Tanja: ja, die Hügelgräberhöhen fand ich schon immer faszinierend – und gruselig. Endlich konnte ich sie mal in eine FF einbauen.

Lady: Wie gut, dass Aragorn den Grabunholden gewachsen ist – dank einer gewissen Macht, die in seinem Ring innewohnt.

mira wunder: Danke, bin ganz baff über dein Lob.

§§§§§

Kapitel 8: Fornost

Die Waldläufer ließen Faramir bis weit in den nächsten Vormittag hinein schlafen. Er hatte schließlich viel mitgemacht. In einem Hügelgrab eingesperrt zu sein, war sicher kein besonders schönes Erlebnis.

Als der junge Mann schließlich aufstand, stand die Sonne schon hoch am Himmel. Er kratzte sich an seinen wieder sprießenden Stoppelbart und verließ das Zelt. Amros hatte ihm eine Portion Getreidebrei vom Frühstück aufgehoben.

„Er ist leider schon kalt", sagte der freundliche Mann bedauernd.

„Das macht nichts, Amros", versicherte Faramir, während er den Brei in sich hineinschaufelte. Kalt schmeckte der Brei tatsächlich nicht mehr so besonders, aber der Gondorianer hatte einen Riesenhunger.

Die anderen Waldläufer waren inzwischen dabei, das Zeltlager abzubrechen.

„Werden wir hierher nie mehr zurückkehren?" fragte Faramir Amros traurig.

„In die Nähe bestimmt", meinte der Waldläufer lächelnd. „Schließlich gibt es in dieser Gegend einen Bach."

Aragorn winkte Faramir zu sich, nachdem dieser gegessen hatte. Es galt nun, auch das letzte Zelt abzubrechen. Der junge Mann half dem erfahrenen Waldläufer, so gut er konnte. Aber Aragorn war einfach geschickter als er. Im Nu hatte dieser das Zelt in ein viereckiges Bündel verschnürt.

„Wer soll das alles tragen?" fragte Faramir zweifelnd.

„Normalerweise wir", sagte Aragorn schief lächelnd, als er aufstand und dem jungen Gondorianer das Paket in die Arme drückte.

Faramir ging bei dem Gewicht fast in die Knie. Der Stoff des Zeltes war aus einem regendichten, dafür schweren Material gearbeitet. Der junge Mann war sich sicher, dass er mit diesem Gewicht auf dem Rücken höchstens eine halbe Stunde gehen konnte.

„Aber zum Glück haben wir momentan dein Pferd", ergänzte Aragorn schließlich.

Faramir hatte großes Mitleid mit Flammenmähne, denn das arme Tier wurde mit sieben dieser Zeltpakete beladen. Der große Fuchs starrte seinen Herrn vorwurfsvoll an.

„Tut mir leid, Flammenmähne", sagte der junge Mann leise und streichelte sein Pferd über die Nüstern.

§

Die Waldläufer liefen auf der großen Nordsüd-Straße Richtung Fornost. Es war ein anstrengender Marsch von drei Tagen und Faramir war wirklich froh, dass er nur sein eigenes Bündel tragen musste. Die Sonne brannte an diesen drei Tagen heiß vom Himmel. Schließlich herrschte Hochsommer in Eriador.

Die Ruinen der einstmals prächtigen Stadt Fornost lagen in einem lieblichen Tal. Faramir betrachtete traurig die zerfallenen Steine und wehmütig erinnerte sich an das zerstörte Osgiliath. Fornost mochte bestimmt auch einst so prächtig wie die Stadt am südlichen Anduin gewesen sein. Er hatte viel über die Zerstörung von Fornost gelesen, aber nie geahnt, dass er diese Stadt auch tatsächlich irgendwann sehen würde.

Es befanden sich viele Menschen in dieser Stadt. Sie wohnten in Zelten und Hütten. Niemand von ihnen hatte sich die Mühe gemacht, die Stadt wieder aufzubauen. Sie waren alle Waldläufer, mehr oder weniger sesshaft. Jederzeit konnten sie ihre Hütten verlassen oder Zelte abbauen, um sich wieder an einem anderen Ort niederzulassen.

„Ich glaube, sie sind alle schon da", zischte Halbarad Aragorn zu.

Dieser nickte nur stumm.

Ein alter Mann mit grauem Haar und Bart verließ eine der Hütten. Trotz seines hohen Alters bewahrte er sich eine stolze Haltung.

„Sei gegrüßt, Valacar!" sagte Aragorn freundlich zu dem alten Mann.

„Er ist schon über 200 Jahre alt", raunte Amros Faramir zu.

„Wir haben uns lange nicht gesehen, Aragorn, Arathorns Sohn", sagte der alte Mann bedächtig und lud den Anführer in seine Hütte ein.

Faramir sah den Beiden stirnerunzelnd hinterher und fragte sich, was die Männer wohl zu besprechen hatten. In diesem Moment kam aus der Strohhütte nebenan ein junges Mädchen mit ebenholzschwarzen Haaren heraus. Sie hielt einen Krug in der Hand.

„Halbarad, habt ihr Durst?" fragte sie eifrig.

Dieser grinste und zog seinen Trinkbecher aus seinem Bündel.

„Ich hoffe, du hast Bier in deinem Krug, Manyavel."

„Bier – wo denkst du hin?" gab das Mädchen schlagfertig zurück. „Das ist klares Quellwasser, mit etwas Apfelwein gemischt."

Jetzt zog auch Faramir seinen Becher heraus. Er wartete höflich, bis Manyavel Halbarad eingeschenkt hatte. Dann hielt er ihr seinen Becher hin.

„Meine Dame, ich hätte auch gerne von diesem köstlichen Getränk."

Manyavel starrte ihn an wie ein Gespenst.

„Ich glaube, mich tritt ein Pferd", lachte sie auf. „Warum sprichst du denn so gestelzt, Junge? Und überhaupt: du hast Haare, so rot wie ein Fuchs."

Faramir blickte sie verwirrt an: er war es nicht gewohnt, von jungen Frauen so burschikos angesprochen zu werden.

„Nun gib ihm schon endlich was zu trinken, Manya!" sagte Halbarad lachend. „Das ist Faramir, unser Neuer. Er kommt aus Gondor."

„Aha, ein Südländer", meinte das Mädchen und blies sich eine störrische Haarsträhne aus der Stirn.

Endlich schenkte sie Faramirs Becher voll und dieser bedankte sich höflich bei ihr. Der junge Mann war heilfroh, als sie weiterging und die anderen Waldläufer bediente.

„Sind hier alle Frauen so forsch?" fragte er Halbarad leise.

„Nein, nur diese", meinte dieser grinsend. „Sie nimmt sich was heraus, weil sie Valacars Urenkelin ist."

„Und Valacar ist das Oberhaupt der Dunedain des Nordens?" wollte Faramir wissen.

„Nein, das ist Aragorn", erklärte Halbarad stolz. „Valacar ist nur der Bruder seines Vaters. Sein Onkel also. Aber Valacar hat als Stammesältester ein Wörtchen mehr mitzusagen, als die anderen."

Faramir blickte Manyavel hinterher, wie sie die Straße der zerfallenen Stadt hinunterwanderte mit ihrem Krug.

„Dir gefällt die Kleine wohl?" raunte ihm Halbarad gutgelaunt zu.

„Sie ist sehr hübsch", gestand Faramir ehrlich. „Aber ich glaube nicht, dass ich mich in sie verlieben könnte. Ich habe erst vor kurzem meine große Liebe verloren."

„Das tut mir leid", sagte Halbarad mitleidig. „Aber irgendwann wirst du darüber hinwegkommen, glaube mir!"

§

Nachdem die Waldläufer sich ein wenig ausgeruht und gegessen hatten, begann die große Ratsversammlung der Stammesführer. Auf einem großen Platz in der Mitte der Stadt hatte man ein riesigen Feuer angezündet, um das sich alle Männer im Kreis versammelten. Die Älteren saßen vorne, die jüngeren dahinter. Valacar ergriff das Wort. Faramir lauschte interessiert, den der Stammesälteste berichtete von den Sorgen seines Volkes. Ständig wurden die Dunedain-Sippen von Orks und Trollen angegriffen. In letzter Zeit hatten sich diese Angriffe vermehrt.

„Das ist Saurons Werk!" knurrte Aragorn wütend, der in Faramirs Nähe saß.

Schließlich sprang der Stammesführer der Dunedain auf und fing selbst an zu reden.

„Es ist höchste Zeit, dass der Eine Ring endlich gefunden und vernichtet wird. Sauron wird von Tag zu Tag stärker. Doch noch immer habe ich Gollum nicht gefunden, obwohl ich ihn schon seit über 10 Jahren jage."

„Ich weiß, wo Gollum steckt!", erhob plötzlich ein junger Waldläufer namens Cardolan die Stimme. „Er treibt sich zur Zeit in der Nähe der Totensümpfe herum."

Ein Raunen ging durch die Reihen der Dunedain.

„Dann muß ich sofort dorthin reisen", sagte Aragorn entschlossen. „Wenn ich dort Gollum nicht ergreife, dann nimmermehr."

Die Waldläufer nickten beifällig: wenn Einer diese grässliche Kreatur fangen konnte, dann war es Aragorn!

Faramir fasste einen Entschluß und erhob sich.

„Ich möchte mitkommen!" rief er Aragorn mutig zu.

Alle starrten erst erstaunt zu Faramir, dann zu Aragorn. Was würde der Stammesführer der Dunedain dazu sagen?