An Romi: War mal wieder ein Kapitel, was überhaupt nicht geplant war. Irgendwie lustig, wie die einfach immer entstehen ohne es zu sollen…
An inlaka: Sowieso…
An Jenny: Meine Pferde heißen Falkland und Penny Lane. Du kannst dir auf meiner Homepage Bilder von ihnen ansehen, falls du willst. Da stehen auch noch mehr Infos über mich, zudem Gedichte und Geschichten von mir. Außerdem eine kleine Kurzbeschreibung und ein Bild zu den Hauptcharakteren aus ‚A moment in infinity' und Lebensweisheiten/ Sprüche, die ich ganz nett finde. Guck's dir einfach mal an und lass eine Nachricht im Gästebuch da. Würde mich freuen.
Hunted by his own
„Moony?", fragte James eines Abends, als die Marauder im Schulsprecherbüro zusammen saßen. Keine Reaktion. Remus saß in seinem Sessel, die Nase in ein Buch gesteckt und murmelte irgendetwas vor sich hin. Sirius lag ausgestreckt auf dem Sofa und James im anderen Sessel. Die beiden waren bis vor einigen Augenblicken in eine angeregte Diskussion über Quidditch vertieft gewesen. Lily saß ihm Schreibtisch und las in irgendeinem großen, alten Buch, vor dessen bloßem Anblick James und Sirius schon grauste. Peter versuchte einen Vogel, den James ihm zum üben hergezaubert hatte, in ein Schaf zu verwandeln, allerdings mit minderwertigem Erfolg. Es war immer noch ein Vogel, abgesehen von Schafspelz statt Feder und das Geräusch, welches er machte war weder ein Zwitschern, noch ein ‚Mäh'.
„MOOOOONY!", versuchte Sirius es jetzt und er schrie so laut, dass Remus fast aus dem Sessel fiel und Lily mit einem Knall das Buch zuschlug. „Wenn ihr nichts Besseres zu tun habt, als uns vom lernen abzuhalten, dann verschwindet", fauchte sie. Bei Lily zeigte sich die Nervosität vor den OWLs darin, dass sie von Tag zu Tag gereizter und aufbrausender wurde. Allerdings gehörte sie auch zu den Menschen, die sich viel zu viel zumuteten. Abends war sie die Letzte, die aufhörte zu lernen, nachts rief sie sämtlichen Stoff in Gedanken noch mal ab, bevor sie in einen unruhigen Schlaf fiel, morgens war sie die Erste, die die Nase wieder in den Büchern hatte und tagsüber tat sie nicht anderes als lernen und üben und lernen und üben. Übertroffen wurde sie darin nur von Candy und Bertha, die sich auch noch die Nächte um die Ohren schlugen.
„Sorry, Lils, aber…", entschuldigte sich Sirius, doch er hatte die falschen Worte gewählt. „Und nenn mich nicht ‚Lils'", mittlerweile schrie Lily. Sie war aufgesprungen und lief im Zimmer auf und ab. Remus beschloss, das Thema zu wechseln: „Was wolltest du?" „Wir. Wir wollten etwas von dir und zwar dir sagen, dass du in genau fünf Minuten im Krankenflügel sein musst", verkündete James, was bei Remus ein hektisches auf-die-Uhr-sehen zur Folge hatte. „Stimmt", stellte er fest und Sirius erwiderte beleidigt: „Natürlich stimmt das, was hast du denn gedacht?" Remus ignorierte ihn: „Bin dann mal weg, wir sehen uns nachher." Sprachs und verschwand.
Lily die den Versuch zu lernen aufgegeben hatte, sah Remus nachdenklich hinterher. „Ich glaube… ja… es könnte sein… wenn…", murmelte sie. „Was glaubst du? Was könnte sein? Was passiert, wenn was stimmt?", hinterfragte James augenblicklich jeden ihrer Gedankenfetzen. Lily hob verwirrt den Kopf: „Was? Habe ich laut gesprochen?" „Jep, hast du", schaltete Sirius sich ein, „erinnert mich an den Rat, den du Dumbledore bei Frühstück am ersten Tag gegeben hast…" „Hach, Klappe, Black", fauchte Lily, grinste dann aber doch. Sirius runzelte die Stirn: „Sag mal, Jewel, geht's dir gut?" „Ja, wieso?", fragte Lily irritiert. Ein spöttisches Grinsen erschien auf Sirius Lippen: „Naja, deine Stimmungsschwankungen machen mir Sorgen. Hab mal gehört, dass so was Anzeichen einer Schwangerschaft sein könnten. Vielleicht soll…" Weiter kam er nicht, denn James hatte ihm die Hand auf den Mund gelegt. „Klappe, Black", knurrte er gespielt wütend. Lily musste grinsen. Sie und schwanger… das glaubt Sirius doch selbst nicht.
„Lass ihn los, James. Soll er doch rum spinnen, wenn er will", forderte Lily ihren Freund auf und der reagierte sofort. „Herzlichen Dank auch, edle Dame", Sirius ließ sich auf die Knie fallen und griff nach Lilys Hand. Die entzog sie ihm sofort und wandte sich wieder an James: „Och, ich habe mir nur gedacht, wir könnten Remus mal verkuppeln. Er selber scheint ja eher an Bertha interessiert zu sein, aber ich glaube, da steckt nichts hinter. Außerdem hat sie anscheinend immer noch den Traum, den Herzensbrecher zu binden… nun, wenn die wüsste." Das Sirius gemeint war, war klar, ebenso die Anspielung auf seine Liebe zu Narzissa. Peter, der sich tatsächlich immer noch im Raum befand, aber allseits ignoriert wurde, sah von einem zum anderen. Er hatte sich daran gewöhnt, dass Lily unmerklich und geschickte sämtliche Aufmerksamkeit von ihm zog und so wurde er praktisch immer ignoriert, sobald sie da war. Peter ahnte, dass Lily ihm nie vertrauen würde…
„Remus verkuppeln? Ich bin dabei", Sirius war sofort voller Elan, „womit fangen wir an?" Lily lachte: „Hey, immer langsam. Zu allererst brauchen wir eine geeignete Kandidatin. Sowohl Emmy, als auch Candy sind an ihm interessiert." „Candy? Wollte die nicht mal was von Padfoot?", fragte James. Lily nickte: „Ja, wollte sie, aber da konnte ich schnell genug eingreifen. Du hast sie schon verletzt, dass reicht." James grinste schief und schwieg zu dem Thema. „Ich wäre für Candy. Emmy passt nicht zu ihm", wandte Sirius ein. Jetzt war es an Lily spöttisch zu grinsen: „Ach, der Allmächtige hat gesprochen!" Sirius streckte ihr die Zunge raus. „Also Candy?", unterbrach James das Geplänkel. Die anderen zwei nickten und James griff nach dem Tarnumhang. „Können wir auch morgen noch besprechen, wenn Remus im Krankenflügel liegt. Jetzt ist erstmal Vollmond", stellte er mit einem erwartungsvollen Funkeln in den Augen fest.
Peter verwandelte sich in eine Ratte und lief vorneweg. Unter dem Tarnumhang versteckt folgten Lily, James und Sirius. Als sie draußen waren, verwandelten sie sich im Schatten der Mauern, nachdem der Umhang und die Karte des Rumtreibers versteckt waren. Die Ratte lief schnell durchs Gras zur Peitschenden Weide, fast unsichtbar, wich den Schlägen des Baumes aus. Wormtail drückte den Knoten und die Weide erstarrte. Die Raubkatze, der Hund und der Hirsch kletterten durch das Loch, die Ratte folgte. Schnell, aber nicht zu schnell liefen sie den Gang entlang, immer geradeaus zur Heulenden Hütte, zu Remus, zu Moony.
Als sie die Hütte betraten saß Remus auf dem Boden. Umhang, Jeans und T-Shirt abgelegt und weggepackt. Er hätte es nur zerfetzt. „Ach, da seid ihr ja", begrüßte er sie und rang sich ein Lächeln ab. Jewel kam auf ihn zu, legte sich neben ihn und den Kopf auf seine Beine, Remus streichelte ihr geistesabwesend über den Kopf. Ein leises Geräusch, dem Schnurren einer Hauskatze nicht unähnlich, drang aus der Kehle des Jaguars. Ruhig, monoton, beständig. Es beruhigte Remus irgendwie, es wirkte nahezu einschläfernd auf ihn. Doch kaum, dass er sich entspannte, wurde er auch schon wieder aufgerüttelt. Der Vollmond strahlte durchs Fenster, sein Licht traf den Jungen und er krampfte sich zusammen. Die Raubkatze neben ihm war aufgestanden, blieb aber nah bei ihm, half ihm, mit ihrer einfachen Anwesenheit. Ebenso der Hund und der Hirsch, die hinter ihn getreten waren und das, ihnen so bekannte Schauspiel, beobachteten. Die Ratte hatte sich mal wieder in Sicherheit gebracht, dass tat sie immer, denn die einzige Aufgabe bestand darin, die Peitschende Weide erstarren zu lassen.
Obwohl sie Remus Verwandlung schon unzählige Male mit angesehen hatte, fröstelte Jewel, als sie ihn ansah. Sein ganzer Körper war verkrampft, ein seinen Augen standen ungeheure Schmerzen geschrieben. Fell spross aus seinem Körper, seine Hände und Füße verformten sich zu Klauen. Er schrie, halb menschlicher Schrei, halb werwölfisches Heulen. Sein Kiefer wurde lang gezogen, sein Schädel veränderte sich fast komplett, die Reißzähne stießen durch, ebenso die Krallen. Der Körper war jetzt vollständig von Fell überzogen, die Ohren, der Schwanz erschienen. Wieder schrie Remus auf, aber diesmal war es unverkennbar ein Heulen. Die Verwandlung war abgeschlossen.
Der Werwolf stand da, zitterte und musterte die drei Tiere misstrauisch. Dann stürzte er sich, wie aus heiterem Himmel auf Padfoot. Der Hund jaulte auf, biss den Wolf, wehrte sich, aber erst als Prongs Moony mit dem Geweih von Padfoot wegjagte, hatte er Erfolg. Der Werwolf sah sich um, heulte und ging dann auf den Jaguar los. Doch Jewel hatte ihn erwartet. Blitzschnell sprang sie auf seinen Rücken, schlug ihre Krallen in sein Fleisch und knurrte. Moony schüttelte sie wütend ab. Wieder musterte er die Tiere, dann ließ er sich auf den Boden sinken, legte die Schnauze auf die Tatzen und sah wieder zu den anderen hoch. Er hatte kapituliert. Jewel trat näher an ihn heran, leckte die Wunden, die ihre Krallen, Padfoots Zähne und Prongs Geweih hinterlassen hatten, sauber. Jetzt kamen auch die anderen. Der Hirsch stieß ihn wieder mit dem Geweih an, diesmal aber vorsichtig, freundschaftlich und der Hund stupste ihn mit einer Vorderpfote an.
Prongs lief zur Tür und sah die anderen auffordernd an. Der Hund folgte, dann erhob sich die Raubkatze und zuletzt der Werwolf. Aus irgendeiner Ecke kam die Ratte hervor und huschte den großen Tieren hinterher. Die ganze Nacht liefen sie über die Ländereien von Hogwarts, durch den Verbotenen Wald und um den See. Teilweiße waren sie gefährlich nahe an Hogsmead dran und Jewel, Padfoot und Prongs hatten leichte Schwierigkeiten den Werwolf unter Kontrolle zu halten. Es geschah allerdings nichts wirklich Erwähnenswertes. Langsam entspannte Moony sich und begann den Ausflug zu genießen. Sie hatten ihren Spaß und als sie, kurz vor Morgengrauen wieder in der Hütte angekommen waren, wirkten alle zufrieden.
Die ersten Sonnenstrahlen traten durchs Fenster und für Moony begann die schmerzvolle Rückverwandlung. Zuerst verschwanden Schwanz und Ohren, dann bildeten sich die Krallen und Reißzähne zurück. Das Fell begann sich wieder einzuziehen, die Kopfform veränderte sich, der Kiefer zog sich zusammen. Die Klauen öffneten sich langsam und wurden wieder zu Händen und Füßen und der letzte Rest Fell verschwand. Remus Lupin lag vor ihnen, vollkommen erschöpft, das Gesicht von den Strapazen der Verwandlung gezeichnet. Die Augen sahen sich ruhelos um. „Geht", murmelte er mit rauer Stimme. Jewel stupste ihn noch einmal an, doch er drückte sie weg. Er sah die Kratzer und Wunden in ihrem Fell und wusste, dass er sie verletzt hatte, ebenso Padfoot und Prongs, und er hasste den Gedanken, dass er seinen Freunden weh getan hatte, den Menschen, die das alles schweigend auf sich nahmen ohne etwas dafür zu wollen.
Jewel fauchte einmal sanft, dann drehte sie sich um und folgte den anderen Drei in den Geheimgang. Diesmal beeilten sie sich um vor Mme Pomfrey wieder aus dem Gang raus zu sein. Sie schafften es, wie immer und liefen schnell und ungesehen über die Wiese in den Schatten der Schlossmauern. Dort verwandelten sich alle, bis auf Peter und mit dem Tarnumhang ging es wieder ins Schloss. Zwei Stunden konnten sie noch schlafen, dann stand Unterricht an. Zum Teufel damit, aber Remus war es wert, jede einzelne schlaflose Sekunde, jeder einzelne Kratzer. Er war es wirklich wert.
