Stirb nicht für mich,
höre ich dich sagen, und du bist so stark, so groß, so warm.... ich hab dich
von jeher geliebt, Hektor, mein großer Bruder, und nie war meine Liebe so rein,
wie sie unter Brüdern hätte sein sollen, ich weiß es.... ich weiß es ja, aber
zu sehr verlangte mich nach deinen Armen, nach deiner starken Brust, nach
deinen Schultern, deinem Geschlecht.... ich sah in dir immer das, was ich gerne
selbst gewesen wäre, und doch ist es gut, dass ich nicht bin wie du... sonst hättest
du mich nicht begehrt, sonst wäre es mir nicht gelungen, dich in mich verliebt
zu machen. Ich weiß, dass ich schön bin wie ein Mädchen und das ist es, was
dich so rührt - meine Zartheit, meine Schwäche. Ja, komm, schütze mich, großer
Bruder, lege deine Arme um mich und schütze mich. Wie früher, als wir noch
Kinder waren.... da warst du mein Beschützer... und dann erkannte ich, wie sehr
ich dich liebte und meine aufkeimende Männlichkeit ließ in meinen Träumen
keinen Zweifel mehr daran, wen ich wollte, in wen ich verliebt war, wem ich
mich hingeben wollte...
Du siehst mich an, mit diesen wundervollen braunen sanften Augen und ich küsse
sie, alle beide, ich lasse sie tief in meine Seele einbrennen und dann muss ich
dich haben... ich gleite an deinem Körper herab und bedecke dich mit Küssen,
bis ich an den Mittelpunkt deiner Lust gerate, der sich mir begierig
entgegenreckt. Und ich lasse meine Zunge darüber gleiten, so wie du es magst,
zunächst ganz sanft, dann schlage ich meine Lippen darum, und dann werde ich
fordernder, lecke und sauge an dir, weil ich dich schmecken will... weil ich
schmecken will, was ich zum Teil selbst bin...
ist es Narzissmus, der mich dich lieben lässt, frage ich mich, während ich dich
tief in meinen Mund nehme, ist es der Reiz, einen Teil von sich selbst zu
lieben?
Du bist mein Vorbild, du bist mein Zerrspiegel - nie werde ich sein wie du - du
bist mein Geliebter, mein Bruder....
und als du deine Lust in mich fließen lässt und mir gibst, nach was ich so
dürste, da überfällt mich fast Verzweiflung, bei der Vorstellung, ich könnte
dich eines Tages verlieren.
Ohne dich will ich nicht leben, flüstere ich, als ich auftauche zu deinem
Gesicht, dich noch auf meinen Lippen, und ich küsse dich, wie ein Ertrinkender,
ahnend, dass es nicht mehr lange währen wird.
