Lady: Danke für dein dickes Lob. Ja, diese Story wird auch wieder ganz spannend. An dich auch ein Knuddler!
Meleth: Faramir wird schon bald auf Aragorn treffen. Aber erstmal muß Gandalf ihn finden. Danke fürs Reviewen!
Ali: Danke für deine anspornendes Review!
Leonel: Diesmal bewege ich mich in anderen Gefilden als sonst: im hohen Norden Mittelerdes. Danke für dein Lob!
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Kapitel 2: Aragorn
Die Tage vergingen, doch Aragorn kam nicht. Faramir war schon ganz unruhig: er war es nicht gewohnt, die Zeit mit Nichtstun zu verbringen. Er ärgerte sich, dass er sich nur ein dünnes Buch von Zuhause mitgenommen hatte. Aber Gandalf hatte ihm geraten, sich nicht durch unnötiges Gepäck zu belasten.
So schlenderte der junge Mann gelangweilt durch das Städtchen. Tagsüber wirkten die engen Gassen längst nicht so finster und unheimlich wie in der Nacht. Gandalf hatte Bree an diesem Morgen verlassen, um selbst nach Aragorn zu suchen. Er hatte Faramir eigentlich geraten, im Gasthaus zu bleiben. Aber der junge Mann wurde schier verrückt, dauernd in dem engen, dunklen Zimmer sitzen zu müssen. So hatte er seinen Mantel umgelegt und die Kapuze aufgesetzt, als er losmarschierte. Butterblume hatte Faramir gewarnt vor dem Gesindel, dass sich in den Straßen herumtrieb, doch dieser zeigte sich von der Warnung unbeeindruckt. Schließlich wusste er sich zu wehren. Er hatte den Wirt nach einem Laden gefragt, wo man Bücher kaufen konnte. Doch Butterblume hatte ihn nur erstaunt angesehen und erwidert, so etwas gäbe es in Bree nicht.
Daher beschloß Faramir, auf den Marktplatz zu gehen. Vielleicht gab es dort einen Stand, wo Bücher oder Schriftrollen feilgeboten wurden. Während er durch die Gassen lief, fühlte er, dass er beobachtet wurde. Endlich erreichte er den Marktplatz. In Minas Tirith war der Marktplatz doppelt so groß und es herrschte ein fürchterliches Gedränge und Gewühl, wenn die Stände geöffnet waren. Hier in Bree jedoch ging es beschaulich zu. Nur wenige Leute verkehrten auf dem Markt. Faramir entdeckte wieder einen von den merkwürdigen Halblingen, der an einer Bude stand, wo warmes Essen verkauft wurde. Er stritt sich mit dem Verkäufer um die Größe der Portionen. Faramir musste lächeln über die Gefräßigkeit dieser kleinen Wesen.
„5 Silberlinge für eine Portion Eintopf sind viel zu teuer!" beschwerte sich der Hobbit lauthals. „Außerdem ist der Eintopf verwässert. Man sieht kaum das Fleisch darin."
„Ihr müsst den Eintopf nicht kaufen, wenn Ihr nicht wollt, Hornbläser!" erwiderte der Verkäufer mürrisch.
„Ich wette, Niemand kauft diesen sündhaft teueren Eintopf, der eigentlich eine Wassersuppe ist", beschwerte sich Eduard Hornbläser weiter.
Faramir wollte gerade weitergehen, als der Hobbit ihn anrief:
„He, Ihr da, was sagt Ihr zu diesem Wucher hier?"
Der junge Mann räusperte sich und zog seine Kapuze tiefer ins Gesicht.
„Ich möchte mich nicht unbedingt einmischen bei Eueren Streitigkeiten."
Doch jetzt gab auch der Verkäufer, Tom Stechdorn, nicht nach.
„Ich will von einer neutralen Person wissen, ob mein Eintopf in Ordnung ist. Kommt bitte her und seht Euch mein Essen an. Ich mache sowieso kaum Gewinn mit dem Verkauf dieser Mahlzeiten, da die Zutaten schon so teuer sind. Aber das glaubt ja dieser einfältige Halbling hier nicht!"
„Moment mal, ich muß mich hier nicht beleidigen lassen!" rief Eduard Hornbläser wütend.
Faramir bemerkte, dass jetzt immer mehr Schaulustige in der Nähe der Bude stehen bleiben, was ihm überhaupt nicht gefiel. Er wollte möglichst unentdeckt bleiben und jetzt geriet die Sache hier allmählich außer Kontrolle. Am liebsten hätte er sich heimlich verdrückt. Vorsichtig machte er ein paar Schritte zurück. Doch der Hobbit hielt ihm am Mantel fest:
„Ihr habt doch auch gehört, dass mich dieser Wassersuppenverkäufer gerade beschimpft hat. Ihr müsst mir gefälligst helfen!"
„Ihr habt den Verkäufer auch beleidigt", erwiderte Faramir genervt. „Laßt mich gefälligst in Frieden meiner Wege ziehen!"
Rasch machte er sich vom Griff des Hobbits los und ging rasch weiter. Er merkte, dass ihm die Schaulustigen nachsahen und auch teilweise hinterherliefen. Faramir beschloß, so schnell wie möglich wieder ins Gasthaus zurückzukehren. Er merkte jetzt, dass es ein großer Fehler gewesen war, dieses zu verlassen. Gandalf hatte doch recht gehabt! Rasch lief Faramir durch die Gassen. Er wurde jetzt tatsächlich verfolgt. Faramir wusste, dass es mindestens drei Männer waren, die hinter ihm her waren. Die Schritte der Verfolger wurden schneller. Der junge Mann begann zu rennen und stolperte prompt über einen Stein, der aus dem Kopfsteinpflaster herausragte. Unsanft fiel er auf die Knie und riß sich die Hosen dabei auf. Fluchend erhob sich Faramir wieder , und wurde in diesem Augenblick von den drei Verfolgern umringt. Es waren ärmlich aussehende Männer, die schlecht gekleidet waren und unangenehm nach Alkohol rochen. Einer von ihnen riß Faramir die Kapuze vom Kopf.
„Was haben wir denn da?" spottete er. „Einen Rotschopf aus dem Süden."
„Laßt mich in Ruhe", erwiderte Faramir gebieterisch. „Sonst werdet Ihr es bereuen."
Die drei Männer lachten höhnisch.
„Du bist ja ganz schön eingebildet, Freundchen", meinte der eine von ihnen wieder.
Die Drei zogen jetzt Dolche aus ihrem Gürtel. Doch auch Faramir war nicht unbewaffnet und holte ein kurzes Schwert hervor, dass er bei sich trug.
„Verschwindet!" drohte der junge Mann den drei Strolchen.
Doch die Männer gaben nicht auf. Sie erhoben ihre Dolche. Langsam wich Faramir zurück: drei auf einmal waren doch ein bisschen viel, auch wenn sie wohl ungeübte Kämpfer waren.
„Was soll das?" rief schließlich eine ärgerliche Stimme aus einem düsteren Winkel der Gasse.
„Laßt den Fremden in Ruhe, ihr Narren!"
„Ein Waldläufer!", keuchte der Eine entsetzt. „Nichts wie weg!"
Die drei Gauner ergriffen die Flucht. Faramir atmete auf und steckte seine Kurzschwert in den Gürtel zurück. Der Fremde, der schäbige Lederkleidung und einen grünen Umhang trug, ging mit finsterem Blick auf Faramir zu.
„Ich danke Euch", sagte der junge Mann lächelnd zu dem Fremden.
„Nichts zu danken, Südländer", erwiderte dieser ernst. „Besser, Ihr verlasst diese Stadt so schnell wie möglich. Reiche Menschen aus dem Süden sind hier extrem gefährdet, besonders wenn sie alleine reisen."
Faramir sah den Mann verdattert an. Seine letzten Worte hatten sehr verächtlich gewesen. Langsam fragte sich der Truchseß-Sohn, ob es wohl die richtige Entscheidung gewesen war, mit Gandalf in den Norden zu gehen. Wäre es nicht besser gewesen, sich in Rohan niederzulassen? Dort wurden Gondorianer weitaus freundlicher behandelt als hier. Faramir setzte sich die Kapuze auf und verabschiedete sich knapp von seinem unfreundlichen Retter. Er erreichte unbehelligt das Gasthaus.
§
Gandalf atmete auf, als er Aragorn endlich im nahen Wald antraf. Er saß mit einigen Waldläufern in einem kleinen Zeltlager, wo die Männer gerade frischerlegtes Wildbret zerteilten.
Aragorn stand erfreut auf, als er den Zauberer erblickte.
„Gandalf, was für eine Überraschung, dich zu sehen!" rief er lächelnd aus.
Der Zauberer umarmte herzlich seinen alten Freund.
„Hat Maruvan dir nicht ausgerichtet, dass ich dich erwarte?"
Aragorn schüttelte den Kopf.
„Nein, hat er nicht. Er müsste sich inzwischen wieder in Bree befinden. Maruvan ist manchmal sehr vergesslich."
„Das Gefühl habe ich auch", murmelte der Zauberer kopfschüttelnd vor sich hin.
„Was verschafft mir die Ehre deines Besuches?" wollte der Waldläufer jetzt wissen.
„Kommt mit! Ich muß mit dir unter vier Augen reden", sagte der Zauberer mit gedämpfter Stimme.
Die beiden Freunde verließen das Lager und gingen etwas tiefer in den Wald hinein. Gandalf erzählte Aragorn kurz, was er in Gondor erlebt hatte. Dass der Truchseß versucht hatte, seinen Sohn zu vergiften und stattdessen Faramirs Geliebte, eine Elbin, versehentlich getötet hatte.
„Und das Schlimme war, dass selbst Boromir bei dieser schändlichen Tat mitgeholfen hat", fuhr der Zauberer bedrückt fort. „Allerdings standen Vater und Sohn unter dem schädlichen Einfluß des Palantírs von Anor. Sie hatten Kontakt mit Annatar!"
„Das ist doch Sauron!" entfuhr es Aragorn entsetzt. „Und was ist jetzt mit diesem Faramir?"
„Ich habe ihn bei mir", erklärte Gandalf lächelnd. „Er wartet in Bree. Ich würde mich freuen, wenn du ihn aufnehmen könntest."
Der Waldläufer sah Gandalf verwundert an.
„Aber das geht nicht, mein Freund! Ich kann mich hier in dieser rauen Gegend nicht um ein verhätscheltes Fürstensöhnchen aus Gondor kümmern. Wie stellst du dir das vor? Beim ersten Regenschauer wird er vermutlich sich eine Erkältung einfangen und daran sterben."
„Faramir ist ein Waldläufer des Südens", sagte der Zauberer gelassen. „Er ist Wind und Wetter gewohnt. Außerdem ist er von fast reinem númenorischen Blute. Er ist dir so gut wie ebenbürtig, Aragorn. In Gondor würde er über kurz oder lang sterben. Denethor, der Truchseß, ist geisteskrank. Heru aus Lothlorien hat ihm verkündet, dass einer seiner beiden Söhne bald sterben würde. Und Denethor würde lieber Faramir tot sehen als Boromir."
„Es tut mir ja auch leid um den jungen Mann", erwiderte Aragorn ein wenig ungehalten. „Ich merke, dass du ihn gerne hast. Aber meine Männer würden keinen Fremden in ihren Reihen dulden."
„Ich möchte, dass du dir Faramir wenigstens ansiehst und dich mit ihm unterhältst", forderte Gandalf unbeirrt. „Erst dann kannst du dein Urteil fällen."
Aragorn seufzte und fuhr sich durch sein langes, schwarzes Haar.
„Also gut, ich komme mit nach Bree."
§
Faramir hatte sich inwischen wieder in sein Zimmer verkrochen. Butterblume hatte ihm ein Mittagessen hingestellt, doch der junge Mann verspürte keinen Hunger. Er musste sich eingestehen, dass ihm diese Gegend hier überhaupt nicht gefiel. Gandalf hatte ihm erzählt, dass die Waldläufer des Nordens um Aragorn in der Nähe von Bree in den Wäldern lebten. Sie kamen oft nach Bree, um dort Tierfelle und Wildbret zu verkaufen. Das Geld, dass sie dafür bekamen, vertranken sie meist sofort wieder im „Tänzelnden Pony". Faramir fragte sich, ob ihm überhaupt so ein unstetiges Leben gefallen würde. Zuhause, in Minas Tirith, hatte alles seine Ordnung gehabt. Wenn er nicht mit seiner Truppe in Ithilien herumgezogen war, dann hatte er den Tag mit Reiten, Schwertkampfübungen und seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Studieren von alten Schriften und fremden Sprachen, verbracht. Auch wenn sein Vater ihn oftmals ungerecht behandelt hatte, so war es doch ein geregeltes Leben gewesen. Es hatte immer genügend zu essen gegeben und es war immer jemand da gewesen, der sich darum gekümmert hatte, dass seine Kleidung und seine Gemächer in ordentlichen Zustand waren. Selbst wenn er in Ithilien unterwegs gewesen war, hatte es eine stetige Versorgung mit Lebensmitteln und sauberer Kleidung gegeben. Faramir seufzte tief und schloß die Augen. Die Zukunft sah ganz und gar nicht rosig für ihn aus.
