An Romi: Ja, hab's endlich. Wurde aber, meiner Meinung nach, auch Zeit.
An inlaka: Kennst du das Lied? Das Original, meine ich.
An vali: :-)
Nur fliegen ist schöner
James sah sich um. Es war Samstag, punkt zehn Uhr und er stand auf dem Quidditchfeld. Die Mannschaft machte sich schon mal warm. Da beim Vorfliegen kein Sucher gebraucht wurde, übernahm Lily die Position des zweiten Jägers, damit James sich die Spieler in Ruhe angucken konnte. Es waren einige gekommen und James hoffte inständig, dass zumindest ein guter Spieler dabei war. Normalerweise hätte es weder Sirius noch ihm viel ausgemacht, nur als Duo zu spielen und sie hätten auch mit zwei Jägern gewonnen, nicht zu letzt wegen Lily, aber vor einem Spiel gegen die Slytherins lagen die Dinge anders. Sie brauchten einen dritten Jäger und einen möglichst guten noch dazu.
Lässig, fast gelangweilt passten Lily und Sirius sich einige Meter höher den Quaffel zu. Beide waren mit dem Großteil ihrer Konzentration unten am Boden. Candy untersuchte ihr Schlagholz auf mögliche – aber nicht vorhandene – Mängel, Eddie flog Loopings um die Torringe und Danny aß Schokofrösche. Es war sein Glück, dass James von den Bewerbern abgelenkt war, sonst hätte er ein Problem gehabt. Tatsächlich konnte James in seiner Position als Mannschaftskapitän eine ungewohnte Strenge entwickeln.
„So", wandte er sich jetzt an die Schüler neben ihm, „ihr werdet jetzt einzeln einfach mal fliegen und mir zeigen, was ihr so drauf habt. Wenn Candy ihr Schlagholz endlich mal Schlagholz seien lassen würde und Danny aufhören würde Schokofrösche zu fressen, dann könnten die beiden auch als Treiber spielen. Und so gelangweilt wie sie aussehen, werden auch Sirius und Lily euch nicht allzu sehr triezen, ebenso wenig Eddie, der, denke ich mal, keine Lust auf Quaffel-abwehren hat. Insofern braucht ihr kein bisschen nervös zu sein. Ihr wisst, dass es nur um einen Ersatz für Kathy geht, aber da Sirius und ich ja nach diesem Jahr gehen, denke ich mal, dass, wer auch immer jetzt ausgewählt wird, im nächsten Jahr als Jäger dabei ist. Alles klar soweit?" Einstimmiges nicken.
Der Erste, der flog war ein Fünftklässler namens Conrad. Er war nicht schlecht, aber auch nicht überragend. Ziemlich durchschnittlich, ebenso der Nächste, Larry aus der Vierten. Nummer drei war ein Mädchen, ebenfalls eine Viertklässlerin. Sie hieß Mary Walters und war anscheinend ein Naturtalent. Seit sie da oben war, schienen sogar Lily und Sirius aus ihrem Trott aufgeweckt worden zu sein. Sie flogen, flogen wirklich und kämpften. James grinste in sich hinein. Er wusste, dass von den anderen keiner mehr an sie rankommen würde. Trotzdem ließ er die restlichen Bewerber auch noch fliegen. Die meisten waren ganz in Ordnung, bis auf einen ziemlich eingebildeten Sechstklässler, der sich anscheinend für den König der Welt hielt. Er flog allerdings so schlecht, dass Lily und Sirius irgendwann begannen, über seinen Kopf hinweg zu spielen.
James hatte sich, wie immer Notizen auf einen Pergament gemacht. Sie bestanden hauptsächlich aus: ‚spitze', ‚gut', ‚okay', ‚naja', ‚schlecht' und ‚grottig'. Jetzt sah er das Pergament an, als würde er nachdenken. So zu tun, als würde ihm die Entscheidung schwer fallen, war nie schlecht. James Blick wanderte zu der Kiste, in der die Bälle verstaut waren. Nun lag nur noch der Schatz darin. Er grinste kurz, bückte sich und befreite den goldenen Ball. Ein Blick hoch zu Lily sagt ihm, dass sie ihn beobachtete und als der Ball zwei Meter in die Luft gestiegen war, flog sie schnell und ziemlich steil abwärts. Kurz vor dem Boden schlossen sich ihre Finger um den Schnatz und sie riss den Besen wieder hoch, triumphierend grinsend. Sie stoppte neben James, reichte ihm den Schnatz und schenkte ihm ein Lächeln, bevor sie wieder nach oben flog. Die Bewerber starrten Lily mit offenem Mund an. Sie hatten wirklich erwartete, dass sie auf den Boden knallen oder den Schnatz aus den Augen verlieren würde. Nicht dergleichen.
„Okay, ich habe mich entschieden", verkündete James. Alle wandten sich wieder ihm zu und seine Mannschaft flog näher heran. „Ich denke, dass Mary Walters heute am besten gespielt und sich somit den Platz erkämpft hat", erklärte James bestimmt, aber freundlich, „den Anderen kann ich nur raten, es nächstes Jahr noch mal zu versuchen, immerhin braucht Griffindor dann einen neuen Sucher, einen Treiber und zwei Jäger, wobei ich glaube, dass davon ein Platz schon für Mary reserviert ist. Mary, Quidditchtraining ist ab jetzt jeden Tag von 17.00 bis 20.30 Uhr. In Ordnung?" „Das ist ziemlich lang", stellte sie grinsend fest und Lily seufzte theatralisch: „Ja, wir sagen ihm schon seit Jahren, dass er beim Quidditch zu einem Sklaventreiber mutiert, aber genützt hat's bisher nichts." James hielt ihr einfach den Mund zu.
Sowohl die Griffindors, als auch die Slytherins trainierten hart in der nächsten Woche. Mary erwies sich tatsächlich als außergewöhnlich talentiert und entwickelte sich unter James Führung zu einer wirklich guten Jägerin, eventuell sogar zu einer Besseren als Kathy. Die Mannschaft der Griffindors war gut wie wahrscheinlich noch nie. Sie spielten als Mannschaft, zusammen und immer im Kontakt zueinander, nicht als Einzelspieler, wie die Slytherins. Das war ihr großer Vorteil, so konnten sie auch gegen Fouls bestehen. Das Spiel gegen Slytherin konnte kommen – und es kam.
„Nun, ich will euch jetzt keine Vorträge halten. Ihr wisst was ihr zu tun habt?", fragte James. Sirius antwortete, einsilbig wie selten: „Siegen!" James nickte knapp und führte seine Mannschaft nach draußen. Widerwillig reichte er Malfoy, dem Kapitän der Slytherins die Hand. Als die Pfeife von Mme Hooch erscholl, die seit zwei Jahren Fluglehrerin in Hogwarts war, erhoben sich beide Mannschaften vom Boden. Ein hartes, unfaireres, aber brillantes Spiel begann.
Die Griffindors hielten sich weitgehend an bekannte Spielmanöver. Bei den Jägern war die Falkenkopf-Angriffsformation bevorzugt, bei der ein Jäger mit Quaffel, flankiert von den anderen Beiden, auf die Torringe des Gegners zuflog. James und Sirius spielten zudem auch gerne einen Rückpass (Ball wird über die Schulter zum anderen Jäger geworfen) oder eine Proskoff-Täuschung (Ball wird plötzlich fallen gelassen und vom Jäger, der darunter fliegt, aufgefangen). Die Slytherins dagegen setzten auf Fouls, wie immer. Crabbe und Goyle, die Treiber, spielten ein alles andere, als sauberes Spiel, ebenso wenig Zacharias Parkinson, Bellatrix Black und Rodulphus Lestrange, die Jäger. Mark Blutter, der Hüter, hielt sich weitgehend zurück und Lucius Malfoy, seines Zeichens Sucher und Kapitän, machte sich mit so was nicht die Hände schmutzig.
Lily flog hoch oben über dem Spielfeld. Eigentlich war sie zu hoch und hätte aus den Schnatz, wenn er kurz überm Boden gewesen wäre, aus dieser Höhe nicht erkennen können, aber wenn sie wollte, konnte sie einige von Jewels Eigenschaften auch so abrufen. Ihre Animagusgestalt war ihr mittlerweile so ins Blut übergegangen, dass sie sowohl die grazilen Bewegungen, die schnellen Reaktionen, die scharfen Augen und noch einiges andere übernommen hatte. Durchaus praktisch, nicht nur fürs Quidditch. Lily beobachtete James, der grade den Ball in einem der Torringe versenkte. Blutter war chancenlos gewesen.
Spielmanöver gab es für den Sucher nicht allzu viele. Am bekanntesten waren der Wronski-Bluff (An: bekannt, denke ich) und der Plumton-Pass (ein achtloser Schlenker und der Schnatz fliegt den Ärmel hoch). Letzterer ging nur, wenn der Schnatz in Sicht war, aber der Wronski-Bluff war durchaus auch jetzt auszuführen. Lily grinste, ließ sich langsam, scheinbar zufällig tiefer sinken, bis sie auf Malfoys Höhe und in guter Sicht der Zuschauer war, dann, plötzlich, riss sie den Besen herum und flog steil nach unten. Sie hörte die ‚Ahs' und ‚Ohs' der Zuschauer und Malfoys Fluchen hinter ihr. Er fiel drauf rein, sehr schön. Lily grinste und sah den Boden näher kommen… und näher… als sie einen Meter über der Erde war, zog sie den Besen hoch, flog senkrecht nach oben und lachte spöttisch, als sie sah, wie Malfoy auf der Erde aufschlug.
Alle starrten auf den Sucher der Slytherins. Er hatte sich nicht ernstlich verletzt und rappelte sich schon wieder auf, aber der Blick, den er Lily zuwarf, war hasserfüllt. Lily lächelte ihn freundlich und vollkommen unschuldig an. James und Sirius hatten die allgemeine Aufregung genutzt um ein paar Tore zu schießen. Es stand 30:70 für Griffindor. Das sollte sich allerdings bald ändern, denn die Slytherins, nun wütend, erweiterten ihr Foulspiel noch. Crabbe Und Goyle spielten das wohl einzige taktische Manöver in ihrem Leben, eine Treiber-Doppel-Verteidigung. Beide schlugen gleichzeitig auf einen Klatscher ein und der fand sein Ziel. Eddie.
Der Klatscher traf ihn unvorbereitet am Kopf und der Hüter der Griffindors sackte ohnmächtig zurück, fiel vom Besen und wurde im letzte Moment von einem Zauber, den Professor McGonagall gewirkt hatte, vor dem harten Aufschlag auf dem Boden gerettet. Er war nicht mehr fähig zu spielen, was hieß, dass die Griffindors nur noch zu sechst waren – ohne Hüter. Es schien, als wäre der Sieg der Schlangen besiegelt und damit auch der Pokalgewinn. Keine zehn Minuten später stand es 240:90 für Slytherin. Lily wusste, wenn sie den Schnatz jetzt fangen würde, würde das auf ein unentschieden hinlaufen und damit wäre Slytherin Pokalsieger. Es war verdammt noch mal ihr letztes Jahr, ihr letzte Spiel und sie wusste, wie wichtig es für James war, zu gewinnen, wie wichtig es für sie selbst war.
Dann sah sie den Schnatz, konnte ihn aber nicht fangen, durfte ihn nicht fangen. Malfoy allerdings auch nicht. Lily sah sich um, äußerlich immer noch vollkommen ruhig, schwebte sie unachtsam in die Richtung des Schnatzes, wie zufällig. Sie bemerkte, dass James sie beobachtete, fing seinen Blick ein und sandte ihm ein stilles Stoßgebet. Ein Tor, nur ein Tor! Er schien zu verstehen, nickte knapp und gab Sirius und Mary mit einem Handzeichen zu verstehen, was er vorhatte. Die Beiden verstanden und flogen von rechts und links auf Bellatrix zu, die den Quaffel hatte. James stürzte sich von oben auf sie herunter und entriss ihr den Quaffel. Parkins Pinzette, eigentlich eher wenig gebraucht, aber wirksam. Schnell nahmen die drei Jäger wieder die Falkenkopf-Angriffsformation ein, die Treiber knallten mit den Klatschern Lestrange und Parkinson aus dem Weg, James flog schnell auf die Torringe zu, wich Blutter aus und machte das Tor. 240:100 für Slytherin.
In dem Moment schlossen sich Lilys Finger um den widerspenstigen kleinen Schnatz. Wie zufällig war sie immer näher an ihn heran geflogen und als der Quaffel durch den Torring flog, hatte sie ihn geschnappt. Triumphierend riss sie den rechten Arm in die Luft, den Schnatz noch immer in der Hand. „Evans hat den Schnatz. 240:250 für Griffindor. Griffindor gewinnt das Spiel und den Pokal", hörte Lily die Stimme von Remus, der den Kommentator machte. Während sie spielte blendete sie seine Stimme immer aus und erst bei Verkündigung des Ergebnisses erwachte Lily aus dem Trance, der sie beim spielen befiel. Sie hatten es tatsächlich geschafft. Ein letztes Mal!
