Abends lag Amanda noch lange wach in ihrem Bett. Durch die Kerze auf ihrem Nachttisch tanzten kleine Schatten über ihr Gesicht. Sie hatte Angst einzuschlafen, einzuschlafen und diesen furchtbaren Traum wieder zu träumen.
Statt dessen überlegte sie in welcher Weise man ihr wohl die nächsten Schritte mitteilen würde. Und wie lange würde sie warten müssen?
Ein Windhauch pfiff durchs offene Fenster und blies die Kerze aus. Amanda stöhnte vor Schreck auf und hätte im nächsten Moment über sich und ihre Schreckhaftigkeit loslachen können. Aber sie riss sich zusammen um die anderen nicht zu wecken.
Als ihr nach einer halben Stunde immer noch nichts zu der Frage 'Weitere Schritte' eingefallen war kam sie zu dem Entschluss, dass ihr nichts anderes übrig blieb als zu schlafen.
Und es dauerte keine fünf Minuten da war sie auch schon eingeschlafen. Wieder war es ein unruhiger Schlaf, und wieder sah sie das schemenhafte Abbild ihres Vaters. Diesmal sagte er dass Amanda noch lange nicht am Ziel sei.
Dann kamen die roten Punkte die langsam die Form von Augen annahmen, aber diesmal hörte Amanda etwas. Erst ganz leise, doch sowie die Augen größer wurden, so wurde auch das Geräusch lauter. Sie konnte nichts daraus erkennen. Es klang nach dem Züngeln von Schlangen.
Danach durchlitt sie erneut die furchtbare Angst ihre eigene böse Fratze zu sehen und ein Licht. Ein Licht dass einen blendete mit seiner reinen Kraft.
Doch wieder wurde Amanda wach bevor sie irgendetwas erkennen konnte.
Die anderen schliefen noch. Amanda aber, hatte vom Schlafen und Träumen fürs erste genug.
Leise zog sie sich ihren Umhang an und ging hinunter in die große Halle.
Es schien noch ziemlich früh zu sein, denn es waren kaum Schüler zu sehen. An den Tischen der Ravenclaws und Slytherins saßen gerade mal jeweils zwei Leute und bei den Hufflepuffs 3. Amanda blickte zum Gryffindortisch. Eine Person saß da. Als Amanda sich der Person näherte bemerkte sie dass es Harry war. Langsam ging sie auf ihn zu und setzte sich neben ihn. Morgen. Sagte sie und sah ihm in die Augen. Morgen. antwortete er lächelnd. Da sie noch nicht wusste wie der nächste Schritt aussehen sollte, wollte sie einfach weiter machen wie bisher.
Schon so früh auf? Gerade als Amanda das sagte, sah sie den riesigen Klecks Haferschleim auf Harrys Nase und prustete los vor Lachen. Harry sah sie nur verdutzt an als Malfoy auf einmal hinter ihr höhnte. Du siehst heute so gut aus Potter. Hast du was mit deiner Nase gemacht?
Harry, der nun gemerkt hatte was diesen Aufruhr verursacht hat, wischte sich hastig mit dem Ärmel seines Umhangs die Nase ab. Nicht ohne puterrot anzulaufen.
Als Amanda die Stimme hinter sich hörte drehte sie sich um. Sie sah hinauf zu Malfoy und für einen Augenblick trafen sich ihre Blicke. Ohne etwas zu sagen ging Malfoy weiter und setzte sich zu den anderen zwei Gestalten am Slytherintisch.
Der ist immer so. Ganz schöner Schleimer, hu? grummelte Harry.
Was? Amanda sah Harry an als ob sie vergessen hätte dass er da war.
Ist alles in Ordnung mit dir? Harry sah sie besorgt an.
Ja,ja. Es ist alles wunderbar. Was haben wir heute in der ersten Stunde?
Kennst du Hagrid schon? fragte Harry mit einem verschmitzten Lächeln.
Amanda schüttelte nur den Kopf. Na, dann wirst du den Unterricht gleich auf jeden Fall nicht vergessen. Harrys Grinsen wurde noch breiter.
Nachdem beide gegessen hatten und die große Halle schon wesentlich belebter war, schlug Harry vor Hagrid vor dem Unterricht in seiner Hütte zu besuchen.
Auf dem Weg lernte Amanda Peeves kennen der gerade ein paar Tintenfläschchen auf die Erstklässler fallen ließ.
Als sie an Hagrids Hütte angekommen waren klopfte Harry dreimal fest gegen die Tür. Von drinnen war ein Schnauben und Heulen zu hören. Das ist Fang. Hagrids Saurüde. erklärte Harry.
Als Hagrid die Tür nach einer Minute immer noch nicht geöffnet hatte, versuchte Harry mit Rufen sein Glück. Doch auch das half nichts. Wo ist er nur? sein Blick blieb am Verbotenen Wald hängen. Amanda richtete ihren Blick nun auch in die Richtung, um zu sehen was da wohl sein mochte.
Am Waldrand stand ein Mann so groß wie drei. Amanda viel auf dass er sehr haarig war. Das war aber nicht alles was Amanda auffiel, denn viel erstaunlicher als dieser große Mann war der Riese der neben ihm stand. Amanda klappte der Mund auf.
Oh, nein. Was hat er sich dabei nur gedacht? hörte sie Harry stöhnen.
Doch sie sollten nicht die Möglichkeit haben ihn zu fragen, denn schon kamen die anderen Schüler zum Unterricht.
Amanda und Harry erreichten die anderen gerade als Hagrid anfing zu sprechen.
Hallo liebe Sechstklässler. Das ist Grawpy.
Grawpy? Dir ist schon klar dass das kein Pixie ist?! rief Malfoy dazwischen. Eine Gruppe Slytherinmädchen die um ihn herum stand fing lauthals an zu lachen.
Harry nutze das durcheinander um sich zu Ron und Hermine durchzukämpfen. Amanda folgte ihm.
Was hat er sich nur dabei gedacht? fragte Hermine aufgebracht.
Das würd mich auch mal interessieren, Hermine. sagte Harry. Ron meinte nur dass sie das hätten kommen sehen müssen, weigerte sich allerdings näher an den Riesen heranzutreten.
Also, wie ich sagte, das ist Grawp. Er ist ein Riese.
Als ob wir das nicht alle sehen könnten. flüsterte Malfoy und die selben Mädchen lachten das selbe künstliche Lachen.
Eure Aufgabe ist es ihn zu beobachten und aufzuschreiben was euch an seinem Verhalten auffällt. In wie fern unterscheidet er sich von einem Menschen.
Was ist denn das für ne bescheuerte Aufgabe? motzte Ron. Wir müssen wirklich mal ein ernstes Wörtchen mit Hagrid reden. fügte er noch hinzu und rümpfte die Nase.
Der Rest des Tages verlief ohne weitere Zwischenfälle. Sobald der Unterricht beendet war eilten die vier zu Hagrids Hütte. Dort angekommen war es Hermine die anklopfte.
Nach einem Schnauben von Fang und dem Knarren von Holz öffnete sich die Tür. Als Hagrid im Türrahmen stand und auf sie herabblickte wirkte er noch imposanter als zuvor. Zumal diesmal keine Riese neben ihm stand.
Ach ihr seid´s. Brummte er durch seinen Bart. Kommt rein, kommt rein. Mit diesen Worten drehte er sich um holte ein paar Tassen die er auf den Tisch stellte und goss in jede etwas Tee. Während dessen sah sich Amanda fasziniert um.
Der hässliche Hund der an Ron´s Bein schnüffelte musste Fang sein. In einer Ecke hing ein Käfig mit seltsamen kleinen Vögeln. Direkt darunter stand auf einem Tisch eine verschlossene Box die bedrohlich auf und ab hüpfte. Aus jeder Ecke drangen andere Geräusch von Tieren. Am anderen Ende des Raumes strahlte ein kleines Feuer eine angenehme Wärme aus.
Wollt ihr´n paar Kürbisschnitten? Selbst gebacken. fragte Hagrid und deutete den vieren sich zu setzen.
Hermine nahm Platz und sagte: Danke Hagrid, aber ich will mir den Appetit zum Abendessen nicht verderben. Mit einem gespielten Lächeln versuchte sie ihrer Antwort mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen was Amanda ziemlich amüsierte. Aber Hagrid schien mit der Antwort zufrieden und wandte sich nun an die Jungs. Diese schüttelten nur vehement den Kopf und setzte sich schnell. Als Hagrid schließlich Amanda eine seiner selbstgebackenen Schnitten anbot tat er ihr so leid dass sie nicht nein sagen konnte. Sie nahm sich eine und setzte sich neben Harry.
Ähm, Hagrid? Harry sah ihn fragend an. Sag mal,.... wieso? Ähm. Kannst du uns vielleicht erklären was......? Also,....
Hagrid, hällst du es nicht für ein bisschen, sagen wir mal, gefährlich einen Riesen mit in den Unterricht zu bringen? Stellte Hermine an Harrys Stelle die Frage.
Gebannt warteten alle auf Hagrids Reaktion.
Aber Grawpy doch nicht. lachte er. Der würd keiner Fliege mehr was zu leide tun. Hat ne gute Erziehung genossen, wisst ihr?! grinste er Harry Ron und Hermine an.
Dann fiel sein Blick auf Amanda, die gerade verstanden hatte warum die anderen Hagrids Backwerk abgelehnt hatten, und versuchte den zementartigen Brei in ihrem Mund mit Tee wegzuspülen, als ob er gerade erst bemerkt hätte dass sie da ist.
Du must Miss Seditia sein. Er beäugte sie weiter während sie mit dem Zementbrocken in ihrem Mund kämpfte.
Kann es sein dass wir uns schon mal begegnet sind?
Amanda ,die es gerade geschafft hatte zu schlucken und nun wieder Luft bekam, standen die Tränen noch in den Augen.
Nein, ich denke nicht. prustete sie.
Innerlich war sie jedoch erstarrt. Konnte es Möglich sein dass er sie kannte? Vielleicht schon mal gesehen hat als sie noch jünger war? Würde er sich erinnern? Das konnte ihr Untergang sein.
Doch bevor sie weiter darüber nachdenken konnte redete Hermine weiter auf Hagrid ein.
Aber Hagrid. Er ist und bleibt ein Riese. Du könntest wirklich Ärger bekommen.
Ach was. lachte Hagrid wieder. Macht euch da mal keine Sorgen. Wenn Dumbledore meint ihr sollt was über Riesen lernen, dann soll es so sein.
Dumbledore wollte das??? riefen Harry und Hermine wie aus einem Munde. Ron spuckte den Tee den er gerade trinken wollte quer über den Tisch und traf dabei Amanda mitten ins Gesicht, die immer noch zu sehr mit anderen Fragen beschäftigt war als dass sie irgendwas mitbekommen hätte.
Das hätt ich nich sagen solln. murmelte Hagrid. Und ihr solltet jetzt besser gehen.
Alles Protestieren half nichts als Hagrid die vier vor sich her durch die Tür schob.
Ihr habt von mir nichts erfahren, klar? Mit diesen Worten schloss er die Tür und ließ die irritierten Jugendlichen stehen.
Da im Moment keiner in der Lage schien etwas zu sagen, gingen sie stumm in die große Halle die schon ziemlich belebt war. Als alle einen platz gefunden hatten war es Ron der das Schweigen brach.
Wieso will Dumbledore dass wir was über Riesen lernen?
Ist das denn nicht offensichtlich Ron? fragte Hermine leicht gereizt. Dumbledore versucht wohl immer noch die Riesen auf unsere Seite zu bringen. Und wenn er das schafft wäre es wohl nicht schlecht wenn die Schüler wissen wie sie sich zu verhalten haben.
Harry blickte zum Lehrertisch herüber. Dumbledore unterhielt sich gerade angeregt mit Professor McGonagal. Was mochte er noch alles vor ihm verbergen.
Für den Rest des Abends blieben die Riesen das Gesprächsthema Nummer eins. Nicht nur bei Hermine Ron und Harry. Es war nichts selbstverständliches für einen jungen Zauberer einem Riesen gegenüber zustehen.
Amanda ging an diesem Abend früh zu Bett. Sie zermaterte sich immer noch den Kopf ob es Möglich war dass Hagrid sie kannte.
Über diese Gedanken schlief sie ein.
Und wieder träumte sie jenen Traum.
Danke für die Information. sagte ihr schleierhafter Vater dieses mal.
Und dann konnte sie wieder rote Punkte sehen und zischen hören. Doch irgendetwas geschah dieses mal. Das Zischeln und Züngeln änderte sich. Es entstanden Worte aus diesen zuvor noch so nichts sagenden Lauten. Die Worte bildeten Sätze und Amanda verstand.
Auch dieses Mal wurde sie wach bevor sie erkennen konnte was sich in dem hellen Licht befindet.
Verwirrt setzte sie sich auf. Es war Wochenende und fast alle schliefen noch. Sie dachte über ihren Traum nach und erinnerte sich an das was ihr gesagt wurde.
Sie wusste nun was ihre nächste Aufgabe war. Ihre Augen füllten sich mit Tränen und sie fing an zu weinen.
