~ Nicht alles ist so, wie es den Anschein hat. ~
~ Vieles bleibt gleich und vieles verändert sich im Laufe der Zeit. ~
Kapitel 1: Ich bin nicht dein Schoßhündchen
Lässig strich er sich durch seine blonden Haare und erntete ein Aufseufzen im Gemeinschaftsraum. Er nahm es nicht wahr, es interessierte ihn nicht im Geringsten. Vielmehr war er dabei, einen Plan auszuhecken, wie er es dem Potter-Trio im vorletzten Jahr noch einmal so richtig zeigen konnte. Nicht umsonst hatte Potter zu Anfang des Schuljahres Lord Voldemort besiegt und seinen Vater somit zu einer lebenslänglichen Strafe in Askaban verbannt. Nicht, dass es Draco sonderlich nahe gegangen wäre, aber es war ein guter Grund, um Rache zu üben.
"Crabbe, Goyle, los, lasst mich allein!" Seine Stimme war ein Flüstern, doch so bedrohlich das die beiden eilig den Raum verließen und mit ihnen die restlichen Schüler und Schülerinnen, die wussten, wie es aussah, wenn Draco seine Ruhe haben wollte. Nur eine blieb zurück und ging nun langsam auf ihn zu. "Hey Draco." Sie setzte sich auf eine Lehne seines Sessels. Genervt blickte er sie an und schnaubte. "Pansy, was willst du?" "Dich." Für einen Moment verschlug es ihm die Sprache, wie konnte sie nur denken, er würde sich mit so was wie ihr abgeben? "Wie kannst du nur glauben, ich würde mich mit etwas wie dir abgeben? Verschwinde Parkinson." Sie warf ihm einen wütenden Blick zu und verließ eilends den Raum. Er hörte, wie die Tür zum Mädchenschlafsaal krachend zufiel. Zufrieden lächelte Draco vor sich hin, nun konnte er in aller Ruhe seinen Plan ausarbeiten.
"Harry, was meinste, gewinnen wir dieses Jahr wieder?" Ron saß voller Eifer auf seinem Besen und deckte das Tor der Gryffindors. "Was denkst du denn? Hast du tatsächlich irgendeinen Zweifel daran?!" Der Schwarzhaarige grinste seinen Freund an. "Hey ihr zwei, runter und zwar sofort." Ginnys energische Stimme dröhnte vom Feld zu ihnen hinauf. "Okay, okay, Chefin, wird erledigt." Seit Ginny Kapitän der Mannschaft war, wehte zwar kein anderer Wind, aber alle merkten, dass Ginny noch viel verbissener war als Wood.
"Ende für heute! Ron du musst an deiner Aufmerksamkeit arbeiten und nicht immer von irgendwem träumen, sonst kassierst du viel zu viele Tore. Harry, dir würde es gut tun, nicht immer so in der Luft zu zappeln, und Collin, du musst schon aufpassen, wohin du die Klatscher schleuderst." Ginny blickte sich um. "Na los, haut ab!" "Süße, meinst du nicht, es geht etwas lockerer?" Harry fasste seine Freundin um die Taille. "Nein, mein ich nicht und du brauchst gar nicht versuchen, mich irgendwie zu bezirzen, so bin ich dir verfallen, auf dem Feld hier nicht." Schmollend ging dieser mit Ron in die Umkleide, um sich von seinen verdreckten Klamotten zu befreien.
Hermine saß währenddessen in der Bibliothek und schlug etwas für ihre Hausaufgaben nach. Leicht verträumt blickte sie auf und seufzte schwer (aus). Seit gewisser Zeit gab es jemanden, der ihr Herz höher schlagen ließ, allerdings hatte sie nicht den Mut, es demjenigen zu sagen, schließlich war sie nicht die Art von Typ, die Gefühle an die große Glocke hingen.
"Na Granger, spielen wir wieder den Bücherwurm?" Malfoy setzte sich zu ihr. "Oh ... Was willst du denn? Ist es nicht verwerflich neben einem Schlammblut zu sitzen?" fragte sie mit gespielter Unschuld und Empörung in der Stimme. "Nein, eigentlich nicht. Ich werde nur gründlich duschen gehen müssen, um die Flöhe wegzukriegen, aber für einen guten Zweck tut man ja alles." Spottend blickte er sie an. Eigentlich hatte er erwartet, sie würde aufspringen und beleidigt abhauen, doch er hatte seine Rechnung ohne sie gemacht. Hermine stand zwar auf, rückte ihren Stuhl jedoch nur näher an ihn heran. "So", flüsterte die Braunhaarige in sein Ohr, "damit sich das Duschen auch lohnt!" Grau traf auf Braun. Ihre Lippen umspielte ein provozierendes Lächeln, seine Lippen waren stark zusammengepresst. "Na, immer noch so cool, Malfoy?" Seine Antwort ging in einem Wutanfall von Ron unter. "Hermine, wie kannst du nur neben dem sitzen? Was willst du von ihr, Malfoy, verschwinde, und zwar sofort!" "Ein Wiesel, sieh an, sieh an, ich glaube, man sollte dir mal Benehmen beibringen." Er zückte seinen Zauberstab, Hermine jedoch schnellte hoch und riss ihm diesen aus der Hand. "Wage es ja nicht Malfoy, auch nur einen Zauber zu benutzen, ansonsten würdest du dir wünschen nie gebor'n worden zu sein." Mit wehendem Umhang (a la Snape) ließ sie die beiden stehen und ging hinaus. Völlig perplex blieben Ron und Draco stehen, allerdings dauerte es nicht lange und Draco lief ihr wutentbrannt hinterher. "GRANGER, BLEIB SOFORT STEHEN!" Seine Stimme hallte durch die Gänge Hogwarts und einige Schüler sahen ihn verstört an, Hermine lief jedoch unbeirrt weiter. Er konnte ihr keine Angst machen. Vor ihrem Schulsprecherzimmer machte sie halt, es war nur eine Frage der Zeit, bis er hier sein würde.
"Wenn ich die in die Finger bekomm, mach ich sie kalt." Grollend vor Zorn bog er um die nächste Ecke und sah Hermine vor ihrem Porträt zum Schülersprecherzimmer stehen. "Hier." Sie warf ihm seinen Zauberstab zu und blickte ihm geradewegs in die Augen. "Mach dich nie wieder über Ron lustig, ich könnte dir gefährlich werden." In ihrer Stimme lag eine Kälte, die er noch nie zuvor vernommen hatte. Er lachte leise auf; wie naiv sie doch war! Es gab vielleicht eine Schulsprecherin, doch was war mit dem Schulsprecher? Gewiss würde er es werden und gewiss würde er sich dann die Zimmer mit ihr teilen.
"Nein!" Hermine schlug mit der Faust auf den Tisch. "Oh Merlin, lass das nicht wahr sein, dass ist ein Alptraum!" Vor wenigen Minuten war sie noch guter Dinge, hatte sie Malfoy doch die Stirn geboten und nun musste sie einen Brief lesen, der besagte, dass Malfoy hier ebenfalls einziehen würde, da er zum Schulsprecher gewählt worden war.
Ihre Flüche wurden durch ein Klopfen unterbrochen. "Herm, wir sind's, können wir rein kommen?", ertönte Rons Stimme. "Oh, ja klar. Sleeping Lion." Das Porträt zweier Ritter sprang zur Seite und Ron, Ginny und Harry traten ein. "Hi Hermine." Ginny umarmte ihre Freundin überschwänglich. "Heute Abend erfahren wir endlich wer Schulsprecher wird ... Alles in Ordnung, Hermine?" "Klar, es wird ja nur Draco." "WAS? Da ist nicht Dumbledores Ernst, dieser Mistkerl was wollte der von dir und warum denn nicht Harry?" Ron lief hochrot an. "Vielleicht, weil Harry von seinem Thron runterkommen muss." Die vier richteten ihren Blick zum noch immer geöffneten Porträtloch, in dessen Eingang jetzt Malfoy stand. "Na Granger, freuste dich schon? Was es alles für Zufälle gibt, gerade eben streiten wir noch und ein paar Minuten später wohnen wir zusammen. Ich denke es wird eine sehr nette Zeit werden.", höhnte er. "Und wie.", brachte diese knurrend hervor. "Es ist wohl besser, wir treffen uns später noch mal. Am besten beim Abendessen." Wortloses Nicken ihrer Freunde war die Antwort und die drei verließen, wenn auch nur wiederwillig, den Raum. "Dumbledore meint, du würdest mir nur allzu gerne meine Räumlichkeiten zeigen und natürlich auch die restlichen Zimmer." Hermine sah ihn kurz verächtlich an, stand auf und ging die Treppe hoch. "Dein Zimmer." Sie stieß eine Tür auf und deutete mit einem Kopfnicken in den Raum. "Nicht schlecht." Er sah sich kurz um und wandte sich dann wieder seiner Mitbewohnerin zu. "Und wo ist dein Zimmer?" "Leider genau gegenüber, aber das hat dich nicht zu interessieren. Das Bad ist am Ende des Ganges, ich schlage vor, dass ich es zuerst benutze, schließlich wohn' ich schon länger hier als du. Den Gemeinschaftsraum hast du ja schon gesehen, es gibt allerdings noch 'ne Bibliothek. Die ist dann unten." Hermine ließ ihn stehen, drehte sich um und ging wieder in den Gemeinschaftsraum. Sie setzte sich in einen Sesseln vor den Kamin und schnappte sich ein Buch.
Nach gut einer Stunde stand Draco in der Tür und beobachtete sie. "Granger, wie kann man nur so viel lesen? Du solltest vielleicht eher mal 'ne Modezeitschrift lesen ..." "Und du, Malfoy, solltest deine Zunge im Zaum halten, oder möchtest du so enden wie dein Vater? Ich meine, du bist sicherlich ein perfekter Nachfolger." Sie merkte, dass sie zur weit gegangen war, doch just in dem Augenblick war es ihr so egal wie noch nie zuvor. "Halts Maul Granger, oder ich wird dafür sorgen, dass du nur noch winseln wirst." "Du kannst mich mal!" "Sag das noch mal, wenn du dich traust ..." "DU kannst mich mal!" Sie hatte sich aus ihrem Sessel erhoben und ging nun langsam auf ihn zu. "Draco Malfoy, ich werde mich nicht mehr von dir niedermachen lassen, du bist doch nur noch ganz klein mit Hut, ich habe sogar gehört, man würde dich als Sucher rausschmeißen ... Armer, kleiner Draco, so verlassen von Papi ..." Draco ballte die Fäuste, wie konnte ein Schlammblut, wie sie es war, es wagen, so mit ihm sprechen. "Geh mir aus den Augen, oder ich garantiere für nichts." Scheiß auf den Plan, scheiß auf das Potter-Trio, ich werde sie fertig machen! "Malfoy, ich rate dir eins, komm nicht zu spät zum Essen." Hermine lächelte ihn an und ging zur Treppe. "Und noch was, wir sitzen nebeneinander. Das heißt, du solltest lernen, nett zu mir zu sein." Gelassen schritt sie die Treppe hoch, in ihrem Zimmer jedoch drehte sie sofort den Schlüssel um und versiegelte die Tür zusätzlich mit einem speziellen Zauber. Zitternd lies sie sich auf ihr Bett fallen. Sie war eindeutig zu weit gegangen, doch er hatte eine solche Wut in ihr entfacht und einen solchen Hass, dass es schwer gewesen war, die Klappe zu halten. Die sonst so brave und strebsame Hermine hatte sich in eine junge, selbstbewusste Frau verwandelt, die ab und zu auch mal die Kontrolle verlor. Im Nachhinein jedoch musste auch sie zugeben, dass ihr Spruch über seinen Vater nicht fair gewesen war, doch entschuldigen würde sie sich bei Malfoy nie.
Draco saß währenddessen vorm Kamin und starrte in die Flammen. Er hatte einen Entschluss gefasst und er würde diesen durchziehen, komme, was wolle. Und danach würde Granger ihn um Verzeihung anbetteln.
"Oh Hermine, wie ich sehe kommst du alleine ...?" Albus Dumbledore sah seine Schülerin fragend an. "Mr. Malfoy wird noch kommen, keine Sorge." Sie setzte sich an den Tisch der Vertrauensschüler und der Schülersprecher. "Guten Abend, Professor." Draco setzte sich neben sie. "Na Granger, schönen Nachmittag verbracht?" Er grinste sie diabolisch an. Hermine zog es vor nicht zu antworten, wer wusste, was Malfoy vorhatte?
"Nun, wie ihr alle gesehen habt, sitzt Mr. Malfoy ab heute an einem anderen Tisch. Das hat den Grund, dass Mr. Malfoy ab dem heutigen Tage Schulsprecher ist." Ein Stöhnen ging durch die Menge, nur die Slytherins grölten vor Freude.
Nach dem Abendessen machten sich Ron, Hermine, Ginny und Harry noch auf den Weg zu Hagrid.
"Also Hermine, du tust mir leid. Sag mir, wenn Malfoy was macht, dann nehm' ich ihn auseinander." Hagrid blickte sie besorgt an. Ihm behagte es nicht, dass ausgerechnet Hermine mit einem Slytherin, und dann noch Draco Malfoy, zusammenleben sollte. Es war immer so gewesen, dass Leute aus der siebten Stufe Schulsprecher wurden, aber Dumbledore wollte ein "Paar", das zwei Jahre diesen Posten vertrat, da er genau wusste, dass es in diesem Jahrgang auch jetzt noch starke Turbulenzen gab. Ein Paar, das also zwei Jahre die Schule und die Stufe betreuen würde, würde bestimmt Erfolg haben. Allerdings verstand Hagrid kein bisschen, was bitte Malfoy dazu beitragen sollte. "Mach dir um mich keine Sorgen, Hagrid, mit Malfoy werd' ich schon fertig." "Und wenn nicht, dann mach ich ihn platt!" "Ron, ich als Kapitän der Mannschaft verbiete dir, irgendwen platt zu machen, sonst fliegst du ganz schnell ..." "Gin, ich glaub nicht, dass du mir Befehle erteilen kannst, du bist schließlich jünger als ich." "Leute, beruhigt euch." Harry legte beschwichtigend einen Arm um Ginny und blickte Ron tadelnd an. Auch Hermine versuchte zu schlichten. "Ron, lass mal gut sein, das klappt alles, ganz bestimmt."
"Na Granger, warste mal wieder bei diesem Riesentölpel?!", ‚begrüßte' Draco sie, als sie durchs Porträtloch kletterte. Hermine blickte ihn kurz an und ging dann wortlos an ihm vorbei in ihr Zimmer.
Was bildet die sich eigentlich ein? Draco starrte ihr böse hinterher, erhob sich dann aus seinem Sessel und folgte ihr.
"Hör mal kurz zu, Granger ..." Er stellte sich in ihre Zimmertür und blickte auf die Braunhaarige, welche auf ihrem Bett lag und Musik hörte. "Wie wäre es mit anklopfen?" "Sag du mir nicht, was ich zu tun hab. Pass auf, ich bin in der Bibliothek nicht umsonst zu dir gekommen ..." "Du wolltest duschen, erinnerst du dich?", gab sie bissig zurück. Draco bemühte sich, ruhig zu bleiben und sie nicht gleich niederzuschreien. "Granger, du wirst mir helfen müssen." Auf seinem Gesicht zeichnete sich ein siegessicheres Lächeln ab. "Bitte?" "Wir haben zusammen Verwandlung, McGonagall will, dass sich ein Slytherin und ein Gryffindor zusammentun, und wir sind das erste Paar. Du musst also mit mir zusammenarbeiten." "Wann soll sie das gesagt haben?" "Gestern, als sie mir mit Dumbledore und Snape erklärte, dass ich Schulsprecher bin." "Und?" "Du unterschätzt mich Granger, gerade dir hätte ich mehr Verstand zugetraut." Schweigen. "Du bist ihr Liebling, die Alte hasst mich. Also, was ist deine Aufgabe?" Hermine glaubte ihren Ohren nicht zu trauen, Malfoy erteilte ihr Befehle? Da hatte er sich aber gewaltig geirrt. "Malfoy, weißt du, ich finde es wirklich sehr, sehr schade. Also ehrlich, mir bricht das Herz." Sie stand auf und schritt auf ihn zu. Draco rührte sich nicht. Lasziv strich sie ihm mit einem Finger über die Lippen und hauchte "Ich-bin-nicht-dein-Schoßhündchen!". Blitzschnell schob sie ihn aus dem Raum und versiegelte ihre Tür magisch.
Draco hatte noch nicht realisiert, wie ihm geschehen war, als er auch schon vor verschlossener Tür stand. "DAS wirst du büßen Granger!", knurrte er und schlug mit der Faust gegen ihre Tür.
Hermine zuckte leicht zusammen, sie wusste, dass Malfoy ein gefährlicher Feind war und man ihn ernst nehmen sollte in diesen Dingen, doch tief in ihrem Inneren flüsterte eine Stimme, dass sie ihm die Stirn bieten könnte.
Malfoy schritt wutentbrannt in den Gemeinschaftsraum, blickte sich wütend um und setzte sich in einen Sessel vor dem Kamin.
Sein Plan nahm immer mehr Gestalt an, doch er befürchtete ernsthaft, dass Granger gefährlicher war als er geglaubt hatte. Interessant würde es allemal werden.
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