2. Kapitel
Bruchtal
Legolas schrie auf. Aufrecht und starr vor Schreck, saß er auf seinem Bett. Er schwitzte am ganzen Körper, sodass sein langes blondes Haar an seinem nackten Oberkörper klebte. Ein paar Schweißperlen rannen seine Wangen hinunter und liefen über seinen Rücken. Sie hinterließen nasse, salzige Spuren. Doch er nahm sie nicht wahr. Er war wie weggetreten und starrte entsetzt vor sich. Es war nur ein Traum! Ein Traum... aber er war ihm so real vorgekommen... als ob er es wirklich erlebt hätte. Im Augenblick rasten ihm tausend Gedanken durch den Kopf. Was war das für ein Stein? Was für ein Wald? Was wollten wir in diesem Wald? - Legolas konnte sich keinen Reim daraus machen. Alles war so real gewesen. Und das war es, was ihm solch eine Angst einjagte. Könnte es vielleicht einmal wirklich geschehen? Was würde passieren nachdem Gimli den Stein berührt hat? Diese und noch viel mehr erschütternde und beunruhigende Fragen gingen ihn in diesem Moment durch den Kopf.
Von diesen seltsamen Träumen hatte Legolas in letzter Zeit viele gehabt. Alle waren sie anders aber doch waren sich alle im Inhalt gleich. Auch wenn es seltsam klingt; Legolas kam es so vor. Er träumte immer etwas von einer Lichtung und einem Stein... und Gimli, der in jedem seiner Träume irgendetwas Dummes anstellte. Bei diesem Gedanken entwich ihm ein leichtes Schmunzeln. Er hatte es Gimli nie gesagt, dass er des Öfteren in seinen Träumen vorkam, aber es hätte ihn sowieso nur geärgert, zu hören, dass er immer etwas falsch zu machen schien. Doch sofort als der Gedanken von Gimlis Reaktion auf seine Träume entwich, erinnerte er sich wieder an den Schrecken seines letzten Traumes. So etwas Schlimmes hatte er bis jetzt noch nie geträumt. Manches Mal kämpfte er mit Orks oder mit anderen Monstern, doch nichts schien ihm schlimmer vorzukommen wie dieser eine Traum. Und jetzt schien es ihm auch klar zu werden warum! Alle anderen hatten ein Ende. Er besiegte die Orks – manchmal auch nicht, aber dann floh er – und war dann gerettet, aber nun... was war hier das Ende? Nachdem alles schwarz wurde... was wäre dann geschehen? Legolas wusste es nicht aber wollte es eigentlich auch gar nicht wissen. Ihm schwante nichts Gutes.
Legolas stand auf um sich etwas zu beruhigen. Es war noch stockfinster aber jetzt war er viel zu aufgewühlt um sich wieder zur Ruhe zu legen. Er befand sich in einem großen Raum, der festlich, mit allen möglichen Formen und Farben verziert war. Direkt gegenüber dem Bett prangte ein großes Fenster durch das man einen Teil des anliegenden Waldes und einen kleinen Bach, der sich zwischen die großen, stolzen Bäume hindurchschlängelte, beobachten konnte. Das gleichmäßige Plätschern des Wassers, aus dem halboffenen Fenster, beruhigte ihn ein wenig und ließ ihn den Schock des verwirrenden Traumes ein wenig verdrängen. Er sah sich um. Er war in einer kleinen Wohnung, die aus zwei Räumen bestand. In dem kleineren Raum stand ein großer massiver Tisch und ein gemütlicher, gepolsterter Stuhl auf dem man durch ein weiteres großes Fenster, den Hof und den Wald sehen konnte. In dem größeren Raum stand nur ein reich verziertes Bett, in dem Legolas die Nacht verbracht hatte und ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen, auf denen noch einige Kleidungsstücke vom Vortag lagen. Legolas hatte gestern einfach keine Lust mehr gehabt sie in seinen großen Kleiderschrank, der neben seinem Bett stand, einzuräumen. In die Ränder des mächtigen Schrankes waren wundervolle, feine Muster und Formen hineingeschnitzt worden. Er wusste, dass die Elben immer auf Feinheiten achteten und sehr viel Wert auf feine Verzierungen legten. Deshalb waren alle Räume der Elben immer reich ausgeschmückt. Direkt neben der Tür stand eine kleine Kommode mit einem Spiegel, auf die er all seine kleinen und wichtigen Gegenstände legte, die leicht verschwinden konnten. Alles in allem war Legolas' Zimmer etwas luxuriöser als die anderen Zimmer im Haus, den als Prinz von Düsterwald wurde ihm nur das höchste geboten und jeder Wunsch von seinen Augen abgelesen. Legolas ging in seinem Zimmer auf und ab und begann wieder über seinen Traum nachzudenken. Doch seine unschlüssigen Gedanken wurden durch einen kalten Windhauch, der aus dem halboffenen Fenster hereinwehte, wieder vertrieben. Legolas trug nur seine leichte Unterkleidung, sodass ein Hauch einer Gänsehaut über seine Haut kroch. Er schauderte und beschloss einen kleinen Spatziergang durch die Gänge und Flure des Hauses zu machen. Er wollte auf andere Gedanken kommen. Schnell schlüpfte Legolas in seine Hose und öffnete leise die Tür.
Legolas war mit Aragorn und Gimli in Bruchtal. Dorthin waren sie zurückgekehrt nachdem der finale Ringkrieg des dritten Zeitalters zu Ende, und der Eine Ring durch Frodo vernichtet worden war. Merry, Pippin und Sam waren ins Auenland zurückgekehrt und Gandalf und Frodo mit Elrond und den anderen elbischen Ringträgern, zu den unsterblichen Landen nach Valinor gesegelt. Aragorn war nun König von Gondor und glücklich mit der Elbe Arwen verheiratet. Ihr Zuhause war Minas Tirith, die Hauptstadt Gondors, die nach dem Ringkrieg nun wieder aufgebaut und gestärkt wurde. Der weiße Baum, das Wahrzeichen Gondors, blühte wieder in voller Pracht und symbolisierte den neuen und erfolgreichen Neuanfang, der den Menschen in Mittelerde gegeben war. Die einzigen Elben die Arwen nach Minas Tirith gefolgt waren, waren ihre engsten Diener und Andolor, ein Bote der immer zwischen Minas Tirith und Bruchtal herumpendelte und die neusten Nachrichten überbrachte. Er war außerdem nach der langen Zeit, die er schon Arwen diente, ein enger Freund und Gefährte Arwens geworden, und sie schätzte ihn sehr. Bruchtal war, nachdem fast alle Elben aus Imladris über den großen Ozean nach Valinor gesegelt waren, nun ein Heim in dem alle freien Völker in Frieden miteinander wohnten. Da nur die Elben aus Bruchtal und Lothlòrien zu den unsterblichen Landen gesegelt waren, waren nun die Sindar-Elben in Düsterwald, der nach dem Ringkrieg auch Eryn Lasgalen genannt wurde, die einzigen Vertreter der Elben in Mittelerde. Die Elben und die Menschen hatten wieder ihre alten Bündnisse erneuert und auch die Feindschaft zwischen Elben und Zwergen war nun endlich begraben und sie kämpften Seite an Seite. Legolas, Gimli und Aragorn waren weiterhin sehr eng befreundet, doch nun waren sie nach Bruchtal geschickt worden, da eine Verhandlung einberufen worden war. Herr von Bruchtal war nun Aétheron aus Düsterwald. Er war der Bruder Elronds und damit sein rechtmäßiger Nachfolger. Er war bei den Bewohnern Bruchtals sehr beliebt, da er es geschafft hatte, dass alle Völker Mittelerdes zusammen und in Frieden miteinander lebten.
Obwohl Legolas, Gimli und Aragorn erst gestern am Abend von ihrer langen Einreise eingetroffen waren, war Legolas nun hellwach. Er streifte durch die großen Hallen Bruchtals und schließlich aus dem großen Haupttor hinaus. Als Legolas in den Himmel blickte merkte er, dass schon langsam die Sonne aufging, doch beim genauen Hinschauen konnte er noch leicht die fernen Sterne glitzern sehen. Es war ein wunderbarer Anblick! Die ersten Strahlen der Sonne erhellten den Hof vor dem Hauptgebäude, sodass die kleinen Steine, die wie ein Mosaik auf dem Boden angelegt worden waren, in der Sonne glitzerten. Er setzte sich auf den Boden, lehnte sich an eine Säule, die den großen Balkon über dem Hauptgebäude stützte und sah dem Sonnenaufgang zu. Ganz in Gedanken versunken, vergaß er alles um sich herum, und damit auch seine seltsamen Traum, und nahm nur die Schönheit und Vollkommenheit der Natur wahr. Er ließ sich einfach von den verschiedenen Eindrücken berieseln, die auf ihn einwirkten, wie das Zwitschern der Vögel in den angrenzenden Bäumen oder das leichte Rauschen des Baches, der sich aus dem Wald hinaus durch Bruchtal schlängelte.
Plötzlich klopfte ihm jemand auf die Schulter. „Ach, Legolas hier steckst du also! Ich habe dich schon überall gesucht! Warum bist du denn nicht in deinem Zimmer? Es ist Zeit für das Morgenmahl. Gimli und Aragorn sind auch schon gekommen.". Der festen Händedruck auf seiner Schulter, der Legolas aus seinen Gedanken riss, lies ihn zusammenzucken als er ihn so unvorbereitet traf. Legolas drehte sich verwundert um und sah in das Gesicht einer Elbe. Im ersten Moment kam sie ihm völlig unbekannt vor aber nach längerem Betrachten erinnerte er sich, dass es Gilodwen, die Tochter Aétherons war. Das letzte Mal als sie sich gesehen hatten, waren sie beiden noch Kinder gewesen. Sie hatten immer miteinander gespielt und waren gemeinsam durch den Wald gejagt. Gilodwen schien Legolas sofort erkannt zu haben. Ein Glück, dass er sie nicht nach ihrem Namen gefragt hatte... das wäre eine unangenehme Situation geworden. Nun bemerkte Legolas auch erst wie lange er da gesessen, nachgedacht und gedöst hatte. Die Sonne war nun schon vollständig aufgegangen und erhellte auch den letzten Winkel Bruchtals mit ihrem reinen und glänzenden Licht. Als Legolas Gilodwen so betrachtete fiel ihm auf, dass sie sehr verändert hatte. Ihre langen, schwarzen Haare fielen ihr ins Gesicht und umrahmten so ihr zierliches, helles Gesicht mit ihren grün-braunen Augen. Schon als Kind hatte er sich immer gewundert wie jemand so edle Augen mit dieser unergründbaren Farbe haben konnte und sie verblüfften ihn auch jetzt wieder von neuem. Normalerweise hatten alle Elben nur eine feste Augenfarbe, die man leicht bestimmen konnte, auch wenn sie sich manchmal nach ihrer Stimmung änderte, aber Gilodwens Augen waren für Legolas schon immer etwas besonderes gewesen. Sofort stand Legolas auf um Gilodwen ordnungsgemäß zu begrüßen doch bemerkte dabei, dass er ja nur seine Hose trug. Er schaute an sich herunter und bemerkte wie Gilodwens Augen seinen folgten. Als er schnell wieder aufblickte, sah er ihr fest in die Augen und sagte: „Ja, ich komme sofort, doch lass mich zuerst noch schnell in mein Zimmer gehen und meine Kleidung holen!". Er bemerkte in Gilodwens Gesicht ein belustigtes Lächeln. „Es wäre wohl nicht ganz angebracht für einen Prinzen, so an unserem ersten gemeinsamen Frühstück in Bruchtal teilzunehmen!". Gilodwens schallendes Lachen, als Antwort auf Legolas' Bemerkung, ließ auch Legolas' aufkommende Unsicherheit schnell wieder verschwinden und er musste sich zusammennehmen um nicht ebenfalls lauthals loszulachen. Als sich Gilodwen wieder beruhigt hatte sagte sie: „Nein ganz gewiss würde das keinen guten Eindruck hinterlassen."Sie grinste verschmitzt, sodass ihre weißen Zähne im Sonnenlicht blitzten. „Ja gut, ich gehe dann schon mal vor... Wir sehen uns dann!". Als sie sich gerade abwenden wollte flüsterte sie noch schnell Legolas zu: „Außerdem bist du immer noch der selbe liebe Junge, der mir von früher in Erinnerung geblieben ist." Mit diesen Worten schaute sie ihm kurz in seine tiefblauen Augen und drückte Legolas einen leichten Kuss auf die Wange. Ohne irgendeine Reaktion von Legolas abzuwarten wandte sie sich schnell in Richtung Speisesaal ab.
Verwundert über diese liebliche Geste, aber sie nicht weiter ernst nehmend (sie waren ja nur alte Freunde aus Kindertagen) machte sich Legolas ebenfalls auf den Weg. Jedoch nicht zum Speisesaal, sondern erst einmal zu seinem Zimmer um sich richtig einzukleiden. Legolas beeilte sich, denn er wollte nicht am allerersten gemeinsamen Essen mit den anderen Gästen zu spät kommen. Auf dem Weg zu seinem Zimmer, das leider am anderen Ende des Gebäudes im zweiten Stock lag, kamen ihm viele Leute entgegen die sich schon auf den Weg zum Speisesaal machten. Immer wenn er an einem Menschen vorbeikam wurde er freundlich gegrüßt aber auch immer etwas seltsam angeschaut. Diese Menschen hatten wohl noch nie einen Elben mit nacktem Oberkörper gesehen! Die meisten Zwerge, denen er begegnete, konnten sich ein freches Grinsen nicht verkneifen. Sie mussten glauben er habe gerade die Nacht in einem anderen Zimmer verbracht und dabei sein Hemd vergessen. Doch am meisten wunderte er sich über die fassungslosen und teilweise entsetzten Blicke der wohlgekleideten Elben. Manchmal hörte er sie flüstern, ob das wirklich der Prinz von Düsterwald sei und wie er es sich denn erlauben könne so herumzulaufen. Er lächelte. In diesem Punkt waren die Menschen auf jeden Fall viel unproblematischer als die Elben.
Je näher er seinem Wohnraum kam desto weniger Gästen kamen ihm entgegen. Langsam entspannte er sich und schien lockerer und unbeschwerter zu gehen. Nur noch um eine Ecke, dann war er endlich da. Es war ihm wie eine Unendlichkeit vorgekommen Aber nun hatte er es geschafft. Gerade als er sich mit Schwung um die Ecke wirbelte, stieß er mit etwas zusammen. Benommen taumelte er einen Schritt zurück aber hielt automatisch seine beiden Arme nach vorn um das, was er da auch immer getroffen hatte, vor einem unsanften Aufprall auf den Boden zu bewahren.
Sie war schon viel zu spät. Die anderen warteten bestimmt schon lange und wollten beginnen. Obwohl sie sich fest vorgenommen hatte nicht zu spät zu kommen, hatte sie sich dann doch mit Gilodwen verquatscht und konnte es nicht verhindern, dass sie nun doch zu spät war. Dabei hatte sie sich so beeilt sich Fertigzumachen und sie hatte kaum Zeit gefunden ihre Haare zu machen, sodass sie sie nur locker zusammengesteckt hatte. Nun lief sie schnell durch die langen endlosen Gänge zum Speisesaal. In den vielen Fluren war der Boden mit vielen Mosaiken verziert, die runde Formen und manchmal auch Bilder aus der Natur darstellten. Sie wusste, dass sich die Elben sehr eng mit der Natur verbunden fühlten und deshalb waren im gesamten Haus sehr oft Motive aus Wäldern oder Wiesen abgebildet. Die Wände waren mit pastellfarbenen Farben und Tüchern geschmückt. Alles in Bruchtal sah irgendwie etwas gastfreundlicher und edler aus, als sie es von ihrer Heimat gewöhnt war. Im Süden, ihrer Heimat Telorean in Aldrigon wurde eher auf die Nützlichkeit und Haltbarkeit der Gegenstände und Wohneinrichtung geachtet, wobei man leider sehr schnell die Verbindung zum schönen und zierlichen verlor. Das hatte sie schon immer betrübt aber das waren natürlich die Unterschiede die es bei jedem Volk gab. Als sie so durch die Gänge streifte und über ihre Heimat nachdachte die ihr nun so fern war, fiel ihr plötzlich wieder ein, dass sie doch auf dem Weg zum Speisesaal war. Na ja, eigentlich wusste sie gar nicht wo er lag. Sie war erst gestern Mittag angekommen und hatte sich nach ihrem mehrwöchigen Ritt erst mal zu ihrem Zimmer führen lassen und sich dann schnell ins Bett geworfen. Warum musste Elrond auch immer so riesige Gebäude bauen!? Da konnte man sich ja nur verlaufen! In der letzten Zeit war sowieso so viel passiert und alles so schnell. Sie war extra dem Ruf Aétherons gefolgt und aus ihrer Heimat, die so weit weg von Bruchtal gelegen war, hierhin gekommen um an der Verhandlung teilzunehmen. Sie war gespannt was es dieses Mal für Schwierigkeiten geben würde, denn der Herr von Bruchtal berief nicht sinnlos ein Treffen ein, ohne dass es irgendeine Bedrohung gab. Der Aufenthalt hier in Bruchtal war für sie etwas ganz besonderes denn sie hatte erst ein einziges Mal in ihrem Leben Elben gesehen. Sie hatte damals als Kind mit ihrem Vater eine kurze Reise nach Lothlòrien gemacht. Doch da sie zu jener Zeit noch ein kleines Mädchen gewesen war konnte sie sich nicht mehr sehr gut an sie erinnern. Außerdem hatte sie noch nie mit einem Elb gesprochen. Als sie dann am gestrigen Tag nach Bruchtal kam, konnte sie es gar nicht glauben als sie von zweien ihr Gepäck auf ihr Zimmer gebracht bekam. Sie waren so schön und graziös, wie sie es sich niemals gedacht hatte. Doch leider hatten sie kein einziges Mal ein Wort gesagt. Sie hätte so gerne mal ihre Stimmen gehört, doch Elben schienen nicht ganz so gesprächig zu sein wie sie es von ihrer Heimat kannte. Aber jetzt versuchte sie nur noch möglichst schnell aus diesem Irrgarten von vielen Gängen, die auch noch alle gleich aussahen, herauszufinden, um möglichst schnell zu dem großen Saal kommen, wo das Essen stattfinden sollte. Sie wollte nicht mehr als nötig durch ihr Zuspätkommen auffallen. Orientierungslos irrte sie durch die zahllosen Gänge Bruchtals mit der Hoffnung doch noch den richtigen zu finden, der sie schnell in die große Halle im untern Geschoss bringen sollte. Als sie plötzlich vor sich eine weitere Abzweigung sah, bemerkte sie, dass es ihr irgendwie bekannt vorkam. Dieses Fenster, mit Blick auf den Hof, kannte sie doch. Oh nein! Als sie auf das Bild neben dem Fenster blickte bemerkte sie, dass sie genau hier schon einmal vorbeigekommen war. Da sie sich das schöne Bild beim letzten Mal sehr genau angeschaut hatte, erkannte sie nun die zwei Elben die Hand in Hand bei Sonnenuntergang durch den großen Wald spazierten sofort wieder. Wütend und auch etwas verzweifelt jagte sie um die Ecke, als sie urplötzlich wieder zurückgestoßen wurde. Gegen was war sie denn jetzt schon wieder gerannt? Hatte sie nicht schon genug Probleme? Nach einem Moment merkte sie, dass sie frontal mit jemandem zusammen gestoßen sein musste. Das einzige was sie jedoch erkennen konnte war etwas Großes mit langen blonden Haaren. Doch durch die Wucht des gewaltigen Stoßes verlor sie das Gleichgewicht und drohte nach hinten zu kippen aber schon wurde sie von zwei langen und kräftigen Armen am Hinfallen gehindert. Zuerst war sie etwas benommen und musste sich in die helfenden Arme ihres Gegenübers stützen, doch als sich langsam der Boden aufhörte zu drehen und der Schmerz in ihrem Kopf nachließ, wagte sie einen Blick auf den, der ihr den harten Sturz auf den marmornen Fußboden erspart hatte.
Sie begann schon damit sich zu entschuldigen, doch als sie dann aufblickte blieb ihr Mund offen stehen und kein Wort wollte mehr aus ihm heraus kommen. Vor ihr stand ein Elb. Sie konnte ihren Blick nicht abwenden und starrte ihn unablässig an. Waren eigentlich alle Elben so hübsch? Er hatte blondes langes Haar. Es wirkte so glatt und zart und sofort verspürte sie den Drang es zu berühren. Doch das konnte sie nicht machen. Es würde einfach unhöflich wirken. Jedoch hatte sie solche Haare noch nie zuvor gesehen. Sie waren zwar etwas zerzaust aber das störte sie nicht. Er hatte heute wahrscheinlich noch keine Zeit gehabt sie zu frisieren. Seine langen Haare fielen auf seinen bloßen Oberkörper herab. Seinen bloßen Oberkörper? Sie konnte es nicht fassen! Der erste Elb den sie an diesem Tag trifft ist halbnackt! Ihr kam es so vor als ob heute ein ziemlich merkwürdiger Tag wäre. Doch sie fand es nicht im Geringsten störend oder unbehaglich, sondern eher aufregend. Außerdem wusste sie jetzt, dass die Elben, die ihr so fremd und exotisch vorkamen, genauso aussahen wir ihre Männer in Telorean. Doch als sie weiter sein Gesicht untersuchte, erschrak sie plötzlich als sie seine Ohren entdeckte. Sie waren spitz! Jetzt erinnerte sie sich auch wieder an ihre Reise nach Lothlòrien, wo sie sich immer über die Ohren der Elben gewundert hatte. Noch immer kamen sie ihr etwas unrealistisch vor und doch auch faszinierend und einzigartig. Sie lächelte und richtete ihren Blick nun wieder nach vorn in sein Gesicht. „Ich hoffe, dass ich euch nicht wehgetan habe!". Der Elb sprach zu ihr! Doch sie konnte nicht antworten, denn sie war wie gefangen von seinen blauen Augen die sie besorgt anblickten. Sie waren nicht nur einfach blau, sie waren so azurfarben und wirkten so tiefgründig als ob sie das klare, reine Wasser des Lilvahiél, einem Fluss aus Telorean, wiederzuspiegeln schienen. „Ist alles in Ordnung mit euch?". Der Elb sprach schon wieder! Wie sanft seine Stimme klang! Nur schwer gelang es ihr sich von seinem Blick zu lösen und wollte gerade einen Schritt zurückgehen, aber da bemerkte sie, dass er sie immer noch fest in seinen Armen hielt. „Ja...ja, es geht mir gut."Sie stotterte ein wenig. „Ich war nur anfangs etwas benommen aber jetzt geht es wieder!". Als er darauf keine Reaktion zeigte und sie weiterhin zweifelnd anschaute fügte sie hinzu: „Ihr könnt mich außerdem jetzt loslassen. Ich glaube ich kann nun wieder alleine stehen!". Sofort ließ er sie los und sie strauchelte ein bisschen, denn sie hatte gar nicht bemerkt wie sehr der Elb sie gestützt hatte. Er stürzte ein Stück nach vorne um sie wieder einzufangen, doch sie hielt abwehrend die Hände vor sich und lehnte sich schnell an die Wand. Sie schloss für einen kurzen Moment die Augen und atmete tief durch. „Es geht schon!", flüsterte sie. Langsam stellte sie sich nun wieder gerade hin und lächelte den Elb an. Doch er betrachtete sie nur weiterhin mit kritischem Blick.
Legolas' Blick war voll Sorge. Was war wenn sie sich jetzt doch verletzt hatte? Gerade als er zu einem neuen Versuch Anlauf nahm, sie nach ihrem Wohlbefinden zu erkundigen, wurde er schon unterbrochen. „Es tut mir leid! Ich bin zu schnell um die Ecke gebogen. Ich hoffe ihr hab euch nicht verletzt". Sie war verunsichert und hatte ein schlechtes Gewissen. Auch wenn er sich nichts anmerken ließ, auch er könnte sich wehgetan haben. „Nein, nein. Ich bin in Ordnung", erwiderte Legolas, ganz verwundert über ihre Entschuldigung. Er hatte sich zu entschuldigen! „Doch ihr seht ein wenig mitgenommen aus. Wohin hattet ihr es denn so eilig zu kommen?" „Eigentlich hatte ich vor zum Speisesaal zu gehen, wo das große gemeinsame Mahl stattfinden soll. Nur leider war ich noch nie in Bruchtal und weiß deshalb nicht so ganz genau den Weg." Ihre Unwissenheit war ihr ein wenig unangenehm, also wechselte sie schnell das Thema. „Im Übrigen wundert es mich euch noch hier zu sehen, obwohl das Essen doch jetzt beginnen sollte. Und noch nicht mal fertig angekleidet!"Sie unterdrückte ein Lächeln als der Elb langsam an sich herunterschaute. Er hatte es wohl mit der Zeit wieder vergessen. „Oh, verzeiht. Ich bin heute etwas in Gedanken." Legolas' Wangen leuchteten leicht rötlich auf, als er in ihr strahlendes Gesicht blickte. Sie hatte so ein fröhliches und mitreißendes Lächeln wie er es noch nie zuvor gesehen hatte. Auf ihren Wangen bildeten sich dabei kleine Grübchen, die sie sehr elegant aussehen ließen. Ihr dunkelbraunes fast gelocktes Haar war zusammen gesteckt, doch waren durch den Zusammenstoß einige Strähnen herausgerutscht, die ihr nun ins Gesicht fielen und an denen sie manchmal nervös zupfte. Sie trug ein dunkelblaues Kleid, was sich sehr gut ihrem Körper anpasste und somit ihre schöne Figur unterstrich. Ihre rehbraunen Augen leuchteten und glänzten im Licht, das durch das großes Fenster schien und Legolas schien sich gar nicht mehr von ihnen abwenden zu können.
„Ja man merkt, dass ihr heute etwas in Gedanken seid."Legolas riss sich schnell von ihrem Anblick los. ‚Hatte sie etwa etwas gesagt?' Legolas versuchte möglichst schnell eine sinnvolle Antwort zustande zu bringen. Schließlich sagte er etwas verlegen: „Ich war außerdem auf dem Weg zu meinem Zimmer! Ich bin nämlich auch etwas spät dran und sollte mich vorher noch richtig ankleiden um nicht so beim Essen aufzukreuzen." Sie lächelte verschmitzt, denn sie stellte es sich gerade vor was für eine Reaktion ein halbnackter Elb bei einem solch feinen Essen hervorrufen würde. „Wenn ihr wollt könntet ihr mich noch in mein Zimmer begleiten und warten bis ich fertig angezogen bin und als Gegenleistung führe ich euch dann zum Speisesaal. Was haltet ihr davon?". „Da bleibt mir ja nichts anderes übrig", entgegnete sie mit gespielter Ausweglosigkeit. Im Übrigen fand sie es auch sehr angenehm mehr Zeit mit diesem freundlichen Elben verbringen zu können. „Gut dann aber schnell, sonst fallen wir noch mehr auf, wenn das Essen schon in vollem Gange ist."Er lächelte sie an. „Wenn ihr von hier gekommen seid", er zeigte auf den Gang in dem sie nun standen, „dann seid ihr direkt an meinem Zimmer vorbeigelaufen." Sie drehte sich um und sah in den Gang. Ja, hier war sie schon e i n i g e Male durchgelaufen.
Schnell machten sie sich auf den Weg und waren nach wenigen Schritten schon angekommen. Das erste was sie bemerkte als sie eintraten war, dass noch verschiedene Kleidungstücke unachtsam auf die Stühlen geworfen worden waren. Das schien schon ein Anzeichen zu sein, dass er alleine hier wohnte. Legolas räumte schnell seine Bekleidung vom Tisch und den Stühlen, damit sie sich setzten konnte, doch sie wies ihn zurück. „Nein nein, lasst nur. Ich werde das für euch erledigen während ihr euch umzieht.". Verwundert aber doch einverstanden wandte sich Legolas um und ging in das kleinere Nebenzimmer um sich dort anzukleiden. Sofort als Legolas verschwunden war, ging sie schnellen Schrittes zu dem Spiegel, der auf der kleinen Kommode stand. Seine Worte von wegen, ‚Ihr seht etwas mitgenommen aus' hatten sie nun doch etwas beunruhigt. Aber als sie ihr Spiegelbild betrachtete, wusste sie jedoch was er damit meinte. Sie war noch immer etwas blass und aus ihrer misslungenen Hochsteckfrisur hingen einige Strähnchen heraus, die ihr kreuz und quer ins Gesicht hingen. Schnell versteckte sie sie wieder in ihrem Haarbüschel, aber als dann noch mehr Haare herauszufallen drohten, beschloss sie einfach ihre schulterlangen Haare offen zu tragen. An ihrem blassen Erscheinungsbild konnte sie nun aber auch nichts mehr ändern. Schnell suchte sie nun alle Kleidungsstücke auf dem Tisch zusammen und begann sie sorgfältig zu falten. Als sie die Hemden ausschlug, kam ihr plötzlich ein angenehmer Geruch entgegen. Der Duft erinnerte sie an einen herbstlichen, frischen Wald und sie kam nicht darum herum einen tiefen Atemzug zu nehmen. Lächelnd faltete sie das Hemd zusammen und legte es zu den anderen. Warum brauchte er denn eigentlich so lange? In dieser Zeit hätte sie sich schon tausendmal umgezogen! Sie streifte in seinem Zimmer umher um nach irgendeiner Beschäftigung zu suchen, als sie plötzlich auf der kleinen Kommode einen Brief entdeckte. Er war noch ungeöffnet und es stand kein Absender darauf, doch er war klar adressiert. „An Legolas Grünblatt Prinz von Düsterwald", stand in großen Lettern mit einer schwungvollen und feinen Schrift geschrieben. Sie schluckte. War das wirklich Legolas, der Prinz von Düsterwald, Thranduils Sohn, der sich gerade im Nebenzimmer umzog während sie seine Kleidung zusammenfaltete? Zu Hause in Telorean wollte sie ihn unbedingt kennen lernen, falls er sich ebenfalls zu der Zeit in Bruchtal aufhalten sollte doch sie hätte nie vermutet, dass sie ihn wirklich treffen würde. Und vor allem nicht so! Sie nahm den Brief in die Hand um ihn noch mal genau anzusehen. Hatte sie sich wirklich nicht verlesen? Sie drehte ihn in ihren Händen hin und her. Genau in diesem Moment trat Legolas ein. Sie erschrak und versuchte irgendetwas zu finden was ihr Verhalten entschuldigte. „Ähhh... Ihr habt einen Brief bekommen!". „Wirklich?". Ein Glück! Legolas schien ihn noch nicht bemerkt zu haben als sie hereingekommen waren. Eru sei Dank, dachte er jetzt nicht sie würde in seinen Sachen stöbern. Als sie Legolas so betrachtete, fiel ihr auf, dass sich Legolas irgendwie verändert hatte. Natürlich! Er hatte sich doch komplett neu angekleidet. Und zwar sehr elegant, denn er hatte sein Haar komplett neu frisiert. Als sie ihn vor einigen Minuten kennen gelernt hatte, sah seine Frisur noch etwas zerzaust aus, aber nun fielen seine langen Haare ohne, das ein Strähne falsch saß, auf seine Schultern nun bedeckten Schultern herab. Über seinen spitzen Ohren waren ein paar Strähnchen raffiniert nach hinten geflochten worden und ein Teil seines oberen Deckhaars hatte er als einen kleinen Zopf nach hinten gebunden. Er trug ein grünes Hemd, das mit feinen Stickereinen versehen war und darüber eine dünne ärmellose Weste. Doch das was ihr am ungewöhnlichsten vorkam, war, dass er ein Krönchen trug. Ein Krönchen! Sie musste sich schmerzhaft ein Lachen verkneifen. Das gab es in ihrer Heimat nicht! Dort trug niemand eine Krone. Noch nicht einmal der König. Aber sie wusste ja schon, dass hier alles etwas anders von Statten ging. Sie konnte sich dennoch ein freches Grinsen nicht verkneifen, als sie Legolas sah wie er seinen kleinen Haarschmuck vor dem Spiegel zurechtrückte. Auch Legolas fiel es auf, das Sie ihr Aussehen verändert hatte. Ihm gefiel es sehr, dass sie die Haare offen trug. Ihre feinen Haarsträhnen umrandeten nun völlig ihr Gesicht, und ließen es älter und reifer wirken. Es verlieh ihr so ein sehr verführerisches Aussehen. „Ihr solltet die Haare öfters offen tragen!". Es war wohl eher intuitiv, dass er das sagte, denn sie kannten sich nun erst seit ca. einer halben Stunde und es war wohl der falsche Augenblick um ihr Ratschläge zu ihrem Äußeren zu geben. Das dachte sie wohl auch, denn sie antwortete keck: „Woher wollt ihr wissen, dass ich sie nicht öfters offen trage. Woher wollt ihr überhaupt etwas von mir wissen. Wir kennen uns doch erst seit ein paar Minuten.". So plump wie es rüberkam hatte sie es eigentlich nicht gemeint und sie bereute es sofort, doch Legolas antwortete geschickt: „Das ist mir bewusst, doch fiel es mir sofort auf. Ihr seht einfach zauberhaft aus!" Damit hatte sie jetzt nicht gerechnet! „Ohh.... Äh.... Danke!". In diesem Moment wirkte sie wie ein schüchternes kleines Mädchen, als Legolas sie so anlächelte. Etwas verzweifelt suchte sie nach passenden Worten, aber dann, um eine peinliche Stille zu vermeiden sagte sie rasch. „Doch Ihr seht auch sehr hübsch aus.". Sie hätte sich am liebsten auf die Zunge gebissen. So was sagt man doch nicht einem elbischen Prinzen mitten ins Gesicht. Doch Legolas lächelte sie nur herzlich an, als er ihre Reaktion bemerkte, und sagte: „So nun wird es aber Zeit. Wenn ihr fertig seid könnten wir ja nun los." Sie hatte es wieder total vergessen. Ach ja natürlich, das Essen! „Natürlich. Nach euch.". Legolas grinste. Er erinnerte sich nun wieder daran, dass sie den Weg nicht wusste und so schlichtweg auf ihn angewiesen war.
Als sie so durch die Gänge schlenderten, ergriff sie wieder das Wort und fragte mutig: „Seid ihr wirklich Legolas, Thranduils Sohn?". Legolas sah sie mit großen Augen an. „Woher...?". „Ich habe euren Brief gesehen." „Ach ja, ich vergaß. Jetzt habe ich ihn mir noch nicht einmal angesehen. Aber das hat ja noch Zeit. Jetzt müssen wir nur noch schnell zum Speisesaal kommen.". Aber sie fragte weiter, denn sie war schrecklich neugierig und wollte mehr über ihn erfahren. „Seid ihr auch wegen Aétherons Versammlung hier, oder was führt euch nach Bruchtal?". Er sah sie verwundert an. „Oh! Seid ihr auch deswegen hier? Das hatte ich gar nicht gedacht. Aber ja, ich bin wegen der Rates gekommen und bin schon sehr gespannt was es denn für so wichtige Neuigkeiten zu berichten gibt." „Warum seid ihr denn verwundert, dass ich ebenfalls zu diesem Treffen eingeladen wurde?", erwiderte sie trotzig. „Es sind immer ein paar Leute aus jedem Volk und Stamm anwesend und ich, mein Vater und noch ein paar andere aus Telorean, meinem Heimatdorf, der Hauptstadt Aldrigons, vertreten den Süden von Mittelerde. Seit die Haradrim, nach dem misslungenen Angriff auf Minas Tirith, aus ihrer Heimat Harad geflohen waren, sind wir dabei die Grenzen von Aldrigon weiter auszubreiten, um das nun fast unbewohnte Land zu unserem zu machen und, dass der gesamte Süden endlich als ein Land, als das Königreich Aldrigon, angesehen wird, wie wir es immer wollten." Legolas kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sie kam also von so weit her! Aus dem kleinen Königreich Aldrigon. Aber wie es aussah würde es wohl noch zu einem mächtigen Königreich werden wenn die Aldriger nun das gesamte Reich im Süden einnahmen. Aber wenn Aétheron selbst die Völker aus den kleinsten Ecken Mittelerdes zu sich gerufen hatte, dann musste es ja wirklich etwas Ernstes bei seinem Rat zu bereden geben.
Gerade in diesem Moment kamen sie vor den großen geschlossenen Toren des Speisesaals an. Sie blickten sich an und öffneten fast gleichzeitig die beiden großen Flügeltüren. Sofort schlug ihnen eine gewaltige Geräuschkulisse entgegen und ein leckerer Essensduft stieg ihnen in die Nase. Alle waren so beschäftigt sich zu unterhalten und die leckeren Gerichte zu verzehren, dass sie gar nicht bemerkt wurden. Der riesige Raum lenkte Legolas' gesamte Aufmerksamkeit auf sich, denn er war fast überfüllt mit Leuten verschiedenster Rasse und Abstammung. An den voll besetzten Tischen saßen viele Menschen, Hobbits, Zwerge und natürlich auch Elben. Dieser Raum war gigantisch. Obwohl Legolas schon öfters in Bruchtal gewesen war, war er immer wieder überwältigt von diesem immer anders und sehr prachtvoll geschmückten Herzstück Bruchtals.
Plötzlich merkte Legolas wie sie ihre Hand in seine schloss. Er sah sie an und sie flüsterte: „Ich muss jetzt zu meinem Vater."Sie blickte in eine Ecke, wo an einem Tisch ein grimmig aussehender, riesiger Mann saß, der eisern zu ihnen hinüberstarrte. Seine Haare waren so braun wie ihre und wurden von einem ledernen Stirnband aus seinem Gesicht gehalten. Seine eisblauen Augen wirkten wie gefroren als er Legolas so anstarrte. Außerdem trug er ein feines Kettenhemd, was Legolas beim Essen nicht sehr angebracht fand. Er merkte wie sich ihre Hände wieder lösten und er blickte sie an. Sie lächelte ihn an, als sie ihm zuflüsterte: „Es hat mich sehr gefreut euch kennen zu lernen aber ich muss jetzt wirklich gehen." Sie wandte sich ab und wollte gehen, als Legolas fest ihren Arm ergriff und sie dadurch nah vor sich zog. Sie merkte seinen leichten und warmen Atem in ihrem Gesicht. „Bitte! Sagt mir wenigstens noch euren Namen." Sie schaute ihn an und antwortete stolz: „Ich bin Ruleila, Tochter von Gliêliras, aus Telorean im Königreich Aldrigon. Und nun lebt wohl. Ich hoffe, dass wir uns bald wiedersehen." Mit diesen Worten ging Ruleila nun und Legolas sah ihr noch lange nach bis er sich schließlich auf die Suche nach seine Freunden Gimli und Aragorn machte.
Doch Ruleilas Vater, Gliêliras, war nicht der einzige der sie beobachtet hatte. An einem Tisch nicht weit vom Eingang entfernt, saß Gilodwen, die mit finsterem Blick jede Bewegung Ruleilas verfolgt hatte.
Also ich hab Elrond einfach mal einen Bruder (Aétheron) gegeben obwohl er eigentlich nur einen mit Namen Elros hat aber... na ja, das ist ja die künstlerische Freiheit.
Bruchtal
Legolas schrie auf. Aufrecht und starr vor Schreck, saß er auf seinem Bett. Er schwitzte am ganzen Körper, sodass sein langes blondes Haar an seinem nackten Oberkörper klebte. Ein paar Schweißperlen rannen seine Wangen hinunter und liefen über seinen Rücken. Sie hinterließen nasse, salzige Spuren. Doch er nahm sie nicht wahr. Er war wie weggetreten und starrte entsetzt vor sich. Es war nur ein Traum! Ein Traum... aber er war ihm so real vorgekommen... als ob er es wirklich erlebt hätte. Im Augenblick rasten ihm tausend Gedanken durch den Kopf. Was war das für ein Stein? Was für ein Wald? Was wollten wir in diesem Wald? - Legolas konnte sich keinen Reim daraus machen. Alles war so real gewesen. Und das war es, was ihm solch eine Angst einjagte. Könnte es vielleicht einmal wirklich geschehen? Was würde passieren nachdem Gimli den Stein berührt hat? Diese und noch viel mehr erschütternde und beunruhigende Fragen gingen ihn in diesem Moment durch den Kopf.
Von diesen seltsamen Träumen hatte Legolas in letzter Zeit viele gehabt. Alle waren sie anders aber doch waren sich alle im Inhalt gleich. Auch wenn es seltsam klingt; Legolas kam es so vor. Er träumte immer etwas von einer Lichtung und einem Stein... und Gimli, der in jedem seiner Träume irgendetwas Dummes anstellte. Bei diesem Gedanken entwich ihm ein leichtes Schmunzeln. Er hatte es Gimli nie gesagt, dass er des Öfteren in seinen Träumen vorkam, aber es hätte ihn sowieso nur geärgert, zu hören, dass er immer etwas falsch zu machen schien. Doch sofort als der Gedanken von Gimlis Reaktion auf seine Träume entwich, erinnerte er sich wieder an den Schrecken seines letzten Traumes. So etwas Schlimmes hatte er bis jetzt noch nie geträumt. Manches Mal kämpfte er mit Orks oder mit anderen Monstern, doch nichts schien ihm schlimmer vorzukommen wie dieser eine Traum. Und jetzt schien es ihm auch klar zu werden warum! Alle anderen hatten ein Ende. Er besiegte die Orks – manchmal auch nicht, aber dann floh er – und war dann gerettet, aber nun... was war hier das Ende? Nachdem alles schwarz wurde... was wäre dann geschehen? Legolas wusste es nicht aber wollte es eigentlich auch gar nicht wissen. Ihm schwante nichts Gutes.
Legolas stand auf um sich etwas zu beruhigen. Es war noch stockfinster aber jetzt war er viel zu aufgewühlt um sich wieder zur Ruhe zu legen. Er befand sich in einem großen Raum, der festlich, mit allen möglichen Formen und Farben verziert war. Direkt gegenüber dem Bett prangte ein großes Fenster durch das man einen Teil des anliegenden Waldes und einen kleinen Bach, der sich zwischen die großen, stolzen Bäume hindurchschlängelte, beobachten konnte. Das gleichmäßige Plätschern des Wassers, aus dem halboffenen Fenster, beruhigte ihn ein wenig und ließ ihn den Schock des verwirrenden Traumes ein wenig verdrängen. Er sah sich um. Er war in einer kleinen Wohnung, die aus zwei Räumen bestand. In dem kleineren Raum stand ein großer massiver Tisch und ein gemütlicher, gepolsterter Stuhl auf dem man durch ein weiteres großes Fenster, den Hof und den Wald sehen konnte. In dem größeren Raum stand nur ein reich verziertes Bett, in dem Legolas die Nacht verbracht hatte und ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen, auf denen noch einige Kleidungsstücke vom Vortag lagen. Legolas hatte gestern einfach keine Lust mehr gehabt sie in seinen großen Kleiderschrank, der neben seinem Bett stand, einzuräumen. In die Ränder des mächtigen Schrankes waren wundervolle, feine Muster und Formen hineingeschnitzt worden. Er wusste, dass die Elben immer auf Feinheiten achteten und sehr viel Wert auf feine Verzierungen legten. Deshalb waren alle Räume der Elben immer reich ausgeschmückt. Direkt neben der Tür stand eine kleine Kommode mit einem Spiegel, auf die er all seine kleinen und wichtigen Gegenstände legte, die leicht verschwinden konnten. Alles in allem war Legolas' Zimmer etwas luxuriöser als die anderen Zimmer im Haus, den als Prinz von Düsterwald wurde ihm nur das höchste geboten und jeder Wunsch von seinen Augen abgelesen. Legolas ging in seinem Zimmer auf und ab und begann wieder über seinen Traum nachzudenken. Doch seine unschlüssigen Gedanken wurden durch einen kalten Windhauch, der aus dem halboffenen Fenster hereinwehte, wieder vertrieben. Legolas trug nur seine leichte Unterkleidung, sodass ein Hauch einer Gänsehaut über seine Haut kroch. Er schauderte und beschloss einen kleinen Spatziergang durch die Gänge und Flure des Hauses zu machen. Er wollte auf andere Gedanken kommen. Schnell schlüpfte Legolas in seine Hose und öffnete leise die Tür.
Legolas war mit Aragorn und Gimli in Bruchtal. Dorthin waren sie zurückgekehrt nachdem der finale Ringkrieg des dritten Zeitalters zu Ende, und der Eine Ring durch Frodo vernichtet worden war. Merry, Pippin und Sam waren ins Auenland zurückgekehrt und Gandalf und Frodo mit Elrond und den anderen elbischen Ringträgern, zu den unsterblichen Landen nach Valinor gesegelt. Aragorn war nun König von Gondor und glücklich mit der Elbe Arwen verheiratet. Ihr Zuhause war Minas Tirith, die Hauptstadt Gondors, die nach dem Ringkrieg nun wieder aufgebaut und gestärkt wurde. Der weiße Baum, das Wahrzeichen Gondors, blühte wieder in voller Pracht und symbolisierte den neuen und erfolgreichen Neuanfang, der den Menschen in Mittelerde gegeben war. Die einzigen Elben die Arwen nach Minas Tirith gefolgt waren, waren ihre engsten Diener und Andolor, ein Bote der immer zwischen Minas Tirith und Bruchtal herumpendelte und die neusten Nachrichten überbrachte. Er war außerdem nach der langen Zeit, die er schon Arwen diente, ein enger Freund und Gefährte Arwens geworden, und sie schätzte ihn sehr. Bruchtal war, nachdem fast alle Elben aus Imladris über den großen Ozean nach Valinor gesegelt waren, nun ein Heim in dem alle freien Völker in Frieden miteinander wohnten. Da nur die Elben aus Bruchtal und Lothlòrien zu den unsterblichen Landen gesegelt waren, waren nun die Sindar-Elben in Düsterwald, der nach dem Ringkrieg auch Eryn Lasgalen genannt wurde, die einzigen Vertreter der Elben in Mittelerde. Die Elben und die Menschen hatten wieder ihre alten Bündnisse erneuert und auch die Feindschaft zwischen Elben und Zwergen war nun endlich begraben und sie kämpften Seite an Seite. Legolas, Gimli und Aragorn waren weiterhin sehr eng befreundet, doch nun waren sie nach Bruchtal geschickt worden, da eine Verhandlung einberufen worden war. Herr von Bruchtal war nun Aétheron aus Düsterwald. Er war der Bruder Elronds und damit sein rechtmäßiger Nachfolger. Er war bei den Bewohnern Bruchtals sehr beliebt, da er es geschafft hatte, dass alle Völker Mittelerdes zusammen und in Frieden miteinander lebten.
Obwohl Legolas, Gimli und Aragorn erst gestern am Abend von ihrer langen Einreise eingetroffen waren, war Legolas nun hellwach. Er streifte durch die großen Hallen Bruchtals und schließlich aus dem großen Haupttor hinaus. Als Legolas in den Himmel blickte merkte er, dass schon langsam die Sonne aufging, doch beim genauen Hinschauen konnte er noch leicht die fernen Sterne glitzern sehen. Es war ein wunderbarer Anblick! Die ersten Strahlen der Sonne erhellten den Hof vor dem Hauptgebäude, sodass die kleinen Steine, die wie ein Mosaik auf dem Boden angelegt worden waren, in der Sonne glitzerten. Er setzte sich auf den Boden, lehnte sich an eine Säule, die den großen Balkon über dem Hauptgebäude stützte und sah dem Sonnenaufgang zu. Ganz in Gedanken versunken, vergaß er alles um sich herum, und damit auch seine seltsamen Traum, und nahm nur die Schönheit und Vollkommenheit der Natur wahr. Er ließ sich einfach von den verschiedenen Eindrücken berieseln, die auf ihn einwirkten, wie das Zwitschern der Vögel in den angrenzenden Bäumen oder das leichte Rauschen des Baches, der sich aus dem Wald hinaus durch Bruchtal schlängelte.
Plötzlich klopfte ihm jemand auf die Schulter. „Ach, Legolas hier steckst du also! Ich habe dich schon überall gesucht! Warum bist du denn nicht in deinem Zimmer? Es ist Zeit für das Morgenmahl. Gimli und Aragorn sind auch schon gekommen.". Der festen Händedruck auf seiner Schulter, der Legolas aus seinen Gedanken riss, lies ihn zusammenzucken als er ihn so unvorbereitet traf. Legolas drehte sich verwundert um und sah in das Gesicht einer Elbe. Im ersten Moment kam sie ihm völlig unbekannt vor aber nach längerem Betrachten erinnerte er sich, dass es Gilodwen, die Tochter Aétherons war. Das letzte Mal als sie sich gesehen hatten, waren sie beiden noch Kinder gewesen. Sie hatten immer miteinander gespielt und waren gemeinsam durch den Wald gejagt. Gilodwen schien Legolas sofort erkannt zu haben. Ein Glück, dass er sie nicht nach ihrem Namen gefragt hatte... das wäre eine unangenehme Situation geworden. Nun bemerkte Legolas auch erst wie lange er da gesessen, nachgedacht und gedöst hatte. Die Sonne war nun schon vollständig aufgegangen und erhellte auch den letzten Winkel Bruchtals mit ihrem reinen und glänzenden Licht. Als Legolas Gilodwen so betrachtete fiel ihm auf, dass sie sehr verändert hatte. Ihre langen, schwarzen Haare fielen ihr ins Gesicht und umrahmten so ihr zierliches, helles Gesicht mit ihren grün-braunen Augen. Schon als Kind hatte er sich immer gewundert wie jemand so edle Augen mit dieser unergründbaren Farbe haben konnte und sie verblüfften ihn auch jetzt wieder von neuem. Normalerweise hatten alle Elben nur eine feste Augenfarbe, die man leicht bestimmen konnte, auch wenn sie sich manchmal nach ihrer Stimmung änderte, aber Gilodwens Augen waren für Legolas schon immer etwas besonderes gewesen. Sofort stand Legolas auf um Gilodwen ordnungsgemäß zu begrüßen doch bemerkte dabei, dass er ja nur seine Hose trug. Er schaute an sich herunter und bemerkte wie Gilodwens Augen seinen folgten. Als er schnell wieder aufblickte, sah er ihr fest in die Augen und sagte: „Ja, ich komme sofort, doch lass mich zuerst noch schnell in mein Zimmer gehen und meine Kleidung holen!". Er bemerkte in Gilodwens Gesicht ein belustigtes Lächeln. „Es wäre wohl nicht ganz angebracht für einen Prinzen, so an unserem ersten gemeinsamen Frühstück in Bruchtal teilzunehmen!". Gilodwens schallendes Lachen, als Antwort auf Legolas' Bemerkung, ließ auch Legolas' aufkommende Unsicherheit schnell wieder verschwinden und er musste sich zusammennehmen um nicht ebenfalls lauthals loszulachen. Als sich Gilodwen wieder beruhigt hatte sagte sie: „Nein ganz gewiss würde das keinen guten Eindruck hinterlassen."Sie grinste verschmitzt, sodass ihre weißen Zähne im Sonnenlicht blitzten. „Ja gut, ich gehe dann schon mal vor... Wir sehen uns dann!". Als sie sich gerade abwenden wollte flüsterte sie noch schnell Legolas zu: „Außerdem bist du immer noch der selbe liebe Junge, der mir von früher in Erinnerung geblieben ist." Mit diesen Worten schaute sie ihm kurz in seine tiefblauen Augen und drückte Legolas einen leichten Kuss auf die Wange. Ohne irgendeine Reaktion von Legolas abzuwarten wandte sie sich schnell in Richtung Speisesaal ab.
Verwundert über diese liebliche Geste, aber sie nicht weiter ernst nehmend (sie waren ja nur alte Freunde aus Kindertagen) machte sich Legolas ebenfalls auf den Weg. Jedoch nicht zum Speisesaal, sondern erst einmal zu seinem Zimmer um sich richtig einzukleiden. Legolas beeilte sich, denn er wollte nicht am allerersten gemeinsamen Essen mit den anderen Gästen zu spät kommen. Auf dem Weg zu seinem Zimmer, das leider am anderen Ende des Gebäudes im zweiten Stock lag, kamen ihm viele Leute entgegen die sich schon auf den Weg zum Speisesaal machten. Immer wenn er an einem Menschen vorbeikam wurde er freundlich gegrüßt aber auch immer etwas seltsam angeschaut. Diese Menschen hatten wohl noch nie einen Elben mit nacktem Oberkörper gesehen! Die meisten Zwerge, denen er begegnete, konnten sich ein freches Grinsen nicht verkneifen. Sie mussten glauben er habe gerade die Nacht in einem anderen Zimmer verbracht und dabei sein Hemd vergessen. Doch am meisten wunderte er sich über die fassungslosen und teilweise entsetzten Blicke der wohlgekleideten Elben. Manchmal hörte er sie flüstern, ob das wirklich der Prinz von Düsterwald sei und wie er es sich denn erlauben könne so herumzulaufen. Er lächelte. In diesem Punkt waren die Menschen auf jeden Fall viel unproblematischer als die Elben.
Je näher er seinem Wohnraum kam desto weniger Gästen kamen ihm entgegen. Langsam entspannte er sich und schien lockerer und unbeschwerter zu gehen. Nur noch um eine Ecke, dann war er endlich da. Es war ihm wie eine Unendlichkeit vorgekommen Aber nun hatte er es geschafft. Gerade als er sich mit Schwung um die Ecke wirbelte, stieß er mit etwas zusammen. Benommen taumelte er einen Schritt zurück aber hielt automatisch seine beiden Arme nach vorn um das, was er da auch immer getroffen hatte, vor einem unsanften Aufprall auf den Boden zu bewahren.
Sie war schon viel zu spät. Die anderen warteten bestimmt schon lange und wollten beginnen. Obwohl sie sich fest vorgenommen hatte nicht zu spät zu kommen, hatte sie sich dann doch mit Gilodwen verquatscht und konnte es nicht verhindern, dass sie nun doch zu spät war. Dabei hatte sie sich so beeilt sich Fertigzumachen und sie hatte kaum Zeit gefunden ihre Haare zu machen, sodass sie sie nur locker zusammengesteckt hatte. Nun lief sie schnell durch die langen endlosen Gänge zum Speisesaal. In den vielen Fluren war der Boden mit vielen Mosaiken verziert, die runde Formen und manchmal auch Bilder aus der Natur darstellten. Sie wusste, dass sich die Elben sehr eng mit der Natur verbunden fühlten und deshalb waren im gesamten Haus sehr oft Motive aus Wäldern oder Wiesen abgebildet. Die Wände waren mit pastellfarbenen Farben und Tüchern geschmückt. Alles in Bruchtal sah irgendwie etwas gastfreundlicher und edler aus, als sie es von ihrer Heimat gewöhnt war. Im Süden, ihrer Heimat Telorean in Aldrigon wurde eher auf die Nützlichkeit und Haltbarkeit der Gegenstände und Wohneinrichtung geachtet, wobei man leider sehr schnell die Verbindung zum schönen und zierlichen verlor. Das hatte sie schon immer betrübt aber das waren natürlich die Unterschiede die es bei jedem Volk gab. Als sie so durch die Gänge streifte und über ihre Heimat nachdachte die ihr nun so fern war, fiel ihr plötzlich wieder ein, dass sie doch auf dem Weg zum Speisesaal war. Na ja, eigentlich wusste sie gar nicht wo er lag. Sie war erst gestern Mittag angekommen und hatte sich nach ihrem mehrwöchigen Ritt erst mal zu ihrem Zimmer führen lassen und sich dann schnell ins Bett geworfen. Warum musste Elrond auch immer so riesige Gebäude bauen!? Da konnte man sich ja nur verlaufen! In der letzten Zeit war sowieso so viel passiert und alles so schnell. Sie war extra dem Ruf Aétherons gefolgt und aus ihrer Heimat, die so weit weg von Bruchtal gelegen war, hierhin gekommen um an der Verhandlung teilzunehmen. Sie war gespannt was es dieses Mal für Schwierigkeiten geben würde, denn der Herr von Bruchtal berief nicht sinnlos ein Treffen ein, ohne dass es irgendeine Bedrohung gab. Der Aufenthalt hier in Bruchtal war für sie etwas ganz besonderes denn sie hatte erst ein einziges Mal in ihrem Leben Elben gesehen. Sie hatte damals als Kind mit ihrem Vater eine kurze Reise nach Lothlòrien gemacht. Doch da sie zu jener Zeit noch ein kleines Mädchen gewesen war konnte sie sich nicht mehr sehr gut an sie erinnern. Außerdem hatte sie noch nie mit einem Elb gesprochen. Als sie dann am gestrigen Tag nach Bruchtal kam, konnte sie es gar nicht glauben als sie von zweien ihr Gepäck auf ihr Zimmer gebracht bekam. Sie waren so schön und graziös, wie sie es sich niemals gedacht hatte. Doch leider hatten sie kein einziges Mal ein Wort gesagt. Sie hätte so gerne mal ihre Stimmen gehört, doch Elben schienen nicht ganz so gesprächig zu sein wie sie es von ihrer Heimat kannte. Aber jetzt versuchte sie nur noch möglichst schnell aus diesem Irrgarten von vielen Gängen, die auch noch alle gleich aussahen, herauszufinden, um möglichst schnell zu dem großen Saal kommen, wo das Essen stattfinden sollte. Sie wollte nicht mehr als nötig durch ihr Zuspätkommen auffallen. Orientierungslos irrte sie durch die zahllosen Gänge Bruchtals mit der Hoffnung doch noch den richtigen zu finden, der sie schnell in die große Halle im untern Geschoss bringen sollte. Als sie plötzlich vor sich eine weitere Abzweigung sah, bemerkte sie, dass es ihr irgendwie bekannt vorkam. Dieses Fenster, mit Blick auf den Hof, kannte sie doch. Oh nein! Als sie auf das Bild neben dem Fenster blickte bemerkte sie, dass sie genau hier schon einmal vorbeigekommen war. Da sie sich das schöne Bild beim letzten Mal sehr genau angeschaut hatte, erkannte sie nun die zwei Elben die Hand in Hand bei Sonnenuntergang durch den großen Wald spazierten sofort wieder. Wütend und auch etwas verzweifelt jagte sie um die Ecke, als sie urplötzlich wieder zurückgestoßen wurde. Gegen was war sie denn jetzt schon wieder gerannt? Hatte sie nicht schon genug Probleme? Nach einem Moment merkte sie, dass sie frontal mit jemandem zusammen gestoßen sein musste. Das einzige was sie jedoch erkennen konnte war etwas Großes mit langen blonden Haaren. Doch durch die Wucht des gewaltigen Stoßes verlor sie das Gleichgewicht und drohte nach hinten zu kippen aber schon wurde sie von zwei langen und kräftigen Armen am Hinfallen gehindert. Zuerst war sie etwas benommen und musste sich in die helfenden Arme ihres Gegenübers stützen, doch als sich langsam der Boden aufhörte zu drehen und der Schmerz in ihrem Kopf nachließ, wagte sie einen Blick auf den, der ihr den harten Sturz auf den marmornen Fußboden erspart hatte.
Sie begann schon damit sich zu entschuldigen, doch als sie dann aufblickte blieb ihr Mund offen stehen und kein Wort wollte mehr aus ihm heraus kommen. Vor ihr stand ein Elb. Sie konnte ihren Blick nicht abwenden und starrte ihn unablässig an. Waren eigentlich alle Elben so hübsch? Er hatte blondes langes Haar. Es wirkte so glatt und zart und sofort verspürte sie den Drang es zu berühren. Doch das konnte sie nicht machen. Es würde einfach unhöflich wirken. Jedoch hatte sie solche Haare noch nie zuvor gesehen. Sie waren zwar etwas zerzaust aber das störte sie nicht. Er hatte heute wahrscheinlich noch keine Zeit gehabt sie zu frisieren. Seine langen Haare fielen auf seinen bloßen Oberkörper herab. Seinen bloßen Oberkörper? Sie konnte es nicht fassen! Der erste Elb den sie an diesem Tag trifft ist halbnackt! Ihr kam es so vor als ob heute ein ziemlich merkwürdiger Tag wäre. Doch sie fand es nicht im Geringsten störend oder unbehaglich, sondern eher aufregend. Außerdem wusste sie jetzt, dass die Elben, die ihr so fremd und exotisch vorkamen, genauso aussahen wir ihre Männer in Telorean. Doch als sie weiter sein Gesicht untersuchte, erschrak sie plötzlich als sie seine Ohren entdeckte. Sie waren spitz! Jetzt erinnerte sie sich auch wieder an ihre Reise nach Lothlòrien, wo sie sich immer über die Ohren der Elben gewundert hatte. Noch immer kamen sie ihr etwas unrealistisch vor und doch auch faszinierend und einzigartig. Sie lächelte und richtete ihren Blick nun wieder nach vorn in sein Gesicht. „Ich hoffe, dass ich euch nicht wehgetan habe!". Der Elb sprach zu ihr! Doch sie konnte nicht antworten, denn sie war wie gefangen von seinen blauen Augen die sie besorgt anblickten. Sie waren nicht nur einfach blau, sie waren so azurfarben und wirkten so tiefgründig als ob sie das klare, reine Wasser des Lilvahiél, einem Fluss aus Telorean, wiederzuspiegeln schienen. „Ist alles in Ordnung mit euch?". Der Elb sprach schon wieder! Wie sanft seine Stimme klang! Nur schwer gelang es ihr sich von seinem Blick zu lösen und wollte gerade einen Schritt zurückgehen, aber da bemerkte sie, dass er sie immer noch fest in seinen Armen hielt. „Ja...ja, es geht mir gut."Sie stotterte ein wenig. „Ich war nur anfangs etwas benommen aber jetzt geht es wieder!". Als er darauf keine Reaktion zeigte und sie weiterhin zweifelnd anschaute fügte sie hinzu: „Ihr könnt mich außerdem jetzt loslassen. Ich glaube ich kann nun wieder alleine stehen!". Sofort ließ er sie los und sie strauchelte ein bisschen, denn sie hatte gar nicht bemerkt wie sehr der Elb sie gestützt hatte. Er stürzte ein Stück nach vorne um sie wieder einzufangen, doch sie hielt abwehrend die Hände vor sich und lehnte sich schnell an die Wand. Sie schloss für einen kurzen Moment die Augen und atmete tief durch. „Es geht schon!", flüsterte sie. Langsam stellte sie sich nun wieder gerade hin und lächelte den Elb an. Doch er betrachtete sie nur weiterhin mit kritischem Blick.
Legolas' Blick war voll Sorge. Was war wenn sie sich jetzt doch verletzt hatte? Gerade als er zu einem neuen Versuch Anlauf nahm, sie nach ihrem Wohlbefinden zu erkundigen, wurde er schon unterbrochen. „Es tut mir leid! Ich bin zu schnell um die Ecke gebogen. Ich hoffe ihr hab euch nicht verletzt". Sie war verunsichert und hatte ein schlechtes Gewissen. Auch wenn er sich nichts anmerken ließ, auch er könnte sich wehgetan haben. „Nein, nein. Ich bin in Ordnung", erwiderte Legolas, ganz verwundert über ihre Entschuldigung. Er hatte sich zu entschuldigen! „Doch ihr seht ein wenig mitgenommen aus. Wohin hattet ihr es denn so eilig zu kommen?" „Eigentlich hatte ich vor zum Speisesaal zu gehen, wo das große gemeinsame Mahl stattfinden soll. Nur leider war ich noch nie in Bruchtal und weiß deshalb nicht so ganz genau den Weg." Ihre Unwissenheit war ihr ein wenig unangenehm, also wechselte sie schnell das Thema. „Im Übrigen wundert es mich euch noch hier zu sehen, obwohl das Essen doch jetzt beginnen sollte. Und noch nicht mal fertig angekleidet!"Sie unterdrückte ein Lächeln als der Elb langsam an sich herunterschaute. Er hatte es wohl mit der Zeit wieder vergessen. „Oh, verzeiht. Ich bin heute etwas in Gedanken." Legolas' Wangen leuchteten leicht rötlich auf, als er in ihr strahlendes Gesicht blickte. Sie hatte so ein fröhliches und mitreißendes Lächeln wie er es noch nie zuvor gesehen hatte. Auf ihren Wangen bildeten sich dabei kleine Grübchen, die sie sehr elegant aussehen ließen. Ihr dunkelbraunes fast gelocktes Haar war zusammen gesteckt, doch waren durch den Zusammenstoß einige Strähnen herausgerutscht, die ihr nun ins Gesicht fielen und an denen sie manchmal nervös zupfte. Sie trug ein dunkelblaues Kleid, was sich sehr gut ihrem Körper anpasste und somit ihre schöne Figur unterstrich. Ihre rehbraunen Augen leuchteten und glänzten im Licht, das durch das großes Fenster schien und Legolas schien sich gar nicht mehr von ihnen abwenden zu können.
„Ja man merkt, dass ihr heute etwas in Gedanken seid."Legolas riss sich schnell von ihrem Anblick los. ‚Hatte sie etwa etwas gesagt?' Legolas versuchte möglichst schnell eine sinnvolle Antwort zustande zu bringen. Schließlich sagte er etwas verlegen: „Ich war außerdem auf dem Weg zu meinem Zimmer! Ich bin nämlich auch etwas spät dran und sollte mich vorher noch richtig ankleiden um nicht so beim Essen aufzukreuzen." Sie lächelte verschmitzt, denn sie stellte es sich gerade vor was für eine Reaktion ein halbnackter Elb bei einem solch feinen Essen hervorrufen würde. „Wenn ihr wollt könntet ihr mich noch in mein Zimmer begleiten und warten bis ich fertig angezogen bin und als Gegenleistung führe ich euch dann zum Speisesaal. Was haltet ihr davon?". „Da bleibt mir ja nichts anderes übrig", entgegnete sie mit gespielter Ausweglosigkeit. Im Übrigen fand sie es auch sehr angenehm mehr Zeit mit diesem freundlichen Elben verbringen zu können. „Gut dann aber schnell, sonst fallen wir noch mehr auf, wenn das Essen schon in vollem Gange ist."Er lächelte sie an. „Wenn ihr von hier gekommen seid", er zeigte auf den Gang in dem sie nun standen, „dann seid ihr direkt an meinem Zimmer vorbeigelaufen." Sie drehte sich um und sah in den Gang. Ja, hier war sie schon e i n i g e Male durchgelaufen.
Schnell machten sie sich auf den Weg und waren nach wenigen Schritten schon angekommen. Das erste was sie bemerkte als sie eintraten war, dass noch verschiedene Kleidungstücke unachtsam auf die Stühlen geworfen worden waren. Das schien schon ein Anzeichen zu sein, dass er alleine hier wohnte. Legolas räumte schnell seine Bekleidung vom Tisch und den Stühlen, damit sie sich setzten konnte, doch sie wies ihn zurück. „Nein nein, lasst nur. Ich werde das für euch erledigen während ihr euch umzieht.". Verwundert aber doch einverstanden wandte sich Legolas um und ging in das kleinere Nebenzimmer um sich dort anzukleiden. Sofort als Legolas verschwunden war, ging sie schnellen Schrittes zu dem Spiegel, der auf der kleinen Kommode stand. Seine Worte von wegen, ‚Ihr seht etwas mitgenommen aus' hatten sie nun doch etwas beunruhigt. Aber als sie ihr Spiegelbild betrachtete, wusste sie jedoch was er damit meinte. Sie war noch immer etwas blass und aus ihrer misslungenen Hochsteckfrisur hingen einige Strähnchen heraus, die ihr kreuz und quer ins Gesicht hingen. Schnell versteckte sie sie wieder in ihrem Haarbüschel, aber als dann noch mehr Haare herauszufallen drohten, beschloss sie einfach ihre schulterlangen Haare offen zu tragen. An ihrem blassen Erscheinungsbild konnte sie nun aber auch nichts mehr ändern. Schnell suchte sie nun alle Kleidungsstücke auf dem Tisch zusammen und begann sie sorgfältig zu falten. Als sie die Hemden ausschlug, kam ihr plötzlich ein angenehmer Geruch entgegen. Der Duft erinnerte sie an einen herbstlichen, frischen Wald und sie kam nicht darum herum einen tiefen Atemzug zu nehmen. Lächelnd faltete sie das Hemd zusammen und legte es zu den anderen. Warum brauchte er denn eigentlich so lange? In dieser Zeit hätte sie sich schon tausendmal umgezogen! Sie streifte in seinem Zimmer umher um nach irgendeiner Beschäftigung zu suchen, als sie plötzlich auf der kleinen Kommode einen Brief entdeckte. Er war noch ungeöffnet und es stand kein Absender darauf, doch er war klar adressiert. „An Legolas Grünblatt Prinz von Düsterwald", stand in großen Lettern mit einer schwungvollen und feinen Schrift geschrieben. Sie schluckte. War das wirklich Legolas, der Prinz von Düsterwald, Thranduils Sohn, der sich gerade im Nebenzimmer umzog während sie seine Kleidung zusammenfaltete? Zu Hause in Telorean wollte sie ihn unbedingt kennen lernen, falls er sich ebenfalls zu der Zeit in Bruchtal aufhalten sollte doch sie hätte nie vermutet, dass sie ihn wirklich treffen würde. Und vor allem nicht so! Sie nahm den Brief in die Hand um ihn noch mal genau anzusehen. Hatte sie sich wirklich nicht verlesen? Sie drehte ihn in ihren Händen hin und her. Genau in diesem Moment trat Legolas ein. Sie erschrak und versuchte irgendetwas zu finden was ihr Verhalten entschuldigte. „Ähhh... Ihr habt einen Brief bekommen!". „Wirklich?". Ein Glück! Legolas schien ihn noch nicht bemerkt zu haben als sie hereingekommen waren. Eru sei Dank, dachte er jetzt nicht sie würde in seinen Sachen stöbern. Als sie Legolas so betrachtete, fiel ihr auf, dass sich Legolas irgendwie verändert hatte. Natürlich! Er hatte sich doch komplett neu angekleidet. Und zwar sehr elegant, denn er hatte sein Haar komplett neu frisiert. Als sie ihn vor einigen Minuten kennen gelernt hatte, sah seine Frisur noch etwas zerzaust aus, aber nun fielen seine langen Haare ohne, das ein Strähne falsch saß, auf seine Schultern nun bedeckten Schultern herab. Über seinen spitzen Ohren waren ein paar Strähnchen raffiniert nach hinten geflochten worden und ein Teil seines oberen Deckhaars hatte er als einen kleinen Zopf nach hinten gebunden. Er trug ein grünes Hemd, das mit feinen Stickereinen versehen war und darüber eine dünne ärmellose Weste. Doch das was ihr am ungewöhnlichsten vorkam, war, dass er ein Krönchen trug. Ein Krönchen! Sie musste sich schmerzhaft ein Lachen verkneifen. Das gab es in ihrer Heimat nicht! Dort trug niemand eine Krone. Noch nicht einmal der König. Aber sie wusste ja schon, dass hier alles etwas anders von Statten ging. Sie konnte sich dennoch ein freches Grinsen nicht verkneifen, als sie Legolas sah wie er seinen kleinen Haarschmuck vor dem Spiegel zurechtrückte. Auch Legolas fiel es auf, das Sie ihr Aussehen verändert hatte. Ihm gefiel es sehr, dass sie die Haare offen trug. Ihre feinen Haarsträhnen umrandeten nun völlig ihr Gesicht, und ließen es älter und reifer wirken. Es verlieh ihr so ein sehr verführerisches Aussehen. „Ihr solltet die Haare öfters offen tragen!". Es war wohl eher intuitiv, dass er das sagte, denn sie kannten sich nun erst seit ca. einer halben Stunde und es war wohl der falsche Augenblick um ihr Ratschläge zu ihrem Äußeren zu geben. Das dachte sie wohl auch, denn sie antwortete keck: „Woher wollt ihr wissen, dass ich sie nicht öfters offen trage. Woher wollt ihr überhaupt etwas von mir wissen. Wir kennen uns doch erst seit ein paar Minuten.". So plump wie es rüberkam hatte sie es eigentlich nicht gemeint und sie bereute es sofort, doch Legolas antwortete geschickt: „Das ist mir bewusst, doch fiel es mir sofort auf. Ihr seht einfach zauberhaft aus!" Damit hatte sie jetzt nicht gerechnet! „Ohh.... Äh.... Danke!". In diesem Moment wirkte sie wie ein schüchternes kleines Mädchen, als Legolas sie so anlächelte. Etwas verzweifelt suchte sie nach passenden Worten, aber dann, um eine peinliche Stille zu vermeiden sagte sie rasch. „Doch Ihr seht auch sehr hübsch aus.". Sie hätte sich am liebsten auf die Zunge gebissen. So was sagt man doch nicht einem elbischen Prinzen mitten ins Gesicht. Doch Legolas lächelte sie nur herzlich an, als er ihre Reaktion bemerkte, und sagte: „So nun wird es aber Zeit. Wenn ihr fertig seid könnten wir ja nun los." Sie hatte es wieder total vergessen. Ach ja natürlich, das Essen! „Natürlich. Nach euch.". Legolas grinste. Er erinnerte sich nun wieder daran, dass sie den Weg nicht wusste und so schlichtweg auf ihn angewiesen war.
Als sie so durch die Gänge schlenderten, ergriff sie wieder das Wort und fragte mutig: „Seid ihr wirklich Legolas, Thranduils Sohn?". Legolas sah sie mit großen Augen an. „Woher...?". „Ich habe euren Brief gesehen." „Ach ja, ich vergaß. Jetzt habe ich ihn mir noch nicht einmal angesehen. Aber das hat ja noch Zeit. Jetzt müssen wir nur noch schnell zum Speisesaal kommen.". Aber sie fragte weiter, denn sie war schrecklich neugierig und wollte mehr über ihn erfahren. „Seid ihr auch wegen Aétherons Versammlung hier, oder was führt euch nach Bruchtal?". Er sah sie verwundert an. „Oh! Seid ihr auch deswegen hier? Das hatte ich gar nicht gedacht. Aber ja, ich bin wegen der Rates gekommen und bin schon sehr gespannt was es denn für so wichtige Neuigkeiten zu berichten gibt." „Warum seid ihr denn verwundert, dass ich ebenfalls zu diesem Treffen eingeladen wurde?", erwiderte sie trotzig. „Es sind immer ein paar Leute aus jedem Volk und Stamm anwesend und ich, mein Vater und noch ein paar andere aus Telorean, meinem Heimatdorf, der Hauptstadt Aldrigons, vertreten den Süden von Mittelerde. Seit die Haradrim, nach dem misslungenen Angriff auf Minas Tirith, aus ihrer Heimat Harad geflohen waren, sind wir dabei die Grenzen von Aldrigon weiter auszubreiten, um das nun fast unbewohnte Land zu unserem zu machen und, dass der gesamte Süden endlich als ein Land, als das Königreich Aldrigon, angesehen wird, wie wir es immer wollten." Legolas kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sie kam also von so weit her! Aus dem kleinen Königreich Aldrigon. Aber wie es aussah würde es wohl noch zu einem mächtigen Königreich werden wenn die Aldriger nun das gesamte Reich im Süden einnahmen. Aber wenn Aétheron selbst die Völker aus den kleinsten Ecken Mittelerdes zu sich gerufen hatte, dann musste es ja wirklich etwas Ernstes bei seinem Rat zu bereden geben.
Gerade in diesem Moment kamen sie vor den großen geschlossenen Toren des Speisesaals an. Sie blickten sich an und öffneten fast gleichzeitig die beiden großen Flügeltüren. Sofort schlug ihnen eine gewaltige Geräuschkulisse entgegen und ein leckerer Essensduft stieg ihnen in die Nase. Alle waren so beschäftigt sich zu unterhalten und die leckeren Gerichte zu verzehren, dass sie gar nicht bemerkt wurden. Der riesige Raum lenkte Legolas' gesamte Aufmerksamkeit auf sich, denn er war fast überfüllt mit Leuten verschiedenster Rasse und Abstammung. An den voll besetzten Tischen saßen viele Menschen, Hobbits, Zwerge und natürlich auch Elben. Dieser Raum war gigantisch. Obwohl Legolas schon öfters in Bruchtal gewesen war, war er immer wieder überwältigt von diesem immer anders und sehr prachtvoll geschmückten Herzstück Bruchtals.
Plötzlich merkte Legolas wie sie ihre Hand in seine schloss. Er sah sie an und sie flüsterte: „Ich muss jetzt zu meinem Vater."Sie blickte in eine Ecke, wo an einem Tisch ein grimmig aussehender, riesiger Mann saß, der eisern zu ihnen hinüberstarrte. Seine Haare waren so braun wie ihre und wurden von einem ledernen Stirnband aus seinem Gesicht gehalten. Seine eisblauen Augen wirkten wie gefroren als er Legolas so anstarrte. Außerdem trug er ein feines Kettenhemd, was Legolas beim Essen nicht sehr angebracht fand. Er merkte wie sich ihre Hände wieder lösten und er blickte sie an. Sie lächelte ihn an, als sie ihm zuflüsterte: „Es hat mich sehr gefreut euch kennen zu lernen aber ich muss jetzt wirklich gehen." Sie wandte sich ab und wollte gehen, als Legolas fest ihren Arm ergriff und sie dadurch nah vor sich zog. Sie merkte seinen leichten und warmen Atem in ihrem Gesicht. „Bitte! Sagt mir wenigstens noch euren Namen." Sie schaute ihn an und antwortete stolz: „Ich bin Ruleila, Tochter von Gliêliras, aus Telorean im Königreich Aldrigon. Und nun lebt wohl. Ich hoffe, dass wir uns bald wiedersehen." Mit diesen Worten ging Ruleila nun und Legolas sah ihr noch lange nach bis er sich schließlich auf die Suche nach seine Freunden Gimli und Aragorn machte.
Doch Ruleilas Vater, Gliêliras, war nicht der einzige der sie beobachtet hatte. An einem Tisch nicht weit vom Eingang entfernt, saß Gilodwen, die mit finsterem Blick jede Bewegung Ruleilas verfolgt hatte.
Also ich hab Elrond einfach mal einen Bruder (Aétheron) gegeben obwohl er eigentlich nur einen mit Namen Elros hat aber... na ja, das ist ja die künstlerische Freiheit.
