A/N:

Megchen: Da bin ich jetzt aber mal gespannt, wie weit die beiden mitfahren werden und wie Governor Winter darauf reagieren wird, wenn plötzlich ein Großteil seiner Untergebener und ein Gefangener in Port Royal fehlen! Da hilft nur eins: weiterschreiben ;-)

breit grinst

RavannaVen: hey du, sorry dass ich erst jetzt reviewe (bzw, dass du zum letzten Kapitel keine Rückmeldung von mir bekommen hast), aber ich habs irgendwie verpeilt (wie so einiges in letzter Zeit übrigens).

Kein Problem. :) Hauptsache, Du liest überhaupt weiter. Egal, wann!

Ich finde die Geschichte echt klasse. Obwohl einige (z.B. Norrinton) doch ziemlich von den gewohnten Bahnen abweichen, erscheinen sie nicht OOC. Das muss man erstmal hinkriegen. :-)

VIELEN Dank! Ein schöneres Kompliment hättest Du uns nicht machen können. Gerade ich habe ab und zu echt Schwierigkeiten damit, im Charakter zu bleiben. Ist gar nicht so einfach, das kann ich Dir flüstern!

Du hast ohnehin ziemlich interessante Chars eingebaut.

Danke. Wir zittern immer wieder, ob die "Neuen" gut ankommen oder nicht. Schön, daß sie Dir gefallen.

Telepmauriel: Bisher gefällt es mir wirklich richtig gut und ich hoffe mal, ich muss nicht zu lange auf das nächste Kapitel warten ;)

Hallo! :) Es freut uns, daß Dir unsere Story gefällt. Und ich kann nur nochmal wiederholen, was ich die ganze Zeit schon allen hier erzähle: Wir geben uns Mühe, aber leider haben wir nicht so viel Zeit wie wir gerne hätten! Wenn es also mal ein bißchen länger dauert, bitte nicht sauer sein.

Und jetzt auf zu neuen (Un-) Taten! :) I.


6. Kapitel

Captain Jack Sparrow als ihren Befehlshaber anzuerkennen, schien den Soldaten mehr als schwer zu fallen. Doch sie rissen sich Commodore Norrington zuliebe zusammen, denn sie wussten, wie viel davon abhing, dass alles möglichst reibungslos vonstatten ging. Dennoch konnten einige sich das ein oder andere Murren oder Zähneknirschen nicht verkneifen. Lediglich Murtogg und Mullroy schien es nichts auszumachen, dem Piraten auf Schritt und Tritt zu folgen. Sie waren die einzigen, die Jack so etwas wie stille Bewunderung entgegenbrachten.

Und dann war da noch Will, den eine enge Freundschaft mit dem Piraten zu verbinden schien, denn die beiden waren derart gut aufeinander eingespielt, dass sie kaum ein Wort brauchten, um sich zu verständigen. Ein Blick oder ein kurzes Handzeichen genügte und jeder von beiden wusste, was der andere meinte oder wollte.

Marian fragte sich, was wohl die beiden einst zusammengeführt hatte, denn unterschiedlicher konnten sie gar nicht sein. Soweit sie Will kannte oder auch von ihm gehört hatte, war er ein sehr prinzipientreuer, anständiger, junger Mann, der sehr viel auf moralische Werte und edle Gesinnung gab und er wusste sich dafür einzusetzen und zu kämpfen. Dieser Jack Sparrow jedoch schien durch und durch durchtrieben zu sein. Marian bezweifelte, dass es für ihn überhaupt Werte gab, an denen es sich lohnte festzuhalten, dass diese dann irgendetwas mit Tugend und Moral zu tun hatten, stand völlig außer Frage. Allein seine äußere Erscheinung ließ darauf schließen, dass er eine Mensch war, der sich gern gehen ließ. Von seinem unbändigen Haarwuchs und den funkelnden schwarzen Augen bis zu den weiten Schaftstiefeln war er ganz und gar Pirat und ihm war anzusehen, dass er das wilde, ungezügelte Leben in den vollsten Zügen genoss. Er stand für das, was Menschen wie Will Turner eigentlich zutiefst verabscheuen mussten: rücksichtsloser, ausgelebter Egoismus; ein Leben, dass das Wohlergehen anderer nur einschloss, wenn das eigene nicht gefährdet war.

Dennoch bestand da ein festes Band der Freundschaft zwischen diesen Männern und Marian hatte sogar den Eindruck, dass Will verändert war, seit er die Gesellschaft von Jack Sparrow genoss. Er wirkte nicht mehr so verkrampft anständig und brav, sondern hatte plötzlich ein kämpferisches, fast rebellisches Funkeln in den Augen, das Marian noch nie zuvor bei ihm entdeckt hatte.

Welche Geschichte auch immer diese Männer verband, sie nahm sich vor, ihr auf die Spur zu kommen. Vielleicht konnte sie daraus ein Vorteil für sich selbst gewinnen.

Marian war so tief in ihre Gedanken versunken, dass sie gar nicht bemerkte, wie ihr Trupp an einer Ecke zum Stehen kam. Sie stieß mit ihrer Nase schmerzhaft gegen den Rücken ihres Bruders.

"Pass doch auf!" brummte der ihr zu und wandte sich wieder zu Jack Sparrow um, der den Männern etwas erklärte.

Marian hielt sich die schmerzende Nase und widerstand der Versuchung, ihrem Bruder einfach in den Hintern zu treten.

"...deswegen besser, wenn Will und ich vorlaufen, um nachzusehen, ob die Luft rein ist", sagte Jack gerade. "Wir geben euch dann ein Zeichen."

Erst jetzt bemerkte Marian, wo sie waren. Nicht weit von ihnen entfernt lag die Brücke, die zu den Anlegestellen der großen Schiffe führte. Sie mussten nur die gut beleuchtete Straße überqueren, um dorthin zu gelangen und sich also für einen kurzen Moment der Gefahr aussetzen, entdeckt zu werden.

Sie hielt automatisch die Luft an, als Will und Jack aus dem Schutz der dunklen Gasse huschten und für wenige Sekunden gut sichtbar über die Straße eilten, um dann im Graben unter der Brücke zu verschwinden. Alles blieb ruhig und Marian atmete erleichtert aus.

Es dauerte nicht lange und das erwartete Signal ertönte. Der restliche Trupp setzte sich sofort in Bewegung. Marians Herz klopfte zum Zerspringen, als auch sie die Straße überquerten, doch schließlich gelang es ihnen, zu Will und Jack zu stoßen, ohne bemerkt zu werden.

Das Blitzen von Goldzähnen in der Dunkelheit, sagte ihr, daß der Pirat schon wieder grinste.

"Sehr schön, sehr schön", murmelte er. "Aus euch mache ich noch richtig gute Piraten!"

Ein missbilligendes Gebrumme tönte durch die Menge.

"Ja,ja, ich weiß, das dauert seine Zeit. Seid nicht so ungeduldig!" Er hob beschwichtigend die Hände. "Wir werden jetzt Folgendes tun: Jeweils zehn Mann teilen sich eines der Bötchen, die dort drüben - " ,er wies auf den in der Nähe liegenden Strand, " – auf uns warten. Wir lassen eine Gruppe nach der anderen zur "Intrepid" rudern. Seid so leise wie möglich. Wenn ihr etwas Verdächtiges hört, hört auf zu rudern und duckt euch. Will und ich bevorzugen normalerweise einen noch unauffälligeren Weg, um auf eine Schiff zu kommen, aber das ist bei so vielen Männern natürlich nicht möglich."

Sein Blick fiel auf Marian und Juliet.

"Und zwei Frauen", setzte er schnell hinzu. "Will, Dominic und ich werden mit den Frauen zuletzt übersetzen. Der Rest kann sich aufteilen, wie er will. Husch, husch, na los!"

Es dauerte nur ein paar Minuten, bis sie die übrigen Gruppen zusammengestellt hatten und die ersten unter dem Schutz der Nacht zu den Booten eilten. Eine Gruppe nach der andern setzte ihr Boot fast lautlos ins Wasser und begann ungesehen zur "Intrepid" hinüber zu rudern.

"Gar nicht so schlecht", murmelte Jack zufrieden, als auch die letzte Gruppe ihr Boot zu Wasser gelassen hatte. "Aber ich sage ja immer: Man kann aus fast jedem einen halbwegs anständigen Piraten machen."

Er grinste zu Will hinüber. "Und manchem liegt es sogar richtig im Blut!"

Marian runzelte irritiert die Stirn und zwar nicht nur, weil der Pirat eindeutig Will gemeint hatte, sondern weil sein Blick danach einen Moment an Juliet hängen geblieben war. Doch sie hatte keine Zeit weiter darüber nachzudenken, denn Jack nickte ihnen kurz zu und sie waren an der Reihe, zu den Booten zu eilen.

Sie raffte ihre Röcke, um nicht versehentlich darüber zu stolpern und versuchte mit dem Tempo mitzuhalten, das Jack Sparrow vorlegte, was gar nicht so einfach war, denn der Pirat war erstaunlich schnell und wendig, seine eigenartigen Gleichgewichtsprobleme waren wie weggeblasen. Andererseits besaßen die Männer natürlich immense Vorteile, da sie weder von einem engen Korsett beim Atmen behindert wurden, noch schwere und hinderliche Zentnerröcke mit sich schleppen mussten.

Als sie das Boot erreicht hatten, waren Juliet und sie ziemlich außer Atem, während Jack noch genug Luft für ein leises Lachen hatte.

"Sollen wir euch in das Boot heben oder habt ihr noch genügend Kraft und Atem, um allein hineinzusteigen?" erkundigte er sich mit einem breiten Grinsen, als er und die anderen beiden Männer das Boot ins Wasser geschoben hatten.

Juliet schenkte ihm ein falsches Lächeln, zog kurzerhand ihre Röcke bis zum Knie hoch und kletterte behände in das Boot, ohne auch nur Jacks dargebotene Hand anzusehen.

Marian grinste in sich hinein und tat es ihrer Herrin nach. Manchmal war ihr die junge Frau direkt sympathisch. Es war wirklich anstrengend sich einzureden, dass sie nur eine von "denen" war und sie sie nicht mögen durfte.

Als alle im Boot saßen, begannen Will und Jack sofort leise loszurudern. Und selbst das schien in Marians Ohren noch viel zu laut. Sie sah nervös hinüber zur "Intrepid", die noch ein gutes Stück von ihnen entfernt war. Sie wusste, dass dieses Schiff schwer bewacht wurde und fragte sich, ob der Plan des Piraten überhaupt so durchdacht war, wie alle glaubten. Vielleicht hatten sie bisher einfach nur Glück gehabt, dass keiner sie gehört hatte. Vielleicht schliefen die Soldaten gerade und einer von ihnen wachte just in dem Moment auf, wenn sie an das Schiff heranruderten.

Ein leichter Schauer rann über Marians Rücken. Sie wollte gar nicht daran denken, was dann passierte. Natürlich würde man eher zögern eine Adlige hinzurichten als ihre Bedienstete. Und wenn sie dann auch noch das Diebesgut bei Dominic entdeckten,...

Sie warf einen unsicheren Blick auf ihren Bruder, dessen Gesicht vor Abenteuerlust zu glühen schien. Ja, er trug den dicken Beutel noch bei sich und ganz dicht bei ihm saß Juliet, die mit besorgtem Blick zur "Intrepid" sah, die sich nun riesig vor ihnen in den nachtschwarzen Himmel reckte.

Diese ganze Geschichte war einfach verrückt! Sie würden nie und nimmer heil da herauskommen. Irgendetwas würde schief gehen, das sagte ihr das dumpfe, drückende Gefühl in ihrem Bauch. Und so als ob sie nach dem Unglück gerufen hätte, ertönten nun Stimmen an Bord der "Intrepid", oder war es davor?

Jack und Will hielten mit dem Rudern inne und ließen das Boot lautlos weiter auf die anderen zu gleiten, die sich auf einer Seite des riesigen Schiffes versammelt hatten. Der Pirat gab den anderen schon vom Weiten das Zeichen sich zu ducken, doch dies war gar nicht nötig, da die meisten es schon von alleine taten.

Marians Herz klopfte bis zu Hals, als sie ihren Kopf auf ihre Knie legte, um sich so klein wie möglich zu machen. Sie konnte hören, wie es einen größeren Tumult auf dem Steg vor dem Schiff gab und dann das Gepolter von mehren Männern, die im Eiltempo den Steg hinunter rannten. War das ein gutes Zeichen oder ein schlechtes?


A/N: Und...????? I.