An phoenixfeder: Ich schreibe so viele Kapitel, wie ich brauche. Ich weiß nicht, wie viele das noch werden. Diese FF endet nach der Rückfahrt mit dem Hogwartsexpress, aber es gibt wahrscheinlich noch eine Fortsetzung.

An inlaka: Jaja, ganz armer Junge…

An vero: Natürlich ist er volljährig, aber er hat grade seine einzigen Verwandten, seine Eltern, verloren…

An kara: Danke. Das kommt dann davon, wenn man sich lieber in seinem Zimmer einschließt, Musik hört, aus dem Fenster starrt und über Leben und Tod, die Welt und den Sinn des Seins philosophiert, anstatt sich wie normale Menschen zu verabreden. Meine Mutter nervt mich schon immer, ich solle mich nicht so ‚zurückziehen'. Blabla.

An Taetzchen: Jep, aber jetzt hat es mal was länger gedauert. Gestern hatte ich richtig üble Kopfschmerzen (bin außerdem  um 19.00 Uhr schon eingeschlafen und erst morgens wieder aufgewacht, was mir sonst NIE passiert) und heute war ich auf der CHIO in Aachen (internationales Reitturnier) und hab mir natürlich direkt einen Sonnenbrand geholt… ich hasse es!

An Romi: Ich habe noch keine wirkliche Bedeutung dafür, aber ich glaube, sie werden erst in der Fortsetzung richtig zum Zuge kommen… wie gesagt, ich GLAUBE.

Du darfst nicht fallen! Noch nicht…

„Hast du gestern Nacht eigentlich geschlafen?", fragte Lily vorsichtig. „Kaum", kam sie kurz angebundene Antwort von James. Es war Dienstagabend und sie lagen auf seinem Bett (Angezogen!), die Vorhänge zugezogen und Lily hatte ein Art Silencio-Zauber gewirkt, damit sie außerhalb dieser Vorhänge niemand verstehen konnte. Reden taten sie ohnehin nicht viel, die meiste Zeit lagen sie einfach da. Lily hatte ihre Arme um seinen Körper gelegt und James hatte das Gesicht in ihre Haare gedrückt. Sanft streichelte Lily über seinen Rücken und versuchte ihm so viel Kraft und Trost zu geben, wie sie konnte.

„Ich habe Angst, Lily", unterbrach James plötzlich die Stille, „es mag albern klingen, aber ich habe Angst vor dieser Nacht. Morgen ist ihre Beerdigung und… und die letzte Nacht war der Horror. Ich hatte Zeit nachzudenken und zu fühlen… zu viel Zeit. Ich will schlafen, aber doch wieder nicht, denn wenn ich schlafe, dann kommen diese Träume… die Träume, die mir zeigen, wie sie gestorben sind. Ich fürchte mich davor, wach in der stillen Dunkelheit zu liegen und ich fürchte mich davor einzuschlafen. Verrückt, nicht?"

Es dauerte lange, bis Lily antwortete: „Nicht verrückt. Ich weiß ganz genau, wovon du redest. Würde es dir helfen, wenn ich heute Nacht und, wenn du willst, auch die nächsten Nächte hier bleibe?" „Ja", kam die schnelle und dankbare Antwort, dann verfiel James in Schweigen, bevor er zweifelnd fort fuhr: „Aber wenn sie dich hier erwischen, dann hast du ein Problem…" „DAS lass mal schön meine Sorge sein", unterbrach Lily ihn und küsste ihn sanft auf die Stirn.

Wieder breitete sich Stille über ihnen aus. Der Zauber wirkte zweischneidig und so konnten sie auch nichts von draußen vernehmen. Lily lauscht auf seine und ihre Atemzüge, konnte sein Herz klopfen hören. Regelmäßig, aber etwas zu schnell, ebenso wie sein Atem. Er wagte es nicht, sich zu entspannen, wagte nicht, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Denn wenn er jetzt beginnen würde zu überlegen, würde er unweigerlich an den Tod seiner Eltern denken. Er würde sich fragen, wieso es geschehen war, würde fragen, wieso die Welt so handelte und wieso das Spiel des Lebens so funktionierte. Und doch wusste Lily, dass er unweigerlich darüber nachdenken würde, dass er nicht drum herum kam. Sie konnte nichts anderes tun, als abzuwarten und ihn zu halten, zu trösten und aufzubauen.

‚Das Leben ist ein Spiel – ein Kinderspiel – welches nur darauf wartet verloren zu werden.' Oh ja, es war ein Spiel, das man nicht gewinnen konnte und wenn doch, wie sollte man es anstellen? Kämpfte nicht eigentlich jeder für etwas Unerreichbares? Der Preis des Lebens… gab es ihn überhaupt? Es gab einen Preis, nämlich den, den man bezahlen musste, bezahlen mit dem Tod, aber gab es auch einen Preis, den man bekam, wenn man gesiegt hatte? Nein, wohl nicht, denn wozu ein Preis, den nie jemand gewinnen würde? Wofür kämpfte man dann? Wofür war dann das alles gut? Wozu lebte man überhaupt? Um zu sterben?

James seufzte. Es waren Fragen, die ihm nie jemand würde beantworten können. Fragen, die sich schon Millionen und Abermillionen von Menschen vor ihm gestellt hatten und die sich unendlich viele nach ihm stellen würden. Es waren Fragen, an denen man kaputt gehen konnte. Jeder fiel irgendwann. Manche früher, manche später, aber irgendwann war es für alle zu Ende, selbst für die Unsterblichen, denn irgendwann stürzte jede Seele ins Dunkel. Und niemand würde da sein, um sie aufzufangen. „Du wirst die Antwort selbst finden müssen. Niemand kann dir helfen, denn es gibt nur eine Antwort, die die richtige für dich ist: Deine eigene", hörte er Lilys leise Stimme. Wusste sie, worüber er nachgedacht hatte? Natürlich wusste sie das. Sie schien in den letzten zwei Tagen immer gewusst zu haben, was er dachte, fühlte, brauchte. Nun gut, wenn sie so gut wusste, was gut für ihn war, dann sollte sie auch antworten.

„Was ist deine Antwort? Wozu leben wir deiner Meinung nach? Wozu tun wir uns das an, wenn es doch sinnlos ist?", fragte er sie aggressiver als beabsichtigt. Wieder brauchte Lily einige Augenblicke, bevor sie zu reden begann, na ja, eher zu wispern: „Man lebt für die schönen Momente im Leben. Für Liebe, Lachen, Erfolg, Freude, all solche Dinge. Im Endeffekt lebt man für sich selber." Als sie verstummte, war James verwirrter als vorher, aber nachdem er lange nachgedacht hatte, meinte er zu verstehen.

„Lass uns schlafen gehen, wir müssen morgen früh raus. Holst du dir deine Sachen oder möchtest du ein T-Shirt von mir?", fragte James und schloss seine Seele, die er grade vor ihr ausgelegt hatte, wieder ab. Bis zum nächsten Mal, an dem er ihre Hilfe, ihr Verständnis brauchte. Lily gähnte und erwiderte: „Gib mir ein T-Shirt. Ich habe keine Lust auf die dummen Fragen von Undine und Pasana." „Verständlich", kommentierte James, griff unter sein Kopfkissen und reichte ihr ein schwarzes T-Shirt, in dem er normalerweise schlief. Lächelnd nahm Lily es an und zog ihre Sachen aus.

James musterte sie. Er betrachtete ihre roten Haare, die über den weißen Rücken fluteten. Langsam streckte er die Hand aus und fuhr sanft über ihre samtigweiche Haut. Lily verharrte in der Bewegung, blieb still sitzen, während er mit dem Finger unsichtbare Muster auf ihren Rücken malte. Stern, Kreuz, Blume, Schwert. Dann zog er seine Hand zurück und Lily das T-Shirt über ihren Kopf. Der kurze, magische Moment war vorbei. James ließ sich in die Kissen fallen und zog Lily mit sich hinunter. Er nahm sie in den Arm und klammerte sie an sie, als wäre er ein Ertrinkender und sie das Einzige, was ihn noch halten konnte, halten vor dem Untergang, vor dem Tod. „Gute Nacht, Schönste", murmelte James in ihr Ohr und Lily lächelte still.

Es war weit nach Mitternacht, als Lily plötzlich aus dem Schlaf aufschrecke. Sie hatte gewartete, bis sie sicher sein konnte, dass James schlief und hatte sich erst dann gestattet, die Augen zu schließen. Jetzt sah sie sich alarmiert um, was sie geweckt hatte und es war verhältnismäßig leicht, das raus zu finden. James wälzte sich unruhig hin und her, schlug um sich und murmelte irgendwelche unverständlichen Dinge. „Hey, James. Aufwachen", murmelte sie leise. Tatsächlich schlug der Angesprochene sofort die Augen auf und sah sich verwirrt um. „Schhh, nur ein Alptraum", wisperte Lily in sein Ohr, als sie ihn umarmte. James legte das Gesicht an ihren Hals und Lily konnte seinen Atem an ihrer Haut spüren. Er war kalt.

„Ich nehme an, dass wir uns mit dem Tod abfinden müssen, oder?", fragte James mit einem mal vollkommen ruhig. „Ja, er gehört dazu. Leben kann nicht ohne Tod sein, Hell nicht ohne Dunkel, Gut nicht ohne Böse. Wenn Voldemort vernichtet ist, dann wird jemand nachkommen. Egal, was wir tun, wir werden das böse nie ganz besiegen, nur tödlich verletzten, aber irgendwann kommt es immer wieder", antwortete Lily leise. James nickte, starrte einige Momente ins Dunkel und fuhr fort: „Wenn der Tod wirklich nur die nächste Reise auf dem Weg der Unendlichkeit ist, dann ist auch dieses Opfer nicht zu groß." „Nein", stimmte Lily zu. Dann verfielen beide in Schweigen und schliefen bald darauf wieder ein.

Am nächsten Morgen waren die Anderen schon zum Frühstück aufgebrochen, als James und Sirius noch auf Lily warteten. Sie würden wieder mit einer Kutsche nach Hogsmead gebracht werden und von da aus apparieren. Beide Jungen trugen schwarze Anzüge, darüber einfache, schwarze Umhänge. In dem Moment, in dem Sirius überlegte ungeduldig zu werden, kam Lily herunter. Sie trug einen knielangen Rock, eine taillierte Bluse und darüber ebenfalls einen einfachen Umhang. Natürlich war alles in schwarz. Die hochgesteckten Haare waren unter dem schwarzen Hut kaum sichtbar. Zaubererbegräbnisse waren sehr formell und meistens trug man die Festkleidung der Muggel.

 Wider Erwartung war James während der ganzen Zeremonie hindurch ruhig und gefasst. Er nahm die Beileidsbekundungen freundlich, aber distanziert auf und als er Zeit war, sich von seinen Eltern zu verabschieden stand er gut zwei Minuten am offenen Grab und murmelte leise Worte. Ansonsten ließ er Lily die ganze Zeit nicht los und achtete außerdem darauf, dass Sirius in seiner Nähe blieb. Es war wie, als ob die beiden für ihn momentan den Bezug zur Realität darstellten. Zwischendurch warfen seine Freundin und sein bester Freund sich beunruhigte Blicke zu. Beide hatten Angst, dass James spätestens bei der trockenen und gefühllosen Testamentsöffnung die Nerven verlieren würde.

Sie sollten sich täuschen. James saß auf seinem Platz und wartete stumm darauf, dass das Testament verlesen wurde. „… wir, Jane Alexandra Potter, Geborene Hunter, und Spencer Harold Potter, vermachen unser Landhaus ‚Godric's Hollow', mit sämtlichen Wertgegenständen und all unserem Besitz unserem einzigen Sohn, James Spencer Potter. Ebenso gehen vier Fünftel unseres finanziellen Vermögens in seinen Besitz über. Das andere Fünftel vermachen wir Albus Dumbledore. Er wird wissen, wofür er es zu verwenden hat…" James nickte stumm, das hatte er erwartet. Etwas Geld an den Orden des Phönix, der ganze restliche Kram an ihn. Er könnte sein Leben lang davon leben, wenn er gewollt hätte.

„Lasst uns gehen", forderte James die anderen zwei auf. „In Ordnung… aber, James, du bist dir sicher, dass es dir gut geht?", fragte Sirius und erntete zwei überraschte Blicke. Er nannte seinen Freund nur bei dessen richtigen Namen, wenn er etwas wichtiges mit ihm zu besprechen hatte. „Jajj, mir geht's gut, Padfoot!" Sie apparierten wieder nach Hogsmead und dort wartete schon die Kutsche um sie ins Schloss zu bringen. Die Fahrt verging in Schweigen