächter aus, als sie eine völlig perplexe Lavender in der Tür stehen sahen.
„Hm, jetzt dürfte es bald das ganze Schloss wissen,"grinste Hermine.
Fred sah immer noch höchst amüsiert zu Lavender, die mit tellergroßen Augen auf das Bild vor sich starrte. Kein Zweifel, sie fand, was sie gesehen hatte so brisant, dass sie es nicht für sich behalten würde
„Ich bin Fred, nur um das klar zu stellen,"erklärte er fröhlich und wandte sich dann wieder an Hermine: „Na, geben wir ihr richtig etwas zum Erzählen." Damit küsste er sie wieder. Diesmal allerdings verlangender und Hermine hatte das Gefühl, als würde ein Schwarm Schmetterlinge durch ihren Körper flattern.
Und während Lavender den Tatort verließ, um schnellstmöglich in den Gemeinschaftsraum zu laufen, vergaßen Fred und Hermine die Welt um sich herum...
Ende.
A/N:
Endlich :) Ich hoffe, das Warten hat sich etwas gelohnt. Sorry, dass es so lange gedauert hat, aber früher gings nicht Xx Ich hoffe, dass Kapitel hat euch gefallen und das Ende ist nicht enttäuschend oder so schwitz
Danke für alle Reviews! Hab mich wirklich drüber gefreut, dass euch die Story gefallen hat! Vielleicht sieht man sich ja in einer anderen Story von mir :)
Mata ne!
P.S. Oi, am ende doch weniger geworden, als es bei mir aufm Papier aussah, dabei schreib ich doch so klein uu
