Ali: Danke für dein Review! Ich freue mich darüber, wenn du auch weiterhin am Ball bleibst.

Leonel: Ich danke auch dir fürs Reviewen, liebe Leonel! Jetzt im nächsten Kapitel wird Gollum gejagt und es wird ziemlich spannend und abenteuerlich. Viel Spaß beim Lesen!

an die stillen Mitleser: Wie ihr wisst, bekomme ich für diese Story kein Geld. Der einzige Lohn fürs Schreiben sind die Reviews. Also, bitte, bitte, nicht nur lesen, sondern mir auch einen Kommentar hinterlassen. Es muß ja kein Roman sein. Ein Sätzchen würde mich schon freuen. /liebguck/

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Kapitel 11: Gollum

Sie ritten viele Tage am Nebelgebirge entlang, bis sie endlich die Pforte Rohans passierten. Zu Faramirs Leidwesen zog es Aragorn jedoch vor, die Dörfer Rohans zu umreiten. Gerne hätte er wieder einmal eine vernünftige warme Mahlzeit gegessen oder in einem richtigen Bett geschlafen, aber Aragorn scheute die Nähe von Menschen. Er vermutete Spitzel Mordors unter den Menschen.

Die ganze Zeit hatte sich der erfahrene Waldläufer sehr wortkarg Faramir gegenüber gegeben, so dass dieser schon glaubte, er hätte wieder eine unbedachte Äußerung gemacht, die Aragorn verärgert haben könnte.

Eines Abends fing dann der Waldläufer von selbst an zu erzählen:

„Es ist viele Jahrzehnte her, seit Arwen Undómiel und ich uns auf dem Cerin Amroth verlobt haben. Sie möchte gerne heiraten, aber Elrond gibt mir nur seine Tochter zur Frau, wenn ich König von Gondor bin."

„Was wirst du tun?" fragte Faramir vorsichtig.

„Ich will diese Macht nicht," erwiderte Aragorn leise und spielte mit einem Grashalm. „Dein Vater ist der Truchseß und dein Bruder träumt sicher schon lange davon, Herrscher von Gondor zu werden. Was würden sie wohl sagen, wenn ein zerlumpter Waldläufer wie ich nach Minas Tirith käme und den Thron einforderte?"

„Ich sagte dir schon, dass Gondor schwach ist," entgegnete der junge Mann ernst. „Wir brauchen einen König, der uns Hoffnung gibt. Zu lange waren selbstgefällige Fürsten in Gondor an der Macht. Das Reich verfällt und der Weiße Baum stirbt. Du musst nach Minas Tirith gehen!"

„Vielleicht wird irgendwann die Zeit kommen, aber vielleicht auch nicht," sagte Aragorn bitter lächelnd.

Dann hüllte er sich in seine Decke und legte sich ans glimmende Lagerfeuer. Faramir sah ihm schweigend zu. Er hatte Aragorn als Stammesführer der Dunedain erlebt: er war ein Mann, auf den die Menschen hörten, ein Mann, dem die Menschen folgen würden, wenn er sie rief. Auch die Menschen Gondors. Er musste Aragorn dazu bringen, nach Gondor zu gehen. Doch jetzt galt es erst einmal, diesen Gollum zu fangen.

§

Einige Tage später überquerten sie den Anduin in Nord-Anórien und erreichten das Fennfeld, von den Elben auch Nindalf genannt. Dieses Gebiet war schon der Vorläufer des riesigen Sumpfgebietes, das sich weit nach Osten erstreckte. Der Boden war weich und federte unter ihren Füßen. Es wurde immer sumpfiger, je weiter sie vordrangen. Faramir war ganz mulmig zumute, denn er erinnerte sich wieder daran, als er sich in den Totensümpfen verirrt hatte und dann ins Wasser gestürzt war.

„Wir sollte die Pferde besser hier zurücklassen," meinte Aragorn nachdenklich.

Faramir nickte wortlos. Er hoffte, dass sie diesen kleinen Unhold bald erwischten, damit sie sich nicht länger als nötig in dieser unwirtlichen Gegend aufhalten mussten.

§

In einem kleinen Gebüsch ganz in der Nähe lauerte eine seltsame Gestalt: dürr und halbnackt. Ein großer Kopf mit spärlicher Behaarung saß auf einem viel zu dünnen Hals. Es hatte die großen Glupschaugen weit aufgesperrt und schnüffelte laut hörbar.

„Garstige Menschen sind hier. Wollen unsss bestimmt weh tun. Ja, sie werden unsssss wehtun," brabbelte die Gestalt vor sich hin.

Dieses Wesen war niemand anders als der gesuchte Gollum. Vorsichtig begann er sich mit gespreizten Gliedern auf allen Vieren vorwärts zu bewegen. Doch er rechnete nicht damit, dass es sich bei diesen beiden Menschen um geübte Waldläufer handelte. Aragorn sah im Augenwinkel, dass sich bei den nahen Büschen etwas bewegte.

„Das ist er!" zischte er.

Sofort nahmen er und Faramir die Verfolgung Gollums auf. Die hässliche Kreatur bewegte sich ziemlich flink voran und die Beiden hatten Mühe, sie einzuholen. Zu Faramirs Entsetzen rannte Gollum auf die Totensümpfe zu.

„Wir teilen uns!" rief ihm Aragorn zu. „Ich gehe nach rechts und du nach links."

Zum Glück schlug Gollum kurz vor den Totensümpfen noch einen Haken nordwärts und Faramir atmete auf. Anscheinend zog es diese Kreatur vor, über festen Boden zu fliehen. Gollum erreichte rasch ein kleines Wäldchen und kletterte geschmeidig wie eine Katze sofort auf einen Baum hinauf. Doch Faramir hatte ihn gesehen. Er stellte sich unter den Baum hin und spannte seinen Bogen.

„Komm sofort da herunter, sonst schieße ich!"

„Nein!" heulte Gollum auf. „Wir können nicht heruntergehen. Garstige Menschen werden unssss wehtun!"

Aragorn erreichte jetzt außer Atem auch den Baum.

„Nein, wir werden dir nicht wehtun, Gollum!" rief der ältere Waldläufer hinauf. „Du hast mein Ehrenwort!"

Gollum wimmerte und zischelte noch eine Weile vor sich hin. Er wusste, dass er nicht ewig auf dem Baum hocken bleiben konnte. Die beiden Menschen da unten würden auch nicht eher weggehen, bis er herunterkam. Schließlich kam er langsam heruntergekrochen. Geistesgegenwärtig warf sich Aragorn auf ihn.

„Schnell das Seil, Faramir!"

Gollum begann sich wie wild zu wehren.

„Nein, kein hässssliches, grobesssss Seil! Es tut unsssss weh!" jammerte er auf.

„Verdammt, Faramir, wo bleibt das Seil?" keuchte Aragorn, der alle Mühe hatte, den sich windenden Gollum festzuhalten.

Dann geschah es auch schon: die gepeinigte Kreatur biß den Waldläufer in die Hand. Aragorn fluchte wütend auf und ließ Gollum kurz los. Doch in diesem Moment war auch schon Faramir mit dem Seil da und legte eine Schlinge um den dürren Hals des Wesens.

Jetzt heulte Gollum wie wild auf.

„Es tut unsssss weh! Garstige Menschen tun unssss weh!"

Doch Faramir fesselte das missgestaltete Geschöpf weiter, während sich Aragorn fluchend um seine verletzte Hand kümmerte. Das Ende des Seils knotete der junge Mann schließlich um den Baumstamm. Dann wandte er sich seinem Gefährten zu.

„Ist es schlimm?" fragte er besorgt.

„Der Mistkerl hat ziemlich tief zugebissen," presste Aragorn hervor.

Er hatte ein kleines Tuch um seine Hand gewickelt. Faramir konnte sehen, wie das Blut bereits durch den Stoff drang.

„Geh in den Wald und pflücke ein paar Athelas-Pflanzen," befahl der Waldläufer schnaufend.

„Das Königskraut?" fragte der junge Mann unsicher. „Sollte ich nicht besser..."

„Nein, ich brauche Athelas!" unterbrach ihn Aragorn ungeduldig.

Rasch entfernte sich Faramir. Das Jammern und Winseln von Gollum war furchtbar anzuhören. Es war nur zu hoffen, dass er damit keine Orks anlockte. Als der junge Mann endlich mit einer Hand voller Athelas-Pflanzen zurückkam, hatte Aragorn Gollum geknebelt.

„Na endlich!" murmelte der Waldläufer und riß Faramir die Heilpflanzen aus der Hand.

Zu dessen Überraschung stopfte er sich einen Teil davon in den Mund, zerkaute sie und spie den Brei dann auf seine Wunden. Als Aragorn mit der Kräuterbehandlung fertig war, ließ er sich von Faramir einen richtigen Verband um die Hand machen.

„Ich hole jetzt die Pferde, dann können wir etwas essen," meinte der junge Mann schließlich.

„Gut, mach' das," murmelte der ältere Waldläufer.

Als Faramir weg war, wandte sich Aragorn Gollum zu. Er nahm ihm die Knebel ab und fragte ihn, ob er verfolgt wurde. Doch die Kreatur fing sofort wieder an laut zu jammern und schimpfen.

„Garstige Menschen, garstiges Seil! Tun unsssss weh, so weh!"

„Sind Saurons Schergen hier irgendwo in der Nähe?" fragte Aragorn streng. „Rede endlich, oder du bekommst nichts zu essen!"

„Wir sind alleine in den Ssssümpfen," brabbelte Gollum vor sich hin. „Keine ssstinkenden Orkse sind unssss gefolgt."

Diese Auskunft genügte dem Waldläufer fürs Erste. Ob das elende Geschöpf die Wahrheit sprach, würde sich noch früh genug herausstellen.

Faramir war jetzt mit den Pferden zurück und holte ein paar Vorräte aus den Satteltaschen.

Gollum verzog sein hässliches Gesicht zu einer Fratze.

„Wir mögen kein Menschen-Essen! Garstiges Essen!"

Faramir hatte ihm ein Stück Dörrfleisch an den Mund gehalten.

„Dann eben nicht," meinte er und aß es selbst auf.

„Wir müssen verhungern," jammerte die Kreatur jetzt auf. „Grausssame Menschen lassen unssss verhungern, mein Schatzzzz."

Aragorn und Faramir sahen sich vielsagend an: zum ersten Mal erwähnte Gollum das Wort „Schatz".

„Damit meint er den Ring," raunte der ältere Waldläufer dem jungen Mann zu.

Er wandte sich jetzt wieder Gollum zu:

„Weißt du denn überhaupt, wo sich der Ring befindet?"

„Oh, schrecklicher Hobbit hat ihn unssss gestohlen. Hat ihn immer noch, meinen Schatzzzz," zischelte das Wesen und zerrte an seinen Fesseln herum.

Faramir sah ihm gelassen dabei zu: seine Knoten würden halten. Er verspürte nicht das geringste Mitleid mit dieser Kreatur. Schließlich hatte ihm Aragorn die Geschichte von Sméagol erzählt, der seinen Vetter Déagol wegen des Ringes gemeuchelt hatte, und schließlich zu Gollum geworden war.

„Morgen früh reiten wir los in den Düsterwald," beschloß Aragorn.

„Oh nein, nicht zu schrecklichen, ekelhaften Elben!" plärrte die Kreatur sofort los. „Grausssame Elben tun unssss weh."

„Dir wird niemand etwas tun, wenn du dich ruhig verhältst," fuhr Faramir ihn an, der allmählich seine Geduld verlor.

§

In der folgenden Nacht hielten Faramir und Aragorn abwechselnd Wache. Sie mussten damit rechnen, dass Orks in der Nähe herumschlichen. Aber zum Glück blieb alles ruhig. Am nächsten Morgen untersuchte Faramir Aragorns Wunde und musste mit Erschrecken feststellen, dass sie sich entzündet hatte.

„Ich brauche noch mehr Athelas," stieß der ältere Waldläufer hervor, der offensichtlich Schmerzen hatte.

„Ich habe leider gestern nicht mehr gefunden," sagte Faramir bedrückt. „Das Waldstück hier ist nur sehr klein. Hier gibt es zu wenig Pflanzen."

„Dann muß es eben so gehen," murmelte Aragorn und warf Gollum einen finsteren Blick zu.

„Wer weiß, was dieser üble Bursche gegessen hatte, bevor er mich biß."

Faramir brachte die gesattelten Pferde herbei.

„Du wirst Gollum zu dir hinaufnehmen," sagte sein Gefährte. „Wenn er zu Fuß hinter uns herkriecht, kommen wir zu langsam voran."

Der junge Mann schluckte und setzte dann den übelriechenden Gesellen vor sich in den Sattel. Da Gollum mit seinem Gejammere Faramirs Pferd fast scheu machte, wurde er wieder geknebelt.

Sie ritten nun nordostwärts, wobei sie die Emyn Muil, ein graues, schroffes Hügelland, nur streiften. Schon bald konnten sie die Ausläufer des Düsterwaldes sehen, ein unendlich großes Waldgebiet im Nordosten von Mittelerde.

Am Abend sank Aragorn fast erschöpft vom Pferd. Entsetzt musste Faramir feststellen, dass der Waldläufer Fieber hatte. Er fesselte Gollum an einen Baum und nahm ihm den Knebel heraus. Und sogleich fing der Gefangene wieder an zu plärren und zu jammern. Wütend packte ihn Faramir jetzt an seinem dürren Hals. Seine blauen Augen funkelten gefährlich.

„Wenn du nicht auf der Stelle ruhig bist, dann drücke ich zu. Ich glaube, es gibt Niemanden, der über dein Ableben unglücklich wäre."

Gollum stierte ihn entsetzt an und schwieg endlich. Er aß sogar das, was Faramir ihm von den Vorräten gab. Der junge Mann merkte, dass die Kreatur wirklich am Verhungern war. Aragorn hatte sich inzwischen in seine Decke gewickelt und saß zähneklappernd am Lagerfeuer. Das Fieber war noch weiter gestiegen.