Als ich ihn zum ersten Mal sah, wusste ich schon von dem Fluch. Und ich gestehe, ja, ich gestehe, ich habe ihn deswegen aufgesucht. Ich wollte sehen, wer von den Göttern so verdammt war, mit eigenen Augen sehen, wie jemand aussieht, auf dem solch eine Prophezeiung lastet.

Und er sah so unschuldig aus... ich konnte nicht anders, ich legte mich auf die Lauer und beobachtete ihn, und ich ergötzte mich an seinem Anblick.

Er war mit der Natur verwoben und ein Teil der Ruhe, die sie ausstrahlte. Und dabei sah er aus wie einer der Knaben, die Zeus selbst auf den Plan gebracht hätten, in Form eines Adlers zum Beispiel, der sich herabschwingt und den Knaben auf ewig zum Mundschenk im Olympos macht. Und zum unsterblichen Geliebten.

Aber ich war weit davon entfernt, ein Gott zu sein, wenngleich die Legende es mir andichtet, der Sohn einer Göttin gewesen zu sein. Sie mag göttlich schön gewesen sein und man sagte mir lange nach, auch ich sei von enormer Schönheit gewesen, doch sie war keine Göttin und mein Vater war kein Zeus und ich war damals nichts weiter als ein verliebter junger Mann, der einen anderen jungen Mann beobachtete, bäuchlings an einem Hang liegend und die Natur fühlend.

Manchmal dachte ich, seine braunen Augen haben mich längst entdeckt, doch es war nur die Sorge um seine Herde, die ihn immer wieder in meine Richtung sehen ließ. Er sah mich nicht, und das war gut so, damals.

Ich schlich mich wieder weg, um am nächsten Tag zurückzukehren. Längst hatte ich herausgefunden, dass er nicht alleine war, doch es focht mich nicht an, denn ich fühlte mich, als sei eine Fackel in mir zum Brande gekommen und mit leichtem Unbehagen dachte ich an die Prophezeiung zurück, die mit diesem jungen Manne verbunden war.

Mich hatte die lodernde Fackel längst entzündet.