Titel: Orange

Teil: 2/? - Warum rauchen so ungesund ist

Autor: Zeero

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Warnings: Shônen Ai, OOC, AU, extrem kitschig, wenig Handlung.

Disclaimer: Gundam Wing gehört mir nicht und ich befürchte, dabei wird es auch bleiben.

Persönlicher Kommentar: Erst mal Danke an Alex, Sasa und Rebecca, meine Versuchstierchen. Und dann möchte ich noch erwähnen, dass 'Keep son singing my song' von Christina Aguilera ein geiles LIed ist.

Datum: 01.08.2004 - 16:03

Wahrscheinlich hatte er jetzt gerade Mathe.

Er sah auf die Uhr. Ja, Mathe. Irgendwas mit Parabeln oder so. War ihm egal.

Gelangweilt starrte er an die Decke. Die könnte auch mal wieder gestrichen werden.

Er wollte nie wieder aufstehen.

Genau. Er würde einen Briefkasten an sein Bett bauen, sich so einen typischen Einsiedler-Alm-Öhi-Bart wachsen lassen und Fernsehinterviews über sein verkorkstes Leben geben.

"Duo?!"

Das war dann wohl seine Mutter da vor der Tür.

"Du hast jetzt wirklich lang genug geschlafen! Steh auf, du musst zur Schule!"

Ob es etwas half, wenn er sich in bester Greenpeace-Manier am Bett festkettete...?

"Und sehen Sie, wenn Sie für x dann 5 einsetzen..."

Der Lehrer kam nicht dazu, seinen Satz zu beenden, denn just in diesem Moment flog die Tür auf, knallte dumpf gegen die Wand und bevor sie durch den Druck wieder zurückprallen konnte, wurde sie von Duo festgehalten. Er knallte sie dafür dann selbst wieder zu, trampelte am Pult vorbei und ließ sich mit verschränkten Armen auf seinen Stuhl neben Heero platschen.

Die Klasse sagte nichts, der Lehrer sagte nichts und sogar Heero schien ehrlich überrrascht.

"Ehm... Mr. Maxwell?", fragte der arme Lehrer langsam. Wenn Duo derart schlechte Laune hatte, war Vorsicht geboten.

"Was?!", keifte der zurück und seine Augen verengten sich zu Schlitzen.

"Ich... ehm... bräuchte eine Entschuldigung ... für ihre Verspätung..." Er hielt bereits Ausschau nach dem nächst besten Loch.

Aber Duo starrte nur so vor sich hin, bis: "Ach, schreiben Sie doch irgendwas auf!"

"Aber das geht doch nicht...!"

"Na, dann schreiben Sie eben, dass ich mich meinem Absatz im Gulli hängen geblieben bin und erst noch zum Schuster musste!" [1]

Duos böser Blick ließ keinen Raum für Widerspruch, also tat Mr. Robinson wie befohlen.

Es hatte gerade zur Pause geklingelt.

Und beinahe wäre Quatre in Heero reingelaufen, als er aus seinem Hauswirtschaftskurs kam.

"Quatre."

"Heero? Hattest du nicht eben Mathe?"

"Hn."

"Aber der Raum ist am anderen Ende des Gebäudes und es hat gerade erst geklingelt."

Quatre wusste zwar, dass Heero sportlich war und ganz gern mal etwas Tempo an den Tag legte, aber das fand er dann doch etwas übertrieben.

"Duo hat den Lehrer vergrault. Konnte früher gehen."

"Ahja." Das war natürlich eine Erklärung. "Und wo ist er jetzt?"

"Klo. Zähne putzen."

"Der kam echt erst jetzt?" Das ist sogar für seine Verhältnisse spät. Was ist den passiert?"

"Ist mit dem Absatz im Gulli hängen geblieben."

Quatre ließ das einfach so stehen: "Gut, und was hab ich jetzt damit zu tun?"

"Dacht, du weißt vielleicht, warum er so schlecht drauf ist."

"Nein, sorry, hab ihn heut noch nicht gesprochen."

"Hn." Und dann war Heero auch schon weg und auf seinen Weg in die Pause.

Auch wenn er Duo heute noch nicht gesprochen hatte, er machte sich Sorgen. Gut, er machte sich immer Sorgen, aber wenn sogar Heero kam und nachfragte, musste es heute wirklich schlimm sein. Schlimmer sogar, als die üblichen Neurosen, die Duo nunmal einfach hatte.

Quatre vermutete Duo auf dem Jungenschulklo mit Zahnbürste im Mund, folglich war er genau dahin unterwegs.

Er stürmte nur so durch die Gänge und bemerkte Trowa so auch erst da, als er mit ihm zusammenstieß und sein Hinterteil Bekanntschaft mit dem Boden schloss.

"Hey, Trowa!"

"Hey, Quatre."

Ganz der Gentleman, der Trowa nunmal war, reichte er Quatre seine Hand zum Aufstehen, die dieser dankbar annahm.

"Wo kommst du denn her?"

"Kunst", antwortete Trowa und zeugte auf die Tür neben sich, auf der dick und fett 'ARTS' stand.

"Achso, ja." Da war ja was... "Hast du Duo gesehen?"

"Nein, aber..."

"Okay, ich muss dann weiter!", sagte Quatre, als bereits los gelaufen war.

Trowa drehte sich nach ihm um. Er konnte ihm nur noch nachsehen.

Als Trowa den Pausenhof betrat, standen dort bereits Heero und Wufei und schwiegen sich an, während beide an ihren Pausenbroten rumkauten.

Er ging geradewegs auf die beiden zu.

"Hi."

"Hi. Wo hast du denn deine bessere Hälfte gelassen?", fragte Wufei und schob sich den letzten Happen in den Mund.

"Wen?", fragte Trowa verwirrt.

"Quatre", antwortete Heero und machte sich davon, um sein Butterbrotpapier zu entsorgen.

"Ach, der. Der hängt irgendwo mit Duo rum oder so."

"Duo ist auf der Toilette."

"Woher weißt du das?"

"Heero."

Während dessen auf dem Jungenklo...

Quatre steckte vorsichtig seinen hellblonden Kopf durch die mit Bakterien verseuchte Tür und sah sich um.

"Duo?", fragte er und betrat den Raum jetzt ganz. Von diesem dumpfen, künstlichen Licht wurde ihm immer ganz übel. Oder es lag am Geruch.

"Duo? Bist du hier?", fragte er nochmal und gab sich alle Mühe, nichts anzufassen aus Angst vor tödlichen Krankheiten wie Lepra oder der Pest.

"Geh weg und lass mich in Ruhe!", kam es aus einer der Kabinen.

Quatre folgte der Stimme und fand Duo auf dem heruntergeklappten Klodeckel sitzen, die Beine angezogen, die Arme um die Beine gewickelt und den Kopf auf die Knie gelegt.

"Ich hab gesagt, du sollst weggehen", grummelte er nochmal.

"Duo, was ist los?"

"Was soll'n los sein?"

"Weiß ich nicht, deswegen frag ich doch. Aber irgendwas muss los sein, wenn du hier auf dem Klo hockst und heulst."

"Ich heul doch gar nicht."

"Deine Augenringe sagen was anderes."

"Sie lügen."

Quatre wusste nicht, was er sagen sollte. Also setzte er sich mit Duo zusammen auf den Klodeckel. "Ruck mal." Und Duo ruckte.

Toll. Jetzt saßen sie hier gemeinsam auf der Schultoilette, die von oben bis unten voll mit widerlichen Keimen war, und starrten die Wand an.

Hm... Karl liebt Anna...

"Also", begann Quatre von Neuem.

"Also?", fragte Duo.

"Was machen wir jetzt?"

"Anna von Karls heimlichen Gefühlen erzählen?"

"Nein, ernsthaft."

"Ich mein das ernst."

"Spielen wir Karten?"

"Hast du denn welche dabei?"

"Ich dachte, du hättest vielleicht welche."

"Nee, bedaure."

"Schade..."

Und dann war wieder Ruhe.

"Was meinst du? Wie wird Anna wohl reagieren?"

"Keine Ahnung. Wer ist Anna?"

Heero ließ gerade das Stückchen Papier in den dafür vorgesehenen Eimer fallen.

Heute Morgen wurde darin noch Weizenbrot mit Leberwurst-Paprika-Aufstrich aufbewahrt, jetzt war es Müll. Die Dinge änderten sich eben rapide.

"Hallo, Schatz!"

Heero drehte sich um. "Morgen, Relena."

"Wir haben uns heute noch gar nicht gesehen, nicht?"

"Nein."

"Eh... Wie war Mathe?"

"Logisch."

"Eh... Also... Ich hatte Hauswirtschaft."

Keine Reaktion.

"Mit Quatre."

Immernoch nichts.

"Bist du irgendwie wütend auf mich? Du bist so abweisend."

Heero schien nur durch sie hindurch zu schauen. "Tut mir leid. Ich hab'n schlechten Tag. Das ist alles."

"Wirklich?", fragte Relena und trat einen Schritt näher.

"Wirklich."

Relena lächelte ihn hoffnungsvoll an. Sie war ehrlich erleichtert, dass Heeros schlechte Laune nicht an ihr lag. Für sie war es sowas wie ein böser Traum, wenn sie daran dachte, ihn irgendwann mal zu verlieren, dafür liebte sie ihn viel zu sehr.

Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, beugte sich vor und begann, ihn zu küssen.

Heero erwiderte den Kuss nur zögernd. Es beschäftigte ihn viel zu sehr, was mit Duo los war.

Es hatte bereits geklingelt und theoretisch hätte Trowa jetzt Biologie mit Quatre gehabt, praktisch saß er allerdings allein vor seinem Mikroskop und zerlegte eine Zwiebel in ihre Einzelteile.

Überhaupt hatte er heute noch nicht sehr viel von seinem Freund gehabt. Um genau zu sein, er hatte noch gar nichts von ihm gehabt. Nachdem Quatre von einer seiner Schwestern zur Schule gefahren worden war, konnten sie nicht mal im Bus miteinander reden. Dann hatte er ihn für fünf Sekunden in der Mittagspause gesehen und seitdem war er spurlos verschwunden.

Der zieht bestimmt irgendwo mit Duo rum, dachte Trowa beleidigt. Und er saß hier und durfte an dieser blöden Zwiebel rumschnippeln... Toll...

Quatre und Duo waren allerdings nicht die Einzigen, die dem Unterricht fern blieben. Auch Wufei zog es vor, einfach blau zu machen.

Er hatte eh nur Französisch und wer brauchte das schon? Er nicht. Er wollte eh nicht nach Frankreich. Frankreich war doof. Und voller Franzosen.

Da verbrachte er seine Zeit lieber damit, hier vor der Schule zu sitzen, eine zu rauchen [2] und einfach nur den Autos beim Fahren zu zu sehen. Die gute Luft in New York war doch immer wieder erfrischend.

Entspannt steckte er sich seine Zigarette an - oder sagen wir, er wollte sich entspannt seine Zigarette anstecken. Denn da merkte er, dass er wohl sein Feuerzeug vergessen haben musste. Nicht in der Schultasche, nicht in der Jackentasche, nicht in der Hosentasche und in den Schuhen dummerweise auch nicht.

Mist. Was jetzt?

Wufei überlegte schon, sich doch noch mit Französisch zu beschäftigen, da hielt ihm jemand ein brennendes Streichholz unter die Nase.

Ohne groß nachzudenken, zündete er seine Zigarette an und nahm erst mal einen tiefen Zug. Das tat gut!

Dann drehte er sich zu seinem Feurspender um und erblickte Zechs.

"Hey, Engelchen!"

Er würde nie wieder Französisch blau machen. Nie wieder.

Zechs saß bereits neben ihm, da fragte er erst: "Darf ich mich setzen?"

Wufei antwortete gar nicht. Hätte eh nichts mehr gebracht.

Wenn er so darüber nachdachte, war Französisch bei Madame Ducroix gar nicht so schlecht. Und es konnte schließlich nie schaden, eine Fremdsprache zu beherrschen. Was war, wenn er jetzt mal nach Europa wollte?

"Fragst du dich gar nicht, woher ich weiß, dass du hier zur Schule gehst?"

Wufei fragte sich eher, warum er noch hier war und nicht einfach wegrannte.

Die Antwort dafür qualmte in seiner Hand. Rauchen im Rennen war nunmal gar nicht so einfach. Von der mangelnden Kondition mal ganz zu schweigen.

"Hey, Engelchen. Keine Antwort?"

"Nein."

"Warum?"

"Ich rauche."

"Krieg ich auch eine?"

Wufei überlegte kurz und reichte seine Packung Zigaretten dann an Zechs weiter.

Was soll's, dachte er sich. Er hatte ja schließlich auch Feuer bekommen.

Heero und Relena schlugen ihre Zeit im Chemieunterricht tot.

"Mir ist das alles ein Rätsel", sagte Relena, zeigte auf die Tafel und bemerkte, dass Heero sie vollkommen ignorierte.

"Chemie ist doof", schob sie noch hinterher und versuchte daraufhin tatsächlich, noch ein bisschen aufzupassen. Dummerweise schweiften ihre Gedanken immer zu einem Punkt etwa 80 Zentimeter weiter rechts von ihr.

Irgendetwas mit Heero war anders und irgendwie wollte er auch nicht darüber reden. Zumindest nicht mit ihr.

Während dessen saßen sich Duo und Quatre weiter ihre Hintern auf dem schulischen Jungenklo platt.

"Willst du nicht doch darüber reden?" Quatre hasste öffentliche Toiletten. Die stanken fürchterlich.

"Nein."

"Es könnte dir aber gut tun."

"Ich will nicht darüber reden."

"Wirklich nicht?"

"Wirklich nicht."

"Denk lieber noch mal darüber nach."

"Das tu ich."

"Gut."

Quatre konnte es ja kaum aus ihm herausprügeln. Zum einen hielt er das definitiv nicht für den richtigen Weg und zum anderen hätte er gegen Duo eh keine Chance.

Eigentlich wusste er sowieso schon, wo Duos Problem lag. Der Junge gestern in der Disco hing, Quatres Vermutung nach, direkt in der Sache mit drin.

Es war nicht Duos Art, sich einfach an irgendjemanden ran zu schmeißen, vor allem, wo er doch bis über beide Ohren in Heero verliebt war.

Dabei wollte er ihn mit dem Discobesuch nur aufmuntern... Der Schuss war voll nach hinten los gegangen.

Quatre rümpfte angewidert die Nase. Der Gestank war wirklich nicht zu ertragen. Zum Glück war Trowa Sitzpinkler.

"Gehen wir wieder in den Unterricht, Duo?"

"Gib mir bitte noch fünf Minuten."

Duo knallte die arme Haustür zu und schmiss sein Schulzeug in die Ecke. Langsam wurde das zur Gewohnheit. Er zuckte mit den Schultern. Scheiß drauf. Er hatte jetzt echt andere Sorgen.

Aber davor hatte er erst mal kräftigen Hunger.

"Mum?!", brüllte er auf seinem Weg in die Küche. Und als er keine Antwort erhielt nochmal: "Mum?!"

Dann fiel im ein, dass diese heute länger arbeiten musste und dementsprechend noch gar nicht da war...

"Scheiße..."

Und der Kühlschrank war auch leer... Natürlich, er hätte nach der Schule ja einkaufen gehen sollen...

Was soll's?

Er schnappte sich seine Jacke und machte sich nochmals auf den Weg. Dass im Wohnzimmer das Telefon klingelte, hörte er gar nicht mehr.

"Und was ist jetzt mit Duo?", fragte Trowa bereits sichtlich gernevt, während er sich auf Quatres aufblasbarem Sofa ausbreitete.

"Ich weiß nicht. Er geht nicht ran", antwortete der Couchbesitzer, der das Telefon anstarrte, als träge es die Schuld daran.

"Vielleicht ist er noch nicht da!"

"Vielleicht..."

Trowa beobachtete Quatre, wie dieser den Hörer in seiner Hand beobachtete.

Langsam stand Trowa von der blauen Plastikcouch auf und umarmte seinen Freund von hinten.

"Schatz...?", nuschelte er in dessen Halsbeuge.

"Hm?"

"Müssen wir über Duo reden?"

"Natürlich nicht", antwortete Quatre und drehte sich in der Umarmung um.

Duo trottete gelangweilt durch den Supermarkt. Lebensmittel waren furchtbar uncool und einkaufen fand er auch doof.

Er widmete sich gerade ausgiebig der Frage, welche Zahnpasta seine Zähne wohl am weißesten erscheinen lassen würde, da stürmte ein ziemlich lautes Pärchen in den Laden.

"Warum willst du denn nicht auf meine Frage antworten, Wufei?!"

"Ich will gar nicht mit dir reden!", schnaubte Wufei und drehte sich aufgebracht zu Zechs um.

"Warum rennst du blöder Arsch mir - Gott verdammt nochmal - eigentlich die ganze Zeit hinterher?! Diese Stadt hat über 9000000 Einwohner! Da wird sich ja wohl noch jemand anders finden, den du nerven kannst!"

Duo luckte neugierig und darauf bedacht, möglichst unauffällig am Clearasil rumzufummeln, hinter dem Regal mit den Hygieneartikeln hevor. Also, Wufei kannte er ja, aber wer war der große Blonde?

"Du bist nunmal einfach der Süßeste von allen!", kam die prompte Antwort.

Wufei ließ ergeben den Kopf hängen und murmelte etwas, dass sich verdächtig wie ein "Warum hab ich auch gefragt...?" anhörte, bevor er sich mit der Absicht umdrehte, Zechs von nun an zu ignorieren, und sich auf den direkten Weg zum Gemüsestand machte.

"Ich finde trotzdem, dass du mir antworten könntest."

"Was soll ich denn darauf schon antworten. Du redest Mist, Zechs. Wir werden ganz bestimmt keine Organisation wie bei 'Weiß Kreuz' gründen und selbst wenn wir das irgendwann mal aus welchen Gründen auch immer tun sollten, werden wir sie ganz bestimmt nicht 'Neongelb' nennen! Da könnten wir sie ja gleich 'Blau-rosa karriert mit Rüschchen und lila Knöpfen' nennen!"

"Was hast du gegen 'Blau-rosa karriert mit Rüschchen und lila Knöpfen'?"

Duo widmete seine Aufmerksamkeit lieber wieder der Zahnpasta. Hm... Colgate Sensation White...

"Ich hab mir überlegt", säuselte Relena in ihren mit rosa Plüsch und glitzernden Sternchen überzogenes Telefon, "dass ich mir vielleicht die Haare färben sollte. Was meinst du?"

"Wieso willst du dir denn die Haare färben?", fragte Heero am anderen Ende der Leitung und kritzelte irgendetwas auf seinen Block, während er etwas in einem schrecklich nach Schule aussehendem Buch nachschlug.

"Weiß nicht. Wäre doch mal was anderes. Dann seh ich aus wie Shannon Doherty."

"Wer ist Shannon Doherty?"

"Eine Schauspielerin. Brenda in 'Beverly Hills, 90210' und Prue in 'Charmed'."

"Ach, die Brünette mit dem Hängebusen?"

"Genau die."

"Du willst 'nen Hängebusen?"

"Nein."

"Braune Haare."

"Nein."

"Willst du überhaupt irgendwie so aussehen wie Shannon Doherty?"

"Nein, wie kommst du denn darauf? Die ist mir nur als erstes eingefallen."

"Schatz?!", rief Mrs. Maxwell, als sie Duos zerlumpte Schultasche in der Ecke liegen sah. "Bist du da?!"

Keine Antwort.

"Ich hab Fast Food dabei!"

Wenn ihn das nicht rauslockte, dann gar nichts. Aber es blieb ruhig. Sie zuckte mit den Schultern.

Auch egal, dachte sie sich, dann ess ich's eben selbst.

Und sie verzog sich mit der Tüte mit dem großen 'M' ins Wohn-/Esszimmer.

Dort angekommen fiel ihr ein blinkendes, kleines Licht an einem mittelgroßen, schwarzen Kasten auf. Der maxwell'sche Anrufbeantworter aus der Vorsteinzeit.

Mrs. Maxwell drückte den Knopf, um die Nachricht abzufragen. Daraufhin deutete ein leises Knacken an, dass es los ging.

"Bin ich dort bei Maxwell...? Also... Hier ist Rudolf Howatch, ich bin... äh... der Direktor an Duos Schule... Claire Maxwell, richtig...? Also, es gibt da, nun... ein kleines Problemchen... Wie soll ich sagen... Es würde mich freuen, wenn Sie mich... nun... eh... morgen vielleicht in meinem Büro besuchen könnten, um über... die Sache... also... zu reden... Wir sehen uns dann...."

Dann kam ein weiteres Knacken und die Nachricht war zu Ende.

"...und dann hat Dorothy gesagt...", erzählte Relena gerade, als sie im Hintergrund eine Art Klingeln hörte. "Was war das?"

"Was war was?", fragte Heero zurück, als er mit dem tragbaren Telefon in der Hand aufstand und sich auf den Weg zum Ursprungsort dieses Geräusches machte.

"Na, dieses DingDong-Ding da", erklärte Relena und wedelte dabei mit den Händen in der Gegend rum, völlig unabhängig davon, dass Heero das gar nicht sehen konnte.

"Das war vermutlich die Türklingel."

Mit einem Lächeln im Gesicht öffnete Heero die schwere Eichentür - und es erstarb sofort, als er sah, wer dort vor der Tür stand.

"Hi!"

"Duo?!", krächzte Heero.

"Duo?!", krächzte auch Relena. "Was macht der denn bei dir?!"

"Sekunde", sagte er in den Hörer und legte dann die Hand über die Muschel. "Duo, was machst du hier?"

"Ich bring dir Schokolade", lächelte Duo und hielt dabei begeistert eine Plastiktüte hoch, auf der ein fettes 'Tom's 24h Super Market' prankte. Dann deutete er auf das Innenleben des Hauses und fragte: "Kann ich reinkommen?"

"Du fährst durch halb Brooklyn, um mir Schokolade zu bringen?!", fragte Heero ungläubig.

"Ja. Kann ich JETZT reinkommen?"

"Wart mal", bekam er zurück und Heero nahm die Hand wieder von der Muschel. "Relena, ich mach Schluss", verabschiedete er sich schnell und drückte die Taste zum Auflegen.

Relena starrte ihren rosa Plüschhörer voller Unglauben an. "Wie, er macht Schluss?"

"Ich kann nicht fassen, dass du mir Schokolade bringst", meinte Heero und ließ die Tür hinter Duo ins Schloss fallen.

"Warum nicht?", fragte Duo mit dem obligatorisch dümmlichen Grinsen.

"Ich mag gar keine Schokolade."

"Deswegen hab ich auch welche mit Rosinen drin dabei."

"Ich versteh nicht, worauf du damit hinaus willst."

"Das sagt man mir öfters."

"Überrascht mich nicht."

Erschöpft lag Quatre neben Trowa. Oder auf Trowa. Die eine Hälfte so, die andere so.

Trowa strich ihm durch die kurzen Nackenhaare und Quatre schnurrte zufrieden.

Warum konnte es nur nicht immer so sein? Er für seinen Teil könnte sich durchaus damit arrangieren, den Rest seines Lebens nackt mit der Liebe seinens Lebens auf der Couch herumzulümmeln.

"Liebling, ich will dich ja jetzt nicht aus deinen Tagträumen reissen, aber deine Plastikcouch klebt ganz fürchterlich."

"Und?"

"Und ich empfinde das als äußerst unangenehm. Ist nicht gegen dich gerichtet."

"Nein, nein. Nur gegen mein Sofa. Ich versteh das", antwortete Quatre im gespielt schnippischen Tonfall. Trowa gab ihm dafür einen Schmatzer auf die Stirn. "Sei nicht sauer, Liebling."

"Bin ich nicht."

"Und was unternehmen wir jetzt wegen der Couch?"

"Welcher Couch?"

"Der klebrigen Couch."

"Achso. Naja... Leg doch die Wolldecke drunter."

"Aber dann haben wir nichts mehr, womit wir uns zudecken könnten."

"Und?"

"Dann liegen wir im Freien."

"Und?"

"Das könnte kalt sein, meinst du nicht?"

"Ich wüsste schon was dagegen."

"Anziehen?"

"Nein..."

"Wir könnten auch von der Couch auf den Boden wechseln. Dann könnten wir die Decke behalten."

"Ist vielleicht ein bisschen hart, oder?"

"Seit wann stört dich das?"

"Auch wahr..."

Es war bereits dunkel, als Duo wieder zu Hause eintrudelte.

Kaum hatte er die Tür aufgeschlossen, schoss ihm ein Geruch in die Nase, den er überall wieder erkennen würde. Junk Food.

Sein Instinkt trieb ihn ins Wohnzimmer, wo seine Mum saß, sich im Fernsehen 'Seinfeld' ansah und gerade dabei war, sich den letzten Pommes Frites in den Mund zu schieben.

Ein durch alle Knochen dringender Schrei ließ sie sich kurz verschlucken und richtete ihre volle Aufmerksamkeit auf ihren Sohn, der noch immer in der Tür stand.

"Duo?!"

"Ah! Ich pack's nicht! Du warst bei McDonald's und hast mir nicht mal was übrig gelassen!"

"Du warst ja nicht da!"

"Trotzdem hättest du mir was übrig lassen können!"

"Damit sich von dem Fett deine Blutgefäße verengen?! Bist du irre?!"

Spitze... Was sollte man darauf auch antworten...

"Hast du da Schokolade am Mundwinkel?"

"Eh... Ich kann nichts dafür. Die hing an den Rosinen."

Mrs. Maxwells Blick zeugte deutlich, was sie von dieser Ausrede hielt.

"Heero hat mich gezwungen", schob Duo dann noch kleinlaut hinterher.

[1] Aus Copyrightgründen muss ich sagen, dass diese Idee nicht von mir sondern von meiner besten Freundin und Nebensitzerin Sasa ist.

[2] Rauchen ist ungesund und stink ganz fürchterlich.