Leonel: Ich bin froh, dass du trotz allem Zeit gefunden hast, mir zu reviewen. Valacar war meines Wissens ein König von Gondor und wurde ziemlich alt. Ich fand, dass dieser Name gut zu einem Stammesältesten der Dunedain passen würde. Und richtig: Gollum wird in einem der nächsten Kapitel eine Rolle spielen.
Tanja: Danke! Ich versuche immer, so schnell wie möglich zu updaten.
mira wunder: Wo hast du denn deine Stories gepostet? Gib mir mal einen Tip. Danke für dein Review!
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Kapitel 9: Manyavel
„Das geht nicht", erklärte Aragorn schlicht und sah Faramir streng an. „Der Weg in den Totensümpfen ist viel zu gefährlich."
„Ich war erst vor einem guten halben Jahr in den Totensümpfen", betonte der junge Mann. „Ich kenne mich in dieser Gegend aus. Ich war gezwungen, diesen Weg zu nehmen, als ich nach Lothlorien reiste."
Faramir verschwieg jedoch, dass er ohne Radagasts Hilfe in den Totensümpfen verloren gewesen wäre. Doch es lag ihm viel daran, Aragorn zu begleiten. Er hatte Angst um seinen neuen Freund. Der Gedanke, dass ihm etwas auf dieser Reise zustoßen könnte, war ihm unerträglich.
Aragorn sah den Gondorianer verdutzt an.
„Wir sprechen später darüber", sagte er streng.
Faramir setzte sich wieder hin. Halbarad schüttelte den Kopf: auch er war Aragorns Meinung.
Die Ratsversammlung dauerte noch eine Stunde, doch Faramir war nicht mehr bei der Sache. Er überlegte fieberhaft, wie er Aragorn davon überzeugen konnte, ihn mitzunehmen.
Als sich die Versammlung auflöste, suchte Faramir müde das Zeltlager am Rande der Stadt auf. Unterwegs begegnete ihm Manyavel, die einen großen Topf mit heißem Eintopf schleppte.
„Wartet, meine Dame, lasst mich das tragen", bot ihr Faramir höflich seine Hilfe an.
Manyavel gab ihm grinsend den Topf.
„An deinen Umgangston könnte ich mich gewöhnen, ehrlich", meinte sie amüsiert.
„Das liegt an meiner Erziehung", erklärte Faramir lächelnd.
„Reden denn alle in Gondor so wie du?" bohrte Manyavel neugierig weiter, während sie neben ihm herlief.
„Ich glaube nicht", meinte Faramir belustigt.
„Wie ist es denn so in Gondor? Gibt es dort auch Wälder?"
„Ja, wir haben wunderschöne Wälder in Ithilien", fuhr Faramir ein wenig bedrückt fort, denn die Erinnerung an seine Heimat war doch recht schmerzhaft. „Aber wir haben auch wunderschöne Täler, wo Blumen blühen, die es hier oben im Norden gar nicht gibt."
„Irgendwann will ich auch mal Gondor sehen", erklärte Manyavel begeistert.
Sie erreichten das Zeltlager der Waldläufer und Manyavel befestigte den Topf mit Eintopf an einem Holzgestell über dem flackernden Lagerfeuer. Faramir half ihr dabei.
„Danke fürs Tragen, Faramir", sagte das Mädchen fröhlich und klopfte ihm die Schulter.
Der junge Mann sah ihr erstaunt hinterher. Sie war völlig anders als alle Mädchen, die er vor ihr getroffen hatte. Auch so anders als Alatariel.
§
Die anderen Waldläufer, unter ihnen Amros, Halbarad und Maruvan, trafen ein und bedienten sich freudig an dem fertiggekochten Essen. Doch Faramir verspürte gar keinen Hunger. Zuviel beschäftigte ihn momentan.
„Faramir, greif zu, bevor alles weg ist!" stieß ihn Amros grinsend an.
„Jaja, die Weibsleute", lästerte Halbarad und schaufelte einen großen Löffel Eintopf in den Mund.
„Es geht mir um etwas ganz anderes", widersprach Faramir. „Ich möchte Aragorn begleiten. Die Totensümpfe liegen in der Nähe meiner Heimat und ich war schon dort."
„Aragorn kann gut auf sich selbst aufpassen", erklärte Maruvan finster. „Er braucht kein Kindermädchen. Wenn du mitgingest, dann müßte er auf dich aufpassen, fürchte ich. Aragorn kennt sich in ganz Mittelerde so gut aus wie in seiner Manteltasche."
„Ich werde Faramir trotzdem mitnehmen", sagte plötzlich eine Stimme hinter ihnen.
Alle drehten sich erstaunt um und blickten in das entschlossene Gesicht des Stammesführer.
„Ich habe die Totensümpfe noch nie durchquert", fuhr Aragorn fort. „Und wenn Faramir sich tatsächlich in dieser Gegend auskennt, kann er mir von großen Nutzen sein."
„Wann brechen wir auf?" fragte der junge Mann aufgeregt.
„Leider können wir erst übermorgen los", meinte Aragorn müde lächelnd und legte seine Hand auf Faramirs Schulter. „Du wirst dich also noch gedulden müssen, denn ich habe hier noch einige wichtige Dinge zu regeln."
Maruvan machte weiterhin ein finsteres Gesicht, während die anderen Waldläufer sich wieder um ihre eigenen Dinge kümmerten. Halbarad gefiel Maruvans Verhalten nicht: während er inzwischen Faramir akzeptiert hatte, ja sogar ein wenig mochte, hatte sich Maruvans Standpunkt wenig geändert. Er duldete den jungen Mann aus Gondor nur, mehr nicht.
§
Am nächsten Morgen stand Faramir schon früh auf. Alle Anderen schliefen noch fest, aber er konnte nicht mehr schlafen. Er war schon ziemlich aufgeregt wegen der baldigen Reise zu den Totensümpfen. Während im Osten ein grauer Schimmer den nahenden Sonnenaufgang ankündigte, ging Faramir zu einem nahegelegenen Tümpel, außerhalb der Stadt, um sich zu waschen. Während er leise die Büsche durchquerte, sah er plötzlich im schwachen Mondlicht, dass sich jemand in dem Weiher badete. Verdutzt blieb er stehen. Er merkte rasch, dass es sich dabei um eine Frau handelte. Die Frau summte leise ein Lied vor sich hin, während sie ihren schlanken, wohlgeformten Körper mit einem Schwamm abwusch. Faramir schluckte, als er die Frau erkannte: es war Manyavel! Eigentlich war es äußerst unschicklich, einfach stehenzubleiben und einer nackten Frau beim Baden zuzusehen. Aber Faramir konnte einfach nicht anders. Schließlich war er auch nur ein Mann. Als die Frau langsam ans Ufer schwamm, trat er vorsichtig in den Schatten der Büsche zurück. Es dauerte noch ein Stück, dann konnte er sehen, wie Manyavel angekleidet Richtung Fornost lief. Aufatmend ging er nun zu dem Weiher, um sich zu waschen. Doch das Bild des badenden Mädchens ging ihm nicht mehr aus dem Kopf.
Er traf Manyavel wieder, als es auf dem großen Platz in Fornost ein gemeinsames Mittagessen für alle gab. Sie teilte das Essen mit aus und Faramir beeilte sich, in ihre Nähe zu kommen. Als sie ihn sah, lächelte sie ihn an. Faramir bekam eine extra große Portion Wildbret und ein großes Stück Brot dazu. Als sie fertig war mit dem Austeilen, setzte sie sich neben Faramir hin und begann zu essen. Er wurde etwas verlegen, weil er schon wieder an das badende Mädchen von heute morgen denken musste. Plötzlich legte Manyavel ihre Hand auf seinen Unterarm.
„Heute wird nichts mehr gearbeitet. Wir feiern das Andenken an Elendils Geburtstag. Hast du Lust mit mir spazierenzugehen, Faramir?"
Dieser konnte nur ein heiseres „Ja, gerne!" krächzen, zu mehr war er nicht fähig. Es erstaunte ihn sowieso, dass Manyavel ihn zu einem Spaziergang aufforderte, bevor er selbst dazu kam. Das Mädchen überraschte ihn immer wieder aufs Neue.
Als sie den großen Platz verlassen hatten, hakte sich Manyavel bei ihm freundschaftlich unter.
„Ich bin froh, dass du hier bist, Faramir", meinte sie vergnügt und blinzelte Faramir aus ihren freundlichen, grauen Augen an. „Du bist nicht so grimmig wie die anderen Waldläufer. Mit dir kann man sich wenigstens unterhalten."
„Ich werde Fornost leider bald verlassen", sagte Faramir bedrückt. „Morgen schon werde ich mit Aragorn fortziehen."
Manyavel bliebt stehen und sah ihn entsetzt an.
„Er hat also doch erlaubt, dass du mitgehst! Warum willst du unbedingt mitreiten? Jeder andere würde sich vor so einem gefährlichen Abenteuer drücken."
„Ich will Aragorn helfen", betonte Faramir. „Er hat soviel für mich getan, jetzt will ich ihn auch unterstützen."
„Du bist ein Narr, Faramir!" stieß die junge Frau kopfschüttelnd hervor und lief zurück zu den anderen.
„Manyavel!" rief er ihr traurig hinterher.
Doch die junge Frau hörte nicht auf ihn. Rasch verschwand sie in der Menschenmenge auf dem großen Platz.
Der rothaarige Gondorianer blieb nachdenklich stehen: vielleicht war es besser so. In seinem Herzen hatte immer noch Alatariel ihren Platz. Und das Mädchen, das ihn offensichtlich sehr mochte, hatte es nicht verdient, von ihm enttäuscht zu werden.
§
Faramir sah Manyavel an diesem Tag nicht wieder und auch am nächsten Tag beim Aufbruch nicht. Aragorn hatte einen großen braunen Wallach namens Feanor gesattelt. Er wartete geduldig, bis Faramir mit Flammenmähne soweit war. Die Reiseroute hatte er dem jungen Mann aus Gondor bereits erklärt: sie würden über Bruchtal zur Pforte Rohans reisen, und dann durch das nördliche Rohan bis zu den Entwassern, und dort den Anduin überqueren. Dann würden sie das Fennfeld und die Totensümpfe erreicht haben.
Halbarad, Amros und die anderen Waldläufer nahmen herzlich Abschied von Faramir und Aragorn. Nur Maruvan hielt sich zurück. Er drückte Faramir stumm die Hand, während er Aragorn umarmte.
Der junge Mann warf noch einen sehnsüchtigen Blick in die Stadt zurück, in der Hoffnung Manyavel noch einmal zu sehen. Doch sie ließ sich nicht blicken.
„Komm, Faramir!" rief Aragorn seinem jungen Freund zu. „Gollum wartet nicht auf uns."
Aragorn legte ein schnelles Tempo vor. Faramir war erstaunt darüber, welch ein guter Reiter der erfahrene Waldläufer war. Bereits am Abend erreichten sie Bree und machten dort kurz Rast im „Tänzelnden Pony". Butterblume erkannte Faramir grinsend wieder und verhielt sich auffallend freundlich zu ihm. Aragorn jedoch blieb reserviert.
„Warum machen wir eigentlich den Umweg über Bruchtal?" wollte Faramir wissen, während er seine Suppe löffelte.
„Ich werde dort Gandalf treffen", erklärte Aragorn wortkarg.
„Gandalf?" fragte Faramir freudig. „Woher weißt du, dass er dort sein wird? Was wird es mit ihm zu besprechen geben?"
„Ich habe eine Nachricht von ihm in Fornost überreicht bekommen", sagte der Waldläufer etwas ungehalten. „Mehr musst du nicht wissen."
Faramir blickte niedergeschlagen auf seinen Teller: Aragorns plötzliches abweisendes Verhalten kränkte ihn. Als sie gegessen hatten, drängte der Waldläufer zum Weiterritt. Faramir war eigentlich sehr müde, aber er beschloß, die Zähne zusammenzubeißen, um nicht als Schwächling dazustehen.
Sie verließen Bree in östlicher Richtung. In der Nähe eines Baches schlugen sie dann ihr Nachtlager auf.
„Es tut mir leid, dass ich vorhin etwas schroff zu dir war", meinte Aragorn schließlich, nachdem sie die ganze Zeit geschwiegen hatten. „In Bree verkehrt allerlei merkwürdiges Gesindel in der letzten Zeit. Niemand braucht dort zu wissen, was Gandalf und ich zu besprechen haben."
„Dann muß ich mich entschuldigen für mein törichtes Verhalten", meinte Faramir zerknirscht.
„Das ist schon in Ordnung, Junge", sagte Aragorn und grinste.
Der junge Mann lächelte erleichtert zurück.
