RavannaVen: aber nach dem ersten Kapitel is es nur immer so schwer schon eine Meinung abzugeben. Da hast Du absolut recht. Entschuldige. :) Vielen Dank für Deinen Review und...hier ist es schon, das nächste Update!

Megchen: Ich LIEBE deinen James Norrington! Und an Juliets Stelle wäre ich gerne, allerdings wäre das dann bestimmt keine 'platonische' Ehe...lassen wir das ;-)
lol Wir sind ja erst am Anfang! Abwarten. Vielleicht bleibt's ja nicht ganz so platonisch! gg

3. Kapitel

"Gillette, kommt mit!" befahl James, während er schnell die Treppen hinunter ging.

Er lief an dem überraschten Captain vorbei und griff nach seinem Hut, ohne seinen Schritt dabei auch nur zu verlangsamen. Gillette folgte seinem Vorgesetzen hastig, wohl wissend, daß er jetzt lieber nichts anderes sagte als einfach nur: "Ja, Sir."

Auf der Straße angekommen schlug James die Richtung zum Verlies ein, einen sehr verwunderten Gillette hinter sich.

"Öffnet die Zelle! Gillette, legt ihm die Eisen an!"

Gillette gehorchte als er langsam begann zu begreifen, was der Commodore plante.

"Einen Moment mal!" protestierte Finch, der die Treppen herunter getrampelt kam. James wandte sich mit kühlem Blick um.

"Was ist?"

"Was wollt Ihr mit Sparrow?" verlangte der Lieutenant zu wissen, als er – ziemlich dicht vor Norrington – anhielt. Finch versuchte offensichtlich einschüchternd auszusehen, aber da er noch immer nach Atem rang, schlug das gründlich fehl.

"Gouverneur Winter will ihn hängen sehen. Gleich."

"Der Galgen ist nichtmal halb fertig."

James lächelte süffisant.

"Wozu einen Galgen? Es reichen ein Seil und ein Balken. Raus mit ihm, Gillette!"

"Dürfte ich vielleicht auch noch etwas dazu anmerken?" mischte sich Jack mit sanft schmeichelnder Stimme ein. "Es ist vielleicht besser, mich ganz mit einem ganzen Galgen zu hängen, als nur halb mit einem halben. Ihr könnt Euch doch solange auf ein Pläuschchen zu mir setzen. Wir reden über alte Zeiten, verlorene Schlachten..."

"Ich habe nicht verloren," sagte James ruhig. "Gillette, wir gehen!"

"Vorwärts, Sparrow!"

"Captain Sparrow! Soviel Zeit muß sein."

Der Commodore und die beiden Captains liefen an dem hilflos vor sich hin jammernden Finch vorbei. Er konnte weder Winter's Anordnungen widersprechen und das Hängen einfach stoppen lassen, noch konnte er sich beschweren, daß Norrington seine Pflicht erfüllte. Finch wußte, daß der Commodore irgendetwas vor hatte, aber er wußte nicht, was er dagegen tun konnte.

"Wenn Ihr mir nicht traut, Lieutenant, fragt nach bei Gouverneur Winter."

James folgte Jack und Gillette.

Oben angekommen liefen sie zügig, aber nicht übertrieben schnell über einen freien Platz, Richtung Dorfschmiede.

"Ich zähle hier viele Balken, Commodore," sagte Jack. "Sucht Ihr einen besonders schönen für mich?"

"Seid still!"

"Nun, das ist ja auch das mindeste, was Ihr für mich tun könnt, nicht wahr? Nach allem, was passiert ist. So wie ich Euch geholfen habe..."

"Es spricht eigentlich nichts dagegen, daß wir ihn gleich hier erschießen, oder, Sir?" erkundigte sich Gillette.

James unterdrückte ein Lächeln.

"Nein, eigentlich nicht, Captain."

Sie machten in einer unbelebten Seitengasse halt.

"Ah...Moment!" Jack wurde nun doch etwas unwohl. Bis jetzt hatte er den Commodore immer recht gut einschätzen können. "Ihr wollt doch nicht wirklich..."

James zog seine Waffe und richtete sie auf den mehr als verblüfften Gillette.

"Verschwindet!"

"Sir, was...?"

"Gillette, Ihr seid ein fähiger Captain und ich glaube, ich darf es wagen, Euch als guten Freund zu betrachten. Ich bin gerade im Begriff, einen Akt der Piraterie zu begehen, aber es besteht kein Grund, Euch da mit hineinzuziehen. Ihr habt noch eine glänzende Karriere vor Euch. Verschwindet! Ich habe Euch mit Waffengewalt dazu gezwungen, einem Verbrecher zur Flucht zu verhelfen. Niemand wird Euch anklagen."

Der Captain überlegte einen Moment.

"Nein, Sir."

"Gillette,..."

"Eure Worte ehren mich, Sir, und ich bin nicht sicher, ob eine so hohe Meinung von mir gerechtfertig ist. Wir dienen schon so lange zusammen, Sir, und bis jetzt hatte alles, was Ihr je getan habt, Hand und Fuß. Auch wenn ich Eure Vorgehensweise nicht immer verstehe, so habt Ihr mich doch nie enttäuscht. Ich vertraue Euch. Mit meinem Leben. Und egal, wo Ihr hingeht, ich werde Euch folgen."

"Gillette, überlegt Euch das gut! In den Augen Großbritanniens begehen wir damit Hochverrat."

"Dann soll es so sein."

James sah ihn lange an, dann steckte er die Pistole ein.

"Informiert so viele Leute wie ihr finden könnt, Gillette! Unsere Leute! Macht ihnen klar, worauf sie sich einlassen! Ich verurteile niemanden, wenn er hierbleiben möchte. Wir sammeln uns bei Will Turner."

"Aye, Sir!"

"Fürchtegott, Ihr seid der wunderlichste Pirat, den ich je gesehen hab'," brachte Jack mit einem Grinsen hervor und musterte James von oben bis unten. "Und ich dacht immer, ihr würdet der englischen Fahne dienen, bis Ihr klein und schrumpelig seid und diese gräßlichen Perücken endlich aus der Mode gekommen sind. Stattdessen bietet Ihr mir an, mir auf meinem Schiff zu dienen. Ich bin gerührt."

Er wischte sich eine nicht vorhandene Träne aus den Augenwinkeln. James sah ihn kühl an.

"Wer hat etwas von Eurem Schiff gesagt, Pirat? Ich biete Euch gar nichts an. Ich bringe Euch zurück zur Black Pearl und dann bete ich zu Gott, daß ich Euch nie wiedersehen werde."

"Und was passiert mit Port Royal? Mit Gouverneur Winter?"

"Das ist allein meine Sache. Haltet Euch da raus! Ich bin vielleicht kein Offizier der Krone mehr, aber ich bin noch lange nicht wie Ihr!"

Jack beugte sich so weit zu ihm, daß ihre Nasen sich fast berührten.

"Gebt es doch endlich zu! Im Grunde Eures Herzens liebt Ihr mich. Ihr habt die Piraten doch nur so hart verfolgt, weil tief drinnen in Eurem Herzen auch ein kleiner – perücketragender – Pirat – lebt!"

Er tippte bei jedem einzelnen Wort gegen die Brust des Commodores. Dann wandte er sich mit einer weichen Schlenkerbewegung auf dem Absatz um und sah James über die Schulter hinweg fragend an.

"Gehen wir?"

James erwog einen kurzen Moment lang, ihn doch einfach kurzerhand zu erschießen.

"Bleibt stehen!"

Die Worte waren nichtmal besonders laut, aber in ihnen schwang ein so elementarer Zorn mit, daß Jack es diesmal vorzog, doch lieber zu gehorchen. James atmete tief durch. Er schob sich an Jack vorbei und spähte vorsichtig aus der Gasse. Keine Soldaten zu sehen.

"Jetzt gehen wir. Los! Vorwärts!"

"Es käme mir auch nie in den Sinn, rückwärts zu gehen."

James warf ihm einen entnervten Blick zu und Jack zuckte nur die Schultern.

"Naja."

Sie setzten sich fast zeitgleich in Bewegung und eilten die menschenleere Gasse entlang. Die gerade einsetzende Dämmerung gab ihnen ein wenig Schutz vor neugierigen Blicken und schon bald hatten sie unentdeckt die Schmiede erreicht. James wollte die Tür öffnen, doch seine Finger griffen ins Leere und sie sahen sich einem völlig verdutzten Will Turner gegen-über, der von einem zum anderen blickte und nicht verstand, was er da sah.

"Ja, du hast es begriffen!" strahlte Jack. "Sie wollen mich hier hängen. Können wir reinkommen?"

James wartete erst gar nicht eine Antwort ab, sondern schob Jack und Will einfach zusammen in den Raum, sodaß sie mit den Nasen zusammen stießen.

"Küßchen gibt's später," murmelte Jack und schlüpfte an Will vorbei, während James die Tür hinter ihnen verschloß.

"Ich...ich wollte gerade zu deiner Rettung eilen," meinte Will nur, immer noch total verwirrt. "Was ist passiert?"

"Der edle Fürchtegott vom Gemüsemarkt ist dir zuvor gekommen."

"Wenn schon, dann bitte Commodore Fürchtegott vom Gemüsemarkt," sagte James trocken. Einen Moment lang konnte Jack ihn nur völlig entgeistert anstarren. Will nutze die Gunst des Augenblicks und fragte: "Ah...was?"

Jack fing sich wieder.

"Was ich damit sagen will, ist..."

Jack lief hinüber zum Amboß und ging davor in die Knie, um die Kette seiner Handschellen darüber zu spannen. Er nickte Will auffordernd zu und der ergriff stirnrunzelnd einen seiner Schmiedehammer und einen Meißel.

"Ja?" fragte er, bevor er sich ans Werk machte.

"...daß du jetzt nicht weniger als zwei Piraten bereitwillig in dein Haus aufgenommen hast." Jack nickte ihm erneut auffordernd zu, doch Will sah nun den Commodore überrascht an.

"Ihr habt gemeutert?"

"So würde ich das vielleicht noch nicht formulieren, denn meutern kann man ja nur auf einem Schiff, aber man könnte sagen, ich bin...desertiert. Außerdem habe ich einem Verbrecher zur Flucht verholfen und stifte meine Männer zu einer Art...stillen Revolution an. Mit anderen Worten, Sparrow hat durchaus recht. Ich bin mehr oder weniger ein Pirat."

"Und was habt Ihr jetzt vor?"

"Ich verlasse erstmal Port Royal, mit allen, die mit wollen."

"Und dann?"

"Und dann überlege ich mir, wie ich Gouverneur Winter zum Teufel jagen kann."

"Ah, Will," mischte sich Jack etwas ungeduldig ein. "Würdest du vielleicht...?"

Er wies mit dem Kinn auf die Kette seiner Handschellen. Will setzte den Meißel an und hob die Hand mit dem Hammer, ließ sie dann aber wieder nachdenklich sinken.

"Ihr wollt Port Royal also verlassen. Wollt Ihr damit sagen, daß Ihr auch noch ein Schiff kapern wollt?" fragte er James mit einem leichten Grinsen.

"Nein." James lächelte dünn. "Das überlasse ich Euch."

"Mir?" Will sah ihn unschuldig an. "Was bringt Euch auf die Idee, ich würde Euch begleiten?"

James verschränkte die Hände auf dem Rücken und wandte sich ab.

"Nun, Ihr könnt natürlich auch in Port Royal bleiben und Eure Waffenlieferungen mit Winter aushandeln."

"Will!" rief Jack. "Erlöse mich von diesen Ketten oder ich schwöre dir, ich erwürge dich damit!"

Will hob den Hammer erneut, doch auch diesesmal hielt er in der Bewegung inne.

"Mir fällt gerade ein, wenn ich das tue, dann werde ich mit euch mitkommen müssen. Denn dann habe ich einem Piraten auch noch zur Flucht verholfen."

"Und das kannst du natürlich nicht mit deinem Gewissen vereinbaren, bla, bla," brummte Jack. "Könntest du jetzt bitte endlich dein Leben ruinieren wie du es schonmal getan hast?"

Will grinste breit und Funken stoben, als die Kette gespaltet wurde.

"Willkommen zurück in der Welt der Piraten!" rief Jack fröhlich und klopfte ihm auf die Schulter. "Ich hab' dich schon beinahe vermißt."

A/N: Für alle Reviews sind wir wirklich dankbar. Kritik ist natürlich auch willkommen. I.