Lady: Ja, mir machte es auch Spaß, diese Streiterei zwischen dem Hobbit und dem Suppenverkäufer zu beschreiben. Es werden in späteren Kapiteln sicher noch mehr Hobbits und typische Bewohner des Nordens auftauchen.

Ali: Freut mich, dass es dir gefallen hat. Jetzt kommt die Fortsetzung...

Meleth: Danke für dein Lob! Tja, Aragorn ist verständlicherweise etwas ungehalten, weil er einen jungen Adeligen aus Gondor aufgehalst bekommt.

Leonel: Bree fand ich schon im Buch sehr interessant. Im Film hat man zu wenig davon gesehen. Jetzt habe ich mal die Möglichkeit, in einer Story näher auf diese Gegend einzugehen.

§§§§§§

Kapitel 3: Die erste Begegnung

Gegen Abend traf Gandalf zusammen mit dem Waldläufer in Bree ein. Als erstes begegnete ihnen Maruvan. Er begrüßte Aragorn freundlich, und warf dem Zauberer einen eher mürrischen Blick zu.

„Was gibt es Neues?" fragte Aragorn den schwarzhaarigen Mann.

„Es treiben sich wieder viele Fremde in der Gegend herum", erzählte Maruvan leise. „Heute morgen ist mir zum Beispiel ein Südländer begegnet, der von Gossengesindel überfallen wurde. Wäre ich nicht gewesen, dann hätten ihn die Kerle ausgeraubt und massakriert."

„Das hört sich nicht gut an", murmelte Gandalf und strich über seinen grauen Bart.

Im Stillen hoffte er, dass Faramir nicht so leichtsinnig gewesen war und das Gasthaus verlassen hatte. Aber allzu viel andere Südländer gab es wahrscheinlich in Bree nicht.

„Ob das dieser Faramir war?" wandte sich Aragorn schief lächelnd an den Zauberer.

„Wir werden sehen", erwiderte Gandalf knapp und umklammerte seinen Stab ein wenig fester als gewöhnlich.

„Ich gehe zurück in die Wälder und treffe mich mit Halbarad", fuhr Maruvan fort.

„Tu das", nickte Aragorn freundlich.

Sie verabschiedeten sich von dem Waldläufer und gingen weiter zum „Tänzelnden Pony". Faramir saß in einer Ecke der Gaststube und starrte düster in seinen Bierkrug. Das Bier des Nordens schmeckte ihm nicht besonders: es war viel bitterer als das in Gondor. Er dachte an die Tavernen in Minas Tirith, die er öfters mit Boromir besucht hatte. Zum ersten Mal verspürte der junge Mann so richtig Heimweh. Wäre es nicht besser gewesen, trotz allem in Gondor zu bleiben?

Plötzlich betrat Gandalf die Schankstube. Faramir winkte ihm. Er sah, dass hinter ihm ein hochgewachsener , dunkelhaariger Mann mit Stoppelbart ging, der die typische Waldläuferkluft dieser Gegend trug.

Das musste dieser Aragorn sein!

Auch Aragorn musterte jetzt den jungen Mann, der Gandalf zugewunken hatte. Er war ziemlich erstaunt über Faramirs rote Haare und blaue Augen. Gandalf hatte ihm erzählt, dass Faramir ein fast reinblütiger Númenorer war. Und die hatten bekanntlich schwarze Haare und graue Augen.

Faramir erhob sich und reichte Aragorn die Hand. Als er den Mund öffnete, um sich vorzustellen, fiel ihm sofort Gandalf ins Wort.

„Streicher, das ist Faron, mein Freund aus dem Süden."

Faramir sah Gandalf verblüfft an, sagte aber nichts weiter.

„So so, Faron", meinte Aragorn und nahm gegenüber von Faramir Platz.

Der junge Mann wusste, dass „Streicher" Aragorns Deckname in der hiesigen Gegend war. Aus irgendeinem Grund wollte er nicht in der Öffentlichkeit Aragorn genannt werden. Vielleicht war es deshalb auch besser, sich Faron zu nennen. So dachte Faramir.

„Ich würde mich Euch gerne anschließen, Ara...Streicher", sagte Faramir und wurde rot.

Aragorn nahm einen großen Schluck von dem Bier, das Butterblume gerade gebracht hatte, und musterte erneut den jungen Mann schweigend.

„Du stellst dir das ziemlich einfach vor, Junge", meinte er schließlich. „Wir leben in der Wildnis, schlafen auf dem Waldboden. Oft essen wir tagelang nichts anderes als wilde Beeren und genießbare Wurzeln. Ich habe schon seit einem halben Jahr in keinem normalen Bett mehr geschlafen. Wir können niemanden brauchen, der sein Leben lang verweichlicht wurde."

Faramir begann jetzt allmählich seine Beherrschung zu verlieren. Hatte Gandalf denn nichts von ihm erzählt?

„Ich weiß sehr wohl, wie man als Waldläufer lebt, denn ich bin selbst einer. Ich bin ein Dunedain des Südens. Ich bin alles andere als verweichlicht. Mein Vater lehrte mich eine harte Schule!"

Aragorn gefiel das, was Faramir sagte. Der junge Mann wusste sich zu wehren. Er begann sich weiter mit ihm zu unterhalten, und fragte ihn vorsichtig aus. Der Waldläufer war erstaunt über die Scharfsinnigkeit und Klugheit des Truchseß-Sohnes.

„Gandalf sagte mir, dass du fast reinblütiger Númenorer bist", fuhr Aragorn schließlich nach einer längeren Pause fort, nachdem sie etwas gegessen hatten. „Wie kommt es dann, dass du so helle Haare hast und blaue Augen?"

„Meine Mutter hatte solche Haare und Augen", erklärte Faramir traurig lächelnd. „Sie brachte auch etwas Elbenblut in die Familie."

Aragorn war noch mehr überrascht, als er das hörte. Er wusste jetzt, dass Faramir etwas ganz besonderes war. Gandalf blickte ihn fragend an: er wollte wissen, wie sich der Waldläufer entscheiden würde.

Faramir merkte, wie die beiden Männer miteinander Blicke austauschten. Offensichtlich wollten sie unter vier Augen miteinander reden, trauten sich aber nicht, ihn wegzuschicken. Deswegen erhob sich der junge Mann jetzt freiwillig und täuschte ein lautes Gähnen vor.

„Ich würde mich jetzt gerne zurückziehen, wenn ihr es erlaubt."

Gandalf atmete ein wenig auf, denn er wollte tatsächlich unbedingt mit Aragorn alleine nochmals über Faramir reden.

„Schlaf gut, Faramir", sagte er in seiner väterlich-freundlichen Art zu ihm.

Faramir lächelte und wünschte dem Zauberer und Aragorn auch eine gute Nacht.

Kaum war der junge Mann aus dem Schankraum verschwunden, wandte sich der Waldläufer an den Zauberer:

„Warum hast du mir nicht gesagt, dass er von so hohem Geblüt ist? Einer wie er hätte verdient, den Königsthron von Gondor zu besteigen. Er stammt von der Elbin Mithrellas ab, die Imazôr, den ersten Fürsten von Dol Amroth, geehelicht hat, nicht wahr?"

„Daran habe ich nicht gedacht", brummte Gandalf vor sich hin. „Auch ein Zauberer wird nach ein paar tausend Jahren mal ein bisschen vergesslich. Aber was ist jetzt: nimmst du Faramir bei dir auf?"

Aragorn seufzte tief und stierte in seinen Bierkrug. Dann zündete er sich erst einmal eine Pfeife an.

„Ich würde ihn jetzt wirklich gerne aufnehmen. Aber ich fürchte, Halbarad und Maruvan werden Schwierigkeiten machen. Sie werden herauskriegen, woher er kommt und wer er ist, und dann werden sie fordern, dass er geht. Du kennst doch diese Hackordnung in unseren Kreisen: Halbarad ist mein Stellvertreter und das möchte er auch bleiben, und an dritter Stelle kommt Maruvan, der auch auf keinen Preis seine Stellung aufgeben möchte. Auch wenn wir als lose Gruppe von Männern mancherorts erscheinen mögen: im Kriegsfalle haben sich Halbarad und Maruvan schon oft als Hauptmänner bewährt und das soll auch, um Eru willen, so bleiben."

„Dann muß sich Faramir verkleiden", erklärte Gandalf unbeirrt.

Aragorn starrte den Zauberer verblüfft an.

„Wie willst du das anstellen?"

Gandalf grinste und klopfte Aragorn auf die Schultern.

§

Als Gandalf in das gemeinsame Schlafgemach kam, schlief Faramir schon längst. Der Zauberer lächelte schalkhaft vor sich hin, während er sich schlafenlegte.

Am nächsten Morgen wurde Faramir früh geweckt – von Aragorn. Erschrocken fuhr der junge Mann hoch. Aragorn zeigte ihm abgewetzte Lederkleidung und einen braungrünen Umhang, der schon an verschiedenen Stellen geflickt war.

„Zieh das an!" forderte er Faramir ein wenig barsch auf.

Der junge Mann sah ihn erstaunt an, gehorchte jedoch. Die Sachen waren ihm fast ein wenig zu weit. Aragorn reichte ihm ein Rasiermesser, Seife, während Gandalf eine Schüssel Wasser holte.

„Ich möchte, dass du dir den Bart abrasierst", befahl der Waldläufer Faramir jetzt.

„Aber, warum denn?" fragte der junge Mann entsetzt.

„Weil du dir die Haare färben wirst und da würde der rote Bart schon auffallen", erklärte Aragorn ernst.

„Das ist doch nicht Euer Ernst!"

Gandalf legte die Hände sanft auf Faramirs Schultern.

„Die anderen Waldläufer sollen nicht wissen, wer du bist. Aragorn wird dich als Vetter zweiten Grades ausgeben. Ab jetzt wirst du dich nur noch Faron nennen, verstanden?"

Nachdem sich Faramir rasiert hatte, sah er entsetzt, wie Aragorn eine Schere holte.

„Nein, nicht die Haare abschneiden!" weigerte er sich entrüstet.

„Nur ein kleines Stück", erklärte Aragorn ein wenig genervt. „Das wächst schon wieder."

Seufzend setzte sich Faramir wieder hin und sah bedrückt zu, wie seine roten Locken zu Boden fielen. Aragorn hörte erst auf zu schneiden, bis die Haare etwa auf Kinnlänge gekürzt waren.

Dann kam Gandalf und machte Faramirs Haare naß. Er trug darauf einen lauwarmen Sud aus Elbenkraut-Blättern auf.

„Du musst aufpassen, da diese Farbe sich leicht auswäscht. Wenn du in Regen kommst, musst du unbedingt deine Mantelkapuze aufsetzen. Außerdem wirst du nach einigen Wochen nachfärben müssen. Doch sei unbesorgt, das Elbenkraut wächst überall. Du musst es einige Minuten auskochen, dann ist der Sud stark genug, um zu färben."

Eine Stunde später war Faramirs Verkleidung fertig: traurig betrachtete er sich im Spiegel. Mit den schwarzen Haaren wirkte er sehr blaß.

„Ich sehe aus wie ein Gespenst", murmelte er kopfschüttelnd. „Nicht einmal Boromir würde mich jetzt wieder erkennen."

„Dann ist es genau richtig", freute sich Gandalf und klopfte Faramir auf die Schultern.

„Ich glaube, wir sollten jetzt aufbrechen", mahnte Aragorn ernst.

Faramir blickte den Zauberer bedrückt an.

„Dann heißt es jetzt Abschied nehmen?" fragte er leise.

Gandalf nickte lächelnd.

„Aber es ist kein Abschied für immer, wie du weißt. Ich komme oft in diese Gegend, weil ich im Auenland viel zu tun habe. Wir werden uns sicher bald wieder sehen."

Faramir umarmte den Zauberer fest.

„Ich danke dir für alles", sagte er mit zitternder Stimme.

Auch Gandalf war den Tränen nah und er schalt sich im Inneren dafür. Deshalb war er ganz froh, als Aragorn und Faramir endlich das Zimmer verließen. Leise seufzend setzte sich der Zauberer auf das Bett.

Als Faramir an Butterblume vorbeikam, erkannte dieser ihn tatsächlich nicht.

„Streicher, wo kommt denn dieser junge Mann plötzlich her?" fragte er erstaunt.

„Das ist unwichtig", entgegnete Aragorn unwirsch und zerrte Faramir aus dem Gasthaus hinaus.

Wenig später tauchte Gandalf bei Butterblume auf, um das Zimmer für sich und Faramir zu bezahlen.

„Wo ist denn Euer rothaariger Freund hin?" wollte der bärtige Wirt neugierig wissen.

„Er ist bereits heute nacht fortgegangen", erklärte Gandalf knapp, während er die Münzen auf den Tresen legte.

Dann verabschiedete er sich von Butterblume. Dieser zählte rasch das Geld nach und legte es dann in seine Kasse, die aus einer kleinen Holztruhe bestand.