Lady: Danke für dein dickes Lob! Ich werde versuchen, die Geschichte so spannend wie möglich zu halten. Im Norden gibt es ja ganz andere Gefahren als im Süden...
Ali: Ja, Faramir ist so ein bisschen vom Regen in die Traufe gekommen, scheint es. Aber die Waldläufer sind eigentlich vernünftige Leute. Rauhe Schale, weicher Kern. Danke für deine lieben Reviews!
Tanja: Danke, dass du meinen Stil so lobst! Und schon gibt es die Fortsetzung...
Khamul: Boromir wird sicher in späteren Kapiteln noch eine Rolle spielen. Danke für dein Review!
Leonel: Ja, ich konnte Faramir auch nicht länger mit gefärbten Haaren ertragen. Halbarad ist jetzt ganz schön geschockt. Hoffentlich kommt seine Reue nicht zu spät... Vielen Dank für dein liebes Review!
§§§§§§
Kapitel 6: Neue Gefahr
Eduard Hornbläser weckte Faramir kurz nach Sonnenaufgang. Er konnte nicht mehr länger schlafen, da er sich versehentlich in die Nähe eines Ameisenhaufens gelegt hatte. Nach einem kargen Frühstück, das nur aus Dörrfleisch und Wasser aus dem Bach bestand, zogen die Beiden rasch weiter Richtung Bree.
Gegen Mittag erreichten sie die kleine Stadt. Das Tor war tagsüber geöffnet und niemand kümmerte sich um die beiden Wanderer, die Bree betraten. Auf den Straßen herrschte reger Betrieb. Faramir war ein wenig bedrückt, denn nun würde ihn Eduard Hornbläser bald verlassen. Und dann war er ganz alleine auf sich gestellt. Er hatte immer noch keine Ahnung, wo er hin sollte. Erst einmal wollte er zum „Tänzelnden Pony" und dort seine Sachen holen.
„So, mein Weg führt mich nun zum Markplatz, wo ich meine Verwandten erwarte", erklärte Eduard Hornbläser fröhlich. „Ich bedanke mich noch mal dafür, dass du mich aus den Händen der Orks gerettet hast. Mögen die Valar mit dir sein, Faron!"
„Mit dir auch", murmelte Faramir traurig.
Er schüttelte dem Hobbit zum Abschied die Hand und dann trennten sich ihre Wege. Faramir ging nun direkt zum „Tänzelnden Pony", das direkt an der Hauptstraße lag. Er holte tief Luft, bevor er die schmuddelige Schänke betrat. Gerstenmann Butterblume erkannte ihn nicht sofort, erst als Faramir seine Kapuze abnahm und der Wirt die roten Haare sah, erinnerte er sich.
„Tut mir leid, junger Mann, ich bin eben sehr vergesslich", entschuldigte er sich.
Er rief seinen Knecht Tonda, der Faramir seine Gondor-Kleidung brachte und ihn anschließend zu seinem Pferd im Stall führte. Flammenmähne, dem fuchsfarbenen Wallach, ging es ausgezeichnet. Er wieherte freudig auf, als er Faramir wiedererkannte. Lächelnd klopfte der junge Mann den Hals des treuen Pferdes.
„Ihr müsst noch bezahlen", erinnerte Tonda ihn.
Faramir kramte in seinen Beutel herum, den er am Gürtel trug. Allzu viel Geld besaß er nicht mehr. Aber es reichte gerade aus, um Kost und Logis für sein Pferd zu bezahlen. Mit Schrecken stellte er fest, dass er sich nicht einmal mehr eine Mahlzeit im „Tänzelnden Pony" leisten konnte. Am besten war es, gleich weiter zu reiten, aber wohin?
§
Halbarad verschränkte die Arme und hörte sich an, was Aragorn über Faramir zu berichten hatte.
„Hättest du uns gleich gesagt, wer er ist, dann hättest du uns viel Ärger erspart", meinte Halbarad ungehalten.
„Ach ja?" gab Aragorn grimmig zurück. „Ich weiß sehr gut von den Ränkespielen, die in meiner Abwesenheit im Lager ablaufen. Faramir hätte mit seiner wahren Identität nie eine Chance gehabt. Zu dumm, dass diese Haarfarbe nicht hielt. Ich denke, Faron hätte dich mit der Zeit schon überzeugt."
„Das hat er bereits gestern", unterbrach ihn Amros mutig. „Er hat einen Hobbit aus einem Orklager befreit und den größten Hirsch geschossen, der jemals in den Wälder Eriadors gesehen wurde."
Aragorn sah Halbarad finster an.
„Und trotzdem hast du ihn aus dem Lager geworfen?"
„Es tut mir leid", brummte dieser leise. „Aber Maruvan und ich dachten..."
„Schluß damit!" erwiderte Aragorn streng. „Wir werden jetzt Faramir suchen und finden."
„Wenn wir Faramir gefunden haben, werde ich das Lager verlassen", erklärte Halbarad erschüttert.
Aragorn verspürte nicht die geringste Lust, Halbarad zum Bleiben zu bitten. Er hatte die Machtgier dieses Mannes so satt, andererseits war Halbarad zuverlässig in Notlagen. Schon oft hatte er mit seiner Umsicht die Waldläufer vor größeren Schaden bewahrt, wenn Aragorn abwesend war.
„Darüber müssen wir noch reden", presste er daher nur hervor.
Jetzt galt es aber tatsächlich erst einmal, Faramir zu finden. Halbarad ließ sich nicht davon abbringen, Aragorn zu begleiten. Er wollte diese Scharte unbedingt wieder auswetzen. Noch einige andere Waldläufer kamen freiwillig mit. Anhand der Spuren konnten sie erkennen, dass Faramir und der Hobbit zurück nach Bree gelaufen waren.
„In Bree hat Faramir sein Pferd untergestellt", murmelte Aragorn vor sich hin. „Hoffentlich kommen wir an, bevor er davonreitet."
§
„Wollt Ihr nicht zum Essen bleiben?" fragte Butterblume geschäftstüchtig, nachdem Faramir gezahlt hatte.
„Nein, das kann ich mir leider nicht mehr leisten", seufzte der junge Mann bedrückt.
Der Wirt verschränkte die Arme und überlegte kurz.
„Von Gandalf weiß ich, dass Ihr ein guter Jäger seid. Wollt Ihr nicht hierbleiben, und mir Wildbret für meine eintönige Speisekarte besorgen? Dafür könnt Ihr hier schlafen und essen."
Faramir sah ihn überrascht an: doch er musste zugeben, dass ihm dieses Angebot ganz gelegen kam.
„Allerdings müsst Ihr sofort los, und mir einen schönen feisten Hirschbraten besorgen", forderte Butterblume habgierig.
„Gut, wie Ihr wollt", meinte Faramir achselzuckend.
Er brachte sein Bündel Habseligkeiten in eine Kammer, die ihm Tonda, der Knecht, zeigte. Diese Kammer war geradezu winzig und nur notdürftig mit einer Pritsche und einem wackligen Tisch eingerichtet. Faramir legte seine Sachen auf den Tisch und nahm dann Pfeil und Bogen an sich. Seufzend verließ er die Kammer. Er überlegte, wo er auf Jagd gehen konnte. Im nahen Wald auf keinem Fall, denn da würde er nur Halbarad oder Maruvan begegnen. Und die hatten ihm mit dem Tode gedroht. Faramir erinnerte sich, dass er bei der Anreise nach Bree ein schönes Waldstück weiter südlich, kurz nach den Hügelgräberhöhen gesehen hatte. Dort wollte er hin und jagen. Sicher gab es dort genügend Wild. Er holte sich also sein Pferd und verließ dann Bree südwärts. Er ritt den sogenannten Grünweg entlang. Hier begegnete ihm kaum jemand. Es war ein grauer, düsterer Nachmittag und Faramir wollte möglichst vor Einbruch der Dunkelheit einen Hirsch erlegen. Endlich sichtete er das Waldstück und er lächelte zufrieden. Aber eigentlich war ihm nicht nach Lächeln zumute. Gandalfs Plan war gescheitert. Die Waldläufer hatten ihn nicht aufgenommen. Er hatte keine Ahnung, was die Zukunft ihm bringen würde. Wo sollte er sich hinwenden? Als Jäger für den rachgierigen Wirt Butterblume zu arbeiten, war auf Dauer keine Lösung. Es war nur eine Überbrückung für ihn, bis ihm etwas besseres einfiel. Faramir seufzte tief und stieg von Flammenmähne ab.
„Bleib schön hier in der Nähe, mein Guter", sagte der junge Mann zu dem großen, fuchsfarbenen Hengst.
Flammenmähne wieherte leise auf, als ob er verstanden hätte. Faramir klopfte ihm freundschaftlich den Hals, dann verschwand er mit seinem Bogen im Wald.
§
Inzwischen hatten Aragorn, Halbarad und die kleine Gruppe Waldläufer das Städtchen erreicht. Ehrfürchtig wichen die Einwohner von Bree vor den grimmig aussehenden Männern zur Seite. So viele auf einmal hatte man in der kleinen Stadt schon lange nicht mehr gesehen. Schnell kursierten Gerüchte in der Stadt. Man munkelte, dass die Waldläufer einen Hobbit und einen Menschen aus dem Süden suchten. Anscheinend hatten die Beiden etwas ausgefressen.
Halbarad entdeckte Eduard Hornbläser zuerst. Er stand mit einer Gruppe anderer Hobbits am Marktplatz und führte große Reden.
„...Und dann wurde ich von mindestens hundert Orks in ein Lager geschleppt", berichtete er gerade und sah sich beifallheischend um.
Erst als die anderen Hobbits „oh" und „ah" machten, fuhr er mit seinem Bericht fort. Plötzlich tippte ihm jemand auf die Schulter. Erschrocken drehte sich Eduard um.
„Oh nein, nicht schon wieder Ihr!" rief er entrüstet auf. „Was wollt Ihr denn noch?"
„Wo ist dein Begleiter Faron?"
„Selbst wenn ich es wüsste, würde ich es Euch nicht sagen", entgegnete der Hobbit patzig. „Faron ist der tapferste Mann, den ich je gesehen habe. Und Ihr werdet ihn gefälligst in Ruhe lassen!"
Eduard Hornbläser hatte sich bei diesen Worten in seiner ganzen Größe vor Halbarad aufgebaut. Aber deswegen reichte er ihm auch nur bis zur Hüfte.
Der Waldläufer seufzte und ging in die Hocke.
„Es tut mir leid, was ich Euch und Faron angetan habe. Aber es ist wirklich wichtig, dass Ihr mir sagt, wo er ist. Aragorn will ihn zurückhaben – und ich auch."
Der Hobbit verschränkte die Arme und machte ein grimmiges Gesicht.
„Das fällt Euch aber reichlich spät ein, mein Lieber. Nun gut, weil es Ihr seid: Faron holt im ‚Tänzelnden Pony' seine Sachen."
Halbarad bedankte sich Hornbläser und ging zurück zu den anderen. Aragorn war jedoch inzwischen zum „Tänzelnden Pony" gegangen. Dort trafen die Waldläufer ihn.
„Und was ist, Aragorn?" fragte Halbarad neugierig. „Hast du Faron...äh Faramir gefunden?"
Aragorn machte eine ernste Miene.
„Butterblume hat ihn zur Jagd geschickt. Er sagt, dass Faramir zu Pferd die Stadt Richtung Süden verlassen hat."
„Du meinst, er ist in den Farnwald gegangen, der in der Nähe der Hügelgräberhöhen liegt?" fragte Halbarad erschrocken.
„Das befürchte ich", seufzte Aragorn. „Wir sollten ihm schleunigst folgen. Ein Fremder kann hier leicht zu nahe an die Hügelgräber geraten, selbst wenn er Waldläufer ist. Diese Gegend ist zu tückisch."
