Tanja: Ja, es wurde Zeit, dass jemand mal Halbarad die Meinung geigt. Aragorn hat diese Machtspielchen inzwischen so satt. Aber jetzt muß erst mal Faramir gerettet werden...

Ali: Auch über ein kurzes Lob freue ich mich. Danke!

Lady: Ich beeile mich mit dem Updaten. Ich kann euch doch nicht so lange zappeln lassen. Außerdem macht es mir auch einen Riesenspaß, diese Geschichte zu schreiben.

Leonel: Butterblume ist ziemlich profitgierig. Er versucht Faramirs Lage schamlos auszunutzen, ohne dabei zu ahnen, in welch große Gefahr Faramir dadurch gerät...

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Kapitel 7: Die Hügelgräberhöhen

Faramir befand sich inzwischen tief im Farnwald. Er hoffte, möglichst bald die Spur eines Hirschen zu sichten, doch bisher hatte sich nichts gefunden. Der junge Mann merkte, dass in diesem Wald kein Vogellaut zu hören war. Ja, es war geradezu unheimlich still. Die typischen Geräusche des Waldes gab es hier einfach nicht. Und das fiel Faramir als erfahrenen Waldläufer sofort auf. Aber es musste doch hier Wild geben! Die Bäume wirkten grün und saftig, ebenso das hohe Farnkraut, welches den Boden bedeckte und diesem Wald seinen Namen gegeben hatte. Faramir seufzte: es hatte keinen Zweck, weiter zu suchen. Außerdem würde es bald Abend werden. Er sah, wie Nebelschwaden über den Boden krochen. Höchste Zeit, diesen unheimlichen Wald zu verlassen. Doch die Nebelwand wuchs höher und dichter. Der junge Mann begann die Orientierung zu verlieren. Er musste sich in östlicher Richtung halten, um wieder zu Flammenmähne und dem Grünweg zurückzugelangen. Faramir lief schneller und er atmete auf, als sich der Wald zu lichten begann. Doch was er jetzt erblickte, war nicht der Grünweg, sondern die Hügelgräberhöhen!

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Aragorn und seine Waldläufer waren im Eiltempo den Grünweg hinabgelaufen. Sie alle waren Gewaltmärsche gewohnt und daher gelangten sie schon bald an die Stelle, an welcher Faramir Flammenmähne zurückgelassen hatte. Der Hengst graste friedlich am Waldrand.

„Er ist tatsächlich in den Farnwald gegangen", murmelte Halbarad betroffen vor sich hin. „Ich hoffe, wir kommen nicht zu spät."

„Rasch, vorwärts!" kommandierte Aragorn seine Männer und sie betraten den unheimlichen Wald.

Der Nebel hatte sich inzwischen wieder verzogen. Faramirs Spuren waren am Boden gut zu erkennen. Die Spuren führten zunächst Richtung Nordwesten, dann plötzlich in südliche Richtung.

„Er ist tatsächlich zu den Hügelgräbern gelaufen", stellte Amros schockiert fest. „Mögen die Valar verhindern, dass er in eines der Gräber hineingerät, denn dann ist er für immer verloren."

Aragorn erwiderte darauf nichts, sondern trieb seine Männer vorwärts, direkt in die Richtung der Hügelgräberhöhen.

§

Faramir betrachtete fasziniert die Hügel mit den Steingruppen darauf. Eigentlich war es höchste Zeit umzukehren, doch er wollte noch einen Augenblick hier verweilen. Gandalf hatte ihm erzählt, dass dort edle Krieger aus Arnor begraben waren. Sie waren mit ihren Waffen, Rüstungen und Schätzen in den Hügeln bestattet worden. Doch der Zauberer hatte auch berichtet, dass der Hexenkönig von Angmar dorthin böse Geister gesandt hatte, die diese Gräber bewachten und verhindern sollten, dass Wanderer aus dem Auenland Bree unbehelligt erreichen konnten. Langsam ging Faramir auf das erste Hügelgrab zu. Er wollte nur rasch die Inschrift im Stein lesen, denn es interessierte ihn, wer hier genau begraben war. Er hatte in alten Schriften oft über die tapferen Helden von Arnor gelesen. Schon in seiner Kindheit war er begeistert von den alten Erzählungen über das Nordreich gewesen.

Faramir ging vor dem Grab in die Hocke und studierte die moosbewachsene, verwitterte Inschrift. Dann packten ihn plötzlich mehrere fleischlose Hände und zerrten ihn in das Grab hinein. Der junge Mann war nicht imstande sich zu wehren, denn diese schattenhaften Wesen, die ihn gepackt hatten, besaßen übernatürliche Kräfte.

Grabunholde! Dachte er entsetzt.

Sie zerrten Faramir auf einen Steinaltar. Dort musste er still liegen bleiben und durfte sich nicht rühren. Die Grabunholde begannen vor sich hinzumurmeln. Es war ein schrecklicher, geisterhafter Singsang. Faramir fühlte, dass er schläfrig wurde. Dann fielen ihm die Augen zu.

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Die Waldläufer hatten inzwischen den Wald verlassen und standen nun vor den begrasten Hügel, die friedlich in der Abendsonne vor ihnen lagen.

„Er ist verschwunden!" presste Amros entsetzt hervor. „Die Grabunholde haben ihn genommen."

Aragorn untersuchte schweigend die Fußspuren, die urplötzlich vor dem Eingang eines Grabes endeten.

„Dort drin ist er", murmelte er vor sich hin.

„Wir können da nicht hinein", sagte Halbarad kopfschüttelnd. „Diese Steine sind mit bösen Geisterflüchen versiegelt."

Doch Aragorn gab nicht auf. Er zog seinen Ring von Finger: es war der berühmte Ring von Barahir. Der Ring der Könige, der schon seit Menschengedenken immer vom Vater an den Sohn weitergegeben worden war. Und der Ring besaß eine gewisse positive Magie. Denn die Träger dieses Ringes hatten in ihren Leben immer nur Gutes bewirkt.

Aragorn strich mit dem Edelstein des Ringes über den Felsen, der den Grabhügel verschloß.

Die Waldläufer hatten alle den Atem angehalten: würde der Ring das Grab öffnen?

Tatsächlich: der Felsen ließ sich jetzt leicht zur Seite rutschen. Aragorn und Halbarad drangen in die Grabhöhle ein. Sie sahen Faramir auf dem Felsaltar liegen und die schaurigen Schattengestalten die sich murmelnd über ihn beugten. Aragorn zog wütend sein Schwert.

„Verschwindet, ihr grässlichen Unholde!" schrie er bebend. „Laßt ihn in Ruhe!"

Die Grabunholde, die zum ersten Mal Menschen in ihre Gefilde eindringen sahen, erschraken. Kreischend lösten sie sich in Rauch auf. Aragorn zog Faramir vorsichtig auf die Füße, der noch ganz benommen wirkte.

„Was für ein böser Traum", murmelte er vor sich hin.

Erst draußen wurde ihm richtig gewahr, wer ihn da gerettet hatte. Er umarmte Aragorn freudig.

„Warum seid ihr mir gefolgt?" fragte er erstaunt.

Halbarad trat zerknirscht vor Faramir hin.

„Es tut mir leid, dass wir dich so schlecht behandelt haben. Wir Waldläufer des Nordens sind sehr mißtrauisch. Also, wenn du noch willst,...ich meine, ich habe nichts mehr dagegen, wenn du dich uns anschließt."

Faramir starrte ihn an und grinste dann.

„Das wäre wirklich das Größte, wenn ich bei euch bleiben könnte."

Halbarad atmete erleichtert auf und klopfte Faramir auf die Schultern. Auch Amros kam jetzt und umarmte den jungen Gondorianer.

„Jetzt aber nichts wie weg von diesem schaurigen Ort!" mahnte Aragorn. „Die Grabunholde werden bald zurückkehren und dann von Neuem ihr grausiges Spiel beginnen."

Rasch lief die kleine Gruppe in den Farnwald zurück und dann auf den Grünweg Richtung Bree. Faramir führte Flammenmähne am Zügel. Er überlegte, was er jetzt mit seinem treuen Pferd anfangen sollte. Zu den Waldläufern konnte er das Tier unmöglich mitnehmen. Sie hatten ja alle keine Pferde. Aragorn schien seine Gedanken erraten zu haben.

„Wir werden uns unverzüglich auf den Weg nach Fornost machen", erklärte er Faramir. „Du kannst dein Pferd dorthin mitnehmen. Es wird in gute Hände kommen."

„Fornost, ist das nicht die alte Hauptstadt des Nördlichen Königreiches?" fragte der junge Mann neugierig. „Ich dachte, die Stadt ist vernichtet worden?"

„Ist sie auch", ergänzte Halbarad. „Doch leben in den Ruinen noch einige von uns. Diejenigen, die geheiratet und Familie haben. Außerdem finden dort immer die Versammlungen unser Stammesführer statt."

„Und so eine Stammesversammlung findet in drei Tagen dort statt", sagte Aragorn.

§

Erst einmal kehrten die Waldläufer im „Tänzelnden Pony" ein, um dort Abend zu essen und sich ein wenig von den Strapazen des Tages zu erholen, bevor sie ins Lager zurückmarschierten.

Gerstenmann Butterblume zeigte sich enttäuscht darüber, dass Faramir nun doch nicht für ihn als Jäger arbeiten würde. Der junge Mann holte rasch seine Sachen aus der Kammer.

„Das kostet aber etwas!" maulte der habgierige Wirt den Gondorianer an.

„Aber ich habe kein Geld mehr", sagte Faramir erschrocken. „Außerdem war nicht ausgemacht, dass ich für diese Kammer bezahlen muß."

„Du hast mir ja keine Gegenleistung erbracht", beschwerte sich Butterblume. „Ich habe damit gerechnet, dass du mir heute abend einen saftigen Wildbraten bringst."

Jetzt tauchte Aragorn neben Faramir auf und er funkelte den Wirt böse an.

„Was soll das, Butterblume? Kriegst du den Hals wieder einmal nicht voll genug? Ich sollte einmal mit Gandalf über dich reden. Es könnte sein, dass er dir dann endgültig die Freundschaft kündigt."

„Nein, Streicher, mach' das bloß nicht!" jammerte der Wirt entsetzt.

„Dann laß meinen Freund endlich in Ruhe!"

Butterblume wurde ganz kleinlaut und er ließ Faramir in Ruhe. Das Abendessen spendierte Maruvan, der ein gutes Geschäft in Bree gemacht hatte. Er hatte sowohl seinen erlegten Hirsch als auch den von Faramir gut verkauft. Das Geld, das noch übrig war, drückte er Faramir in die Hand, zum Zeichen seiner Freundschaft.

„Ich hoffe, du bist mir nicht länger böse, Rothaariger", sagte er zu dem jungen Mann.

„Das ist schon in Ordnung", erwiderte Faramir freundlich. „Aber ich möchte das Geld nicht haben. Es soll uns allen gehören."

„Gut, dann verwalte ich es", meinte Halbarad grinsend und steckte die Münzen in einen kleinen Lederbeutel, den er am Gürtel trug.

Nach dem Essen fühlte sich Faramir sehr müde und sehnsüchtig wanderte sein Blick zu den Gästezimmern hinüber. Doch die Waldläufer wollten nicht länger bleiben. Nach dem Essen ging es sofort zurück in den Wald. Es war fast Mitternacht, als sie das Zeltlager erreichten. Faramir kroch in das Zelt, welches er sich mit Aragorn teilte und breitete rasch seine Decke aus. Dann ließ er sich einfach nur darauffallen und schlief sofort erschöpft ein.