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Und die kühnsten Träume
kamen und suchten Hektor heim, jede Nacht, die Zeus werden ließ.
Träume von diesem blonden Frevler, Träume einer Art, wie sie Hektor nie hatte
und nie hatte haben wollen, und mehr und mehr wurde er schlaflos und versuchte
den Träumen zu entgehen, indem er wachte.
Er scheuchte die Bilder weg, die ihn in die Arme eines Gegners trieben, die ihn
den harten Mund auf seinem spüren ließen, die gnadenlosen gestählten Arme um
sich geschlungen, das Ringen um Vorherrschaft, wie sie sich über den kalten
Steinboden eines geschändeten Tempels wälzten, übereinander, ineinander....
Schweißgebadet wachte Hektor wieder auf und flüchtete auf die Zinnen Trojas, um
auf das Griechenlager herunter zu sehen.
Achilles.
Es konnte und durfte nicht sein, dass die Götter so rachsüchtig waren und ihm
solche Träume schickten.
Was hatte er getan?
War das die Rache für den Raub der Helena?
Wurde er statt seines Bruders bestraft, hatte ihn Hera verflucht und Athene,
weil sein unreifer Bruder die Aphrodite wählte statt der anderen?
Alles war in den Händen der Götter und er vergrub seinen Kopf in den Händen,
schloss die Augen, um wieder und wieder in die blauen Augen des
Myrmidonenkönigs zu sehen.
Achilles von Pthia.
Hektors Schritte waren nicht die Seinen, als er sich in ein dunkles Gewand
hüllte, das Gesicht mit einer Kapuze verborgen, und durch einen geheimen Gang
die schützenden Mauern Trojas verließ.
Es waren nicht die Seinen, er ging, wie an Fäden gelenkt, und schlich sich zu
den Zelten der Myrmidonen.
Das größte musste das Achilles' sein.
Und er verweilte im Schatten einer mondlosen Nacht, kauernd im Sand, vor dem
Zelt.
