Mira: Bei Gollum bin ich etwas hin- und hergerissen. Einerseits tut mir der arme Kerl leid, andererseits könnte ich ihn für seine Verlogenheit den Hals herumdrehen.
Pemaroth: Juhu, eine neue Leserin! Mit meinem Aufruf habe ich vor allen Dingen die Leser angesprochen, die am Anfang reviewt haben und jetzt plötzlich wie vom Erdboden verschluckt sind. Kann mir nicht vorstellen, dass die alle abgesprungen sind.
Leonel: Es freut mich, dass ich mit diesem Kapitel deine Erwartungen zwecks Gollum/Smeagol erfüllen konnte. Es wird auch noch im nächsten Kapitel ein wenig mit ihm weitergehen.
Selana: Ich freue mich, dass du auch diese Geschichte von mir liest. Sie ist natürlich recht AU, aber auf diese Weise kann ich mal eine Gegend von Mittelerde beleuchten, die sonst eher selten in FFs zu finden ist.
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Kapitel 12: Begegnungen
„Wir müssen etwas gegen das Fieber unternehmen," meinte Faramir höchst besorgt.
„Ich brauche noch mehr Athelas," presste Aragorn hervor und zog die Decke enger um sich.
„Ich gehe in den Wald und besorge noch welches," sagte der jüngere Mann und erhob sich.
Er legte noch ein wenig Reisig ins Feuer, damit es Aragorn warm hatte und ging dann in den nahen Düsterwald hinein.
Dieser Wald gefiel Faramir überhaupt nicht: es war ein unheimlicher Ort. Die hohen Bäume ließen fast kein Tageslicht durch und kein Vogel sang weit und breit. Es war nur ein geheimnisvolles Knistern und Knacken im Unterholz zu hören. Der junge Gondorianer fröstelte unwillkürlich. Doch dann kam er endlich auf eine Waldlichtung, auf der das Königskraut wuchs. Faramir entdeckte auch noch eine andere Pflanze: die Schwertblume. Er wusste aus Erfahrung, dass der Sud aus der Schwertblume sowohl entzündungshemmend als auch fiebersenkend wirkte. Er nahm sich reichlich von beiden Kräutern mit und stapfte dann wieder hoffnungsvoll zum Lagerplatz zurück. Aragorn hatte sich niedergelegt. Faramir wusste sofort, dass etwas nicht stimmte, denn normalerweise hätte der ältere Waldläufer Gollum niemals aus den Augen gelassen.
Der junge Mann legte rasch die Kräuter beiseite und fuhr vorsichtig über Aragorns Stirn. Sie war glühend heiß. Er hatte die Augen fest geschlossen und stöhnte leise. Gollum zerrte derweil an seinen Fesseln.
„Garstiger Mensch isssst sehr krank, oja sehr krank," frohlockte er mit seiner nervtötenden Stimme. „Wir freuen uns, mein Schatzzzzz."
„Seit still, sonst schneide ich dir die Zunge ab!" herrschte Faramir ihn wütend an und zückte seinen Dolch.
Gollum war sofort ruhig und stierte den jungen Gondorianer entsetzt an. Doch Faramir begann mit dem Dolch die Schwertblumen zu zerkleinern. Er setzte einen kleinen Topf mit Wasser über das Feuer und warf die Pflanzenteile hinein. Schon bald begann das Wasser zu kochen. Derweil legte der junge Mann kalte Umschläge auf Aragorns Stirn. Er merkte, wie ihm der Waldläufer immer weiter entglitt.
„Wehe, du stirbst mir weg," presste Faramir hervor, während sich seine Augen mit Tränen füllten.
Als der Kräutersud fertig war, füllte er ihn in einen kleinen Napf. Er musste noch ein wenig abkühlen, bevor er trinkbar war.
Schließlich setzte Faramir den Sud an Aragorns Mund. Doch dieser schlug in Fieberträumen mit den Händen um sich.
„Nein, Halbarad, jetzt nicht. Wir müssen..."
Fast wäre Faramir der Napf aus der Hand geschlagen worden. Er wartete, bis Aragorn ruhiger wurde und setzte dann das Gefäß noch einmal an den Mund des Waldläufers. Aufatmend sah er, dass der Kranke trank.
„So ist es schön, Aragorn," sagte der junge Mann leise. „Dann wirst du auch schnell wieder gesund."
„Was geht hier vor?" fragte plötzlich eine melodische Stimme hinter Faramir.
Der junge Mann fuhr erschrocken hoch und drehte sich um. Er schalt sich selbst, dass er zu wenig aufgepasst hatte, aber Aragorns Gesundheit ging nun einmal vor. Fünf Elben auf Pferden waren aus dem Wald gekommen. Sie hatten alle weißblondes Haar und schöne, edle Gesichter. Der Jüngste und Schönste von ihnen stieg vom Pferd.
„Was ist mit Aragorn?" fragte er Faramir besorgt.
„Wer seid Ihr?" wollte dieser zunächst einmal wissen.
„Ich bin Legolas, der Sohn Thranduils," erwiderte der Elb. „Ich kenne Aragorn schon viele Jahre. Was ist geschehen?"
Faramir erzählte kurz, was passiert war. Die Elben blickten alle wütend zu Gollum hinüber, der sich in seinen Fesseln am Baum wand.
„Garstige, schreckliche Elben!" jammerte er auf. „Wollen nicht zu Elben. Wollen hierbleiben bei nettem, jungen Herrn."
Faramir verschlug es die Sprache bei so viel Dreistigkeit. Eben hatte Gollum ihn noch angegiftet, jetzt schmeichelte er ihm.
Legolas beugte sich über Aragorn.
„Er hat hohes Fieber durch diesen Biß" stellte er fest.
„Ich habe ihm den Sud der Schwertblume verabreicht," erklärte Faramir gefasst. „Mit der Verabreichung von Athelas kenne ich mich nicht aus."
„Mit Athelas kann nur der König von Gondor heilen," sagte Legolas stolz. „Ich merke an deinem Akzent, dass du aus Gondor stammst. Wirst du deinen König nach Minas Tirith geleiten?"
Faramir errötete aufgrund dieser Frage.
„Laß gut sein, Legolas," sagte Aragorn plötzlich mit schwacher Stimme. „Der Kleine hat mich gerettet mit seinem Kräutertrank, scheint es."
Legolas legte anerkennend die Hand auf die Schulter des jungen Gondorianers.
„Das hast du sehr gut gemacht, mein Freund."
Aragorn setzte sich langsam auf, obwohl er eigentlich noch sehr zittrig war.
„Ihr könnt Gollum gleich mitnehmen in euere Waldstadt, Legolas. Dann können wir gleich zurückreiten nach Eriador. Ich werde dort gebraucht."
„Du musst dich noch schonen, Aragorn," mahnte der Elbenprinz. „Das Fieber hat deinen Körper stark geschwächt."
„Ach was!" winkte dieser ab. „Ich habe schon schlimmeres überstanden. Ein paar Stunden Schlaf und ich bin wieder in Ordnung."
Faramir schüttelte lächelnd den Kopf über Aragorns Sturheit.
Die Elben schlugen ihr Nachtlager bei ihnen auf. Legolas und Faramir passten auf, dass ihr kranker Freund genügend Schlaf bekam. Der gefangene Gollum schien sich in sein Schicksal ergeben zu haben, denn er rührte sich nicht und hatte die Augen geschlossen.
§
Am nächsten Morgen wirkte Aragorn tatsächlich wieder gesund wie eh und je. Er drängte zum Aufbruch. Gollum wurde auf ein Pferd gefesselt. Die Elben wollten ihn mit in den Düsterwald nehmen. Faramir hatte irgendwie eine ungute Vorahnung.
„Passt gut auf ihn auf," mahnte er Legolas. „Der Bursche ist flink wie ein Vogel."
Der Prinz des Düsterwaldes sah ihn empört an.
„Wir wissen, wie wir mit Gollum umzugehen haben. Er wird uns nicht entkommen."
Aragorn legte seinem jungen Gefährten die Hand auf die Schulter.
„Laß gut sein, Faramir," sagte er leise.
Legolas und seine Krieger verabschiedeten sich nun von Aragorn und Faramir. Dann ritten sie mit Gollum in den finsteren Wald hinein.
