2. KAPITEL

„Albus, sie ist eine Schülerin." Severus Snape war abrupt aus seinem Stuhl aufgestanden und ignorierte die Blicke und das sachte Kopfschütteln der Ordens-Mitglieder um ihn her.

Albus Dumbledore jedoch lächelte sanft. „Das stimmt, Severus. Allerdings ist sie die beste Schülerin, seit du Hogwarts verlassen hast und gerade in Zeiten wie diesen können wir Leute wie sie brauchen. Ausserdem wird sie so Harry eher von Dummheiten abhalten und uns über eventuelle Pläne informieren können. Ich darf dich zudem daran erinnern, dass Miss Granger durch den Gebrauch des Timeturners während ihres dritten Jahres bereits volljährig ist. Selbstverständlich liegt also die Entscheidung, ob sie beitreten will, ganz bei ihr."

Der Zaubertränkelehrer nickte leicht und setzte sich wieder. Er konnte dem neuesten Plan des Schulleiters noch immer nicht zustimmen, doch gegen Albus' Starrköpfigkeit und die restlichen Mitglieder des Ordens des Phoenix war er machtlos.

„Welche Tätigkeit wird Hermione ausüben?" Molly Weasleys Stimme verbarg ihre Besorgtheit nicht.

„Sie wird vorerst nur Informationen liefern und von uns erhalten. Wenn jemand von euch Hilfe bei einer risikolosen Verrichtung braucht, dürft ihr sie gerne um ihre Mithilfe bitten. Wir werden im Laufe der Zeit sehen, wo sie sich effektiv am besten einsetzen lässt."

Remus Lupin räusperte sich. „Wann wird sie aufgenommen?"

„Angesichts der Tatsache, dass ihre Freunde ausser Haus sind, wäre jetzt der passende Zeitpunkt. Minerva, holst du Miss Granger bitte zu uns?"

McGonagall verliess mit von Stolz geschwellter Brust den Raum und kehrte bald darauf mit Hermione zurück.

Dumbledore erhob sich nun. „Miss Granger, schön Sie zu sehen. Zitronenbonbon?"

„Nein danke, Sir." Eine unausgesprochene Frage stand in ihrem Gesicht geschrieben.

Nachdem er sich ein Bonbon in den Mund geschoben hatte, sprach er weiter. „Die Antwort auf Ihre stumme Frage ist eine Frage, zu der sie wiederum die Antwort liefern müssen. Langer Rede kurzer Sinn: fühlen Sie sich gewillt und bereit, dem Orden des Phoenix beizutreten?"

Erstaunt riss Hermione die Augen auf. „Das… das wäre eine Ehre für mich, Sir. Doch was ist mit Harry, Ron und Ginny?"

„Ich bedaure, doch wir können sie aus diversen Gründen nicht, oder noch nicht, aufnehmen."

„Dann heisst das, dass ich ihnen gegenüber meine Mitgliedschaft nicht erwähnen dürfte?"

Dumbledore nickte bestätigend. „Exakt. Deshalb nochmals die Frage: fühlen Sie sich gewillt und bereit, dem Orden des Phoenix beizutreten?"

Hermione liess ihren Blick über die versammelten Personen schweifen und verharrte schliesslich beim Schulleiter. „Ja, ich fühle mich gewillt und bereit, dem Orden des Phoenix beizutreten."

Der alte Mann rieb sich erfreut die Hände. „Wunderbar, dann…"

„Albus!" Snape hatte sich diesmal nicht erhoben. „Wir sollten sie wenigstens auf ihren Zauberstab schwören lassen um sicherzugehen, dass sie sich nicht verplappert."

Hermione wollte gerade auf diese Unverschämtheit reagieren, wurde jedoch von McGonagall gestoppt, die ihr eine Hand auf die Schulter legte.

„Das habe ich auch erwägt, Severus, aber ich bin zum Schluss gekommen, darauf zu verzichten. Miss Granger hat bereits mehrfach bewiesen, dass sie Geheimnisse für sich behalten kann." Dumbledore strich sich durch seinen langen, weissen Bart. „Gut, dann erkläre ich das heutige Treffen für beendet. Kommt doch noch in die Küche, die Hauselfen haben sicher…"

„Sir!" Nun war Hermione der Grund für die Unterbrechung. „Verzeihen Sie, aber wann werde ich aufgenommen?"

Einige Leute im Raum lachten und Dumbledores Augen funkelten amüsiert. „Ich vergass. Durch Ihre zustimmende Antwort auf meine Frage wurde die Aufnahme vollendet. Ein simpler Zauber, aber die wirken manchmal besser, als die komplexeren, besonders wenn es um Geheimhaltung geht."

„Ich verstehe. Und was ist meine Tätigkeit? Wann und wie trifft sich der Orden wieder?" Aus den Augenwinkeln sah Hermione, wie der Zaubertränkemeister sie ungeduldig und scharf anblickte. Zweifellos war er mit ihrer Aufnahme nicht einverstanden. Und obwohl sie gelernt hatte, sich mit ihrer Fragerei zurückzuhalten und im Unterricht nur noch einzuspringen, wenn sich niemand sonst meldete, gab es Dinge, die sie einfach erfahren musste.

„Ihre Tätigkeit werden wir in nächster Zeit festlegen. Bis dahin helfen sie denjenigen, die sie darum bitten. Die Treffen finden manchmal hier und manchmal in Hogwarts statt und es sind nicht immer die Anwesenheit aller Ordensmitglieder notwendig. Alles Weitere werden wir Ihnen in zwei Wochen in Hogwarts erklären. Und nun: lasst uns in die Küche gehen."

Stühle wurden gerückt und die Leute strömten in Richtung Ausgang, um die Küche aufzusuchen. Nur Snape schien an Geselligkeiten nicht interessiert zu sein und apparierte gleich im Zimmer.

Hermione stand einen Moment lang etwas verloren da, bis sie Molly Weasley am Arm nahm und mit sich zog. „Herzlich Willkommen, Hermione. Ich bin froh, dass man sich endlich für deine Aufnahme entschieden hat."

„Aber Mrs. Weasley, Ron…"

„Ach ich kenne doch meinen Ron. Ein typischer männlicher Gryffindor und im Teenageralter noch dazu. Es ist besser, wenn er nicht allzu viel von den Tätigkeiten des Ordens weiss – das gilt für Harry natürlich auch." Mrs. Weasley sprach leicht gedämpft, was

Die beiden Frauen waren inzwischen in der Küche angelangt und setzten sich an den langen Tisch. Mr.s Weasley schaufelte Hermione ein Stück Erdbeerkuchen auf den Teller. „So, nun iss etwas."

Ohne grossen Appetit stocherte Hermione in ihrem Kuchen herum und beteiligte sich halbherzig links und rechts an Gesprächen über triviale Dinge, während sich ihr Kopf mit Gedanken rund um das eben Geschehene beschäftigte. Natürlich war sie stolz auf ihre Aufnahme, doch sie war auch etwas überrascht über die Schlichtheit des Vorgangs. Ausserdem stürmten Fragen durch ihren Kopf, die sich um den Orden drehten. Gerne hätte sie die Fragen gestellt, doch da anscheinend niemand bei Tisch über ernste Themen reden wollte, liess sie es bleiben. Sie hoffte, dass schon bald jemand ihre Hilfe brauche würde. Das wäre sicher eine gute Gelegenheit, um ein paar Antworten zu erhalten.

Keine Stunde später löste sich die Tafel auf.